{"id":67315,"date":"2020-11-25T09:30:25","date_gmt":"2020-11-25T08:30:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67315"},"modified":"2020-11-26T11:00:25","modified_gmt":"2020-11-26T10:00:25","slug":"mit-umfragen-in-die-konformitaets-falle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67315","title":{"rendered":"Mit Umfragen in die Konformit\u00e4ts-Falle"},"content":{"rendered":"<p>Seit der Einf&uuml;hrung des zweiten Lockdowns Anfang November betonen die Medien unisono, dass die Einschr&auml;nkungen, welche die Bundesregierung erlassen hat, bei den B&uuml;rgern auf eine breite Zustimmung sto&szlig;en. Dieses Einvernehmen wird mit regelm&auml;&szlig;igen Umfrageergebnissen belegt. Doch wie ist diese Zustimmung zu bewerten? Von <strong>Lutz Hausstein<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1183\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-67315-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201125_Mit_Umfragen_in_die_Konformitaets_Falle_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201125_Mit_Umfragen_in_die_Konformitaets_Falle_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201125_Mit_Umfragen_in_die_Konformitaets_Falle_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201125_Mit_Umfragen_in_die_Konformitaets_Falle_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=67315-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201125_Mit_Umfragen_in_die_Konformitaets_Falle_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"201125_Mit_Umfragen_in_die_Konformitaets_Falle_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Umfragen unter den B&uuml;rgern bilden das best&auml;ndige Narrativ, ob und dass &bdquo;die Politik&ldquo; die Meinung und die Stimmungslage der Bev&ouml;lkerung aufgreift und mit ihrer praktizierten Politik umsetzt. Nun ist sicherlich schon mit den reinen Ergebnissen von Umfragen vorsichtig umzugehen, da viel, eigentlich fast alles von den Rahmenbedingungen abh&auml;ngt, wie die Umfrageergebnisse ausfallen. Umfragen &ndash; egal ob schriftlich oder telefonisch &ndash; basieren fast durchgehend auf vorgegebenen, streng limitierten Antwortm&ouml;glichkeiten f&uuml;r die Befragten, um daraus klare Ergebnisse generieren zu k&ouml;nnen, die dann so einer breiten &Ouml;ffentlichkeit einfach verst&auml;ndlich pr&auml;sentiert werden k&ouml;nnen.  Differenzierte Antworten oder gar nicht angebotene, alternative Antworten l&auml;sst ein solches System nicht zu.<\/p><p>Ein weiteres Problem bei Umfragen besteht darin, dass nicht gerade selten einzelne Fragen nicht eindeutig genug formuliert sind, sodass Interpretationen bez&uuml;glich des Inhalts der Frage m&ouml;glich sind, die somit nat&uuml;rlich auch massive Auswirkungen auf die Antwort haben (k&ouml;nnen). So k&ouml;nnen mit bewusst unklar oder gar manipulativ formulierten Fragen Antworten durch die Befragten induziert werden, die gar nicht deren Intention entsprechen. Die &Uuml;berpr&uuml;fung eines solchen Vorgangs ist im Nachhinein durch die &Ouml;ffentlichkeit jedoch nicht m&ouml;glich, da in der Regel bei der &ouml;ffentlichen Auswertung die exakten Fragen sowie die vorgegebenen Antwortm&ouml;glichkeiten gar nicht bekanntgegeben werden.<\/p><p>Wenn nun im Zusammenhang mit den &bdquo;Lockdown light&ldquo; genannten Einschr&auml;nkungen hohe Zustimmungswerte zu den einzelnen Ma&szlig;nahmen von bis zu <a href=\"https:\/\/www.forschungsgruppe.de\/Aktuelles\/Politbarometer\/\">87 Prozent beispielsweise in Bezug auf die Maskenpflicht<\/a> (Politbarometer Oktober II 2020 der Forschungsgruppe Wahlen) publiziert werden, muss man diese zuvor dargestellten Restriktionen bei Umfragen selbstverst&auml;ndlich als M&ouml;glichkeit auch im Hinterkopf behalten. Aber noch ein weiterer Aspekt erschwert neuerdings die Einordnung von Umfrageergebnissen.