{"id":67132,"date":"2020-11-21T11:45:44","date_gmt":"2020-11-21T10:45:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67132"},"modified":"2020-11-21T12:32:35","modified_gmt":"2020-11-21T11:32:35","slug":"entweder-oder-gut-oder-boese-demokratie-geht-anders","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67132","title":{"rendered":"Entweder-Oder, Gut oder B\u00f6se: Demokratie geht anders"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Deutschland ist im Kampfmodus. Andersdenkende werden verunglimpft, und statt aufeinander zuzugehen, breitet sich in der &Ouml;ffentlichkeit ein aggressives Klima der Intoleranz aus.&ldquo; Das ist die Diagnose der ehemaligen ARD-Journalistin und Moskau-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz in ihrem neuen Buch &bdquo;Respekt geht anders. Betrachtungen &uuml;ber unser zerstrittenes Land&ldquo;. Unser Rezensent <strong>Udo Brandes<\/strong> hat es f&uuml;r die NachDenkSeiten gelesen.<br>\n<!--more--><br>\nMan k&ouml;nnte ja der Meinung sein, dass schlechter werdende Umgangsformen in der Gesellschaft vielleicht nicht gerade die Lebensfreude f&ouml;rdern, aber doch als politisches Problem eher marginal sind. Gabriele Krone-Schmalz, und da muss ich ihr zustimmen, sieht darin aber mehr, n&auml;mlich eine Gefahr f&uuml;r die Demokratie:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Demokratie kann nur mit interessierten, gut informierten und kompromissf&auml;higen B&uuml;rgern funktionieren. Null-Bock-Zeitgenossen, Hysteriker und Wutb&uuml;rger fahren das System an die Wand, und die Missionarischen, die sich stets auf der moralisch richtigen Seite w&auml;hnen, legen allzu oft ein zutiefst intolerantes Verhalten an den Tag, ohne es zu merken. <\/p>\n<p>In diesem Buch will ich mich mit den Mechanismen der Polarisierung besch&auml;ftigen. Ich will zeigen, wo die Fallen lauern, die aus pluralistischen Debatten polarisierende Spaltpilze werden lassen. Und ich will zum Nachdenken anregen, ob es auch nicht anders geht: ruhiger, entspannter, sachorientierter, kurz: respektvoller. Haben wir in unserer Gesellschaft nicht au&szlig;erdem viel mehr gemeinsam, als es die aufgeheizten Debatten vermuten lassen?&ldquo; (S. 8).\n<\/p><\/blockquote><p>Eine zentrale These ihres Buches lautet, dass das bin&auml;re Denken, also das Entweder-Oder-Denken, eine offene, differenzierte und vor allem argumentative Auseinandersetzung unm&ouml;glich macht: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wenige Wochen nach den Anschl&auml;gen auf das World Trade Center in New York vom 11. September 2001 erkl&auml;rte Pr&auml;sident George W. Bush, im &sbquo;Krieg gegen den Terror&rsquo; gebe es keine Neutralit&auml;t. &sbquo;You are either with us or against us.&rsquo; Das ist die krasseste Form vom Entweder-oder-Denken: &sbquo;Wer nicht f&uuml;r mich ist, ist gegen mich&rsquo;. Wurden Sie auch schon mal vor diese Alternative gestellt? Was f&uuml;r eine Anma&szlig;ung! Denn es l&auml;uft darauf hinaus, dass Sie ihr eigenes Gehirn abschalten sollen und in bedingungsloser Treue demjenigen folgen, der diese letztlich rhetorische Frage stellt. Das passt eher in diktatorische Denkmuster als zu demokratischen Verhaltensweisen. &sbquo;Wer nicht f&uuml;r mich ist, ist gegen mich&rsquo; zwingt Sie dazu, auch Dinge zu tun oder zuzulassen, mit denen Sie pers&ouml;nlich nicht einverstanden sind, andernfalls werden Sie zum Feind erkl&auml;rt, der bek&auml;mpft werden muss&ldquo; (S.13).