{"id":67766,"date":"2020-12-08T09:31:21","date_gmt":"2020-12-08T08:31:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67766"},"modified":"2022-02-24T12:01:28","modified_gmt":"2022-02-24T11:01:28","slug":"der-stoerenfriedrich-ein-amtsarzt-widerspricht-markus-soeder-und-wird-zwangsisoliert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67766","title":{"rendered":"Der St\u00f6renfriedrich. Ein Amtsarzt widerspricht Markus S\u00f6der und wird zwangsisoliert."},"content":{"rendered":"<p>Der Leiter des Gesundheitsamts Aichach-Friedberg hat zun&auml;chst intern, dann &ouml;ffentlich die Ma&szlig;nahmen der bayerischen Staatsregierung zur Bek&auml;mpfung der Corona-Krise infrage gestellt. <strong>Friedrich P&uuml;rner<\/strong> kritisiert unter anderem Massentests, die Gesunde zu Kranken machen, und Communitymasken ohne echte Schutzwirkung. Sein Einspruch hat ihn den Job gekostet, aber viel Aufmerksamkeit und Anerkennung eingebracht. Im Interview mit den NachDenkSeiten bekr&auml;ftigt er seine Haltung. Mit ihm sprach <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2314\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-67766-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201208_Der_Stoerenfriedrich_Ein_Amtsarzt_widerspricht_Markus_Soeder_und_wird_zwangsisoliert_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201208_Der_Stoerenfriedrich_Ein_Amtsarzt_widerspricht_Markus_Soeder_und_wird_zwangsisoliert_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201208_Der_Stoerenfriedrich_Ein_Amtsarzt_widerspricht_Markus_Soeder_und_wird_zwangsisoliert_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201208_Der_Stoerenfriedrich_Ein_Amtsarzt_widerspricht_Markus_Soeder_und_wird_zwangsisoliert_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=67766-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201208_Der_Stoerenfriedrich_Ein_Amtsarzt_widerspricht_Markus_Soeder_und_wird_zwangsisoliert_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"201208_Der_Stoerenfriedrich_Ein_Amtsarzt_widerspricht_Markus_Soeder_und_wird_zwangsisoliert_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr P&uuml;rner, seit ein paar Wochen bekleiden sie also eine neue Funktion im Bayerischen Landesamt f&uuml;r Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), nachdem Sie zuvor als Chef des Gesundheitsamtes Aichach-Friedberg mit wiederholter Kritik an der Corona-Politik von Bayerns Regierungschef Markus S&ouml;der (CSU) f&uuml;r Aufsehen gesorgt hatten &ndash; und deshalb Ihren Stuhl r&auml;umen mussten. K&ouml;nnen Sie in Ihrer neuen Position jetzt weniger Schaden anrichten?  <\/strong><\/p><p>Ich kann nicht erkennen, welcher Schaden durch meine Kritik entstanden ist. Vielmehr wollte ich ja gerade dadurch m&ouml;glichen Schaden abwenden, indem ich meine Einw&auml;nde auch &ouml;ffentlich formuliert habe. Wenn ich Fehler im System erkenne, dann bin ich ja geradezu zur Kritik verpflichtet. Ein Schaden mehr ist im &Uuml;brigen durch meine Abordnung an meinem ehemaligen Gesundheitsamt entstanden und eventuell sogar an der mir anvertrauten Bev&ouml;lkerung. Denn gerade in so einer prek&auml;ren Situation, in der die Gesundheits&auml;mter am Limit sind, kann die Versetzung des Amtsleiters, der in einem gut eingespielten Team arbeitet, keine gute Idee sein.<\/p><p><strong>Wie erfolgreich waren Sie r&uuml;ckblickend in puncto Schadensbegrenzung?