{"id":69064,"date":"2021-01-23T11:45:55","date_gmt":"2021-01-23T10:45:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69064"},"modified":"2021-01-23T12:04:45","modified_gmt":"2021-01-23T11:04:45","slug":"nach-dem-krieg-war-vor-den-kriegen-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69064","title":{"rendered":"Nach dem Krieg war vor den Kriegen \u2013 Teil 1"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nationale Befreiungsk&auml;mpfe und politische Neukonstellation in Ost- und S&uuml;dostasien nach der Kapitulation Japans. <\/strong>Im abschlie&szlig;enden siebten, zweigeteilten Teil dieser Serie mit dem Titel <em>&bdquo;75 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs in Ost- und S&uuml;dostasien &ndash; Vorgeschichte, Verlauf, Verm&auml;chtnisse&ldquo;<\/em>, dessen erster Teil auf den NachDenkSeiten Mitte Februar 2020 erschien, befasst sich unser Autor Rainer Werning mit den politischen Entwicklungen in den Regionen und dem Beginn des Kalten Krieges nach der offiziellen Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde durch hochrangige Politiker Japans am 2. September 1945. Von <strong>Rainer Werning<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<em>Lesen Sie bitte auch die ersten sechs Teile dieser NDS-Serie (<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=58483\">Teil 1<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59918\">Teil 2<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61422\">Teil 3<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=63014\">Teil 4<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=65223\">Teil 5<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66351\">Teil 6<\/a>).<\/em><\/p><p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p><p>W&auml;hrend der Krieg in Europa bereits Anfang Mai 1945 beendet war, dauerte er in zahlreichen Regionen des asiatisch-pazifischen Raumes noch bis Mitte September an. Und w&auml;hrend sich die siegreichen Alliierten anschickten, fortan der Innenpolitik Japans ihren Stempel aufzudr&uuml;cken und einem Teil seiner Kriegsarchitekten den Prozess zu machen, trachteten in den meisten L&auml;ndern Ost- und S&uuml;dostasiens national gesinnte Parteien, Gruppierungen und Organisationen danach, endlich jenseits von ausl&auml;ndischer Bevormundung ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit zu organisieren. Befl&uuml;gelt wurde ein solcher Nachkriegsentwurf durch ein nunmehr gedem&uuml;tigtes japanisches Kaiserreich, dessen militaristische Politik paradoxerweise entscheidenden Anteil daran hatte, den Nimbus der Unbesiegbarkeit des &bdquo;westlichen Imperialismus und Kolonialismus&ldquo; zu ersch&uuml;ttern.<\/p><p>W&auml;hrend Japan unter der &Auml;gide der Siegermacht USA schrittweise in deren Herrschaftsbereich, wiewohl unter Beibehaltung seiner Produktionskapazit&auml;ten und wesentlichen staatstragenden Institutionen\/Organisationen sowie flankiert von umfangreichen Wirtschafts- und Finanzhilfen, integriert wurde, r&uuml;steten sich Japans vormalige Kolonien &ndash; teils inmitten innenpolitischer Wirren, teils unter chaotischen Nachkriegsbedingungen &ndash; unter h&ouml;chst unterschiedlichen Vorzeichen zum Kampf f&uuml;r Freiheit und Unabh&auml;ngigkeit. Gleichzeitig fanden diese Emanzipationsbestrebungen gegen die alt-neuen Machthaber &ndash; die Briten in Malaya (das sp&auml;tere Malaysia und Singapur), Birma (das sp&auml;tere Myanmar) und den indischen Subkontinent (mit Indien, Pakistan und Ceylon, das sp&auml;tere Sri Lanka) sowie die Niederl&auml;nder in Indonesien, die Franzosen in Vietnam, Kambodscha und Laos und die USA in den Philippinen &ndash; allesamt im Schatten des Kalten Krieges und einer stetig eskalierenden Ost-West-Blockkonfrontation statt. In den Philippinen, dem traditionell engsten Verb&uuml;ndeten Washingtons in der Region, entstand gar 1954 mit der SEATO eine Osterweiterung der NATO, was explizit einen Cordon sanitaire um den &bdquo;kommunistischen Machtblock&ldquo; bilden sollte.