{"id":68708,"date":"2021-01-11T09:29:42","date_gmt":"2021-01-11T08:29:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68708"},"modified":"2021-01-12T07:26:16","modified_gmt":"2021-01-12T06:26:16","slug":"covid-19-in-thailand-und-seinen-nachbarlaendern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68708","title":{"rendered":"Covid 19 in Thailand und seinen Nachbarl\u00e4ndern"},"content":{"rendered":"<p>Corona, Corona und nochmals Corona. Das Thema beherrscht die Nachrichten in den Medien, nicht nur in Deutschland, wie kaum ein anderes Thema jemals zuvor in der Geschichte. Dar&uuml;ber, was in anderen L&auml;ndern der Welt passiert, wird seit Ausbruch der Pandemie meist nur noch wenig berichtet. Wir wollen deshalb f&uuml;r unsere Leser einen Blick nach S&uuml;dostasien, vor allem aber nach Thailand werfen. Wie sieht es dort aus im Land, inwieweit ist Thailand betroffen und welche Ma&szlig;nahmen zur Eind&auml;mmung wurden verh&auml;ngt? Ein Bericht der NachDenkSeiten-Leserin <strong>Phu Schreiber<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6827\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-68708-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210111-Covid-19-in-Thailand-und-seinen-Nachbarlaendern-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210111-Covid-19-in-Thailand-und-seinen-Nachbarlaendern-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210111-Covid-19-in-Thailand-und-seinen-Nachbarlaendern-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210111-Covid-19-in-Thailand-und-seinen-Nachbarlaendern-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=68708-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210111-Covid-19-in-Thailand-und-seinen-Nachbarlaendern-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"210111-Covid-19-in-Thailand-und-seinen-Nachbarlaendern-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Thailand, das Land des L&auml;chelns, ist ein Land, das viele Deutsche aus dem Urlaub kennen. An Urlaub in Thailand ist zurzeit jedoch nicht zu denken. Die Grenzen nach Thailand sind dicht, die Einreise ist seit April 2020 nur noch mit einer Sondergenehmigung erlaubt, Tourismus ist von Sondergenehmigungen ausgeschlossen. Dasselbe gilt auch f&uuml;r die angrenzenden L&auml;nder Burma (Myanmar), Laos, Kambodscha und Malaysia, aber auch f&uuml;r Vietnam, das nicht direkt an Thailand grenzt.<\/p><p>Wie aus untenstehender Tabelle hervorgeht, ist S&uuml;dostasien bisher von der Pandemie ziemlich verschont geblieben. (Stand 10. Januar 2021)<\/p><table style=\"width: 100%;\">\n<thead>\n<tr>\n<td>Land<\/td>\n<td>Bev&ouml;lkerung (in Mio E.W)<\/td>\n<td>F&auml;lle<\/td>\n<td>Genesen<\/td>\n<td>Todesf&auml;lle<\/td>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Thailand<\/td>\n<td>66,55<\/td>\n<td>9841<\/td>\n<td>5255<\/td>\n<td>67<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Burma<\/td>\n<td>53,71<\/td>\n<td>129.500<\/td>\n<td>112.900<\/td>\n<td>2.800<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Laos<\/td>\n<td>7,06<\/td>\n<td>41<\/td>\n<td>40<\/td>\n<td>0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Kambodscha<\/td>\n<td>16,00<\/td>\n<td>387<\/td>\n<td>365<\/td>\n<td>0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Malaysia<\/td>\n<td>31,53<\/td>\n<td>131.100<\/td>\n<td>105.400<\/td>\n<td>537<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Vietnam<\/td>\n<td>95,54<\/td>\n<td>1512<\/td>\n<td>1357<\/td>\n<td>35<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Gesamt<\/td>\n<td>270,39<\/td>\n<td>272.381<\/td>\n<td>225.317<\/td>\n<td>3.439<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table><p>Bei einer Gesamtbev&ouml;lkerung von mehr als 270 Millionen Menschen in den f&uuml;nf L&auml;ndern gab es bisher nur rund 270.000 Ansteckungen (1 Promille) und davon nur 3439 Todesf&auml;lle. (1,3 Prozent).