<\/strong><\/p><p>Besonders erfolgreich waren mein Team und ich bei einem Agrarbetrieb im Landkreis, wo knapp 100 Saisonkr&auml;fte positiv getestet wurden. Schnell kam die Forderung auf, den Betrieb sofort zu schlie&szlig;en und alle knapp 600 Besch&auml;ftigte in Quarant&auml;ne zu nehmen. Ich habe aber weder das eine noch das andere getan. Daf&uuml;r hatte ich zwei gute Gr&uuml;nde: Zum einen verf&uuml;gte der Betrieb &uuml;ber ein extrem gutes Hygienekonzept und die Mitarbeit der beiden Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer war hervorragend. Zum anderen konnte ich mich vom Gesundheitszustand der Arbeitskr&auml;fte pers&ouml;nlich &uuml;berzeugen. Wir haben jeden Einzelnen gesehen und untersucht. Diese Arbeit muss man sich halt machen. Aber selbst die positiv Getesteten waren gesund und zeigten keine Symptome. Warum also h&auml;tte ich eine Schlie&szlig;ung herbeif&uuml;hren sollen? Viel eher sollte man aus dem Fall lernen. Sowohl das Hygienekonzept als auch meine Vorgehensweise h&auml;tten eine gute Blaupause f&uuml;r weitere Betriebe in &auml;hnlicher Lage und andere Gesundheits&auml;mter sein k&ouml;nnen.<\/p><p><strong>Aber war das nicht ziemlich riskant? Schlie&szlig;lich h&auml;tte ja einer der positiv Getesteten noch sp&auml;ter erkranken und bis dahin unerkannt andere anstecken k&ouml;nnen.<\/strong><\/p><p>Das ganze Leben ist ein Risiko und in der Medizin gibt es keine hundertprozentige Sicherheit. Als Leiter eines Amtes muss man sich eine Entscheidung dieser Art zutrauen und potenzielle Gefahren vern&uuml;nftig absch&auml;tzen k&ouml;nnen. Die getesteten Saisonkr&auml;fte wurden ja nicht deshalb getestet, weil sie krank waren, sondern nur, weil es das Kontaktmanagement so vorsah. Und auch kein einziger der Positiven wurde in der Folgezeit krank.<\/p><p><strong>Vielleicht war das ja einfach nur ein Gl&uuml;cksfall? <\/strong><\/p><p>Ich sehe das gerade andersherum. Durch die exzessive Testerei erkl&auml;ren wir viel mehr eigentlich gesunde Menschen zu Kranken, als dass wir tats&auml;chlich Kranke ausfindig machen. Anders gesagt: H&auml;tten wir nicht getestet, h&auml;tten wir niemals etwas von diesen 100 Positiven erfahren. Genau darin liegt die Krux. Der PCR-Test erkennt nur ein bestimmtes Genschnipsel des SARS-Cov-2-Virus oder eben nicht. Ob jemand, der positiv ist, auch krank oder infekti&ouml;s, also ansteckend ist, kann dieser Test nicht aussagen. <\/p><p>Und das war mein Kritikpunkt. Als Arzt ergreife ich keine Ma&szlig;nahmen nur auf Grundlage eines Laborbefunds. Ich m&ouml;chte den Patienten pers&ouml;nlich sehen und untersuchen, um dann eine Diagnose zu stellen. Und sofern jemand keinerlei Symptome zeigt, also v&ouml;llig gesund ist, dann ist er eben nicht krank. Auch das Ansteckungsrisiko, das von dieser Person ausgeht, halte ich f&uuml;r ziemlich niedrig. Im konkreten Fall war ja das Schutzkonzept mit Masken, Abstand und Trennung der Arbeitsgruppen sehr gut. <\/p><p>Man muss auf die Dinge, die man sieht und einsch&auml;tzen kann, auch vertrauen k&ouml;nnen. Andernfalls br&auml;uchte es diese ganzen Konzepte erst gar nicht. Ich bin nach wie vor &uuml;berzeugt davon, dass diese Saisonkr&auml;fte die Erkrankung bereits vor ihrer Einreise durchgemacht hatten und der PCR-Test nur noch kleine &Uuml;berbleibsel des Virus fand. Hier h&auml;tte also eine andere Interpretation der PCR-Ergebnisse durchaus einen h&ouml;heren Schaden anrichten k&ouml;nnen.<\/p><p><strong>Und Ihre Kritik an der Teststrategie haben Sie als Amtsarzt einfach mal so herausposaunt?