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Amerikaner sahen urspr&uuml;nglich die radikale Demilitarisierung und Demokratisierung Japans als Ziel der Besatzungspolitik vor. Milit&auml;risch und wirtschaftlich sollte Japan nicht mehr in der Lage sein, einen Krieg gegen die USA zu f&uuml;hren. In der Direktive SWNCC 150\/4 (Initial Post-Surrender Policy for Japan) vom 6. September 1945 zielten die USA darauf, eine friedliebende Regierung zu bilden, die die amerikanische Politik unterst&uuml;tzen und nie wieder eine Bedrohung f&uuml;r die USA sein w&uuml;rde. Die amerikanische Besatzungsmacht setzte die Entmilitarisierung um, initiierte eine Bodenreform sowie die Entflechtung gro&szlig;er Wirtschaftskonzerne und gab Impulse f&uuml;r die Demokratisierung des Gesellschaftslebens und transformierte so das politische, wirtschaftliche und milit&auml;rische System Japans vor 1945 weitgehend. Die Japaner nennen eine Reihe dieser Umw&auml;lzungen &sbquo;Besatzungsreformen&lsquo;. Das Kaisertum allerdings lie&szlig;en die Amerikaner fortbestehen und versuchten, dessen Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die effektive Umsetzung ihrer Politik zu gewinnen. Dieses bot g&uuml;nstige Rahmenbedingungen f&uuml;r die Wiederbelebung des japanischen Konservatismus, dessen Kern kaiserliche Familienangeh&ouml;rige und hohe Staatsdiener des Kaiserhofs bildeten.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Auszug aus: Kido 2003: 190<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;In der Zeit vom 25. Juni 1950 bis zum 27. Juli 1953 (die Zeit des Koreakrieges &ndash; Anm.: RW) kamen nach konservativen westlichen Sch&auml;tzungen mehr als 4,6 Millionen Koreaner ums Leben, einschlie&szlig;lich drei Millionen Zivilisten im Norden und 500.000 Zivilisten im S&uuml;den der Halbinsel. Die Beweise f&uuml;r die US-Kriegsverbrechen, die diesem Tribunal pr&auml;sentiert wurden, lieferten Augenzeugenberichte und Dokumente &uuml;ber Massaker an Tausenden Zivilisten, die von den US-amerikanischen Milit&auml;rstreitkr&auml;ften w&auml;hrend des Krieges im S&uuml;den Koreas ver&uuml;bt worden waren. Dar&uuml;ber hinaus gab es erdr&uuml;ckende Beweise der kriminellen, teils genozidm&auml;&szlig;ig betriebenen US-Politik im Norden Koreas, wo systematisch die meisten H&auml;user und Geb&auml;ude durch US-Artilleriefeuer und Luftangriffe in Schutt und Asche gelegt wurden, wo US-amerikanische und s&uuml;dkoreanische Verb&auml;nde gemeinsam brutal gegen Zivilisten und Kriegsgefangene vorgingen, wo mutwillig lebensnotwendige Einrichtungen des &ouml;ffentlichen Lebens und wirtschaftliche Produktionsanlagen zerst&ouml;rt und ge&auml;chtete Waffen sowie biologische und chemische Kampfmittel im Krieg gegen seine Bev&ouml;lkerung eingesetzt wurden. Zahlreiche Dokumentationen und Augenzeugenberichte beweisen &uuml;berdies die allgegenw&auml;rtige und systematische Gewalt gegen Frauen im Norden und S&uuml;den Koreas, die Massenvergewaltigungen, anderen sexuellen Erniedrigungen und N&ouml;tigungen bis hin zu Mord ausgesetzt waren. Die Teilnehmer dieses Tribunals fordern die US-Regierung auf, s&auml;mtliche Informationen &uuml;ber begangene US-Kriegsverbrechen und andere Gr&auml;ueltaten zug&auml;nglich zu machen, die in Korea seit dem 7. September 1945 (dem Tag der Anlandung erster US-Kontingente nach der Kapitulation Japans &ndash; Anm.: RW) begangen wurden&ldquo;.\n<\/p><\/blockquote><p>Auszug aus dem Urteil des &bdquo;Korea International War Crimes Tribunal&ldquo;, New York, 23. Juni 2001. Als Vorsitzender und Chefankl&auml;ger des Tribunals fungierte der ehemalige US-Justizminister Ramsey Clark. &Uuml;bersetzung aus dem amerikanischen Englisch: Rainer Werning<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;(&hellip;) Am 9. M&auml;rz 1945 entwaffneten die Japaner die franz&ouml;sischen Truppen. Und wieder sind die franz&ouml;sischen Kolonialherren geflohen, oder sie haben vor den Japanern kapituliert. So vermochten sie nicht nur nicht, uns zu &sbquo;sch&uuml;tzen&rsquo;, sondern sie verkauften im Gegenteil unser Land im Laufe von f&uuml;nf Jahren zweimal an die Japaner. (&hellip;) De facto hat unser Land im Herbst 1940 aufgeh&ouml;rt, franz&ouml;sische Kolonie zu sein; es wurde zu einer japanischen. Nach der Kapitulation Japans stand das ganze Volk unseres Landes auf, nahm die Macht in seine H&auml;nde und gr&uuml;ndete die Demokratische Republik Vietnam. So haben wir eigentlich unsere Freiheit und Unabh&auml;ngigkeit den Japanern und nicht den Franzosen entrissen. (&hellip;)&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Auszug aus der Unabh&auml;ngigkeitserkl&auml;rung von Ho Chi Minh am 2. September 1945 in Hanoi anl&auml;sslich der Gr&uuml;ndung der Demokratischen Republik Vietnam<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir haben uns geirrt, schrecklich geirrt. Menschen k&ouml;nnen sich irren. Ich gebe mit schmerzhafter Offenheit und schweren Herzens zu, dass dieser Gemeinplatz, bezogen auf Vietnam, auch auf mich und die amerikanische F&uuml;hrungselite meiner Generation zutrifft.