{"id":67455,"date":"2020-11-29T13:00:12","date_gmt":"2020-11-29T12:00:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67455"},"modified":"2020-11-29T13:55:48","modified_gmt":"2020-11-29T12:55:48","slug":"kolonie-okkupation-massaker-osttimors-dorniger-weg-in-die-unabhaengigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67455","title":{"rendered":"Kolonie \u2013 Okkupation \u2013 Massaker: Osttimors dorniger Weg in die Unabh\u00e4ngigkeit"},"content":{"rendered":"<p>Vor 45 Jahren, am 28. November 1975, hatte die kleine portugiesische Kolonie Osttimor in S&uuml;dostasien ihre Unabh&auml;ngigkeit deklariert. Das gro&szlig;e &bdquo;Pech&ldquo;: Diese w&auml;hrte nur neun Tage. Dann marschierten indonesische Milit&auml;rs in das Land ein, annektierten es ein Jahr sp&auml;ter und blieben dort ein Vierteljahrhundert lang als verhasste Besatzer. Politisch-diplomatisch protegiert und milit&auml;risch ausger&uuml;stet von Washington, Bonn, Canberra und London im Zeichen von &bdquo;freedom &amp; democracy&ldquo;. Es galt nach dem ein halbes Jahr zuvor erlittenen Desaster der USA in Vietnam, ein &bdquo;zweites Kuba&ldquo; unbedingt zu verhindern. Die bittere Folge: W&auml;hrend der bleiernen Jahre der indonesischen Okkupation starb ein Viertel der damals etwa 800.000 Einwohner Osttimors an den Folgen milit&auml;rischer Kampfhandlungen, von Gewalt und Vertreibung sowie Hunger und Krankheiten. Ein R&uuml;ckblick von <strong>Rainer Werning<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Einleitung<\/strong><\/p><p>Die sogenannte Nelkenrevolution vom 25. April 1974 bedeutete f&uuml;r das einst m&auml;chtige Kolonialreich Portugal das Ende des faschistischen <em>Estado-Novo<\/em>-Regimes unter Ant&oacute;nio de Oliveira Salazar beziehungsweise Marcelo Jos&eacute; das Neves Alves Caetano und gleichzeitig den Beginn eines raschen Entkolonialisierungsprozesses. Mit der Konsequenz, dass die bis dahin andauernden Kolonialkriege in Lissabons afrikanischen Besitzungen Angola, Mosambik, Guinea-Bissau, S&atilde;o Tom&eacute; und Pr&iacute;ncipe sowie Kap Verde binnen eines Jahres eingestellt und diese L&auml;nder in die Unabh&auml;ngigkeit entlassen wurden. Mit Blick auf Portugals fern&ouml;stliche Kolonie Portugiesisch-Timor oder Osttimor gestaltete sich ein solcher Transformationsprozess weitaus schwieriger.<\/p><p>Dort hatten sich kurz nach der Nelkenrevolution im &bdquo;Mutterland&ldquo; gleich mehrere Parteien mit freilich g&auml;nzlich unterschiedlicher politischer Couleur formiert, die jeweils um den gr&ouml;&szlig;ten R&uuml;ckhalt in der Bev&ouml;lkerung rangen. Trat beispielsweise die Associa&ccedil;&atilde;o Popular Democr&aacute;tica Timorense oder Associa&ccedil;&atilde;o Popular Democr&aacute;tica de Timor (APODETI &ndash; Timoresische Volksdemokratische Assoziation) mit der Forderung auf den Plan, sich bedingungslos dem m&auml;chtigen Nachbarn Indonesien anzuschlie&szlig;en und Bahasa Indonesia als neue Landessprache einzuf&uuml;hren, verfocht die Uni&atilde;o Democr&aacute;tica Timorense (UDT &ndash; Demokratische Timoresische Union) das politische Ziel, auch weiterhin engste Beziehungen mit Portugal zu pflegen. Demgegen&uuml;ber favorisierten die Anh&auml;nger der Frente Revolucion&aacute;ria de Timor-Leste Independente (FRETILIN &ndash; Revolution&auml;re Front f&uuml;r die Unabh&auml;ngigkeit von Osttimor) die Unabh&auml;ngigkeit des Landes, die sie samt ihren sp&auml;ter aufgestellten bewaffneten (Guerilla-)Einheiten der For&ccedil;as Armadas de Liberta&ccedil;&atilde;o Nacional de Timor-Leste (FALINTIL &ndash; Bewaffnete Kr&auml;fte zur nationalen Befreiung Osttimors) durchzusetzen und notfalls zu verteidigen trachteten.<\/p><p>Nach einer nur kurze Zeit w&auml;hrenden Koalition zwischen der FRETILIN und UDT zerbrach dieses Zweckb&uuml;ndnis. Mit teils offenen, teils verdeckten Ma&szlig;nahmen mischten sich zunehmend indonesische Gener&auml;le sowie der indonesische Geheimdienst <em>Bakin<\/em> (das Staatliche Koordinationsorgan der Geheimdienste) in die inneren Belange der Kolonie ein, um die UDT in ihrem Sinne zu manipulieren und sie als Front &bdquo;gegen den Kommunismus&ldquo;, womit die FRETILIN gemeint war, aufzubauen. In einem Showdown, in dessen Folge es zu einem B&uuml;rgerkrieg kam, gewann die FRETILIN als numerisch st&auml;rkste Kraft im Lande milit&auml;risch und politisch die Oberhand und deren F&uuml;hrung verk&uuml;ndete am 28. November 1975 die unabh&auml;ngige Demokratische Republik Osttimor. Diese w&auml;hrte gerade einmal neun kurze Tage, als am 7. Dezember 1975 indonesische Milit&auml;rs in Osttimor einmarschierten und das Land ein Jahr sp&auml;ter vom amtierenden Suharto-Regime in Jakarta als 27. Provinz Indonesiens annektiert wurde. Noch bittere zweieinhalb Jahrzehnte sollten vergehen, bis Portugals einstige Kolonie als Timor-Leste endg&uuml;ltig am 20. Mai 2002 seine Unabh&auml;ngigkeit unter Teilnahme zahlreicher ausl&auml;ndischer G&auml;ste in der Hauptstadt Dili zu feiern vermochte.<\/p><p><strong>Suharto &ndash; ausgesprochener Darling der &bdquo;westlichen Wertegemeinschaft&ldquo;<\/strong><\/p><p>Es ist ein in der Region S&uuml;dostasien gro&szlig;es Paradoxon, dass der Vietnamkrieg, der in Vietnam selbst der &bdquo;Amerikanische Krieg&ldquo; genannt wurde, aus US-amerikanischer Sicht desastr&ouml;s endete, doch Washingtons Milit&auml;rstrategen und die CIA mit Blick auf Indonesien eine &auml;u&szlig;erst erfolgreiche Counterinsurgency- beziehungsweise Aufruhrbek&auml;mpfungs-Strategie exekutierten. Auf dem H&ouml;hepunkt des Vietnamkrieges 1965\/66 putschte sich im gr&ouml;&szlig;ten und bev&ouml;lkerungsreichsten Land S&uuml;dostasiens mit General Suharto der Chef der Eliteeinheit Kostrad an die Macht, der seitdem zum ausgesprochenen Darling der &bdquo;westlichen Wertegemeinschaft&ldquo; avancierte. Allein schon deshalb, weil er im Prozess seiner Herrschaftssicherung einen rabiaten Kurs gegen alles &bdquo;Linke&ldquo; f&uuml;hrte und mit der Kommunistischen Partei Indonesiens (PKI) die weltweit drittst&auml;rkste kommunistische Partei nach der KP Chinas und der KPdSU (Sowjetunion) nahezu physisch liquidieren lie&szlig;.<\/p><p>&bdquo;Ich habe vermutlich viel Blut an meinen H&auml;nden, aber das ist nicht unbedingt schlimm. Manchmal muss man hart durchgreifen&ldquo;, erkl&auml;rte Robert Martens, der 1965 Mitarbeiter der US-Botschaft in Jakarta war und dort als Kommunismus-Experte den Schergen Suhartos zuarbeitete. In der Botschaft liefen s&auml;mtliche sensiblen Informationen &uuml;ber die PKI-Struktur zusammen, die sodann indonesischen Milit&auml;rs &uuml;bermittelt wurden, welche ihrerseits die &bdquo;Drecksarbeit&ldquo; erledigten. Indonesien galt Mitte der 1960er Jahre als ein &bdquo;Modell f&uuml;r Vietnam&ldquo;, so William Colby, der 1965 in der CIA f&uuml;r den Fernen Osten zust&auml;ndig war und danach zum Chef des &bdquo;Ph&ouml;nix&ldquo;-Programms in S&uuml;dvietnam avancierte. Durch diese Milit&auml;raktion sollte die Infrastruktur des Widerstandes gegen die USA und ihre s&uuml;dvietnamesischen Marionetten zerst&ouml;rt werden. Laut Colby wurden dabei &bdquo;nur gut 20.000 Vietnamesen&ldquo; umgebracht.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p><p>&bdquo;Amerikanische Elitemedien begr&uuml;&szlig;ten den V&ouml;lkermord&ldquo;, schrieb &Aring;sa Linderborg in der Stockholmer Tageszeitung <em>Aftonbladet<\/em>, &bdquo;laut <em>Time<\/em> war das die &sbquo;beste Nachricht seit Jahren in Asien&lsquo;, und das Magazin kommentierte gl&uuml;cklich &sbquo;das hei&szlig;e Blutbad, das 400.000 Leben kostete, und kaum jemand bemerkte&lsquo;. Selbst die <em>New York Times<\/em> war au&szlig;er sich, hat das entsetzliche Geschehen aber mehrere Jahre sp&auml;ter als &sbquo;eine der barbarischsten Massenabschlachtungen in der modernen politischen Geschichte&lsquo; bezeichnet&ldquo;.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Indonesien sollte unbedingt ein Vorposten westlicher Interessen in der Region bleiben, den es ein f&uuml;r alle Mal &bdquo;vom Virus der Subversion und Instabilit&auml;t&ldquo;, so der damalige US-Au&szlig;enminister Henry A. Kissinger, zu befreien galt. Aus diesem Grund wurden s&auml;mtliche innen- wie au&szlig;enpolitischen Schandtaten w&auml;hrend der Suharto-&Auml;ra in den westlichen Hauptst&auml;dten stillschweigend geduldet.