<\/strong><\/p><p>Ich habe diese fachlich begr&uuml;ndet. Ebenso wie meine Kritik an den Communitymasken, dem allgemeinen Umgang mit allen Masken, den Schulschlie&szlig;ungen und Inzidenzwerten samt der daraus folgenden Ma&szlig;nahmen. Im &Uuml;brigen habe ich zun&auml;chst intern Kritik ge&uuml;bt, diese ist aber ungeh&ouml;rt geblieben.<\/p><p><strong>Ihnen war aber schon klar, dass Sie mit solchen Aussagen schnell in Teufels K&uuml;che kommen k&ouml;nnen? Was haben Sie geglaubt, mit ihrem Aufstand erreichen zu k&ouml;nnen?<\/strong><\/p><p>Konstruktive Kritik zu &uuml;ben, ist kein Aufstand, und in diesem Bereich bin ich nun mal Experte. Aber ja, ich wusste schon, dass mich diese Kritik meine Karriere kosten kann. Sei es drum. Wenn die Staatsregierung das nicht aush&auml;lt und mit einer Zwangsversetzung antwortet, dann zeigt sie ja deutlich mehr Schw&auml;che als St&auml;rke. Auch beim Thema Personalpolitik und Umgang mit Mitarbeitern besteht im &ouml;ffentlichen Dienst Optimierungsbedarf. Mich st&ouml;rt auch massiv, dass den B&uuml;rgern zu wenig erkl&auml;rt wird. Nehmen wir das Beispiel Masken: Wurde jemals umfassend dar&uuml;ber aufgekl&auml;rt, welche Masken welchen Schutz bieten? Bei den Communitymasken tut man einfach so, als ob sie eine ausreichende Schutzwirkung h&auml;tten. Mit Formulierungen wie &bdquo;man gehe davon aus&ldquo; wird den Menschen suggeriert, dass man dar&uuml;ber bereits hinreichendes Wissen hat. Das ist aber nicht der Fall. Ehrlicherweise m&uuml;sste man sagen, dass die Politik insgesamt wenig Erkenntnisse zu Covid19 und den geeigneten Schutzma&szlig;nahmen hat.<\/p><p><strong>Nun sollen Sie laut einer Mitteilung der Regierung Schwaben die Prozessqualit&auml;t und die Digitalisierung an den Gesundheits&auml;mtern in Bayern voranbringen. Zitat: &bdquo;F&uuml;r diese anspruchsvolle Aufgabe wird ein Arzt mit langj&auml;hriger Erfahrung an einem Gesundheitsamt gebraucht.&ldquo; Nun scheint Sie der Job nicht so auszuf&uuml;llen, dass Sie endlich auch ihre Renitenz ad acta legen &hellip;<\/strong><\/p><p>Meine Kritik &auml;u&szlig;ere ich auch weiterhin, nicht weil ich bockbeinig oder st&ouml;rrisch w&auml;re, sondern weil  ich sie f&uuml;r richtig und wichtig halte. Ich muss nun eben immer dazu sagen, dass ich als Privatmann spreche. Die Fachkompetenz bleibt ja erhalten und klebt nicht am B&uuml;rostuhl meines vorherigen Amtes, auch wenn ich mich jetzt nicht mehr tagt&auml;glich mit Positiven und Kontaktpersonenverfolgung besch&auml;ftigen muss.<\/p><p><strong>Nun waren Sie zur Kontaktnachverfolgung ja von Amts wegen gen&ouml;tigt, ohne vom Vorgehen &uuml;berzeugt gewesen zu sein. Wie haben Sie diesen Spagat gemeistert? <\/strong><\/p><p>Mein Team und ich waren sehr gut eingespielt. Die Kontaktpersonenverfolgung geh&ouml;rte ja bereits vor Corona zu den zentralen Aufgaben der Gesundheits&auml;mter. Saubere Ermittlungen dauern und auch die Betreuung und &Uuml;berwachung der in Quarant&auml;ne befindlichen B&uuml;rger kosten Zeit und Personal. Dazu sind auch die Vorgaben, wer etwa als enge oder weitere Kontaktperson eingestuft wird, sehr theoretisch und manchmal wenig praktikabel. Wegen der vielen positiv Getesteten kamen wir deshalb regelm&auml;&szlig;ig an unsere Grenzen.