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Robert McNamara, von 1960 bis 1968 US-Verteidigungsminister und sp&auml;ter Weltbank-Pr&auml;sident, 1995 in seinen Memoiren &uuml;ber den Vietnamkrieg<\/p><p><strong>Gescheiterte &bdquo;Wohlstandssph&auml;re&ldquo;<\/strong><\/p><p>Am 14. August 1945, wenige Tage nach den Atombombenabw&uuml;rfen &uuml;ber Hiroshima und Nagasaki, nahm der japanische Kaiser Hirohito seine Kapitulationsrede auf, die am n&auml;chsten Tag im Radio ausgestrahlt wurde.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] F&uuml;r die allermeisten Japanerinnen und Japaner war es das erste Mal, dass sie &uuml;berhaupt die Stimme ihres obersten Herrschers vernahmen.<\/p><p>Am 2. September schlie&szlig;lich unterzeichneten der japanische Au&szlig;enminister Shigemitsu Mamoru und Umezu Yoshijiro, der Chef des japanischen Generalstabs, auf dem in der Bucht von Tokio ankernden US-Schlachtschiff <em>USS Missouri<\/em> offiziell die Kapitulationsurkunde. Letzterer machte aus seiner Abscheu vor diesem Kotau keinen Hehl; er r&auml;usperte sich mehrfach und schn&auml;uzte sich &ouml;ffentlich, was in Japan als ungesittet und zutiefst unh&ouml;flich gilt. Japans politische und milit&auml;rische F&uuml;hrung, die Ost-, S&uuml;dostasien und zahlreiche Inseln im Pazifik mit Krieg und Zerst&ouml;rung &uuml;berzogen hatte, musste fortan den Befehlen des Siegers USA gehorchen. Und dessen oberster Repr&auml;sentant war mit US-General Douglas MacArthur ein Mann mit einem gewaltigen Ego, der als strahlender Kriegsheld in den USA verehrt und &uuml;berschw&auml;nglich gefeiert wurde und zumindest zeitweilig als m&auml;chtiger denn seine Vorgesetzten, die Pr&auml;sidenten Franklin D. Roosevelt und Harry S. Truman, galt.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">**<\/a>]<\/p><p>Japan war es ab Mitte des 19. Jahrhunderts gelungen, Anschluss an die &bdquo;westliche Moderne&ldquo; zu finden (ausf&uuml;hrlich dazu mein <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=58483\">erster Beitrag dieser Serie<\/a>). Zwei siegreiche Kriege &ndash; 1894\/95 gegen China und 1904\/05 gegen Russland &ndash; hatten Japan zu einer neuen hegemonialen Macht in &bdquo;Fernost&ldquo; aufsteigen lassen. Hauptnutznie&szlig;er dieser Waffeng&auml;nge waren unter anderen solche Gro&szlig;familien wie Mitsui, Mitsubishi, Satsume und Okura, die als Oligopole nunmehr nahezu s&auml;mtliche Gro&szlig;banken, Industriebetriebe und Verkehrsmittel des Landes besa&szlig;en und entscheidenden Einfluss auf eine Vielzahl kleiner und mittlerer Zulieferfirmen aus&uuml;bten. Tr&auml;ger dieses Industrialisierungsprozesses war im Gegensatz zu Europa keine aufkl&auml;rerisch-moderne b&uuml;rgerliche Unternehmerschicht, sondern eine dem Kaiser h&ouml;rige Gro&szlig;grundbesitzerklasse, die ihrerseits betr&auml;chtliche Handelsinteressen verfolgte. Viele Ph&auml;nomene des japanischen Kapitalismus waren von dieser feudal-patriarchalischen Grundordnung gepr&auml;gt. So reflektierten die Stellung des Unternehmers gegen&uuml;ber den Arbeitern in den Gro&szlig;betrieben, die Haltung des Staates gegen&uuml;ber den Gro&szlig;konzernen, der Kadavergehorsam der Soldaten gegen&uuml;ber Vorgesetzten, die Position des Kaisers (Tenno) gegen&uuml;ber der Bev&ouml;lkerung diese feudal-patriarchalische <em>oyabun-kobun<\/em> (Patron-Klient-Beziehung).<\/p><p>Dieses Denken widerspiegelte sich auch in der politischen Sprache und in den Bildern zur ideologischen Rechtfertigung expansiver Politiken. <em>Gr&ouml;&szlig;ere Ostasiatische Gemeinsame Wohlstandssph&auml;re<\/em> nannte Tokio das Projekt, mit dessen Hilfe es seit Ende der 1930er Jahre seine Interventionen und seinen F&uuml;hrungsanspruch in S&uuml;dostasien, Ostasien und Ozeanien legitimierte. Begr&uuml;ndet wurde diese &bdquo;Wohlstandssph&auml;re&ldquo; wie folgt:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Da das japanische Kaiserreich das Zentrum und der Pionier der orientalischen Moral und des kulturellen Wiederaufbaus ist, m&uuml;ssen die Offiziellen und das Volk dieses Landes zu dem orientalischen Geist zur&uuml;ckkehren und ein gr&uuml;ndliches Verst&auml;ndnis des Geistes des moralischen Charakters der Nation erwerben. Ferner: Das japanische Kaiserreich ist eine Manifestation der Moral und sein besonderer Charakter ist die Verbreitung des kaiserlichen Weges (&hellip;) Es ist notwendig, die Macht des Kaiserreiches zu n&auml;hren, um Ostasien zu seiner urspr&uuml;nglichen Gestalt der Unabh&auml;ngigkeit und des gemeinsamen Wohlstandes (&hellip;) zur&uuml;ckkehren zu lassen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>W&auml;hrend des Zweiten Weltkriegs ward dieses Projekt in Teilen S&uuml;dostasiens