<\/p><p>Die Regierungen der USA und Australiens waren dabei zweifellos die engsten Verb&uuml;ndeten der Machthaber in Jakarta. In London, so der fr&uuml;here britische Botschafter in Jakarta, John Ford, br&uuml;stete man sich mehrfach &ouml;ffentlich damit, die Kontroverse um &bdquo;die Vorf&auml;lle in Osttimor&ldquo; vom Parkett der internationalen Politik und Diplomatie ferngehalten zu haben, vor allem als Gro&szlig;britannien den Vorsitz im UN-Sicherheitsrat innehatte. Selbst der Tod zweier britischer Journalisten, die im Oktober 1975 in Osttimor bei Recherchen von indonesischen Sicherheitskr&auml;ften umgebracht worden waren (s.u.<em> Exkurs II: Balibo Five oder Vertuschungen &amp; straffreier Journalistenmord<\/em>), war London keiner hartn&auml;ckigen Untersuchung wert.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]<\/p><p>Suharto war aus &bdquo;westlicher&ldquo; Perspektive der antikommunistische Gew&auml;hrsmann in der Region par excellence. &Uuml;berdies lie&szlig;en sich mit ihm und seiner politischen Klientel &ndash; in ungleich gr&ouml;&szlig;erem Ma&szlig;e als mit den anderen beiden Haudegen von Washingtons Gnaden in S&uuml;dost- und Ostasien, Ferdinand E. Marcos in den Philippinen und Park Chung-Hee in S&uuml;dkorea &ndash; vorz&uuml;glich Gesch&auml;fte machen. Gro&szlig; war der indonesische Markt. Und gr&ouml;&szlig;er noch waren die Begehrlichkeiten westlichen Kapitals, dort kr&auml;ftig zu hecken und Suhartos angepeiltes Aufr&uuml;cken in den Club der sogenannten Tigerstaaten zu unterst&uuml;tzen, bis sich Ende der 1990er Jahre die Wirtschafts- und Finanzkrise mit einer tiefgreifenden politischen und Legitimit&auml;tskrise verband und den Despoten im Mai 1998 zum R&uuml;ckzug zwang.<\/p><p>Als im Fr&uuml;hjahr 1975 mit der &uuml;berst&uuml;rzten Evakuierung der letzten US-B&uuml;rger aus der damaligen s&uuml;dvietnamesischen Hauptstadt Saigon das Desaster der US-amerikanischen Aggressionskriege gegen Vietnam, Laos und Kambodscha auch und gerade telegen ausgeleuchtet wurde, reiften in Jakarta und Washington bereits konkrete Pl&auml;ne einer neuerlichen milit&auml;rischen Intervention beziehungsweise Aggression. Diesmal allerdings fernab jedweder gr&ouml;&szlig;eren internationalen &Ouml;ffentlichkeit und medialen Berichterstattung.<\/p><p>Just zu der Zeit, als sich Suharto anschickte, seinen Soldaten den Befehl zur Invasion Osttimors zu erteilen, weilten US-Pr&auml;sident Gerald Ford und sein Au&szlig;enminister Henry A. Kissinger in Jakarta auf Staatsvisite. Beide Seiten stimmten darin &uuml;berein, dass sozusagen vor Jakartas Haust&uuml;r &bdquo;ein zweites Kuba&ldquo; auf keinen Fall entstehen durfte. Ford und Kissinger waren nicht nur vollumf&auml;nglich in Jakartas Invasionspl&auml;ne eingeweiht. Der verschlagene Kissinger bestand dabei noch auf zweierlei: Suharto sollte mit der Invasion erst beginnen, wenn er (Kissinger) und Pr&auml;sident Ford wieder in Washington weilten. Und der Einmarsch in Osttimor solle auf schnellstm&ouml;glichem Wege im Sinne eines &bdquo;quick fix&ldquo; erfolgen. Beides geschah denn auch plangem&auml;&szlig;, wie publizierten Dokumenten des <em>National Security Archive (NSA)<\/em> zu entnehmen ist.<\/p><p><strong>Exkurs I: Das NSA oder &bdquo;Wegen Osttimor den Indonesiern die Z&auml;hne einschlagen?&ldquo;<\/strong><\/p><p>Das NSA ist ein unabh&auml;ngiges Forschungsinstitut mit angeschlossener Bibliothek an der George Washington University in Washington, D.C. Seit Jahren sammeln und publizieren die Mitarbeiter des Archivs sogenannte deklassifizierte Dokumente fr&uuml;herer US-amerikanischer Regierungen, die auf der Basis des <em>Freedom of Information Act (FOIA)<\/em> publik gemacht werden m&uuml;ssen.<\/p><p>Bereits am 27. Juli 2001 ver&ouml;ffentlichte das NSA Dokumente des State Department (Au&szlig;enministerium) auf seiner Homepage im Internet mit dem Titel: <em>&bdquo;Die ausw&auml;rtigen Beziehungen der Vereinigten Staaten, 1964 bis 68 &ndash; Band XXVI: Indonesien; Malaysia-Singapur; Philippinen&ldquo;.<\/em> Allein <a href=\"https:\/\/nsarchive.gwu.edu\/project\/indonesia-documentation-project\">der zu Indonesien relevante Teil<\/a> belegt auf reichlich 500 Seiten die aktive Zusammenarbeit US-amerikanischer Politiker, Diplomaten und Milit&auml;rs mit dem Suharto-Regime, das seinen betont prowestlichen, antikommunistischen Kurs als &bdquo;Neue Ordnung&ldquo; drapierte.<\/p><p>Am 6. Dezember 2001 legte das NSA unter der Federf&uuml;hrung von William Burr und Michael L. Evans Dokumente aus der Zeit der Osttimor-Invasion 1975\/76 vor, die zweifelsfrei die Komplizenschaft der damaligen Ford-Administration mit dem Suharto-Clan belegen. Diese Dokumente vermitteln tiefe Einblicke in das, was der Publizist Anthony Lewis am 8. September 1999 in der <em>International Herald Tribune<\/em> &bdquo;Kissingerschen Realismus&ldquo; genannt hatte. So hatte beispielsweise US-Au&szlig;enminister Henry A. Kissinger unmittelbar nach dem Suharto-Besuch Anfang Dezember 1975 kritische Nachfragen in seinem eigenen Stab mit dem ihm eigenen derben Argument pariert: &bdquo;Ich wei&szlig;, was das Gesetz ist. Doch kann es in unserem nationalen Interesse liegen (&hellip;), den Indonesiern die Z&auml;hne einzuschlagen?&ldquo;<\/p><p>Bereits im Oktober 1975, also etwa sechs Wochen vor der offenen Osttimor-Invasion, hatten indonesische Eliteeinheiten dort mit Wissen Kissingers Geheimoperationen durchgef&uuml;hrt. Daraufhin konstatierte dieser gegen&uuml;ber seinem engsten Stab von Mitarbeitern: &bdquo;Ich gehe davon aus, dass Sie in dieser Angelegenheit wirklich den Mund halten.&ldquo; In einem exklusiv f&uuml;r Kissinger bestimmten Memorandum hatte David Newsom, zu der Zeit US-Botschafter in Jakarta, bereits im M&auml;rz 1975 (knapp neun Monate vor der Osttimor-Invasion) skizziert, worum es eigentlich ging: &bdquo;Die USA haben betr&auml;chtliche Interessen in Indonesien und keine in Timor.&ldquo; Und beim Einmarsch in der ehemaligen portugiesischen Kolonie war das gr&ouml;&szlig;te Waffenkontingent der indonesischen Truppen <em>made in the USA.<\/em><\/p><p>Schlie&szlig;lich machte das NSA am 28. November 2005 weitere Dokumente zug&auml;nglich, die Brad Simpson, Historiker an der University of Maryland und Direktor des Indonesien- und Osttimor-Dokumentationsprojekts der NSA, wie folgt kommentierte: &bdquo;Diese Dokumente verdeutlichen die Notwendigkeit, international auf eine genuine Aufkl&auml;rung hinzuarbeiten und die Schuldigen der uns&auml;glichen Leiden in Osttimor zu benennen.&ldquo;<\/p><p><strong>Innige deutsch-indonesische Partnerschaft<\/strong><\/p><p>Unterst&uuml;tzer, Partner und Dulder des Suharto-Regimes war von Anfang an auch die Bundesrepublik. &bdquo;Der nach dem Ausscheiden Sukarnos (Indonesiens erster Pr&auml;sident und Vorg&auml;nger Suhartos, der am 17. August 1945 die Unabh&auml;ngigkeit des Landes ausgerufen hatte <em>&ndash; RW<\/em>) begonnene Wandel in Staat und Gesellschaft&ldquo;, hatte bereits das D&uuml;sseldorfer <em>Handelsblatt<\/em> [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] fr&uuml;h und in Erwartung lukrativer Gesch&auml;fte verz&uuml;ckt-euphemistisch kommentiert, &bdquo;ist in Indonesien noch nicht abgeschlossen. Suhartos Verdienst besteht darin, dass er diesen Wandel mit der Geschmeidigkeit und Geduld eines typischen Zentraljavaners erm&ouml;glicht hat. (&hellip;) Immerhin verf&uuml;gt Suharto neben javanischer Geschmeidigkeit und Geduld auch &uuml;ber taktisches Gesp&uuml;r und notfalls Entschlossenheit, wie er das bei der Ausschaltung seines Vorg&auml;ngers hinl&auml;nglich bewiesen hat.&ldquo;<\/p><p>Langj&auml;hrig und intensiv unterst&uuml;tzte der <em>Bundesnachrichtendienst (BND)<\/em> die indonesischen Milit&auml;rs mit Logistik und Waffen. &Uuml;ber die Bundeswehr und den Bundesgrenzschutz gab&rsquo;s laut Recherchen des Fernsehmagazins <em>Monitor<\/em> f&uuml;r die fernen Freunde &ndash; unter dem Vorwand der &bdquo;Drogenmissbrauchsbek&auml;mpfung&ldquo; &ndash; Hilfestellung in Form von Ausbildungskursen f&uuml;r Offiziere an der <em>Bundeswehrakademie<\/em> <em>Hamburg-Blankenese <\/em>sowie Spezialtrainings bei der Elitetruppe <em>GSG-9<\/em> in Hangelar bei Bonn. Unter anderen hatte dort auch der Schwiegersohn Suhartos, General Prabowo Subianto, 1981 eine Sonderausbildung erhalten.