{"id":68872,"date":"2021-01-17T11:45:02","date_gmt":"2021-01-17T10:45:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68872"},"modified":"2021-01-17T13:36:45","modified_gmt":"2021-01-17T12:36:45","slug":"hannes-hofbauer-europa-ein-nachruf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68872","title":{"rendered":"Hannes Hofbauer: Europa \u2013 Ein Nachruf"},"content":{"rendered":"<p>Hannes Hofbauer hat ein <a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/index.php?cl=details&amp;libriid=A39728347\">sehr interessantes Buch<\/a> &uuml;ber Europa, bzw. die Europ&auml;ische Union, geschrieben. Es gibt &uuml;ber weite Strecken ein historisch und politisch sehr aufschlussreiches kritisches Bild, das mit diskutablen pers&ouml;nlichen Bewertungen endet. Eine Rezension von Dr.-Ing. <strong>Christian Fischer<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>R&uuml;ckblick und Start<\/strong><\/p><p>Die vom griechischen Gott entf&uuml;hrte und geschw&auml;ngerte ph&ouml;nizische K&ouml;nigstochter &bdquo;Europa&ldquo; bildet &ndash; wie k&ouml;nnte es anders sein? &ndash; den Anfang auch in Hofbauers Buch. Der historische R&uuml;ckblick geht weiter &uuml;ber die von den Griechen gew&auml;hlte Unterscheidung der damals bekannten Welt in &bdquo;Europa, Asia, Libya&ldquo;. Aber schon damals war unklar, wo genau die Grenze zwischen Europa und Asia verlaufe. Erst im 18. Jahrhundert definierte man das ungef&auml;hr geografisch.<\/p><p>Interessant ist die vielfach illustrierte Darstellung, dass Europa nie als politische oder kulturelle Einheit aufgetreten ist; stattdessen gab es zu verschiedenen Zeiten verschiedene Definitionen, was als &bdquo;nicht-europ&auml;isch galt: Barbaren, Heiden, orthodoxe Christen, Muslime, Kommunisten, Nationalisten etc.&ldquo; (S. 12). Immer wieder wurde eine europ&auml;ische Idee beschworen oder nachtr&auml;glich in die Geschichte projiziert, die tats&auml;chlich aber jeweils nur begrenzten politischen Zielen entsprang. Zum Beispiel wurde der Namensgeber des europ&auml;ischen &bdquo;Karlspreises&ldquo; vor 1.200 Jahren vom Papst zum Kaiser gekr&ouml;nt, weil er als Gegengewicht zum byzantinischen Kaiser (auch ein &bdquo;Europ&auml;er&ldquo;!) gebraucht wurde. Seine nachfolgenden Eroberungsz&uuml;ge hatten nichts mit einer friedlichen europ&auml;ischen Vision zu tun. Auch w&auml;hrend der Kreuzz&uuml;ge war das christliche Abendland keine Einheit z.B. gegen die muslimischen Heiden, sondern konfessionell-machtpolitisch zerstritten. Ebenso waren nach der Reformation die &auml;rgsten Feinde von Christen andere Christen. Und so weiter.<\/p><p>Vielleicht erstmals hat Leibniz Ende des 17. Jahrhunderts eine europ&auml;isch-christliche Einheit unter Einschluss des orthodoxen Russlands beschworen &ndash; allerdings im Sinne einer starken Macht zur &bdquo;Zivilisierung&ldquo; anderer Kontinente (S. 28 f)! Ein Jahrhundert sp&auml;ter trat Napoleon Bonaparte als gewaltt&auml;tiger Vollstrecker solcher Gedanken auf, wenn auch nicht mit, sondern gegen Russland. Er wollte &uuml;berall nicht nur gleiches Recht, sondern dadurch sogar ein einheitliches Volk schaffen (S. 32). Friedlichere Ideen und Taten sind mit Namen wie Erasmus von Rotterdam oder William Penn verbunden; Letzterem schwebte bereits um 1700 ein friedliches und republikanisches (!) Europa vor. In dieser Tradition sieht Hofbauer dann Denker wie Jean-Jacques Rousseau, Immanuel Kant, Victor Hugo und andere.