{"id":68466,"date":"2021-01-04T14:12:50","date_gmt":"2021-01-04T13:12:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68466"},"modified":"2021-01-04T15:58:35","modified_gmt":"2021-01-04T14:58:35","slug":"schweden-am-scheideweg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68466","title":{"rendered":"Schweden am Scheideweg"},"content":{"rendered":"<p>Im Schwedischen, D&auml;nischen und Norwegischen hei&szlig;t Weihnachten heute &bdquo;Jul&ldquo;. Eines der bedeutendsten heidnischen Feste, das lange vor der Christianisierung gefeiert wurde, war das Julfest. Es dauerte zw&ouml;lf Tage, und zwar vom 25. Dezember bis zum 6. Januar. Dem voraus geht am 21. Dezember die Wintersonnenwende. Die Tage werden wieder l&auml;nger, das Licht kehrt zur&uuml;ck. Man muss jetzt Schaden abwenden, denn Magie und b&ouml;ser Zauber gehen um, so glaubte man einst in Schweden und Nordeuropa. Traditionen wie der Weihnachtsbaum stammen noch aus der heidnischen Zeit. Es ist die Zeit der Ungewissheit, in der Gegenwart und Zukunft aufeinandertreffen und man Gefahren abwenden muss. Von <strong>Henning Rosenbusch<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nBesser l&auml;sst sich die derzeitige Situation in Sachen Corona in Schweden kaum beschreiben. Die Angst geht um, vor weiteren Toten und einem &uuml;berlasteten Gesundheitssystem durch die Covid-19-Pandemie. Gegenwart und Zukunft treffen aufeinander, weil der schwedische Sonderweg nun schlussendlich, nach einem dreiviertel Jahr voller Unkenrufen, doch am Scheidepunkt angekommen ist und von den Gesundheitsbeh&ouml;rden, in einer verzweifelten Antwort auf die mehrfach vorgezogenen und forcierten neuen Gesetzesvorhaben der Regierung L&ouml;fven, vehement verteidigt wird. Ungewissheit herrscht dar&uuml;ber, wie weit das neue Pandemie-Gesetz in die Grundrechte der Menschen eingreifen wird, sofern dies in Schweden verfassungsrechtlich in dieser Geschwindigkeit &uuml;berhaupt zul&auml;ssig ist. Und aufgrund dessen gibt es auch noch andere, in Deutschland bekannte, in Schweden neue &Auml;ngste vor zu tiefen Eingriffen des Staates in das t&auml;gliche Leben und die Freiheit. Nur in einem sind sich alle einig: Gefahren m&uuml;ssen abgewendet werden. <\/p><p>Der Gro&szlig;teil der schwedischen Medien und auch die Regierung fokussieren und konzentrieren sich in dieser Frage mehr denn je auf das Sterben mit und an Covid-19, auf steigende Fallzahlen, (angeblich) &uuml;berlastete Hospit&auml;ler und auf die Suche nach den Fehlern, die in diesem Zusammenhang in Schweden geschehen sind. Der erste Teilbericht des schwedischen Corona-Untersuchungsausschusses, der wie angek&uuml;ndigt Mitte Dezember ver&ouml;ffentlicht wurde, lieferte daf&uuml;r reichlich Anklagepunkte und die Schuldigen sind darin eindeutig benannt worden, er liest sich wie eine schallende Ohrfeige f&uuml;r die Regierung. &bdquo;Der Pflegebereich war unvorbereitet und schlecht ausger&uuml;stet, so war keine Pandemie zu bew&auml;ltigen&ldquo;, hei&szlig;t es in den mehr als 300 Seiten und: &bdquo;F&uuml;r diese Vers&auml;umnisse tr&auml;gt die jetzige Regierung, wie auch die fr&uuml;heren, die eindeutige Verantwortung&ldquo;,&nbsp;lautet das Urteil der Kommission. <\/p><p>Und hierauf bezog sich K&ouml;nig Carl Gustav vor allem, als er zwei Tage sp&auml;ter bei einem R&uuml;ckblick aufs Jahr 2020 verk&uuml;ndete: &bdquo;Schweden hat versagt&ldquo;. 