<\/p><p><strong>Thailand und die Pandemie<\/strong><\/p><p>Thailand hatte die Pandemie seit ihrem Ausbruch im M&auml;rz weitgehend unter Kontrolle, wenn auch mit verheerenden Folgen f&uuml;r die Wirtschaft. Denn Thailand machte, wie alle anderen L&auml;nder in der Region auch, seine Grenzen dicht. Kurzzeitig gab es ein n&auml;chtliches Ausgehverbot und der inl&auml;ndische Verkehr zwischen den verschiedenen Provinzen wurde f&uuml;r einige Wochen stark eingeschr&auml;nkt. Von Mai bis Dezember 2020 lag die Zahl der Coronaf&auml;lle stabil bei etwa 3600. Es kamen monatelang nur vereinzelt neue F&auml;lle hinzu.<\/p><p>Im M&auml;rz 2020 wurde der Ausnahmezustand ausgerufen, der seither jeden Monat verl&auml;ngert wurde. Davon merkt man zwar nichts im Alltag, aber es gibt der Milit&auml;rdiktatur von General Prayut Sonderrechte zur Kontrolle der Bev&ouml;lkerung. Seit April fliegen kaum noch Flugzeuge von und nach Thailand. Die Ein- und Ausreise auf dem Landweg in die Nachbarl&auml;nder Laos, Kambodscha, Burma und Malaysia ist so gut wie unm&ouml;glich, die Grenzen sind dicht und zwar auf beiden Seiten.<\/p><p>In Thailands Nachbarl&auml;ndern Burma &amp; Malaysia war seit Ende August ein starker Anstieg der Coranainfektionen zu verzeichnen. Mit Burma hat Thailand eine 2.400 km lange Grenze, die sehr durchl&auml;ssig ist, da sie durch unwegsames Gebiet f&uuml;hrt und es unm&ouml;glich ist, &uuml;berall alles zu kontrollieren. Einheimische kennen immer einen Weg durch den Dschungel. Thailand hat seit Jahrzehnten burmesische Arbeiter vor allem in der Landwirtschaft als Erntehelfer besch&auml;ftigt. Diese Arbeitskr&auml;fte sind sehr billig und halten sich oft illegal im Land auf, was zus&auml;tzlich dazu beihilft, die L&ouml;hne zu dr&uuml;cken. Eine karge Unterkunft, ein karges Essen und 5 USD Tageslohn sind eher die Norm. Thailand beutet diese Menschen genauso aus wie Spanien seine afrikanischen Tomatenpfl&uuml;cker oder Deutschland seine Spargelstecher. Die Not treibt sie ins Land, das bisschen Geld, das sie in Thailand bekommen, ist immer noch mehr, als sie in Burma verdienen k&ouml;nnten. Besonders die Fischindustrie, in der viele von ihnen besch&auml;ftigt sind, steht, was die Arbeitsbedingungen anbelangt, in schlechtem Ruf. Die Fischkutter erregten in der Vergangenheit mehrfach Aufsehen im In- und Ausland, weil dort Menschen gegen ihren Willen festgehalten und zur Arbeit gezwungen wurden.<\/p><p>Es war daher nur eine Frage der Zeit, bis sich eine neue Corona-Welle auch auf Thailand ausbreiten w&uuml;rde. Seit dem 19. Dezember verzeichnete das Land einen massiven Anstieg der t&auml;glichen Infektionsraten, die Zahl der registrierten F&auml;lle stieg von 3.600 auf jetzt 10.000, davon zur Zeit noch 4.500 in Behandlung. Die Zahl der Toten stieg von 60 auf 66. Die bef&uuml;rchtete zweite Welle.