{"id":68119,"date":"2020-12-18T08:14:16","date_gmt":"2020-12-18T07:14:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68119"},"modified":"2020-12-18T10:53:26","modified_gmt":"2020-12-18T09:53:26","slug":"navalny-corona-virus-und-neue-russischen-waffen-wladimir-putin-nimmt-auf-jahrespressekonferenz-zu-fragen-stellung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68119","title":{"rendered":"Navalny, Corona-Virus und neue russische Waffen &#8211; Wladimir Putin nimmt auf Jahrespressekonferenz zu Fragen Stellung"},"content":{"rendered":"<p>Viereinhalb Stunden dauerte die diesj&auml;hrige Jahrespressekonferenz (<a href=\"http:\/\/en.kremlin.ru\/events\/president\/news\/64671\">Protokoll<\/a>) des russischen Pr&auml;sidenten Wladimir Putin. Im Mittelpunkt stand die Corona-Pandemie, Preiserh&ouml;hungen, soziale Missst&auml;nde und das Verh&auml;ltnis Russlands zu anderen Staaten. Wladimir Putin erkl&auml;rte, Russland k&ouml;nne im internationalen Vergleich stolz sein auf seine Leistungen im Kampf gegen das Corona-Virus. Ein R&uuml;stungswettlauf f&uuml;rchte Russland nicht. Denn trotz eines viel geringeren Verteidigungsbudgets sei Russland dank kluger K&ouml;pfe den Amerikanern bei den Hyperschallwaffen voraus. Trotz coronabedingtem Produktionsr&uuml;ckgang stehe Russland heute viel besser da als in den 1990er Jahren, als die Menschen monatelang auf Renten und L&ouml;hne warten mussten. Aus Moskau von <strong>Ulrich Heyden<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Regierungsnaher Journalist fragte zum Fall Navalny<\/strong><\/p><p>Der &bdquo;SPIEGEL&ldquo; hatte offenbar gehofft, dass die zusammen mit Bellingcat und CNN vorgelegte &bdquo;Untersuchung&ldquo; zum Fall Navalny auf der Jahreskonferenz von Putin wie eine Bombe einschlagen w&uuml;rde. Doch dem war nicht so. Keiner der Journalisten verteidigte die &bdquo;Untersuchung&ldquo; des SPIEGEL. <\/p><p>Nach der Meinung von Putin zu der SPIEGEL-&bdquo;Untersuchung&ldquo; fragte kein Kreml-Kritiker, sondern ein Journalist des regierungsnahen Internetportals Life.ru. Der Journalist stellte die v&ouml;llig sachliche Frage, &bdquo;warum wurde bisher kein Verfahren wegen seiner Vergiftung eingeleitet und wer ihn vergiftet hat&ldquo;.<\/p><p><strong>Putin: Legalisierung von geheimdienstlichen Behauptungen<\/strong><\/p><p>Putin antwortete, das vom SPIEGEL und anderen vorgelegte Material sei keine Untersuchung, sondern &bdquo;eine Legalisierung&ldquo; von US-Geheimdiensten ausgedachten Behauptungen. &bdquo;Der Patient der Berliner Klinik erh&auml;lt Unterst&uuml;tzung von den Geheimdiensten der USA&ldquo;, sagte Putin. Den Namen von Navalny nennt der russische Pr&auml;sident prinzipiell nicht. <\/p><p>F&uuml;r SPIEGEL Online waren die Aussagen Putins auf der Jahrespressekonferenz zum Fall Navalny <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/wladimir-putin-dementiert-giftanschlag-auf-alexej-nawalny-a-4a6b6a8e-684f-451a-96a4-46704eaf2536\">&bdquo;bizarr&ldquo;<\/a>. Da Navalny mit seinen unendlichen Anti-Korruptions-Kampagnen exakt das in den USA entwickelte Programm f&uuml;r &bdquo;bunte Revolutionen&ldquo; in Osteuropa abarbeitet, ist der Vorwurf von Putin zumindest nicht an den Haaren herbeigezogen. Mangelnde Sachkenntnis dar&uuml;ber, wie Geheimdienste arbeiten, kann man dem russischen Pr&auml;sidenten, der selbst lange im KGB und sp&auml;ter im FSB arbeitete, zudem kaum vorwerfen.