{"id":67201,"date":"2020-11-23T09:03:25","date_gmt":"2020-11-23T08:03:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67201"},"modified":"2020-11-24T07:22:19","modified_gmt":"2020-11-24T06:22:19","slug":"gruen-verpackte-politik-gegen-die-natur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67201","title":{"rendered":"Gr\u00fcn verpackte Politik gegen die Natur"},"content":{"rendered":"<p>B&uuml;ndnis 90\/Die Gr&uuml;nen haben am Wochenende ihre Bundesdelegiertenkonferenz abgehalten, in derem Mittelpunkt das Grundsatzprogramm stand. Der Entwurf[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67201#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] &ouml;ffnet f&uuml;r die Gr&uuml;nen den Weg weiter in die Richtung einer schwarz-gr&uuml;nen Koalition in Berlin. Der Auftrag der Bundeswehr soll auf einen schwammigen &bdquo;Sicherheitsbegriff&ldquo; ausgedehnt werden. Von <strong>Bernhard Trautvetter<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8373\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-67201-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201123_Gruen_verpackte_Politik_gegen_die_Natur_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201123_Gruen_verpackte_Politik_gegen_die_Natur_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201123_Gruen_verpackte_Politik_gegen_die_Natur_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201123_Gruen_verpackte_Politik_gegen_die_Natur_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=67201-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201123_Gruen_verpackte_Politik_gegen_die_Natur_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"201123_Gruen_verpackte_Politik_gegen_die_Natur_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Frieden und Milit&auml;r im Entwurf zum gr&uuml;nen Grundsatzprogramm<\/strong><\/p><p>Die Gr&uuml;nen\/B&uuml;ndnis 90 formulieren im Kapitel &lsquo;Frieden&rsquo; ihre f&uuml;r breite W&auml;hlerschichten andockf&auml;hige Vision: <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Unser Ziel ist eine weltweite Ordnung mit internationalen Institutionen. Sie soll Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit sichern&hellip;&rdquo; (S.11)\n<\/p><\/blockquote><p>Das hei&szlig;t f&uuml;r die Gr&uuml;nen: <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Wir tragen als internationale Gemeinschaft Verantwortung, gegen schwerste Menschenrechtsverletzungen und V&ouml;lkermord im Rahmen der Vereinten Nationen vorzugehen.&rdquo; (ebenda)\n<\/p><\/blockquote><p>Diese Formulierung &ouml;ffnet die Gr&uuml;nen f&uuml;r Auslandseins&auml;tze, wie sie die schon seit der Zeit von Au&szlig;enminister Josef Fischer mitverantworten. Dass diese Milit&auml;reins&auml;tze zum Zerfall einer ganzen Weltregion zwischen dem Golf, Mali und dem Balkan wesentlich beigetragen haben, dass dabei &ouml;kologische Verbrechen stattgefunden haben, von denen sich die Staaten lange nicht mehr erholen k&ouml;nnen, ger&auml;t aus dem Blick der Autorinnen und Autoren des Programms. Darauf ist hier sp&auml;ter beim Blick durch das beschlossene Programm genauer einzugehen.