[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]<\/p><p>In seine Heimat zur&uuml;ckgekehrt, avancierte Prabowo zum Chef der indonesischen milit&auml;rischen Spezialeinheiten und &uuml;bernahm zudem das Kommando &uuml;ber das wegen seiner Brutalit&auml;t gef&uuml;rchtete <em>Detachment 81<\/em>. Als einer der Drahtzieher von Liquidierungskampagnen gegen Oppositionelle inkriminiert, konnte sich Prabowo nach dem R&uuml;ckzug seines G&ouml;nners und Schwiegervaters Suharto am 21. Mai 1998 und trotz unehrenhafter Entlassung aus der Armee wegen schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen unbehelligt nach Jordanien zu seinem dort lebenden Bruder absetzen.[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] Der fr&uuml;here BND-Chef Reinhard Gehlen kommentierte Suhartos Milit&auml;rputsch und blutigen Machtantritt ganz im Jargon des Kalten Krieges: &bdquo;Der Erfolg der indonesischen Armee, die (&hellip;) die Ausschaltung der gesamten kommunistischen Partei mit Konsequenz und H&auml;rte verfolgte, kann nach meiner &Uuml;berzeugung in seiner Bedeutung gar nicht hoch genug eingesch&auml;tzt werden.&ldquo;[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>]<\/p><p>Laut <em>Monitor<\/em>-Recherchen bildete der BND auch indonesische Agenten in Deutschland aus. &Uuml;berdies lieferte man aus Deutschland milit&auml;rische Elektronik, zum Beispiel &uuml;ber die BND-nahe Firma <em>Telemit<\/em>. Die Geheimdienstkontakte hatten sich derma&szlig;en freundschaftlich gestaltet, dass der BND in der Deutschen Botschaft in Jakarta auch eine sogenannte legale Residentur einrichten konnte. Der Zweck dieser BND-intern als <em>FB 70<\/em> bezeichneten Residentur: enge Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst der Suharto-Diktatur. 1984 ist gar ein Kooperationsabkommen &uuml;ber Polizeiausbildung und -technologie abgeschlossen worden, das auf bundesdeutscher Seite von der <em>Gesellschaft f&uuml;r Technische Zusammenarbeit (GTZ)<\/em> in Eschborn unterschrieben, somit unter Entwicklungshilfe (mittlerweile hei&szlig;t das politisch korrekt &bdquo;Entwicklungszusammenarbeit&ldquo;) subsumiert wurde.[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>] Immerhin rangierte Indonesien (mit Indien, &Auml;gypten und der VR China) seinerzeit ganz oben in der Rangliste der meistbeg&uuml;nstigten Empf&auml;nger bundesdeutscher Entwicklungshilfe.<\/p><p>Aus der BRD fand auch massenhaft milit&auml;risches Ger&auml;t den Weg nach Indonesien, von Fregatten aus Best&auml;nden der fr&uuml;heren<em> Nationalen Volksarmee<\/em> bis hin zu Maschinenpistolen der Firma <em>Heckler &amp; Koch.<\/em> Hubschrauber vom Typ BO-105 der Firma <em>Messerschmitt-B&ouml;lkow-Blohm (MBB) <\/em>wurden unter deutscher Lizenz im Lande selbst gefertigt. Selbst (Kampf-)Uniformen lie&szlig; die Bundeswehr in der javanischen Textilfirma <em>Sritex<\/em> zu Billigstkonditionen n&auml;hen. Der an der <em>Technischen Hochschule Aachen<\/em> ausgebildete germanophile MBB-Fan, langj&auml;hrige Technologieminister und Suharto-Intimus Dr. Bacharuddin Jusuf Habibie ging mit Kritikern derartiger Deals nicht zimperlich um. Als namhafte Wochenmagazine in Jakarta 1994 beispielsweise den Ankauf von 39 modernisierungsbed&uuml;rftigen Kriegsschiffen aus Deutschland bem&auml;kelten &ndash; Gesamtsumme: 650 Mio. US-Dollar &ndash; lie&szlig; Habibie sie kurzerhand durch das Informationsministerium verbieten.[<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>]<\/p><p><strong>Internationalisierung der Osttimor-Frage in der Post-Suharto-&Auml;ra<\/strong><\/p><p>Bis zum freiwilligen Abgang von der politischen B&uuml;hne im Mai 1998 infolge einer schweren Wirtschafts- und Finanzkrise hatte Suharto international keinerlei ernsthafte Anfeindungen wegen der Annexion und Okkupation Osttimors zu bef&uuml;rchten. Das &auml;nderte sich erst, als sein handverlesener Nachfolger Bacharuddin Jusuf Habibie kurz nach seinem Amtsantritt ank&uuml;ndigte, in Osttimor ein Referendum durchf&uuml;hren zu lassen, um auf diese Weise den sich mehrenden kritischen Stimmen im Ausland die Spitze zu nehmen sowie die schwerwiegenden wirtschaftspolitischen Ersch&uuml;tterungen im Innern abzufedern. Doch der neu-alte St&uuml;tzpfeiler des Regimes, das m&auml;chtige Milit&auml;r, rief sofort zum Widerstand gegen diese Entscheidung auf. Deren Spitzen bef&uuml;rchteten, dass mit Osttimor ein Fanal gesetzt w&uuml;rde und in der Folge auch in anderen Regionen des Archipels zentrifugale Kr&auml;fte beziehungsweise Unabh&auml;ngigkeitsbestrebungen entfesselt werden k&ouml;nnten, welche den Zentralstaat in seinem Bestand bedrohten.<\/p><p>Au&szlig;erdem bef&uuml;rchtete man in den Reihen des Milit&auml;rs eine Aufweichung seiner selbsterkorenen Rolle als hehrer Wahrer der &bdquo;dwi fungsi&ldquo;, wonach dem Milit&auml;r eine Doppelfunktion zukommt: Im Inneren wirkt es sozialpolitisch im Sinne von Ruhe, Ordnung und Stabilit&auml;t und garantiert dar&uuml;ber hinaus als Wahrer nationaler Integrit&auml;t und Souver&auml;nit&auml;t den Zusammenhalt des Staatsverbandes. Zwar opponierten die Streitkr&auml;fte nicht offen gegen Habibie, unternahmen allerdings hinter den Kulissen alles, um ein osttimoresisches Unabh&auml;ngigkeitsvotum, dessen Termin schlie&szlig;lich am 30. August 1999 anberaumt wurde, durch gezielte Destabilisierungsma&szlig;nahmen zu unterlaufen. Bereits Monate vor dem mehrfach verschobenen Referendum hatten die F&uuml;hrer des aus s&auml;mtlichen gesellschaftlichen Schichten Osttimors gebildeten Widerstandsrates auf eine unmittelbare und angemessene UN-Repr&auml;sentanz gedr&auml;ngt &ndash; ein Wunschtraum, wie sich fatalerweise herausstellen sollte.<\/p><p>&bdquo;<strong>Gutartiger Terror&ldquo; versus &bdquo;b&ouml;sartiger Terror&ldquo;<\/strong><\/p><p>Die Entfernung zwischen dem Kosovo und Osttimor markierte just zu der Zeit die Kluft zwischen bombengelaunten &bdquo;humanit&auml;ren Interventionisten&ldquo; und perfiden Zynikern der Macht. Von &bdquo;erzwungenem Massenexodus&ldquo;, &bdquo;systematischem V&ouml;lkermord&ldquo; &ndash; gar &bdquo;einem neuerlichen Auschwitz&ldquo; &ndash; war im Fr&uuml;hjahr 1999 die Rede, als im Namen von Menschenrechten ein rasches, kompromissloses und kostspieliges Handeln in Jugoslawien propagiert und umgesetzt wurde. Eine geballte bellizistische Formation von NATO-Haudegen bis hin zu den B&uuml;ndnisgr&uuml;nen f&uuml;hrte und bef&uuml;rwortete einen elfw&ouml;chigen Luftkrieg gegen das Slobodan-Milo&scaron;evi&#263;-Regime, der mehr Probleme schuf, als er zu l&ouml;sen vorgab.<\/p><p>Im Falle des erneuten indonesischen Staatsterrors gegen Osttimor, der in unterschiedlicher Intensit&auml;t seit zweieinhalb Dekaden angedauert hatte und s&auml;mtliche UN-Verurteilungen ungestraft ignorieren konnte, war auf einmal alles ganz anders. Hier konnte der Befehlshaber der indonesischen Truppen in Dili, Oberst Tono Suratman, zwei Wochen vor dem Referendum unbehelligt schwadronieren: &bdquo;Sagen wir es ganz deutlich: Wenn die Pro-Unabh&auml;ngigkeitskr&auml;fte siegen, wird alles zerst&ouml;rt. Osttimor wird nicht mehr so sein, wie es jetzt noch ist. Es wird schlimmer als vor 23 Jahren werden&ldquo; (als indonesische Streitkr&auml;fte die erste Terrorwelle in Osttimor ausl&ouml;sten &ndash; <em>RW)<\/em>.[<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>]<\/p><p>Die lautst&auml;rksten Apologeten des NATO-Krieges gegen Jugoslawien, von US-Pr&auml;sident Bill Clinton und dem britischen Premierminister Tony Blair bis zum bundesdeutschen Verteidigungsminister Rudolf Scharping und Au&szlig;enminister Joseph Martin Fischer, handelten jetzt gem&auml;&szlig; der Devise des fr&uuml;heren US-Pr&auml;sidenten Teddy Roosevelt: &bdquo;Jemand mag ein Schurke sein, entscheidend ist, er ist unser Schurke.&ldquo; Noch am 7. September 1999 &ndash; das Morden, Pl&uuml;ndern und Niederbrennen der Milizen war in vollem Gange &ndash; hie&szlig; es in London, man erw&auml;ge keine Sanktionen gegen Jakarta, da diese &bdquo;ineffektiv&ldquo; seien. Stattdessen favorisierte man eine &bdquo;quiet diplomacy&ldquo; &ndash; hinhaltend und &uuml;berdies mit mickrigem Budget versehen.<\/p><p>Ein Dokument der indonesischen Armee von Anfang Mai 1999, da man endlich ein internationales Abkommen &uuml;ber das Referendum erzielt hatte, enthielt laut <em>Sydney Morning Herald<\/em> (8. und 26.7.1999) und der <em>Australian Financial Review <\/em>(13.9.1999) denn auch die unmissverst&auml;ndliche Order, &bdquo;nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses in allen D&ouml;rfern Massaker anzurichten, falls die Verfechter der Unabh&auml;ngigkeit siegen&ldquo;. Die Unabh&auml;ngigkeitsbewegung sei &bdquo;von der F&uuml;hrung bis zur Basis auszuschalten&ldquo;. (<em>The Observer,<\/em> 13.9.1999) Das angek&uuml;ndigte Grauen, von pro-indonesischen Milizen beziehungsweise &bdquo;pro-integrationistischen&ldquo; Elementen inszeniert und von den Milit&auml;rs gedeckt, nahm seinen Lauf und die &bdquo;westliche Wertegemeinschaft&ldquo; schaute zu.