{"id":68264,"date":"2020-12-28T08:56:23","date_gmt":"2020-12-28T07:56:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68264"},"modified":"2026-01-27T11:37:31","modified_gmt":"2026-01-27T10:37:31","slug":"die-krieger-oder-was-haben-die-gruppe-ludwig-und-der-nsu-gemeinsam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68264","title":{"rendered":"\u201eDie Krieger\u201c oder: Was haben die Gruppe LUDWIG und der NSU gemeinsam?"},"content":{"rendered":"<p>Welche Parallelen gibt es zwischen der &bdquo;Gruppe LUDWIG&ldquo; und dem NSU? Einige, sagt der Drehbuch- und Romanautor <strong>Martin Maurer<\/strong> im Interview mit den NachDenkSeiten. &bdquo;Die Gruppe LUDWIG&ldquo;, so Maurer, &bdquo;wird f&uuml;r eine Serie von Morden und Anschl&auml;gen verantwortlich gemacht, bei denen zwischen 1977 und 1984 vor allem in Oberitalien f&uuml;nfzehn Menschen get&ouml;tet worden sind.&ldquo; Maurer hat sich in seinem aktuellen Roman &bdquo;Die Krieger&ldquo; mit dieser Gruppe akribisch auseinandergesetzt. Ein Interview &uuml;ber Terrorismus, die <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47839\">Stay-behind-Strukturen<\/a> der Nato und die Frage, ob die vordergr&uuml;ndigen &bdquo;Wahrheiten&ldquo;, die bei Terroranschl&auml;gen vorzufinden sind, auch der Wirklichkeit gerecht werden. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong><\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3256\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-68264-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201228_Die_Krieger_oder_Was_haben_die_Gruppe_LUDWIG_und_der_NSU_gemeinsam_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201228_Die_Krieger_oder_Was_haben_die_Gruppe_LUDWIG_und_der_NSU_gemeinsam_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201228_Die_Krieger_oder_Was_haben_die_Gruppe_LUDWIG_und_der_NSU_gemeinsam_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201228_Die_Krieger_oder_Was_haben_die_Gruppe_LUDWIG_und_der_NSU_gemeinsam_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=68264-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/201228_Die_Krieger_oder_Was_haben_die_Gruppe_LUDWIG_und_der_NSU_gemeinsam_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"201228_Die_Krieger_oder_Was_haben_die_Gruppe_LUDWIG_und_der_NSU_gemeinsam_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Wer die Arbeit von Martin Maurer kennt, wei&szlig;: Wie schon in seinem Erstlingswerk &bdquo;Terror&ldquo; setzt sich der Autor mit realen Ereignissen auseinander und verwebt diese in eine fiktive Erz&auml;hlung. Dabei orientiert sich Maurer weitestgehend an der Realit&auml;t. Wie auch schon in &bdquo;Terror&ldquo; zeigt Maurer auch in die &bdquo;Die Krieger&ldquo;, wie wichtig die intensive Recherche vor Ort ist. Aus durchforsteten Archiven oder aus Gespr&auml;chen mit Zeitzeugen bzw. Beh&ouml;rdenvertretern rekonstruiert Maurer im Detail, was sich in der Realit&auml;t zugetragen hat. In die Dunkelstellen der offiziellen Version leuchtet Maurer gezielt rein und klopft das, was bis heute als Tatsache im Raum steht, gekonnt ab. Im NachDenkSeiten-Interview gew&auml;hrt Maurer auch einen Einblick, wie er bei seiner Arbeit vorgeht. <\/p><p><strong>Herr Maurer, wenn es um das Thema Terrorismus geht, sollte man sich nicht so einfach mit den vordergr&uuml;ndigen Wahrheiten zufrieden geben. Stimmen Sie dieser Aussage zu?