\n<\/p><\/blockquote><p>Dies sei aber noch nicht alles, so Krone-Schmalz. Bin&auml;res Denken f&uuml;hre in die Irre und baue Gegens&auml;tze auf, wo keine seien: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<strong>Entweder oder, ja oder nein<\/strong>, das klingt nicht nur nach Mittelalter und Inquisition, es f&uuml;hrt auch mit Blick auf die Probleml&ouml;sungen in die Irre. Zum einen, weil Realit&auml;ten nicht so holzschnittartig sind, dass man ihnen mit <strong>entweder oder<\/strong> und <strong>ja oder nein<\/strong> gerecht werden k&ouml;nnte, und zum anderen, weil es &uuml;ber tats&auml;chlich bestehende Gegens&auml;tze hinaus welche aufbaut, die keine sind. Es kommt noch etwas Drittes hinzu: Wenn &uuml;ber fruchtlose Alternativen diskutiert wird, statt &uuml;ber pragmatische und konkrete L&ouml;sungen, dann lenkt das oft von den eigentlichen Fragen ab&ldquo; (S.13).\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Wenn eigenst&auml;ndiges Denken verd&auml;chtig wird<\/strong><\/p><p>Sie veranschaulicht die Problematik des bin&auml;ren Denkens an diversen Beispielen, u. a. an den Diskussionen zur Corona-Epidemie, dem Klimawandel und der Genderdiskussion. Zur Au&szlig;enpolitik stellt sie Folgendes fest: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Auch in der Au&szlig;enpolitik entfaltet das Entweder-oder-Denken seine sch&auml;dliche Wirkung. Muss man sich wirklich entscheiden, ob man zu Polen <strong>oder<\/strong> zu Russland gute Beziehungen unterh&auml;lt? Zu Russland <strong>oder<\/strong> den USA? Ich denke, nein, aber es ist t&auml;gliche Praxis, &sbquo;Transatlantiker&rsquo; gegen &sbquo;Russlandversteher&rsquo; politisch und medial in Stellung zu bringen. Nicht jeder, der die Politik der USA kritisiert, will gleich das transatlantische B&uuml;ndnis aufl&ouml;sen. Es gibt nicht nur die Alternative zwischen einer bedingungslosen Gefolgschaft gegen&uuml;ber Washington und einer einseitigen Hinwendung nach Moskau. Man kann auch die Gewichte innerhalb des transatlantischen B&uuml;ndnisses zugunsten Europas verschieben wollen. (&hellip;) Aber in solchen Fragen geht es oft weniger um die Sache als um ideologische Positionierung. Ideen, Vorschl&auml;ge und &Uuml;berlegungen werden, je nachdem aus welchem &sbquo;Lager&rsquo; sie kommen, verkl&auml;rt, verteufelt oder gar nicht erst zur Kenntnis genommen. In der Folge schaukeln sich Auseinandersetzungen auf, und diejenigen, die das &sbquo;Sowohl-als-auch&rsquo; mitdenken und sich um Verst&auml;ndigung bem&uuml;hen, werden beiseite geschoben, eben weil sie sich nicht sklavisch auf eine Seite stellen wollen&ldquo; (S.16).\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Wenn Andersdenkende zu B&ouml;sen werden<\/strong><\/p><p>Ein weiterer Aspekt dieses bin&auml;ren Denkens ist die moralisierende Einteilung in Gut und B&ouml;se. Wobei nat&uuml;rlich immer diejenigen, die so verfahren, sich selbst in die Kategorie &bdquo;Gut&ldquo; einordnen. In diesem Denkmuster vertritt, wer von der eigenen Position abweicht, keine andere Position, sondern schlichtweg eine moralisch verwerfliche. Krone-Schmalz widmet dieser Problematik zwei Kapitel: Das eine hei&szlig;t &bdquo;Gut und B&ouml;se&ldquo;, das andere &bdquo;Die W&uuml;rde des Andersdenkenden&ldquo;. In Letzterem schreibt sie Folgendes zum Antisemitismusvorwurf:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die bequemste und sicherste Methode, jemanden loszuwerden und sich nicht inhaltlich auseinandersetzen zu m&uuml;ssen, ist eine m&ouml;glichst abscheuliche Ecke zu finden, in die man ihn stellen kann. Die mit Abstand abscheulichste ist die mit der Aufschrift Antisemitismus. (&hellip;) Doch was genau ist antisemitisches Verhalten und wie &auml;u&szlig;ert sich antisemitisches Gedankengut?&ldquo; (S. 99-101).