mit einer offensiven AAA-Aktion verkn&uuml;pft, in der sich Japan als &bdquo;Licht Asiens, Besch&uuml;tzer Asiens und F&uuml;hrer Asiens&ldquo; aufspielte. Nicht ohne Wirkung: So selbstherrlich solche Erkl&auml;rungen klangen, so positiv hallten sie &ndash; zumindest anf&auml;nglich &ndash; vielerorts nach. In s&auml;mtlichen L&auml;ndern S&uuml;dostasiens formierten sich entweder offen japanfreundliche politische Organisationen oder aber es machten sich nationalistische Kr&auml;fte Teile dieser Argumentation zu eigen &ndash; vor allem war das in Indonesien sowie in Birma der Fall &ndash; und nutzten das als zus&auml;tzliche Munition, die Arroganz des &bdquo;wei&szlig;en Mannes&ldquo; anzuprangern und den bewaffneten Kampf gegen den europ&auml;ischen\/nordamerikanischen Kolonialismus zu verst&auml;rken. So war es kein Widerspruch, dass herausragende Pers&ouml;nlichkeiten des Antikolonialismus und Antiimperialismus wie Birmas Aung San (der Vater der Friedensnobelpreistr&auml;gerin Suu Kyi) zeitweilig gemeinsame Sache mit den Japanern gegen den gemeinsamen Feind (Gro&szlig;britannien) machten &ndash; gem&auml;&szlig; der Maxime: Der Feind meines Feindes ist mein Freund.<\/p><p>Als selbsternannter &bdquo;F&uuml;hrer Asiens&ldquo; verfolgte Japan in den 1940er Jahren eine Politik, die in Ost- und S&uuml;dostasien und im Pazifik tiefe Blutspuren hinterlie&szlig;. Obwohl Aggressor und Besiegter des Zweiten Weltkrieges, vermochte es Japan, teils analog den Entwicklungen im westlichen (Nachkriegs-)Deutschland, unter US-amerikanischer Protektion schrittweise seine Machtstellung in der Region wiederzuerlangen und heute mit einem Jahresetat in H&ouml;he von gut 50 Mrd. US-Dollar zur weltweit sechstst&auml;rksten Milit&auml;rmacht aufzusteigen.<\/p><p><strong>Wiederaufr&uuml;stungsverbot und Restauration<\/strong><\/p><p>Unter dem Besatzungsregime von General Douglas MacArthur, des Oberkommandierenden der US-Streitkr&auml;fte im Fernen Osten, wurde Japan unmittelbar nach seiner Kapitulation von der Au&szlig;enwelt abgeriegelt: Die japanische W&auml;hrung, der Yen, war nicht konvertierbar und den Japanern waren Auslandsreisen untersagt. Die USA stellten etwa zwei Drittel aller japanischen Importe, w&auml;hrend sie selbst weniger als ein Viertel seiner Exporte abnahmen. Auf politischer Ebene erwirkte MacArthur die Durchsetzung einer nach amerikanischem Vorbild modellierten und am 7. Mai 1947 in Kraft getretenen Verfassung, deren Kernpunkte die Kompetenzbeschneidung des Kaisers sowie das im Artikel 9 festgeschriebene Wiederaufr&uuml;stungsverbot bildeten:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Das japanische Volk verzichtet auf ewig auf Verwendung von Waffengewalt als Mittel zur Beilegung von internationalen Auseinandersetzungen. Um den Zweck des obigen Abschnittes zu erreichen, werden keine Land-, See- und Luftstreitkr&auml;fte oder sonstiges Kriegsmaterial unterhalten. Das Recht auf Kriegf&uuml;hrung durch den Staat wird nicht anerkannt.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Das Recht auf Selbstverteidigung wurde im Text mit keinem Wort erw&auml;hnt. Erst seit den 1960er Jahren wurde die Wiederaufr&uuml;stung &ndash; ein erster De-facto-Vertragsbruch &ndash; mit dem Verweis auf &bdquo;Selbstverteidigung&ldquo; legitimiert. Die japanischen Milit&auml;rs nennen sich denn auch offiziell jieitai (Selbstverteidigungskr&auml;fte). &Uuml;berdies wurden Japan in internationalen Abkommen die Hoheitsrechte &uuml;ber all jene Gebiete aberkannt, die es sich mit Waffengewalt einverleibt hatte &ndash; darunter Korea, Taiwan und die es umgebenden Penghu-Inseln und die Diaoyu-Gruppe sowie im Norden Sakhalin und die Kurilen. Zwei weitere Inselgruppen, die Ryukyu- und Ogasawara-Inselgruppe (auch als Bonininseln bekannt), wurden von den USA unter Kolonialverwaltung gestellt und erst Mitte Mai 1972 im Zuge eines R&uuml;ckgabevertrages Japan zugesprochen.<\/p><p>Gem&auml;&szlig; einer am 27. Dezember 1945 in Moskau getroffenen Vereinbarung wurden zwei internationale K&ouml;rperschaften zur &Uuml;berwachung des besetzten Nachkriegs-Japan aus der Taufe gehoben. Der <em>Fernost-Kommission (FEC)<\/em> in Washington fiel die Formulierung der f&uuml;r Japan geltenden politischen Richtlinien zu. Der von Repr&auml;sentanten der vier Siegerm&auml;chte zusammengesetzte <em>Alliierte Rat f&uuml;r Japan (ACJ)<\/em> mit Sitz in Tokio wachte unter Federf&uuml;hrung MacArthurs &uuml;ber deren konkrete Durchf&uuml;hrung. Wenige Monate nach Kriegsende kam die <em>United States Initial Post-surrender Policy for Japan <\/em>zur Anwendung, die sich von dem Grundgedanken leiten lie&szlig;, gegen&uuml;ber dem Land keine Rache zu &uuml;ben. Stattdessen sollte Japan &bdquo;von einem Unruhestifter in ein Bollwerk des Weltfriedens&ldquo;, d.h. in einen verl&auml;sslichen St&uuml;tzpfeiler US-amerikanischer Ostasienpolitik verwandelt werden.