<\/p><p>Im 20. Jahrhundert entwarf der franz&ouml;sische Politiker Aristide Briand zur Zeit des V&ouml;lkerbundes ein Europakonzept &bdquo;auf der Grundlage des Gedankens der Einigung, nicht der Einheit&ldquo; (S. 50). Aber das Heft des Handelns lag bei den Nationalsozialisten, die einen Europ&auml;ischen Staatenbund unter ihrer &bdquo;arischen&ldquo; F&uuml;hrung anstrebten. Der NS-Au&szlig;enminister Ribbentrop beschrieb eine &bdquo;Europ&auml;ische Wirtschaftsgemeinschaft&ldquo;, in der Hofbauer bereits die europ&auml;ische Nachkriegsordnung erkennt (S. 57). Dazu verweist er auf die nahtlosen pers&ouml;nlichen Karrieren von Hermann Josef Abs, Karl Blessing und Walter Hallstein. Hinzu kamen nach dem Krieg allerdings die US-amerikanischen Interessen, die Europa unter anderem als Absatzmarkt f&uuml;r ihre im Krieg hochgefahrenen Produktionskapazit&auml;ten brauchten. Als ma&szlig;geblicher Netzwerker tritt jetzt Jean Monnet auf, ein franz&ouml;sischer Weinbrand-Unternehmer, der auch in den USA gesch&auml;ftlich unterwegs war und abseits politischer Mandate viele Verbindungen kn&uuml;pfte. Als sein politisches &bdquo;Sprachrohr&ldquo; fungierte Robert Schumann, franz&ouml;sischer Ministerpr&auml;sident und Au&szlig;enminister.<\/p><p>Neben den rein wirtschaftlichen Interessen ging es &bdquo;den Gr&uuml;nderv&auml;tern im Wesentlichen um drei Dinge: die Herstellung einer dauerhaften deutsch-franz&ouml;sischen Achse&hellip;, den Kampf gegen die kommunistische Sowjetunion&hellip;, die Unterstellung dieser beiden Ziele unter ein US-gef&uuml;hrtes transatlantisches Kommando&ldquo; (S. 71). Erste Schritte der Integration geschahen in der Montan-Industrie. Hier wurden 1949 Strukturen geschaffen, die selbstst&auml;ndige nationale Entscheidungen verunm&ouml;glichten. Das Alternativkonzept der CDU-Politiker Karl Arnold (Ministerpr&auml;sident von Nordrhein-Westfalen) und Jakob Kaiser, die Schl&uuml;sselindustrien zu verstaatlichen und genossenschaftlich zu verwalten, hatte keine Chance, da die F&auml;den in Washington gezogen wurden (S. 86). Auch die Sozialdemokraten und Gewerkschaften schwenkten auf diese Linie ein, da sie sich Mitbestimmungsrechte in der supranational gesteuerten Montanindustrie erhofften.<\/p><p>Die 1955 gegr&uuml;ndete EWG &uuml;bernahm die undemokratischen Strukturen aus der Montanunion. Es handelt sich von Anfang an um ein exekutives &bdquo;Steuerungssystem mit eigenst&auml;ndigen Hoheitsrechten, das die nationalen Steuerungssysteme &uuml;berlagert.&ldquo; (S. 96) Beinahe zeitgleich wurde 1957 die Europ&auml;ische Atomgemeinschaft gegr&uuml;ndet &ndash; vor allem um das Gesamtprojekt der Atommacht Frankreich und den souver&auml;ner gesinnten Gaullisten schmackhaft zu machen. Wesentliches Projekt der EWG und dann der EU war und ist die Landwirtschaft, deren Ziel und Ergebnis die Vernichtung der kleinen und die F&ouml;rderung der gro&szlig;en landwirtschaftlichen Betriebe ist.