8279 Coronatote meldete Schwedens Gesundheitsbeh&ouml;rde Folkh&auml;lsomyndigheten (FHM) am Wochenende. Mehr als 90 Prozent waren &auml;lter als 70 Jahre und mehr als drei Viertel von ihnen lebten in Alten- und Pflegeeinrichtungen. Und nun gilt es zu differenzieren bei der Analyse des Versagens in Schweden: Staatsepidemiologe Anders Tegnell und FHM haben den lockeren Umgang mit der Pandemie ohne Lockdown au&szlig;erhalb der Heime zu verantworten, aber Tegnell hatte im Februar schon ausgerufen, die &auml;ltere Bev&ouml;lkerung mit aller Macht sch&uuml;tzen zu wollen. Seine strengen Auflagen wurden in den Heimen nicht umgesetzt. Herauszufinden warum, war Aufgabe des Untersuchungsausschusses. &Uuml;brigens gab es vor rund sechs Jahren schon einen Untersuchungsbericht &uuml;ber den Zustand der Heime, der zu einem ganz &auml;hnlichen Ergebnis gekommen ist. Konsequenzen seither: keine, so zumindest das diesbez&uuml;gliche Res&uuml;mee der Tageszeitung Dagens Nyheter. &bdquo;Ich denke, angesichts all der Menschen, die einfach gestorben sind, und der Trauer und der Frustration in vielen Familien und auch vieler Unternehmer, die auf die Knie gegangen sind und vielleicht sogar ihr Gesch&auml;ft verloren haben: Es ist ein schreckliches Jahr, das uns getroffen hat&ldquo;, so K&ouml;nig Carl Gustaf, der auch Kollateralsch&auml;den von Ma&szlig;nahmen nicht &uuml;bersieht. Diese spielen bei der Debatte um Versch&auml;rfungen schon immer eine ungleich gr&ouml;&szlig;ere Rolle als etwa in Deutschland. <\/p><p>Das schwedische Finanzministerium rechnet f&uuml;r 2020 insgesamt mit einem R&uuml;ckgang des BIP um 2,9 Prozent. Finanzministerin Magdalena Andersson stellte fest, dass die Erholung im Herbst st&auml;rker ausgefallen sei als erwartet. &bdquo;Vor diesem Hintergrund ist die Stimmung im Land derzeit eher von Zuversicht gepr&auml;gt, wenn auch nicht in allen Branchen&ldquo;, sagt Valle Wigers, Pressesprecher der Deutsch-Schwedischen Handelskammer. Die Wirtschaftsleistung der gesamten Euro-Zone soll laut EU-Kommission 2020 durchschnittlich um 7,7 Prozent zur&uuml;ckgehen. Eine Sch&auml;tzung von Anfang November, die die derzeitigen Lockdowns noch nicht beinhaltet. <\/p><p>Die Regierung L&ouml;fven h&auml;tte aber offensichtlich lieber fr&uuml;her als sp&auml;ter die M&ouml;glichkeit, tiefer ins &ouml;ffentliche Leben und die Grundrechte der Schweden einzugreifen. Eine Verfassungs&auml;nderung, die nach einer &bdquo;wohl&uuml;berlegten Abw&auml;gung&ldquo; zun&auml;chst im Sommer &bdquo;von einer gro&szlig;en Mehrheit im Parlament getragen&ldquo; werden sollte, reichte sp&auml;ter in den Augen der Regierung nicht mehr aus und so sollte dann im M&auml;rz, und jetzt vorgezogen auf den 15. und nochmal auf den 10. Januar, ein Gesetz verabschiedet werden, das solche Eingriffe verfassungskonform erm&ouml;glichen soll und muss. Denn: Um die Verfassung zu &auml;ndern, ben&ouml;tigt ein vorgebrachter &Auml;nderungsvorschlag im schwedischen Reichstag zun&auml;chst die einfache Mehrheit. Falls diese zustande gekommen ist, muss der Vorschlag in der darauffolgenden Legislaturperiode abermals mit einfacher Mehrheit angenommen werden. In jedem Fall also muss zwischen den beiden Abstimmungen eine Reichstagswahl liegen, so dass das Volk Einfluss auf die Parteien- bzw. Mehrheitsverh&auml;ltnisse der zweiten Abstimmung nehmen kann.