{"id":67834,"date":"2020-12-10T09:00:09","date_gmt":"2020-12-10T08:00:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67834"},"modified":"2021-11-06T20:43:00","modified_gmt":"2021-11-06T19:43:00","slug":"westliche-werte-und-die-ipac","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67834","title":{"rendered":"Westliche Werte und die IPAC"},"content":{"rendered":"<p>Der Westen h&auml;lt die Themen Menschenrechte und Demokratie gerne hoch, wenn es darum geht, konkurrierende Staaten zu diskreditieren. Allen voran China sieht sich mehr und mehr mit Vorw&uuml;rfen konfrontiert, die sogenannten &bdquo;westlichen Werte&ldquo; zu verletzen. <strong>Walther B&uuml;cklers<\/strong> hat sich f&uuml;r die NachDenkSeiten diese Vorw&uuml;rfe einmal n&auml;her angeschaut und zeigt auf, wie man versucht, die &bdquo;westlichen Werte&ldquo; gegen China zu instrumentalisieren, und wie eine Organisation, die f&uuml;r V&ouml;lker- und Menschenrecht zu stehen versucht, mit beiden wenig zu tun hat.<br>\n<!--more--><br>\nWir sind der Westen. Wir, das sind Europa und Nordamerika, und der Westen ist in diesem Zusammenhang mehr als einfach nur die geographische Lage. Der Westen, das sind die Industriel&auml;nder der ersten Welt, eine Allianz von Demokratien mit gemeinschaftlichen Zielen und Werten; Werten, die uns ausmachen, die uns von anderen Teilen der Welt abheben, die unsere Gesellschaft ein wenig fortschrittlicher, ein wenig zivilisierter machen. Es sind Werte, die uns als Europ&auml;ern so wichtig sind, dass wir sie als Grunds&auml;tze in unseren bilateralen Vertr&auml;gen festschreiben. Werte wie freiheitliche Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte, Frieden und Stabilit&auml;t, das &ndash; so betonen unsere <a href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/en\/newsroom\/news\/-\/2409524\">Politiker<\/a> und Medien gern &ndash; sind unsere westlichen Werte.<\/p><p>Die unausgesprochene Annahme ist, dass das Verbreiten dieser Werte einen Beitrag f&uuml;r eine bessere Welt darstellt. Es ist daher unsere Aufgabe und vielleicht sogar unsere moralische Pflicht, unseren Teil zur Verbreitung beizutragen. Nationen, die unsere Werte in einem nicht ausreichenden Ma&szlig; teilen, gelten als unterentwickelt und unzivilisiert, ihre Regierungen als nicht legitim. &Uuml;ber die Jahre hat der Westen folgerichtig ein weitreichendes Netzwerk von international agierenden NGOs und Think Tanks von Freedom House bis Human Rights Watch hervorgebracht, das sich allein f&uuml;r den Erhalt und die Verbreitung unserer Werte weltweit einsetzt. Die j&uuml;ngste Organisation, die sich in diese Tradition eingereiht hat, ist die IPAC &ndash; die Inter-Parliamentary Alliance on China.<\/p><p>Die IPAC wurde am 04. Juni 2020 am 31. Jahrestag der Vorf&auml;lle auf dem Platz des himmlischen Friedens in Peking gegr&uuml;ndet und ist ein Zusammenschluss von Abgeordneten aus inzwischen <a href=\"https:\/\/www.ipac.global\/team\">18<\/a> nationalen und dem EU-Parlament. Die IPAC sieht sich <a href=\"https:\/\/ipac.global\/about\/\">laut<\/a> eigenem Mission Statement als vereinte Front der Demokratien, die unsere Werte gegen den negativen Einfluss Chinas zu verteidigen sucht. Schwerpunkte sollen dabei internationales Recht, Menschenrechte, Sicherheitspolitik und Fair Trade sein. Deutschland ist durch die Bundestagsabgeordneten Margerete Bause und Michael Brand und den Europaparlamentsabgeordneten Reinhard B&uuml;tikofer als IPAC-Co-Chairs vertreten. <\/p><p>F&uuml;nf weitere deutsche Politiker sind dar&uuml;ber hinaus Mitglieder der IPAC, darunter Gyde Jensen, Ausschussvorsitzende f&uuml;r Menschenrechte und humanit&auml;re Hilfe im Bundestag. Das Bild, das die Mitglieder der IPAC in ihrem Vorstellungsvideo von China vermitteln, ist das eines gef&auml;hrlichen Landes, dessen unmoralische F&uuml;hrung sich einfach nicht an internationale Normen halten kann, dessen st&auml;ndig wachsender Einfluss nun auch das Handeln anderer Nationen zu korrumpieren droht und so die Gr&uuml;ndung der IPAC notwendig gemacht hat, um diesem Treiben Einhalt zu gebieten. Westliche Demokratie gegen das kommunistische China; ein Hauch von Gut gegen B&ouml;se. <\/p><p>Doch sind Chinas Verst&ouml;&szlig;e gegen internationales Recht, Menschenrechte und internationale Sicherheit tats&auml;chlich so eklatant, dass das Land das Pr&auml;dikat Gefahr f&uuml;r die freie Demokratie und westliche Werte verdient? Im Bereich internationales Recht und Sicherheit sind es vor allem Chinas Grenzkonflikte mit Indien, im s&uuml;dchinesischen Meer und mit Taiwan, die von internationaler Seite am h&auml;ufigsten kritisiert werden. <\/p><p><strong>Chinas Grenzkonflikte<\/strong><\/p><p>Indien<\/p><p>Der Grenzkonflikt zwischen Indien und China ist mehrere Jahrzehnte alt und beruht auf gegens&auml;tzlichen Gebietsanspr&uuml;chen im Bereich der Hochgebirge an der chinesischen Westgrenze um Tibet und Xinjiang. Bei Zusammenst&ouml;&szlig;en starben im Juni diesen Jahres 20 indische Soldaten. Allerdings ist der Grenzdisput mit China f&uuml;r Indien <a href=\"https:\/\/multimedia.scmp.com\/infographics\/news\/world\/article\/3091480\/China-India-border-dispute\/index.html\">keine Ausnahme<\/a> &ndash; &auml;hnliche Konflikte existieren mit beinahe allen n&ouml;rdlichen Nachbarn von Myanmar bis Pakistan &ndash; und es ist unklar, wer die Verantwortung f&uuml;r die j&uuml;ngsten Auseinandersetzungen tr&auml;gt. Die Ursachen f&uuml;r die diplomatischen Spannungen allein bei China zu suchen, ist sicher zu einfach.<\/p><p>S&uuml;dchinesisches Meer<\/p><p>Anders verh&auml;lt es sich im s&uuml;dchinesischen Meer. Hier werden verschiedene Inselgruppen, wie die Paracels und die Spratleys, von mehreren Anrainerstaaten, u.a. Brunei, den Philippinen und Vietnam, beansprucht. China macht seinerseits <a href=\"https:\/\/www.chathamhouse.org\/2018\/07\/two-years-south-china-sea-ruling-remains-battleground-rules-based-order\">historische Anspr&uuml;che<\/a> f&uuml;r einen Gro&szlig;teil des s&uuml;dchinesischen Meeres geltend und hat durch die Aufsch&uuml;ttung von 13 Quadratkilometern k&uuml;nstlicher Inselfl&auml;che seit 2013 und deren teilweiser <a href=\"https:\/\/foreignpolicy.com\/2019\/08\/19\/chinas-south-china-sea-militarization-has-peaked\/\">Militarisierung<\/a> Fakten geschaffen. <\/p><p>Das st&auml;ndige Schiedsgericht in Den Haag hat in einem Urteil in 2016 <a href=\"https:\/\/pcacases.com\/web\/sendAttach\/2086\">entschieden<\/a>, dass China historische Anspr&uuml;che mit R&uuml;cksicht auf das internationale Seev&ouml;lkerrecht nicht geltend machen k&ouml;nne und in verschiedenen F&auml;llen das philippinische Hoheitsrecht von chinesischer Seite verletzt wurde. Zu den Besitzverh&auml;ltnissen im s&uuml;dchinesischen Meer selbst nahm das Urteil allerdings keine Stellung. Die jahrzehntelangen Spannungen zwischen den einzelnen Staaten existieren damit aufgrund der ungekl&auml;rten Hoheitsanspr&uuml;che weiterhin und dass China als dominante maritime Kraft Forderungen stellt und ein Vorgehen an den Tag legt, das eher auf Realpolitik als internationalem V&ouml;lkerrecht fu&szlig;t, tr&auml;gt zum Konfliktpotential im s&uuml;dchinesischen Meer bei. <\/p><p>Taiwan<\/p><p>Taiwan ist f&uuml;r China nicht nur eine abtr&uuml;nnige Provinz, sondern auch eine der letzten verbleibenden Erinnerungen an das Jahrhundert der Schande von 1839 bis 1949, in dem China sich von den imperialistischen Kr&auml;ften Europas und Japans fremdbestimmt und ausgebeutet sah. Nach der Niederlage im ersten chinesisch-japanischen Krieg 1895 wurde Taiwan von Japan annektiert und verblieb nach der japanischen Niederlage im zweiten Weltkrieg aufgrund amerikanischer, gegen die neue kommunistische Regierung Chinas gerichteter Intervention und im Gegensatz zu den zur Kriegszeit gemachten <a href=\"https:\/\/thediplomat.com\/2014\/08\/no-taiwans-status-is-not-uncertain\/\">Vereinbarungen<\/a> von China getrennt.<\/p><p>Die nach der Niederlage im chinesischen B&uuml;rgerkrieg 1949 nach Taiwan geflohenen Nationalisten unter Chiang Kai-Shek regierten fortan von Taipei aus mit dem zweifelhaften Anspruch, die einzige legitime Regierung ganz Chinas zu sein. Denselben Anspruch erhoben wesentlich &uuml;berzeugender auch die Kommunisten in Beijing und wurden ab 1971 auch in der UN als einziger offizieller Repr&auml;sentant Chinas anerkannt. Dass Taiwan ein Teil Chinas ist, stand sowohl f&uuml;r Nationalisten als auch f&uuml;r Kommunisten au&szlig;er Frage.