<br>\nZu den Aufgaben der Bundeswehr steht <a href=\"https:\/\/bdk.gruene.de\/\">im beschlossenen Programm<\/a> (Kapitel 8, 364) :<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Der Auftrag und die Aufgaben der Bundeswehr orientieren sich an den realen und strategisch bedeutsamen Herausforderungen f&uuml;r Sicherheit und Friedenssicherung. Sie ist ein notwendiges Mittel staatlicher und internationaler Sicherheitspolitik. Deutschland soll sich auf seine B&uuml;ndnispartner verlassen k&ouml;nnen und genauso sollen sich die B&uuml;ndnispartner auf Deutschland verlassen. Die Gesamtverantwortung f&uuml;r den Einsatz muss begr&uuml;ndet, Informationen &uuml;ber alle Operationen im Einsatz den Verb&uuml;ndeten vollst&auml;ndig zug&auml;nglich sein. Direkte Eins&auml;tze im Rahmen der VN haben dabei Vorrang vor Kriseneins&auml;tzen der EU und der NATO.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Demgegen&uuml;ber gilt laut Grundgesetz, dass die Bundeswehr ausschlie&szlig;lich f&uuml;r die Verteidigung einzurichten ist: <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Der Bund stellt Streitkr&auml;fte zur Verteidigung auf. &hellip;  Au&szlig;er zur Verteidigung d&uuml;rfen die Streitkr&auml;fte nur eingesetzt werden, soweit dieses Grundgesetz es ausdr&uuml;cklich zul&auml;&szlig;t.&rdquo; So darf die Bundeswehr den Sicherheitsorganen der Polizei dann helfen, wenn es um die &ldquo;Abwehr einer drohenden Gefahr f&uuml;r den Bestand oder die freiheitliche demokratische Grundordnung des Bundes oder eines Landes&rdquo; geht. (Art. 87 a GG)\n<\/p><\/blockquote><p>Die Ausdehnung des Auftrages auf einen schwammigen Sicherheitsbegriff klingt f&uuml;r uninformierte Ohren besser, als die zu beobachtende Wirkung dieses Konzepts seit den Milit&auml;rinterventionen der Bundeswehr seit ihrem Somalia-Einsatz Anfang der 1990er Jahre zu bewerten ist. Ein Blick nach Afghanistan, nach Mali oder in andere Interventionsgebiete zeigt, dass Kriege nicht im Frieden enden. Der &lsquo;Vorrang&rsquo; f&uuml;r den Einsatz milit&auml;rischer Gewalt auf der Beschlusslage der Vereinten Nationen klingt oberfl&auml;chlich gut, und er ist so schwammig formuliert, dass sich die Gr&uuml;nen auch f&uuml;r weitere nicht UNO-mandatierte Nato-Eins&auml;tze &ouml;ffnen. Die Gr&uuml;nen sprechen sich im gerade beschlossenen Programm zudem f&uuml;r eine weitere Militarisierung der EU aus: Laut Programm  soll &ldquo;die verst&auml;rkte Zusammenarbeit der Streitkr&auml;fte in der EU ausgebaut, milit&auml;rische F&auml;higkeiten geb&uuml;ndelt und allgemein anerkannte F&auml;higkeitsl&uuml;cken geschlossen werden. Daf&uuml;r braucht es eine geeignete Ausstattung, den Ausbau von EU-Einheiten sowie eine St&auml;rkung und Konsolidierung der gemeinsamen EU-Kommandostruktur.&rdquo; (366; ab jetzt erscheint hier nur noch die Abschnitts-Nr.).<\/p><p><strong>&bdquo;Milit&auml;rische Mobilit&auml;t&ldquo; in Richtung russischer Westgrenze<\/strong><\/p><p>Dies &ouml;ffnet gr&uuml;ne Politik f&uuml;r eine desastr&ouml;se Europapolitik im Fall einer weiteren Steigerung der Konflikte auf unserem Kontinent. Dies macht ein Blick auf die sogenannte &lsquo;Schlie&szlig;ung milit&auml;rischer F&auml;higkeitsl&uuml;cken der EU&rsquo; deutlich: Die Frankfurter Rundschau berichtete am 6.6.2018 unter dem Stichwort &lsquo;milit&auml;rische Mobilit&auml;t&rsquo;: <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Angesichts des angespannten Verh&auml;ltnisses zu Russland schl&auml;gt die EU-Kommission