{"id":68351,"date":"2021-01-03T11:30:30","date_gmt":"2021-01-03T10:30:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68351"},"modified":"2021-01-03T16:31:45","modified_gmt":"2021-01-03T15:31:45","slug":"machen-wir-uns-auf-einen-langen-weg-zu-einer-neuen-gesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68351","title":{"rendered":"Machen wir uns auf einen langen Weg zu einer Neuen Gesellschaft"},"content":{"rendered":"<p>Dies ist der letzte Auszug der am 22. Dezember begonnenen Serie mit Texten aus meinem Buch &bdquo;Die Revolution ist f&auml;llig&ldquo;. Es geht hier um die Einleitung zum Kapitel IV. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong><br>\n<!--more--><br>\n<strong>IV. Machen wir uns auf einen langen Weg zu einer Neuen Gesellschaft<\/strong><\/p><p><strong>Die Lage ist in vielerlei Hinsicht verkorkst. Die Rettung des Versprechens des Grundgesetzes, dass alle Macht vom Volke ausgehen soll, verlangt im Kern die Korrektur der einseitigen und ungerechten Verm&ouml;gensverh&auml;ltnisse, die Korrektur der publizistischen Macht weniger Medienkonzerne, die Wiederherstellung von Markt und Wettbewerb und die Befreiung aus der Vormundschaft der USA.<\/strong><\/p><p>Das w&auml;re das Minimum und es k&auml;me einer Revolution gleich. Es w&auml;re wie ein Neuanfang. So als wollten und k&ouml;nnten wir die Uhr zur&uuml;ckdrehen. Den notwendigen Ansatz f&uuml;r einen solchen radikalen Neuanfang bei der Verm&ouml;gensverteilung und der Verteilung der publizistischen Macht haben wir aber nicht und wir sehen ihn auch nicht, nicht einmal am Horizont. Hinzu kommt, dass es&nbsp;&ndash; alltagssprachlich ausgedr&uuml;ckt&nbsp;&ndash; hierzulande an vielen Ecken stinkt. Einen einzigen Hebel umzulegen, bringt nicht das Heil.<\/p><p>Die Korrektur der Verm&ouml;gensverh&auml;ltnisse w&uuml;rde hei&szlig;en, dass die Superreichen einen gro&szlig;en Teil ihres Verm&ouml;gens abgeben m&uuml;ssten. Piketty bringt 80&nbsp;Prozent ins Spiel. Bei der Besteuerung der Einkommen sogar 90&nbsp;Prozent.<\/p><p>Ich sehe nicht, wie das in der heutigen Zeit umgesetzt werden k&ouml;nnte. Nicht weil ich z&ouml;gerlich bin, sondern weil ich mir die gesellschaftliche Situation und die Stimmung ansehe. Wie zuvor schon beschrieben worden ist, haben die Menschen mehrheitlich gar nicht im Blick, dass es &uuml;berall und gerade auch bei der Verteilung der Verm&ouml;gen und Einkommen R&uuml;ckschritte gab und gibt. Sie sehen auch nicht, dass unsere Demokratie im eigentlichen Sinne des Wortes am Ende ist, dass die Macht nicht vom Volke ausgeht. <\/p><p>Die Besitzer von Spitzenverm&ouml;gen w&uuml;rden sich mit aller Gewalt dagegen wehren, dass man ihnen 80&nbsp;Prozent ihres Verm&ouml;gens wegsteuert. Sie w&uuml;rden sich in Deutschland auf das Grundgesetz berufen und behaupten, eine solche Steuer w&uuml;rde gegen das Grundgesetz versto&szlig;en. Im Grundgesetz&nbsp;Art.&nbsp;14 (1) hei&szlig;t es: &raquo;Das&nbsp;Eigentum&nbsp;und das Erbrecht werden gew&auml;hrleistet.&laquo; Sie w&uuml;rden behaupten, diese Eigentumsgarantie gelte unabh&auml;ngig davon, wie sie ihre Verm&ouml;gen erworben haben und wie ungerecht die Verteilung der Einkommen in den letzten Jahrzehnten geworden ist.