{"id":68970,"date":"2021-01-19T13:03:32","date_gmt":"2021-01-19T12:03:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68970"},"modified":"2021-01-19T16:00:36","modified_gmt":"2021-01-19T15:00:36","slug":"nawalny-medien-heuchelei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68970","title":{"rendered":"Nawalny, Medien, Heuchelei"},"content":{"rendered":"<p>Die mediale Betrachtung des Falls Alexey Nawalny steht in scharfem Kontrast zu vergleichbaren Vorg&auml;ngen. In der Berichterstattung offenbaren sich Doppelstandards vieler Redakteure bei den Themen Meinungsfreiheit, Russland, Nationalismus und politische Militanz. Von <strong>Tobias Riegel<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8972\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-68970-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210119_Nawalny_Medien_Heuchelei_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210119_Nawalny_Medien_Heuchelei_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210119_Nawalny_Medien_Heuchelei_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210119_Nawalny_Medien_Heuchelei_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=68970-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210119_Nawalny_Medien_Heuchelei_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"210119_Nawalny_Medien_Heuchelei_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die R&uuml;ckkehr des russischen Politikers Alexey Nawalny nach Russland hat in diesen Tagen einige deutsche Redakteure geradezu verzaubert, etwa in der &bdquo;Augsburger Allgemeinen&ldquo;:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wer sehen wollte, wie Mut wirklich aussieht, musste nur in das fast todesmutig entschlossene Gesicht des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny schauen &ndash; als dieser in Berlin ein Flugzeug bestieg, um nach Moskau zu fliegen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Nawalny hat, wenn es um Konflikte mit der russischen Regierung oder mit Sicherheitskr&auml;ften geht, tats&auml;chlich diverse Male eine pers&ouml;nliche Unerschrockenheit demonstriert. Auch die vorhersehbare Verhaftung des &bdquo;Kreml-Kritikers&ldquo; soll hier nicht verteidigt werden &ndash; sie soll aber auch nicht so grunds&auml;tzlich und pauschal als krimineller Akt bezeichnet werden, wie dies nun teils geschieht. Ich pers&ouml;nlich kann noch nicht beurteilen, ob etwa die Vorw&uuml;rfe der Veruntreuung von Spendengeldern durch Nawalny zutreffen, darum kann ich es nicht prinzipiell ausschlie&szlig;en. Es w&uuml;rde mich aber auch nicht verwundern, wenn sich die Vorw&uuml;rfe gegen Nawalny als Konstruktion herausstellen sollten. Mediale Wachsamkeit ist hier also allemal zu begr&uuml;&szlig;en. <\/p><p><strong>Nawalny und die Doppelstandards <\/strong><\/p><p>Das Eintreten westlicher Medien und Politiker gegen die Verhaftung Nawalnys soll darum nicht kritisiert werden &ndash; auch wenn der westliche Umgang mit dem nationalistischen Politiker ansonsten zahlreiche Fragen aufwirft, doch dazu sp&auml;ter mehr. Ein indirekter Skandal wird die exzessive Berichterstattung f&uuml;r Nawalny vor allem im direkten Vergleich mit dem Umgang vieler westlicher Medien mit jenen Bedr&auml;ngten, die westlicher Politik kritischer als Nawalny gegen&uuml;berstehen. Zum Vergleich des medialen Umgangs mit Nawalny einerseits und dem in Gro&szlig;britannien inhaftierten Journalisten und Wikileaks-Gr&uuml;nder Julian Assange andererseits haben die NachDenkSeiten bereits im Artikel  &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=64036\">Gro&szlig;e Gef&uuml;hle f&uuml;r Nawalny &ndash; eisige K&auml;lte f&uuml;r Assange<\/a>&ldquo; geschrieben:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Aber im Vergleich zur kalten Missachtung von Julian Assange erscheint der Aufruhr um Nawalny als eine politisch motivierte Farce. Der Fall ist Anlass f&uuml;r massive antirussische Meinungsmache &ndash; die Rolle des Moralapostels erscheint bei vielen westlichen Journalisten grotesk.