<\/p><p>Mit Taiwans Demokratisierung Ende der 80er und Anfang der 90er gewannen erstmals offizielle Stimmen an Bedeutung, die anders als die Kuomintang (KMT), die Partei Chiang Kai-Sheks, die Unabh&auml;ngigkeit von Taiwan als eigenst&auml;ndiger Staat als M&ouml;glichkeit formulierten. Vorrangiger Vertreter dieser Bestrebung ist die DPP der aktuellen Pr&auml;sidentin Tsai Ing-Wen. Doch w&auml;hrend China bereit ist, den aktuellen Status Quo Taiwans als einen aus den Wirren der Geschichte gewachsenen notd&uuml;rftigen Kompromiss zu tolerieren, w&auml;re eine Unabh&auml;ngigkeitserkl&auml;rung f&uuml;r China die Manifestierung historischen Unrechts und damit unannehmbar.<\/p><p>Im Jahr 1992 einigten sich Repr&auml;sentanten beider Seiten auf den umstrittenen One-China-Consensus, der besagt, dass es nur ein China gibt. Grunds&auml;tzlich steht dahinter das Versprechen Beijings, keine weiteren Schritte in der Taiwanfrage zu unternehmen, solange sich Taiwan zu einem China und nicht zur Unabh&auml;ngigkeit bekennt. Die aktuellen wiederholten Proteste und milit&auml;rischen Drohgeb&auml;rden Beijings, wie das wiederholte Eindringen der chinesischen Luftwaffe in den taiwanesischen Luftraum, sind dementsprechend jeweils Reaktionen auf politische Aktionen Taiwans, die den One-China-Consensus infrage stellen. Der Kauf von US-Waffensystemen, bestimmte Aussagen zu Taiwans Souver&auml;nit&auml;t von Tsai Ing-Wen und der Empfang von US-Diplomaten werden von Beijing als eine Provokation angesehen und sind von der Gegenseite zum Teil sicher auch als solche gedacht.<\/p><p>Die chinesische Regierung muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie nicht in der Lage war, diese Grenzkonflikte trotz ihrer jahrzehntelangen Geschichte nachhaltig zu l&ouml;sen. Doch weder ist China das einzige Land, dessen Grenzverlauf nicht abschlie&szlig;end gekl&auml;rt ist und damit Konfliktpotential birgt, noch zeichnet sich das Vorgehen der Regierung in Beijing in Bezug auf ihre Souver&auml;nit&auml;tsanspr&uuml;che durch besondere Aggressivit&auml;t aus. Im Gegensatz zu den Grenzkonflikten zwischen Indien und Pakistan, Russland und der Ukraine oder wie aktuell zwischen Armenien und Aserbaidschan vertritt China seine Interessen beinahe ausschlie&szlig;lich mit diplomatischen, nicht-milit&auml;rischen Mitteln. T&ouml;dliche Zusammenst&ouml;&szlig;e wie zuletzt an der indischen Grenze sind im Gegensatz zu anderen Grenzkonflikten weltweit die Ausnahme, nicht die Regel.<\/p><p>Chinas Vorgehen ist nicht, wie h&auml;ufig beschrieben, auf territoriale Expansion ausgelegt, sondern zielt auf den Erhalt der Gebiete, in dem die chinesische Regierung historische und, wie im Falle Taiwans, jahrhundertealte Anspr&uuml;che sieht. Im Falle des s&uuml;dchinesischen Meeres steht dieser Anspruch allerdings im Widerspruch zum UN-V&ouml;lkerrecht und die chinesischen Verst&ouml;&szlig;e wurden zu recht kritisiert. <\/p><p>Aber dass China aufgrund seines j&uuml;ngsten Verhaltens wie von der IPAC gefordert besondere Aufmerksamkeit als Gefahr f&uuml;r internationales Recht und Sicherheit verdient, ist fragw&uuml;rdig. Denn weder hat China seine offiziellen Standpunkte bez&uuml;glich seiner langj&auml;hrigen Grenzkonflikte k&uuml;rzlich ge&auml;ndert, noch w&auml;re es besonders schwierig, Beispiele von Staaten zu nennen, deren aktuelle Verst&ouml;&szlig;e in den Bereichen internationales Recht und Sicherheit wesentlich schwerer wiegen. So f&uuml;hrt z.B. das NATO-Mitglied T&uuml;rkei einen <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/tuerkei-weitet-einfluss-in-nordsyrien-aus-erst-die-soldaten-dann-das-geld\/25932956.html\">Angriffskrieg<\/a> in Syrien, <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/libyen-droht-milit%C3%A4rischer-konflikt-zwischen-%C3%A4gypten-und-der-t%C3%BCrkei\/a-54253552\">k&auml;mpft<\/a> in Libyen, <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/tuerkei-aserbaidschan-armenien-101.html\">unterst&uuml;tzt<\/a> die Eskalation zwischen Aserbaidschan und Armenien, <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/ankaras-angriffe-auf-nordirak-kurden-fuerchten-tuerkische-annexion\/25997914.html\">bombardiert<\/a> Kurden im Irak, <a href=\"https:\/\/www.derstandard.de\/story\/2000120406120\/neue-repressionswelle-gegen-kurden-in-der-tuerkei\">unterdr&uuml;ckt<\/a> die kurdische Minderheit im eigenen Land und <a href=\"https:\/\/www.europarl.europa.eu\/enlargement\/briefings\/1a2_de.htm\">h&auml;lt<\/a> eine der weltweit l&auml;ngsten v&ouml;lkerrechtlich illegalen Besatzungen in Zypern aufrecht. Damit ist die T&uuml;rkei, ein weit kleineres Land als China und au&szlig;erdem Teil Europas und Partner in der westlichen Verteidigungsallianz, in vier Kriege gleichzeitig verwickelt, die bereits tausende Tote gekostet haben. Vor diesem Hintergrund scheint die starke westliche Fokussierung auf China entweder verfehlt, politisch motiviert oder rein willk&uuml;rlich.<\/p><p><strong>Chinas Menschenrechtsverletzungen<\/strong><\/p><p>Doch von allen Vorw&uuml;rfen gegen China sind es vor allem die der eklatanten Menschenrechtsverletzungen, die am schwersten wiegen. Die IPAC st&uuml;tzt ihre Daseinsberechtigung nicht zuletzt auf die Theorie, dass das skrupellose Verhalten einer aufstrebenden wirtschaftlichen Gro&szlig;macht die globalen, von der westlichen Welt aufrechterhaltenen Moralvorstellungen und die Demokratie selbst untergr&auml;bt. Beweise f&uuml;r den menschenverachtenden Charakter von Chinas F&uuml;hrung finden sich vor allem in zwei Beispielen: Hong Kong und Xinjiang.<\/p><p>Hong Kong<\/p><p>In Hong Kong hat China &ndash; so der Vorwurf &ndash; friedliche, pro-demokratische Demonstrationen brutal unterdr&uuml;ckt. Demonstranten werde exzessive Polizeigewalt entgegengesetzt und so nicht nur das Recht der B&uuml;rger Hong Kongs auf Meinungs- und Demonstrationsfreiheit verletzt, sondern die Demokratie selbst untergraben. Mit der anschlie&szlig;enden Verabschiedung des <a href=\"http:\/\/www.xinhuanet.com\/english\/2020-07\/01\/c_139178753.htm\">nationalen Sicherheitsgesetzes<\/a> im Juni diesen Jahres habe China die permanente Beschneidung der Menschenrechte in Hong Kong gesetzlich festgeschrieben.<\/p><p>Dass es w&auml;hrend der Demonstrationen zu F&auml;llen von Polizeigewalt kam, ist unstrittig. Allerdings ist dieser Fakt ohne Kontext wenig aussagekr&auml;ftig. Die Proteste in Hong Kong dauerten 6 Monate. Was als friedliche Massenproteste gegen ein Auslieferungsgesetz mit dem Festland begann, entwickelte sich innerhalb weniger Wochen zu massiven, gewaltt&auml;tigen, gegen die Hong Konger und Beijinger Regierungen gerichteten Ausschreitungen. Brandstiftung und Vandalismus f&uuml;hrten zu <a href=\"https:\/\/www.scmp.com\/news\/hong-kong\/politics\/article\/3088459\/hong-kong-protests-government-spent-more-hk66-million\">Millionensch&auml;den<\/a>. Gewalttaten gegen <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=8k8ql8F-ODk\">Protestgegner<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=0rfVlZrHx1c\">Festlandchinesen<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=PN4MvOrPotk\">Polizisten<\/a> forderten dutzende Verletzte. Demonstranten <a href=\"https:\/\/www.scmp.com\/news\/hong-kong\/law-and-crime\/article\/3092549\/hong-kong-protests-man-set-fire-says-he-was-standing\">z&uuml;ndeten<\/a> einen Mann an und <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=j9AIWRTVxSs\">brachten<\/a> einen 70-J&auml;hrigen mit einem Steinwurf um. Die Polizeiaktionen waren dementsprechend weniger der Versuch, die Grundrechte der B&uuml;rger zu untergraben, als Ausschreitungen zu unterbinden.