<\/p><p>&bdquo;Die k&ouml;nnen hier nicht einfach alles dicht machen und die Menschen zuhause einsperren, das erlaubt unsere Verfassung nicht. So einfach geht das nicht in Schweden&ldquo;, darauf besteht die 46-j&auml;hrige Jenny am Weihnachtsabend am Telefon zu ihrer Mutter Vanja in Karlsborg. Sie wollte dieses erste Weihnachten auf Distanz seit vielen Jahrzehnten &ndash; damit nichts schiefgeht: Ihre Familie hat berufsbedingt viele Kontakte und Jenny h&auml;lt sich auch sonst an die Vorgaben von Tegnell und FHM. Aber selbstbestimmt und freiwillig, und &bdquo;das soll auch so bleiben&ldquo;, betont sie.<\/p><p>In den letzten Umfragen lag Tegnell noch bei 59 Prozent Zustimmung, auch wenn gro&szlig;e Teile der Bev&ouml;lkerung starke Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus haben. Unter Druck war und ist nach dem verheerenden Urteil der Untersuchungskommission die Regierung L&ouml;fven und diese reagierte, vermutlich im Alleingang ohne Beteiligung der Gesundheitsbeh&ouml;rden, mit der Ank&uuml;ndigung von weiteren Versch&auml;rfungen vor Weihnachten f&uuml;r Menschen au&szlig;erhalb des Pflegebereichs: das Verbot des Alkoholverkaufs wurde von 22 Uhr auf 20 Uhr vorgezogen und zum ersten Mal sollte FHM eine Empfehlung verk&uuml;nden, in &ouml;ffentlichen Verkehrsmitteln zu Sto&szlig;zeiten Masken zu tragen. Obergrenzen f&uuml;r die Anzahl der Besucher in Gesch&auml;ften und Fitnessstudios wurden ebenso eingef&uuml;hrt wie eine weitere Versch&auml;rfung von acht auf maximal vier Personen pro Tisch in Restaurants. Wenn die Gruppe gr&ouml;&szlig;er ist, so muss zum weiteren Tisch mindestens ein Abstand von einem Meter eingehalten werden.<\/p><p>Von landesweiten Lockdowns ist aber bisher weiter nicht die Rede: L&ouml;fven glaubt, dass die schwedische Bev&ouml;lkerung dies nicht mittragen w&uuml;rde. Und Gesundheitsministerin Lena Hallengren sieht ebenso keinen unbedingten Erfolg von scharfen Ma&szlig;nahmen und Ausgangssperren: &bdquo;Es ist schlicht falsch, zu denken, dass man das Virus los wird, wenn man einfach alles schlie&szlig;t, was man kann&ldquo;, und verweist, einmal &ouml;fter angesprochen auf den Vergleich der skandinavischen L&auml;nder, auf die mittlerweile bessere Todesbilanz Schwedens im Zusammenhang mit Covid-19 &bdquo;im Vergleich mit Belgien, den Niederlanden, Gro&szlig;britannien, Spanien und Frankreich.&ldquo;<\/p><p>Weder der Staatsepidemiologe Tegnell noch der Leiter der schwedischen Gesundheitsbeh&ouml;rden, Johan Carlson, &auml;u&szlig;erten sich in den Folgetagen zum erneuten Vorpreschen der Regierung. Tegnell gab zwar vor Weihnachten noch ein Radiointerview, aber die aktuelle Entwicklung war dabei offensichtlich ausgeklammert worden. Einen Tag vor Heiligabend dann <a href=\"https:\/\/www.aftonbladet.se\/nyheter\/a\/865wbQ\/fhm-pandemilagen-loser-inte-alla-problem\">ein offizielles Antwortschreiben<\/a> der bisher weitgehend unabh&auml;ngig operierenden Gesundheitsbeh&ouml;rde FHM auf die Gesetzesvorhaben der schwedischen Regierung und das hat es in sich: &bdquo;Die &uuml;berwiegende Mehrheit der Covid-19-F&auml;lle wurde zu Hause, im privaten Raum oder bei der Arbeit infiziert. Der Gesetzentwurf behandelt diese Situationen nicht. Auch nach der Einf&uuml;hrung dieses Pandemiegesetzes werden pers&ouml;nliche Verantwortung und Freiwilligkeit weiterhin von entscheidender Bedeutung sein, um die Ausbreitung von Infektionen zu verlangsamen&rdquo;, verteidigt FHM seine bisherigen Positionen und Empfehlungen &ndash; und geht noch weiter. &bdquo;Die Ansammlung von Menschen haupts&auml;chlich mit dem Gesetz &uuml;ber die &ouml;ffentliche Ordnung und dem Gesetz &uuml;ber Alkohol zu regulieren, w&auml;ren aus obigen Gr&uuml;nden &bdquo;stumpfe Instrumente&ldquo;, und die Idee des neuen Pandemiegesetzes best&uuml;nde doch darin, &bdquo;leistungsf&auml;higere und genauere Werkzeuge zu haben.