{"id":68261,"date":"2020-12-22T11:30:35","date_gmt":"2020-12-22T10:30:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68261"},"modified":"2020-12-23T15:02:56","modified_gmt":"2020-12-23T14:02:56","slug":"venezuela-die-boykottierte-parlamentswahl-der-angekuendigte-wirtschaftliche-wiederaufbau-und-das-ende-der-juan-guaido-fiktion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68261","title":{"rendered":"Venezuela \u2013 Die boykottierte Parlamentswahl, der angek\u00fcndigte wirtschaftliche Wiederaufbau und das Ende der Juan-Guaid\u00f3-Fiktion"},"content":{"rendered":"<p>Am vergangenen 7. Dezember fand in Venezuela eine politisch bedeutsame Wahl zur Erneuerung der Nationalversammlung (Bundesparlament) statt. Die Regierung Nicol&aacute;s Maduro hatte Monate zuvor einen Aufruf zur Entsendung internationaler Wahlbeobachter ver&ouml;ffentlicht, dem nach Regierungsangaben 300 Vertreter aus 34 L&auml;ndern folgten. Die Europ&auml;ische Union (EU) weigerte sich dennoch. EU-Au&szlig;enminister Josep Borrell behauptete, der Wahlvorgang im Land verspreche keine Transparenz. Somit vollzog die EU einen Schulterschluss mit dem umstrittenen und diskreditierten Oppositionsf&uuml;hrer Juan Guaid&oacute;, der l&auml;ngst vor der Wahl der Regierung Maduro einen programmierten &bdquo;Betrug&ldquo; unterstellte und zum Abstimmungsboykott aufrief. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5353\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-68261-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201223-Venezuela-die-boykottierte-Parlamentswahl-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201223-Venezuela-die-boykottierte-Parlamentswahl-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201223-Venezuela-die-boykottierte-Parlamentswahl-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201223-Venezuela-die-boykottierte-Parlamentswahl-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=68261-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201223-Venezuela-die-boykottierte-Parlamentswahl-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"201223-Venezuela-die-boykottierte-Parlamentswahl-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die Wahl sorgte auch im Lager der Regierungspartei Vereinte Sozialistische Partei Venezuelas (PDSUV) f&uuml;r Ern&uuml;chterung. Von 20,7 Millionen Wahlberechtigten beteiligten sich lediglich 30,5 Prozent an der Abstimmung &uuml;ber die Neubesetzung des Parlaments. Im r&uuml;ckblickenden Vergleich mit dem Jahr 2005, als sich maximal 25 Prozent der W&auml;hler an den damaligen Parlamentswahlen beteiligten, ist die Wahlbeteiligung von 2020 die zweitniedrigste in der &uuml;ber zwanzigj&auml;hrigen Amtszeit des regierenden Chavismo. Indes, nach der dramatischen Wahlniederlage von 2015, als mit ansehnlich hoher Wahlbeteiligung von 73 Prozent der Chavismo die Mehrheit in der Nationalversammlung an die Opposition verlor, eroberte nun Nicol&aacute;s Maduros PDSUV mit <a href=\"https:\/\/venezuelanalysis.com\/news\/15070\">67 Prozent der abgegebenen Stimmen<\/a> die Parlamentsmehrheit zur&uuml;ck und entrei&szlig;t dessen Kontrolle Juan Guaid&oacute;, der ab 5. Januar 2021 seinen Posten als Pr&auml;sident der Nationalversammlung verliert.