<\/p><p>Dass die Hong Konger Polizei unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig reagiert und so zur Radikalisierung der Proteste beigetragen hat, ist m&ouml;glich. Die umfassenden Filmaufnahmen der Auseinandersetzungen zeigen allerdings, dass die Gewalt ebenfalls von Demonstranten ausging und dass die Verantwortung allein bei der Polizei zu suchen, zu einfach ist. Der internationale Vergleich wirft dar&uuml;ber hinaus Zweifel auf, dass die Gewaltbereitschaft der Hong Konger Polizei sonderlich exzessiv war. In 2019 gab es weltweit Proteste in <a href=\"https:\/\/www.aa.com.tr\/en\/europe\/casualties-from-yellow-vest-protests-rise\/1469388\">Frankreich<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.xinhuanet.com\/english\/2019-10\/14\/c_138471537.htm\">Ecuador<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/world-latin-america-50441867\">Bolivien<\/a>, <a href=\"https:\/\/apnews.com\/article\/89bd348e9e10a0edf4f2bdcc29b66a50\">Chile<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/world-asia-48361782\">Indonesien<\/a> und im <a href=\"https:\/\/edition.cnn.com\/2019\/11\/09\/middleeast\/iraq-protest-death-toll-intl\/index.html\">Irak<\/a>. In fast allen F&auml;llen und obwohl die meisten Proteste wenige Wochen, nicht Monate, andauerten, gab es Tote durch Polizeigewalt; nicht in Hong Kong.<\/p><p>Das Nationale Sicherheitsgesetz<\/p><p>Das am 30. Juni in Kraft getretene nationale Sicherheitsgesetz ist eine direkte Reaktion auf die Proteste des letzten Jahres und die Einflussnahme ausl&auml;ndischer Kr&auml;fte, vor allem der USA. Es stellt Landesverrat, Sezession, Volksverhetzung und Planung des Regierungssturzes unter Strafe. Westliche Kritiker sehen das Gesetz allerdings weniger als Reaktion auf &auml;u&szlig;ere Einmischung in Chinas Angelegenheiten als vielmehr als Werkzeug zur Unterdr&uuml;ckung demokratischer Kr&auml;fte und der Meinungsfreiheit in Hong Kong. <\/p><p>Die <a href=\"http:\/\/www.xinhuanet.com\/english\/2019-08\/21\/c_1210250157.htm\">Anklage<\/a> Chinas, dass die USA die Protestbewegung in Hong Kong unterst&uuml;tzt und damit das Gesetz notwendig gemacht h&auml;tten, wurde im Westen als wenig originelle Ausrede eines autorit&auml;ren Regimes f&uuml;r die durch staatliche Unterdr&uuml;ckung provozierten inneren Unruhen dargestellt. Dabei bestehen zu diesem Zeitpunkt vielleicht noch Zweifel am Ausma&szlig;, aber nicht an der Einmischung selbst. &Uuml;ber die CIA-Tochter NED (National Endowment for Democracy) haben die USA &uuml;ber die letzten 6 Jahre 1.8 <a href=\"https:\/\/www.ned.org\/wp-content\/themes\/ned\/search\/grant-search.php?organizationName=&amp;region=&amp;projectCountry=Hong+Kong+%28China%29&amp;amount=&amp;fromDate=&amp;toDate=&amp;projectFocus%5B%5D=&amp;search=&amp;maxCount=25&amp;orderBy=Year&amp;start=1&amp;sbmt=1\">Millionen<\/a> USD in Hong Kong investiert. Das Geld floss <a href=\"https:\/\/www.mintpressnews.com\/hong-kong-protests\/259202\/\">direkt oder indirekt<\/a> an mindestens sechs Organisationen, die die Hong Konger Proteste organisiert haben. <\/p><p>Wie Time <a href=\"https:\/\/time.com\/5860163\/trump-hong-kong-funding-freeze\/\">berichtet<\/a>, flossen weitere Millionen durch die US Agency for Global Media f&uuml;r die Entwicklung verschl&uuml;sselter Kommunikations-Apps und einen Hilfsfonds. Die f&uuml;hrenden <a href=\"https:\/\/thegrayzone.com\/2019\/08\/17\/hong-kong-protest-washington-nativism-violence\/\">K&ouml;pfe der Protestbewegung<\/a> wie Hauptfinancier der Demonstrationen und Medienmogul Jimmy Lai, Gr&uuml;nder der demokratischen Partei Martin Lee oder Demosisto-Gr&uuml;nder Joshua Wong und Nathan Law haben direkte Beziehungen zur amerikanischen Politelite um Mike Pompeo, Mike Pence, Nancy Pelosi, John Bolton und Marco Rubio. Wie Donald Trumps Chinaberater, Michael Pillsbury, in einem Fox-News-Interview <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=cp2a4v3hBVg\">best&auml;tigte<\/a>, unterst&uuml;tzten die USA bereits die Regenschirmproteste in 2014. Die amerikanische NGO Human Rights Foundation <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/world-europe-29708917\">schulte<\/a> Hong-Kong-Protestorganisatoren Jahre im Voraus.<\/p><p>Das NSG an sich ist kein au&szlig;ergew&ouml;hnliches Gesetz. Vergleichbare Gesetze existieren z.B. in Macau seit 2009, ebenfalls eine Sonderadministration Chinas, oder &ndash; in noch weitreichenderer Fassung &ndash; in Form des <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Patriot_Act\">Patriot Acts<\/a> in den USA. Auch das deutsche Strafrecht umfasst Reglungen gegen <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/81.html\">Hochverrat<\/a> und <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/130.html\">Volksverhetzung<\/a>. Das NSG in Hong Kong erlaubt dem Gesetzgeber allerdings extrem weiten Spielraum bei der Auslegung und Kritiker sehen zu recht die Gefahr der willk&uuml;rlichen Kriminalisierung von Kleinstdelikten und der Unterdr&uuml;ckung zuk&uuml;nftiger demokratischer Reformbewegungen. Zu der bef&uuml;rchteten exzessiven Anwendung des NSG ist es aber bisher nicht gekommen. In den ersten drei Monaten seit Inkrafttreten des Gesetzes gab es <a href=\"https:\/\/www.scmp.com\/news\/hong-kong\/politics\/article\/3103600\/hong-kong-national-security-law-26-arrests-so-far\">26 Festnahmen<\/a> und lediglich eine Anklage.<\/p><p>Xinjiang<\/p><p>In Xinjiang reichen die Vorw&uuml;rfe gegen China von religi&ouml;ser <a href=\"https:\/\/www.hrw.org\/report\/2005\/04\/11\/devastating-blows\/religious-repression-uighurs-xinjiang\">Unterdr&uuml;ckung<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.aspi.org.au\/report\/uyghurs-sale\">Zwangsarbeit<\/a>, <a href=\"https:\/\/share.america.gov\/china-coerces-uyghur-women-into-unwanted-marriages\/\">Zwangsheirat<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/interactive\/2019\/11\/16\/world\/asia\/china-xinjiang-documents.html\">Massenverhaftungen<\/a>, <a href=\"https:\/\/apnews.com\/article\/269b3de1af34e17c1941a514f78d764c\">Sterilisationen<\/a> und <a href=\"https:\/\/slate.com\/news-and-politics\/2019\/11\/china-uighur-ethnic-cleansing-impunity.html\">ethnischen S&auml;uberungen<\/a> bis zum <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/investigativ\/ndr\/china-cables-uiguren-103.html\">kulturellen<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/zu-sterilisierung-und-abtreibung-gezwungen-der-demografische-genozid-an-den-uiguren-in-china\/25965914.html\">demographischen<\/a> Genozid muslimischer Minderheiten in <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/uiguren-in-xinjiang-china-sperrt-muslime-in-konzentrationslager-16170188.html\">Konzentrationslagern<\/a>. &Uuml;ber eine Million Muslime, vor allem Uighuren, sollen von willk&uuml;rlicher Verfolgung und Inhaftierung durch die chinesische Regierung betroffen sein. China spricht seinerseits von einem <a href=\"https:\/\/www.globaltimes.cn\/content\/1172486.shtml\">Kampf gegen Terrorismus<\/a>, Separatismus und Extremismus, dem man versuche durch verst&auml;rkte Sicherheitsma&szlig;nahmen, Investition in Fortbildung und Umerziehungslager zu begegnen.<\/p><p>Dass die Umerziehungslager existieren und dass China ein engmaschiges &Uuml;berwachungsnetz in weiten Teilen Xinjiangs installiert hat, ist unumstritten. Die starke Ausweitung des &ouml;ffentlichen Sicherheitsapparats ist aber weder grundlos geschehen, noch richten sich die Ma&szlig;nahmen gegen die muslimische Glaubensgemeinschaft insgesamt. Vielmehr haben <a href=\"https:\/\/twitter.com\/isgoodrum\/status\/1004887974847266817\">Terroranschl&auml;ge<\/a> von uighurischen Extremisten der ETIM (East Turkistan Independence Movement) &uuml;ber die letzten drei Jahrzehnte hunderten Menschen das Leben gekostet. Die ETIM wird nicht nur von China, sondern auch von den USA (bis <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/en\/us-removes-separatist-group-condemned-by-china-from-terror-list\/a-55527586\">November 2020<\/a>), <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/article\/us-china-britain-security-idUSKCN1000PT\">UK<\/a> und der <a href=\"https:\/\/www.un.org\/securitycouncil\/sanctions\/1267\/aq_sanctions_list\/summaries\/entity\/eastern-turkistan-islamic-movement\">UN<\/a> als terroristische Vereinigung mit <a href=\"https:\/\/abcnews.go.com\/International\/story?id=79654&amp;page=1\">Al-Qaeda-Verbindungen<\/a> klassifiziert. Die USA selbst <a href=\"https:\/\/www.defense.gov\/Explore\/News\/Article\/Article\/1435247\/us-forces-strike-taliban-east-turkestan-\/\">flogen<\/a> noch in 2018 Eins&auml;tze gegen ETIM-Trainingscamps in Afghanistan. <\/p><p>Eine Gro&szlig;zahl der genannten Anschuldigungen ist sicher der Politisierung des Themas Xinjiang geschuldet. Dass sich Chinas Kampagne nicht pauschal gegen Muslime richtet, l&auml;sst sich an der Unterst&uuml;tzung f&uuml;r Chinas Deradikalisierungsma&szlig;nahmen durch das <a href=\"https:\/\/www.hrw.org\/sites\/default\/files\/supporting_resources\/190712_joint_counterstatement_xinjiang.pdf\">OIC<\/a> (Organization of Islamic Cooperation) und einem Gro&szlig;teil der mehrheitlich muslimischen Nationen erkennen. Und dass an der Charakterisierung der Umerziehungslager Zweifel bestehen sollten, ist daran abzulesen, dass keiner der dutzenden Besucher von internationalen <a href=\"https:\/\/www.newindianexpress.com\/world\/2019\/jan\/24\/no-cultural-religious-repression-of-uyghur-muslims-in-xinjiang-pakistan-diplomat-1929578.html\">Delegationen<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.xinhuanet.com\/english\/2019-07\/23\/c_138250679.htm\">Journalisten<\/a>, der <a href=\"https:\/\/www.worldbank.org\/en\/news\/statement\/2019\/11\/11\/world-bank-statement-on-review-of-project-in-xinjiang-china\">Weltbank<\/a> und der <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/article\/us-china-rights-un-idUSKCN1TH00T\">UN<\/a> auch nur ansatzweise Beweise f&uuml;r Konzentrationslager oder einen Genozid hat feststellen k&ouml;nnen. Weder die f&uuml;r eine Massenverfolgung symptomatischen Fl&uuml;chtlingsstr&ouml;me noch die im Social-Media-Zeitalter unvermeidbaren Videobeweise existieren.