{"id":67492,"date":"2020-11-30T11:00:31","date_gmt":"2020-11-30T10:00:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67492"},"modified":"2026-01-27T11:37:42","modified_gmt":"2026-01-27T10:37:42","slug":"im-journalismus-riecht-es-nach-verrat-an-der-demokratie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67492","title":{"rendered":"Im Journalismus riecht es nach Verrat an der Demokratie"},"content":{"rendered":"<p>Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie es aussieht, wenn Politik und Medien die demokratische &Ouml;ffentlichkeit ersticken. Die schwerste Krise des 21. Jahrhunderts verl&auml;uft ohne &ouml;ffentliche Diskussion. Was manche als &bdquo;Diskussion&ldquo; wahrnehmen, ist einer Demokratie nicht w&uuml;rdig. Vereinzelte kritische Wortmeldungen stehen einer von Medien und Politik als unverhandelbar konstruierten Realit&auml;t gegen&uuml;ber. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7860\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-67492-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201130_Im_Journalismus_riecht_es_nach_Verrat_an_der_Demokratie_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201130_Im_Journalismus_riecht_es_nach_Verrat_an_der_Demokratie_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201130_Im_Journalismus_riecht_es_nach_Verrat_an_der_Demokratie_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201130_Im_Journalismus_riecht_es_nach_Verrat_an_der_Demokratie_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=67492-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201130_Im_Journalismus_riecht_es_nach_Verrat_an_der_Demokratie_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"201130_Im_Journalismus_riecht_es_nach_Verrat_an_der_Demokratie_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>&bdquo;Das Wichtigste vorweg: Wir werden das Virus besiegen. Aber in was f&uuml;r einer Gesellschaft wir danach leben werden und in was f&uuml;r einer Welt, das h&auml;ngt davon ab, wie wir heute handeln.&rdquo; Diese Worte stammen von Bundespr&auml;sident Frank-Walter Steinmeier, die er in einem von dem Internet-Portal T-Online am 16. M&auml;rz ver&ouml;ffentlichten Interview &auml;u&szlig;erte. <\/p><p>Die Aussage &auml;hnelt dem, was der Vorsitzende des Weltwirtschaftsforums in seinem aktuellen Buch zur Corona-Krise sagt. &bdquo;Viele fragen sich&ldquo;, so Klaus Schwab, &bdquo;wann sich die Dinge wieder normalisieren werden. Die kurze Antwort lautet: niemals. Nichts wird jemals wieder so sein wie zuvor.&ldquo; Und Schwab findet weitere sehr deutliche Worte: &bdquo;Die Welt, wie wir sie in den ersten Monaten des Jahres 2020 kannten, gibt es nicht mehr, sie hat sich im Kontext der Pandemie aufgel&ouml;st. Es kommen derart radikale Ver&auml;nderungen auf uns zu, dass manche Experten bereits von der Zeit &bdquo;vor Corona&ldquo; (BC) und &bdquo;nach Corona&ldquo; (AC) sprechen.<\/p><p>Was bewegt zwei Personen der Zeitgeschichte, die beide alles andere als notorische Endzeitverk&uuml;nder und Panikmacher bekannt sind, zu solch drastischen Einsch&auml;tzungen? Wie kommen sie dazu, S&auml;tze auszusprechen, die direkt aus der Feder eines Autors stammen k&ouml;nnten, der an der ultimativen Dystopie arbeitet? Sowohl Steinmeier als auch Schwab verf&uuml;gen aufgrund ihrer Position &uuml;ber weitreichende Einblicke in die Schaltzentralen politischer Weichenstellungen. Allein Schwab ist so weitreichend in die Welt der Eliten und Machteliten