<\/p><p>Obwohl der 37-j&auml;hrige Guaid&oacute; von rund 60 Regierungen &ndash; darunter den USA, Brasilien und Deutschland &ndash; als &bdquo;legitimes venezolanisches Staatsoberhaupt&ldquo; anerkannt, mit milliardenschweren Betr&auml;gen von der US-Regierung Donald Trumps finanziert und auf der internationalen politischen B&uuml;hne herumgereicht wurde, gelang es ihm nie, sich in seinem eigenen Land durchzusetzen. Geschweige denn den gegen&uuml;ber der Trump-Administration geleisteten &bdquo;Schwur&ldquo; einzuhalten, den Sturz Nicol&aacute;s Maduros herbeizuf&uuml;hren. &bdquo;Trumps Politik in Venezuela ist gescheitert. Sie k&ouml;nnen ja sehen, wo Trump ist, wo ich bin und wo Guaid&oacute; geblieben ist&ldquo;, <a href=\"https:\/\/venezuelanalysis.com\/news\/15070\">witzelte Nicol&aacute;s Maduro<\/a> vor internationalen Medien nach der Doppelniederlage, also der Wahlniederlage Trumps und der venezolanischen Opposition, und setzte einen Kraftausdruck obendrauf: &bdquo;Wir h&auml;tten uns mit Trump verstanden, er hat es aber vorgezogen, auf einen Idioten zu wetten, der ihn letztendlich verraten hat&ldquo;.<\/p><p><strong>Amts- und Szenenwechsel: Joe Biden und Enrique Capriles<\/strong><\/p><p>Nicol&aacute;s Maduros Humor scheint begr&uuml;ndet. Der gew&auml;hlte US-Pr&auml;sident Joe Biden plane Verhandlungen mit dem venezolanischen Pr&auml;sidenten und ignoriere gleichzeitig die Kontaktaufnahme-Versuche Juan Guaid&oacute;s, <a href=\"https:\/\/www.bloomberg.com\/news\/articles\/2020-12-18\/biden-to-seek-talks-with-maduro-regime-in-reversal-of-trump-plan\">berichtete die US-Agentur Bloomberg<\/a> am vergangenen 18. Dezember. W&auml;hrend die Trump-Administration Maduros R&uuml;cktritt als Voraussetzung f&uuml;r Verhandlungen ansah, verlange Bidens Team dies nicht, will Bloomberg erfahren haben.<\/p><p>Demnach plane Joe Biden, im Austausch f&uuml;r die Zusicherung &bdquo;freier und fairer Wahlen&ldquo; Teile der mehr als 300 gegen Venezuela und einige seiner Regierungsfunktion&auml;re in den vergangenen Jahren erlassenen Sanktionen abzuschw&auml;chen beziehungsweise zur&uuml;ckzunehmen; allerdings mit der Einschr&auml;nkung, bestimmte, nicht n&auml;her erl&auml;uterte Sanktionen k&ouml;nnten gar erweitert werden. Bidens au&szlig;enpolitisches Berater-Team werde die bestehenden Sanktionen &uuml;berpr&uuml;fen, um festzustellen, wo die Beschr&auml;nkungen mit Hilfe internationaler Verb&uuml;ndeter erweitert und welche Ma&szlig;nahmen aufgehoben werden k&ouml;nnten, wenn Maduro sich dem demokratischen Ziel &bdquo;n&auml;hert&rdquo;, hei&szlig;t es einem von Bloomberg zitierten Positionspapier. F&uuml;r die beabsichtigten Verhandlungen erwarte die zuk&uuml;nftige Biden-Regierung allerdings die Zustimmung ausl&auml;ndischer Regierungen, die Nicol&aacute;s Maduro unterst&uuml;tzen, darunter Russlands, Chinas und des Iran.<\/p><p>Doch der angek&uuml;ndigten internationalen Wende ging eine innenpolitische Ver&auml;nderung in Venezuela voraus. Drei Monate vor der Parlamentswahl kehrte der ehemalige Oppositionsf&uuml;hrer und Landesgouverneur Enrique Capriles Radonski an die vorderste Front der Opposition gegen Maduro zur&uuml;ck. &bdquo;Die Landkarte der Opposition &auml;ndert sich, die in mehrfacher Hinsicht von entscheidender Bedeutung sein wird. Maduros Begnadigungen haben Washingtons Position nicht ver&auml;ndert&ldquo;, doch &bdquo;nicht einmal US-Au&szlig;enminister Mike Pompeo scheint in der Lage zu sein, Juan Guaid&oacute; zu retten&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.pagina12.com.ar\/289678-la-vuelta-de-henrique-capriles-sacude-a-la-oposicion-venezol\">kommentierte Marco Teruggio<\/a> in der argentinischen Tageszeitung <em>Pagina12<\/em>.<\/p><p>Mit Capriles wird seit vergangenem September Juan Guaid&oacute;s F&uuml;hrungsanspruch des Oppositionsf&uuml;hrers infrage gestellt, der immerhin als herausfordernder Pr&auml;sidentschaftskandidat gegen Hugo Ch&aacute;vez und Nicol&aacute;s Maduro antrat und ernstgenommen wurde. Der Jurist aus dem Bundesstaat Miranda beteiligte sich sehr wohl an verschiedenen Protestakten gegen den Chavismo, gilt jedoch als eher gem&auml;&szlig;igter, vor allem als dialogbereiter Konservativer, der einst mit Guaid&oacute; in einer Reihe stand, ihm jedoch das Ende seiner &bdquo;Seifenoper&ldquo; und der politischen Fiktion bescheinigte.