&ldquo;<\/p><p>Mit dem neuen Gesetz wolle die Regierung beispielsweise &uuml;ber die Schlie&szlig;ung von Einkaufszentren und &ouml;ffentlichen Verkehrsmitteln verf&uuml;gen oder Menschen den Aufenthalt in Parks und Str&auml;nden untersagen. Ein Unterschied zu heute w&auml;re au&szlig;erdem, dass bei Regelverst&ouml;&szlig;en Geldstrafen ausgesprochen werden k&ouml;nnen. Die Beh&ouml;rde glaubt jedoch nicht, dass solche Eingriffe entscheidend dazu beitragen, die Ausbreitung von Infektionen zu verlangsamen: &bdquo;Das Wichtigste wird weiterhin sein, dass Menschen freiwillig Verantwortung &uuml;bernehmen, Abstand halten und zu Hause bleiben, wenn sie Symptome haben.&ldquo;<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/210104-Schweden-01.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/210104-Schweden-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Da &auml;hnliche Ma&szlig;nahmen im schwedischen Kontext historisch beispiellos w&auml;ren und &bdquo;die kurzfristigen Auswirkungen &ndash; und Nebenwirkungen &ndash; nat&uuml;rlich nicht vorhergesagt werden k&ouml;nnen,&ldquo; m&uuml;ssten solche Ma&szlig;nahmen, sofern es &uuml;berhaupt Gr&uuml;nde daf&uuml;r g&auml;be, sie zu verh&auml;ngen, mindestens alle zwei Wochen evaluiert werden, &bdquo;das w&auml;re aus Sicht der Infektionskontrolle ein wichtiges Sicherheitsventil&rdquo;, hei&szlig;t es in der FHM-Antwort weiter. Ohnehin h&auml;tten die lokalen Gesundheitsbeh&ouml;rden schon immer &uuml;ber solche Mittel verf&uuml;gt und sie im Fall der F&auml;lle auch anwenden k&ouml;nnen.<\/p><p>Der im Hintergrund vermutete Konflikt zwischen Gesundheitsbeh&ouml;rden und Regierung wird also nun zunehmend mit offenem Visier ausgetragen. Eine Mehrheit der schwedischen Kommentatoren forderte in den letzten Tagen mit dem wiederholten Verweis auf skandinavische Nachbarn Versch&auml;rfungen, andere dagegen verglichen Schweden auch mit L&auml;ndern in Mittel- und S&uuml;deuropa und stellen den Sinn von sch&auml;rferen Ma&szlig;nahmen infrage. Recht gibt diesen auch die Entwicklung abseits der Fallzahlen in Schweden: Die Intensiveinweisungen haben sich auf (unter) 60 Prozent des Niveaus im April stabilisiert und auch in Sachen Todesf&auml;lle zeichnet sich seit Wochen ein Plateau auf &auml;hnlichem Level ab. <\/p><p>Zu einem regelrechten Aufschrei in den sozialen Netzwerken f&uuml;hrte in diesen Tagen <a href=\"https:\/\/www.dn.se\/insandare\/slaende-likheter-mellan-tegnell-och-trump\/\">ein Vergleich von Staatsepidemiologe Tegnell mit US-Pr&auml;sident Trump<\/a> im Dagens Nyheter von Jan van der Linden, Professor f&uuml;r Thoraxan&auml;sthesie und Intensivmedizin am k&ouml;niglichen Karolinska Institut. Beide g&auml;ben niemals Fehler zu, beschuldigten immer andere, glaubten, sie h&auml;tten immer recht, wendeten das Vorsorgeprinzip nicht an und spielten Covid-19 herunter. Die Gleichsetzung mit dem in Schweden &auml;u&szlig;erst unbeliebten, ja geradezu verhassten Trump ging dann aber selbst einigen Tegnell-Kritikern zu weit.