<\/p><p>Der Hotspot wurde in einem Krabbenmarkt in der Provinz Nakhon Sakhon, die an Bangkok grenzt, verortet. Burmesische Wanderarbeiter, die dort in der Fischindustrie besch&auml;ftigt sind und teils illegal eingereist waren, hatten das Virus vermutlich eingeschleppt. Unter dieser Gruppe wurden auch die meisten Infizierten gefunden. Der Krabbenmarkt ist nat&uuml;rlich l&auml;ngst geschlossen, wenige Tage sp&auml;ter wurde die Provinz Nakhon Sakhon abgeriegelt, man kann sie zurzeit nur noch mit Sondergenehmigung verlassen.<\/p><p>Ein zweiter Hotspot kommt von illegalen Spielcasinos in der Provinz Rayong. Gl&uuml;cksspiel ist in Thailand verboten. Der Vizepremier hatte bei Bekanntgabe noch behauptet, in Bangkok g&auml;be es keine illegalen Spielcasinos, musste aber schon kurz danach zur&uuml;ckrudern und erkl&auml;ren, man habe ihn falsch verstanden. Thais sind f&uuml;r ihre Spielerleidenschaft bekannt und illegales Gl&uuml;cksspiel ist in Thailand genauso eine Seuche wie der Konsum von Drogen und hat auch schon genau so viele Familien ins Ungl&uuml;ck gest&uuml;rzt wie der Drogenmissbrauch. Wie dem auch sei, zahlreiche Spielh&ouml;llen wurden jetzt ausgehoben und einige Betreiber wurden verhaftet. Auch in Bangkok.<\/p><p>Bereits vor einem Monat war ein Hotspot in einem Luxusbordell in Burma ausgemacht worden, oben im Norden an der Grenze zu Thailand. Dort &ldquo;arbeiteten&rdquo; auch thail&auml;ndische Frauen, die zwischen den beiden L&auml;ndern hin und her pendelten und das Bordell wurde auch von Thais frequentiert. Obwohl die Grenzen offiziell dicht waren.<\/p><p>Die Wanderarbeiter in Thailand sind bedauernswerte Menschen. Jetzt besteht auch noch die Gefahr, dass sie auf unfaire Weise zum S&uuml;ndenbock gemacht und verfolgt werden. Hassreden gegen Migranten aus Myanmar nehmen in den sozialen Medien bedrohlich zu. Thailands Wirtschaft aber w&uuml;rde heute nicht mehr funktionieren ohne die Migranten aus Burma und Laos.<\/p><p><strong>Ma&szlig;nahmen<\/strong><\/p><p>Jetzt wurde der inl&auml;ndische Reiseverkehr wieder stark eingeschr&auml;nkt, Reisende aus Bangkok und anderen Provinzen m&uuml;ssen eventuell sogar in eine 14-Tage-Quarant&auml;ne, je nachdem, wo sie einreisen wollen. In Phuket wurde dar&uuml;ber hinaus noch Maskenpflicht verordnet. Die einzelnen Ma&szlig;nahmen sind in den 70 verschiedenen Provinzen unterschiedlich, k&ouml;nnen sich t&auml;glich &auml;ndern und werden von den jeweiligen Provinzverwaltungen ausgerufen. Bangkok und 28 andere Provinzen wurden zu &bdquo;roten Provinzen&ldquo; erkl&auml;rt, d.h. Provinzen mit erh&ouml;hter Ansteckungsgefahr. In 20 weiteren Provinzen gibt es keine neuen F&auml;lle.<\/p><p>Checkpoints sind auf den Stra&szlig;en eingerichtet. Temperaturkontrollen und Reisedokumente werden kontrolliert. Menschen, die aus den f&uuml;nf am h&auml;rtesten betroffenen Provinzen ein- oder ausreisen d&uuml;rfen, m&uuml;ssen eine Sondergenehmigung einholen. Feldlazarette wurden eingerichtet. Z&uuml;ge wurden aus dem Fahrplan gestrichen und zahlreiche Nationalparks sind geschlossen. Viele Inlandsfl&uuml;ge wurden storniert, Ticketschalter und manche Flugh&auml;fen, wie U-Tapao in Rayong, sind geschlossen.