<\/p><p>Es ist wohl nicht &uuml;bertrieben, wenn man behauptet, dass bei der Corona-Politik ein bisher so noch nie dagewesener Riss durch die Bev&ouml;lkerung geht. Dabei spielen Medien und Politiker eine ma&szlig;gebliche Rolle. Entgegen des stets verk&uuml;ndeten Narrativs, dass Beleidigungen und Hass ausschlie&szlig;lich von Kritikern der offiziellen Corona-Politik ausgehen w&uuml;rden, sind es gerade Leitmedien und Politiker, die Andersdenkende massiv beleidigen, diffamieren und im Extremfall sogar mit hate speech &uuml;berziehen.<\/p><p>So wird einerseits mit falschen Tatsachenbehauptungen (teils &ouml;ffentlichkeitswirksam erfolgreich) versucht, die Kritiker in eine Ecke zu stellen, der sie gar nicht angeh&ouml;ren, wie dies z.B. durch verwendete Begrifflichkeiten wie &bdquo;Coronaleugner&ldquo; geschieht. Entgegen des eigentlichen Sinnes dieses Wortes leugnet jedoch kaum einer der Kritiker Corona &ndash; vereinzelte Ausnahmen sind selbstverst&auml;ndlich immer m&ouml;glich &ndash; sondern es wird vor allem die Richtigkeit der konkreten Ma&szlig;nahmen in Zweifel gezogen. Gerade die Verwendung des Begriffes &bdquo;Leugner&ldquo; in dieser Wortkombination ist hoch manipulativ, weckt dies doch Assoziationen mit dem weitbekannten Begriff des &bdquo;Holocaustleugners&ldquo;. Wobei hier zu beachten ist, dass Holocaustleugner den nationalsozialistischen V&ouml;lkermord an den Juden wirklich leugnen und dieser Begriff hier also zu recht verwendet wird.<\/p><p>Die schon seit Jahren zu beobachtende Verwendung von negativ wertenden Begriffen wie &bdquo;Verschw&ouml;rungstheoretiker&ldquo; &ndash; gern gleich noch verkn&uuml;pft mit den Vokabeln &bdquo;Antisemiten&ldquo;, &bdquo;Rechtsradikale&ldquo; und weiteren &ndash;  wird mit stigmatisierender Absicht eingesetzt, ohne sich &uuml;berhaupt mit den Inhalten der Kritik auseinandersetzen zu wollen. Stattdessen verwendet man es dergestalt, dass schon vor der Pr&uuml;fung des jeweiligen Inhalts dem Verfasser ein krankes, wahnhaftes Denken angedichtet wird, das au&szlig;erhalb jeglicher, auch nur zu er&ouml;rternder M&ouml;glichkeit liege. Ein Etikett, das auch aufgrund einer gr&ouml;&szlig;eren Anzahl von Sondersendungen zum Thema &bdquo;Verschw&ouml;rungstheoretiker&ldquo;, die in den verschiedensten Fernsehprogrammen in den vergangenen drei Monaten ausgestrahlt wurden, eine gr&ouml;&szlig;ere Popularit&auml;t erlangt hat und sich nun umso leichter verteilen l&auml;sst.<\/p><p>Waren die bis hier angef&uuml;hrten Manipulationen der &ouml;ffentlichen Meinung schon l&auml;nger mehr oder minder genutzte Praxis, so kam im Zuge der Diskussionen der letzten Monate eine neue, noch st&auml;rker eskalierende Komponente hinzu. Wenngleich Politik und Medien permanent hate speech, also eine hasserf&uuml;llte Sprache, in den sozialen Medien oder gar gleich &bdquo;im Netz&ldquo; anprangern, sind es doch auch sie, die eine solch eskalierende Sprache immer h&auml;ufiger nutzen. Der beleidigende und herabw&uuml;rdigende Begriff &bdquo;CovIdioten&ldquo; ist so zum Beispiel inzwischen im allt&auml;glichen Sprachgebrauch angekommen. Und dies mit umso nachhaltigeren Wirkungen auf die gesellschaftliche &Ouml;ffentlichkeit. Der Ton wird rauer, richtiger eigentlich: brutaler. Auf beiden Seiten. W&auml;hrend jedoch Politik und Leitmedien den sozialen Netzwerken hate speech vorwerfen, bleiben die eigenen sprachlichen Entgleisungen unerw&auml;hnt. Doch gerade sie sind es, die die gesellschaftliche Verrohung ma&szlig;geblich vorantreiben. Denn sie besitzen aufgrund ihrer Reichweite sowie ihrer gesellschaftlichen Stellung einen richtungsweisenden Charakter f&uuml;r gro&szlig;e Teile der Bev&ouml;lkerung, den die sozialen Medien nicht einmal im Ansatz haben.