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Mit diesem Standpunkt wird beim Fall Nawalny nat&uuml;rlich nicht der gleiche sch&auml;ndliche Umgang wie mit Julian Assange verlangt, im Gegenteil: Die gro&szlig;en Medien m&uuml;ssen sich endlich genauso leidenschaftlich f&uuml;r die Freiheit Assanges einsetzen, wie sie es f&uuml;r die Freiheit Nawalnys tun. Zu kritisieren ist au&szlig;erdem die geopolitische Instrumentalisierung des Falls Nawalny, etwa gegen die Pipeline Nord Stream 2.<\/p><p><strong>Nawalny: Der &bdquo;gef&auml;hrlichste Gegner&ldquo; Putins?<\/strong><\/p><p>Nawalny kann man wie gesagt als nationalistischen Politiker einordnen &ndash; hierzulande w&uuml;rde er wom&ouml;glich als Neonazi bezeichnet. Es ist bemerkenswert, dass in seinem Fall (wie auch bei der Berichterstattung &uuml;ber den Maidan-Umsturz)  das rechtsextreme Gedankengut viele westliche Redakteure nicht st&ouml;rt. Nawalny wird dem westlichen Publikum trotz seiner nach hiesigen Ma&szlig;st&auml;ben <a href=\"https:\/\/www.mopo.de\/news\/politik-wirtschaft\/rassistisch--rechtsradikal--homophob--nawalny--die-dunklen-seiten-des--kremlkritikers--37373234\">ziemlich radikalen Gesinnung<\/a> als &bdquo;demokratischer Hoffnungstr&auml;ger&ldquo; verkauft. In Deutschland sorgt derweil bereits seri&ouml;se Kritik am Lockdown-Irrsinn daf&uuml;r, dass man als &bdquo;rechtsextrem&ldquo; eingestuft wird. <\/p><p>Ein weiterer Wesenszug auch der ganz aktuellen Berichterstattung ist die &Uuml;bertreibung von Nawalnys Bedeutung in Russland: Wie die &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/was-man-%C3%BCber-alexej-nawalny-wissen-muss\/a-42354583\">Deutsche Welle<\/a>&ldquo; bereits vor einiger Zeit schrieb, w&uuml;rde Nawalnys &bdquo;Beliebtheit&ldquo; bei Wahlen in Russland &bdquo;im unteren einstelligen Bereich&ldquo; verharren. Die &bdquo;<a href=\"https:\/\/taz.de\/Nawalny-will-nach-Russland-zurueck\/!5744397\/\">taz<\/a>&ldquo; schreibt aktuell, &bdquo;dass Nawalnys Zustimmungswerte nach den Enth&uuml;llungen &uuml;ber die mutma&szlig;lichen Drahtzieher des Anschlages mit dem Gift Nowitschok Ende Dezember sogar noch ein wenig gesunken sind&ldquo;. Nawalny ist also keine ernstzunehmende Bedrohung f&uuml;r die Regentschaft der Partei Einiges Russland. Das hindert etwa Marieluise Beck nicht, am Montag im Deutschlandfunk die Bedeutung Nawalnys f&uuml;r die russische Opposition weiterhin stark zu &uuml;berh&ouml;hen. Die &bdquo;N&uuml;rnberger Nachrichten&ldquo; schreiben:  &bdquo;Er (Putin) sorgt selbst daf&uuml;r, dass sein gef&auml;hrlichster Gegner noch popul&auml;rer wird &ndash; als Held hinter Gittern.&ldquo; Und laut &bdquo;S&uuml;ddeutscher Zeitung&ldquo; k&ouml;nnte nun jeder sehen, &bdquo;f&uuml;r wie bedrohlich der Kreml ihn (Nawalny) tats&auml;chlich h&auml;lt&ldquo;. Die &bdquo;Stuttgarter Nachrichten&ldquo; stellen immerhin fest: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ob der Nationalist Nawalny tats&auml;chlich gut f&uuml;r Russland w&auml;re, das ist keinesfalls ausgemacht.