{"id":68327,"date":"2020-12-28T11:30:18","date_gmt":"2020-12-28T10:30:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68327"},"modified":"2020-12-28T12:36:57","modified_gmt":"2020-12-28T11:36:57","slug":"schluss-mit-fake-food-wir-muessen-zurueck-zu-einer-authentischen-ernaehrung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68327","title":{"rendered":"Schluss mit Fake Food \u2013 wir m\u00fcssen zur\u00fcck zu einer authentischen Ern\u00e4hrung"},"content":{"rendered":"<p>In der K&uuml;che geht es um das Wichtigste &uuml;berhaupt: um unser Leben. Das zeigt der ehemalige Sternekoch <strong>Franz Keller<\/strong> in seinem Buch &bdquo;Ab in die K&uuml;che!&ldquo; eindr&uuml;cklich und fordert uns auf, uns von Fake-Food und Industriefertigessen zu verabschieden und wieder mehr selber zu kochen. Denn nur so k&ouml;nnen wir die Kontrolle &uuml;ber unser Essen zur&uuml;ckgewinnen und eine Menge Gutes f&uuml;r unsere Gesundheit und zur Rettung des Planeten tun.<br>\n<!--more--><br>\nIch bin kein Klimaaktivist, sondern ein Koch, doch die Klimaver&auml;nderung ist f&uuml;r mich weder eine ideologische noch eine theoretische Debatte. Ich lebe hier auf meinem Falkenhof seit vielen Jahren mit meinen Tieren zusammen und erlebe hautnah, was Klimawandel konkret bedeutet. Ein D&uuml;rresommer wie 2018 bringt mich an den Rand der Existenz, weil meine Rinder nicht gen&uuml;gend Futter auf der Weide finden und selbst der Futterzukauf zum Problem wird, ganz einfach, weil es knapp wird und die Preise explodieren. Auch 2019 war es wieder viel zu trocken und meine Rinder fanden viel weniger Gras auf meinen Weiden. Wenn sich das nun in unsch&ouml;ner Regelm&auml;&szlig;igkeit wiederholt, dann kann ich meinen Traum von einer artgerechten Tierzucht wom&ouml;glich in Zukunft an den Nagel h&auml;ngen. Und dann ist Schluss mit dem perfekten Genuss.<\/p><p>Soweit ist es gl&uuml;cklicherweise noch nicht und die gute Nachricht ist: Wir haben es selbst in der Hand und k&ouml;nnen noch heute damit anfangen, die Dinge zum Besseren zu wenden. Nach den vielen pers&ouml;nlichen Gespr&auml;chen, die ich in den letzten Monaten gef&uuml;hrt habe, w&uuml;rde ich sogar behaupten, dass gro&szlig;e Teile unserer Bev&ouml;lkerung bereit und offen f&uuml;r Ver&auml;nderung sind. Und zwar sowohl in ihrer eigenen Ern&auml;hrungsweise als auch in Bezug auf die Nahrungsmittelproduktion in unserer hochindustrialisierten Landwirtschaft. &raquo;Moment mal, Herr Keller, ein Blick in die Statistik widerlegt Ihre Behauptung aber klar.&laquo; Ja, diesen Einspruch h&ouml;re ich oft und er ist auf den ersten Blick nicht von der Hand zu weisen: In Umfragen bekennen mehr als 85 Prozent der Deutschen, dass ihnen das Tierwohl sehr am Herzen liegt. Die Krux ist nur, dass sich der &uuml;berwiegende Teil am Supermarktregal aber trotzdem f&uuml;r Billigfleisch aus der Mastfabrik entscheidet. Der Anteil an Biolebensmitteln liegt im Gesamtmarkt f&uuml;r Lebensmittel noch immer bei nur rund f&uuml;nf Prozent und bei Biofleisch noch weit darunter.<\/p><p>Wie erkl&auml;rt sich dieser Unterschied zwischen W&uuml;nschen und Wollen und dem konkreten Handeln? Banale Antwort: Es liegt am Preis. Ein Bekenntnis zum Tierwohl ist in Umfragen schnell gegeben, doch wenn es Geld kostet, werfen wir die guten Vors&auml;tze sofort &uuml;ber Bord. Speziell in Deutschland haben wir uns daran gew&ouml;hnt, dass Essen billig ist. In den 1950er-Jahren haben wir pro Haushalt noch circa 45 Prozent unseres Einkommens f&uuml;r Essen ausgegeben, heute sind es im Durchschnitt gerade mal 15 Prozent.