<\/p><p>Die krassesten Anschuldigungen gegen China gehen vor allem auf dubiose, US-amerikanisch finanzierte Quellen zur&uuml;ck. Prominentestes Beispiel hierf&uuml;r ist <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56639\">Adrian Zenz<\/a>, ein evangelikaler Deutscher, der als Senior Research Fellow beim antikommunistischen, in Washington ans&auml;ssigen Think Tank Victims of Communism Memorial Foundation t&auml;tig und vor seiner &uuml;berraschenden Karriere als Xinjiang-Experte vor allem durch obskure Glaubensstudien aufgefallen ist. Es ist bezeichnend f&uuml;r den &ouml;ffentlichen Diskurs zu Xinjiang, dass Zenz trotz Interessenkonflikt, zweifelhafter Expertise und der Ver&ouml;ffentlichung von grob unwissenschaftlichen Studien der &Ouml;ffentlichkeit kritiklos als Autorit&auml;t im Bereich China pr&auml;sentiert wird. Und es ist ebenfalls bezeichnend f&uuml;r die IPAC, dass Zenz und Vicky Xu vom australischen ASPI als &bdquo;Berater&ldquo; gelistet sind.<\/p><p>Das ASPI (Australian Strategic Policy Institute) ist eine weitere prominente Quelle, die u.a. durch das australische Verteidigungsministerium, den US-amerikanischen Milit&auml;rkomplex und die NATO <a href=\"https:\/\/s3-ap-southeast-2.amazonaws.com\/ad-aspi\/2020-10\/ASPI%20By%20the%20numbers.pdf?N_LlogMEIny9Yia_Csr0VGDlw_xkXtof=\">finanziert<\/a> wird, und vor allem durch Studien von Analysten in den Mittzwanzigern auff&auml;llt, die &ouml;ffentlich zug&auml;ngliche Dokumente und Satellitenbilder <a href=\"https:\/\/twitter.com\/ChengxinPan\/status\/1310051540397297665\">fragw&uuml;rdig<\/a> <a href=\"https:\/\/thegrayzone.com\/2020\/03\/26\/forced-labor-china-us-nato-arms-industry-cold-war\/\">interpretieren<\/a>. In Australien selbst <a href=\"https:\/\/www.afr.com\/policy\/foreign-affairs\/the-think-tank-behind-australia-s-changing-view-of-china-20200131-p53wgp\">werfen<\/a> Politiker dem ASPI vor, an einem neuen Kalten Krieg zu arbeiten und einen einseitigen pro-amerikanischen Standpunkt zu vertreten. Die urspr&uuml;ngliche Quelle f&uuml;r die von Adrian Zenz zur Popularit&auml;t verholfenen 1 Million inhaftierten Uighuren ist ein weiterer US-amerikanischer Think Tank in Washington mit dem Namen China Human Rights Defenders (CHRD). Die Zahl ist eine Sch&auml;tzung auf Basis von nur <a href=\"https:\/\/www.chinafile.com\/reporting-opinion\/features\/where-did-one-million-figure-detentions-xinjiangs-camps-come\">8 Interviews<\/a>.<\/p><p>Weitere Anklagen gegen die Umerziehungslager kommen von ehemaligen Insassen. Und diese Zeugenaussagen zu den Verh&auml;ltnissen in den Umerziehungslagern beschreiben h&auml;ufig unhaltbare Zust&auml;nde, sind aber gleichzeitig unm&ouml;glich zu verifizieren, und es gibt deutliche Anzeichen f&uuml;r Manipulation der jeweiligen Darstellung, um einen dramatischen Effekt zu erzielen. Sayragul Sauytbay und Tursunay Ziyawudun sind zwei der am h&auml;ufigsten zitierten Zeugen. Beide gaben mehrere Interviews, die zunehmend dramatischere Details beinhalteten. Ziyawudun <a href=\"https:\/\/www.buzzfeednews.com\/article\/meghara\/china-uighur-xinjiang-kazakhstan\">behauptet<\/a> zun&auml;chst, kein Opfer von Gewalt gewesen zu sein, um <a href=\"https:\/\/www.telegraph.co.uk\/news\/2020\/06\/29\/china-forces-birth-control-uighurs-suppress-population\/\">anschlie&szlig;end<\/a> KZ-&auml;hnliche Zust&auml;nde mit medizinischen Experimenten und Tritten in den Unterleib zu beschreiben. Zwischen ihren beiden Interviews liegen ganze 4 Monate. <\/p><p>Sauytbay gab <a href=\"https:\/\/www.theglobeandmail.com\/world\/article-everyone-was-silent-endlessly-mute-former-chinese-re-education\/\">urspr&uuml;nglich<\/a> ebenfalls zu Protokoll, keinerlei Gewalt gesehen zu haben, um <a href=\"https:\/\/www.haaretz.com\/world-news\/.premium.MAGAZINE-a-million-people-are-jailed-at-china-s-gulags-i-escaped-here-s-what-goes-on-inside-1.7994216\">ein Jahr sp&auml;ter<\/a> von permanenter Folter &ndash; inkl. Elektroschocks und der Entfernung von Fingern&auml;geln &ndash; medizinischen Experimenten, regelm&auml;&szlig;igen Vergewaltigungen und dem Zwang, als Muslimin Schweinefleisch essen zu m&uuml;ssen, zu berichten. Auf Anfrage, zu den extremen Anschuldigungen Stellung zu nehmen, gab die chinesische Regierung zu Protokoll, dass Sauytbay selber nie in einem Umerziehungslager war und China trotz Verdacht auf Kreditschwindel von &uuml;ber 40.000 EUR verlassen h&auml;tte.<\/p><p>Bez&uuml;glich der Anklagen des demographischen und kulturellen Genozids und der Massensterilisierung von Uighuren sollte dar&uuml;ber hinaus in Betracht gezogen werden, dass <a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/archive\/opinions\/1998\/01\/25\/genocide-in-tibet\/27c0891c-57f1-4a7c-b873-a1071d93cbfd\/\">identische<\/a> <a href=\"https:\/\/www.dailymail.co.uk\/news\/article-549310\/Torture-hunger-mobile-sterilisation-units---brutal-reality-Tibet-2008.html\">Vorw&uuml;rfe<\/a> jahrelang in Tibet vorgebracht wurden und sich anschlie&szlig;end als haltlose &Uuml;bertreibungen <a href=\"https:\/\/case.edu\/affil\/tibet\/booksAndPapers\/fertility.and.family.planning.in.rural.tibet.pdf\">herausgestellt<\/a> haben. Weder gab es ein Programm f&uuml;r erzwungene Abtreibungen und Sterilisationen noch einen Genozid. Es leben heute <a href=\"http:\/\/www.stats.gov.cn\/tjsj\/ndsj\/2019\/indexeh.htm\">mehr<\/a> Tibeter in China als je zuvor.<\/p><p>Doch trotz der breitgestreuten Fehlinformation zu Xinjiang bleibt festzuhalten, dass die Deradikalisierungsma&szlig;nahmen der chinesischen Regierung den Freiheitsentzug f&uuml;r, wenn auch nicht eine Million, so doch hunderttausende Menschen (die Weltbank gab 180.000 Teilnehmer auf ihrer <a href=\"https:\/\/projects.worldbank.org\/en\/projects-operations\/project-detail\/P147367\">Informationsseite<\/a> zum Projekt an, bevor sie die Daten wieder l&ouml;schte) bedeutet hat und dass die st&auml;ndigen Sicherheitskontrollen und Beschr&auml;nkungen der Bewegungsfreiheit einen deutlichen Einfluss auf die Lebensqualit&auml;t der uighurischen Minderheit haben. Und auch wenn andere L&auml;nder vergleichbare Ma&szlig;nahmen (<a href=\"https:\/\/thediplomat.com\/2020\/06\/does-indonesias-deradicalization-program-work\/\">1<\/a>\/<a href=\"https:\/\/www.theaustralian.com.au\/subscribe\/news\/1\/?sourceCode=TAWEB_WRE170_a&amp;dest=https%3A%2F%2Fwww.theaustralian.com.au%2Fworld%2Fthe-times%2Ffrance-fights-terror-with-camps-for-reeducation%2Fnews-story%2F6338422a5c4abe62089fb32fd7dbd739&amp;memtype=\">2<\/a>\/<a href=\"https:\/\/www.nbcnews.com\/storyline\/isis-terror\/denmark-de-radicalization-n355346\">3<\/a>) gegen Extremismus im eigenen Land unternommen haben, so ist doch Chinas Programm in Xinjiang das umfassendste, und es stellt sich die Frage, ob die von der Regierung priorisierte &ouml;ffentliche Sicherheit sich nicht mit weniger schwerwiegenden Eingriffen in die Pers&ouml;nlichkeitsrechte seiner B&uuml;rger h&auml;tte erreichen lassen.