<\/p><p><strong>Putin: FSB-Mitarbeiter benutzen auch Telefone<\/strong><\/p><p>Putin berichtete auf der Jahrespressekonferenz, die FSB-Mitarbeiter w&uuml;rden Telefone an Orten benutzen, &bdquo;wo sie meinen, dass sie sich nicht verbergen m&uuml;ssen.&ldquo; Diese Aussage scheint eher realistisch als bizarr. <\/p><p>Weil die US-Geheimdienste Navalny unterst&uuml;tzten, m&uuml;sse der russische Geheimdienst ein Auge auf den &bdquo;Berliner Patienten&ldquo; werfen. &bdquo;Aber&ldquo; &ndash; so Putin &ndash; &bdquo;das hei&szlig;t ganz und gar nicht, dass man ihn umbringen muss. Wen interessiert der schon? Wenn man es wollte (ihn umbringen, UH), h&auml;tte man die Sache wahrscheinlich zu Ende gef&uuml;hrt. Aber seine Frau hat sich an mich gewandt und ich habe in einer Sekunde den Befehl gegeben, ihn zur Pflege nach Deutschland ausreisen zu lassen.&ldquo;<\/p><p>Leider, so erkl&auml;rte der russische Pr&auml;sident, verstehe das &bdquo;breite Publikum&ldquo; nicht, dass man mit der L&uuml;ge von der Vergiftung Navalnys auf hochgestellte Personen, wie den russischen Pr&auml;sidenten, ziele. Im politischen Kampf w&uuml;rden solche &bdquo;Tricks&ldquo; angewandt. <\/p><p>Putin mahnte, um Beachtung zu finden, m&uuml;sse man &bdquo;nicht mit Tricks arbeiten, sondern ein konkretes Programm vorlegen, welches so realistisch ist, dass es in einem konkreten Land, in diesem Fall unserem Land, angewandt werden kann.&ldquo; Der russische Pr&auml;sident erkl&auml;rte, er rufe &bdquo;alle unsere Opponenten auf&ldquo;, sich &bdquo;nicht von Ambitionen leiten zu lassen&ldquo;, sondern &bdquo;ein positives Programm vorzulegen&ldquo;, um die Fragen zu l&ouml;sen, vor denen Russland steht. <\/p><p><strong>Online-Pressekonferenz &uuml;ber mehrere St&auml;dte verteilt<\/strong><\/p><p>Die Jahrespressekonferenz des russischen Pr&auml;sidenten war wegen der Pandemie als Online-Veranstaltung und mit Sicherheitsabst&auml;nden organisiert worden. Der russische Pr&auml;sident trat in seiner Vorstadtresidenz Nowo-Ogarjowo vor einem kleinen Kreis von Journalisten auf. Online zugeschaltet war ein gro&szlig;er Saal mit zweihundert russischen und ausl&auml;ndischen Journalisten im Moskauer Internationalen Handelszentrum und mehrere kleinere S&auml;le in verschiedenen St&auml;dten Russlands, in denen sich Journalisten regionaler Medien versammelt hatten. <\/p><p>Insgesamt wurden dem russischen Pr&auml;sidenten 60 Fragen gestellt. Es fragten nicht nur Journalisten. Zus&auml;tzlich wurden aus einem Call-Center noch Fragen und Beschwerden von B&uuml;rgern vorgelesen. <\/p><p>Hauptthema der Veranstaltung war die Corona-Virus-Pandemie. In Moskau sind die Unternehmen verpflichtet, dass 30 Prozent der Mitarbeiter von Zuhause arbeiten. Sch&uuml;ler der h&ouml;heren Klassen bekommen zuhause Online-Unterricht. Menschen &uuml;ber 65 Jahre sind angehalten, zuhause zu bleiben und nur f&uuml;r allern&ouml;tigste Besorgungen aus dem Haus zu gehen. <\/p><p><strong>&bdquo;Ein Meer von Problemen&ldquo;<\/strong><\/p><p>Putin erkl&auml;rte, wegen des Coronavirus g&auml;be es &bdquo;ein Meer von Problemen&ldquo;. Man k&ouml;nne aber &bdquo;mit Sicherheit sagen, dass wir diese Probleme w&uuml;rdig und teilweise besser gel&ouml;st haben als andere Staaten der Welt, die zu recht stolz sind auf eine stabile Wirtschaft und ein entwickeltes Sozial- und Gesundheitssystem.