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Die Medien und das staatliche Gewaltmonopol<\/strong><\/p><p>Die Unerschrockenheit Nawalnys, die manche Menschen beeindruckt, ist f&uuml;r sich genommen noch keine Rechtfertigung aller seiner Handlungen. Das von Nawalny teils <a href=\"https:\/\/www.cicero.de\/aussenpolitik\/alexej-nawalny-angriff-auf-das-system-putin\">gew&auml;hlte Mittel<\/a> von trotz Verboten durchgef&uuml;hrten Demonstrationen, um staatliche Reaktionen und die entsprechenden Bilder f&uuml;r westliche Medien zu provozieren, bedeuten auch eine Distanz gegen&uuml;ber dem staatlichen Gewaltmonopol. Ob die russischen Beh&ouml;rden mit den Verboten der Demos massiv &uuml;berreagieren, kann ich nicht abschlie&szlig;end beurteilen. Fest steht: Auch in Deutschland werden dieser Tage viele Demonstrationen untersagt, ohne dass deutsche Medien hier ein &bdquo;Widerstandsrecht&ldquo; gegen diese Verbote einfordern w&uuml;rden. <\/p><p>Man kann die Bek&auml;mpfung des staatlichen Gewaltmonopols meiner Meinung nach nur angesichts von sehr bedrohlichen Gegebenheiten verteidigen. In Berlin oder Washington werden Angriffe gegen das staatliche Gewaltmonopol scharf kritisiert &ndash; in Kiew oder Venezuela bezeichnen viele westliche Redakteure das gleiche Vorgehen als &bdquo;mutigen Kampf&ldquo;. Mit dieser Aussage sollen nicht die Bedingungen in Berlin und Caracas auf eine Stufe gestellt werden: Aber wer entscheidet nach welchen Kriterien, wann ein &bdquo;Widerstandsrecht&ldquo; gegen das staatliche Gewaltmonopol gerechtfertigt ist?<\/p><p>Es gab k&uuml;rzlich einen Moment, in dem Julian Assange ann&auml;hernd die mediale Beachtung erfuhr, die ihm seit Jahren h&auml;tte zuteil werden m&uuml;ssen: als der Antrag auf Auslieferung an die USA abgelehnt wurde. Doch bereits einige Tage sp&auml;ter liegt wieder ein Mantel des Schweigens &uuml;ber diesem skandal&ouml;sen und bewegenden Schicksal.<\/p><p>Die NachDenkSeiten haben sich in zahlreichen Artikeln mit den F&auml;llen Julian Assange und Alexey Nawalny sowie mit der Stimmungsmache gegen Russland besch&auml;ftigt. Sie finden eine Auswahl weiter unten.<\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<p><strong>Mehr zum Thema<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=65630\">Nawalny und die Laufburschen der USA<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68610\">Julian Assange trotz verweigerter Auslieferung auch weiterhin im Hochsicherheitsgef&auml;ngnis in Haft<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=64036\">Gro&szlig;e Gef&uuml;hle f&uuml;r Nawalny &ndash; eisige K&auml;lte f&uuml;r Assange<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68442\">Assange: US-amerikanische Mythen &uuml;ber Freiheit und Tyrannei<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=64361\">Fall Nawalny: &bdquo;Putins Gift, Putins Anschlag&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68850\">Entlarvung des Mythos, Assange sei ein Terrorist<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=64335\">Corona-Demo, Nawalny, Krieg und Frieden: Der unterirdische Zustand deutscher Medien<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68479\">Richterin im Rampenlicht entscheidet gegen Auslieferung von Assange an die USA<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68867\">Nord Stream 2: &bdquo;Putins Pipeline&ldquo; und die Verteidiger der US-Sanktionen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66989\">Sanktions-Regime wendet sich gegen Deutschland<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=64877\">Alle Br&uuml;cken zu Russland sollen abgerissen werden: Auch der kulturelle Austausch<\/a>\n<\/p><\/div><p>Titelbild: Danila2332 \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die mediale Betrachtung des Falls Alexey Nawalny steht in scharfem Kontrast zu vergleichbaren Vorg&auml;ngen. In der Berichterstattung offenbaren sich Doppelstandards vieler Redakteure bei den Themen Meinungsfreiheit, Russland, Nationalismus und politische Militanz. 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