vernetzt, wie es wohl nur wenige Akteure auf diesem Planeten sind. <\/p><p>Wer die Ereignisse der letzten Monate verfolgt hat, muss feststellen, dass sich in der Tat in unserer Gesellschaft etwas eingeschliffen hat, was sich als &bdquo;neue Normalit&auml;t&ldquo; bezeichnen l&auml;sst. Ein Klima der Angst und schwere, dauerhafte <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66971\">Grundrechtseingriffe<\/a> pr&auml;gen Politik und gesellschaftliches Leben. Zwar lassen sich, folgt man denn der Logik eines Pandemiegeschehens, bestimmte Reaktionen und Ma&szlig;nahmen nachvollziehen, doch selbst dann stellt sich die Frage: Warum solch ein apokalyptischer Tenor? <\/p><p>Wenn es sich bei Covid-19 um ein normales Pandemiegeschehen handelt, dann ist davon auszugehen, dass nach einer gewissen Zeit, selbst wenn es etwas l&auml;nger dauern sollte, die Lage sich normalisiert. Hinzu kommt: Nach allem, was bisher &uuml;ber das Virusgeschehen bekannt ist, kommt das Immunsystem der allermeisten Menschen mit dem Virus offensichtlich gut klar &ndash; 1.053.869 F&auml;llen stehen &bdquo;nur&ldquo; 16.248 Todesf&auml;lle gegen&uuml;ber. Womit Gesellschaften allerdings weniger gut klarkommen, sind chronisch kranke Gesundheitssysteme, die im Falle von Behandlungsspitzen schneller unter Druck geraten als die meisten Covid-19-Infizierten. Und sie kommen auch nicht damit klar, wenn aufgrund der Gef&auml;hrdung einiger ein ganzes Land, ja, ein ganzer Planet in Geiselhaft genommen wird. Ma&szlig; und Ziel m&uuml;sste die Devise lauten &ndash; und nicht die Zerst&ouml;rung ganzer Branchen und Existenzen, die Traumatisierung weiter Bev&ouml;lkerungsteile, ein gigantischer Schuldenaufbau und die <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/corona-rezession-grossbritannien-rechnet-erst-in-zwei-jahren-mit-erholung-a-1790d648-4ec2-4936-8618-677b24f7a636\">Torpedierung der Wirtschaft<\/a>. Warum also sollte ein Virus, das f&uuml;r einen Teil der Bev&ouml;lkerung gef&auml;hrlich ist, dazu f&uuml;hren, dass offensichtlich unfassbar radikale Ver&auml;nderungen auf die Menschheit zukommen? <\/p><p>Das w&auml;re eine Frage, &uuml;ber die es sich lohnen w&uuml;rde, zu diskutieren. &Ouml;ffentlich. Also zum Beispiel auf jenen Plattformen, die ma&szlig;geblich mit als Akzentverst&auml;rker der politischen Diskussion dienen: Illner, Plasberg, Will, Maischberger. Nur: Wo war dort jener Teil der Akteure, die sich um unsere Gesellschaft, um unser politisches System und die Freiheit Sorgen machen? Wie viele derjenigen, die auf die Stra&szlig;e gehen und gegen die h&auml;rtesten Grundrechtseinschr&auml;nkungen seit Beginn der Bundesrepublik demonstrieren, sa&szlig;en dort und haben ihre Sicht der Dinge dargelegt? Wie viele Journalisten alternativer Medien, die eine andere Auffassung vertreten als weite Teile des Mainstreams, sa&szlig;en bisher im ARD-Presseclub? Aber auch in die Breite gefragt: Wo ist der Meinungspluralismus in unseren Medien? Wo sind Stimmen aus der Mitte der gro&szlig;en Redaktionen, die die Politik der Regierung vom Grundsatz nicht mittragen und sich mit der gebotenen Deutlichkeit in Leitartikeln, Titelgeschichten und Kommentaren entsprechend positionieren? <\/p><p><strong>Jetzt wird es d&uuml;ster<\/strong><\/p><p>Zur schwersten Krise des 21. Jahrhunderts findet faktisch, nachweisbar und &uuml;berpr&uuml;fbar nahezu keine Diskussion statt. Von Beginn des Pandemiegeschehens an haben Medien und Politik eine Realit&auml;t