{"id":6735,"date":"2010-09-14T16:44:02","date_gmt":"2010-09-14T14:44:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6735"},"modified":"2014-02-24T12:24:05","modified_gmt":"2014-02-24T11:24:05","slug":"beutezug-ost-die-treuhand-und-die-abwicklung-der-ddr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6735","title":{"rendered":"\u201eBeutezug Ost &#8211; Die Treuhand und die Abwicklung der DDR\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Endlich kommen die Zweifel an der Arbeit der Treuhand und an der Weisheit der W&auml;hrungsunion breiter zur Sprache. Heute Abend um 21:00 h setzt Frontal 21 seine Aufarbeitung der Vorg&auml;nge um die Treuhand und um die W&auml;hrungsunion mit einer Dokumentation fort. Die Vorschau auf diese Sendung <a href=\"http:\/\/frontal21.zdf.de\/ZDFde\/programm\/0,6753,PrAutoOp_idPoDispatch:9935358,00.html\">&bdquo;Beutezug Ost &ndash; Die Treuhand und die Abwicklung der DDR&ldquo; finden Sie hier<\/a> und als Anlage 1. In der Vorschau finden Sie auch weitere Links zu Teilen der Sendung. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Wenn diese Versuche der Aufarbeitung einer d&uuml;steren Geschichte auch sp&auml;t kommen, es ist besser als gar nicht. Nach meinem Eindruck liegt so viel im Dunkel, dass es dringend geboten w&auml;re, die Vorg&auml;nge um die Abwicklung der fast 8000 Betriebe der DDR, um den Verkauf der ostdeutschen Banken an die westdeutschen Banken und um die W&auml;hrungsunion vom 1.7.1990 neu aufzuarbeiten. Ein neuer Untersuchungsausschuss zur Abwicklung von Betrieben durch die Treuhand w&auml;re dringend geboten. Den Historikern allein kann man diese Untersuchung des Raubs am Verm&ouml;gen der Mehrheit der Menschen in Mittel- und Ostdeutschland nicht &uuml;berlassen.<\/strong> <\/p><p><strong>Zur Abwicklung der Betriebe<\/strong><\/p><p>frontal 21 hatte am 31.8.2010 einen Bericht &uuml;ber die Abwicklung eines Berliner Betriebes gebracht. Hier der Link und der Titel: &bdquo;Die Treuhand und die Abwicklung der DDR&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.zdf.de\/ZDFmediathek\/content\/1127354\">DDR-Betriebe: Abgewickelt und betrogen<\/a> Den Einf&uuml;hrungstext finden Sie in Anlage 2.<br>\nWie dort geschildert wird, sind in der ehemaligen DDR Betriebe reihenweise unter Wert verkauft worden &ndash; an westdeutsche Gesch&auml;ftsleute wie im konkreten Fall der WBB in der Dokumentation vom 31. August, an westdeutsche &bdquo;Anleger&ldquo; und an B&uuml;rger der ehemaligen DDR, so weit sie gut im Gesch&auml;ft waren.<br>\nEinem weiteren Kreis bekannt und dokumentiert sind nach meiner Kenntnis nur wenige F&auml;lle. Fr&uuml;here Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Betriebe k&ouml;nnen sich aber noch (!) gut an die Abwicklung erinnern. Dieses Wissen m&uuml;sste systematischer gesammelt und aufbereitet werden.<br>\nEs sollte auch selbstverst&auml;ndlich sein, dass die Verantwortlichen, solange sie noch leben und r&uuml;stig sind, mit den Vorg&auml;ngen im einzelnen konfrontiert werden. Das gilt zum Beispiel f&uuml;r Birgit Breuel, die der Treuhand vorstand, aber auch zum Beispiel f&uuml;r Hans Olaf Henkel und Klaus von Dohnanyi, die in Leipzig bei Abwicklungsvorg&auml;ngen &bdquo;beraten&ldquo; haben.<br>\nIn die Aufarbeitung geh&ouml;ren auch Untersuchungen dar&uuml;ber, ob die Betriebe mehrheitlich wirklich so marode waren, wie das &ouml;ffentlich dargestellt wurde und immer noch wird.<br>\nWelche Rolle spielten die Filialen westdeutscher Banken in Mittel- und Ostdeutschland? Ein Leser meines Buches <a href=\"?page_id=1114\">&bdquo;Machtwahn&ldquo;<\/a> hatte mir nach Lekt&uuml;re der Passagen &uuml;ber die politische Korruption den Hinweis gegeben, dass er als westdeutscher Angestellter einer Bank in Dresden sich st&auml;ndig dar&uuml;ber wundern musste, dass in diesen Kreisen die Erhaltung von Betrieben der ehemaligen DDR keine Priorit&auml;t hatte. Im Gegenteil.