<\/p><p>Unmittelbar nach dem Referendum vom 30. August 1999, in dem die Bev&ouml;lkerung Osttimors mit knapp 80 Prozent eindrucksvoll f&uuml;r die Unabh&auml;ngigkeit votiert hatte, nahmen Gr&auml;ueltaten, organisiert und &uuml;berwacht vom indonesischen Milit&auml;r, erschreckende Ausma&szlig;e an. Am 7. September zitierte die franz&ouml;sische Nachrichtenagentur <em>AFP<\/em> einen pro-indonesischen Milizenf&uuml;hrer, der die Strategie Jakartas ungeschminkt offenlegte: Ziel sei es demnach, bis zu 300.000 Osttimoresen in den (indonesischen) Westteil der Insel zu deportieren und Osttimor mit Indonesiern neu zu bev&ouml;lkern.<\/p><p>Die ohnehin zu sp&auml;t in die Krisenregion entsandte UN-Mission <em>UNAMET <\/em>(United Nations Assistance Mission in East Timor) gab in ihrem Bericht vom 11. September, also knapp zwei Wochen <em>nach<\/em> dem Referendum, folgende Lageeinsch&auml;tzung: &bdquo;Die unmittelbare Verbindung zwischen Milizen und (indonesischem &ndash; <em>RW<\/em>) Milit&auml;r steht au&szlig;er Zweifel und wurde von UNAMET w&auml;hrend der letzten vier Monate in erdr&uuml;ckender Deutlichkeit dokumentiert. Doch Ausma&szlig; und Intensit&auml;t der Verheerungen, die Osttimor w&auml;hrend der vergangenen Woche erlebt hat, demonstrierten ein neues Niveau der offenen Beteiligung des Milit&auml;rs an Operationen, die vormals eher verdeckt durchgef&uuml;hrt wurden.&ldquo; Und die UNAMET warnte: &bdquo;Das Schlimmste d&uuml;rfte erst noch bevorstehen. Es ist nicht auszuschlie&szlig;en, dass hier die erste Phase einer V&ouml;lkermordaktion abl&auml;uft, mit der das Problem Osttimor gewaltsam aus der Welt geschafft werden soll.&ldquo;[<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>]<\/p><p>W&auml;hrend die indonesischen Streitkr&auml;fte und ihre Milizen im September 1999 mordend und pl&uuml;ndernd durch Osttimor zogen, die Hauptstadt Dili niederbrannten und massenhaft Menschen nach Westtimor verfrachteten[<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>], blieb man in den westlichen Hauptst&auml;dten auch dieses Mal tatenlos. UN-Generalsekret&auml;r Kofi Annan bem&uuml;hte sich derweil in Jakarta um ein Plazet daf&uuml;r, mehr Beobachter und Blauhelme nach Osttimor schicken zu d&uuml;rfen. Das veranlasste Noam Chomsky, langj&auml;hriger Linguistikprofessor am renommierten <em>Massachusetts Institute of Technology (MIT<\/em>) und seit dem Vietnamkrieg einer der profiliertesten Kritiker der US-amerikanischen Au&szlig;enpolitik, zu der Feststellung:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die US-Luftwaffe, die in Jugoslawien zivile Ziele punktgenau vernichten konnte, sah sich au&szlig;erstande, Nahrungsmittel f&uuml;r hungernde Menschen abzuwerfen, die vom Terror der indonesischen Streitkr&auml;fte in die Berge getrieben wurden &ndash; von Truppen also, die von den USA und ihren Verb&uuml;ndeten ausger&uuml;stet und ausgebildet werden. (&hellip;) In den Monaten vor dem August-Referendum wurden nach glaubw&uuml;rdigen Kirchenquellen 3.000 bis 5.000 Menschen umgebracht. Das w&auml;ren doppelt so viele Tote wie im Kosovo in der Periode vor den NATO-Bombenangriffen und sogar viermal so viel, wenn man es in Relation zur Gesamtbev&ouml;lkerung setzt. Der Terror war umfassend und sadistisch und sollte warnend darauf hinweisen, was jeden erwartete, der den Befehlen der Besatzungsarmee zu trotzen wagte&ldquo;.[<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Chomsky war es auch, der bereits zum fr&uuml;heren Zeitpunkt &bdquo;gutartigen&ldquo; (&bdquo;benign&ldquo;) von &bdquo;b&ouml;sartigem (&bdquo;malign&ldquo;) Terror&ldquo; unterschied, wobei Ersterer sich dadurch auszeichne, dass er sich innerhalb der Parameter von &bdquo;freedom &amp; democracy&ldquo; vollziehe, mithin &bdquo;entschuldbar&ldquo; und &bdquo;tolerierbar&ldquo; sei. Gem&auml;&szlig; dieser Lesart war die Herrschaft Suhartos &bdquo;benign&ldquo;, die eines Milo&scaron;evi&#263; hingegen als &bdquo;malign&ldquo; zu charakterisieren. So bezogen zwar internationale Beobachter der <em>UN-Mission in East Timor (UNAMET) <\/em>in Osttimors Hauptstadt Dili Quartier, doch bereits zehn Monate vor dem Referendum gingen &bdquo;pro-integrationistische Elemente&ldquo; &ndash; sprich: pro-indonesische Milizen &ndash; gegen alle vor, die verd&auml;chtigt wurden, gegen die fortgesetzte Herrschaft Jakartas zu votieren.<\/p><p><strong>Lediglich ein Begutachten des Katastrophenkatasters<\/strong><\/p><p>Makaber war &uuml;berdies, dass ausgerechnet die indonesischen Streitkr&auml;fte mit der ordnungsgem&auml;&szlig;en &Uuml;berwachung des Referendums betraut blieben! Diese stachelten ihre gedungenen Schergen auf (von der <em>BBC<\/em> durch mitgeschnittene Funkgespr&auml;che zwischen beiden Parteien einwandfrei belegt), Dili zu entv&ouml;lkern, Tausende abzuschlachten und Menschen massenhaft und gewaltsam in die Berge oder nach Westtimor zu treiben. &bdquo;Da das Pogrom vorauszusehen war&ldquo;, schrieb der indonesische Historiker John Roosa am 15. September in der <em>New York Times<\/em>, &bdquo;h&auml;tte man es leicht verhindern k&ouml;nnen. Aber in den Wochen vor der Abstimmung weigerte sich die Clinton-Regierung, mit Australien und anderen L&auml;ndern &uuml;ber eine internationale Truppe zu diskutieren. Selbst nach dem Ausbruch der Gewalt z&ouml;gerte die Regierung noch mehrere Tage lang&ldquo;, w&auml;hrend UN-Generalsekret&auml;r Kofi Annan zun&auml;chst abwiegelte und Indonesien lediglich empfahl, seinen Pflichten nachzukommen.<\/p><p>Nachdem die Milizen, aufgestachelt und gedeckt von der indonesischen Soldateska, ihr Unwesen getrieben und daf&uuml;r Sorge getragen hatten, dass ein &ndash; wenn schon unabh&auml;ngiges &ndash; Osttimor auf Dauer politisch ein fragiles Gebilde und &ouml;konomisch ein Schutthaufen bleibt, ging das Kalk&uuml;l der Machthaber in Jakarta auf. Sie hatten durch die politisch-diplomatische Hinhaltetaktik ihres Au&szlig;enministers Ali Alatas Zeit geschunden und den Milit&auml;rs die Bereinigung ihrer gr&ouml;bsten Blut- und Pl&uuml;nderspuren erm&ouml;glicht, bis sie schlie&szlig;lich g&ouml;nnerhaft signalisierten, einer UN-Intervention st&uuml;nde nichts im Wege.<\/p><p>In diesem Sinne war die erst am 15. September 1999 zustande gekommene Resolution 1264 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen, nachdem deren letzter Beobachtungsposten in Dili zeitweilig ger&auml;umt worden war, ein versp&auml;tetes, untaugliches Unterfangen, in Osttimor &bdquo;humanit&auml;r zu intervenieren&ldquo;. Als dann ab dem 20. September die ersten Kontingente der bis zu 7.500 Soldaten umfassenden multinationalen Friedenstruppe <em>INTERFET<\/em> unter dem Kommando des australischen Vietnam-Veteranen, Generalmajor Peter Cosgrove, dort anlandeten, mussten sie sich zuv&ouml;rderst als Leichenbeschauer und Vermesser des Grauens bet&auml;tigen. Das Gros der Schl&auml;chter hatte sich ins benachbarte indonesische Westtimor abgesetzt, die dorthin verjagten Osttimoresen als Man&ouml;vriermasse drangsalierend und von dort aus die n&auml;chsten Schritte einer gezielten Destabilisierung der Region planend.<\/p><p>&bdquo;Sollten die Osttimoresen sich f&uuml;r die Unabh&auml;ngigkeit entscheiden, wird die UNO Zug um Zug die Verantwortung f&uuml;r das Gebiet &uuml;bernehmen, und dazu geh&ouml;rt auch irgendein Sicherheitsarrangement&ldquo;, hatte Australiens Au&szlig;enminister Alexander Downer vor dem Referendum erkl&auml;rt. Doch gleichzeitig weigerte sich Canberra, ein solches Sicherheitsarrangement zum Schutz der bereits von den Milit&auml;rs und ihren Milizen in die Zange genommenen osttimoresischen Zivilbev&ouml;lkerung zu treffen. Es sollte der Eindruck vermieden werden, man bez&ouml;ge Position f&uuml;r die FRETILIN &ndash; ein fadenscheiniger Hinweis angesichts der Tatsache, dass diese nie umworben ward, wovon vor allem die australischen Kritiker der indonesischen Osttimor-Politik ein Lied singen konnten. Ihre Berichte &uuml;ber die Geschehnisse dort wurden h&auml;ufig zensiert oder gar nicht erst ver&ouml;ffentlicht. Seit der Annexion Osttimors haben s&auml;mtliche australischen (einschlie&szlig;lich der Labour-) Regierungen alles getan, um sich mit Jakarta ins Benehmen zu setzen und mit R&uuml;cksicht auf florierende Wirtschaftsbeziehungen keine Verstimmung wegen Osttimor aufkommen zu lassen.