<\/p><p>Touristen auf verschiedenen Inseln wurden aufgefordert, diese zu verlassen, und die Insel wurde abgeriegelt. Die Schulen sind bis zum 31. Januar geschlossen, Pubs, Bars, Karaoke-Lokale und Massagesalons sind ebenfalls geschlossen. Meeting und Feste sind verboten, die Betriebe wurden aufgefordert, Homeoffice zu erm&ouml;glichen. Restaurants in BKK m&uuml;ssen um 9 Uhr schlie&szlig;en, es darf kein Alkohol mehr ausgeschenkt werden. Die beliebten Urlaubsorte Pattaya und Phuket sind im Lockdown.<\/p><p>Die Bestimmungen k&ouml;nnen sich t&auml;glich &auml;ndern und sind von Provinz zu Provinz, manchmal sogar von Ort zu Ort unterschiedlich. Das Land ist in hellem Aufruhr. Ab Februar sollen die ersten Impfungen durchgef&uuml;hrt werden.<\/p><p>Vor dem erneuten Ausbruch wollte Thailand seinen Impfstoff unter einem Lizenzvertrag zwischen AstraZeneca und Siam Bioscience ausschlie&szlig;lich vor Ort produzieren. Siam Bioscience geh&ouml;rt dem Crown Property Bureau, dem von K&ouml;nig Maha Vajiralongkorn kontrollierten Verm&ouml;gensfonds. Die Regierung will nun aber 63 Millionen Dosen aus &Uuml;bersee kaufen.<\/p><p><strong>Mafiastrukturen sind verantwortlich<\/strong><\/p><p>Regierungschef Prayut hat jetzt Ma&szlig;nahmen angek&uuml;ndigt, um die Spielh&ouml;llen und den Handel mit Arbeitsmigranten, die f&uuml;r die neue Welle von Covid-19-Infektionen verantwortlich gemacht werden, &bdquo;auszurotten&ldquo;. Es sei &bdquo;h&ouml;chste Zeit, die seit langem bestehenden Probleme mit Spielh&ouml;llen und illegalen Arbeitsmigranten schnell zu l&ouml;sen&ldquo;, so Prayut.<\/p><p>Korruption ist in Thailand allgegenw&auml;rtig. Die Polizei kassiert oft mit. Die &Uuml;bertragung des Virus wurde in vielen F&auml;llen auf Menschen zur&uuml;ckgef&uuml;hrt, die Spielh&ouml;llen besuchten, die unter Aufsicht der &ouml;rtlichen Polizei betrieben wurden. Es wurde auch berichtet, dass Beamte des Staates daran beteiligt waren, illegale Migranten ins Land zu schmuggeln, ohne dass es Gesundheitsscreening-Programme oder Quarant&auml;ne gab.<\/p><p>Am Samstag redete ein ehemaliger Dozent der Thammast Universit&auml;t in einer thail&auml;ndischen Zeitung Tacheles. Er nannte die zweite Covidwelle eine Welle, die von der thail&auml;ndischen Mafia zu verantworten sei. Die drei oben genannten neuen Ausbruchsherde, der illegale Menschenhandel, die illegalen Spielcasinos und das Nobelbordell im Norden werden allesamt von mafi&ouml;sen Netzwerken betrieben. Rayong sei zum &bdquo;Macao Thailands&ldquo; geworden. Es g&auml;be eine Zusammenarbeit zwischen Mafiabanden, hohen Regierungsbeamten, der Polizei und einflussreichen lokalen Pers&ouml;nlichkeiten. Ohne diese Zusammenarbeit k&ouml;nnten die Netzwerke nicht funktionieren. Es bestehe ein System von illegalen Konzessionen hierzu, die von hohen Regierungs- und Polizeibeamten vergeben werden.<\/p><p>Wo der Mann recht hat, hat er recht. Und dass es auch so ist, das wei&szlig; in Thailand jedes Kind. Das trifft &uuml;brigens auch auf das illegale Abholzen von Teakholz zu, das in Burma geschlagen, nach Thailand geschmuggelt und &uuml;ber Thailand verkauft wird. Und auch die Amphetaminpillen (Jaba), die zur Plage in Thailand geworden sind, werden jenseits der Grenze in Burma hergestellt und in gro&szlig;en Mengen, manchmal ein paar Millionen Pillen am St&uuml;ck, nach Thailand geschmuggelt. Sie werden in derselben Region hergestellt, im goldenen Dreieck, aus der fr&uuml;her das Heroin kam. Die Produktion wurde von Heroin auf Amphetaminpillen umgestellt. Das System der Korruption auf h&ouml;chster Ebene ist alt und bekannt. Seit den 1950er Jahren bis zum Ende des Vietnamkrieges hat die CIA die Heroinlabore gesch&uuml;tzt und das thail&auml;ndische Milit&auml;r hat die Konvois mit Heroin in Mengen von Tonnen sogar selber bis nach Bangkok eskortiert, von wo aus es exportiert wurde. Seit dem Milit&auml;rputsch von 2014 durch General Prayut, der heute Premierminister ist, hat sich die Korruption erneut verschlimmert.