<\/p><p><strong>K&ouml;nnten Sie ein Beispiel nennen? <\/strong><\/p><p>Nehmen wir ein Fu&szlig;ballspiel. Ein Spieler wird am n&auml;chsten Tag positiv getestet. Wie wollen sie nun genau ermitteln, wer mit dem Betroffenen engen oder nicht engen Kontakt oder gar keinen Kontakt hatte? Ein Spiel dauert 90 Minuten, es sind mindestens 22 Spieler auf dem Feld. Nehmen Sie in solchen F&auml;llen alle Spieler in Quarant&auml;ne, dann schreit mindestens die H&auml;lfte auf, das sei unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig. Lassen sie alle laufen, dann schreit die andere H&auml;lfte, dass das viel zu leichtsinnig w&auml;re. Genau in diesem Spannungsfeld haben wir uns t&auml;glich bewegt. Dasselbe gilt f&uuml;r Familienfeiern und andere Feste. Wer kann Tage sp&auml;ter noch sicher sagen, mit wem er und wie lange er mit dem Betreffenden Kontakt hatte? Bei uns gingen zahlreiche Beschwerden &uuml;ber zu viele oder zu wenige Ma&szlig;nahmen ein. Das belastet das Team und die Mitarbeiter auf Dauer schon.<\/p><p><strong>Welche Dienste hat Ihnen bei all dem die mit Millionensummen entwickelte Corona-Tracing-App erwiesen?<\/strong><\/p><p>Die App spielte gar keine Rolle f&uuml;r uns, sie kann die Gesundheits&auml;mter faktisch nicht unterst&uuml;tzen. Schon als die Software herauskam und gro&szlig; beworben wurde, habe ich &ouml;ffentlich davon abgeraten und erkl&auml;rt, sie nicht herunterladen und nutzen zu wollen. Daf&uuml;r wurde ich heftig kritisiert, weil ich ja eine Vorbildfunktion inneh&auml;tte und deshalb die App unterst&uuml;tzen m&uuml;sse. Aber genau von dieser Vorbildfunktion habe ich Gebrauch gemacht. Ich war mutig genug, im Juni das zu kritisieren, was dann im September vom Bundesverband der &Auml;rzte und &Auml;rztinnen des &ouml;ffentlichen Gesundheitswesens und sp&auml;ter im Oktober sogar von Ministerpr&auml;sident Markus S&ouml;der bem&auml;ngelt wurde. W&ouml;rtlich sagte der: &bdquo;Die App ist leider bisher ein zahnloser Tiger. Sie hat kaum eine warnende Wirkung.&ldquo;<\/p><p><strong>Es hei&szlig;t ja seitens des Robert Koch-Instituts (RKI) sowie der Regierenden in Bund und L&auml;ndern, der Sieben-Tage-Inzidenzwert m&uuml;sse unbedingt unter die Marke von 50 Positivbefunden pro 100.000 Einwohnern gedr&uuml;ckt werden, weil nur so die Kontaktverfolgung l&uuml;ckenlos zu leisten sei. Wie praxistauglich ist dieser Wert nach Ihren Erfahrungen?<\/strong><\/p><p>Inzidenzen beschreiben in der Medizin die Anzahl der Neuerkrankten innerhalb eines bestimmten Zeitraumes. Positivbefunde sind aber nicht mit Neuinfektionen gleichzusetzen. Ein Positivbefund ist eben erst mal nur ein Befund, sonst nichts, eine m&ouml;gliche Infektion k&ouml;nnte schon Monate zur&uuml;ckliegen. Die gro&szlig;e Mehrzahl der positiv Getesteten ist v&ouml;llig symptomlos. Dennoch m&uuml;ssen wir sie und ihre Kontaktpersonen verfolgen, ohne dass dies aus infektiologischer Sicht zielf&uuml;hrend w&auml;re. Auch deshalb hilft dieser Wert in der Praxis wenig. Im Gegenteil: Werden die Grenzen wie derzeit weit&uuml;berwiegend von Symptomlosen oder nur leicht Erkrankten ohne schwere Viruslast gerissen, dann werden die Ma&szlig;nahmen trotzdem f&uuml;r alle versch&auml;rft und es m&uuml;ssen Menschen in Quarant&auml;ne, die dann an wichtigen Stellen im System fehlen. Zur Wahrheit geh&ouml;rt aber auch, dass selbst 50 Positivbefunde innerhalb von sieben Tagen pro 100.000 Einwohner die &Auml;mter &uuml;berlasten, schon weil sie h&auml;ufig personell schlecht aufgestellt und in den letzten 10 bis 15 Jahren konsequent kaputtgespart worden sind. <\/p><p><strong>Dasselbe gilt bekanntlich auch f&uuml;r Kliniken und Pflegeheime. Wie versch&auml;rft die praktizierte Quarant&auml;nisierung die Lage vor Ort?