{"id":67895,"date":"2020-12-11T10:07:33","date_gmt":"2020-12-11T09:07:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67895"},"modified":"2020-12-13T15:44:19","modified_gmt":"2020-12-13T14:44:19","slug":"die-welt-hat-den-jemen-verraten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67895","title":{"rendered":"Die Welt hat den Jemen verraten"},"content":{"rendered":"<p>Im Jemen w&uuml;tet die laut UN &bdquo;schlimmste humanit&auml;re Katastrophe der Welt&ldquo;: Zu einer Jahrhundert-Hungersnot gesellen sich Dengue, Polio und Malaria. Es grassiert die gr&ouml;&szlig;te je in der Menschheitsgeschichte registrierte Choleraepidemie und auch die Corona hat sich vermutlich im gesamten Land ausgebreitet. &Uuml;ber 80 Prozent der Menschen sind auf humanit&auml;re Hilfen angewiesen. Doch vom Kleinstbetrag von 3,38 Milliarden US-Dollar, den die UN in diesem Jahr f&uuml;r ihre Dutzenden Hilfsprogramme im Jemen ben&ouml;tigt, wurde bis heute nicht einmal die H&auml;lfte &uuml;berwiesen. Die reichen Geberl&auml;nder weigern sich, ihre Zusagen einzuhalten. Die Welt dreht dem Land kollektiv den R&uuml;cken zu &ndash; das ist keine Gleichg&uuml;ltigkeit, kein blo&szlig;es Desinteresse, das ist Mord durch Unterlassung.<br>\nVon <strong>Jakob Reimann<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2574\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-67895-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201211_Die_Welt_hat_den_Jemen_verraten_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201211_Die_Welt_hat_den_Jemen_verraten_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201211_Die_Welt_hat_den_Jemen_verraten_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201211_Die_Welt_hat_den_Jemen_verraten_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=67895-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201211_Die_Welt_hat_den_Jemen_verraten_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"201211_Die_Welt_hat_den_Jemen_verraten_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Das Amt der Vereinten Nationen f&uuml;r die Koordinierung humanit&auml;rer Angelegenheiten (OCHA) gibt auf seinen Seiten an, es ben&ouml;tige f&uuml;r 2020 insgesamt <a href=\"https:\/\/fts.unocha.org\/appeals\/925\/summary\">3,38 Milliarden US-Dollar<\/a> f&uuml;r s&auml;mtliche UN-Programme, die im Jemen das &Uuml;berleben von 29 Millionen Menschen sichern. Das Jahr geht seinem Ende entgegen und von dieser Summe sind noch nicht einmal 50 Prozent &uuml;berwiesen &ndash; lediglich 1,6 Milliarden sind bis 10. Dezember eingetroffen. Die Regierungen von 194 L&auml;ndern und weltweit unz&auml;hlige Stiftungen und NGOs konnten nicht ein paar Milliarden Dollar zusammenkratzen, um der laut UN &bdquo;schlimmsten humanit&auml;ren Katastrophe der Welt&ldquo; wenigstens in ihren Grundz&uuml;gen etwas entgegenzusetzen und ein weiteres Eskalieren der menschlichen Trag&ouml;die zu verhindern &ndash; um Millionen Menschen im kriegsvernichteten Land wenigstens die das &Uuml;berleben sichernde Tageskalorienzufuhr zu sichern. 24 Millionen Menschen im Jemen sind auf humanit&auml;re Hilfe angewiesen &ndash; &uuml;ber 80 Prozent der Bev&ouml;lkerung. Die Gleichg&uuml;ltigkeit der Welt und die Weigerung zu helfen werden zum Tode vieler dieser Menschen f&uuml;hren.