geschaffen, die geradezu mit Verachtung den Prinzipien der Demokratie begegnet. <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=7Fz0PznKHHg&amp;feature=emb_logo\">Vereinzelte<\/a> kritische Beitr&auml;ge, Stimmen von einigen wenigen Journalisten, wie etwa Heribert Prantl von der S&uuml;ddeutschen Zeitung, gibt es zwar, aber sie stehen einer Flut an Artikeln und Beitr&auml;gen gegen&uuml;ber, die allesamt in eine Richtung gehen: B&uuml;rger, gebt eure Freiheitsrechte ab, hinterfragt auf keinen Fall die Aussagen der Experten, die wir f&uuml;r seri&ouml;s halten. Vor allem aber: Befolgt, was die Politik entscheidet. <\/p><p>Eine stabile und funktionierende Demokratie macht mit aus, dass sie gerade auch in einer schweren Krise ihre eigenen Prinzipien hochh&auml;lt. Dazu geh&ouml;rt auch, krachende politische Debatten in Politik, Medien und Gesellschaft nicht nur zu ertragen, sondern diese mit aller Kraft zu erm&ouml;glichen. Solche Debatten sind wie das Schmier&ouml;l im R&auml;derwerk der Demokratie. Doch diese Laufwerke unseres Staates wurden schon lange nicht mehr geschmiert. Um zu verstehen, was das bedeutet, muss man kein Mechaniker sein. Am Ende fliegt uns die Maschine um die Ohren. <\/p><p>Was Medienkritiker seit langem betonen, wird nun noch einmal deutlicher sichtbar: Viele Journalisten verstehen sich auf eine v&ouml;llig pervertierte Weise (was sich aus ihrer Sozialisation und Herkunft erkl&auml;ren l&auml;sst) als &bdquo;staatstragend&ldquo; und versuchen, politische Weichenstellungen mitzutragen, wo sie nur k&ouml;nnen. Sie agieren vielfach nicht mehr als Kontrolleure der Politik, sondern als Unterst&uuml;tzer. Wie schwer dieser Umstand wiegt, ist in der aktuellen Krise zu beobachten. <\/p><p>Im Berliner Tagesspiegel waren am 20. November im Live-Ticker zur Demonstration folgende Zeilen <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/proteste-gegen-corona-politik-in-berlin-tritt-gegen-kopf-arm-ausgekugelt-hand-gebrochen-drei-polizisten-schwer-verletzt\/26633970.html\">zu lesen<\/a>: &bdquo;Die Polizei hat mit Wasserwerfern die Demonstranten zun&auml;chst nur beregnet. Durch die nasse Kleidung wird es nun f&uuml;r sie ungem&uuml;tlich. Es ist eine harmlose Taktik der Polizei, um mit wenig Gewalt die Masse zu zerstreuen. Wasserwerfen gelten in der Fachwelt als das sogenannte mildere Mittel etwa im Gegensatz zu Schlagst&ouml;cken.&ldquo; Man achte auf die Formulierungen: &bdquo;nur beregnet&ldquo;, &bdquo;ungem&uuml;tlich&ldquo;, &bdquo;harmlose Taktik&ldquo;, &bdquo;die Massen&ldquo; (anstelle von Demonstrationsteilnehmer, B&uuml;rger), &bdquo;mildere Mittel&ldquo;. <\/p><p>Mittlerweile wurde die &Auml;u&szlig;erung <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/proteste-gegen-corona-politik-in-berlin-tritt-gegen-kopf-arm-ausgekugelt-hand-gebrochen-drei-polizisten-schwer-verletzt\/26633970.html\">zwar umformuliert<\/a>, doch das macht es nicht besser. Eine Grundhaltung, die viele Fragen aufwirft, kam zum Vorschein. Wie h&auml;tte wohl der Redakteur, von dem die &Auml;u&szlig;erungen stammen, &uuml;ber den Einsatz von Wasserwerfern bei einer Demonstration in Russland geschrieben? Genauso verharmlosend, beschwichtigend? <\/p><p>Dass es im Live-Ticker des Tagesspiegels zum Schluss der &bdquo;Berichterstattung&ldquo; noch hei&szlig;t: &bdquo;Das Schlusswort hat der Einsatzleiter der Polizei&ldquo; mag man als Kleinigkeit abtun, schlie&szlig;lich: Irgendjemand muss ja das Schlusswort