\n<\/p><\/blockquote><p>Im weiteren Text beschreibt Krone-Schmalz ein Projekt der Zeit-Stiftung, das &uuml;ber den allt&auml;glichen Antisemitismus aufkl&auml;ren und informieren soll. Auf der Internetseite zum Projekt werden unter der Rubrik &bdquo;Antisemitismus erkennen&ldquo; 35 Zitate aufgef&uuml;hrt. Krone-Schmalz kritisiert v&ouml;llig zu recht, dass einige dieser Zitate einen Antisemitismus behaupten, der keiner ist: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Da wird zum Beispiel ein &sbquo;&auml;lterer Herr bei einer Podiumsdiskussion&rsquo; zitiert (Zitat Nr. 18): &sbquo;Der Holcaust ist eine Schande. Ich pflege die Stolpersteine bei mir im Dorf. Ich achte darauf, dass nichts in Vergessenheit ger&auml;t. Aber das, was die Israelis in Pal&auml;stina machen, das geht einfach nicht.&rsquo; Was ist daran bitte antisemitisch? Die Begr&uuml;ndung der Initiative h&auml;ngt sich am Begriff &sbquo;Schande&rsquo; auf, an der Wendung &sbquo;die Israelis&rsquo; und daran, dass der Mann den Holocaust mit der Nahostpolitik verkn&uuml;pfe. Dabei will er mit dem Verweis auf den Holocaust vermutlich nur dem Verdacht vorbeugen, er sei Antisemit, weil er die israelische Politik kritisiert. Und wer w&auml;re bei einem Publikumsbeitrag zu einer Podiumsdiskussion davor gefeit, &sbquo;die Amerikaner&rsquo; oder &sbquo;die Russen&rsquo; zu sagen?&ldquo; (S: 102-103).\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Yin und Yang ist besser als Himmel und H&ouml;lle<\/strong><\/p><p>Aufgrund solcher moralisierenden Ausgrenzungsstrategien, die man im politischen Gesch&auml;ft regelm&auml;&szlig;ig beobachten kann, habe ich auch nichts gegen den polemischen Begriff &bdquo;Gutmensch&ldquo; einzuwenden. Denn er beschreibt sehr gut die Scheinheiligkeiten der Moralapostel in der Politik. Schon der ber&uuml;hmte Psychologe Alfred Adler (1937 verstorben) warnte in seinem Buch &bdquo;Menschenkenntnis&ldquo; vor Gutmenschen: &bdquo;Wenn die ideale Haltung eines Menschen ein gewisses Ma&szlig; &uuml;berschreitet, wenn seine G&uuml;te und Menschlichkeit Formen annimmt, die schon auff&auml;llig sind, dann ist Misstrauen am Platze.&ldquo; Deshalb kann ich auch Gabriele Krone-Schmalz nur zustimmen, wenn sie schreibt: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Politik ohne moralischen Kompass wird zur reinen Machtpolitik. Doch ein moralischer Kompass ist das eine. Ein Denken in den Kategorien &bdquo;Gut&ldquo; und &bdquo;B&ouml;se&ldquo; das Andere. In der chinesischen Philosophie werden gegens&auml;tzliche Prinzipien als ineinander verschlungen und einander erg&auml;nzend begriffen, was sich in der Konzeption von Yin und Yang zeigt. In der westlichen Tradition dominiert dagegen ein Denken in klaren, bin&auml;ren Alternativen. Im Christentum gibt es entweder den Himmel oder die H&ouml;lle. Die Weltgeschichte wird als ewiger Kampf zwischen den Kr&auml;ften des Guten und den Kr&auml;ften des B&ouml;sen gesehen. Mir scheint, dass manche &sbquo;moralische&rsquo; Haltung in unseren aktuellen politischen Debatten tief in diesen christlichen Traditionen verwurzelt ist. Doch was passiert, wenn man das politische Geschehen in einen Kampf zwischen &sbquo;Gut&rsquo; und &sbquo;B&ouml;se&rsquo; umdeutet und sich selbst dabei als das &sbquo;Gute&rsquo; definiert? <\/p>\n<p>Wenn politische Konflikte in dieser Weise moralisch aufgeladen werden, dann wirkt das polarisierend, vermindert die Kompromissbereitschaft, f&uuml;hrt oftmals zu einer falschen Wahrnehmung der eigentlichen Probleme und kann sogar die Geltung von Rechtssystemen untergraben. Denn muss sich das Gute im Kampf gegen das B&ouml;se an Gesetze oder