<\/p><p><strong>Katastrophale Folgen<\/strong><\/p><p>Da die Geber sich weigern, ihre zugesagten Hilfen f&uuml;r den Jemen zu leisten, musste bereits <a href=\"https:\/\/www.msn.com\/en-us\/news\/world\/un-says-half-its-yemen-aid-programmes-hit-by-lack-of-funds\/ar-BB188XZY\">die H&auml;lfte der &uuml;ber 40 UN-Programme im Land<\/a> g&auml;nzlich eingestellt oder drastisch zur&uuml;ckgefahren werden. Schon im April wurden acht Millionen Menschen die Lebensmittelrationen halbiert, Millionen weitere werden folgen. Spezialbehandlungen hunderttausender kriegstraumatisierter Frauen und M&auml;dchen wurden eingestellt. <a href=\"https:\/\/reliefweb.int\/report\/yemen\/lack-funding-cripples-humanitarian-operations-yemen-enar\">In mehr als 300 Krankenh&auml;usern<\/a> mussten Behandlungen bereits zum Teil oder in G&auml;nze eingestellt werden und die Versorgung mit Medikamenten und Gebrauchsg&uuml;tern von 2.500 Kliniken l&auml;uft in K&uuml;rze aus, was der H&auml;lfte s&auml;mtlicher Gesundheitseinrichtungen im Jemen entspricht. Die Menschen werden wieder an einfachsten Krankheiten sterben. Unz&auml;hlige unterern&auml;hrte Kinder werden von Nahrungsmittellieferungen abgeschnitten. Das alles geschieht in Zeiten der Corona, von der die UN annimmt, dass sie sich bereits ins gesamte Land verbreitet hat. Da die Saudi-Emirate-Koalition jedoch jede erdenkliche zivile Infrastruktur im Jemen bombardiert, ist ein auch nur rudiment&auml;res Monitoring der Corona-Lage im Land undenkbar. Im Jemen w&uuml;tet eine Jahrhundert-Hungersnot und neben Dengue, Polio und Malaria grassiert die gr&ouml;&szlig;te je in der Menschheitsgeschichte registrierte Choleraepidemie. Und die Welt dreht dem Land kollektiv den R&uuml;cken zu &ndash; das ist keine Gleichg&uuml;ltigkeit, kein blo&szlig;es Desinteresse, das ist Mord durch Unterlassung.<\/p><p>Lise Grande, die Humanit&auml;re Koordinatorin der UN f&uuml;r den Jemen, <a href=\"https:\/\/reliefweb.int\/report\/yemen\/lack-funding-cripples-humanitarian-operations-yemen-enar\">klagt an<\/a>: &bdquo;Dies ist die schlimmste humanit&auml;re Krise der Welt, doch wir haben nicht die Ressourcen, die wir brauchen, um diese Menschen zu retten. Sie leiden und werden sterben, wenn wir nicht helfen.&ldquo;<\/p><p><strong>Wer zahlt was?<\/strong><\/p><p>Mark Lowcock, der Nothilfekoordinator der Vereinten Nationen, <a href=\"https:\/\/edition.cnn.com\/2020\/09\/15\/middleeast\/yemen-funding-crisis-intl\/index.html\">beschreibt gegen&uuml;ber CNN<\/a> auch die psychischen Auswirkungen ausbleibender Zahlungen auf die Menschen vor Ort: &bdquo;Ich finde es besonders verwerflich f&uuml;r L&auml;nder, die letztes Jahr Beitr&auml;ge geleistet haben und auch f&uuml;r dieses Jahr neue Beitr&auml;ge zugesagt hatten, jetzt nicht bezahlen zu wollen. Erst geben sie den Menschen Hoffnung, dass Hilfe bestimmt bald kommen wird, und dann zahlen sie nicht und zerst&ouml;ren so die Hoffnungen der Menschen.