<\/p><p>Die Besatzungspolitik Washingtons ging davon aus, dass sich dieses ihm so fremdartig erscheinende Land am besten durch eine japanische Regierung erneuern lie&szlig;, deren Kader allerdings aus gedienten Milit&auml;rs rekrutiert wurde. Auffallend glimpflich kamen die Architekten des japanischen Militarismus davon: Eine mit Deutschland vergleichbare &bdquo;Entnazifizierung&ldquo;, wie halbherzig diese auch durchgef&uuml;hrt worden war, gab es nicht einmal ansatzweise. Aufgrund des vom <em>Alliierten Kriegsgericht f&uuml;r den Fernen Osten<\/em>, dem fern&ouml;stlichen Pendant zum <em>N&uuml;rnberger Tribunal<\/em>, verk&uuml;ndeten Urteils wurden Ende 1948 sieben vormals hochrangige Politiker\/Milit&auml;rs geh&auml;ngt. Kaiser Hirohitos Verantwortung f&uuml;r und seine Verstrickung in Japans imperiale Politik blieben tabuisiert oder wurden bewusst heruntergespielt, obgleich gegen den Tenno selbst schwere Anschuldigungen erhoben wurden.<\/p><p>Washington indes ging es weniger um die &ouml;ffentliche Demontage Hirohitos, was in ihren politischen und sozialen Konsequenzen unw&auml;gbar und letztlich kontraproduktiv gewesen w&auml;re, als vielmehr um die Entflechtung von Mythos und Authentizit&auml;t. So wurde per Direktive vom 15. Dezember 1945 der Staats-Shinto untersagt. Der Shinto (&bdquo;Weg der G&ouml;tter&ldquo;) ging von der Existenz einer &uuml;berh&ouml;hten, mystisch verkl&auml;rten Tradition der nationalen Gr&ouml;&szlig;e aus und diente als Vehikel des unersch&uuml;tterlichen Glaubens an eine in alle Ewigkeit bestehende nationale Familie, die von einer Kette ununterbrochener, die Aura der G&ouml;ttlichkeit ausstrahlender imperialer Dynastien gef&uuml;hrt wird. Innerhalb des Systems des Staats-Shinto wurde keine Trennlinie zwischen mythischer und authentischer Geschichte geduldet. Seine G&uuml;ltigkeit durfte &ouml;ffentlich nicht infrage gestellt werden. In der Direktive vom 15. Dezember hie&szlig; es:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Propagierung, Unterst&uuml;tzung, Verewigung, Beherrschung und Verbreitung des Shinto durch die japanische Regierung auf nationaler, Bezirks- und Ortsebene oder durch Pers&ouml;nlichkeiten des &ouml;ffentlichen Lebens, Beamte und Angestellte in ihrer Eigenschaft als Repr&auml;sentanten dieser Regierung sind verboten und werden unverz&uuml;glich eingestellt.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die kaiserliche Neujahrsbotschaft vom 1. Januar 1946 erl&auml;uterte schlie&szlig;lich, dass die zwischen dem Kaiser und seinem Volk bestehenden<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Bande stets durch gegenseitiges Vertrauen und beiderseitige Verehrung gekn&uuml;pft waren. Sie hatten ihren Ursprung weder in einem Mythos noch in der Legende. Sie beruhten nicht auf den fiktiven Ideen, dass der Kaiser ein menschgewordener Gott (akitsu mikami) und das japanische Volk eine h&ouml;herwertige Rasse darstellt, dazu auserkoren, die Welt zu beherrschen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Exkurs I: Siegerjustiz mit zweierlei Ma&szlig; &ndash; die Einheit 731<\/strong><\/p><p>Die Siegermacht USA betrieb w&auml;hrend der Verhandlungen des Alliierten Kriegsgerichts f&uuml;r den Fernen Osten in Tokio eine perfide Politik, indem nicht einmal Anklage gegen die F&uuml;hrungsriege der notorischen <em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Einheit_731\">Einheit 731<\/a><\/em> erhoben wurde, die in China den qualvollen Tod zahlloser Zivilisten durch bakteriologische und chemische Kriegsf&uuml;hrung zu verantworten hatte. Der <em>&bdquo;intelligence value&ldquo;,<\/em> der nachrichtendienstliche Wert beziehungsweise die Verwertung dieser &bdquo;Experimente an lebendigem Material&ldquo;, wurde h&ouml;her eingesch&auml;tzt als die Wahrung ethischer Normen und die Notwendigkeit juristischer Ma&szlig;nahmen. Schlie&szlig;lich ging es darum, die Erkenntnisse der <em><a href=\"https:\/\/www.wikizero.com\/de\/Einheit_731\">Einheit 731<\/a><\/em> f&uuml;rderhin kriegsrelevant (im Korea- und Vietnamkrieg) zu nutzen.