&ldquo; <\/p><p>Der Kreml-Chef erkl&auml;rte, Russland habe nach den ersten Nachrichten &uuml;ber die Coronavirus-Infektionen in China schnell reagiert und somit Zeit gewonnen, um entsprechende Ma&szlig;nahmen zu treffen. Man habe die Zahl der Krankenhausbetten auf insgesamt 277.000 verdreifacht, indem man 40 Corona-Zentren gebaut habe. Auch bei der Produktion von Masken und Medikamenten habe Russland schnell aufgeholt. Bei den Tests liege Russland nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation auf Platz drei. Mit der britisch-schwedischen Firma AstraZeneca haben man einen Vertrag unterschrieben.  <\/p><p>Russland sei das erste Land, welches mit der Produktion von Impfstoffen gegen das Corona-Virus begonnen habe. Die Impfstoffe hei&szlig;en Sputnik V und Vektor. Putin erkl&auml;rte, er werde sich impfen lassen, sobald der Impfstoff f&uuml;r seine Altersgruppe da sei. Eine Massenimpfung sei &ndash; so der russische Pr&auml;sident &ndash; das beste Mittel, um eine Immunit&auml;t im nationalen Ma&szlig;stab zu erreichen. <\/p><p><strong>Russische Impfdosen sollen auch im Ausland produziert werden<\/strong><\/p><p>Zum Beginn des n&auml;chsten Jahres werde man &bdquo;Millionen Impfdosen&ldquo; haben. Man werde die Produktionskapazit&auml;ten z&uuml;gig ausbauen. Bisher reiche die technische Ausr&uuml;stung in Russland nicht aus, um die n&ouml;tige Zahl von Impfdosen zu produzieren. Deshalb sei geplant, Komponenten f&uuml;r die Impfdosen auch in ausl&auml;ndischen Staaten zu produzieren. Das Ziel sei es, 70 Millionen Menschen, also die H&auml;lfte der Bev&ouml;lkerung Russlands, gegen das Corona-Virus zu impfen. <\/p><p>Alewtina Kilseljowa, eine Freiwillige, die w&auml;hrend der Jahrespressekonferenz im Moskauer Call-Center die Anrufe von B&uuml;rgern aus ganz Russland angenommen hatte, berichtete dem russischen Pr&auml;sidenten &uuml;ber die raue Realit&auml;t im Land. Die Freiwillige erkl&auml;rte, es g&auml;be Probleme mit den Tests und Probleme, einen Arzt zu sich nach Hause zu rufen. In Apotheken und Krankenh&auml;usern mangele es an Medikamenten. Auf einen Krankenwagen m&uuml;sse man eine Woche warten. Im Gebiet Murmansk, Swerdlowsk und Nischni-Nowgorod g&auml;be es Probleme bei der Zahlung der versprochenen Zuschl&auml;ge f&uuml;r &Auml;rzte, die mit corona-infizierten Patienten arbeiten. Auch Reinigungs- und K&uuml;chenpersonal, das mit Corona-Patienten direkten Kontakt habe, bekomme die versprochenen Gehaltszuschl&auml;ge oft nicht. <\/p><p>Putin erkl&auml;rte, man habe 168 Millionen Euro in die Regionen &uuml;berwiesen, f&uuml;r Schutzanz&uuml;ge und kostenlose Medikamente f&uuml;r Personen, die ihre Corona-Infektion zuhause auskurieren. Warum das Geld offenbar nicht &uuml;berall angekommen ist, m&uuml;sse gekl&auml;rt werden. Allen Klagen &uuml;ber Unzul&auml;nglichkeiten werde man nachgehen. Erst k&uuml;rzlich h&auml;tten ihm die Senatoren aus den genannten Gebieten berichtet, &bdquo;alles sei in Ordnung&ldquo;. Man werde die F&auml;lle jetzt genauer untersuchen, sagte der Pr&auml;sident.