vor, im kommenden Jahrzehnt 6,5 Milliarden Euro in panzertaugliche Verkehrswege zu investieren. Damit sollten von 2021 bis 2027 im Rahmen des n&auml;chsten Sieben-Jahres-Haushalts Schienennetze, Stra&szlig;en und Br&uuml;cken ausgebaut werden, teilte die Br&uuml;sseler Beh&ouml;rde (&hellip;) mit. (&hellip;) Die Beh&ouml;rde hatte schon vorgeschlagen, bis 2019 Verkehrswege in Europa auf ihre milit&auml;rische Tauglichkeit zu &uuml;berpr&uuml;fen. (&hellip;) Daf&uuml;r sollten anschlie&szlig;end die 6,5 Milliarden Euro verf&uuml;gbar sein.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Im Klartext geht es darum, dass Panzer und anderes schweres milit&auml;risches Ger&auml;t innerhalb k&uuml;rzester Zeit in den Bereich eines Kampfgeschehens in Europa transportiert werden sollen. Es ist nicht schwer, zu erraten, wo dieses Kampfgeschehen verortet wird: Die milit&auml;rische Mobilit&auml;t richtet die Transportwege an die russische Westgrenze. Ein Kampfgeschehen in Europa ist f&uuml;r den dichtbesiedelten und hoch-industrialisierten Kontinent mit circa 200 Atomreaktoren und vielen chemischen Anlagen unverantwortlich. Das leistungsst&auml;rkste Atomkraftwerk Europas befindet sich in der Ukraine circa 200 Kilometer von Donezk entfernt. <\/p><p>Angesichts der hier heraufbeschworenen Gefahren ist lediglich eine Friedenspolitik in Europa zu verantworten, die die Sicherheitsinteressen aller Staaten dieses Erdteils ber&uuml;cksichtigt, wie es auch die Pr&auml;ambel des Vertrages fordert, auf dessen Grundlage Deutschland in seiner jetzigen Form existiert.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Doch die Politik der Gr&uuml;nen folgt demgegen&uuml;ber der Des-Informations-Kommunikation der Nato-Propaganda: Sie folgen dem Narrativ, dass die Krim-Krise von 2014 die Nato-Hochr&uuml;stung legitimiert, da sich Russland hier als Aggressor erwiesen hat. Sie &uuml;bergehen dabei die Tatsache, dass Partner der Nato &ndash; Israel und das Nato-Land T&uuml;rkei &ndash; lange schon Gebiete gewaltsam besetzt halten und annektieren, die die Armee erobert hatte. Sie &uuml;bergeht zudem, dass der erste Rechtsbruch in der Ukraine-Krise 2014 die illegale Installierung einer pro-westlichen Regierung war. (Schweiz Magazin 27.03.2014)  Hier der O-Ton <a href=\"https:\/\/www.gruene.de\/themen\/frieden-und-menschenrechte\">auf der Gr&uuml;nen-Website<\/a> zum Ukraine-Konflikt: <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Die aggressive Gro&szlig;machtpolitik des russischen Pr&auml;sidenten Putin, vor allem die v&ouml;lkerrechtswidrige Annexion der Krim, das buchst&auml;bliche Grenzentesten im Asowschen Meer und der anhaltende Krieg im Osten der Ukraine, hat die europ&auml;ische Friedensordnung ersch&uuml;ttert. Das gilt auch f&uuml;r die russische Unterst&uuml;tzung populistischer Gegner einer liberalen Demokratie des Westens. Damit ist eine l&auml;ngst &uuml;berwunden geglaubte R&uuml;stungs- und Abschreckungslogik wieder in Gang gesetzt.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die Unterst&uuml;tzung solch repressiver Staaten wie Saudi-Arabien, das nicht nur den Kritiker Khashoggy ermordet hat, sondern auch V&ouml;lkerrechtsbruch im Yemen-Krieg begeht, blenden die Gr&uuml;nen in dieser Argumentation aus. Das ist nicht nur widerspr&uuml;chlich, es ist auch hochgef&auml;hrlich f&uuml;r ganze Weltregionen und f&uuml;r die Zivilisation, und es ist in h&ouml;chstem Ma&szlig; un&ouml;kologisch.