<\/p><p>Am vergangenen Wochenende gab es dann so unerwartete wie namhafte und zahlreiche Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Gesundheitsbeh&ouml;rden und deren Unabh&auml;ngigkeit und zwar in der Sonntagsausgabe der gleichen Zeitung. Unter dem Titel &ldquo;<a href=\"https:\/\/etidning.dn.se\/2357\/Dagens-Nyheter\/364223\/2020-12-27\/17760103\/Lat-inte-covid-19-pandemin-kullkasta-folkhalsoarbetet\">Lassen Sie nicht zu, dass die Covid-19-Pandemie das schwedische  Gesundheitssystem umkrempelt<\/a>&rdquo; schrieben der bekannte schwedische Wissenschaftsphilosoph und Intellektuelle Torbj&ouml;rn T&auml;nnsj&ouml;, ehemaliges Mitglied des medizinischen Ethikausschusses der medizinischen Fakult&auml;t der Universit&auml;t G&ouml;teborg und der Ethikkommission des k&ouml;niglichen Karolinska-Instituts und acht weitere bekannte Forscher und Experten aus verschiedensten Fachrichtungen vehement gegen das neue Gesetz an: Man k&ouml;nne in Schweden auch Todesf&auml;lle vermeiden, indem man das Rauchen verbiete, &uuml;ber Mobiltelefon kontrolliere, ob jeder seine 10.000 Schritte am Tag gehe, eine Impfpflicht gegen Grippe einf&uuml;hrt und verbiete, &ouml;fter als einmal pro Woche rotes Fleisch zu essen. &bdquo;So eine Liste kann am Ende lang werden. Aber bisher gab es in Schweden einen Konsens von Wissenschaft, Politik und Beh&ouml;rden, dass es solche Eingriffe in die pers&ouml;nliche Freiheit niemals geben wird.&ldquo;<\/p><p>Die schwedische Gesundheitsarbeit in der Pandemie basiere bisher auf Freiwilligkeit und nicht zuletzt auf Vertrauen: &bdquo;Politisches und staatliches Vertrauen in die B&uuml;rger sowie das Vertrauen der B&uuml;rger in Regierung und Politik und vor allem das Vertrauen der B&uuml;rger zueinander. Dies ist eine Strategie, die unserer Auffassung von Demokratie und dem Gleichgewicht zwischen Selbstbestimmung der Menschen und dem Wunsch der Gesellschaft nach einem gesunden Leben entspricht.&ldquo; Die M&auml;ngel in der Altenpflege, die die Covid-19-Pandemie so brutal aufgedeckt habe und die nun hoffentlich behoben werden, w&auml;ren kein Argument gegen die Eckpfeiler der schwedischen Gesundheitsarbeit, so die Wissenschaftler in ihrem Offenen Brief: &bdquo;Die t&auml;gliche Berichterstattung &uuml;ber die Anzahl der Todesf&auml;lle in Covid-19, jedoch nicht &uuml;ber die viel gr&ouml;&szlig;ere Anzahl, die aus anderen Gr&uuml;nden t&auml;glich sterben, birgt jedoch das Risiko, den Menschen ein zu enges Bild der Realit&auml;t zu vermitteln.&ldquo; Zum Beispiel, weil kaum &uuml;ber die enormen Folgen von Corona-Ma&szlig;nahmen f&uuml;r Krankheit und Mortalit&auml;t aus anderen Gr&uuml;nden berichtet wird.&ldquo;<\/p><p>Die Experten kommen zu folgendem Schluss: &bdquo;Aus unserer Sicht hatte Schweden bisher im Wesentlichen eine langfristige und gut durchdachte Strategie f&uuml;r die Arbeit im Bereich der &ouml;ffentlichen Gesundheit verfolgt. Auch was Covid-19 betrifft.&ldquo;<\/p><p>Auf den Seiten der juristischen Fachpublikation Dagens Juridik <a href=\"https:\/\/www.dagensjuridik.se\/debatt\/forslaget-till-ny-covid-19-lag-bor-forpassas-till-historiens-skraphog\/\">nahm sich der Jurist und Politikwissenschaftler Axel Berglund das Gesetzesvorhaben zur Brust<\/a> und kommt nach Kritik an Ungenauigkeiten und einer Abhandlung &uuml;ber Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeiten und neue Daten im Vergleich mit anderen L&auml;ndern zu folgendem Schluss: &bdquo;In seiner jetzigen Form ist der Vorschlag f&uuml;r ein Covid-19-Gesetz ein Dokument, das bereits heute im M&uuml;llhaufen der Geschichte landen sollte. Dieses Papier ist nichts, worauf die Regierung stolz sein darf, und dass dieser Gesetzesvorschlag nun auch noch zwischen den Jahren beschleunigt umgesetzt werden soll, macht die Sache umso ernster.