<\/p><p><strong>Der Westen und seine Werte<\/strong><\/p><p>Angesichts der massiven Kritik von westlicher Seite an Chinas Verhalten bez&uuml;glich seiner Grenzkonflikte und dem harten Durchgreifen in Hong Kong und Xinjiang sollte man erwarten, dass es vor allem die freiheitlichen Demokratien Europas und Nordamerikas sind, die die Werte wie internationale Sicherheit, internationales Recht und Menschenrechte in der globalen Staatengemeinschaft aufrechterhalten. Die UN- und NATO-Charta, die Genfer Konventionen und die Allgemeine Erkl&auml;rung der Menschenrechte sind schlie&szlig;lich vom Westen selbst federf&uuml;hrend entworfene Dokumente. Und wie sonst k&ouml;nnte man die Gr&uuml;ndung einer Organisation wie der IPAC rechtfertigen? Vorbildcharakter w&uuml;rde man insbesondere von der Nation erwarten, deren Verhalten den gr&ouml;&szlig;ten Einfluss auf das Weltgeschehen hat und sich daher als Anf&uuml;hrer der freien Welt sieht: den USA.<\/p><p>Die Vereinigten Staaten<\/p><p>Die Machtf&uuml;lle, milit&auml;rische &Uuml;berlegenheit und kulturelle Suggestivkraft der USA sind historisch einmalig. Kein anderes Land hatte gr&ouml;&szlig;eren Einfluss auf die Entstehung internationaler Institutionen und kein Land hat umfassender gegen ihre Regeln und den Geist, den sie verk&ouml;rpern, versto&szlig;en. Die Verst&ouml;&szlig;e gegen internationale Sicherheit, internationales Recht und Menschenrechte der USA sind ein Abbild ihrer au&szlig;ergew&ouml;hnlichen Machtf&uuml;lle und damit so eklatant, dass ein Vergleich mit China absurd erscheinen muss.<\/p><p>Die USA sind seit 20 Jahren permanent im Krieg, die meiste Zeit in mehreren L&auml;ndern gleichzeitig. Die Kriege in Afghanistan und Irak haben mindestens <a href=\"https:\/\/www.businessinsider.com\/how-many-people-have-been-killed-in-iraq-and-afghanistan\">500.000 Menschen<\/a> das Leben gekostet. Weitere Hundertausende Menschen starben in von den USA selbst gef&uuml;hrten und\/oder gro&szlig;z&uuml;gig unterst&uuml;tzten Kampfhandlungen in <a href=\"https:\/\/www.rt.com\/news\/libya-nato-civilian-deaths-323\/\">Libyen<\/a>, <a href=\"https:\/\/english.alaraby.co.uk\/english\/indepth\/2020\/1\/28\/how-many-people-have-died-in-syria-since-2011\">Syrien<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.amnesty.org\/en\/latest\/news\/2015\/09\/yemen-the-forgotten-war\/\">Jemen<\/a>, einem Krieg, der tats&auml;chlich das Pr&auml;dikat <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/331306103_Genocide_in_Yemen-Is_the_West_Complicit\">Genozid<\/a> verdient. Die Destabilisierung des Mittleren Ostens hat zu Millionen Fl&uuml;chtlingen gef&uuml;hrt und Libyen von einer der reichsten Nationen Afrikas zu einem gescheiterten Staat degradiert, in dem erstmals seit &uuml;ber 100 Jahren wieder <a href=\"https:\/\/time.com\/longform\/african-slave-trade\/\">Sklavenm&auml;rkte<\/a> existieren. Die negativen Auswirkungen der durch die Gewalt verursachte gesellschaftliche Zerrissenheit und pers&ouml;nlichen Traumata sowie die von US-Truppen eingesetzte und zu <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC1242351\/\">Geburtsdefekten<\/a> <a href=\"https:\/\/theintercept.com\/2019\/11\/25\/iraq-children-birth-defects-military\/\">f&uuml;hrende<\/a> Uranmunition werden den Menschen in den Kriegszonen noch Generationen erhalten bleiben.<\/p><p>Gleichzeitig f&uuml;hren die USA &uuml;ber Sanktionen einen Wirtschaftskrieg gegen ca. ein <a href=\"https:\/\/www.workers.org\/2019\/12\/44711\/\">Drittel der Weltbev&ouml;lkerung<\/a>, dem in den letzten Jahren weitere <a href=\"https:\/\/www.telesurenglish.net\/news\/US-Sanctions-Killed-Over-40000-Venezuelans-Since-2017-20190425-0015.html\">zehntausende<\/a> Menschen zum Opfer gefallen sind. Der seit 2004 gef&uuml;hrte Drohnenkrieg fordert j&auml;hrlich <a href=\"https:\/\/www.thebureauinvestigates.com\/projects\/drone-war\">hunderte Opfer<\/a> in mindestens <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/commentisfree\/2017\/jan\/09\/america-dropped-26171-bombs-2016-obama-legacy\">7<\/a> mehrheitlich muslimischen L&auml;ndern; ein Fakt, der die h&auml;ufig &ouml;ffentlich vorgetragenen Sorgen amerikanischer Diplomaten f&uuml;r das Schicksal der Muslime in China letztlich nicht ganz aufrichtig erscheinen l&auml;sst. US-amerikanische Geheimdienste <a href=\"https:\/\/williamblum.org\/chapters\/rogue-state\/trojan-horse-the-national-endowment-for-democracy\">organisieren<\/a> routinem&auml;&szlig;ig gewaltt&auml;tige Regierungsumst&uuml;rze, zuletzt &ndash; wie von US-Senator Chris Murphy <a href=\"https:\/\/www.murphy.senate.gov\/newsroom\/press-releases\/murphy-us-venezuela-policy-has-been-an-unmitigated-disaster-we-played-all-our-cards-on-day-one-and-its-been-an-embarrassment-ever-since\">eingestanden<\/a> &ndash; erfolglos 2019 in Venezuela. Laut der Meinung seiner f&uuml;hrenden <a href=\"https:\/\/www.truthdig.com\/articles\/chris-hedges-and-noam-chomsky-how-the-u-s-became-an-oligarchy-that-makes-war-on-the-middle-class\/\">Intellektuellen, Journalisten<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.sanders.senate.gov\/newsroom\/video-audio\/we-have-oligarchy-not-democracy\">Politiker<\/a> und akademischen <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/blogs-echochambers-27074746\">Institutionen<\/a> ist selbst die Bezeichnung der USA als Demokratie fragw&uuml;rdig.<\/p><p>Dass die Au&szlig;enpolitik der USA im Gegensatz zur UN-Charta und ihrem Geist von Frieden und internationaler Zusammenarbeit steht, ist offenkundig. Gezielte T&ouml;tungen mit Drohnen, der Diebstahl von <a href=\"https:\/\/www.newsweek.com\/syria-trump-stealing-oil-us-confirms-deal-1526589\">Syriens &Ouml;l<\/a> und willk&uuml;rliche Verschleppung und Folter wie im Falle Guantanamos sind alles Kriegsverbrechen im Sinne der <a href=\"https:\/\/www.un.org\/en\/genocideprevention\/documents\/atrocity-crimes\/Doc.33_GC-IV-EN.pdf\">Genfer Konvention<\/a>. Dass die Aussicht, sich f&uuml;r Kriegsverbrechen in Afghanistan verantworten zu m&uuml;ssen, Mike Pompeo dazu veranlasste, den internationalen Kriminalgerichtshof in Den Haag einen &bdquo;Kangaroo Court&ldquo; zu <a href=\"https:\/\/fr.reuters.com\/article\/us-warcrimes-afghanistan-trump-pompeo-idUSKBN23I2AJ\">nennen<\/a>, zeigt den Stellenwert, den die amerikanische Regierung in Bezug auf sich selbst westlichen Werten einzur&auml;umen bereit ist.<\/p><p>Die USA verletzten internationales Recht und Menschenrechte und gef&auml;hrden internationale Sicherheit so h&auml;ufig und in einem solchen Ausma&szlig;, dass man davon ausgehen muss, dass sie von den Entscheidungstr&auml;gern nur dann als relevant angesehen werden, wenn sie mit den eigenen Zielen harmonieren oder als Instrument der Anklage gegen andere Nationen verwendet werden k&ouml;nnen.<\/p><p>Am Beispiel Europas: Frankreich<\/p><p>Doch der Westen besteht nicht nur aus den Vereinigten Staaten und aufgrund der herausragenden Stellung, die die USA in der Weltordnung einnehmen, k&ouml;nnte man sie m&ouml;glicherweise als nicht-repr&auml;sentative Ausnahme der westlichen Wertegemeinschaft entschuldigen. Doch auch in Europa finden sich Beispiele, die darauf hindeuten, dass es den jeweiligen Nationen in ihren Entscheidungen weniger um die von der IPAC deklarierten, abstrakten Ideale als vielmehr um geopolitische Interessen und Einfluss geht. Ein prominentes Beispiel ist Deutschlands engster Partner und &bdquo;Kern Europas&ldquo;: Frankreich.