&ldquo;<\/p><p>Von den f&uuml;r 2020 bereits eingegangenen 1,6 Milliarden Dollar wurden 1,3 Milliarden von insgesamt 33 Regierungen aufgebracht und weitere 300 Millionen von 35 Organisationen und Stiftungen (die meisten davon andere UN-Organisationen). Mit 530 Millionen Dollar sind die USA dieses Jahr der gr&ouml;&szlig;te Geber (R&uuml;ckgang um ein Drittel zum Vorjahr), gefolgt von Saudi-Arabien mit 330 Millionen (R&uuml;ckgang um drei Viertel), Deutschland mit 171 Millionen (R&uuml;ckgang um fast zwei F&uuml;nftel) und Gro&szlig;britannien mit 147 Millionen (R&uuml;ckgang um ein Drittel). &Uuml;ber Intentionen dieser zumindest formal hohen Zahlungen m&ouml;chte ich nicht spekulieren, nur sollten wir im Hinterkopf behalten, dass die Regierungen dieser vier L&auml;nder auf die eine oder andere Weise zu den Hauptverantwortlichen f&uuml;r das Elend im Jemen geh&ouml;ren. Die Regierungen anderer reicher L&auml;nder sollten angesichts der Betr&auml;ge, die sie zur Bek&auml;mpfung der &bdquo;schlimmsten humanit&auml;ren Katastrophe der Welt&ldquo; gespendet haben, vor Scham im Boden versinken: Schweiz (10,7 Millionen US-Dollar), Frankreich (6,5 Millionen), Russland (4 Millionen), D&auml;nemark (1,1 Millionen), Katar (0,8 Millionen), Spanien (0,4 Millionen), Tschechien (0,3 Millionen), Litauen, Bulgarien und Zypern je rund 55.000 und dem unversch&auml;mt reichen Vatikan waren seine hungerleidenden Glaubensschwestern und -br&uuml;der im Jemen die g&ouml;ttlich gro&szlig;z&uuml;gige Summe von sage und schreibe 7.500 Dollar wert. (<a href=\"https:\/\/fts.unocha.org\/appeals\/925\/donors?order=total_funding&amp;sort=desc\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Hier<\/a> kann die vollst&auml;ndige Gebertabelle eingesehen werden.)<\/p><p>In einer Mischung aus Orwells Neusprech und Trumps alternativen Fakten erkl&auml;rte ein Sprecher der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), die neben Saudi-Arabien die zweite treibende Kraft im Krieg gegen den Jemen sind und keinen einzigen Cent gespendet haben, <a href=\"https:\/\/edition.cnn.com\/2020\/09\/15\/middleeast\/yemen-funding-crisis-intl\/index.html\">von CNN auf die ausbleibenden Zahlungen angesprochen<\/a>: &bdquo;Das Engagement der VAE f&uuml;r das jemenitische Volk ist unersch&uuml;tterlich &ndash; die VAE werden auch in Zukunft einer der gr&ouml;&szlig;ten Geber f&uuml;r den Jemen sein, solange diese Unterst&uuml;tzung erforderlich ist&ldquo;.<\/p><p><strong>Elend als politisches Faustpfand<\/strong><\/p><p>In den letzten beiden Kriegsjahren 2018 und 2019 blieben 19 beziehungsweise 13 Prozent der f&uuml;r die UN-Hilfsprogramme im Jemen ben&ouml;tigten Gelder ungedeckt, in diesem Jahr sind es bis Stichtag 10. Dezember ganze 52 Prozent ausgebliebener &Uuml;berweisungen.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/201213-FTS_Trends_in_response_plan_appeal_requirements_Yemen_2020_as_of_2020-12-10.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/201213-FTS_Trends_in_response_plan_appeal_requirements_Yemen_2020_as_of_2020-12-10.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Quelle: <a href=\"https:\/\/fts.unocha.org\/appeals\/925\/summary\">Financial Tracking System, U.N. Office for the Coordination of Humanitarian Affairs<\/a><\/p><p>Dieser Einbruch trifft die Menschen im Norden des Landes &ndash; jene in den angestammten und eroberten Gebieten der Houthi-Rebellen um die Hauptstadt Sana&rsquo;a bis nordw&auml;rts zum jemenitisch-saudischen Grenzgebiet &ndash; besonders hart, da Hilfsprogramme in den Rebellengebieten stets als erste eingestellt werden. Den Houthis wurde in der Vergangenheit des &Ouml;fteren vorgeworfen, internationale Hilfen zu politisieren, <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2019\/jun\/17\/yemens-houthi-rebels-accused-of-diverting-food-aid-from-hungry\">indem Lieferungen umgelenkt oder strategisch zur&uuml;ckgehalten<\/a> und so als politisches Druckmittel eingesetzt werden. Sprecher der Rebellen weisen die Vorw&uuml;rfe erwartungsgem&auml;&szlig; kategorisch zur&uuml;ck, doch kommt &ndash; oder zumindest kam es in der Vergangenheit &ndash; <a href=\"https:\/\/edition.cnn.com\/2019\/05\/20\/middleeast\/yemen-houthi-aid-investigation-kiley\/index.html\">glaubhaften Berichten und Quellen zufolge<\/a> wiederholt zu derartigen F&auml;llen. Dieses Vorgehen der Houthis ist ohne Frage mit Nachdruck zu verurteilen, doch kann es nie als Rechtfertigung herhalten, zuk&uuml;nftige Hilfen einzustellen.<\/p><p>Die drei treibenden Kriegsparteien Saudi-Arabien, Emirate und USA nehmen eben diese Vorw&uuml;rfe gegen die Houthis als Vorwand f&uuml;r ihre ausbleibenden oder stark reduzierten Zahlungen. Wenn diese L&auml;nder ihrerseits nun ihren finanziellen Zusagen nicht nachkommen, ergehen sie sich in der exakt selben sch&auml;ndlichen Taktik der Politisierung humanit&auml;rer Hilfen, die sie den Houthi-Rebellen vorwerfen. Zwar ein g&auml;nzlich anderer Kontext, doch erinnert mich das zugrundeliegende Mindset an die Gefl&uuml;chtetenpolitik der EU, die ebenfalls Notrettung politisiert, wenn sie strategisch abw&auml;gt, ob Menschen gerettet werden oder im Mittelmeer ertrinken sollen &ndash; durch Unterlassung get&ouml;tete Menschen als politische Signale.<\/p><p>Die verschiedenen UN-Organisationen im Jemen m&uuml;ssen umgehend mit den n&ouml;tigen finanziellen Mitteln ausgestattet werden, um Millionen Menschen im Nordjemen vor dem drohenden Hungertod zu bewahren. Die Instrumentalisierung von Hilfslieferungen und -zahlungen, um so politischen Druck auf diese oder jene Partei aufzubauen, ist moralisch zutiefst verwerflich und die Verantwortlichen geh&ouml;ren daf&uuml;r ge&auml;chtet. Humanit&auml;re Hilfe darf niemals zum Spielchip auf dem Pokertisch der M&auml;chtigen werden, denn die Leidtragenden dieser politischen Machtgepl&auml;nkel sind jedes Mal einzig und allein die hungernden Kinder, Frauen und M&auml;nner im Jemen. Ihr verzweifeltes Elend wird zum blo&szlig;en machtpolitischen Faustpfand herabgew&uuml;rdigt.<\/p><p><strong>Perspektivwechsel<\/strong><\/p><p>Wenn wir mit Milliardenbetr&auml;gen hantieren, ist es f&uuml;r das menschliche Gehirn schwer bis unm&ouml;glich, den Bezug zur Realit&auml;t nicht zu verlieren &ndash; oder besser: diesen Bezug &uuml;berhaupt erst einmal herzustellen. Ob da hinter der 1 nun elf oder f&uuml;nfzehn Nullen stehen, &auml;ndert im Grunde nichts an unserer mangelnden F&auml;higkeit, diese Zahlen tats&auml;chlich in irgendein Verh&auml;ltnis zu real existierenden Dingen zu setzen: Was sch&auml;tzen Sie spontan, wie lange werden 100 Menschen von Spaghetti mit Tomatenso&szlig;e im Wert von 1 Milliarde Euro satt?[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] Unser Steinzeitgehirn wurde von der Evolution f&uuml;r solche Dimensionen nicht ausgelegt. Doch es kann f&uuml;r das Verst&auml;ndnis gro&szlig;er Zahlen durchaus helfen, wenn wir sie ins Verh&auml;ltnis zu anderen gro&szlig;en Zahlen setzen.