<\/p><p>Chef dieser Einheit, zuvor schlicht als <em>Abteilung der Kwantung-Armee f&uuml;r die Pr&auml;vention von Epidemien und die Wasserreinigung<\/em> bekannt, war mit dem Milit&auml;roffizier und Mikrobiologen Ishii Shir&#333; ein Absolvent der medizinischen Fakult&auml;t der Universit&auml;t in Kyoto. Ziel dieser nahe der Stadt Harbin (heute die Hauptstadt der Provinz Heilongjiang) in einem gro&szlig;r&auml;umigen Komplex stationierten Einheit war es, die chinesische Bev&ouml;lkerung mit (Beulen-)Pest, Cholera, Milzbrand und anderen gef&auml;hrlichen Krankheiten zu infizieren und durch gezielte Giftgaseins&auml;tze sowie Experimente an &bdquo;lebendem Menschenmaterial&ldquo; massenhaft zu t&ouml;ten.<\/p><p>In den USA wurde im Herbst 1943 systematisch mit Forschungen &uuml;ber biologische Waffen in Camp Detrick im Bundesstaat Maryland begonnen. Das milit&auml;rische Interesse an diesem Programm wuchs nach Kriegsende betr&auml;chtlich, wobei Sieger und Besiegte alles unternahmen, um die <a href=\"https:\/\/www.perlentaucher.de\/buch\/philipp-sarasin\/anthrax.html\">Kriegsf&uuml;hrung mit B- und C-Waffen<\/a> im Allgemeinen und die perfiden Praktiken der Einheit 731 im Besonderen geheim zu halten: Die sensiblen Labordaten &uuml;ber Versuche an &bdquo;lebendem Menschenmaterial&ldquo; sollten mit Blick auf k&uuml;nftige Kriegseins&auml;tze ausgewertet und vor dem Feind (der Sowjetunion) und einer emp&ouml;rten &Ouml;ffentlichkeit gesch&uuml;tzt werden.<\/p><p>Der Chefankl&auml;ger des Internationalen Milit&auml;rtribunals f&uuml;r den Fernen Osten, Joseph B. Keenan, setzte auf Anweisung von General Douglas MacArthur, dem Oberkommandierenden der US-Besatzungstruppen in Japan, durch, dass sowjetische Anschuldigungen gegen Mitglieder der Einheit 731 gezielt au&szlig;er Acht gelassen wurden. MacArthurs Sicherheitschef, Generalmajor Charles Willoughby, war eigens beauftragt worden, die Mitglieder der Einheit 731 von der Au&szlig;enwelt abzuschotten. Bereits im August 1946 zeichnete sich ab, dass sie straffrei ausgehen w&uuml;rden. In Absprache mit Washington hatte der damalige &bdquo;super emperor of Japan&ldquo; MacArthur im Austausch f&uuml;r die Forschungsergebnisse der Einheit 731 auf eine Anklage der leitenden Offiziere vor dem Tribunal verzichtet. So genossen faktisch Topleute der Einheit 731 wie Generalleutnant Kitano Masaji und sein Kollege &ndash; der in den Medien bereits als tot gemeldete und mit einem inszenierten Scheinbegr&auml;bnis bedachte &ndash; Ishii Immunit&auml;t.<\/p><p>MacArthur und das Wei&szlig;e Haus waren sich darin einig, dass der Wert der japanischen Daten &uuml;ber biologische Kriegsf&uuml;hrung f&uuml;r die USA im Sinne ihrer nationalen Sicherheit h&ouml;her zu veranschlagen war als der Versuch, mittels einer auf solchen Daten gest&uuml;tzten Anklageerhebung die Schuld der inkriminierten Mitglieder der Einheit 731 zu beweisen. Offensichtlich war die stillschweigende, arbeitsteilige &Uuml;bereinkunft zwischen Siegern und Besiegten von beiderseitigem Vorteil: Washington nutzte die sensiblen Daten der Einheit 731 f&uuml;r den n&auml;chsten Waffengang auf der Koreanischen Halbinsel (1950-53), w&auml;hrend Tokio dieses heikle Thema &bdquo;verga&szlig;&ldquo;, den Terror der Einheit 731 sp&auml;ter Privatpersonen anlastete und sich heute &ndash; wie im Falle zwangsrekrutierter Sexsklavinnen der kaiserlichen Armee &ndash; weigert, die Opfer zu entsch&auml;digen.<\/p><p>Die VR China und Nordkorea hatten bereits Anfang M&auml;rz 1951 den USA vorgeworfen, im Koreakrieg auch gezielt B- und C-Waffen einzusetzen, was bis zum Kriegsende im Juli 1953 angedauert haben soll. Ein internationales Beobachterteam reiste in beide L&auml;nder, um diese Anschuldigungen zu untersuchen. Die Delegation kam zu dem Schluss, dass die USA tats&auml;chlich B- und C-Waffen in Korea eingesetzt hatten. Doch zu schneidend war der eisige Wind im Kalten Krieg, als dass solche Ergebnisse die Gem&uuml;ter im fernen Washington bewegt h&auml;tten. Die Delegationsteilnehmer, darunter der langj&auml;hrige Chinakenner und -forscher Dr. Joseph Needham, wurden in den USA als wenig vertrauensw&uuml;rdig und &bdquo;links&ldquo; diffamiert.