<\/p><p>Die 1960er Jahre gelten als das Ende des Kolonialzeitalters und der Herrschaft der Europ&auml;er &uuml;ber den afrikanischen Kontinent. Doch im krassen Gegensatz zum vorherrschenden Zeitgeist afrikanischer Emanzipation zwang Frankreich einen Gro&szlig;teil seiner afrikanischen Kolonien in ein Reglement, das als Francafrique Bekanntheit erlangt hat und grunds&auml;tzlich die Fortsetzung der franz&ouml;sischen Herrschaft mit anderen Mitteln gew&auml;hrleisten sollte. Selbstbestimmung war damit f&uuml;r die 12 franz&ouml;sischen Kolonien, die sich diesem System unterordnen mussten, nur nominell, aber keine Unabh&auml;ngigkeit im wirklichen Sinne des Wortes. F&uuml;r diese L&auml;nder ging Kolonialismus lediglich in Neokolonialismus &uuml;ber. <\/p><p>Das System Francafrique existiert bis heute. F&uuml;r <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/world-africa-41094094\">14 afrikanische Staaten<\/a> bedeutet das u.a., dass ihre Geld- und Wirtschaftspolitik <a href=\"https:\/\/blogs.lse.ac.uk\/africaatlse\/2020\/03\/19\/cfa-franc-reforms-monetary-policy-symbolic-colonialism\/\">ma&szlig;geblich<\/a> von Frankreich beeinflusst wird, dass sie mindestens <a href=\"https:\/\/www.economist.com\/finance-and-economics\/2002\/02\/07\/give-us-our-notes\">50% ihrer W&auml;hrungsreserven<\/a> in Frankreich deponieren mussten (erst 2019 revidiert), dass &ouml;ffentliche Auftr&auml;ge zun&auml;chst franz&ouml;sischen Firmen angeboten werden m&uuml;ssen und dass Frankreich das <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/en\/africa-and-france-an-unfulfilled-dream-of-independence\/a-54418511\">Vorkaufsrecht<\/a> auf alle Rohstoffe des jeweiligen Landes hat. Mit welchen Mitteln Frankreich bereit ist, diese Privilegien gegen afrikanische Selbstbestimmung zu verteidigen, l&auml;sst sich an der gro&szlig;en Zahl afrikanischer Reformer, die Attentaten oder Regierungsumst&uuml;rzen zum Opfer fielen, ablesen (Manche <a href=\"https:\/\/www.africanexponent.com\/post\/10487-france-has-always-carried-evil-imperialism-with-it\">Quellen<\/a> sprechen von 22 Ermordungen afrikanischer Staatsoberh&auml;upter). Das franz&ouml;sische Milit&auml;r hat seit 1960 &uuml;ber <a href=\"https:\/\/theconversation.com\/the-flawed-logic-behind-french-military-interventions-in-africa-132528\">50 Mal<\/a> direkt in Afrika interveniert und &uuml;ber 4.000 franz&ouml;sische Soldaten sind aktuell permanent in Afrika <a href=\"https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=&amp;ved=2ahUKEwiKosvDz_fsAhUFqZ4KHf4kD34QFjAAegQIAhAC&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.foi.se%2Frest-api%2Freport%2FFOI%2520Memo%25206814&amp;usg=AOvVaw2yS5K9e0tAIDfuf-S09zqJ\">stationiert<\/a>.<\/p><p>Dass Frankreichs Neokolonialismus, der g&uuml;nstige Zugang zu Rohstoffen und Auftr&auml;gen f&uuml;r franz&ouml;sische Firmen, massive Vorteile f&uuml;r den franz&ouml;sischen Staat hat, ist offenkundig. F&uuml;r 14 afrikanische L&auml;nder bedeutet das Francafrique-System au&szlig;er einer stabilen W&auml;hrung aber eine stagnierende Wirtschaft, den Ausverkauf ihrer nat&uuml;rlichen Ressourcen, <a href=\"https:\/\/blogs.lse.ac.uk\/africaatlse\/2020\/03\/19\/cfa-franc-reforms-monetary-policy-symbolic-colonialism\/\">fehlende<\/a> Auslandsinvestitionen, korrupte Eliten und politische Unruhen. W&auml;hrend Frankreich sich seinen internationalen Status und Einfluss erh&auml;lt, fristen seine ehemaligen Kolonien eine permanente Existenz als Entwicklungsl&auml;nder. In der Rangliste des Human Development Index der Vereinten Nationen <a href=\"http:\/\/hdr.undp.org\/en\/content\/2019-human-development-index-ranking\">rangieren<\/a> 5 der Francafrique-Staaten unter den letzten 10.<\/p><p>Frankreichs Neokolonialismus in Afrika steht im krassen Gegensatz zu den Werten, die die IPAC f&uuml;r sich in Anspruch nimmt. Weder die langj&auml;hrige Unterst&uuml;tzung Frankreichs f&uuml;r afrikanische Autokraten noch die vielf&auml;ltigen Regierungsumst&uuml;rze, die Westafrika seine politische Stabilit&auml;t nehmen, sind ein Bekenntnis zu demokratischen Grundwerten oder internationaler Sicherheit und Stabilit&auml;t. China wird in Hong Kong keine freien Wahlen nach europ&auml;ischem Vorbild zulassen. Frankreichs Neokolonialismus ist mitverantwortlich f&uuml;r die Unterentwicklung von 170 Millionen Afrikanern und das seit 60 Jahren. <\/p><p>Deutschland<\/p><p>Aber auch f&uuml;r Frankreich k&ouml;nnte man anf&uuml;hren, dass das Land als ehemalige Kolonialgro&szlig;macht einen Sonderstatus &auml;hnlich der USA innehat und daher nicht repr&auml;sentativ f&uuml;r den Westen stehen kann. Daher stellt sich die Frage, wie Deutschland selbst, als finanzst&auml;rkstes und einflussreichstes Land Europas, die westlichen Werte verk&ouml;rpert, zu deren Verteidigung sich sowohl Abgeordnete des Bundestages als auch deutsche Abgeordnete aus dem Europaparlament der IPAC angeschlossen haben.<\/p><p>Ein erstes Indiz ist Deutschlands Teilnahme am Kosovokrieg 1999. Mit der Teilnahme am NATO-Bombardement auf dem Balkan hat Deutschland nicht nur das V&ouml;lkerrecht gebrochen, da der Angriff ohne UN-Mandat erfolgte, sondern gleichzeitig auch die NATO-Charta, die ausschlie&szlig;lich kollektive Verteidigung bei einem Angriff auf eines der NATO-Mitglieder vorsieht. Mit einer Bilanz von &uuml;ber <a href=\"https:\/\/www.telegraph.co.uk\/expat\/expatnews\/6692257\/Kosovan-death-toll-is-its-argument-for-independence.html\">zehntausend<\/a> Toten und &uuml;ber einer <a href=\"https:\/\/www.aargauerzeitung.ch\/schweiz\/15-millionen-verliessen-die-heimat-wie-sich-der-kosovo-krieg-auf-die-schweiz-auswirkte-die-sechs-wichtigsten-fragen-134239185\">Million<\/a> Fl&uuml;chtlingen, von denen der Gro&szlig;teil versuchte, den NATO-Angriffen zu entkommen, kann dieser erste Kampfeinsatz deutscher Soldaten im Ausland seit dem Zweiten Weltkrieg kaum als erfolgreicher Beitrag f&uuml;r internationales Recht und Sicherheit oder Menschenrechte gewertet werden. Bei den gr&uuml;nen IPAC-Mitgliedern B&uuml;tikofer und Bause <a href=\"https:\/\/edoc.hu-berlin.de\/bitstream\/handle\/18452\/15793\/Schmuck-Soldan.pdf?sequence=1\">fand<\/a> der Kampfeinsatz der Bundeswehr bereits damals trotzdem Unterst&uuml;tzung.<\/p><p>Dass es Deutschland auch in den letzten 20 Jahren nur mangelhaft geschafft hat, f&uuml;r internationales Recht, Menschenrechte und Demokratie einzustehen, liegt vor allem daran, dass Deutschland als NATO-Mitglied Juniorpartner der USA ist und au&szlig;enpolitische Entscheidungen damit entscheidend vorbelastet sind. Egal, ob f&uuml;r den Irakkrieg, den Afghanistankrieg, die Bombardierung Libyens oder den Krieg in Syrien, die USA haben mindestens die latente Unterst&uuml;tzung Deutschlands durch das Gew&auml;hren von <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/politik\/deutschland-verweigert-usa-militaerische-unterstuetzung_aid-8550889\">&Uuml;berflugrechten<\/a> sowie der Bereitstellung von <a href=\"https:\/\/www.ksta.de\/bundeswehr-beginnt-mit-der-bewachung-von-us-kasernen-14220792\">logistischen<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.ksta.de\/bundeswehr-beginnt-mit-der-bewachung-von-us-kasernen-14220792?cb=1606876925359\">personellen<\/a> und finanziellen Ressourcen. Das Bundesverfassungsgericht <a href=\"https:\/\/www.refworld.org\/pdfid\/4a54bbfdf.pdf\">urteilte<\/a> dementsprechend als Reaktion auf das Verhalten der Bundesregierung im Irakkrieg in 2005, dass Deutschland nicht verpflichtet sei, v&ouml;lkerrechtliche Delikte der NATO zu unterst&uuml;tzen, sondern im Gegenteil dazu angehalten sei, seine Neutralit&auml;t zu verteidigen. Die deutsche Judikative zeigte damit, dass sie die westlichen Werte bedeutend besser verinnerlicht hat als die Exekutive.<\/p><p>Der Syrienkrieg ist ein plastisches Beispiel daf&uuml;r, in welchem Ma&szlig;e Deutschland dazu bereit ist, moralische Werte den geopolitischen Erw&auml;gungen der USA unterzuordnen. Obwohl Ver&ouml;ffentlichungen u.a. durch Wikileaks beweisen, dass die USA Assads Umsturz durch die Unterst&uuml;tzung der Opposition seit mindestens 2006 <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article13209593\/USA-finanzieren-heimlich-Syriens-Opposition.html\">geplant hatten<\/a>, westliche Geheimdienste die Rebellen seit 2011 <a href=\"https:\/\/wikileaks.org\/gifiles\/docs\/16\/1671459_insight-military-intervention-in-syria-post-withdrawal.html\">trainierten<\/a>, die CIA &uuml;ber Operation <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Timber_Sycamore\">Timber Sycamore<\/a> die Rebellen bei j&auml;hrlichen Kosten von ca. 1 Mrd. USD <a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/world\/national-security\/lawmakers-move-to-curb-1-billion-cia-program-to-train-syrian-rebels\/2015\/06\/12\/b0f45a9e-1114-11e5-adec-e82f8395c032_story.html?utm_term=.e391533c04d8\">ausbildete<\/a> und bewaffnete und bereits 2012 klar war, dass es sich bei den Oppositionsk&auml;mpfern vor allem um islamistische Extremisten <a href=\"http:\/\/www.judicialwatch.org\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Pg.-291-Pgs.