<\/strong><\/p><p>Ja, denn f&uuml;r vordergr&uuml;ndige Wahrheiten ist das Thema viel zu komplex. Schon der Begriff Terrorismus verlangt genaues Hinsehen, weil er sehr vom Standpunkt des Betrachters abh&auml;ngt. F&uuml;r die einen ist derjenige, der einen Anschlag ver&uuml;bt,  ein &bdquo;Terrorist&ldquo;, f&uuml;r die anderen ein &bdquo;Freiheitsk&auml;mpfer.&ldquo; Au&szlig;erdem bezeichnet &bdquo;Terrorismus&ldquo; die unterschiedlichsten Ph&auml;nomene. Aber religi&ouml;ser, linker oder rechter Terrorismus und Staatsterrorismus sind verschiedene Dinge und oft kann, wenn &uuml;berhaupt, erst die historische Forschung wirklich kl&auml;ren, womit man es nun eigentlich zu tun hatte. Eigentlich l&auml;sst sich immer nur mit Sicherheit sagen, dass am Anfang ein Gewaltakt steht, der viel Leid verursacht und &bdquo;das Denken besetzt&ldquo;. <\/p><p><strong>Sie schreiben Drehb&uuml;cher f&uuml;r das Fernsehen, unter anderem f&uuml;r die Reihe Tatort, aber Sie schreiben auch Romane. In Ihren Romanen spielt das Thema Terrorismus eine zentrale Rolle. Warum?<\/strong><\/p><p>Ich bin Jahrgang 1968 und geh&ouml;re jener gl&uuml;cklichen Generation an, die nie unmittelbar einen Krieg erleben musste. Aber Terrorismus hat immer eine Rolle gespielt: RAF, Oktoberfest-Attentat, 9\/11, Halle, Hanau, Wien&hellip; Mich interessieren die Prozesse, die jeweils in Gang gesetzt werden, zun&auml;chst die mediale Aufarbeitung, das Ringen um Einordnung und Deutungshoheit und etwas sp&auml;ter dann die Reaktion der Politik, wenn es gilt, &bdquo;unsere Werte zu verteidigen&ldquo; oder sich &bdquo;nicht erpressen zu lassen.&ldquo; Allein die Tatsache, dass es nach gro&szlig;en Terroranschl&auml;gen immer wieder zu Gesetzesversch&auml;rfungen bis hin zur Erkl&auml;rung des Ausnahmezustandes kommt, zu massiven Eingriffen in B&uuml;rger- und Freiheitsrechte, verlangt eine genauere Besch&auml;ftigung mit dem Thema.<\/p><p><strong>Wann und wie sind Sie denn zum ersten Mal auf den Gedanken gekommen, dass bei so manchem <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=1YhRBxxyRqs\">Terroranschlag<\/a>, &uuml;ber den Medien berichten, die Wahrheit im Dunkeln bleibt?<\/strong> <\/p><p>Ich habe von Anfang bis Mitte der 2000er Jahre in Italien gelebt. Damals wurde dort (mal wieder) in einem Gerichtsprozess das Piazza-Fontana-Attentat auf die Landwirtschaftsbank in Mailand 1969 aufgearbeitet. Mich hat fasziniert, dass &uuml;ber ein drei&szlig;ig Jahre zur&uuml;ckliegendes Attentat derart prominent  in allen Medien berichtet wurde und habe mich dann n&auml;her damit befasst. Das Piazza-Fontana-Attentat ist &ndash; abgesehen von seiner Bedeutung f&uuml;r Italien als &bdquo;Mutter aller Attentate&ldquo; und als Auftakt dessen, was als &bdquo;Strategie der Spannung&ldquo; bezeichnet wird &ndash; ein gutes Beispiel f&uuml;r die Notwendigkeit genauen Hinsehens: Am Nachmittag des 12. Dezember 1969 explodierte vor der Banca Nazionale dell&rsquo; Agricoltura eine Bombe, die 17 Menschen get&ouml;tet und 88 schwer verletzt hat. Zun&auml;chst wurden die Anarchisten Giuseppe Pinelli und Pietro Valpreda verd&auml;chtigt und festgenommen, doch dann, nach unz&auml;hligen Prozessen, stellte sich heraus, dass Rechtsextremisten mit Kontakten zu staatlichen Stellen und <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40531\">Geheimdiensten<\/a> hinter dem Attentat steckten. Durch die Besch&auml;ftigung mit diesem Attentat landete ich dann ganz schnell bei &bdquo;Gladio&ldquo;. Diese Organisation war mir bis dahin v&ouml;llig unbekannt.