<\/p><p>Zur Nato &auml;u&szlig;ert sich der Programmtext genauso desorientierend: Sie sei &ldquo;aus europ&auml;ischer Sicht neben der EU unverzichtbarer Akteur, der die gemeinsame Sicherheit Europas garantieren kann.&rdquo; (369) Diese Worte &uuml;bergehen die Tatsache, dass die Nato dasjenige Staatenb&uuml;ndnis ist, von dessem Gebiet die meisten und massivsten V&ouml;lkerrechtsverletzungen seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges ausgegangen sind. Durch diese Kriegspolitik hat sie federf&uuml;hrend die internationale Architektur destabilisiert und teilweise zerst&ouml;rt. Das ist das Gegenteil von Sicherheit.<\/p><p>Bez&uuml;glich der Hochr&uuml;stung und aller damit verbundenen Sch&auml;digungen der Biosph&auml;re inklusive des Ressourcenverbrauchs findet das Programm keine kritischen Aussagen, im Gegenteil fordert das Programm wieder recht schwammig, die Bundeswehr entsprechend &ldquo;ihrem Auftrag und ihren Aufgaben personell und materiell auszustatten&rdquo;. Das passt solange nicht f&uuml;r eine Partei, die sich mit der Farbe Gr&uuml;n darstellt, wie sie die Schieflage in der Priorit&auml;tensetzung der Politik nicht angeht, die sich daraus ergibt, dass im Bundesetat ca. 50 Milliarden Euro circa 3 Milliarden f&uuml;r Umwelt gegen&uuml;berstehen.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]<\/p><p>&Ouml;kologiepolitik zu propagieren und dabei den Milit&auml;rsektor auszulassen, das ist ein in der heutigen Zeit unverantwortliches Falschspiel mit den &Uuml;berlebensinteressen der Menschheit am Rande des Abgrunds. <\/p><p>Vor dem Hintergrund der &ouml;kologischen Zukunftsgef&auml;hrdungen ist die Nato\/EU-Milit&auml;rpolitik alles andere als gr&uuml;n. Und die Gr&uuml;nen bewegen sich nicht in der urspr&uuml;nglichen Variante ihrer Farbe &ndash; schlie&szlig;lich sind sie in den fr&uuml;hen 1980er Jahren der Friedens- und der Anti-AKW-Bewegung entsprungen; seit den 1990er Jahren wird ihre Farbe immer olivgr&uuml;ner. Die Menschheit ringt um die Einhaltung der ohnehin schon gef&auml;hrlichen Begrenzung der Erderw&auml;rmung auf 1,5 Grad Kelvin plus. Der Milit&auml;rsektor ist bereits heute der gr&ouml;&szlig;te Emittent von Treibhausgasen.[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] Allein eine Flugstunde eines Eurofighters bringt so viel Kohlendioxyd in die Atmosph&auml;re wie ein Bundesb&uuml;rger innerhalb eines ganzen Jahres. Der Panzer Leo II verbraucht je nach Tempo und Last pro 100 km &uuml;ber 500 Liter Diesel.[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]<\/p><p><strong>Augenwischerei mit dem besch&ouml;nigenden Begriff vom Markt<\/strong><\/p><p>Auch diese Stelle im Programmentwurf der Gr&uuml;nen &ouml;ffnet die Richtung einer schwarz-gr&uuml;nen Koalition nach den n&auml;chsten Wahlen. Sie f&uuml;hrt weg von der &Ouml;kologie. Es hei&szlig;t dort zwar bei der Visions-Formulierung:  <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Die Wirtschaft dient den Menschen und dem Gemeinwohl, nicht andersherum. Nachhaltiger Wohlstand im Sinne von Klimaneutralit&auml;t, Vorsorge und Gerechtigkeit ist Kern eines zukunftsf&auml;higen Wirtschaftssystems. Ziel ist ein Wirtschafts- und Finanzsystem, das die planetaren Grenzen einh&auml;lt und mehr Lebensqualit&auml;t f&uuml;r alle Menschen erreicht, weltweit und f&uuml;r zuk&uuml;nftige Generationen. Dazu ist es notwendig, grundlegend anders zu wirtschaften: chancen-, ressourcen- und geschlechtergerecht.