<\/p><p>Seine R&uuml;ckkehr ins Zentrum der Opposition erkl&auml;rt sich mit vier Schritten. Erstens mit seiner &ouml;ffentlichen Ablehnung der von Guaid&oacute; vorgeschlagenen &bdquo;Einheit der Opposition&ldquo;, zweitens mit der Anerkennung der von der Regierung Maduro gew&auml;hrten Begnadigung von 110 venezolanischen Oppositionellen, drittens mit der Einschaltung des t&uuml;rkischen Au&szlig;enministers Mevlut Cavusoglu als Mittler der innervenezolanischen Dialogbem&uuml;hungen und viertens mit seiner Ablehnung des Guaid&oacute;-Aufrufs zum Wahlboykott. Es bestehen keine Zweifel an Capriles&lsquo; unersch&uuml;tterbarer Ablehnung des Chavismo und der Regierung Nicol&aacute;s Maduro, doch ebenso wenig zweifelt Letztere an der Voraussehbarkeit und Zuverl&auml;ssigkeit von Capriles&lsquo; Handlungen im Vergleich mit dem eitlen und gescheiterten Putschisten Juan Guaid&oacute;.<\/p><p><strong>Wahlenthaltung: kein exklusives venezolanisches Ph&auml;nomen<\/strong><\/p><p>Verschiedene europ&auml;ische Medien &ndash; darunter die Deutsche Welle, die britische BBC und die franz&ouml;sische France24 &ndash; hinterfragten das Ergebnis der j&uuml;ngsten Parlamentswahl. &bdquo;Die niedrige Wahlbeteiligung von 31 Prozent, 40 Punkte weniger als bei den Parlamentswahlen von 2015, &uuml;berzieht den erwarteten Sieg mit einem Schatten und wird von der Opposition als ihr Argument verwendet&rdquo;, <a href=\"https:\/\/www.france24.com\/es\/am%C3%A9rica-latina\/20201207-venezuela-en-medio-de-una-abstenci%C3%B3n-de-casi-70-el-chavismo-recupera-el-control-del-parlamento\">kommentierte France24<\/a>. Dass die nahezu 70-prozentige Stimmenthaltung wahrhaftig keinen Grund zum Feiern bietet, sollte eindeutig festgehalten werden. Doch ist sie ein ausschlie&szlig;lich venezolanisches Symptom?<\/p><p>F&uuml;r den Aktivisten der venezolanischen Pobladores-Bewegung und Vertreter von Alba Movimentos, Hern&aacute;n Vargas, stellt die von den USA und der EU verh&auml;ngte Wirtschaftsblockade den Hauptgrund f&uuml;r das schlechte Wahlergebnis dar. &bdquo;Stimmenthaltung ist eine Auswirkung der Blockade, da sie zweifellos zu materiellen Abnutzungserscheinungen im Land gef&uuml;hrt hat. Die Politik der Blockade sollte einen Aufruhr, das hei&szlig;t einen Umbruch und einen Versto&szlig; gegen die Ordnung des Landes hervorrufen, der zu einem Aufruhr f&uuml;hrt. In der Praxis ist dies aber nicht der Fall, im Gegenteil&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.brasildefato.com.br\/2020\/12\/07\/bloqueio-e-a-principal-causa-da-abstencao-eleitoral-na-venezuela-avalia-analista\">erkl&auml;rte Vargas<\/a> in einem Gespr&auml;ch mit <em>Brasil de Fato<\/em>, der Wochenzeitung der brasilianischen Bewegung der Landlosen\/MST.<\/p><p>Die Erkl&auml;rung greift einen entscheidenden Aspekt auf, macht es sich aber zu einfach. Mitentscheidende Gr&uuml;nde f&uuml;r die von Vargas erw&auml;hnten Abnutzungserscheinungen ist die erratische Wirtschaftspolitik Nicol&aacute;s Maduros seit 2013, insbesondere die z&ouml;gernde Initiative, sich vom Erd&ouml;l als einziger Einnahmequelle zu befreien und vor allem eine nationale Nahrungsmittelindustrie mit produktiver und nachhaltiger Landwirtschaft als Lieferanten aufzubauen, die die Versorgung gesichert, die schwindelerregende Auslandsverschuldung von 136 Milliarden US-Dollar und die &ouml;ffentliche Verschuldung mit 289 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) <a href=\"https:\/\/www.france24.com\/es\/20201014-vuelta-mundo-deuda-externa-venezuela-bolivia-paraguay\">verhindert h&auml;tten<\/a>. Doch ebenso wenig bestehen Zweifel daran, dass die politischen Sanktionen dramatische &ouml;konomische und soziale Sch&auml;den verursacht haben, bei denen das Volk der Hauptleidtragende ist und die sich nach Regierungsangaben <a href=\"https:\/\/www.telesurtv.net\/news\/venezuela-eeuu-sanciones-bloque-perjuicio-financiero-corrupcion-20200215-0013.html\">auf mindestens 116 Milliarden US-Dollar summieren<\/a>.