<\/p><p>Die 2020 f&uuml;r UN-Hilfsprogramme im Jemen ben&ouml;tigten 3,38 Milliarden US-Dollar entsprechen 1,8 Prozent vom Verm&ouml;gen des Amazon-CEOs Jeff Bezos (<a href=\"https:\/\/www.forbes.com\/profile\/jeff-bezos\/?sh=306dd9fc1b23\">186 Milliarden<\/a>), dem reichsten Menschen der Welt. Oder auch dem, was Bezos <a href=\"https:\/\/www.businessinsider.com\/what-amazon-ceo-jeff-bezos-makes-every-day-hour-minute-2018-10\">alle 16 Tage an zus&auml;tzlichem Verm&ouml;gen anh&auml;uft<\/a>. Die f&uuml;r den Jemen ben&ouml;tigte UN-Hilfe entspricht auch 1,3 Prozent der <a href=\"https:\/\/www.sipri.org\/sites\/default\/files\/2019-12\/1912_fs_top_100_2018.pdf\">Jahresums&auml;tze der 15 gr&ouml;&szlig;ten R&uuml;stungsschmieden der Welt<\/a>, heruntergerechnet also dem, was diese alle f&uuml;nf Tage mit dem Verkauf ihres T&ouml;tungswerkzeugs umsetzen. Der f&uuml;r den Jemen ben&ouml;tigte Betrag entspricht weiterhin mageren 0,04 Prozent der <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/37880\/umfrage\/geldvermoegen-der-privathaushalte-in-deutschland\/\">Geldverm&ouml;gen privater Haushalte in Deutschland<\/a> (6,3 Billionen Euro) oder auch dem, was die <a href=\"https:\/\/www.sipri.org\/sites\/default\/files\/2020-04\/fs_2020_04_milex_0.pdf\">Regierungen dieser Welt<\/a> alle 15 Stunden f&uuml;rs Milit&auml;r ausgeben. W&uuml;rde Jeff Bezos also nur 16 Tage auf seinen Verm&ouml;genszuwachs verzichten oder die deutschen Privathaushalte nicht einmal ein halbes Promille ihrer Verm&ouml;gen abgeben oder die gro&szlig;en R&uuml;stungsschmieden f&uuml;nf Tage ihre Ums&auml;tze spenden oder die Welt f&uuml;r 15 Stunden kein Geld ins Milit&auml;r stecken: m&uuml;sste im Jemen f&uuml;r ein ganzes Jahr lang kein Mensch am Hunger sterben und 29 Millionen Jemenitinnen und Jemeniten k&ouml;nnten in Verh&auml;ltnissen leben, die wenigstens entfernt in die N&auml;he von dem k&auml;men, was wir als ein Leben in W&uuml;rde bezeichnen w&uuml;rden.<\/p><p>Die Bundesregierung verkaufte seit Kriegsbeginn im M&auml;rz 2015 Waffensysteme im Wert von <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62134\">12,6 Milliarden Euro<\/a> an die L&auml;nder, die gegen den Jemen Krieg f&uuml;hren &ndash; und zahlte dieses Jahr im Vergleich dazu 171 Millionen Euro f&uuml;r UN-Hilfen im Jemen. Anders formuliert: F&uuml;r die Versorgung der Opfer, die ihre Waffen im Jemen hervorgebracht haben, bringt die Bundesregierung 2020 ein mageres Prozent von dem auf, was sie in f&uuml;nf Jahren f&uuml;r die Zerst&ouml;rung des Landes im Namen deutscher R&uuml;stungsschmieden verkauft hat. Mit ihren Hilfszahlungen mag sie sich altruistisch und gro&szlig;z&uuml;gig geben &ndash; ist sie immerhin der drittgr&ouml;&szlig;te Einzelspender &ndash; doch sind diese Zahlungen bei genauem Hinsehen nur zweierlei: der Versuch des Reinwaschens der eigenen Jemen-Weste und damit die Verh&ouml;hnung der Menschen vor Ort, die Verh&ouml;hnung ihres Leids.<\/p><p>Unsere Priorit&auml;ten als Volkswirtschaft, als Staat, und auch als Gesellschaft halten keinerlei &Uuml;berpr&uuml;fung stand, zumindest nicht nach rudiment&auml;ren Ma&szlig;st&auml;ben der Menschlichkeit und Empathie. Falls wir je einen hatten, haben wir unseren moralischen Kompass vor langer Zeit verloren. Nein, die Menschen im Jemen interessieren uns nicht. Die Welt hat den Jemen schon lange im Stich gelassen, sie hat ihn verraten.