<\/strong><\/p><p>Klar ist doch, dass gerade im Herbst und im Winter auch &Auml;rztinnen, &Auml;rzte und Pflegekr&auml;fte erkranken. Mit Corona spitzt sich die ohnehin prek&auml;re Situation weiter zu. Sobald in der Belegschaft einer &ndash; egal ob mit oder ohne Symptome &ndash; positiv getestet wird, werden im Umkreis alle getestet. Damit werden wieder mehr Positive und mehr Kontaktpersonen generiert, obwohl vielleicht kein einziger wirklich krank ist oder krank wird. Diese Leute fehlen dann im Klinik- oder Heimbetrieb. <\/p><p>Aber nun passiert in meinen Augen etwas Spannendes. Einerseits erkl&auml;ren viele Experten, auch die Asymptomatischen w&auml;ren ansteckend. Andererseits ist inzwischen aber g&auml;ngige Praxis, in Quarant&auml;ne befindliche Kontaktpersonen, zum Teil aber auch asymptomatisch positive Mediziner und Pflegekr&auml;fte, unter strengen Schutzma&szlig;nahmen weiter ihrer Arbeit nachgehen zu lassen. Also bringt man potenzielle Kranke und &bdquo;Anstecker&ldquo; gerade mit den Patienten und Heiminsassen zusammen, die wir eigentlich sch&uuml;tzen m&ouml;chten. Das erscheint mit Blick auf die herrschende Corona-Lehre zumindest widerspr&uuml;chlich. Noch absurder wirkt das Ganze dadurch, dass die Betroffenen sich privat isolieren m&uuml;ssen, also nicht vor die T&uuml;r d&uuml;rfen, w&auml;hrend sie aber auf der Arbeit stundenlang direkt am Krankenbett zu tun haben. <\/p><p><strong>Auf welcher Grundlage ist das m&ouml;glich?<\/strong><\/p><p>F&uuml;r die Ausnahmeregelung muss die Klinikleitung lediglich einen begr&uuml;ndeten Antrag an das zust&auml;ndige Gesundheitsamt richten. Die Klinik muss darlegen, dass ohne dieses Personal die Versorgung der Patienten nicht mehr gew&auml;hrleistet werden kann. In den meisten F&auml;llen wird das bewilligt. Voraussetzung sind, wie gesagt, sogenannte Schutzma&szlig;nahmen, die der Quarant&auml;nisierte einhalten muss, etwa das Tragen einer FFP-2-Maske ohne Auslassventil. Das Tragen einer solchen Maske &uuml;ber einen kompletten Dienst hinweg halte ich unter arbeitsmedizinischen Gesichtspunkten f&uuml;r fragw&uuml;rdig. Im &Uuml;brigen muss die Anwendung einer solchen Schutzausr&uuml;stung ge&uuml;bt werden, das ist nicht so trivial, wie man vielleicht glauben m&ouml;chte. Allerdings bezweifele ich stark, dass in solchen F&auml;llen &uuml;berhaupt eine arbeitsmedizinische Untersuchung sowie eine Einweisung zum ad&auml;quaten Umgang mit den Masken unter Stressbedingungen vorgenommen wird. <\/p><p><strong>Sie sprachen ja von konstruktiver Kritik, die Sie &uuml;ben w&uuml;rden. Wie also s&auml;he Ihr Rezept aus, um die Verbreitung von SARS-Cov-2 einzud&auml;mmen?<\/strong><\/p><p>Ein Pandemieplan verfolgt nicht blo&szlig; das Ziel der Eind&auml;mmung. F&uuml;r eine kurze Zeit kann man das sicher so machen, um Zeit zu gewinnen, damit Vorbereitungen getroffen und weitere Ma&szlig;nahmen erarbeitet werden k&ouml;nnen. Der n&auml;chste Schritt, und dieser ist l&auml;ngst &uuml;berf&auml;llig, ist der Schutz der sogenannten vulnerablen Gruppen. Die daf&uuml;r reichlich vorhandene Zeit hat man aber w&auml;hrend des ersten Lockdowns und im Sommer ungenutzt verstreichen lassen. Man hat sich immer nur auf die Eind&auml;mmung und die R&uuml;ckverfolgung der Infektionsketten konzentriert. So kommt man einer Pandemie aber nicht bei. Dieses Virus wird sich immer weiter ausbreiten, es wird unter uns bleiben, Menschen werden daran sterben &ndash; und wir werden lernen m&uuml;ssen, damit zu leben. Um beispielsweise die Bewohner in Alten- und Pflegeheimen zu sch&uuml;tzen, k&ouml;nnte man an Besucher sogenannte chirurgische Masken am Eingang der Einrichtung verteilen. Nach einer ausf&uuml;hrlichen H&auml;ndedesinfektion wird dann die Maske aufgesetzt und darf erst nach dem Besuch des Angeh&ouml;rigen wieder entfernt werden.