{"id":68008,"date":"2020-12-15T10:24:26","date_gmt":"2020-12-15T09:24:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68008"},"modified":"2020-12-15T11:16:29","modified_gmt":"2020-12-15T10:16:29","slug":"leserbrief-zur-diskussion-in-der-und-um-die-friedensbewegung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68008","title":{"rendered":"Leserbrief zur Diskussion in der und um die Friedensbewegung"},"content":{"rendered":"<p>Am 14. Dezember hatten wir diesen Beitrag ver&ouml;ffentlicht: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67996\">Verschiedene Sichten vom Krefelder Appell. Oder: &Uuml;ber die Ausf&auml;cherung der Friedensbewegung<\/a>. Die in diesem Text wiedergegebene Kommentierung einer fr&uuml;heren Ver&ouml;ffentlichung zum Thema Krefelder Appell hat einige Irritationen ausgel&ouml;st. Karl-Heinz Peil versucht in seinem Leserbrief, eine Br&uuml;cke zu bauen. Danke. Hier ist seine Mail. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nLieber Herr M&uuml;ller, <\/p><p>zu einer Replik auf den kritischen Beitrag von Wolfgang Jung zu dem NDS-Beitrag von Reiner Braun und Horst Trapp muss eines vorweg gestellt werden: Die Verdienste von Wolfgang Jung seit den 80er Jahren und insbesondere seine Auseinandersetzung mit der US Air Base Ramstein, vor allem publizistisch gef&uuml;hrt &uuml;ber seine langj&auml;hrig bis heute herausgegebene Luftpost, sind unstrittig. Umso bedauerlicher ist es deshalb, dass Wolfgang Jung sich in der letzten Zeit zunehmend in einer Weise &auml;u&szlig;ert, die typische Merkmale von linkem Sektierertum und realit&auml;tsfernen Wunschdenken aufweist. Zun&auml;chst mal ist es generell unredlich, den kritisierten Autoren vorzuwerfen, was in ihrem Beitrag nicht erw&auml;hnt wurde. Es sei denn, der behandelte Kontext w&uuml;rde damit grob verzerrt. So w&auml;re nat&uuml;rlich der Krefelder Appell nicht zustande gekommen, wenn es nicht bereits seit den 70er Jahren eine starke Friedensbewegung gegeben h&auml;tte. Dabei spielte das Komitee f&uuml;r Frieden, Abr&uuml;stung und Zusammenarbeit (KOFAZ) eine tragende Rolle. Muss man dieses in einem Beitrag &uuml;ber den Krefelder Appell erw&auml;hnen? Kann man durchaus, muss man aber nicht unbedingt, da sich mit dem Krefelder Appell neue Strukturen der Friedensbewegung herausgebildet haben, die auch zur KOFAZ-Aufl&ouml;sung gef&uuml;hrt haben. Nebenbei bemerkt: Der kritisierte Co-Autor Horst Trapp ist derjenige, der seinerzeit ma&szlig;geblich im KOFAZ aktiv war und die heute auf Fahnen, Aufklebern und Logos verwendete Friedenstaube als &ldquo;das&rdquo; Symbol der deutschen Friedensbewegung einf&uuml;hrte. <\/p><p>Es sollte bei dem von Wolfgang Jung kritisierten Beitrag ja auch &uuml;berhaupt nicht um die nicht vorhandene Nostalgie gehen, sondern um Bez&uuml;ge zur heutigen Situation. <\/p><p>Auch bei der (Hybrid-)Veranstaltung am 15.11. in Frankfurt zum 40. Jahrestag des Krefelder Appells wurde dieses von den beiden Autoren in ihren Beitr&auml;gen herausgestellt. Ein Hauptredner dieser Veranstaltung war Frank Deppe, der das politische Umfeld beleuchtete, das dem Krefelder Appell vorausging. Er erw&auml;hnte dabei vor allem die innenpolitischen Ver&auml;nderungen in Deutschland seit den 60er Jahren, die nicht nur zur Entspannungspolitik unter Willy Brandt, sondern angesichts eines international ver&auml;nderten Kr&auml;fteverh&auml;ltnisses auch zum nachhaltigen Wirken von sozialdemokratischen Politikern wie Bruno Kreisky und Olaf Palme f&uuml;hrten. <\/p><p>Was wir heute international erleben, ist die Erosion dieser Entwicklung, die sich auch in der weitestgehenden Marginalisierung der OSZE