&ldquo;<\/p><p>Und so ist das zehnt&auml;gige Julfest 2020\/2021 in Schweden wahrlich eine Zeit der Ungewissheit, in der in Schweden Gegenwart und Zukunft aufeinandertreffen. Selbst ein Hauch von Magie und b&ouml;sem Zauber wohnt diesen Zeiten inne, sofern man diese den Religionen zuordnen will und dem <a href=\"https:\/\/sebastianrushworth.com\/2020\/12\/26\/a-very-odd-year\/\">traurigen Jahresr&uuml;ckblick von Dr. Sebastian Rushworth<\/a> Glauben schenkt: der schwedische Arzt, der in einer Notaufnahme Stockholms im Zentrum des Sturms der ersten Welle seinen Dienst tat und tut und dessen Blogbeitr&auml;ge daraufhin nicht nur im Spectator, sondern auch auf den NachDenkSeiten ver&ouml;ffentlicht und besprochen wurden, res&uuml;miert: &bdquo;Die weltweite Reaktion auf Covid-19 begann sich f&uuml;r mich im Laufe des Jahres immer mehr wie Religion als wie Wissenschaft anzuf&uuml;hlen.&ldquo; Mit der zweiten Corona-Welle w&auml;re auch eine weitere Welle der Hysterie &uuml;ber viele L&auml;nder hereingebrochen, in vielen F&auml;llen schlimmer als beim ersten Mal: &bdquo;In Schweden ist das sicherlich der Fall. Die Regierung schl&auml;gt nun einen viel alarmistischeren Ton an, obwohl die erste Welle viel schlimmer gewesen ist, zumindest in Bezug auf die Zahl der Todesopfer.&ldquo; Und obwohl es inzwischen handfeste Beweise daf&uuml;r g&auml;be, dass die Todesrate viel niedriger sei, als urspr&uuml;nglich angenommen, und sich die Hinweise mehrten, dass Angstmacherei, Ausgangssperren und Lockdowns w&auml;hrend der ersten Welle viel mehr Schaden als Nutzen angerichtet h&auml;tten, g&auml;be es erneute Rufe nach noch strengeren Ma&szlig;nahmen. Der schwedische Arzt sehnt sich nach der &bdquo;R&uuml;ckkehr des Lichts&ldquo; in Sachen Gesundheitspolitik und Wissenschaft : &bdquo;Hoffen wir, dass 2021 ein ges&uuml;nderes Jahr wird als 2020.&ldquo; <\/p><p>Bilder: &copy; Henning Rosenbusch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Schwedischen, D&auml;nischen und Norwegischen hei&szlig;t Weihnachten heute &bdquo;Jul&ldquo;. Eines der bedeutendsten heidnischen Feste, das lange vor der Christianisierung gefeiert wurde, war das Julfest. Es dauerte zw&ouml;lf Tage, und zwar vom 25. Dezember bis zum 6. Januar. Dem voraus geht am 21. Dezember die Wintersonnenwende. Die Tage werden wieder l&auml;nger, das Licht kehrt zur&uuml;ck. Man<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68466\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":68467,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[149,20],"tags":[1112,2958,2857,1398,2997,2128,2834,2852],"class_list":["post-68466","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-gesundheitspolitik","category-landerberichte","tag-buergerrechte","tag-hygieneregeln","tag-lockdown","tag-schweden","tag-tegnell-anders","tag-verfassung","tag-virenerkrankung","tag-wirtschaftsdepression"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/210104-Schweden-titel.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/68466","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=68466"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/68466\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":68478,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/68466\/revisions\/68478"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/68467"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=68466"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=68466"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=68466"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}