<\/p><p><strong>Konfusion &uuml;berall<\/strong><\/p><p>Am 5. Januar hatte Prayut es noch abgelehnt, einen Lockdown zu verh&auml;ngen, zwei Tage sp&auml;ter wurde er f&uuml;r f&uuml;nf Provinzen verh&auml;ngt, mit sofortiger Wirkung.<\/p><p>Seither brauchen die Einwohner der f&uuml;nf Hochrisikoprovinzen eine Reisegenehmigung, wenn sie die Provinz verlassen wollen. Die Bewegungseinschr&auml;nkung kam aus heiterem Himmel. Pl&ouml;tzlich musste sich jeder in eine Schlange stellen, um ein St&uuml;ck Papier zu bekommen, mit dem er die Provinz verlassen kann. H&auml;ndler, die t&auml;glich Waren aus anderen Provinzen zum Markt brachten, mussten sich stundenlang anstellen. Die Emotionen kochten in einer Reihe von Bezirks&auml;mtern hoch. Teilweise musste sogar die Stelle, wo die Ausstellung der Genehmigungen erfolgen sollte, gewechselt werden, weil die B&uuml;ros wegen des Publikumsandrangs nicht ausreichten. Die Beamten waren &uuml;berfordert. Die Regelung ist bei den betroffenen Einwohnern auf scharfe Kritik gesto&szlig;en. Die Genehmigungen sind nur f&uuml;r einen Tag g&uuml;ltig. Wer dabei erwischt wird, wie er au&szlig;erhalb seiner Heimatprovinz reist, muss mit einer Gef&auml;ngnisstrafe, einer Geldstrafe oder beidem rechnen. Zu der Angst, sich mit Corona anzustecken, kommt jetzt noch die Angst vor Strafen wegen Gesetzesbruchs hinzu. Bevor die Beh&ouml;rden eine Vorschrift ank&uuml;ndigen, sollten sie erst den Menschen genug Zeit geben, sich vorzubereiten, so die allgemeine Kritik an den Ma&szlig;nahmen.<\/p><p>Die Kontaktverfolgungs-App &bdquo;Mor Chana&ldquo;, auf Deutsch: &bdquo;der Arzt gewinnt&ldquo;, sorgte zus&auml;tzlich f&uuml;r Verwirrung und Unmut. Die App wurde in Thailand entwickelt. Sie soll anonym sein, keine pers&ouml;nlichen Daten freigeben und nach Ende der Pandemie sollen die Daten vernichtet werden.<\/p><p>Gleich nachdem die Mor Chana App Direktive am Donnerstag bekanntgegeben wurde, l&ouml;ste sie starke Kritik aus und wurde von Kritikern als Verletzung der Rechte der Menschen angesehen. Ein Rechtsdozent an der Chulalongkorn Universit&auml;t sagte, dass der Zwang gegen die Verfassung versto&szlig;e, da er zu einer Belastung der &Ouml;ffentlichkeit f&uuml;hren und ihre Rechte und Freiheit stark einschr&auml;nken w&uuml;rde, was laut Verfassung verboten ist.<\/p><p>Erst sagte ein Sprecher der Covid-Beh&ouml;rde, die App sei f&uuml;r alle in Thailand lebenden Menschen verpflichtend zu installieren. Dann aber korrigierte ein Regierungssprecher, dass jeder, der das nicht tun wolle, stattdessen seine Reisegeschichte aufzeichnen und seine Reiseroute an einem Covid-19-Kontrollpunkt vorlegen kann, wenn er reist. Sollte dieser Person jedoch sp&auml;ter nachgewiesen werden, dass sie ihre Reisedaten absichtlich verheimlicht hat und damit eine erneute Ausbreitung von Covid-19 verursacht hat, wird die Person f&uuml;r diese Handlungen zur Verantwortung gezogen, so der Sprecher.