internationale Regeln halten? Oder m&uuml;ssen diese f&uuml;r das h&ouml;here Ziel zur&uuml;ckstehen? <\/p>\n<p>Tats&auml;chlich gibt es weder &sbquo;das&rsquo; Gute noch &sbquo;das&rsquo; B&ouml;se. Wer sich selbst als &sbquo;gut&rsquo; definiert und den anderen als &sbquo;b&ouml;se&rsquo;, der verwischt alle Zweideutigkeiten und verbaut es sich, nach den Beweggr&uuml;nden des Gegen&uuml;bers zu fragen und diese als berechtigt zu verstehen. Nur wer davon ausgeht, dass auch der politische Gegner ein K&ouml;rnchen Wahrheit besitzt, ist f&auml;hig zu Kompromissen. Wer ihn dagegen als &sbquo;b&ouml;se&rsquo; betrachtet, der konstruiert Feindbilder, die mit der Realit&auml;t wenig zu tun haben&ldquo; (S.58).\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Armut in Deutschland: alles halb so schlimm?<\/strong><\/p><p>Unter der Kapitel&uuml;berschrift &bdquo;Hysterikerland&ldquo; befasst sich Krone-Schmalz auch mit der Armutsdebatte in Deutschland. Diesen Abschnitt ihres Buches empfinde ich pers&ouml;nlich als &auml;rgerlich. Ich habe den Eindruck, dass hier mit vielen &bdquo;einerseits&ldquo; und &bdquo;andererseits&ldquo; das Armutsproblem in Deutschland relativiert und besch&ouml;nigt werden soll. Sie schreibt unter anderem: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wer die Berichterstattung rund um das Thema Armut verfolgt, der merkt sehr schnell, dass in der Regel nicht zwischen Armut und Armutsrisiko unterschieden wird. &sbquo;Vor zwanzig Jahren in der Bundesrepublik noch undenkbar: Menschen durchsuchen M&uuml;lleimer auf der Suche nach Pfandflaschen. Menschen, die an Tafeln f&uuml;r Nahrungsmittel Schlange stehen. Das ist Armut in Deutschland heute&rsquo;, hei&szlig;t es etwa auf den Internetseiten der &sbquo;Linken&rsquo;. Und zu Recht wird dort festgestellt: &sbquo;In einem der reichsten L&auml;nder der Welt ist Armut ein unertr&auml;gliches und vermeidbares Ph&auml;nomen.&rsquo; Doch ist es zutreffend, wenn man diese Art von Armut, die dem Bild entsprechen d&uuml;rfte, das man gew&ouml;hnlich im Kopf hat, wenn der Begriff Armut f&auml;llt, mit den 16 Prozent der Bev&ouml;lkerung in Zusammenhang bringt, die sich im Armutsrisiko befinden? (&hellip;) Es ging mir nicht immer so gut wie heute. Ich musste beim Lebensmitteleinkauf gezielt Sonderangebote nutzen. Was Kleidung betraf &ndash; nur das N&ouml;tigste und schon gar nicht das, was &sbquo;in&rsquo; und teuer war. Und Urlaub? Kein Denken daran. Statistisch lebte ich im Armutsrisiko. Aber war ich deshalb arm?&ldquo; (S. 40).\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Kritik<\/strong><\/p><p>Gabriele Krone-Schmalz hat mit vielen Beispielen sehr gekonnt die Probleme der deutschen Debattenkultur auf den Punkt gebracht. Auch die Medienlandschaft hat sie gut analysiert. Eines aber untersch&auml;tzt sie meines Erachtens: Die Auswirkungen der neoliberalen Umverteilungspolitik von unten nach oben auf das gesellschaftliche Klima. Daraus resultierte eine erhebliche soziale Ungleichheit und damit einhergehend eine starke soziale Verunsicherung und eine gro&szlig;e Angst vor dem sozialen Abstieg. Gleichzeitig wurde und wird von den herrschenden Kreisen das betrieben, was ich mal den &bdquo;Klassenkampf von oben&ldquo; nennen m&ouml;chte. Beispiele: War es etwa ein von Respekt getragener Tonfall, wenn in der Zeit der rot-gr&uuml;nen Bundesregierung der sozialdemokratische Wirtschaftsminister Wolfgang Clement in einer regierungsamtlichen Brosch&uuml;re Arbeitslose mit Schmarotzern und Parasiten verglich? Ist es respektvoll, wenn in den privaten Medien Arbeitslose als verwahrloste Idioten vorgef&uuml;hrt und dargestellt werden? Unterstellt der Slogan &bdquo;F&ouml;rdern und fordern&ldquo; nur zuf&auml;llig, dass Arbeitslose faul und unwillig seien? Und tr&auml;gt dies zu einem respektvollen Umgang mit arbeitslosen Menschen bei?