<\/p><p><strong>Politische Entrechtung<\/strong><\/p><p>1987 trat die &bdquo;Einheitliche Europ&auml;ische Akte&ldquo; in Kraft, mit der ein gro&szlig;er Schritt der damals 12 Mitgliedsstaaten in Richtung Binnenmarkt getan wurde. Gleichzeitig wurden das Vetorecht einzelner Staaten aufgehoben und &bdquo;qualifizierte&ldquo; Mehrheitsentscheide eingef&uuml;hrt. Es ging um die vier Verkehrsfreiheiten f&uuml;r Waren, Personen, Dienstleistungen und Kapital. Sie wurden in zeitlich gestaffelten Schritten durchgesetzt. Hofbauer stellt dar und illustriert mit Beispielen, dass damit zugleich und wohl bewusst soziale Standards einzelner L&auml;nder heruntergefahren wurden.<\/p><p>Als bald danach die Deutsche Einheit auf der Tagesordnung stand, waren es wieder die USA, die daf&uuml;r sorgten, dass diese gegen den Widerstand von Frankreich und UK durchgesetzt wurde. Nun hoben die Staats- und Regierungschefs in Maastricht die &bdquo;Europ&auml;ische Union&ldquo; aus der Taufe. Am selben Tag (!), 09.12.91, wurde in Wei&szlig;russland unter F&uuml;hrung von Boris Jelzin die Sowjetunion aufgel&ouml;st&hellip;<\/p><p>Hofbauer erl&auml;utert in einem Exkurs die Organe der EU: sie haben nichts mehr damit zu tun, was wir in der Schule &uuml;ber demokratische Souver&auml;nit&auml;t gelernt haben. Der &bdquo;Rat&ldquo;, auch Ministerrat genannt, besteht aus Regierungschefs und Fachministern. Seine Beschl&uuml;sse gelten, wenn 55 Prozent der Mitgliedsstaaten, die 65 Prozent der EU-Bev&ouml;lkerung vertreten, sich einig sind (S. 158). Damit k&ouml;nnen heute 15 Staaten Beschl&uuml;sse f&uuml;r 27 Mitgliedsstaaten fassen. Kein weiteres Organ kontrolliert diesen Rat &ndash; und schon gar nicht die in Br&uuml;ssel registrierten und auf den Rat einwirkenden 11.900 Lobbyorganisationen.<\/p><p>Die <u>&bdquo;Kommission&ldquo;<\/u> besteht in der heutigen Form seit 1967 und verf&uuml;gt aktuell &uuml;ber 32.000 Bedienstete. Sie allein hat das Initiativrecht im Gesetzgebungsverfahren der EU. Sie ist in ihrem Handeln keinem Parlament verantwortlich oder davon abh&auml;ngig. Die Pr&auml;sidentschaft wird im Wesentlichen vom deutschen Kanzler und franz&ouml;sischen Pr&auml;sidenten ausgehandelt; der EU-Pr&auml;sident ernennt dann die Kommissare &ndash; aus jedem Land einen.<\/p><p>Ein <u>&bdquo;Parlament&ldquo;<\/u> bestand bereits zu Zeiten der Montanunion. Die Parlamentarier wurden bis 1979 von den L&auml;nderregierungen ernannt. Seitdem wird das Parlament &bdquo;direkt gew&auml;hlt&ldquo;, allerdings ohne ein l&auml;nder&uuml;bergreifend einheitliches Wahlsystem. Es hat kein Initiativrecht zur Gesetzgebung, sondern beratende und best&auml;tigende Funktionen f&uuml;r anderswo getroffene Entscheidungen.<\/p><p>Auch der <u>&bdquo;Europ&auml;ische Gerichtshof&ldquo;<\/u> ist schon 1952 gegr&uuml;ndet worden, damals &bdquo;zur Beilegung von Streitigkeiten innerhalb der Gemeinschaft f&uuml;r Kohle und Stahl&ldquo; (S. 169). Heute ist er zu einer m&auml;chtigen Institution avanciert, der den Vorrang von EU-Recht gegen evtl. widersprechende nationale Rechte durchsetzt. Jedes Land entsendet einen Richter an diesen Hof. In der Sache werden in den Gerichtsverfahren die gro&szlig;r&auml;umig produzierenden Industrien gegen&uuml;ber den kleinr&auml;umig Gewerbetreibenden bevorzugt und &bdquo;Sozialdumping&ldquo;-Ma&szlig;nahmen unterst&uuml;tzt. Hofbauer erl&auml;utert das &uuml;berzeugend mit Beispielen. Wirtschaftlich profitiert vor allem die konkurrenzf&auml;hige deutsche Wirtschaft, nicht nur, aber vor allem zu Lasten der neuen Ost-Mitglieder, deren qualifizierte Arbeitskr&auml;fte auswandern, dort also fehlen und anderswo die L&ouml;hne dr&uuml;cken.