<\/p><p>Diese verschiedenartigen Nuancen, einzelne Personen, aber auch ganze Gruppen mit diffamierenden Begrifflichkeiten zu &uuml;berziehen und damit ihre Glaubw&uuml;rdigkeit ebenso wie ihre intellektuelle Zurechnungsf&auml;higkeit infrage zu stellen, &uuml;ben selbstverst&auml;ndlich eine starke Wirkung auf die Bev&ouml;lkerung aus. So gut wie kaum irgend anders l&auml;sst sich dies am Beispiel prominenter Personen beobachten. Dabei reicht die Palette von Xavier Naidoo &uuml;ber Michael Wendler, Attila Hildmann und Thomas Berthold bis hin zu Jan Josef Liefers und Nena. Auf ihrem jeweiligen Fachgebiet ob ihrer Leistungen gefeiert &ndash; was abseits des pers&ouml;nlichen Geschmacks sicherlich berechtigt ist &ndash; wurden in der Vergangenheit auch politische &Auml;u&szlig;erungen von ihnen goutiert, sofern sie dem als zul&auml;ssig deklarierten Meinungskorridor entsprachen. Ihre Pers&ouml;nlichkeit(en) und ihr pers&ouml;nlicher Mut wurden &uuml;ber den gr&uuml;nen Klee gelobt ob ihrer politischen Statements. Verlie&szlig;en sie hingegen das politisch erw&uuml;nschte Meinungsspektrum, wurden ihnen umgehend Attribute angeheftet, die zwar zumeist einer sachlichen Grundlage entbehrten, ihre Signalwirkung jedoch selten verfehlten, wie Jens Berger in seinem <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=65756\">Artikel vom 12. Oktober 2020<\/a> darlegte.<\/p><p>So nimmt es dann auch kein Wunder, wenn sich dies auch in Umfragen unter der Bev&ouml;lkerung niederschl&auml;gt. Zum einen ist selbst bei anonymen Umfragen eine Hinwendung bei den Befragten zur vermeintlichen Mehrheitsmeinung zu erwarten, wie es die ehemalige IfD-Allensbach-Leiterin Elisabeth Noelle-Neumann schon in den 1970er Jahren in ihrer Abhandlung zur &bdquo;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schweigespirale\">Schweigespirale<\/a>&ldquo; darlegte. In &ouml;ffentlichen Umfragen, wie z.B. Stra&szlig;enumfragen, verbliebe immer noch die disziplinierende Wirkung, sobald jemand eine abweichende Meinung &auml;u&szlig;ert. Wer m&ouml;chte bei Stra&szlig;enumfragen schon gern im Fernsehen mit seinem Namen und seinem Gesicht in der &Ouml;ffentlichkeit stehen und dann einfach mal en passant als Verschw&ouml;rungstheoretiker, Querfrontler, Rechtsextremist oder Covidiot eingeordnet oder gar bezeichnet werden? Wie fix das geht, hat man ja schon gesehen. Dann doch lieber die genehme Meinung abgeben, die einen vor einem &ouml;ffentlichen Shitstorm oder auch Angriffen auf privater Ebene bewahrt. Selbst dann, wenn man eigentlich anderer Meinung ist.<\/p><p>Das kommt mir vertraut bekannt vor. Diese Schizophrenie, dieses Doppeldenk war auch g&auml;ngige Praxis in der verblichenen DDR. Man wusste, was offizielle Leitlinie war, welche Meinung gew&uuml;nscht und gefordert war. War man nicht bereit, den (auf privater Ebene aussichtslosen) Kampf gegen das allseits dominante System zu f&uuml;hren, legte man sich am besten zwei Meinungen zu: eine offizielle f&uuml;r die Situationen, in denen eine ehrliche Meinungs&auml;u&szlig;erung ein Risiko darstellte, und eine private, die den eigentlichen &Uuml;berzeugungen entsprach und die man gegen&uuml;ber engen Freunden &auml;u&szlig;erte. Geschichte wiederholt sich.<\/p><p>Titelbild: Motortion Films\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit der Einf&uuml;hrung des zweiten Lockdowns Anfang November betonen die Medien unisono, dass die Einschr&auml;nkungen, welche die Bundesregierung erlassen hat, bei den B&uuml;rgern auf eine breite Zustimmung sto&szlig;en. Dieses Einvernehmen wird mit regelm&auml;&szlig;igen Umfrageergebnissen belegt. Doch wie ist diese Zustimmung zu bewerten? 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