<\/p><p>Die extrem hohe Stimmenthaltung ist also auch Ausdruck politischer Entt&auml;uschungen &uuml;ber nicht eingehaltene Versprechungen des demokratischen Vertretungssystems. Und damit steht Venezuela nicht allein da, wie der Fall Chile mit seiner ultraliberalen Regierung Sebasti&aacute;n Pi&ntilde;era deutlich macht. Am vergangenen 7. Dezember pr&auml;sentierte zum Beispiel das Zentrum f&uuml;r Querschnittsuntersuchungen der Katholischen Universit&auml;t (PUC Chile) unter Verwendung der von der Wahlbeh&ouml;rde (Servel) zur Verf&uuml;gung gestellten Statistik eine Analyse individueller W&auml;hlerdaten, die an den zwischen 2012 und 2017 durchgef&uuml;hrten Wahlen teilgenommen hatten. Obwohl sich die Untersuchung auf diesen Zeitraum konzentrierte, umfasste sie auch fr&uuml;here Daten, die allesamt einen klaren Trend zum R&uuml;ckgang der Wahlbeteiligung attestieren, deren niedrigsten Indikatoren bei den Kommunalwahlen von 2012 mit 43,2 Prozent und 2016 mit 34,9 Prozent registriert wurden. Pi&ntilde;era wurde 2018 mit gerade einmal 3,8 Millionen Stimmen von insgesamt 14.796.244 Stimmberechtigten gew&auml;hlt und h&auml;lt sich Ende 2020 mit l&auml;cherlichen 7 Prozent W&auml;hlerzustimmung an der Macht. &bdquo;Chile ist als eines der L&auml;nder mit der niedrigsten Wahlbeteiligung der Welt bekannt &hellip; Diese Statistiken sind f&uuml;r eine Demokratie und in einem OECD-Land schockierend&ldquo;, erkl&auml;rte Simone Reperger, Vertreterin der SPD-eigenen Friedrich-Ebert-Stiftung in Chile, <a href=\"https:\/\/www.telesurtv.net\/news\/venezuela-eeuu-sanciones-bloque-perjuicio-financiero-corrupcion-20200215-0013.html\">gegen&uuml;ber der Deutschen Welle<\/a>.<\/p><p><strong>Die Parlamentswahl als letzter Hebel zum wirtschaftlichen Wiederaufbau<\/strong><\/p><p>Der 6. Dezember war f&uuml;r Pr&auml;sident Maduro und den Chavismo eine Win\/Win-Wette, sie brauchten unbedingt die j&uuml;ngste Parlamentswahl und -mehrheit. Diese Mehrheit soll neue Investitions-Gesetzesregelungen im Parlament verabschieden, die milliardenschwere Investitionen aus Russland, China, Iran und der T&uuml;rkei beschleunigen und den wirtschaftlichen Wiederaufbau f&ouml;rdern k&ouml;nnen. Das Stichwort dazu hei&szlig;t &bdquo;Ley Antibloqueo\/Antiblockade-Gesetz&ldquo; und wurde bereits im Oktober 2020 von der chavistisch dominierten Verfassungsgebenden Versammlung verabschiedet; ein Schritt, der offenbar den Schl&uuml;ssel-Investoren als nicht ausreichend erschien und daher erweiterter Legitimation bedurfte.<\/p><p>Das Gesetz bietet der Regierung die Nutzung rechtlich institutioneller Mittel, vor allem die US-Sanktionen &bdquo;durch einen flexiblen Schutz und, gesetzt der Fall, mit einem rigorosen Gegenangriff zu konfrontieren&ldquo;, so der Wortlaut des Gesetzes. &bdquo;Wir m&uuml;ssen Formeln finden, um frei und legal mit der Welt handeln zu k&ouml;nnen, ohne Angst vor Repressalien aus den USA. Wir m&uuml;ssen das Landeseinkommen zur&uuml;ckgewinnen, indem wir uns auf unsere St&auml;rken und F&auml;higkeiten verlassen, um unser Volk vor den schrecklichen Auswirkungen der Blockade sch&uuml;tzen zu k&ouml;nnen&ldquo;, begr&uuml;ndete Nicol&aacute;s Maduro die Initiative. Gem&auml;&szlig; Artikel 19 des Anti-Blockade-Gesetzes wird die Regierung &bdquo;in bestimmten F&auml;llen Normen von rechtlichem oder sublegalem Rang zur&uuml;cknehmen, deren Anwendung unm&ouml;glich oder kontraproduktiv ist&ldquo;. Dar&uuml;ber hinaus wird <a href=\"https:\/\/as.com\/diarioas\/2020\/10\/10\/actualidad\/1602349656_728208.html\">der Exekutive erlaubt<\/a>, &Auml;nderungen in der Eigentumsstruktur bestimmter Unternehmen, sowohl des staatlichen Erd&ouml;lkonzerns PDVSA wie auch privater Unternehmen, vorzunehmen.