<\/p><p><strong>In Ihrem Roman &bdquo;Terror&ldquo; haben Sie &bdquo;Gladio&ldquo; bzw. die <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38063\">Stay-behind-Strukturen<\/a> der Nato in den Mittelpunkt ger&uuml;ckt. Was war Gladio?<\/strong><\/p><p>&bdquo;Gladio&ldquo; bezeichnet urspr&uuml;nglich den italienischen Teil eines geheimen Netzwerkes an Untergrundk&auml;mpfern, das nach dem Zweiten Weltkrieg von der CIA und dem MI6 aufgebaut worden war, in nahezu allen L&auml;ndern Westeuropas existierte und sich im Fall einer Invasion von den Truppen des Warschauer Paktes &uuml;berrollen lassen und hinter den feindlichen Linien Guerillaoperationen und Sabotageakte durchf&uuml;hren sollte (deshalb die englischsprachige Bezeichnung &bdquo;stay behind&ldquo;). Der Begriff &bdquo;Gladio&ldquo; wird oft auch synonym f&uuml;r das gesamte Stay-behind-Netzwerk gebraucht, manchmal sogar synonym f&uuml;r alle m&ouml;glichen Formen des Staatsterrorismus. Es herrscht hier ein ordentliches Durcheinander. Die Frage, ob und wie weit Teile dieses Stay-behind-Netzwerkes in einzelnen L&auml;ndern auch in Terroranschl&auml;ge gegen die eigene Bev&ouml;lkerung involviert waren, ist bis heute Gegenstand der historischen Forschung.<\/p><p><strong>Wenn Sie einen Roman schreiben, dann recherchieren Sie viel. Wie sind Sie vorgegangen, mit wem haben Sie gesprochen?<\/strong><\/p><p>Im Falle von &bdquo;Terror&ldquo; kam ich also 2005 mit meinem Wissen aus Italien zur&uuml;ck nach Deutschland und stellte fest, dass das Thema Gladio bzw. Stay-behind hier so gut wie nicht existent war. Wohlgemerkt: Daniele Gansers Standardwerk &bdquo;Nato-Geheimarmeen in Europa&ldquo; ist 2005 auf Englisch und 2008 auf Deutsch erschienen und Regine Igels &bdquo;Terrorjahre &ndash; die dunkle Seite der CIA in Italien&ldquo; 2006. Gut, dachte ich, dann muss also erst mal Grundlagenforschung betrieben werden und ich habe zusammen mit meinen Mitstreitern alle Menschen angeschrieben, die in irgendeiner Form und Funktion mit Terrorismus und Geheimdiensten in der BRD zu tun hatten. Ich hatte allerdings nicht im Traum damit gerechnet, dass die meisten der von uns Kontaktierten auch tats&auml;chlich mit mir sprechen w&uuml;rden. <\/p><p>Jedenfalls sa&szlig; kurz darauf schon Michael &bdquo;Bommi&ldquo; Baumann in meinem Wohnzimmer und hat mir ein umfangreiches Interview gegeben. Wir haben mit Karl-Heinz Hoffmann, dem Gr&uuml;nder der Wehrsportgruppe Hoffmann, &uuml;ber seine Rolle beim Oktoberfest-Attentat geredet. Der SPD-Bundestagsabgeordnete und inzwischen ebenso wie Bommi Baumann leider verstorbene Hermann Scheer hat vom partei&uuml;bergreifenden Widerstand gegen die Untersuchung der Stay-behind-Organisation in Deutschland berichtet. Wir haben mit Michael Buback gesprochen, dessen Buch &bdquo;Der zweite Tod meines Vaters&ldquo; gerade erschienen war, mit dem Ex-BND-Mann Wilhelm Dietl, mit Rechtsanwalt Werner Dietrich, der die Interessen der Opfer des Oktoberfestattentats vertritt, wir haben  2008 wahrscheinlich eines der fr&uuml;hesten Interviews mit <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=60505\">Daniele Ganser<\/a> gef&uuml;hrt, und ich wei&szlig; noch, wie ich ins Schwitzen kam, als ich einen Anruf meines Mitstreiters Andreas erhielt, der eigentlich Gerhart Baum zum Interview abholen sollte, aber noch keine Betreuung f&uuml;r seinen damals zweij&auml;hrigen Sohn gefunden hatte und erst noch die Windeln aus dem Auto entsorgen musste. Und der ehemalige Innenminister wartete doch schon &hellip;  Das war der turbulente Teil der Recherche (es gab auch einen weniger &bdquo;spektakul&auml;ren&ldquo;  Teil, der war weniger spannend, weil er nur aus Lesen bestand) &ndash; einige der Interviews kann man sich jedenfalls immer noch <a href=\"https:\/\/martinmaurer.eu\/terror-recherchematerial\/\">auf Youtube anschauen<\/a>.<\/p><p><strong>Was haben Sie dabei herausgefunden? Wie waren Ihre Eindr&uuml;cke?<\/strong><\/p><p>Mein Eindruck war und ist bis heute unver&auml;ndert: Die Rolle der Stay-behind-Organisation in Deutschland m&uuml;sste dringend parlamentarisch untersucht werden. Das w&uuml;rde vielleicht auch helfen, die oben genannte Begriffsverwirrung zu kl&auml;ren.<\/p><p><strong>Nun haben Sie mit &bdquo;Die Krieger&ldquo; einen weiteren Roman ver&ouml;ffentlicht, der sich an einem realen Ereignis orientiert.<\/strong><\/p><p>In meinem aktuellen Roman &bdquo;Die Krieger&ldquo; erz&auml;hle ich authentische Ereignisse rund um die Jahreswende 1983\/84 in M&uuml;nchen. Ein schon l&auml;nger dauernder Krieg zwischen verfeindeten Zuh&auml;lterbanden spitzt sich immer mehr zu, und als am 7. Januar 1984 ein Brandanschlag auf die Erotik-Diskothek &bdquo;Liverpool&ldquo; im Bahnhofsviertel ver&uuml;bt wird &ndash; acht Menschen werden verletzt, die 20-j&auml;hrige Barfrau Corinna Tartarotti erliegt Ende April ihren schweren Verbrennungen &ndash; geht die M&uuml;nchner Polizei von einem Verbrechen im Rotlichtmilieu aus. Bis zehn Tage sp&auml;ter im Polizeipr&auml;sidium ein Bekennerschreiben aus Italien eintrifft. Auf Italienisch verfasst, in Runenschrift, bekennt sich darin eine Gruppe LUDWIG zum Anschlag auf das &bdquo;Liverpool&ldquo;. Oben auf dem Brief ein stilisierter Reichsadler, ein Hakenkreuz in den Klauen und unten auf Deutsch: GOTT MIT UNS.<\/p><p><strong>Von dem Anschlag d&uuml;rfte heute kaum noch jemand Kenntnis haben.<\/strong><\/p><p>Der Anschlag ist tats&auml;chlich nahezu vergessen. Obwohl er, wie ich bei den Recherchen festgestellt habe, damals ein ziemliches Medienereignis war.<\/p><p><strong>Erz&auml;hlen Sie uns bitte mehr von dem Anschlag und der &bdquo;Gruppe Ludwig&ldquo;.<\/strong><\/p><p>Die Gruppe LUDWIG wird f&uuml;r eine Serie von Morden und Anschl&auml;gen verantwortlich gemacht, bei denen zwischen 1977 und 1984 vor allem in Oberitalien f&uuml;nfzehn Menschen get&ouml;tet worden sind. Die Opfer waren Drogenabh&auml;ngige, Homosexuelle, Prostituierte, aber auch Priester und Besucher von Sexlokalen. Der Anschlag auf das &bdquo;Liverpool&ldquo; war der einzige auf deutschem Boden. Kurz darauf, Anfang M&auml;rz 1984, werden Wolfgang Abel und Marco Furlan, zwei junge M&auml;nner aus dem Veroneser Gro&szlig;b&uuml;rgertum, dabei erwischt, wie sie in einer Diskothek, in der vierhundert junge Leute Karneval feiern, Benzin aussch&uuml;tten. T&uuml;rsteher &uuml;berw&auml;ltigen die beiden und &uuml;bergeben sie an die Carabinieri. In der Untersuchungshaft in Mantua erh&auml;rtet sich nach und nach der Verdacht, dass Abel und Furlan f&uuml;r diese unglaubliche Mordserie verantwortlich sind, dass sie die Gruppe LUDWIG oder zumindest ein Teil von ihr sein k&ouml;nnten.