<\/p><p><strong>Die Initiative f&uuml;r Qualit&auml;tsmedizin (IQM), ein Verbund Hunderter deutscher Kliniken, hat eine Auswertung zur station&auml;ren Versorgung im ersten Halbjahr vorgelegt, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67419\">&uuml;ber die die NachDenkSeiten berichteten<\/a>. Nach den Befunden waren drei Viertel der hospitalisierten &bdquo;Covid-19-F&auml;lle&ldquo; nur Verdachtsf&auml;lle ohne positiven Labortest, daf&uuml;r aber mit anderen Krankheitsverl&auml;ufen, Behandlungsroutinen und Sterberaten. Inzwischen hat die IQM neuere Zahlen f&uuml;r den Zeitraum bis Ende Oktober nachgereicht, die nahelegen, dass auch im Herbst ein erhebliches Missverh&auml;ltnis zwischen &bdquo;echten&ldquo; und &bdquo;falschen&ldquo; Covid-Patienten <a href=\"https:\/\/www.initiative-qualitaetsmedizin.de\/covid-19-pandemie\">in deutschen Krankenh&auml;usern besteht<\/a>. Stellt dieses Ph&auml;nomen f&uuml;r Sie eine &Uuml;berraschung dar?<\/strong><\/p><p>Eigentlich &uuml;berrascht mich das nicht. Im ersten Halbjahr sprach ich mit einem leitenden Arzt einer Klinik. Er erz&auml;hlte mir ebenfalls, dass eine Vielzahl von klinisch-epidemiologischen F&auml;llen im Krankenhaus seien. In F&auml;llen, in denen der PCR-Test bei typischen Symptomen und entsprechender Bilddarstellung der Lunge negativ sei, w&uuml;rde der Patient als &bdquo;Covid-Fall&ldquo; laufen. Begr&uuml;ndet hat er das mit der Einsch&auml;tzung, dass die Viren im Rachen nicht mehr nachweisbar und bereits in die Lunge abgewandert seien. Kliniker w&uuml;rden keine blo&szlig;en Befunde behandeln, sondern Menschen. Zwingend daf&uuml;r sei dann eine Arbeitshypothese und diese lautet dann eben Covid-19. <\/p><p><strong>Haben Sie eine Erkl&auml;rung f&uuml;r diese doch ziemlich erstaunliche Freih&auml;ndigkeit bei der Diagnostik? In der &ouml;ffentlichen Darstellung herrschte doch bisher immer der Eindruck vor, zum Covid-Infizierten beziehungsweise -Erkrankten kann man nur mit einem positiven PCR-Test werden.<\/strong><\/p><p>&Uuml;ber die Gr&uuml;nde k&ouml;nnte ich nur spekulieren und das m&ouml;chte ich nicht. Lieber rede ich &uuml;ber einen anderen Punkt: Ich gehe davon aus, dass die meisten Statistiken auf einem aufgebl&auml;hten Zahlensalat basieren. Je l&auml;nger die Pandemie dauert, um so aufgebl&auml;hter werden die Zahlen. Seit Beginn der Krise pl&auml;diere ich f&uuml;r eine eindeutige und nachvollziehbare Zahlendarstellung. Zum einen lege ich Wert auf saubere Statistiken, zum anderen m&ouml;chte ich, dass sich die Menschen ein realistisches Bild von der Situation machen k&ouml;nnen. Das ist derzeit nicht der Fall. <\/p><p>Wenn es hei&szlig;t, t&auml;glich sterben so viele Menschen wie bei einem Flugzeugabsturz, dann stimmt das einfach nicht. Die t&auml;glich gemeldeten Todesf&auml;lle entsprechen ja gar nicht den an einem einzigen Tag Verstorbenen. Einige davon starben bereits Wochen davor, werden aber erst jetzt gemeldet. Das ist eher die Regel als die Ausnahme. Es m&uuml;sste also, um exakt zu sein, der Meldeverzug in Tagen angegeben werden. Das passiert aber nicht. Und so setzt sich in den K&ouml;pfen der Menschen ein falsches Bild fest, das nur noch mehr Angst produziert. Im &Uuml;brigen wei&szlig; man bei den t&auml;glich vermeldeten Todeszahlen immer noch nicht, wie viele &bdquo;an&ldquo; und wie viele &bdquo;mit&ldquo; dem SARS-Cov-2-Virus verstorben sind. Das ist n&auml;mlich ein gewaltiger Unterschied.