<\/p><p><strong>Prellbock gegen China<\/strong><\/p><p>Unter dem Eindruck der Ereignisse in China (Erstarken der KP Chinas, Defensive beziehungsweise Niederlage und R&uuml;ckzug der Guomindang unter Chiang Kai-shek) wurde von der amerikanischen Besatzungsmacht die ansatzweise durchgef&uuml;hrte Wirtschaftsentflechtung gestoppt. Vergleichbar dem Marshallplan in Europa wurde f&uuml;r Japan ein umfassendes Wirtschaftshilfeprojekt entworfen, um die Produktion wieder in Gang zu bringen. (Gro&szlig;e Arbeiterstreiks, die bereits seit 1946 auf einen grundlegenden sozialen Wandel abzielten, wurden von den Besatzungstruppen niedergeschlagen. Am 1. Februar 1947 war ein Generalstreik, der die Regierung zu destabilisieren drohte, gewaltsam aufgel&ouml;st und im Juli 1948 das generelle Streikverbot im &ouml;ffentlichen Dienst erwirkt worden. Anstatt sich auf eine Konfrontation mit MacArthur einzulassen, f&uuml;gte sich selbst die Kommunistische Partei Japans (KPJ) und behauptete entsprechend der von ihr vertretenen Zwei-Stufen-Theorie, die US-Besatzung st&uuml;nde f&uuml;r die Umsetzung der ersten, demokratischen Stufe der Revolution in Japan.) Den im April 1949 von der Dodge-Mission &ndash; benannt nach dem Detroiter Bankier Joseph M. Dodge &ndash; ausgearbeiteten Empfehlungen folgten unverz&uuml;glich entsprechende Schritte: Die Parit&auml;t der Landesw&auml;hrung, des Yen, wurde gegen&uuml;ber dem Dollar mit 360:1 festgesetzt. Eine Niedrigzinspolitik stattete die Gro&szlig;unternehmen mit Krediten aus, gewerkschaftliche Aktivit&auml;ten wurden strikt untersagt.<\/p><p>Rascher als erwartet setzte Washington diplomatisch und politisch alle Hebel in Bewegung, um mit Japan zu einem geregelten Modus vivendi zu gelangen, der es erlaubte, die Souver&auml;nit&auml;t des Landes wiederherzustellen und die Rolle seines Juniorpartners zu festigen. Wesentliche Voraussetzung daf&uuml;r war der Abschluss eines Friedensvertrages, was allerdings Sache s&auml;mtlicher Siegerm&auml;chte war, zumindest ihres konzertierten Vorgehens und gemeinsamer Konsultationen bedurft h&auml;tte. Im April 1949 wurde der sp&auml;tere US-amerikanische Au&szlig;enminister John Foster Dulles unter Umgehung der Sowjetunion mit den Vorbereitungen eines &ndash; notfalls &ndash; separaten Friedensvertrages mit Tokio betraut.<\/p><p>Die Eile, mit der das Zustandekommen dieses Vertrages forciert wurde, resultierte aus den grundlegend ver&auml;nderten Machtkonstellationen in der Region. In China hatten die Kommunisten gesiegt und Mao Zedong hatte am 1. Oktober 1949 die Volksrepublik ausgerufen, w&auml;hrend das politische Konfliktpotential auf der Koreanischen Halbinsel t&auml;glich zunahm und die Eskalation eines US-amerikanischen Engagements immer wahrscheinlicher wurde. In dieser Situation konnte Japan kein unsicherer Kantonist sein. Es musste &ndash; nach au&szlig;en hin sichtbar &ndash; souver&auml;n sein und als Prellbock gegen den Kommunismus in Ostasien in das Netz westlicher Sicherheitsinteressen eingebunden werden. Am 8. September 1951 wurde schlie&szlig;lich der Friedensvertrag mit Japan in San Francisco unterzeichnet, der am 28. April 1952 in Kraft trat.<\/p><p>In diesem Vertrag blieb u.a. die konkrete Regelung japanischer Reparationszahlungen unber&uuml;cksichtigt. Die Verlegung eines Gro&szlig;teils der zuvor in Japan stationierten US-amerikanischen Truppen nach Korea f&uuml;hrte zur Aufstellung einer Nationalen Polizeireserve, die mit 75.000 Mann den Grundstock einer k&uuml;nftigen Armee bildete. Noch am selben Tag, an dem der Friedensvertrag unterzeichnet wurde, schlossen die USA und Japan einen bilateralen Sicherheitspakt, der die Aufrechterhaltung der US-Basen und den Verbleib von GIs auf japanischem Boden ausdr&uuml;cklich festschrieb.<\/p><p>Ebenfalls zu Beginn der 1950er Jahre kamen die Autoren des im US-amerikanischen <em>Nationalen Sicherheitsrat<\/em> (NSC) verfassten Papiers <em>NSC-68<\/em>, von Au&szlig;enminister Dean Acheson sp&auml;ter als &bdquo;eines der gro&szlig;en Dokumente in unserer Geschichte&ldquo; gepriesen, zu der Auffassung, die Kluft zwischen der Weltanschauung in Ost und West sei un&uuml;berbr&uuml;ckbar, wodurch &bdquo;die kommunistische und die nichtkommunistische Welt auf unabsehbare Zeit in Widerstreit&ldquo; st&uuml;nden. In dieser Situation, so die Pr&auml;misse des Dokuments, verf&uuml;gten die USA &uuml;ber vier Optionen, wobei die Aufnahme von Verhandlungen im Vorhinein ausgeklammert blieb: Amerika k&ouml;nnte nichts &uuml;ber das hinaus tun, was es bereits tat; es k&ouml;nnte seine internationalen Verpflichtungen fallen lassen und sich hinter die &bdquo;Festung Amerika&ldquo; verschanzen; es k&ouml;nnte versuchen, der Gefahr durch einen Pr&auml;ventivkrieg vorzubeugen, oder es k&ouml;nnte einen massiven Wiederaufbau des eigenen sowie der Verteidigungssysteme der &bdquo;freien Welt&ldquo; durchf&uuml;hren und seinen Feinden gegen&uuml;ber die Haltung einer unersch&uuml;tterlichen &bdquo;Kampfentschlossenheit&ldquo; einnehmen.