haben. Doch so einfach ist es nicht. All diese scheinbar harmlosen Beispiele, die <strong>eine <a href=\"http:\/\/schneider-franziska.de\/2020\/11\/17\/journalismus-die-selbstgemachte-zensur\/\">Staatsn&auml;he<\/a> im Journalismus<\/strong> erkennen lassen, f&uuml;gen sich, gemeinsam mit weiteren entsprechenden Schieflagen in der Berichterstattung, zu einem erschreckenden Gesamtbild zusammen. <\/p><p>Im Journalismus riecht es nach Verrat an der Demokratie. Das klingt hart, gewiss. Aber: Wenn man beobachtet, mit welch einer Verachtung Journalisten B&uuml;rgern gegen&uuml;bertreten, die f&uuml;r ihre Freiheitsrechte auch in dieser schwierigen Situation demonstrieren, die fordern, auch andere Experten zu Wort kommen zu lassen, das Pandemiegeschehen differenzierter zu betrachten; wenn man sieht, mit welch einer Selbstverst&auml;ndlichkeit Journalisten schwere Grundrechtseingriffe nicht nur hinnehmen, sondern noch verteidigen, wovon soll man dann reden? Von einer Sternstunde des demokratischen Bewusstseins? <\/p><p>Immer wieder ver&ouml;ffentlichen Medien Beitr&auml;ge, in denen es zwar zuerst hei&szlig;t, dass man nat&uuml;rlich nicht den Verh&auml;ltnissen in einem autorit&auml;ren Regime das Wort reden m&ouml;chte, doch kaum gesagt, wird ein Komma und ein Aber hinterhergeschoben. <\/p><p>Die Zeit-Journalistin Vanessa Vu schreibt in einem <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2020-11\/umgang-corona-arroganz-asien-vietnam-infektionsgeschehen-erfolg?utm_referrer=facebook&amp;utm_content=zeitde_redpost_zon_link_sf&amp;wt_zmc=sm.int.zonaudev.facebook.ref.zeitde.redpost_zon.link.sf&amp;utm_source=facebook_zonaudev_int&amp;utm_campaign=ref&amp;utm_term=facebook_zonaudev_int&amp;utm_medium=sm\">Artikel<\/a> der vorgeblich so &bdquo;liberalen&ldquo; Wochenzeitung DIE ZEIT: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Was also l&auml;uft schief, dass wir fast 700-mal h&ouml;here Infektionszahlen haben? Ist es unsere Regierung mit ihren halbherzigen Ma&szlig;nahmen und ihrer chaotischen Kommunikation &ndash; oder ist es am Ende doch die Bev&ouml;lkerung, die m&ouml;glicherweise aus historischen Gr&uuml;nden ein Problem mit staatlicher Autorit&auml;t hat und sich ungern was von oben sagen l&auml;sst? Vermutlich beides.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Und Vu weiter: &bdquo;Man muss es nicht Vietnam nachmachen. Sorgen um Datenschutz, Appelle an Eigenverantwortung und das f&ouml;derale System haben ihre Berechtigung. Aber es gibt auch Mittelwege&ldquo; und dann bezieht sich die ZEIT-Journalistin auf die &bdquo;Demokratien&ldquo; in Taiwan, Japan und S&uuml;dkorea. <\/p><p>Was folgt, ist im Grunde genommen ein Pl&auml;doyer f&uuml;r ein konsequenteres Handeln des Staates. Der Streit zwischen Bund und L&auml;ndern wird als negativ betrachtet (und die Konfliktlinien, die sich hinter dem Streit verbergen und ihre Berechtigung haben, offensichtlich als nervig empfunden), die Bereitschaft der Bev&ouml;lkerungen in Staaten wie Taiwan und S&uuml;dkorea, die von der Regierung veranschlagten Ma&szlig;nahmen zu akzeptieren und &bdquo;mitzuziehen&ldquo;, stellt die Autorin als Akt der Vernunft dar. Wichtige Fragen, wie etwa die nach dem jeweiligen dort vorherrschenden Demokratieverst&auml;ndnis, dem Freiheitsverst&auml;ndnis und generell: den ausgebildeten mentalen Strukturen, die dieses angeblich so lobenswerte Verhalten hervorbringen, ignoriert die Autorin.   <\/p><p>Der Artikel ist im Grunde genommen gepr&auml;gt von dem Wunsch, dass doch endlich ein starker Staat &bdquo;durchgreift&ldquo;, &bdquo;die&ldquo; Bev&ouml;lkerung sch&uuml;tzt. Das gesamte Spannungsverh&auml;ltnis zwischen Staat, b&uuml;rgerlichen Freiheitsrechten und individuellem Freiheitswunsch und Freiheitsempfinden wird in einer geradezu grotesk-naiven Weise ausgeblendet: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Nudelsuppen-Verk&auml;uferin in Vietnam oder der Fabrikarbeiter in Taiwan haben es auch nicht leicht. Dennoch rei&szlig;en sie sich zusammen und tragen ihren Teil dazu bei, die Gemeinschaft gesund und die Pandemie kurz zu halten.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die Zeilen klingen, als w&auml;ren sie einer kommunistischen Parteizeitung entnommen, die den Wert des Kollektivs entsprechend ideologisch glorifiziert. <\/p><p>W&auml;hrend Medien &uuml;ber Jahrzehnte der Eigenverantwortung das Wort geredet und den neoliberalen Gedanken vom R&uuml;ckzug des Staates hoch und runter gepredigt haben, fordern dieselben Medien nun den starken Staat. Dieselben Medien, die auch durch ihre Unterst&uuml;tzung der Hartz-Reformen die Gesellschaft brutal gespalten haben, wollen nun, dass B&uuml;rger solidarisch als Kollektiv agieren. Bei diesen Rollen vor und zur&uuml;ck mag es so manchem schwindelig werden, aber das Verhalten ist nur vordergr&uuml;ndig widerspr&uuml;chlich. <\/p><p>Wer es bis jetzt noch nicht verstanden hat: Viele Journalisten agieren in erster Linie als Vertreter ihrer eigenen Schicht. <\/p><p>Als Verteilungsfragen auf der Agenda standen, bei denen es um die Abgaben auch ihrer Schicht ging, konnte der Staat gar nicht weit genug von seiner Verantwortung gegen&uuml;ber den Schwachen zur&uuml;ckgedr&auml;ngt werden. Jetzt aber, da ein Virus im Umlauf ist, der nicht vor Klassenzugeh&ouml;rigkeit Halt macht, das hei&szlig;t: jetzt, wo Journalisten selbst das Gef&uuml;hl haben, in Gefahr zu sein, kann ihnen der Staat mit seiner Handlungsmacht kaum weit genug gehen. <\/p><p>Journalisten, das sollte man nicht vergessen, sind Meister darin, ihre Weltanschauungen und Interessen unter dem Deckmantel einer scheinbaren Objektivit&auml;t als Gemeinwohl zu verkaufen. Dass man sich dabei in Orwell&rsquo;scher Manier einmal mit Nachdruck gegen Hass ausspricht, w&auml;hrend man ihn zugleich selbst verbreitet, verwundert dann auch nicht mehr. Wer &bdquo;die da oben&ldquo; verbal minimal zu hart anpackt, verbreitet hate speech, wer &bdquo;vorschl&auml;gt&ldquo;, dass so genannte &bdquo;Corona-Skeptiker&ldquo; ihr Recht auf [einen] Intensivplatz verwirken&ldquo;, bekommt daf&uuml;r einen exklusiven Raum <a href=\"https:\/\/www.bernerzeitung.ch\/corona-skeptiker-verwirken-ihr-recht-auf-einen-intensivplatz-bei-engpaessen-229138575079\">in einer gro&szlig;en Zeitung reserviert<\/a>. Der #aufschrei, der folgen m&uuml;sste, wenn die Diskursw&auml;chter so agieren w&uuml;rden, wie sie es sonst tun, blieb allerdings aus (wo ist eigentlich Dunja Hayali?). <\/p><p>Wenn dann auch noch<\/p><ul>\n<li>ein Politiker wie der Bayerische Ministerpr&auml;sident Markus S&ouml;der <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/bayern\/aufruf-zur-bespitzelung-bayern-weist-vorwuerfe-zurueck,SEst8ks\">&ouml;ffentlich zum Denunzieren<\/a> aufruft<\/li>\n<li>der Darmst&auml;dter B&uuml;rgermeister <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/rhein-main\/darmstadt\/corona-hotspot-darmstadt-erreicht-warnstufe-rot-90072576.html\">laut