<\/p><p>Schlie&szlig;lich wird der <u>&bdquo;Europ&auml;ische Rat&ldquo;<\/u> vorgestellt, ein informelles Gremium, das Helmut Schmidt und Giscard d&acute;Estaing 1974 ins Leben gerufen haben. Hier treffen sich viermal im Jahr die Staats- und Regierungschefs, um ohne jede sonstige Legitimation oder Kontrolle Richtlinien zu vereinbaren und Beschl&uuml;sse zu fassen.<\/p><p>Der Versuch, die EU-Staatsbildung durch eine Verfassung zu &bdquo;legitimieren&ldquo;, misslang, als die von Giscard d&acute;Estaing ausgearbeitete Verfassung 2005 bei Volksabstimmungen in Frankreich und in den Niederlanden durchfiel. Allerdings wurde dann 2007 der Vertrag von Lissabon geschlossen, der inhaltlich weitgehend mit der &bdquo;Verfassung&ldquo; identisch war und den EU-Vertrag entsprechend &auml;nderte. Seitdem sind die oben genannten Mehrheitsentscheidungen &uuml;ber nationale Souver&auml;nit&auml;ten hinweg legalisiert. Nationale Handelsvertr&auml;ge zu den vier Verkehrsfreiheiten darf es nicht geben.<\/p><p><strong>Weitere wichtige Themen<\/strong><\/p><p>Hofbauer schildert ausf&uuml;hrlicher die einzelnen Schritte bei der Erweiterung um neue Mitglieder, auch den Brexit, sowie die Bestrebungen zur Militarisierung. Letzteres ist insofern interessant, als bereits 1952 ein Vertrag zu einer Europ&auml;ischen Verteidigungsgemeinschaft von den damals 6 Mitgliedern unterzeichnet wurde, der aber wegen des franz&ouml;sischen Widerstands jahrzehntelang Makulatur blieb. Im Zuge des Angriffskrieges gegen Jugoslawien wurde dann aber eine &bdquo;Europ&auml;ische Sicherheitsstrategie&ldquo; verabschiedet, die ein gemeinsames Corps von Waffentr&auml;gern, Kampftruppen und ein Einsatzgebiet von 4.000 km um Br&uuml;ssel vorsieht &ndash; also einen Radius bis Westsibirien, den Aralsee, Teheran, Kuweit, Timbuktu. &bdquo;Gro&szlig;machtdenken und die Vision milit&auml;rischer Schlagkraft bilden seit dem Gipfel von Amsterdam 1997 die Grundlage vieler programmatischer Reden von EU-Granden.&ldquo; (S. 146) Auch der Brexit habe eine von der NATO unabh&auml;ngigere Militarisierung der EU, vor allem durch Frankreich, vorangetrieben; UK sei hier wesentlich NATO-affiner gewesen.<\/p><p>Als Feinde der EU werden nicht etwa die Staaten gesehen, denen es an politischen Freiheiten fehlt, sondern die, denen es an Zustimmung zum freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Arbeitskr&auml;ften und Kapital fehlt. Dieser ungehinderte Verkehr ist das Kriterium f&uuml;r die Unterscheidung in Freund oder Feind. Dabei kann selbst ein US-Pr&auml;sident zum Gegner werden, auch wenn er zwar das kapitalistische Eigentumsrecht, aber nicht diesen ungehinderten grenz&uuml;berschreitenden Verkehr guthei&szlig;t. Hauptgegner ist auch, wie schon seit dem 19. Jahrhundert, Russland sowie neuerdings zunehmend auch China (S. 234 f). Inwieweit hier rein wirtschaftliche oder mehr auch geostrategische Gr&uuml;nde eine Rolle spielen, bleibt im Rahmen dieses Buches offen.