<\/p><p>Das Gesundheitsministerium gab bekannt, die App sei nicht verpflichtend, die Menschen w&uuml;rden aber &bdquo;ermutigt&ldquo;, sie zu laden. Menschen, die aus einer der 28 Provinzen der &ldquo;roten Zone&rdquo; reisen und ihre Reisezeiten verheimlichen, k&ouml;nnen mit bis zu 2 Jahren Gef&auml;ngnis und einer Geldstrafe von 40.000 Baht bestraft werden. Personen, die aus den 5 abgeriegelten Provinzen mit Sondergenehmigung ausreisen, m&uuml;ssen die App installieren.<\/p><p><strong>Die Tourismusindustrie liegt am Boden<\/strong><\/p><p>Thailand ist als Urlaubsland bekannt. Seit Jahrzehnten wurde die Tourismusindustrie aufgebaut. Tourismus ist volkswirtschaftlich gesehen als Exportindustrie zu betrachten und ist zu einer wichtigen Einnahmequelle f&uuml;r das Land geworden. Sie brachte in den vergangenen Jahren etwa 40 Millionen Touristen j&auml;hrlich nach Thailand, die dort fast 70 Milliarden USD ausgaben.<\/p><p>Die Tourismussaison 2019-20 wurde durch den Lockdown im vergangenen M&auml;rz abrupt abgebrochen, die Saison 2020-21 ist bereits jetzt dahin. Thai Airlines hat alle internationalen Fl&uuml;ge bis Ende M&auml;rz reduziert. So gibt es z.B. statt wie fr&uuml;her mindestens zwei Fl&uuml;ge t&auml;glich von Frankfurt nach Bangkok und zur&uuml;ck jetzt nur noch einen Flug pro Woche.<\/p><p>Die Regierung versucht, den Tourismus wieder anzukurbeln. Leider mit so uneffektiven Ma&szlig;nahmen wie Visaverl&auml;ngerungen f&uuml;r ausl&auml;ndische Touristen (60 statt 30 Tage), &ldquo;Elitevisas&rdquo; f&uuml;r 1 Million Baht (10 Jahresvisa), Sondervisa f&uuml;r K&auml;ufer von Immobilien im Wert von mindestens 5 Millionen Baht (5-Jahresvisa) usw.<\/p><p>Aber alle Einreisewilligen m&uuml;ssen erst bei der Botschaft ihres Landes eine Sondergenehmigung beantragen, inklusive PCR-Test, versteht sich, und bei der Ankunft erst einmal auf eigene Kosten in eine 14-Tage-Quarant&auml;ne in extra daf&uuml;r eingerichteten Quarant&auml;nehotels, die man zusammen mit dem Flugticket schon im Ausland buchen muss. Die Ankunft am Flughafen gleicht einer Ankunft auf dem Mars. Die Leute werden von &ldquo;Astronauten&rdquo; erwartet, auf Covid getestet und direkt in die Quarant&auml;nehotels gefahren. F&uuml;r Tourismus bleibt die Einreise gesperrt, nur Gesch&auml;ftsleute, Studenten, Familienangeh&ouml;rige usw. k&ouml;nnen einreisen. Es gab zwar zwei oder drei Charterfl&uuml;ge f&uuml;r betuchte chinesische Touristen, der Andrang war aber nur m&auml;&szlig;ig.<\/p><p>Unter diesen Bedingungen kommt nat&uuml;rlich kein Tourist. Ganze 3.000 Leute sind seit April letzten Jahres nach Thailand eingereist, das sind weniger Menschen, als vor Covid-19 in einer halben Stunde auf dem Flughafen in BKK ankamen. Und die gekommen sind, mit Ausnahme der paar Chinesen, waren keine Touristen, sondern Menschen, die in Thailand wohnen und im Ausland gestrandet waren.<\/p><p>Um wenigstens den Inlandtourismus anzukurbeln, hat die Regierung jetzt 8 zus&auml;tzliche Feiertage im Jahr verk&uuml;ndet, dazu zahlt sie den Leuten einen Teil der Hotelkosten, wenn sie verreisen. Aber kaum einer reist, die Leute haben kein Geld mehr. Sie sind arbeitslos, sie verkaufen ihr Gold, um ihre Rechnungen zu bezahlen. Wegen der fehlenden Einnahmen durch den Tourismus und den Lockdown leidet auch die Binnennachfrage.<\/p><p>An einem normalen Wochenende &uuml;brigens sterben in Thailand zwischen 70 und 100 Menschen bei Verkehrsunf&auml;llen. &Uuml;bers Jahresende waren es heuer 392 Tote, im Vergleich zu 66 Toten durch Covid-19 in 10 Monaten.