<\/p><p><strong>Exkurs II: Balibo Five oder Vertuschungen &amp; straffreier Journalistenmord<\/strong><\/p><p>Bei den sogenannten <em>Balibo Five<\/em> handelte es sich um f&uuml;nf Fernsehjournalisten, die im &auml;u&szlig;ersten Nordwesten Osttimors &ndash; in der Kleinstadt Balibo Vila &ndash; am 16. Oktober 1975 als ungebetene Zeugen der beginnenden Invasion indonesischer Truppenverb&auml;nde ermordet wurden. Am Tag ihres Todes filmten sie vom alten Fort in Balibo aus den Einmarsch indonesischer Streitkr&auml;fte, welcher der Vorbereitung der eigentlichen Invasion am 7. Dezember 1975 diente, um die Fortexistenz eines unabh&auml;ngigen Staates Osttimor zu vereiteln.<\/p><p>Die Balibo Five waren der Neuseel&auml;nder Gary Cunningham (Kameramann) und die beiden Australier Greg Shackleton (Reporter) und Tony Stewart (Ton) vom Melbourner Sender HSV-7 sowie die Briten Brian Peters und Malcolm Rennie vom Fernsehsender TCN-9 aus Sydney. Augenzeugenberichte gaben an, die Reporter seien erschossen beziehungsweise einer von ihnen erstochen worden, nachdem sie sich bereits ergeben hatten. Der ehemalige indonesische Informationsminister Muhammad Yunus Yosfiah wurde von verschiedenen Seiten beschuldigt, damals als Offizier im Range eines Hauptmanns der <em>Spezialkr&auml;fte<\/em> den Briten Brian Peters selbst erschossen zu haben, ein Vorwurf, den Yosfiah <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=J9SfCgJRppY\">sp&auml;ter bestritt<\/a>.<\/p><p>Nachdem das indonesische Milit&auml;r zun&auml;chst solche Taten rundweg bestritt, rechtfertigte es zum sp&auml;teren Zeitpunkt die T&ouml;tung der Kamerateams damit, dass die M&auml;nner &bdquo;Kommunisten&ldquo; und &bdquo;Sympathisanten der FRETILIN&ldquo; gewesen seien. Auch wurde versucht, die T&ouml;tung der FRETILIN selbst in die Schuhe zu schieben beziehungsweise osttimoresischen Milizen, die gegen die FRETILIN k&auml;mpften. Heute indes gilt als historisch gesichert, dass die Reporter get&ouml;tet wurden, um die Vorbereitungen f&uuml;r eine gro&szlig;angelegte Invasion indonesischer Truppen in Osttimor zu vertuschen. Der australische Reporter Roger East, der das Schicksal der Balibo Five aufkl&auml;ren wollte, wurde im Laufe der offenen Invasion Indonesiens in Osttimor ab dem 7. Dezember 1975 von indonesischen Soldaten buchst&auml;blich hingerichtet und sein Leichnam &uuml;ber die Kaimauer in Dili geworfen.<\/p><p>Die sterblichen &Uuml;berreste der Balibo Five wurden verbrannt und sp&auml;ter ohne das Einverst&auml;ndnis ihrer Familien <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=na-c9BYQszI\">in Jakarta begraben<\/a>. Eine unr&uuml;hmliche Rolle wird bei alldem dem damaligen australischen Botschafter in Jakarta, Richard A. Woolcott, zugeschrieben. W&auml;hrend seiner dortigen Amtszeit von 1975 bis 1978 erwies sich der Diplomat als knallharter Apologet der indonesischen Seite und einer engen australisch-indonesischen Kooperation &ndash; immerhin ging es um die Nutzung und weitere Erschlie&szlig;ung <a href=\"https:\/\/monde-diplomatique.de\/artikel\/!675685\">ergiebiger Gas- und Erd&ouml;lvorkommen in der Timorsee<\/a> im Seegebiet zwischen Nordaustralien und dem S&uuml;den Osttimors. Der Botschafter war auch an der unzeremoniellen Beisetzung der Balibo Five auf einem Friedhof <a href=\"https:\/\/etan.org\/et2010\/07july\/17\/12final.htm\">in der indonesischen Hauptstadt zugegen<\/a>. Woolcott <a href=\"http:\/\/www.abc.net.au\/pm\/content\/2007\/s1854640.htm\">bedauerte den Tod der Journalisten<\/a>, hob gleichzeitig aber die &bdquo;Verantwortungslosigkeit&ldquo; der betroffenen Sendeanstalten hervor, sich &uuml;berhaupt auf ein &bdquo;so riskantes Unterfangen&ldquo; eingelassen zu haben.<\/p><p>Australische Untersuchungen aus dem Jahr 2007 implizierten, dass selbst der damalige Premierminister Australiens, Gough Whitlam, die Ermordung der Journalisten durch das indonesische Milit&auml;r bef&uuml;rwortet habe. Whitlam bestritt dies. Einige Pressemeldungen berichteten von Zeugen, die den indonesischen Milit&auml;rsprechfunk abgeh&ouml;rt hatten, &uuml;ber den gemeldet wurde: &bdquo;Gem&auml;&szlig; ihren Anweisungen wurden f&uuml;nf Journalisten aufgesp&uuml;rt und erschossen.&ldquo; Das Gericht kam in seinen Ergebnissen, die am 15. November 2007 vorgelegt wurden, zu dem Schluss, dass die <a href=\"https:\/\/asiapacificreport.nz\/2020\/10\/16\/ajf-condemns-impunity-over-balibo-five-murders-in-timor-other-killings\/\">Balibo Five hingerichtet<\/a> wurden. Zeugenbefragungen und die Einsicht von Geheimdokumenten w&uuml;rden zu dem Ergebnis f&uuml;hren. Ein Mitglied des Untersuchungsteams forderte, dass Yosfiah und sein Mitt&auml;ter, Christoforus da Silva, angeklagt werden sollten. Ersterer habe die Hinrichtung von mindestens drei Reportern angeordnet, da Silva habe den f&uuml;nften Journalisten erstochen.<\/p><p>Nach Aussage eines Sprechers des indonesischen Au&szlig;enministeriums Anfang M&auml;rz 2007 gilt der Fall in Jakarta als abgeschlossen. Dort beharrt man weiterhin auf der Version, die Balibo Five seien in einem Kreuzfeuer ums Leben gekommen. Im November 2007 erkl&auml;rte ein Sprecher des indonesischen Au&szlig;enministeriums kategorisch: &bdquo;Sie <em>(die Untersuchungsergebnisse &ndash; RW)<\/em> &auml;ndern die Haltung Indonesiens nicht, dass f&uuml;r uns der Fall abgeschlossen ist, und wir bleiben weiterhin bei dem Standpunkt, dass sie <em>(die Balibo Five &ndash; RW)<\/em> durch das damalige Kreuzfeuer der Konfliktparteien get&ouml;tet wurden. Egal, was die Empfehlung des Untersuchungsgerichts ist, es wird Indonesiens Position in dieser Sache nicht &auml;ndern.&ldquo;<\/p><p>All diese Geschehnisse lieferten Stoff f&uuml;r den im Jahre 2009 uraufgef&uuml;hrten, 111 Minuten dauernden Film <a href=\"https:\/\/www.kino-zeit.de\/film-kritiken-trailer-streaming\/balibo\"><em>Balibo<\/em><\/a> des australischen Regisseurs Robert Connolly, der in Indonesien nicht gezeigt wurden durfte. Im Vordergrund dieses aufr&uuml;ttelnden, unter die Haut gehenden Politthrillers steht die Geschichte des australischen Journalisten Roger East, der &ndash; vom jungen Jos&eacute; Ramos-Horta gedr&auml;ngt, vor Ort &uuml;ber das Schicksal der zuvor ums Leben gekommenen f&uuml;nf Kollegen zu recherchieren &ndash; selbst Zeuge des Einmarsches indonesischer Invasionstruppen in die Hauptstadt Dili und dort von den neuen Machthabern buchst&auml;blich exekutiert wurde.<\/p><p><strong>Ged&auml;mpfter Optimismus, getr&uuml;bte Friedensperspektiven<\/strong><\/p><p>Kl&auml;glich versagt haben in diesem Konflikt sowohl die UN als auch die &bdquo;westliche Wertegemeinschaft&ldquo;. Deren jahrelanges Tolerieren der indonesischen Okkupation Osttimors best&auml;rkte Jakarta in seiner Einsch&auml;tzung, dass beide keine Politik verfolgten, die sich ernsthaft gegen seine Interessen richten w&uuml;rde.<\/p><p>&bdquo;M&ouml;glicherweise h&auml;tten bereits vor dem Referendum stationierte Ordnungskr&auml;fte einen Ausbruch der Gewalt in Osttimor verhindern k&ouml;nnen&ldquo;, schrieb der Z&uuml;richer V&ouml;lker- und Staatsrechtler Daniel Th&uuml;rer. &bdquo;Jakarta hatte das zwar stets abgelehnt, v&ouml;lkerrechtlich h&auml;tten solche Kr&auml;fte wohl aber auch ohne die Zustimmung Indonesiens entsandt werden k&ouml;nnen. Mit dem daf&uuml;r ben&ouml;tigten Personal in der Hinterhand h&auml;tte Kofi Annan druckvoller gegen&uuml;ber der indonesischen Regierung argumentieren k&ouml;nnen, der pr&auml;ventiven Stationierung einer Polizeitruppe zuzustimmen&ldquo;.[<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>] &bdquo;Osttimor&ldquo;, so Th&uuml;rers Fazit, &bdquo;ist ein weiteres Lehrst&uuml;ck daf&uuml;r, dass den Menschenrechten, der Demokratie und dem humanit&auml;ren V&ouml;lkerrecht nicht erst dann der n&ouml;tige Respekt gezollt werden darf, wenn es bereits zu sp&auml;t ist&ldquo;.