<\/p><p>Also doch besser Klappe halten, Franz? Nein, sage ich, denn der Blick auf den Preis erkl&auml;rt nicht alles, beziehungsweise bezahlen wir f&uuml;r unser Billigessen an anderen Stellen einen Preis, der vielen Menschen gar nicht bewusst ist. In meinen Diskussionen habe ich immer wieder festgestellt, es fehlt an Wissen, an Transparenz und Aufkl&auml;rung. Und es fehlt an einer Ern&auml;hrungs- und Landwirtschaftspolitik, die Umwelt- und Klimaschutz, vor allem aber die Gesundheit und die W&uuml;nsche der Bev&ouml;lkerung ernst nimmt und nicht nur im Interesse gro&szlig;er Konzerne in der Agrarindustrie handelt.<\/p><p>Schon mal was von Fake Food geh&ouml;rt? Darunter versteht man f&uuml;r gew&ouml;hnlich gef&auml;lschte Lebensmittel. Oliven&ouml;l zum Beispiel, das uns zum Spitzenpreis als &raquo;extra nativ&laquo; verkauft wird, aber mit minderwertigen &Ouml;len gepanscht wird. Wein, Honig, Milch, Gew&uuml;rze, Pferdefleisch-Lasagne, Parma-Schinken &ndash; die Liste der gef&auml;lschten Lebensmittel, die j&auml;hrlich einen Schaden von mehr als 13 Milliarden Euro* verursachen, ist lang, denn es fehlt an effektiven Kontrollen, um den kriminellen Lebensmittelf&auml;lschern das Handwerk zu legen, die damit Profite machen, wie sie sonst nur im illegalen Drogenhandel erzielt werden. F&uuml;r mich allerdings sind auch viele ganz legale Nahrungsmittel aus unserer hochindustrialisierten Lebensmittelproduktion nichts anderes als Fake Food. Ein St&uuml;ck Fleisch aus der Mastfabrik sieht vielleicht noch aus wie ein Rinderfilet oder eine H&uuml;hnerbrust, aber es hat wirklich nicht mehr viel damit zu tun.<\/p><p>Ich habe mich vor mehr als 20 Jahren aus dem elit&auml;ren Sterne-Zirkus verabschiedet, weil ich schon damals gesp&uuml;rt habe, dass wir auf einem v&ouml;llig falschen Weg unterwegs sind. Und das gilt heute mehr denn je. Wir m&uuml;ssen im eigenen Interesse Schluss machen mit Fake Food aus den Mastfabriken und der Ern&auml;hrungsindustrie und zur&uuml;ck zu einer authentischen Ern&auml;hrung kommen. Deshalb hei&szlig;t es jetzt: Ab in die K&uuml;che! Denn das ist der beste Weg, um die Kontrolle &uuml;ber unsere eigene Ern&auml;hrung zur&uuml;ckzugewinnen.<\/p><p>Statistisch betrachtet h&auml;lt sich n&auml;mlich die Begeisterung der Deutschen f&uuml;rs Kochen nach wie vor in Grenzen. Zusammengefasst sind es immerhin fast ein Viertel aller Deutschen, die nie oder h&ouml;chstens einmal in der Woche am heimischen Herd stehen. Hier ist also noch reichlich Luft nach oben und ich hoffe und w&uuml;nsche mir, dass Sie, liebe Leserinnen und Leser, ab sofort den Kochl&ouml;ffel h&auml;ufiger in die Hand nehmen.<\/p><p>* &raquo;Nahrungsmittelbetrug: Diese Lebensmittel werden besonders h&auml;ufig gef&auml;lscht&laquo;, online unter: <a href=\"http:\/\/www.geo.de\">www.geo.de<\/a><\/p><p>Titelbild: Lightspring\/shutterstock.com<\/p><p><em>Dieser Text ist ein Auszug aus: Franz Keller: <a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/Alle-Buecher\/Ab-in-die-Kueche.html?listtype=search&amp;searchparam=franz%20keller%20Ab%20in%20die%20K%C3%BCche%20\">&bdquo;Ab in die K&uuml;che! Wie wir die Kontrolle &uuml;ber unsere Ern&auml;hrung zur&uuml;ckgewinnen&ldquo;<\/a>, 224 Seiten mit zahlreichen Fotos, Westend Verlag 2020<\/em><\/p><p><a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/Alle-Buecher\/Ab-in-die-Kueche.html?listtype=search&amp;searchparam=franz%20keller%20Ab%20in%20die%20K%C3%BCche%20\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Franz_Keller_Ab_In_Die_Kueche-189x300.jpg\" alt=\"\" width=\"189\" height=\"300\" class=\"alignleft size-medium wp-image-68329\" srcset=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Franz_Keller_Ab_In_Die_Kueche-189x300.jpg 189w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Franz_Keller_Ab_In_Die_Kueche-154x245.jpg 154w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Franz_Keller_Ab_In_Die_Kueche.jpg 192w\" sizes=\"auto, (max-width: 189px) 100vw, 189px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der K&uuml;che geht es um das Wichtigste &uuml;berhaupt: um unser Leben. 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