<\/p><p>Nicht mit Kritik sparte auch Aleksandr Gamow, ein bekannter Redakteur der Zeitung Komsomolskaja Prawda. Der Redakteur berichtete, er bekomme Anrufe aus den Regionen. Die Menschen berichteten ihm, dass das Leben noch nie so schwer war, die Armut steige, Arme noch &auml;rmer w&uuml;rden, die Arbeitslosigkeit zunehme und die Einkommen und die Lebenserwartung sinken. Seit August stiegen zudem auch noch die Preise.<\/p><p>Wladimir Putin erwiderte, es stimme nicht, dass das Leben in Russland noch nie so schwer war wie jetzt. Im Jahr 2000 h&auml;tten 29 Prozent der Menschen unter der Armutsgrenze gelebt. Heute seien es 13,5 Prozent. <\/p><p>Der Grund der Preissteigerungen sei, dass die russischen Exporteure ihre Preise f&uuml;r Getreide, Zucker und andere Grundnahrungsmittel nach dem Weltmarktpreis festlegen. Da m&uuml;sse die russische Regierung gegensteuern, indem sie die Z&ouml;lle erh&ouml;he. Er hoffe &ndash; so Putin &ndash; dass es bei den Preisen in einigen Wochen eine &bdquo;Erleichterung&ldquo; gebe. <\/p><p><strong>Russlands Finanzpolster w&auml;chst<\/strong><\/p><p>Die wirtschaftliche und finanzielle Situation Russlands ist nach Meinung des Kreml-Chefs leidlich. Das Bruttoinlandsprodukt sei zwar um 3,6 Prozent gesunken. Doch das sei weniger als in den f&uuml;hrenden L&auml;ndern Europas und weniger als in den USA. In Gro&szlig;britannien sei das Bruttoinlandsprodukt um neun Prozent gesunken. In Russland g&auml;be es zudem im verarbeitenden Sektor im Oktober und November 2020 ein Plus von 1,1 Prozent. In der Landwirtschaft betrage das Plus sogar 1,8 Prozent. <\/p><p>Putin erkl&auml;rte, dass die realen Einkommen um drei Prozent gesunken und die Arbeitslosigkeit von 4,7 Prozent zum Jahresbeginn auf 6,3 Prozent gestiegen sind. An den nationalen Programmen zur Modernisierung der russischen Wirtschaft, der Entwicklung von k&uuml;nstlicher Intelligenz und anderen Technologie-Programmen werde man festhalten. <\/p><p>Russlands Finanzreserven wachsen, so Putin. Die Reserven in ausl&auml;ndischen W&auml;hrungen seien von 554 zu Jahresbeginn auf jetzt 587 Milliarden Dollar gestiegen. Die Reserven des Nationalen Wohlstandsfonds seien von 86 Milliarden Euro auf 149 Milliarden Euro gestiegen. 70 Prozent der Einnahmen des russischen Haushalts stammen nicht aus dem &Ouml;l- und Gassektor. Russland k&ouml;nne man heute also nicht mehr als &bdquo;Tankstelle&ldquo; bezeichnen. <\/p><p>Titelbild: &copy; kremlin.ru<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/0515c78af3f240f1bf358c5872545cfd\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viereinhalb Stunden dauerte die diesj&auml;hrige Jahrespressekonferenz (<a href=\"http:\/\/en.kremlin.ru\/events\/president\/news\/64671\">Protokoll<\/a>) des russischen Pr&auml;sidenten Wladimir Putin. Im Mittelpunkt stand die Corona-Pandemie, Preiserh&ouml;hungen, soziale Missst&auml;nde und das Verh&auml;ltnis Russlands zu anderen Staaten. Wladimir Putin erkl&auml;rte, Russland k&ouml;nne im internationalen Vergleich stolz sein auf seine Leistungen im Kampf gegen das Corona-Virus. Ein R&uuml;stungswettlauf f&uuml;rchte Russland nicht. 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