<\/p><p><strong>Wie haben Sie f&uuml;r diesen Roman recherchiert?<\/strong><\/p><p>Was die Gruppe Ludwig angeht, waren meine wichtigsten Quellen das Sachbuch der Journalistin Monica Zornetta &bdquo;LUDWIG &ndash; storie di fuoco, sangue, follia&ldquo; und der Aufsatz  &bdquo;il caso LUDWIG&ldquo; von Augusto Caneva. Auf Deutsch gibt es bis auf zwei l&auml;ngere Zeitungsartikel aus den 80er-Jahren meines Wissens keine Literatur zur Gruppe LUDWIG. Ich habe mir au&szlig;erdem im Staatsarchiv M&uuml;nchen s&auml;mtliche Zeitungsartikel angeschaut, die zu den Liverpool-Ermittlungen erschienen sind. Es sind einige, denn damals war der Brandanschlag durchaus auch &uuml;berregional ein gro&szlig;es Thema. Um die 80er Jahre in M&uuml;nchen erz&auml;hlen zu k&ouml;nnen, habe ich viel Zeit im Stadtarchiv M&uuml;nchen verbracht und ich habe mit Polizisten gesprochen, sowohl von der Mordkommission als auch vom LKA M&uuml;nchen, die diese Zeit noch aktiv miterlebt haben. Einen Teil meiner Recherchen kann man sich hier <a href=\"https:\/\/martinmaurer.eu\/die-krieger-recherchematerial\/\">auf meiner Webseite anschauen<\/a>.<\/p><p><strong>Wie sieht die Handlung in Ihrem Roman aus?<\/strong><\/p><p>&bdquo;Die Krieger&ldquo; wird aus der Perspektive von Nick Marzek erz&auml;hlt, der gerade aus Berlin zur M&uuml;nchner Mordkommission gekommen ist und nach dem Anschlag auf das &bdquo;Liverpool&ldquo; und dem Eintreffen des Bekennerschreibens nach Italien geschickt wird, um herauszufinden, was von dem Schreiben und der Gruppe LUDWIG zu halten ist. Dabei wird er unterst&uuml;tzt von Graziella Altieri, die bei der Mordkommission als Reinigungskraft arbeitet und gewisserma&szlig;en zwangsrekrutiert wird, weil so schnell kein beeidigter &Uuml;bersetzer verf&uuml;gbar ist. <\/p><p>Tats&auml;chlich war der Druck auf den damaligen M&uuml;nchner Polizeipr&auml;sidenten H&auml;ring nach dem Auftauchen des Bekennerschreibens gewaltig und die italienischen Beh&ouml;rden waren nicht besonders kooperativ. Das m&uuml;ssen dann auch Nick und Graziella erfahren, die sich, beginnend in Mailand, wo im Mai 1983 in Bahnhofsn&auml;he ein Pornokino in Flammen aufgegangen war und sechs Menschen get&ouml;tet worden sind, nach und nach in die unglaubliche und monstr&ouml;se Mordserie der Gruppe LUDWIG einarbeiten. <\/p><p><strong>Zu welchen Erkenntnissen sind Sie bei Ihrer Arbeit gelangt?<\/strong><\/p><p>Ich bin bereits im Zuge meiner Recherchen zu &bdquo;Terror&ldquo; auf die Mordserie der Gruppe LUDWIG gesto&szlig;en und habe mich, nachdem der Roman dann 2011 erschienen war, n&auml;her damit befasst. Das war zuf&auml;llig zeitgleich mit dem Bekanntwerden der NSU-Mordserie. F&uuml;r mich waren die Parallelen damals frappierend. <\/p><p><strong>Was meinen Sie mit Parallelen zum Fall <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59071\">NSU<\/a>?