<\/p><p>Dass es sich hier eindeutig um &bdquo;gutartigen Terror&ldquo; handelte, bewies nicht zuletzt das gescheiterte Unterfangen, ein den Jugoslawien- und Ruanda-Tribunalen vergleichbares internationales Schiedsgericht zu Indonesien einzusetzen. Eine Malaise, die im Folgenden auf den Punkt gebracht wurde:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der Widerstand seitens der indonesischen Regierung und die mangelnde Unterst&uuml;tzung der internationalen Gemeinschaft lie&szlig;en die Errichtung eines internationalen Gerichtshofes jedoch in weite Ferne r&uuml;cken, wenngleich sich die UN diese Option bis zum heutigen Tage zumindest formell offen halten. Stattdessen akzeptierte man zun&auml;chst den Vorschlag Indonesiens, im Rahmen seiner nationalen Gerichtsbarkeit Prozesse gegen eine Reihe von Verd&auml;chtigen anzustrengen. Hierzu musste allerdings erst die notwendige Rechtsgrundlage geschaffen werden, was schlie&szlig;lich mit der Verabschiedung des Gesetzes Nr. 26\/2000 &uuml;ber die Errichtung von Menschenrechtsgerichtsh&ouml;fen erfolgte. Mit diesem Gesetz, das weithin als Schritt in die richtige Richtung begr&uuml;&szlig;t wurde, und der Umsetzung in Form der im M&auml;rz 2002 in Jakarta er&ouml;ffneten Hauptverhandlungen vor dem Ad-hoc-Menschenrechtsgerichtshof betrat Indonesien Neuland. Aufgrund seiner Unerfahrenheit sowie der innenpolitischen Rahmenbedingungen Indonesiens blieben Zweifel an der Seriosit&auml;t der Verfahren bestehen. Prominente Verd&auml;chtige, wie der ehemalige Oberbefehlshaber des Heeres und Verteidigungsminister Wiranto, der fr&uuml;here Geheimdienstchef Zacky Anwar Makarim sowie der Oberkommandierende der Milizen, Jo&atilde;o Tavares, fanden sich entgegen den Empfehlungen der vom Staat eingesetzten Untersuchungskommission KPP-HAM nicht auf der Liste der Angeklagten. Anklage wurde nur noch gegen 18 Personen erhoben, von denen keiner in Untersuchungshaft genommen wurde.&ldquo;[<a href=\"#foot_15\" name=\"note_15\">15<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Die demokratisch eindrucksvoll legitimierte FRETILIN blieb mit einem Sieg konfrontiert, um den man sie keineswegs beneiden mochte. Sie blieb in dem Dilemma gefangen, einen eigenen Verwaltungsapparat und ein eigenes (Aus-)Bildungs- und Wirtschaftssystem aufbauen zu m&uuml;ssen. Als langj&auml;hriges Objekt externer Kolonialisierung und interner Kolonisierung ward nahezu der gesamte Handels- und Wirtschaftssektor Osttimors von Gesch&auml;ftsleuten aus Sulawesi, Java und anderen indonesischen Inseln dominiert, die ihre Pfr&uuml;nde nicht kampflos preisgaben.<\/p><p>So erstaunlich die Resilienz des &uuml;berwiegenden Teils der osttimoresischen Bev&ouml;lkerung war, was sich beispielsweise im Zuge des Referendums und der sp&auml;teren Parlamentswahlen zeigte, so zwiesp&auml;ltig gestaltete sich der von der neuen politischen F&uuml;hrungsriege eingeschlagene Kurs zur Aufarbeitung der Vergangenheit beziehungsweise der verfolgte Weg zur Aus- und Vers&ouml;hnung.<\/p><p>&bdquo;Timor Lorosa&lsquo;e ist der offizielle Name des Staates, der am 20. Mai auf dem Gebiet von Osttimor gegr&uuml;ndet wurde&ldquo;, schrieb Any Bourrier, Journalistin bei <em>Radio France International <\/em>und von den Vereinten Nationen im Jahr 2000 mit dem Aufbau der Medien in Osttimor beauftragt.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Allen pessimistischen Prognosen zum Trotz scheint der &Uuml;bergang zur Demokratie gelungen zu sein. Angesichts der pragmatischen F&uuml;hrung des am 14. April mit 83 Prozent der Stimmen gew&auml;hlten Pr&auml;sidenten und einer gro&szlig;en Bereitschaft der Bev&ouml;lkerung und der lokalen politischen Eliten, das Projekt eines eigenen Staates voranzubringen, sind die Aussichten f&uuml;r die Zukunft vielversprechend. &sbquo;Timorisation&lsquo; hei&szlig;t das Schlagwort, unter dem die Bev&ouml;lkerung ihr Schicksal in die eigenen H&auml;nde nimmt.<\/p>\n<p>Am 20. Mai 2002 wurde ein neuer unabh&auml;ngiger und demokratischer Staat geboren. Mit einem Parlament in der Hauptstadt Dili, wo seit den Wahlen vom August 2001 die Abgeordneten von 12 der 16 neuen politischen Parteien Osttimors tagen; mit einem demokratisch gew&auml;hlten Pr&auml;sidenten, dessen Machtbefugnisse begrenzt sind &ndash; in einem Regierungssystem, das nach dem Willen der verfassunggebenden Versammlung ein Mittelding zwischen pr&auml;sidialem und parlamentarischem System darstellt; und mit einer Regierung unter F&uuml;hrung von Premierminister Mari Alkatiri, die von der Mehrheitspartei in der Versammlung, der Revolution&auml;ren Front f&uuml;r die Unabh&auml;ngigkeit Osttimors (Fretilin) gebildet wurde. Osttimor befindet sich somit auf dem Weg zur politischen Normalit&auml;t.&ldquo;[<a href=\"#foot_16\" name=\"note_16\">16<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Nach 2002 blieben in Indonesien und Osttimor gleicherma&szlig;en jene Schritte und Ma&szlig;nahmen in h&ouml;chstem Ma&szlig;e kritikw&uuml;rdig, die von den politisch Verantwortlichen aus jeweils unterschiedlichen Gr&uuml;nden gew&auml;hlt wurden, um Gerichtsverhandlungen, Wahrheitskommissionen und zaghaft in Gang gesetzte Vers&ouml;hnungsprozesse in ihr Gegenteil zu verkehren und nach erfolgten Amnestien auf kollektive Amnesie zu setzen. Ging es in diesem Sinne Jakarta wesentlich darum, sein Tun und Handeln zu vertuschen oder zu deodorisieren, verfolgte man in Dili das Kalk&uuml;l, Jakarta mit keiner allzu harschen Kritik zu verprellen und sich so eines halbwegs friedlichen Nebeneinanders als neuem modus vivendi zu versichern.<\/p><p>In diesem Zusammenhang entt&auml;uschte Pr&auml;sident Xanana Gusm&atilde;o, ehemals gefeierter Befreiungsk&auml;mpfer gegen das koloniale Joch und die indonesische Milit&auml;rdiktatur, seine Anh&auml;nger und ehemaligen Weggef&auml;hrten zutiefst, als er, immerhin auch international bekannter politischer Gefangener des Suharto-Regimes, in einer Parlamentsansprache am 28. November 2005 in Dili die Ver&ouml;ffentlichung des gerade erst von der sogenannten Wahrheitskommission des Landes erstellten Berichts ablehnte. In diesem 2.500 Seiten starken Dokument ging es um die Menschenrechtsverbrechen Indonesiens von April 1974 bis zum Abzug seines Milit&auml;rs im Oktober 1999 gegen die Zivilbev&ouml;lkerung Osttimors. Pr&auml;sident Gusm&atilde;o weigerte sich &uuml;berdies, westliche Regierungen zur Wiedergutmachung aufzufordern, die die Besetzung Osttimors durch Indonesien gebilligt und dessen Machthaber mit Waffen und milit&auml;rischem Know-how beliefert hatten.<\/p><p>Gusm&atilde;os Rede fiel auf ein geschichtstr&auml;chtiges Datum. Genau 30 Jahre zuvor hatte ja die aus Wahlen siegreich hervorgegangene FRETILIN, deren F&uuml;hrer er damals war, die Demokratische Republik Osttimor ausgerufen. Nunmehr, so lautete die an die Adresse Gusm&atilde;os gerichtete Kritik, habe er sich zum Sachwalter einer Politik des Verschleierns, Verschweigens und Vergessens aufgeschwungen, um die Beziehungen zum &uuml;berm&auml;chtigen Nachbarn Indonesien nicht zu belasten.<\/p><p>Die Deutsche Kommission <em>Justitia et Pax<\/em>, eine katholische Menschenrechts- und Entwicklungshilfeorganisation, appellierte in einer am 2. Dezember 2005 gemeinsam mit <em>Misereor, missio<\/em> und der Menschenrechtsorganisation <em>Watch Indonesia!<\/em> ver&ouml;ffentlichten Presseerkl&auml;rung an das Parlament von Osttimor, den Bericht und die Empfehlungen der Wahrheitskommission &ouml;ffentlich zu machen und sicherzustellen, dass die Bev&ouml;lkerung in Osttimor, insbesondere die Opfer und ihre Familien, Kenntnis davon erhalten. Schlie&szlig;lich wurde der umfangreiche Bericht ein Jahr sp&auml;ter auf die Website des r&uuml;hrigen US-amerikanischen <em>East Timor and Indonesia Action<\/em> <em>Network (ETAN)<\/em> <a href=\"https:\/\/www.etan.org\/news\/2006\/cavr.htm\">online gestellt<\/a>.<\/p><p>Kein Wunder, dass so alte Wunden nicht vernarben wollten und sich neue Friktionen auch und gerade innerhalb der politischen F&uuml;hrung Osttimors anbahnten, in deren Verlauf zudem mehr schlecht denn recht unter &bdquo;Deckeln&ldquo; gehaltene ethnische Ost-West-Rivalit&auml;ten aufbrachen.