-287-293-JW-v-DOD-and-State-14-812-DOD-Release-2015-04-10-final-version11.pdf\">handelte<\/a>, deren letzte Bastion seit 2018 Idlib ist, hat Deutschland <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/waffenlieferungen-nach-syrien-die-rebellen-ruesten-auf-a-907689.html\">Waffen<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/article\/us-syria-crisis-germany\/germany-helping-syria-rebels-with-spy-ship-intel-paper-idUSBRE87I06D20120819\">Geheiminformationen<\/a> an eben diese Opposition geliefert, Milit&auml;roperationen der USA in Syrien <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/syrien-keine-deutsche-bodentruppen-trotz-bitte-der-usa-a-1276293.html\">unterst&uuml;tzt<\/a> und sendet bis heute <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/syrien-geberkonferenz-deutschland-101.html\">Milliarden<\/a> f&uuml;r humanit&auml;re Hilfe in die Region. <\/p><p>Da die finanzielle Unterst&uuml;tzung in Syrien selbst ausschlie&szlig;lich f&uuml;r Oppositionsgebiete und <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/deutschland\/geber-konferenz-deutschland-spendet-eine-milliarde-an-syrien-spendenziel-dennoch-verfehlt\/21210898.html?ticket=ST-10941777-fZA72ISOeNuzzUrm70b6-ap1\">nicht<\/a> f&uuml;r den Wiederaufbau der zerst&ouml;rten Nation gedacht ist, liegt der Verdacht nahe, dass diese Hilfen dazu dienen werden, einen Konflikt, der f&uuml;r <a href=\"https:\/\/www.unhcr.org\/syria-emergency.html\">5 Millionen Fl&uuml;chtlinge<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.france24.com\/en\/20200104-syria-death-toll-tops-380-000-in-almost-nine-year-war-monitor\">400.000 Tote<\/a> verantwortlich ist, k&uuml;nstlich am Leben zu erhalten. Die Fl&uuml;chtlingskrise hatte auch f&uuml;r Deutschland tiefgreifende Folgen und der vorherrschende Eindruck ist, dass Deutschland in Syrien nicht nur westlichen Werten, sondern auch seinen eigenen besten Interessen zuwidergehandelt hat.<\/p><p>Konfliktherde wie in Syrien oder in Jemen zeigen aber auch, dass eklatante Menschenrechtsverletzungen und V&ouml;lkerrechtsbr&uuml;che Deutschland nicht davon abhalten, den Konfliktparteien weiter Waffen zu liefern. Zwar exportiert Deutschland aktuell keine Waffen an Saudi-Arabien, aber dass das 2018 in Kraft getretene Embargo eher kosmetischer als idealistischer Natur ist, l&auml;sst sich daran ablesen, dass die genehmigten Waffenexporte an die anderen L&auml;nder der mittel&ouml;stlichen Kriegsallianz in 2019 &uuml;ber <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/deutschland-verkauft-weiter-waffen-an-kriegsallianz-im-jemen\/a-52986797\">eine Milliarde Euro<\/a> betrugen und dass zu dem Zeitpunkt, zu dem das Embargo ausgesprochen wurde, bereits &uuml;ber 70.000 Menschen <a href=\"https:\/\/apnews.com\/article\/24ee4b33373a41d389e2599c5aa7bbfa\">umgekommen<\/a> und 50.000 Kinder in Jemen verhungert waren. Die T&uuml;rkei, die aktuell Nordsyrien besetzt, gegen Kurden im Nordirak vorgeht, in Libyen k&auml;mpft und die Eskalation zwischen Aserbaidschan und Armenien unterst&uuml;tzt, war in <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/waffenexporte-tuerkei-109.html\">2018 und 2019<\/a> dar&uuml;ber hinaus das Zielland f&uuml;r ein Drittel aller deutschen R&uuml;stungsexporte.<\/p><p>Das wohl schwerwiegendste Vergehen Deutschlands gegen Menschen- und V&ouml;lkerrecht ist aber die Unterst&uuml;tzung des amerikanischen Drohnenkrieges. Sp&auml;testens seit den Enth&uuml;llungen der <a href=\"https:\/\/theintercept.com\/2015\/04\/17\/ramstein\/\">Intercept<\/a> in 2015 ist klar, dass die US-Milit&auml;rbasis in Ramstein eine Schl&uuml;sselfunktion innehat, die die willk&uuml;rliche Bombardierung von mindestens 7 L&auml;ndern im Mittleren Osten, Asien und Afrika erst erm&ouml;glicht. Weder die mediale Berichterstattung noch &ouml;ffentlicher Druck oder die weitere Eskalation des Drohnenkrieges unter Donald Trump haben bei der deutschen Regierung zu einer nennenswerten Reaktion gef&uuml;hrt. Ein Verhalten, das nun auch vom Bundesverwaltungsgericht <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/justiz\/urteil-zur-ramstein-airbase-deutschland-muss-us-drohneneinsaetze-im-jemen-nicht-unterbinden-a-f68b5b79-cbb7-47d2-814c-4e4f3b281847\">legitimiert<\/a> wurde. Damit macht sich Deutschland weiterhin mitschuldig an au&szlig;ergerichtlichen T&ouml;tungen, <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/news\/2019\/nov\/18\/killer-drones-how-many-uav-predator-reaper\">willk&uuml;rlichen<\/a> Massakern an <a href=\"https:\/\/www.theatlantic.com\/politics\/archive\/2013\/12\/if-a-drone-strike-hit-an-american-wedding-wed-ground-our-fleet\/282373\/\">Hochzeitsgesellschaften<\/a> und <a href=\"https:\/\/theintercept.com\/2017\/09\/25\/syria-us-airstrike-civilian-death-hrw-tabqa\/\">Schulkindern<\/a> und der gezielten Terrorisierung ganzer Regionen.<\/p><p>Selbst die deutsche Liebe zur Demokratie findet ihre Grenzen in der amerikanischen Interessenpolitik. Sowohl in Venezuela, wo sich der ungew&auml;hlte Pr&auml;sident der Nationalversammlung, Juan Guaido, undemokratisch <a href=\"https:\/\/www.cnn.com\/2019\/01\/23\/americas\/venezuela-protests\/index.html\">selbst zum Pr&auml;sidenten<\/a> ernannte, als auch in Bolivien, wo ein gewaltt&auml;tiger Milit&auml;rputsch den bolivianischen Pr&auml;sidenten Evo Morales zwang, das eigene Land zu verlassen, und die ungew&auml;hlte, christliche Fundamentalistin Janine Anez an die Macht brachte, erfolgte die Anerkennung der neuen Pr&auml;sidenten durch die Bundesregierung jeweils direkt im Anschluss an die der USA. Obwohl Aussagen des US-Senators Chris Murphy Vermutungen best&auml;tigen, dass Guaidos Selbsternennung Teil eines Putschversuchs der USA und damit ein klar antidemokratischer, illegaler und imperialistischer Vorgang war, erkennt die deutsche Regierung Guaido bis zum heutigen Tag als rechtm&auml;&szlig;igen Repr&auml;sentanten Venezuelas an und legitimiert damit den v&ouml;lkerrechtswidrigen Eingriff in die inneren Angelegenheiten souver&auml;ner Staaten, jedenfalls solange er durch unsere geopolitischen Partner vorgenommen wird.<\/p><p><strong>Die IPAC<\/strong><\/p><p>Wiegen Chinas Verletzungen gegen die westlichen Werte wirklich schwerer als die des Westens selbst? Ist die Inhaftierung von Hunderttausenden Menschen aufgrund von Deradikalisationsma&szlig;nahmen schwerwiegender als die T&ouml;tung Hunderttausender Menschen durch endlose Ressourcenkriege? Ist die Unterdr&uuml;ckung regierungsfeindlicher Proteste im eigenen Land schwerwiegender als Neokolonialismus, der ganzen Nationen ihre Selbstbestimmung abspricht und sie zu einer permanenten Existenz als Entwicklungsland verurteilt? Sind weitgehend &uuml;ber diplomatische Kan&auml;le ausgetragene Grenzkonflikte vergleichbar mit der Missachtung jeglicher staatlicher Souver&auml;nit&auml;t und der gezielten, au&szlig;ergerichtlichen T&ouml;tung von Menschen durch den Drohnenkrieg? Bei einer Organisation, die vorgibt, sich f&uuml;r das V&ouml;lkerrecht und Menschenrechte einzusetzen, w&uuml;rde man erwarten, dass ihr Fokus auf den L&auml;ndern liegt, die die Hauptschuldigen f&uuml;r die Verletzung von V&ouml;lker- und Menschenrechten sind. Die IPAC akzeptiert sie hingegen als Mitglieder; ein Indiz daf&uuml;r, dass &ndash; wie so h&auml;ufig in internationaler Politik &ndash; Menschenrechte lediglich ein Mittel zum Zweck sind. Der Zweck ist die Diffamierung und geopolitische Ausgrenzung Chinas.<\/p><p>Wessen Geistes Kind die IPAC wirklich ist, l&auml;sst sich an seinen Mitgliedern ablesen. Mindestens sieben Berater und Mitarbeiter haben Verbindungen zur CIA-nahen Jamestown Foundation in Washington, der ebenfalls in Washington ans&auml;ssigen Victims of Communism Foundation oder der CIA-Schwesterorganisation NED. Ein IPAC-Berater, Robert Suettinger, arbeitete selbst &uuml;ber 20 Jahre bei der CIA. Mit Adrian Zenz und Vicky Xu geh&ouml;ren auch die Verfasser der popul&auml;rsten Anklageschriften zu Xinjiang zum weiteren Beraterstab. Von den 18 in der IPAC vertretenen Parlamenten sind 12 NATO-Staaten. Unter diesen Umst&auml;nden sollte es niemanden &uuml;berraschen, dass das Ziel der Organisation, China als unmoralischen Widersacher darzustellen, mit den geopolitischen Interessen der NATO und damit vor allem denen der USA &uuml;bereinstimmt.