<\/p><p>Schl&uuml;sselfunktion im Gesetz haben Artikel 6 und 9, die zum einen das Vorrecht des staatlichen Besitzes am PDVSA-Konzern und zum anderen den Schutz ausl&auml;ndischer Investitionen sichern. &bdquo;Die Befugnis zur Aus&uuml;bung von Gesch&auml;ften und damit verbundenen Lizenzen beschr&auml;nkt sich darauf, niemals zu Lasten von Artikel 303 der venezolanischen Verfassung zu handeln, der den Staat dazu auffordert, alle Anteile der staatlichen &Ouml;lgesellschaft PDVSA zu behalten&ldquo;, und &bdquo;das Gesetz sieht &acute;Investitionsgarantien&acute; vor, mit denen die Regierung versucht, ausl&auml;ndisches Kapital anzuziehen. Dies tut sie mit der Versicherung, Klauseln zum Schutz der Investitionen anzubieten, um Vertrauen und Stabilit&auml;t zu schaffen. Die Exekutive darf ebenso &acute;jeden Finanzmechanismus&acute; nutzen, um den Zweck dieser Gesetzgebung zu erf&uuml;llen&ldquo;, hei&szlig;t es im Wortlaut des Gesetzes.<\/p><p>Hatte die von der Opposition kontrollierte Nationalversammlung im Oktober 2020 noch die Verabschiedung des Antiblockade-Gesetzes als f&uuml;r null und nichtig erkl&auml;rt, so ist damit zu rechnen, dass die seit dem 6. Dezember mit Regierungsmehrheit dominierte Nationalversammlung das Gesetz mit gro&szlig;er Mehrheit durchpeitscht. Doch wird auch dieser neue Umstand jene L&auml;nder, wie die USA und den EU-Block, &uuml;berzeugen, die die Chavismo-Beh&ouml;rden nicht f&uuml;r legitim halten und seinen Zugang zu den internationalen Finanzierungs- und &Ouml;lhandelsm&auml;rkten blockieren?<\/p><p>Titelbild: Humberto Matheus \/ shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am vergangenen 7. Dezember fand in Venezuela eine politisch bedeutsame Wahl zur Erneuerung der Nationalversammlung (Bundesparlament) statt. Die Regierung Nicol&aacute;s Maduro hatte Monate zuvor einen Aufruf zur Entsendung internationaler Wahlbeobachter ver&ouml;ffentlicht, dem nach Regierungsangaben 300 Vertreter aus 34 L&auml;ndern folgten. Die Europ&auml;ische Union (EU) weigerte sich dennoch. EU-Au&szlig;enminister Josep Borrell behauptete, der Wahlvorgang im Land<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68261\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":68262,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,20,190,30],"tags":[1460,669,2565,2052,2071,325,1800,1556,1333,426,2551,1019],"class_list":["post-68261","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-landerberichte","category-wahlen","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-biden-joe","tag-chile","tag-guaido-juan","tag-investitionen","tag-maduro-nicolas","tag-staatsschulden","tag-trump-donald","tag-usa","tag-venezuela","tag-wahlbeteiligung","tag-wahlboykott","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/shutterstock_1858199749.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/68261","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=68261"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/68261\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":68350,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/68261\/revisions\/68350"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/68262"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=68261"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=68261"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=68261"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}