<\/p><p>Titelbild: anasalhajj\/shutterstock.com<\/p><p><em><strong>Nachtrag:<\/strong> Anstelle der Regierungen weltweit, die ihrer Verantwortung gegen&uuml;ber dem Jemen nicht nachkommen wollen, m&ouml;chte ich Sie an dieser Stelle bitten, eine Spende f&uuml;r Hilfsorganisationen im Jemen in Erw&auml;gung zu ziehen. Ich m&ouml;chte Ihnen die deutsch-jemenitische Organisation <a href=\"http:\/\/yemen-friends.org\/\">Yemen Friends<\/a> ans Herz legen, mit der ich sowohl Deutschland- als auch Jemen-seitig in Kontakt bin und ihre Arbeit &uuml;ber ihre Monatsberichte und auf ihrer <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Yemen.Friends2017\">Facebook-Seite verfolge<\/a>. F&uuml;r 25 Euro kann ein Essenskorb f&uuml;r eine sechsk&ouml;pfige Familie finanziert werden, der Grundnahrungsmittel wie Reis, Mehl, Zucker, &Ouml;l, Datteln und H&uuml;lsenfr&uuml;chte f&uuml;r einen Monat enth&auml;lt (teils auch Kleidung und Medikamente). Jeder Euro z&auml;hlt. Am unproblematischsten bitte &uuml;ber PayPal an: <a href=\"https:\/\/www.paypal.com\/paypalme\/YemenFriends\">paypal.me\/YemenFriends<\/a><\/em><br>\n<em>Vielen Dank!<\/em><\/p><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Mit 1 Milliarde Euro k&ouml;nnten sich 100 Menschen rund 40.000 Jahre lang von Spaghetti mit Tomatenso&szlig;e ern&auml;hren. (Gesamtpreis f&uuml;r 300 Gramm Spaghetti sowie Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch, &Ouml;l, Gew&uuml;rze &uuml;berschlagen mit 70 Cent pro Person und Tag, genau 39.138 Jahre.) <\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jemen w&uuml;tet die laut UN &bdquo;schlimmste humanit&auml;re Katastrophe der Welt&ldquo;: Zu einer Jahrhundert-Hungersnot gesellen sich Dengue, Polio und Malaria. Es grassiert die gr&ouml;&szlig;te je in der Menschheitsgeschichte registrierte Choleraepidemie und auch die Corona hat sich vermutlich im gesamten Land ausgebreitet. &Uuml;ber 80 Prozent der Menschen sind auf humanit&auml;re Hilfen angewiesen. Doch vom Kleinstbetrag von<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67895\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":67897,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,20,161],"tags":[2222,1573,929,849,1481,639],"class_list":["post-67895","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-landerberichte","category-wertedebatte","tag-humanitaere-hilfe","tag-jemen","tag-krankheiten","tag-nahrungsmittel","tag-spendenaufruf","tag-uno"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/shutterstock_1201213312.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/67895","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=67895"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/67895\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":67959,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/67895\/revisions\/67959"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/67897"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=67895"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=67895"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=67895"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}