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Doch dann vers&ouml;hnt der Text die &Ouml;kologen mit dem Kapitalismus mit den Worten von einem &ldquo;Wandel hin zu einer sozial-&ouml;kologischen Marktwirtschaft innerhalb klarer Leitplanken und mit Gemeinwohlorientierung.&rdquo; (90) Etwas weiter hinten erkl&auml;rt das Programm, &ldquo;freie Unternehmer*innentum, die Gr&uuml;nder*innen und Start-ups sind die Treiber*innen f&uuml;r Innovation.&rdquo; (114)  Und im Abschnitt 163 pl&auml;diert das Programm f&uuml;r einen &ldquo;regulierten kapitalistischen &hellip; Fortschritt&rdquo; in Abgrenzung zu einem &ldquo;autorit&auml;r gelenkten Fortschritt&ldquo;.<\/p><p>Es sieht so aus, als sei den Autorinnen und Autoren klar, dass &lsquo;Marktwirtschaft&rsquo; ein Ersatzbegriff f&uuml;r das unangenehme, aber realistischere Wort &lsquo;Kapitalismus&rsquo; ist. Kapitalismus ist ein in der gr&uuml;nen W&auml;hlerschaft verp&ouml;ntes Wort. Dies macht schon alleine die Forderung von &bdquo;Fridays for Future&ldquo; deutlich, wenn sie skandieren, sie wollen &bdquo;System-Change, not Climate-Change&ldquo;.<\/p><p>Das Bild des Marktes soll im Alltagsbewusstsein an die Vorstellung eines Wochenmarktes andocken, wo alle ungef&auml;hr gleich stark um K&auml;ufer ringen. Dies ist so bildkr&auml;ftig wie irrig. Die Universit&auml;t Z&uuml;rich ver&ouml;ffentlichte 2014 eine Studie unter dem Titel &ldquo;147 Konzerne kontrollieren die gesamte Weltwirtschaft.&rdquo;[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]  Schon 1972 machte der Club-of-Rome-Bericht  &ldquo;Die Grenzen des Wachstums&rdquo; seine Kapitalismuskritik deutlich: Er forderte eine Gesellschaft mit einem geplanten Gleichgewicht des Verbrauchs und des Nachwachsens von Ressourcen.[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] Plan und unternehmerische Freiheit sind unvereinbar. <\/p><p>Der Kapitalismus &ndash; besch&ouml;nigend &lsquo;Marktwirtschaft&rsquo; getauft &ndash; hat sich seither dementsprechend als unf&auml;hig erwiesen, eine nachhaltige &Ouml;konomie der Balance zwischen Konsum und Nachwachsen von Ressourcen aufzubauen, im Gegenteil. Der Welt&uuml;berlastungstag, ab dem die Menschheit pro Jahr mehr verbraucht, als die Erde in der gegebenen Zeit nachwachsen lassen kann, ist von 1970 bis heute von Anfang Dezember auf  Ende Juli vorangeschritten, und uns l&auml;uft die Zeit davon. [<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>]<\/p><p>Die immense Weltzerst&ouml;rung durch die kapitalistische Konkurrenz-&Ouml;konomie und durch ihr Wachstumsdogma im begrenzten &Ouml;kosystem Erde machte der Wagenhofer-Film &lsquo;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ATMNDZtsx-A\">Let&rsquo;s make money<\/a>&rsquo;&nbsp;deutlich: Das Ausblenden der Naturzerst&ouml;rung durch den Milit&auml;rsektor mit Hoch- und Atomr&uuml;stung, gef&auml;hrlichen Man&ouml;vern und Kriegen und die Vers&ouml;hnung mit dem System, das &bdquo;Krebs f&uuml;r die Welt&ldquo; ist, verunreinigt das gr&uuml;n verpackte