<\/p><p><strong>In der &ouml;ffentlichen Berichterstattung wird ja seit Wochen verst&auml;rkt das Bild &uuml;berf&uuml;llter und &uuml;berlasteter Krankenh&auml;user und Intensivstationen gezeichnet. Sie k&ouml;nnen ja aus jahrelanger pers&ouml;nlicher Erfahrung sprechen. Ist die Situation momentan eine signifikant andere als in den Vorjahren? <\/strong><\/p><p>In den vergangenen Jahren kamen immer wieder Kliniken infolge von Influenza- und anderen Infektionserkrankungen im Herbst und Winter an ihre Grenzen. Das ist nichts Neues. Covid-19 wirkt aktuell nur wie ein Brennglas und offenbart die schrecklichen Folgen jahrelanger K&uuml;rzungspolitik, die sich nun bitter r&auml;cht. Meine Vermutung ist, dass man die Krankheit benutzt, um vom Versagen der Gesundheitspolitik und den rigorosen Sparma&szlig;nahmen abzulenken.<\/p><p><strong>Kennen Sie Kolleginnen und Kollegen aus anderen Gesundheits&auml;mtern, die Ihre Sicht der Dinge teilen?<\/strong><\/p><p>Ja, ich kenne sogar einige. Nach meinen kritischen &Auml;u&szlig;erungen in &uuml;berregionalen Medien erhielt ich innerhalb weniger Wochen &uuml;ber 1.000 E-Mails und andere Zuschriften, nahezu ausschlie&szlig;lich mit Worten der Anerkennung. Positive Reaktionen erreichten mich aus fast der H&auml;lfte aller bayerischen Gesundheits&auml;mter, durch einige Amtsleiter und sehr viele Amts&auml;rzte, die mit mir einer Meinung sind und mir Mut machten. Allerdings wollte niemand &ouml;ffentlich sprechen. Zu gro&szlig; war und ist die Angst vor Konsequenzen. Wie man an meinem Beispiel sieht, ist diese Angst nicht unbegr&uuml;ndet. <\/p><p>Deshalb sage ich nach wie vor, dass die Staatsregierung mit meiner Zwangsversetzung ein Exempel statuieren wollte. Denn in vielen &Auml;mtern rumort es. Passend dazu hat der Bayerische Rundfunk am letzten Mittwoch gleich zwei Artikel online gestellt, die zeigen, dass die Gesundheits&auml;mter <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/bayern\/kontaktnachverfolger-spricht-von-katastrophalen-zustaenden,SHwKDp0\">am Ende sind<\/a>.<br>\nSchade ist nur, dass sich wieder niemand mit seinem Namen an die &Ouml;ffentlichkeit traut und so wie ich Tacheles redet. Aber insgesamt l&auml;sst sich schon erkennen, dass die &Auml;mter sich mittlerweile mehr trauen. Solche Berichte w&auml;ren zu Beginn der Pandemie undenkbar gewesen.<\/p><p><strong>Man stelle sich vor, f&uuml;r Dutzende Amts&auml;rzte in Bayern m&uuml;sste auf der Stelle eine &bdquo;anspruchsvolle&ldquo; Anschlussbesch&auml;ftigung erfunden werden. Das k&ouml;nnte mithin sogar Herrn S&ouml;der aus dem Konzept bringen, oder? <\/strong><\/p><p>Wenn unsere Gesundheits&auml;mter weiter so am Limit arbeiten, dann wird sich die Politik fr&uuml;her oder sp&auml;ter dazu erkl&auml;ren m&uuml;ssen. Ich wei&szlig; von &Auml;mtern, in denen Leute wegen Burnout-Syndrom fehlen. Gestandene und erfahrene Amts&auml;rzte k&ouml;nnen nicht mehr. Hygienekontrolleure, die ja berufsbedingt