Frankfurter Rundschau<\/a> im Zusammenhang mit den Corona-Demos von einer &bdquo;lautstarken Minderheit&ldquo; spricht, die sich &bdquo;im Grunde genommen richtiggehend asozial verh&auml;lt&ldquo;<\/li>\n<li>eine bekannte Kolumnistin sich <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2020-11\/umgang-corona-arroganz-asien-vietnam-infektionsgeschehen-erfolg\">an prominenter Stelle<\/a> w&uuml;nscht, dass ein B&uuml;rgermeister ein M&auml;dchen bei einer Corona-Demo von der B&uuml;hne &bdquo;scheucht&ldquo;, weil diese einen fragw&uuml;rdigen Vergleich zu Anne Frank gezogen hat<\/li>\n<li>der YouTuber Rezzo <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/gesellschaft\/medien\/video-zu-corona-protesten-rezo-geht-mit-politik-und-polizei-wegen-querdenker-demos-ins-gericht\/26648460.html\">unter Begeisterung der Medien<\/a> verbreitet, dass doch gegen Corona-Demonstranten h&auml;rter vorgegangen werden m&ouml;ge,<\/li>\n<\/ul><p>dann wird deutlich, aus welcher Richtung der Wind weht. <\/p><p>Zu Liberalismus, Pluralismus und Toleranz sollte man kein ideologisch-taktisches Verh&auml;ltnis haben. Die Corona-&bdquo;Berichterstattung&ldquo; l&auml;sst zunehmend einen Hang zum Autorit&auml;ren erkennen. &bdquo;Wenn n&ouml;tig, auch mit Gewalt&ldquo;, k&ouml;nnte man den Grundtenor &uuml;berschreiben. <\/p><p>Fest steht: Auf dieser Basis kann &uuml;ber gewichtige Themen, wie Impfungen oder Reisefreiheit, die in den n&auml;chsten Wochen und Monaten in den Mittelpunkt r&uuml;cken werden, keine &ouml;ffentliche Diskussion stattfinden, die einer Demokratie w&uuml;rdig ist.  <\/p><p>Titelbild: 1000 Words\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie es aussieht, wenn Politik und Medien die demokratische &Ouml;ffentlichkeit ersticken. Die schwerste Krise des 21. Jahrhunderts verl&auml;uft ohne &ouml;ffentliche Diskussion. Was manche als &bdquo;Diskussion&ldquo; wahrnehmen, ist einer Demokratie nicht w&uuml;rdig. Vereinzelte kritische Wortmeldungen stehen einer von Medien und Politik als unverhandelbar konstruierten Realit&auml;t gegen&uuml;ber. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist<\/em><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67492\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":67493,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,126,149,123,183],"tags":[2938,1112,1163,2992,2988,2993,252,244,2834,457],"class_list":["post-67492","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-gesundheitspolitik","category-kampagnentarnworteneusprech","category-medienkritik","tag-autoritarismus","tag-buergerrechte","tag-meinungspluralismus","tag-neue-normalitaet","tag-schwab-klaus","tag-starker-staat","tag-steinmeier-frank-walter","tag-vierte-gewalt","tag-virenerkrankung","tag-zeit"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/shutterstock_226679836.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/67492","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=67492"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/67492\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":67524,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/67492\/revisions\/67524"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/67493"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=67492"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=67492"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=67492"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}