Programm. Und das in einer Zeit, in der wir nicht mehr viel Zeit haben, die &ouml;kologische System-Ver&auml;nderung zu gestalten, ehe die Prozesse au&szlig;er Kontrolle geraten k&ouml;nnten. <\/p><p>Eines ist hier abschlie&szlig;end klarzustellen: Die Kritik am 2020er Programm der Gr&uuml;nen bedeutet mitnichten, die Gr&uuml;nen zuk&uuml;nftig nicht mehr als m&ouml;gliche B&uuml;ndnispartner der Friedens-, &Ouml;kologie- und Menschenrechtsbewegungen zu sehen. Das gro&szlig;e B&uuml;ndnis, das zu schmieden, nicht mehr viel Zeit gegeben ist, wie es scheint, w&uuml;rde an Einfluss gewinnen &ndash; einmal durch Klarheit in den Forderungen und Orientierungen und dann durch die Breite, die im Diskurs und in der gemeinsamen Aktionserfahrung auch weitere Kl&auml;rungen mit sich bringt. Es geht hier vor allem darum, klar zu machen, dass diese Kraft nicht die &ouml;kologische Klarheit aufweist, die f&uuml;r die &Uuml;berwindung der &ouml;kologischen, sozialen und milit&auml;rischen Zukunftsgef&auml;hrdungen not-wendig sind. <\/p><p>Titelbild: Cineberg \/ Shutterstock<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <a href=\"https:\/\/cms.gruene.de\/uploads\/documents\/20200828_Grundsatzprogramm.pdf\">cms.gruene.de\/uploads\/documents\/20200828_Grundsatzprogramm.pdf<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] <a href=\"http:\/\/www.documentarchiv.de\/brd\/2p4.html\">documentarchiv.de\/brd\/2p4.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/presse\/hib\/668698-668698\">bundestag.de\/presse\/hib\/668698-668698<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] <a href=\"http:\/\/www.klimaretter.info\/politik\/hintergrund\/16977-klimakiller-eurofighter\">klimaretter.info\/politik\/hintergrund\/16977-klimakiller-eurofighter<\/a>   UND: Interpress Service, 20. Mai 1998 + <a href=\"https:\/\/www.greenfinder.de\/news\">greenfinder.de\/news<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.virtuelle-panzergrenadierbrigade37.de\/index.php\/de\/2-uncategorised\/26-technische-fahrzeugdaten-leopard-2\">virtuelle-panzergrenadierbrigade37.de\/index.php\/de\/2-uncategorised\/26-technische-fahrzeugdaten-leopard-2<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.forschung-und-wissen.de\/nachrichten\/oekonomie\/147-konzerne-kontrollieren-die-gesamte-weltwirtschaft-13371950\">forschung-und-wissen.de\/nachrichten\/oekonomie\/147-konzerne-kontrollieren-die-gesamte-weltwirtschaft-13371950<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Dennis Meadows, Die Grenzen des Wachstums, Stuttgart 1972, S. 174<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/faktenfinder\/erdueberlastungstag-111.html\">tagesschau.de\/faktenfinder\/erdueberlastungstag-111.html<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>B&uuml;ndnis 90\/Die Gr&uuml;nen haben am Wochenende ihre Bundesdelegiertenkonferenz abgehalten, in derem Mittelpunkt das Grundsatzprogramm stand. Der Entwurf[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67201#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] &ouml;ffnet f&uuml;r die Gr&uuml;nen den Weg weiter in die Richtung einer schwarz-gr&uuml;nen Koalition in Berlin. Der Auftrag der Bundeswehr soll auf einen schwammigen &bdquo;Sicherheitsbegriff&ldquo; ausgedehnt werden. 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