<\/p><p>Ein weiterer Punkt, der mir bei ihrer Argumentation fehlt: Die massive politische Repr&auml;sentationskrise. Anders ausgedr&uuml;ckt: Die vorgeblich linken Parteien Die Linke, SPD und Gr&uuml;ne repr&auml;sentieren schon lange nicht mehr die Interessen der unteren 40 Prozent der Bev&ouml;lkerung. Einfach nur respektvoller miteinander umzugehen, l&ouml;st dieses Problem nicht. Vielmehr ist diese Repr&auml;sentationskrise eine der Ursachen f&uuml;r die zunehmende Verrohung und Respektlosigkeit: Denn wenn sich die gesellschaftlichen Konfliktlagen nicht mehr in harten parteipolitischen Auseinandersetzungen widerspiegeln, k&ouml;nnen viele Menschen ihre Wut auf die Verh&auml;ltnisse in der Gesellschaft nicht mehr sinnstiftend politisch verarbeiten und kanalisieren. Und radikalisieren sich deshalb &ndash; und laufen Leuten hinterher, die nur Pseudol&ouml;sungen zu bieten haben. Das liegt auch am &bdquo;mittigen&ldquo; journalistischen Establishment, das sich in seinen Meinungen nur graduell unterscheidet und ideologisch nur selten bis gar nicht grundlegend alternative Sichtweisen zu bieten hat.<\/p><p>Deshalb w&auml;re meine erg&auml;nzende Anmerkung zum Thema des Buches: Das Sein bestimmt das Bewusstsein. Also die konkreten Lebensbedingungen, unter denen Menschen handeln und leben m&uuml;ssen. Dieser materielle Aspekt der zunehmenden Verrohung unserer Debattenkultur kommt meines Erachtens in Krone-Schmalz&rsquo; Buch zu kurz. <\/p><p><strong>Res&uuml;mee<\/strong><\/p><p>Trotzdem m&ouml;chte ich dieses Buch empfehlen. Es enth&auml;lt viele lesenswerte Analysen und Anregungen und bereichert die politische Diskussion. W&auml;re dies eine Amazon-Rezension, w&uuml;rde ich vier von f&uuml;nf m&ouml;glichen Sternen vergeben. <\/p><p><strong>Gabriele Krone-Schmalz: Respekt geht anders. Betrachtungen &uuml;ber unser zerstrittenes Land, M&uuml;nchen 2020, C. H. Beck Verlag, 174 Seiten, 14,95 Euro<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Deutschland ist im Kampfmodus. Andersdenkende werden verunglimpft, und statt aufeinander zuzugehen, breitet sich in der &Ouml;ffentlichkeit ein aggressives Klima der Intoleranz aus.&ldquo; Das ist die Diagnose der ehemaligen ARD-Journalistin und Moskau-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz in ihrem neuen Buch &bdquo;Respekt geht anders. Betrachtungen &uuml;ber unser zerstrittenes Land&ldquo;. Unser Rezensent <strong>Udo Brandes<\/strong> hat es f&uuml;r die NachDenkSeiten gelesen.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67132\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,208,11,161],"tags":[2249,1163,2507,2422],"class_list":["post-67132","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-rezensionen","category-strategien-der-meinungsmache","category-wertedebatte","tag-krone-schmalz-gabriele","tag-meinungspluralismus","tag-streitkultur","tag-verrohung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/67132","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=67132"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/67132\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":67174,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/67132\/revisions\/67174"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=67132"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=67132"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=67132"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}