<\/p><p><strong>Wo sind die Verm&ouml;gen geblieben? Wer und wie wurde &bdquo;geschmiert&ldquo;?<\/strong><br>\nWenn wie im konkreten Fall der Abwicklung des Berliner W&auml;rmebaus WBB der offizielle Substanzwert bei 160 Millionen D-Mark lag und die Treuhand den Betrieb klein rechnet und ihn f&uuml;r ganze zwei Millionen D-Mark an einen westdeutschen Gesch&auml;ftsmann verkauft, dann kann dies nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Die Wahrscheinlichkeit, dass in vielen dieser F&auml;lle Schmiergeld im Spiel war, ist gro&szlig;. Dieses landete in der Regel in den Steueroasen. Daf&uuml;r braucht man sie. Auch deshalb der Widerstand gegen ihren Abbau auch von deutscher Seite. <\/p><p><strong>W&auml;hrungsunion und Umrechnungskurs<\/strong><br>\nWer wie ich 1990 als Mitglied des Deutschen Bundestags der W&auml;hrungsunion mit den damals beschlossenen Umtauschrelationen nicht zugestimmt hat, wurde scheel angesehen und &ndash; wie auch Oskar Lafontaine zum Beispiel &ndash; verd&auml;chtigt, gegen die Vereinigung der beiden deutschen Staaten zu sein. Ich war vor allem wegen der Belastung der ostdeutschen Betriebe durch den dann installierten Umrechnungskurs von 2:1 dagegen. Das beraubte sie ihrer Wettbewerbsf&auml;higkeit und belastete sie mit &uuml;berh&ouml;hten Schulden gerechnet in DM-West.<br>\nEs w&auml;re jedenfalls gut, wenn endlich auch dieses Kapitel aufgearbeitet w&uuml;rde. <\/p><p><strong>Verschleuderung der ostdeutschen Banken an die westdeutschen Banken<\/strong><br>\nDieses Thema haben wir in den NachDenkSeiten wie auch in &bdquo;Machtwahn&ldquo;schon oft angesprochen. Wir verwiesen auf einen verdienstvollen Artikel im Berliner Tagesspiegel vom 1.7.2005. Frontal 21 greift diese Geschichte jetzt auf: <a href=\"http:\/\/frontal21.zdf.de\/ZDFde\/download\/0,6753,7017752,00.pdf\">Download (Frontal21 exklusiv: Banken verdienten Milliarden an der Wiedervereinigung)<\/a> Es hat lange gedauert und exklusiv ist die Nachricht auch nicht. Aber immerhin: der Vorgang wird nicht weiter totgeschwiegen, wie es mit dem Tagesspiegel-Artikel und unseren Beitr&auml;gen bisher geschehen ist.<\/p><p><strong>Anlage 1:<\/strong><\/p><p><strong>Vorschau: Frontal21 am 14.09.2010<br>\nFrontal 21-Dokumentation<br>\nBeutezug Ost<br>\nDie Treuhand und die Abwicklung der DDR<\/strong><br>\n&ldquo;Das gesamte Industriekapital der DDR wurde mit einem Schlag vernichtet. Im Grunde genommen ist es eigentlich das gr&ouml;&szlig;te Betrugskapitel in der Wirtschaftsgeschichte Deutschlands&rdquo;. Der gr&uuml;ne Europaabgeordnete Werner Schulz findet deutliche Worte f&uuml;r die Arbeit der Treuhand.<\/p><p>20 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung geht die ZDF-Dokumentation &ldquo;Beutezug Ost&rdquo; der Frage nach: Wie konnte aus dem Wert der DDR-Betriebe, den der erste Treuhandpr&auml;sident Detlev Rohwedder auf 600 Milliarden D-Mark sch&auml;tzte, ein Milliardendefizit werden? Die Treuhandanstalt, zust&auml;ndig f&uuml;r die Privatisierung der DDR-Betriebe, hinterlie&szlig; einen Schuldenberg von 250 Milliarden D-Mark (zirka 125 Milliarden Euro).<\/p><p>Als am 1. Juli 1990 die DDR-Mark im Verh&auml;ltnis 1:1 und 1:2 in D-Mark umgetauscht wurde, vervielfachten sich die Lohn- und Herstellungskosten f&uuml;r die DDR-Betriebe. Mit der W&auml;hrungsunion brach der Absatz selbst lukrativer Betriebe schlagartig ein. Edgar Most, der ehemalige Vizepr&auml;sident der DDR-Staatsbank, sieht in der D-Mark-Umstellung die Hauptursache f&uuml;r den Untergang der DDR-Industrie. Most und Bundesbankpr&auml;sident P&ouml;hl warnten Kanzler Kohl vergeblich vor den Folgen der W&auml;hrungsunion. Most weist die Behauptung zur&uuml;ck, die DDR-Wirtschaft sei ohnehin am Ende gewesen: &ldquo;Erst mit der D-Mark-Einf&uuml;hrung mit diesem falschen Umrechnungskurs waren wir endg&uuml;ltig pleite&rdquo;, so der ehemalige Staatsbankier.