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Seit seiner Unabh&auml;ngigkeit ist Osttimor ein fragiler Staat. Weder die Stabilit&auml;t des Landes noch die praktische Funktionsf&auml;higkeit seiner politischen Institutionen sind bislang so gefestigt, dass Staatszerfallsprozesse und ein R&uuml;ckfall in den B&uuml;rgerkrieg ausgeschlossen werden k&ouml;nnen. Die Revolte eines Teils der osttimoresischen Armee unter Alfredo Reinado, die Unruhen im Anschluss an die Wahlen zur Nationalversammlung im Sommer 2007 und die Attentate auf Premierminister Xanana Gusm&atilde;o und Pr&auml;sident Jos&eacute; Ramos-Horta im Februar 2008 f&uuml;hrten sowohl der Bev&ouml;lkerung des Landes als auch der internationalen Staatengemeinschaft einmal mehr die Schw&auml;che der Staatlichkeit in der jungen Demokratie vor Augen. Nach wie vor ist Osttimor auf die Pr&auml;senz internationaler Polizeikontingente &ndash; derzeit etwa im Rahmen der UNMIT (United Nations Integrated Mission in Timor-Leste) &ndash; angewiesen. Sicherlich sind die Faktoren, welche die Krisen des Landes ausl&ouml;sten, vielf&auml;ltig und gro&szlig;teils au&szlig;erhalb des formalen Verfassungsaufbaus und der Funktionsweise der staatlichen Institutionen zu verorten: Von der prek&auml;ren wirtschaftlichen und sozialen Situation, von der nach wie vor ungekl&auml;rten Frage nach dem Umgang mit den Traumatisierungen der Vergangenheit und von der Sprengkraft, die von den aufbrechenden ethnischen und kulturellen Konfliktlinien ausgeht, h&auml;ngen Erfolg und Misserfolg des Stabilisierungs- und Demokratisierungsprozesses ab.&ldquo;[<a href=\"#foot_17\" name=\"note_17\">17<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Osttimor &ndash; Eine kurze Chronologie<\/strong><\/p><p><em><strong>16. Jahrhundert:<\/strong><\/em> Portugal treibt seit dem fr&uuml;hen 16. Jahrhundert Handel mit Timor und beginnt um 1650, die Insel zu kolonialisieren.<\/p><p><em><strong>1859:<\/strong><\/em> Regionale Rivalit&auml;ten zwischen den Kolonialm&auml;chten Portugal und den Niederlanden, die das Gebiet des heutigen Indonesien kontrollieren, f&uuml;hren zu einem Aufteilungsvertrag; Portugal tritt die westliche H&auml;lfte der Insel Timor an die Niederlande ab.<\/p><p><em><strong>1942 &ndash; 1945:<\/strong><\/em> Japan okkupiert Osttimor, wenngleich Portugal w&auml;hrend des Zweiten Weltkriegs Neutralit&auml;t wahrt.<\/p><p><em><strong>1945 &ndash; 1975:<\/strong><\/em> Portugal bleibt weitere drei Jahrzehnte Kolonialmacht.<\/p><p><em><strong>28. November 1975:<\/strong><\/em> Die Befreiungsbewegung Fretilin erkl&auml;rt Portugiesisch-Timor (Osttimor) f&uuml;r unabh&auml;ngig und ruft die Demokratische Republik Osttimor aus.<\/p><p><em><strong>7. Dezember 1975:<\/strong><\/em> Indonesien erkennt die neue Republik nicht an und erteilt dem Milit&auml;r Order, in Osttimor einzumarschieren und das Land zu besetzen.<\/p><p><em><strong>Juli 1976:<\/strong><\/em> Osttimor wird von Indonesien annektiert und offiziell zu dessen 27. Provinz erkl&auml;rt.<\/p><p><em><strong>Ab Juli 1976:<\/strong><\/em> Mehrere blutige &bdquo;Befriedungsfeldz&uuml;ge&ldquo; des indonesischen Milit&auml;rs, in deren Verlauf ein Viertel der Bev&ouml;lkerung das Leben verliert, lassen die Insel nicht zur Ruhe kommen.<\/p><p><em><strong>12. November 1991:<\/strong><\/em> In Osttimors Hauptstadt Dili kommt es zur ersten Gro&szlig;demonstration gegen die indonesischen Besatzer. Auf dem Friedhof von Santa Cruz werden 271 Menschen von indonesischen Milit&auml;rs erschossen, 382 werden verletzt und weitere 270 Menschen &bdquo;verschwinden&ldquo; spurlos. Dieses als Santa-Cruz- bzw. Dili-Massaker in die Annalen eingegangene Verbrechen lenkt nach 16-j&auml;hriger indonesischer Okkupation erstmalig die internationale Aufmerksamkeit auf Osttimor.<\/p><p><em><strong>Dezember 1996:<\/strong><\/em> Der katholische Bischof von Dili, Carlos Filipe Ximenes Belo, und der damalige Sprecher der Unabh&auml;ngigkeitsbewegung im Ausland, Jos&eacute; Ramos-Horta, erhalten f&uuml;r ihr Engagement den Friedensnobelpreis.<\/p><p><em><strong>21. Mai 1998<\/strong><\/em><strong>:<\/strong> Indonesiens Pr&auml;sident Hadji Mohamed Suharto tritt zur&uuml;ck und benennt seinen Vize Bacharuddin Jusuf Habibie zu seinem Nachfolger, der seinerseits ein alsbaldiges Referendum in Osttimor in Aussicht stellt.<\/p><p><em><strong>30. August 1999:<\/strong><\/em> Die indonesische Soldateska entfesselt, von pro-indonesischen Milizen beziehungsweise &bdquo;pro-integrationistischen Elementen&ldquo; aus Westtimor tatkr&auml;ftig unterst&uuml;tzt, ein erneutes Massaker in Osttimor, als dessen Bev&ouml;lkerung im Referendum mit 78,5 Prozent f&uuml;r die Unabh&auml;ngigkeit der ehemaligen portugiesischen Kolonie stimmt.<\/p><p><em><strong>Ende September 1999:<\/strong><\/em> Nachdem &bdquo;der Westen&ldquo; und die UN wochenlang unt&auml;tig geblieben waren, als in Osttimor Gewalt und Chaos herrschten, gelingt es der ma&szlig;geblich von Australien gef&uuml;hrten <em>International Force for East Timor (INTERFET),<\/em> das Brandschatzen und Morden zu beenden.<\/p><p><em><strong>20. Mai 2002:<\/strong><\/em> Osttimor wird international als souver&auml;ner Staat Timor Lorosa&rsquo;e oder Timor-Leste anerkannt und bildet mit den Philippinen die einzigen beiden L&auml;nder in S&uuml;dostasien mit einer sich &uuml;berwiegend zum r&ouml;misch-katholischen Glauben bekennenden Bev&ouml;lkerung.<\/p><p><em><strong>28. November 2005:<\/strong><\/em> Osttimors fr&uuml;herer Chef der FALINTIL und nunmehrige Pr&auml;sident Xanana Gusm&atilde;o pl&auml;diert im Parlament daf&uuml;r, den Abschlussbericht der Wahrheitskommission nicht publik zu machen. <em><strong>(Zusammenstellung: Rainer Werning)<\/strong><\/em> <\/p><p><strong>Literaturempfehlungen<\/strong><\/p><ul>\n<li>Steve Cox, Peter Carey (1995): Generations of Resistance &ndash; East Timor. London<\/li>\n<li>James Dunn (2003): East Timor: A Rough Passage to Independence. Double Bay, N.S.W. (Australia)<\/li>\n<li>Matthew Jardine (1999): East Timor: Genocide in Paradise. Monroe, ME<\/li>\n<li>Jill Jolliffe (2002): Cover-up: The inside Story of the Balibo Five. Carlton North (AUS)<\/li>\n<li>Heike Krieger (Ed. -1997): East Timor and the International Community: Basic Documents. Melbourne<\/li>\n<li>Henri Myrttinen, Monika Schlicher und Maria Tschanz (Hg. &ndash; 2011): &ldquo;Die Freiheit, f&uuml;r die wir k&auml;mpfen &hellip;&rdquo;: Osttimor in der Unabh&auml;ngigkeit. Ein politisches Lesebuch. Berlin<\/li>\n<li>Roland-Pierre Paringaud (2002): Timor Lorosa&rsquo;e, au carrefour de l&rsquo;Asie et du Pacifique, un atlas g&eacute;o-historique. Marne-la-Vall&eacute;e\/Bangkok, Mai<\/li>\n<li>Constancio Pinto (1997): East Timor&rsquo;s Unfinished Struggle: Inside the Timorese Resistance. Boston<\/li>\n<li>Death of a Nation: The Timor Conspiracy (1994). In diesem britischen Dokumentarfilm, produziert von David Munro f&uuml;r das britische Central Independent Television, prangert der Investigativjournalist John Pilger den indonesischen Massenmord in Osttimor an und zeiht in scharfen T&ouml;nen Australien, die USA und Gro&szlig;britannien der Hauptmitt&auml;terschaft an den Verbrechen: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Death_of_a_Nation:_The_Timor_Conspiracy\">de.wikipedia.org\/wiki\/Death_of_a_Nation:_The_Timor_Conspiracy<\/a> &ndash; siehe dazu auch: <a href=\"https:\/\/www.journal21.ch\/powerplay-gegen-den-kleinen-nachbarn\">journal21.ch\/powerplay-gegen-den-kleinen-nachbarn<\/a><\/li>\n<li>John Roosa (2006): Pretext for Mass Murder: 30 September Movement &amp; Suharto&rsquo;s Coup D&rsquo;&eacute;tat. Madison, WI<\/li>\n<li>Monika Schlicher (2005): Osttimor stellt sich seiner Vergangenheit: Die Arbeit der Empfangs-, Wahrheits- und Vers&ouml;hnungskommission. Hg. von missio, Aachen <a href=\"https:\/\/www.missio-hilft.de\/missio\/informieren\/wofuer-wir-uns-einsetzen\/religionsfreiheit-menschenrechte\/menschenrechtsstudien\/mr-studie-025-osttimor-de.pdf\">missio-hilft.de\/missio\/informieren\/wofuer-wir-uns-einsetzen\/religionsfreiheit-menschenrechte\/menschenrechtsstudien\/mr-studie-025-osttimor-de.pdf<\/a><\/li>\n<li>Monika Schlicher\/Henri Myrttinen (2013): Osttimors unvollendete Aufarbeitungsprozesse. Helden und Opfer: Die Konkurrenz um Anerkennung und Reparationen. Hg. von missio, Aachen <a href=\"https:\/\/www.missio-hilft.de\/missio\/informieren\/wofuer-wir-uns-einsetzen\/religionsfreiheit-menschenrechte\/menschenrechtsstudien\/mr-studie-052-osttimor.pdf\">missio-hilft.de\/missio\/informieren\/wofuer-wir-uns-einsetzen\/religionsfreiheit-menschenrechte\/menschenrechtsstudien\/mr-studie-052-osttimor.pdf<\/a><\/li>\n<li>John G. Taylor (1991): Indonesia&rsquo;s Forgotten War: The Hidden History of East Timor. London<\/li>\n<li>Adrian Vickers (2013): A History of Modern Indonesia. (2nd Ed.) New York<\/li>\n<li>Rainer Werning (1985): Indonesien 1965-1985: Lange Schatten des Terrors. M&uuml;nster<\/li>\n<\/ul><p><strong>Links<\/strong><\/p><ul>\n<li>Watch