<\/strong><\/p><p>Eine rechtsextreme Gruppierung, die &uuml;ber Jahre hinweg an verschiedensten Orten des Landes Morde begehen kann, ohne nennenswerte Spuren zu hinterlassen. Die einzige Verbindung zwischen den Verbrechen stellen die T&auml;ter selbst her durch ihre mit Nazisymbolik versehenen Bekennerschreiben bzw.  im Fall des <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57913\">NSU<\/a> durch das Bekennervideo. Und bis heute steht in beiden F&auml;llen die Frage nach dem Unterst&uuml;tzernetzwerk im Raum. Im Falle der Gruppe LUDWIG ist die beste Kennerin der Materie, die Journalistin Monica Zornetta, der Meinung, dass Wolfgang Abel und Marco Furlan Teil der Gruppe LUDWIG waren, dass dahinter aber noch ein gr&ouml;&szlig;eres Netzwerk (&bdquo;una sovrastruttura&ldquo;) stehe. Auf jeden Fall hat es einen dritten Mann gegeben, der Abel und Furlan am Karnevalssonntag 1984 in einem wei&szlig;en Mercedes mit deutschem Kennzeichen zur Diskothek Melamara in Castiglione delle Stiviere gefahren hat, wo sie beim Versuch, dort Feuer zu legen, von den T&uuml;rstehern gestellt worden sind. Diesen dritten Mann und den Mercedes haben mehrere Augenzeugen gesehen, sogar die M&uuml;nchner Abendzeitung berichtet am 15. M&auml;rz 1984 dar&uuml;ber, aber er hat dann in den sp&auml;teren Gerichtsverfahren keine Rolle mehr gespielt. <\/p><p>Generell w&auml;re es sicher eine lohnende Aufgabe, die Parallelen und Unterschiede zwischen der Gruppe LUDWIG und dem NSU genauer zu untersuchen. Der Frage nach dem Unterst&uuml;tzernetzwerk der Gruppe LUDWIG werde ich in meinen Nick-Marzek-Romanen weiter nachgehen. Ich arbeite bereits am zweiten Band.<\/p><p>Titelbild: franz12\/shutterstock.com und &copy; Oliver Geissler<\/p><p><em>Lesetipp: Maurer, Martin: <a href=\"https:\/\/www.dumont-buchverlag.de\/buch\/maurer-die-krieger-9783832183769\/\">Die Krieger: Ein Fall f&uuml;r Nick Marzek.<\/a> Dumont Buchverlag. 10. November 2020. 364 Seiten. 16 Euro.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welche Parallelen gibt es zwischen der &bdquo;Gruppe LUDWIG&ldquo; und dem NSU? Einige, sagt der Drehbuch- und Romanautor <strong>Martin Maurer<\/strong> im Interview mit den NachDenkSeiten. &bdquo;Die Gruppe LUDWIG&ldquo;, so Maurer, &bdquo;wird f&uuml;r eine Serie von Morden und Anschl&auml;gen verantwortlich gemacht, bei denen zwischen 1977 und 1984 vor allem in Oberitalien f&uuml;nfzehn Menschen get&ouml;tet worden sind.&ldquo; Maurer<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68264\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":68265,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,60,209,917,166],"tags":[1276,1266,1669],"class_list":["post-68264","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-innere-sicherheit","category-interviews","category-kultur-und-kulturpolitik","category-terrorismus","tag-attentat","tag-nsu","tag-stay-behind"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/shutterstock_669804892-Kopie.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/68264","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=68264"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/68264\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":81054,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/68264\/revisions\/81054"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/68265"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=68264"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=68264"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=68264"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}