&nbsp;<\/p><p>Auch von einer revolution&auml;ren Revolte muss man abraten. Die Reaktion der Herrschaft wird n&auml;mlich brutal sein. Einen Vorgeschmack darauf erlebten wir im Sommer 2020 in den USA. Dort schickt der US-Pr&auml;sident milit&auml;risch ausger&uuml;stete Bundespolizisten in den Kampf gegen antirassistische Proteste in einzelnen Staaten und St&auml;dten. <\/p><p>Wir haben die Reaktion der M&auml;chtigen, der Reichen und Einflussreichen auch beim Kampf der franz&ouml;sischen Polizei und des Staates gegen die Gelbwesten erlebt und auch im Kampf gegen die Gegner von Stuttgart 21: Mit dem Strahl von Wasserwerfern oder Gummigeschossen zerst&ouml;rte Augen, abgeschlagene Arme, f&uuml;rs Leben zu Kr&uuml;ppeln geschossene und geschlagene Menschen. Diese brutale Reaktion auf Demonstrationen und Revolten ist zu erwarten, sie wird ge&uuml;bt, sie macht Eindruck. Ich w&uuml;rde meine Enkel nicht in einen solchen Kampf schicken wollen. Die hinter den Reichen stehende Staatsmacht und Polizeimacht ist zu nahezu allem bereit. Die Polizei ist zudem im Kampf gegen Terroristen und andere angebliche Bedrohungen gut ger&uuml;stet worden. Die Chance, dass sich die Polizei mit aufst&auml;ndischen Jugendlichen oder mit dem Proletariat verb&uuml;nden w&uuml;rde, ist &auml;u&szlig;erst gering. Au&szlig;erdem genie&szlig;en die Oberschichten und die zurzeit politisch ma&szlig;geblichen Kr&auml;fte die Deckung durch die tonangebenden Medien.<\/p><p>Sosehr also eine wirkliche Revolution, also eine radikale Umverteilung und Umw&auml;lzung der Machtverh&auml;ltnisse f&auml;llig w&auml;re, sosehr es n&ouml;tig w&auml;re, die Uhr auf Start zur&uuml;ckzudrehen, so wenig gibt es aus heutiger Sicht Anhaltspunkte daf&uuml;r, dass dies erfolgreich m&ouml;glich w&auml;re. <\/p><p>Wir m&uuml;ssen also abwarten, Zeit gewinnen und auf grundlegende Ver&auml;nderungen hoffen und daran arbeiten. Zugegeben, das ist eine vage Hoffnung. Aber wer bietet mehr? Die einzige Revolution, die man sich ohne Blutvergie&szlig;en und vielleicht gekr&ouml;nt von Erfolg vorstellen k&ouml;nnte, w&auml;re eine Reform-Politik, wie sie nach dem Ersten Weltkrieg und dann mit Abstand nach dem Zweiten Weltkrieg mehr oder weniger konsequent betrieben worden ist. Sozial-, Steuer- und Bildungspolitik und ein starker Staat insgesamt sorgten f&uuml;r eine etwas gerechtere Gesellschaft. Piketty nennt die damals entstehenden Gesellschaften die &raquo;sozialdemokratischen Gesellschaften&laquo;. Wenn der Begriff sozialdemokratisch nicht so sehr verbrannt w&auml;re, k&ouml;nnte man diesen wiederbeleben, um zu kennzeichnen, was man sich als Konzept einer grundlegenden und&nbsp;&ndash; wie ich meine&nbsp;&ndash; im Endeffekt revolution&auml;ren Ver&auml;nderung der jetzigen Gesellschaft durch eine breit gef&auml;cherte Reformpolitik vorstellen k&ouml;nnte. Das liefe auf eine Art Kulturrevolution hinaus.<\/p><p><em>Auszug aus Albrecht M&uuml;ller: Die Revolution ist f&auml;llig. Aber sie ist verboten. Westend Verlag. September 2020. 192 Seiten. 16 &euro;. Buchhandel oder <a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/buecher-mehr\/die-revolution-ist-faellig.html\">hier<\/a>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dies ist der letzte Auszug der am 22. Dezember begonnenen Serie mit Texten aus meinem Buch &bdquo;Die Revolution ist f&auml;llig&ldquo;. 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