als<br>\n&ldquo;&Uuml;berbleibsel&rdquo;&nbsp; zeigt. <\/p><p>Wenn Wolfgang Jung nun meint, man m&uuml;sse nur die &ldquo;richtigen&rdquo; Forderungen stellen wie &ldquo;NATO raus &ndash; raus aus der NATO&rdquo;, dann verkennt er v&ouml;llig die<br>\nheutige Situation. Bei der Positionierung im Umgang mit der NATO, die auch innerhalb der Partei Die LINKE sehr kontrovers ist, handelt es sich faktisch um einen &ldquo;Nebenkriegsschauplatz&rdquo;, da man unter R&uuml;ckbesinnung auf die letzten Jahrzehnte eine Wiederbelebung der vorhandenen gesamteurop&auml;ischen Institutionen fordern muss &ndash; wozu neben der OSZE auch der Europarat geh&ouml;rt. Auf dieser Basis w&uuml;rde sich n&auml;mlich die Frage zum Umgang mit der NATO fast von selbst beantworten. Was von Wolfgang Jung hingegen als &ldquo;Nebenkriegsschauplatz&rdquo; bezeichnet wird, entwickelt sich hingegen sehr vielversprechend. W&auml;hrend Wolfgang Jung meint, sich an dem sehr bemerkenswerten Beitrag von Heribert Prantl in der SZ zur Friedensbewegung abarbeiten zu m&uuml;ssen, sollte etwas anderes hervorgehoben werden, worauf Reiner Braun bei der Veranstaltung am 15.11. in Frankfurt hingewiesen hat: Die am 9. Mai 2020 in der SZ platzierte Anzeige der Initiative &bdquo;Abr&uuml;sten statt Aufr&uuml;sten&ldquo; wurde von allen (!) Vorsitzenden der DGB-Einzelgewerkschaften unterst&uuml;tzt. Ein weiteres Novum: Bei den j&uuml;ngsten Tarifauseinandersetzungen von ver.di wurde auch argumentativ eingebracht, dass &uuml;ber eine K&uuml;rzung von Milit&auml;rausgaben sehr wohl Geld vorhanden sei. <\/p><p>Es ist also einiges in Bewegung. Eine harte Nuss ist hingegen noch der Umgang mit den f&uuml;hrenden Politikern der Gr&uuml;nen. Die Urspr&uuml;nge dieser Partei sind zwar etwas &auml;lter als der Krefelder Appell, jedoch hat sich diese Partei gerade in dieser Zeit als pazifistische, neue politische Kraft mit integrierender Wirkung f&uuml;r unterschiedliche au&szlig;erparlamentarische Bewegungen entwickelt. Das dokumentiert auch heute noch der Namensgeber der parteinahen Stiftung: Heinrich B&ouml;ll. Die Gr&uuml;nen standen trotz der von Wolfgang Jung v&ouml;llig zu Recht erw&auml;hnten antikommunistischen Position f&uuml;r eine politische Bandbreite in der Friedensbewegung, die heute nicht mehr denkbar w&auml;re. Anstatt die Politik der Gr&uuml;nen in den fr&uuml;hen 80er Jahre zu kommentieren, sollte man dieser Partei heute st&auml;ndig den Spiegel vorhalten. Die Gr&uuml;nen stehen f&uuml;r eine Metamorphose vom Pazifismus zum Bellizismus &ndash; Heinrich B&ouml;ll w&uuml;rde sich heute im Grabe umdrehen. <\/p><p>Herzliche Gr&uuml;&szlig;e<br>\nKarl-Heinz Peil <\/p><p>P.S.: Beitr&auml;ge von der Veranstaltung vom 15.11. (leider noch nicht von Frank Deppe) finden sich auf: <a href=\"http:\/\/www.frieden-und-zukunft.de\">www.frieden-und-zukunft.de<\/a>&nbsp; bzw. auch unter <a href=\"http:\/\/www.friedensratschlag.de\/?Online-Publikationen:Standpunkte_in_der_Friedensbewegung\">http:\/\/www.friedensratschlag.de\/?Online-Publikationen:Standpunkte_in_der_Friedensbewegung<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 14. Dezember hatten wir diesen Beitrag ver&ouml;ffentlicht: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67996\">Verschiedene Sichten vom Krefelder Appell. Oder: &Uuml;ber die Ausf&auml;cherung der Friedensbewegung<\/a>. Die in diesem Text wiedergegebene Kommentierung einer fr&uuml;heren Ver&ouml;ffentlichung zum Thema Krefelder Appell hat einige Irritationen ausgel&ouml;st. Karl-Heinz Peil versucht in seinem Leserbrief, eine Br&uuml;cke zu bauen. Danke. 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