<\/p><p>&ldquo;Alternativlos&rdquo; nennen die Treuhand-Verantwortlichen wie Ex-Bundesfinanzminister Theo Waigel das Vorgehen der Treuhandanstalt noch heute. Die Schwachstellen bei der Abwicklung der DDR-Wirtschaft zeigen Beispiele wie das K&uuml;hlschrankwerk DKK Scharfenstein. Obwohl DKK wettbewerbsf&auml;hige Produkte wie den ersten FCKW-freien K&uuml;hlschrank herstellte, gelang es der westdeutschen Konkurrenz, DKK zu zerschlagen.<\/p><p>Als Birgit Breuel, Pr&auml;sidentin der Treuhandanstalt, am 31. Dezember 1994 das Schild von der Fassade des Treuhandgeb&auml;udes in der Berliner Wilhelmstra&szlig;e abschraubte, waren 8000 Staatsbetriebe an private Investoren oft unter Wert verkauft oder geschlossen. 2,5 Millionen DDR-B&uuml;rger hatten ihren Arbeitsplatz verloren.<\/p><p><em>Film von Herbert Klar und Ulrich Stoll<\/em><br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.zdf.de\/ZDFmediathek\/beitrag\/video\/1136390\/Vorschau-F21-Dokumentation-Beutezug-Ost#\/beitrag\/video\/1136390\/Vorschau-F21-Dokumentation-Beutezug-Ost\">Frontal21<\/a><\/p><p><strong>Anlage 2:<\/strong><\/p><p><strong>Die Treuhand und die Abwicklung der DDR<br>\nFrontal21 vom 31.08.2010<br>\nDDR-Betriebe: Abgewickelt und betrogen<\/strong><br>\nvon Herbert Klar und Ulrich Stoll<br>\nR&uuml;ckblick: Im Sommer 1990 bekommen 16 Millionen DDR-B&uuml;rger neues Geld: Der Freude &uuml;ber die harte D-Mark folgt schnell Ern&uuml;chterung. Denn die Volkseigenen Betriebe m&uuml;ssen nun ihre Belegschaft in D-Mark bezahlen und sich &uuml;ber Nacht dem Weltmarkt stellen. Privatisieren oder dichtmachen &ndash; das ist die Aufgabe der Treuhandanstalt, der gr&ouml;&szlig;ten Staatsholding der Welt. Der Ausverkauf der DDR-Wirtschaft beginnt. 8000 Betriebe sollen marktf&auml;hig gemacht werden oder untergehen.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.zdf.de\/ZDFmediathek\/content\/1127354\">Frontal21<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Endlich kommen die Zweifel an der Arbeit der Treuhand und an der Weisheit der W&auml;hrungsunion breiter zur Sprache. Heute Abend um 21:00 h setzt Frontal 21 seine Aufarbeitung der Vorg&auml;nge um die Treuhand und um die W&auml;hrungsunion mit einer Dokumentation fort. Die Vorschau auf diese Sendung <a href=\"http:\/\/frontal21.zdf.de\/ZDFde\/programm\/0,6753,PrAutoOp_idPoDispatch:9935358,00.html\">&bdquo;Beutezug Ost &ndash; Die Treuhand und die Abwicklung<\/a><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6735\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[136,127,157],"tags":[277,777,330,276,229,1540],"class_list":["post-6735","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-banken-boerse-spekulation","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-wettbewerbsfaehigkeit","tag-ddr","tag-henkel-hans-olaf","tag-lafontaine-oskar","tag-treuhand","tag-von-dohnanyi-klaus","tag-zdf"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6735","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6735"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6735\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6768,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6735\/revisions\/6768"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6735"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6735"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6735"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}