<\/p><p><strong>Ausblick und Einw&auml;nde<\/strong><\/p><p>Am Ende verl&auml;sst Hofbauer die historische und zeitgeschichtliche Darstellung, um mehr pers&ouml;nlich gepr&auml;gte Beobachtungen und Bewertungen zu geben. Ausgangspunkt ist die Corona-Pandemie, die er als Beispiel f&uuml;r das Versagen supranationaler Steuerung sieht; jede Nation habe hier eigenm&auml;chtig und unkoordiniert gehandelt. Nur der freie Kapitalverkehr sei nirgends angetastet worden, der freie Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Arbeitskr&auml;ften sei aber massiv au&szlig;er Kraft gesetzt worden (S. 246). Dadurch h&auml;tten kleinere Unternehmen gelitten, aber die kapitalstarken Unternehmen seien als Gewinner aus der Krise hervorgegangen. Auch die auf EU-Ebene beschlossenen finanziellen Corona-Unterst&uuml;tzungsma&szlig;nahmen in Milliardenh&ouml;he k&auml;men wieder einmal nur den starken L&auml;ndern, nicht den schwachen zugute (S. 253). So weit, so klar.<\/p><p>Dann verl&auml;sst der Autor aber sein Thema und schlie&szlig;t sich den Kritikern an den &bdquo;autorit&auml;ren Ma&szlig;nahmen&ldquo; gegen die Covid-Ausbreitung an. Er emp&ouml;rt sich &uuml;ber &bdquo;Attacken&ldquo; auf &bdquo;Demokratischer Widerstand&ldquo; und &bdquo;Querdenken 711&ldquo;. Die Pandemie, die er als Gefahr kleinredet, ist ihm nur ein (schlechtes) Beispiel f&uuml;r Kritik an nationalen Alleing&auml;ngen. Nachdem das ganze Buch vorher eine &uuml;berzeugende Kritik an undemokratischer Supranationalit&auml;t war, bleibt dieser gedankliche Salto unverst&auml;ndlich. Hofbauer scheint sich auch der Kritik von Jean-Claude Juncker am j&uuml;ngsten Spruch des Bundesverfassungsgerichtes gegen den EuGH anzuschlie&szlig;en: denn dieser &bdquo;&ouml;ffnet die Schleusen f&uuml;r die nationalen Begehrlichkeiten anderer Staaten&ldquo; (S. 256). Nationale &bdquo;Begehrlichkeiten&ldquo; sind Hofbauers Sache nicht.<\/p><p>In seiner Vorstellung von einem besseren Europa ist die EU eine verzichtbare Konstruktion; er pl&auml;diert f&uuml;r den regionalen, sozialen und &ouml;kologischen Schutz vor global agierender Profitmaximierung und Konkurrenzf&auml;higkeit. Auch schrankenlose Mobilit&auml;t sei nicht erforderlich, da Mobilit&auml;t immer nur aus einem Mangel am Ort resultiere; dieser m&uuml;sse &uuml;berwunden werden. Ein Neuaufbau m&uuml;sse von unten ausgehen, &bdquo;lokal vor regional vor national vor international\/ zwischenstaatlich&ldquo; (S. 260). Diesen Gedanken kann man als Demokrat gut folgen. <\/p><p>Unklar bleibt dem Rezensenten allerdings, in welchen politischen Strukturen der juristische Schutz eines so verstandenen Europas organisiert werden soll. Welcher Souver&auml;n macht auf welcher Ebene die Gesetze und sorgt f&uuml;r ihre Durchsetzung &ndash; wenn nicht die B&uuml;rger der Nationen, die wieder ihre Souver&auml;nit&auml;t auf ihre gewaltengeteilten staatlichen Ebenen zur&uuml;ckholen und mit den anderen Nationen kooperieren m&uuml;ssen? Davor scheint der Autor zur&uuml;ckzuschrecken. Das riecht ihm wohl zu sehr, aber sicher zu unrecht, nach b&ouml;sem Nationalismus. Aber wo und wie sonst als in souver&auml;nen Nationen kann es Demokratie und Rechtsstaatlichkeit geben? Hofbauers EU-Darstellung untermauert diesen Schluss, den er selbst aber nicht ziehen will.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hannes Hofbauer hat ein <a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/index.php?cl=details&amp;libriid=A39728347\">sehr interessantes Buch<\/a> &uuml;ber Europa, bzw. die Europ&auml;ische Union, geschrieben. Es gibt &uuml;ber weite Strecken ein historisch und politisch sehr aufschlussreiches kritisches Bild, das mit diskutablen pers&ouml;nlichen Bewertungen endet. 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