Indonesia! F&uuml;r Menschenrechte, Demokratie und Umwelt in Indonesien und Osttimor e.V., Berlin <a href=\"https:\/\/www.watchindonesia.de\/\">watchindonesia.de\/<\/a><\/li>\n<li>Die Deutsche Osttimor Gesellschaft (DOTG e.V.) war ein gemeinn&uuml;tziger, konfessionsloser und &uuml;berparteilicher Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die deutsch-osttimoresischen Beziehungen mitzugestalten. Die DOTG hat sich zum 31.01.2018 als eigenst&auml;ndiger und eingetragener Verein aufgel&ouml;st und setzt ihre Arbeit seitdem im Rahmen der Strukturen der Stiftung Asienhaus mit Sitz in K&ouml;ln fort <a href=\"https:\/\/osttimor.de\">osttimor.de<\/a><\/li>\n<li>East Timor and Indonesia <em>Action <\/em>Network (ETAN) <a href=\"https:\/\/www.etan.org\/\">etan.org\/<\/a><\/li>\n<li>Weitere Links ad <em>Balibo Five<\/em>: <a href=\"https:\/\/www.scoop.co.nz\/stories\/WO0009\/S00124.htm\">scoop.co.nz\/stories\/WO0009\/S00124.htm<\/a>; <a href=\"https:\/\/rsf.org\/en\/news\/australian-government-alleged-have-covered-murders-five-journalists-balibo\">rsf.org\/en\/news\/australian-government-alleged-have-covered-murders-five-journalists-balibo<\/a> <em>&amp; <\/em><a href=\"http:\/\/vuir.vu.edu.au\/25929\/1\/TAPOL186_compressed.pdf\">vuir.vu.edu.au\/25929\/1\/TAPOL186_compressed.pdf<\/a><\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Rainer Werning (2016): Indonesien: Kontrollierte Konterrevolution, in: BlickWechsel, hg. von der Stiftung Asienhaus. Oktober, K&ouml;ln <a href=\"https:\/\/www.asienhaus.de\/uploads\/tx_news\/2016_OKT__Blickwechsel__Indonesien.pdf\">asienhaus.de\/uploads\/tx_news\/2016_OKT__Blickwechsel__Indonesien.pdf<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] &Aring;sa Linderborg (2005), Selektives Schweigen. Zwei V&ouml;lkermorde, die wir offensichtlich vergessen sollen: Indonesien 1965 und Osttimor 1975, in: Aftonbladet ((Stockholm) vom 27. Oktober (&Uuml;bersetzung aus dem Schwedischen: Renate Kirstein)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Donald Greenlees (2005): Complicity shown in Timor takeover, in: International Herald Tribune (Paris) vom 1. Dezember<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Handelsblatt (D&uuml;sseldorf) vom 6. Januar 1970<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Zit. nach: Sendemanuskript des Fernsehmagazins<em> Monitor, <\/em>WDR\/K&ouml;ln, ausgestrahlt am 10. Oktober 1996 &ndash; hernach kurz: <em>Monitor<\/em><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Carlos Kunze (1998): Ein aufgekl&auml;rter Offizier, in: Jungle World (Berlin), 18. August; Michael Lenz (2020): Massenmord mit deutscher Hilfe, in: Neues Deutschland (Berlin) vom 1. Oktober <a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1142551.indonesien-massenmord-mit-deutscher-hilfe.html\">neues-deutschland.de\/artikel\/1142551.indonesien-massenmord-mit-deutscher-hilfe.html<\/a> &amp; <a href=\"https:\/\/www.villagechief.com\/mot\/Prabowo.htm\">villagechief.com\/mot\/Prabowo.htm<\/a> &ndash; Nach seiner R&uuml;ckkehr aus Jordanien startete Ex-General Prabowo Subianto ein politisches Comeback. Zwar wurde er bei den Pr&auml;sidentschaftswahlen in den Jahren 2014 und 2019 jeweils von Joko Widodo &ndash; genannt Jokowi &ndash; geschlagen, deren Ergebnisse focht er aber beide Male vehement an. Doch seit Oktober 2019 sitzt Prabowo ungeniert als Chef des Verteidigungsressorts im Kabinett von Pr&auml;sident Jokowi, der ihn quasi politisch kooptierte. In seiner neuen Funktion weilte Prabowo erst im vergangenen Monat zur Stippvisite in &Ouml;sterreich, um in Wien mit seiner Kollegin Klaudia Tanner (&Ouml;VP) &uuml;ber den Erwerb von 35 Eurofigther zu verhandeln &ndash; s.: <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/5885349\/15-eurofighter-fur-indonesien-klaudia-tanners-erstes-verkaufsgesprach\">diepresse.com\/5885349\/15-eurofighter-fur-indonesien-klaudia-tanners-erstes-verkaufsgesprach<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] <em>Monitor<\/em><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Ebd.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] Ebd.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] Australian Financial Review (Sydney) vom 14. August 1999 unter Bezug auf ein Radiointerview<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] Bericht an den UN-Sicherheitsrat &uuml;ber die UNAMET-Mission nach Jakarta und Dili, 8. bis 12. September 1999<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] Siehe u.a.: Jakarta&rsquo;s Bloody Hands: Military Back Killings, in: Sydney Morning Herald vom 6. September 1999; UN Finds High-level Army Terror Role, in: The Age (Melbourne) vom 5. September 1999 &amp; Victims &rsaquo;left to die&lsaquo; on streets where they fell, in: South China Morning Post (Hong Kong) vom 11. September 1999 <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] Noam Chomsky (1999): Unvers&ouml;hnliche Erinnerung &ndash; Osttimor und der Westen, in: Le Monde diplomatique, dt. Ausgabe, Berlin\/Z&uuml;rich (Oktober), S. 7 \/ <a href=\"https:\/\/archive.vn\/20120710160850\/http:\/\/chomskyarchiv.de\/artikel\/unversohnliche-erinnerung-osttimor-und-der-westen\">archive.vn\/20120710160850\/http:\/\/chomskyarchiv.de\/artikel\/unversohnliche-erinnerung-osttimor-und-der-westen<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] Zit. nach: Entwicklung &amp; Zusammenarbeit, 10\/99, S. 285, Berlin (Okt.) 1999<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_15\" name=\"foot_15\">&laquo;15<\/a>] Bernd H&auml;usler (2003): Gerechtigkeit f&uuml;r die Opfer. Eine juristische Untersuchung der indonesischen Menschenrechtsverfahren zu den Verbrechen auf Osttimor im Jahr 1999. Hg. von der Deutschen Kommission Justitia et Pax, S. 7f., Bonn<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_116\" name=\"foot_16\">&laquo;16<\/a>] Any Bourrier (2002): Osttimor: Vergebung und Pragmatismus, in: Le Monde diplomatique, dt. Ausgabe, Berlin\/Z&uuml;rich (Juni)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_17\" name=\"foot_17\">&laquo;17<\/a>] Jakob Lempp (2008): Aktuelle Entwicklungen in Osttimor: Politisches System, Parteien und Wahlen in Osttimor, in: Osttimor am Scheideweg, Essen, Focus Asien Nr. 31, S. 14<\/p>\n<\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/e3d11423d1dd41f8a6ffd7a1e1b783ee\" alt=\"\" title=\"\" width=\"1\" height=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 45 Jahren, am 28. November 1975, hatte die kleine portugiesische Kolonie Osttimor in S&uuml;dostasien ihre Unabh&auml;ngigkeit deklariert. Das gro&szlig;e &bdquo;Pech&ldquo;: Diese w&auml;hrte nur neun Tage. Dann marschierten indonesische Milit&auml;rs in das Land ein, annektierten es ein Jahr sp&auml;ter und blieben dort ein Vierteljahrhundert lang als verhasste Besatzer. Politisch-diplomatisch protegiert und milit&auml;risch ausger&uuml;stet von Washington,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67455\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":67441,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[212,20,171],"tags":[2871,699,912,901,1917,1620,2392,1345,2840,305,2520,2990,1267,2989,2991,639,1556,1703,357,1464,2377],"class_list":["post-67455","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-gedenktagejahrestage","category-landerberichte","category-militaereinsaetzekriege","tag-antikommunismus","tag-australien","tag-buergerkrieg","tag-geheimdienste","tag-genozid","tag-indonesien","tag-internationaler-gerichtshof","tag-kissinger-henry","tag-massenmord","tag-menschenrechte","tag-mord","tag-osttimor","tag-portugal","tag-suharto-haji-mohamed","tag-unabhaengigkeitsbewegungen","tag-uno","tag-usa","tag-voelkerrecht","tag-vietnam","tag-volksabstimmung","tag-waffenlieferungen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/shutterstock_1820535128.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/67455","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=67455"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/67455\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":67458,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/67455\/revisions\/67458"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/67441"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=67455"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=67455"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=67455"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}