<\/p><p>Die Begr&uuml;ndung f&uuml;r die Existenz der IPAC ist ein einziger Widerspruch. Die Organisation sieht sich selbst als Bollwerk der Demokratien gegen die Gefahr Chinas. Doch weder k&ouml;nnte man &uuml;berzeugend argumentieren, dass ein &uuml;bereinstimmendes politisches System zu &uuml;bereinstimmenden au&szlig;enpolitischen Zielen f&uuml;hrt &ndash; die Sicherung mittel&ouml;stlicher &Ouml;lquellen mag z.B. im Interesse der USA gewesen sein, die kollateralen menschlichen Konsequenzen aber sicherlich nicht im Interesse Europas &ndash; noch dass China eine gr&ouml;&szlig;ere Gefahr f&uuml;r demokratische Staaten ist als die USA, die in den letzten 70 Jahren weltweit ein <a href=\"http:\/\/web4.uwindsor.ca\/users\/w\/winter\/Winters.nsf\/0\/53e4fa2c963249ad852571f00062afb5\/$FILE\/Blum_Brief_History.pdf\">Dutzend<\/a> demokratischer Staatsoberh&auml;upter aus dem Amt geputscht haben. Es existiert keine vergleichbare Einflussnahme in internationalen Beziehungen von Chinas Seite. Selbst die Bezeichnung als Demokratie, vordergr&uuml;ndig eine Grundvoraussetzung f&uuml;r die Teilnahme bei der IPAC, ist bei manchen Mitgliedern, wie den USA oder Uganda, durchaus fraglich.<\/p><p>Die fragw&uuml;rdige Auffassung der IPAC, dass die Menschenrechtsverletzungen bestimmter Staaten mehr Aufmerksamkeit verdient haben als andere, spiegelt sich auch in seinen deutschen Mitgliedern wider. Gyde Jensen und Reinhard B&uuml;tikofer sind f&uuml;hrende F&uuml;rsprecher f&uuml;r die Demonstranten Hong Kongs, Jensen ist <a href=\"https:\/\/twitter.com\/GydeJ\/status\/1315927710594719746\">&uuml;berzeugt<\/a>, dass in Xinjiang ein Genozid stattfindet, B&uuml;tikofer <a href=\"https:\/\/twitter.com\/bueti\/status\/1278265319832854534\">glaubt<\/a>, es ist zumindest &bdquo;so etwas &Auml;hnliches&ldquo;. Beide halten Chinas Au&szlig;enpolitik f&uuml;r aggressiv und China selbst f&uuml;r die vorrangige Gefahr f&uuml;r Demokratie und Menschenrechte. Beide sind f&uuml;r Sanktionen.<\/p><p>Die USA und die NATO allerdings mit den durch den Syrienkrieg und den B&uuml;rgerkrieg in Libyen geschaffenen humanit&auml;ren Katastrophen oder Frankreich mit der nordafrikanischen Fl&uuml;chtlingskrise in Verbindung zu bringen, gelingt beiden nicht. F&uuml;r den Drohnenkrieg mit deutscher Beteiligung scheinen sie sich nicht zu interessieren. Dass es so viel leichter f&auml;llt, die Vergehen des weit entfernten Chinas als die ungleich schweren V&ouml;lker- und Menschenrechtsverst&ouml;&szlig;e von europ&auml;ischen Nachbarn, NATO-Partnern und Deutschland selbst zu verurteilen, zeugt weder von Mut noch von moralischer Integrit&auml;t. Als Reinhard B&uuml;tikofer Mitte April auf <a href=\"https:\/\/twitter.com\/bueti\/status\/1252173765615763456\">Twitter<\/a> per chinesischer Schriftzeichen auf Menschenrechte in China aufmerksam machen will, hat die chinesische Regierung die Corona-Epidemie im eigenen Land bereits unter Kontrolle gebracht. W&auml;hrend China die Opferzahlen damit unter 6.000 Toten h&auml;lt, sterben in Europa und Amerika hunderttausende Menschen zu einem nicht unerheblichen Teil, weil wirtschaftspolitische Interessen schwerer als gesundheitspolitische wogen oder schlicht aufgrund grober politischer Fahrl&auml;ssigkeit. Das Recht auf Leben ist der erste Punkt auf der Allgemeinen Erkl&auml;rung der Menschenrechte und man k&ouml;nnte nur unzureichend argumentieren, dass diesem Recht w&auml;hrend der Corona-Epidemie im Westen gr&ouml;&szlig;eres Gewicht einger&auml;umt worden w&auml;re als in China.<\/p><p>Dass diese Entwicklung sowie der Tod hunderttausender Syrer, Afghanen, Irakis und Libyer nicht als Menschenrechtsverletzung des Westens wahrgenommen wird und man lieber gegen chinesische Zensur und Au&szlig;enpolitik als gegen Kriegsverbrechen polemisiert, ist bezeichnend.<\/p><p>Letztlich hat die IPAC weder etwas mit Menschen- noch mit dem V&ouml;lkerrecht oder Demokratie zu tun. Sie ist NATO-PR, die ein illusion&auml;res Bild von einer bipolaren Welt mit einem neuen Feindbild propagiert: der gute, Menschenrecht achtende Westen und das schlechte, regelverachtende China. Westliche Werte sind dabei lediglich ein Werkzeug. F&uuml;r die NATO-Staaten sind sie lediglich Theorie f&uuml;r die Massen, nicht staatliche Praxis. Sie dienen als moralischer Ma&szlig;stab, mit dem man China &ouml;ffentlich blo&szlig;stellen kann, an dem aber das eigene Weltbild zerbrechen w&uuml;rde, w&uuml;rde ihn der Westen ernsthaft auf sich selbst anwenden. Dass es m&ouml;glich ist, kritiklos eine Organisation auf der Annahme zu gr&uuml;nden, dass in westlichen Nationen das friedliche Miteinander und Wohl der Menschen einen h&ouml;heren Stellenwert genie&szlig;en als anderswo, zeugt von einem realit&auml;tsfernen Selbstverst&auml;ndnis und von einer medialen Berichterstattung, die den negativen Auswirkungen westlicher Au&szlig;enpolitik nur unzureichend Aufmerksamkeit widmet.<\/p><p>China hat ein negatives Image in Europa. Es ist nicht schwer, als westlicher Politiker &ouml;ffentlich gegen China und f&uuml;r westliche Werte Stellung zu beziehen. Es ist ein einfaches Selbstbranding ohne nachteilige Konsequenzen. Die IPAC versucht aber, Werte f&uuml;r sich in Anspruch zu nehmen, die ihre teilnehmenden Nationen selber im umfangreichsten Ma&szlig;e verletzen. Die einzelnen Politiker der IPAC m&ouml;gen sich Menschen- und V&ouml;lkerrecht verbunden f&uuml;hlen, aber der einseitig parteiische Charakter der Organisation reduziert sie von Menschenrechtlern zu bestenfalls Menschenrechtsinteressierten. Und wer glaubt, dass das aktuelle Weltgeschehen mehr durch Menschenrechtsverletzungen Chinas als die der NATO-Mitglieder gepr&auml;gt ist, kann die j&uuml;ngere Geschichte nur mit gro&szlig;em Desinteresse verfolgt haben, was die einzelnen Mitglieder der Vereinigung weniger idealistisch als ignorant, naiv und opportunistisch erscheinen l&auml;sst. Universelle Menschenrechte und das V&ouml;lkerrecht k&ouml;nnen nur von jemandem glaubhaft vertreten werden, der auch bereit ist, die Werte vorurteilsfrei von allen Nationen gleicherma&szlig;en einzufordern, und die F&auml;higkeit beweist, gem&auml;&szlig; der Schwere der Rechtsverletzungen Priorit&auml;ten zu setzen. Nelson Mandela hat einmal gesagt, dass niemand, der seine Prinzipien nicht gleicherma&szlig;en gegen&uuml;ber jedermann zu vertreten wei&szlig;, eine Nation f&uuml;hren sollte. Ebenso sollte niemand, der Menschen- und V&ouml;lkerrecht nur einseitig selektiv vertritt, wie die IPAC, als Verfechter unserer Werte ernstgenommen werden. <\/p><p>Titelbild: pskamn\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Westen h&auml;lt die Themen Menschenrechte und Demokratie gerne hoch, wenn es darum geht, konkurrierende Staaten zu diskreditieren. Allen voran China sieht sich mehr und mehr mit Vorw&uuml;rfen konfrontiert, die sogenannten &bdquo;westlichen Werte&ldquo; zu verletzen. <strong>Walther B&uuml;cklers<\/strong> hat sich f&uuml;r die NachDenkSeiten diese Vorw&uuml;rfe einmal n&auml;her angeschaut und zeigt auf, wie man versucht, die &bdquo;westlichen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67834\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":67835,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,123,20,129,161],"tags":[1223,282,2666,379,813,2005,927,1043,2102,2712,2008,2175,1792,304,305,2065,1418,309,1553,2922,382,2771,1556,1703,1122,3155],"class_list":["post-67834","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-kampagnentarnworteneusprech","category-landerberichte","category-lobbyorganisationen-und-interessengebundene-wissenschaft","category-wertedebatte","tag-afrika","tag-buergerproteste","tag-buetikofer-reinhard","tag-china","tag-drohnen","tag-fake-news","tag-folter","tag-frankreich","tag-geostrategie","tag-hongkong","tag-indien","tag-interventionspolitik","tag-kolonialismus","tag-kriegsverbrechen","tag-menschenrechte","tag-ngo","tag-regime-change","tag-repressionen","tag-syrien","tag-taiwan","tag-think-tanks","tag-uiguren","tag-usa","tag-voelkerrecht","tag-waffenexporte","tag-zenz-adrian"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/shutterstock_1059339884.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/67834","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=67834"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/67834\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":67867,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/67834\/revisions\/67867"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/67835"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=67834"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=67834"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=67834"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}