<\/p><p><strong>Stillstand auch bei den pro-demokratischen Demonstrationen<\/strong><\/p><p>In Thailand kam es letztes Jahr, sobald das Virus in der zweiten H&auml;lfte des Jahres einged&auml;mmt war, zu gro&szlig;en Massenprotesten, die den R&uuml;cktritt von Premierminister Prayut und Reformen der Monarchie forderten. Die NachDenkSeiten berichteten &uuml;ber die Demokratiebewegung in Thailand.<\/p><p>Die Protestbewegung k&uuml;ndigte vor Jahresende an, dass sie &uuml;ber die Neujahrsfeiertage eine Pause einlegen, aber im neuen Jahr zur&uuml;ckkehren w&uuml;rde. Angesichts der neuen Coronawelle werden die Demonstranten zurzeit aber kaum wieder auf die Stra&szlig;e gehen. Wenn sie das jetzt t&auml;ten, inmitten des neuen Ausbruchs der Pandemie, w&uuml;rden sie wenig Unterst&uuml;tzung finden. Der Unmut gegen die Regierung bleibt jedoch ungebrochen. Die Regierung hat den erneuten Ausbruch der Pandemie nicht verhindern k&ouml;nnen, durch die Korruptionsaff&auml;ren, die jetzt ans Tageslicht gekommen sind, ist sie sogar mitschuldig daran. Die Wirtschaftskrise wird sich weiter versch&auml;rfen, die Regierung hat kein Konzept, sie zu beenden. Das k&ouml;nnte den Forderungen der Protestbewegung noch mehr Nachdruck verleihen.<\/p><p>Jetzt aber herrscht erst einmal Ruhe im Land, die Leute reden nur noch &uuml;ber Covid 19, das Milit&auml;rregime kann sich in dieser Sache wenigstens bis auf Weiteres entspannt zur&uuml;cklehnen.<\/p><p>Titelbild: Preto Perola\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Corona, Corona und nochmals Corona. Das Thema beherrscht die Nachrichten in den Medien, nicht nur in Deutschland, wie kaum ein anderes Thema jemals zuvor in der Geschichte. Dar&uuml;ber, was in anderen L&auml;ndern der Welt passiert, wird seit Ausbruch der Pandemie meist nur noch wenig berichtet. Wir wollen deshalb f&uuml;r unsere Leser einen Blick nach S&uuml;dostasien,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68708\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":68712,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,149,20,127],"tags":[2933,2870,2857,1571,2927,2855,2453,2875,1222,1617,2676,2834,2852],"class_list":["post-68708","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-gesundheitspolitik","category-landerberichte","category-lobbyismus-und-politische-korruption","tag-corona-app","tag-grenzschliessungen","tag-lockdown","tag-mafia","tag-malaysia","tag-morbiditaet","tag-mortalitaet","tag-myanmar","tag-pandemie","tag-thailand","tag-tourismusindustrie","tag-virenerkrankung","tag-wirtschaftsdepression"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/shutterstock_1291054312.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/68708","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=68708"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/68708\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":68749,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/68708\/revisions\/68749"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/68712"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=68708"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=68708"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=68708"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}