ein dickes Fell haben, sind am Ende. Die gesetzlich geregelten Arbeitszeiten werden nicht eingehalten, die Familien zu Hause kommen zu kurz, die &Uuml;berlastung dauert eben schon viel zu lange an. <\/p><p><strong>Und ein Ende ist nicht in Sicht. <\/strong><\/p><p>Mal ganz im Ernst: Wer von den Topvirologen oder Statistikern hat denn jemals ein Gesundheitsamt von innen gesehen? Und sollte sich ein Politiker einmal erbarmen und vorbeischauen, dann wird er sicher nicht die realen Zust&auml;nde zu sehen bekommen. Zur Wahrheit geh&ouml;rt auch, dass Politiker immer genau da nachfragen, wo sie sich die bereits erhofften Antworten erwarten. Damit erh&auml;lt man Best&auml;tigung f&uuml;r den eigenen Kurs und muss sich nicht weiter dar&uuml;ber Gedanken machen. Dabei muss endlich ein Umdenken einsetzen. Ein paar warme Worte zu Weihnachten und eine Sonderzahlung bringen nicht wirklich was. Das geht v&ouml;llig am Problem vorbei.<\/p><p>Titelbild: Martin Helgemeir\/shutterstock.com<\/p><p><em><strong>Zur Person:<\/strong> Friedrich P&uuml;rner, Jahrgang 1967, war bis Anfang November Leiter des Gesundheitsamts des Landkreises Aichach-Friedberg im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben. Wegen seiner &ouml;ffentlichen Kritik an der Anti-Corona-Politik der bayerischen Staatsregierung, im Speziellen an der Rolle von Ministerpr&auml;sident Markus S&ouml;der (CSU), wurde er von seiner Funktion entbunden und ins Bayerische Landesamt f&uuml;r Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) versetzt.<\/em><\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/3c07f3c1362c49f2a09b013f5b3887e5\" alt=\"\" title=\"\" width=\"1\" height=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Leiter des Gesundheitsamts Aichach-Friedberg hat zun&auml;chst intern, dann &ouml;ffentlich die Ma&szlig;nahmen der bayerischen Staatsregierung zur Bek&auml;mpfung der Corona-Krise infrage gestellt. <strong>Friedrich P&uuml;rner<\/strong> kritisiert unter anderem Massentests, die Gesunde zu Kranken machen, und Communitymasken ohne echte Schutzwirkung. Sein Einspruch hat ihn den Job gekostet, aber viel Aufmerksamkeit und Anerkennung eingebracht. Im Interview mit den NachDenkSeiten<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67766\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":67767,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,126,149,209],"tags":[423,1073,803,2933,2958,2878,2848,2844,1215,2834],"class_list":["post-67766","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-gesundheitspolitik","category-interviews","tag-austeritaetspolitik","tag-aerzte","tag-bayern","tag-corona-app","tag-hygieneregeln","tag-maskenpflicht","tag-personalausstattung","tag-quarantaene","tag-soeder-markus","tag-virenerkrankung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/201208-friedrich-02.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/67766","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=67766"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/67766\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":81176,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/67766\/revisions\/81176"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/67767"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=67766"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=67766"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=67766"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}