<\/p><p><strong>Sukzessive &bdquo;West&ldquo;-Orientierung und Wiederaufr&uuml;stung<\/strong><\/p><p>Die letztgenannte Option wurde im NSC-Dokument bef&uuml;rwortet und dargelegt, dass &bdquo;die Nation Waffenausgaben in einer Gr&ouml;&szlig;enordnung von 50 Milliarden US-Dollar im Jahr erw&auml;gen m&uuml;sse (im Gegensatz zu den gegenw&auml;rtigen 13 Milliarden)&ldquo;. Im Fiskaljahr 1950 waren 13 Milliarden Dollar f&uuml;r den Verteidigungssektor vorgesehen, 1951 betrugen die Milit&auml;rausgaben 22,4 Milliarden und ein Jahr darauf bereits 43,9 Milliarden Dollar. Dazu konstatierte David Horowitz:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;In einer Zeit verh&auml;ltnism&auml;&szlig;iger internationaler Ruhe (&hellip;) lieferte die amerikanische F&uuml;hrung nicht nur eine weitere Best&auml;tigung der strategischen Entscheidung der Jahre 1945 bis 1947 gegen Verhandlungen und den Einsatz diplomatischer Mittel, sondern pl&auml;dierte auch f&uuml;r eine milit&auml;rische Wiederaufr&uuml;stung in einem f&uuml;r Friedenszeiten beispiellosen Umfang. Der geheime Charakter des NSC-Dokuments setzt den Schlussfolgerungen, die aus Berichten &uuml;ber seinen Inhalt mit Sicherheit gezogen werden k&ouml;nnen, enge Grenzen (&hellip;), w&auml;hrend der Korea-Konflikt (1950-53 &ndash; Anm.: RW) bei der Konzentration des amerikanischen Milit&auml;rpotentials noch eine Rolle gespielt haben mag, war die politische Entscheidung, die Milit&auml;rausgaben um das Vierfache zu erh&ouml;hen (&hellip;), strategischer und nicht defensiver Natur. In der Retrospektive wird erst klar, dass die vor dem Koreakrieg getroffene Entscheidung des NSC zugunsten einer Wiederaufr&uuml;stung eine tiefgreifende Wirkung auf die Eskalation des Krieges hatte, w&auml;hrend der Krieg selber dazu diente, die globalen Spannungen zwischen Russland und den Vereinigten Staaten aufzuheizen, vermutlich um das Wiederaufr&uuml;stungsprogramm &ndash; zumindest teilweise &ndash; zu unterst&uuml;tzen. (&hellip;) Insbesondere wurde es als gr&ouml;&szlig;te Gefahr bezeichnet, dass im Falle einer pl&ouml;tzlichen Einstellung der Feindseligkeiten (in Korea &ndash; Anm.: RW) das Wiederaufr&uuml;stungsprogramm nicht durchgef&uuml;hrt werden k&ouml;nnte. Zur gleichen Zeit, als diese Warnungen laut wurden, unternahm Washington jedoch Schritte, die eine Eskalation des Korea-Konflikts und des Kalten Krieges gew&auml;hrleisteten&rdquo;. (Horowitz 1969: 25f.)\n<\/p><\/blockquote><p>Das verst&auml;rkte milit&auml;rische Engagement der USA in Korea wirkte stimulierend auf die Rekonstruktion und Expansion des japanischen Kapitalismus. Die seinerzeit von &Ouml;konomen als &bdquo;Korea-Boom&ldquo; charakterisierte Phase des konjunkturellen Aufschwungs (&bdquo;Wirtschaftswunder&ldquo; in Japan wie in Westdeutschland) war Ausdruck der sprunghaft gestiegenen US-Nachfrage nach japanischen Produkten. Die Gesamtsumme der japanischen Sonderbeschaffungen f&uuml;r den Koreakrieg betrug zwischen 1951 und 1957 nahezu vier Milliarden Dollar. 1952, da die Einnahmen aus dem Sonderbedarf mit umgerechnet 750 Millionen Dollar ihren H&ouml;hepunkt erreichten, machte der Anteil des Sonderbedarfs 41 Prozent des gesamten japanischen Exportvolumens aus. 1951 hatte der L&ouml;wenanteil des Sonderbedarfs aus Textilien bestanden.<\/p><p>Washington z&ouml;gerte zun&auml;chst mit der regul&auml;ren Waffenherstellung &ndash; mit R&uuml;cksichtnahme auf die pazifistische Haltung der Bev&ouml;lkerung. Doch schon 1952 wurde der Aufbau einer japanischen Waffenindustrie wieder ins Auge gefasst. Bei den Sonderbedarfsartikeln rangierten alsbald Produkte der Schwerindustrie (z. B. Waffen) an erster Stelle. Auch in der Transport- und Maschinenbaubranche, vor allem aber in der Autoindustrie, wurde die Produktion durch diesen Sonderbedarf auf ein Niveau gehoben, das nahezu dem Doppelten des Vorkriegsstandes entsprach. Kurz nach Beginn des Koreakrieges (Ende Juni 1950) zogen die Aktienkurse japanischer Gro&szlig;betriebe &ndash; Toyota (Auto- und Maschinenbau), Kokan (Stahl), Komatsu-Seisakujo (Schwerindustrie), Mitsubishi-Juko (Schwerindustrie), Mitsui-Zosen (Schiffbau) &ndash; um durchschnittlich 200 Prozent an.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">***<\/a>]<\/p><p><strong>Einflusssph&auml;re &bdquo;Fernost&rdquo;<\/strong><\/p><p>Tokio sah sich erneut zur Absicherung seiner Rohstoffquellen und M&auml;rkte herausgefordert und verdoppelte die St&auml;rke seiner Streitkr&auml;fte von 75.000 Mann im Jahr 1950 auf 152.000 bis Ende 1954. W&auml;hrend der Regierungszeit von Hatoyama Ichiro (1954-1956) wuchs die Zahl der <em>jieitai <\/em>(Selbstverteidigungskr&auml;fte) bereits auf 214.180 Soldaten. Premierminister Kishi Nobosuke inthronisierte 1957 das <em>Japanisch-Amerikanische Sicherheitskomitee <\/em>(1960 in <em>Konsultatives Sicherheitskomitee <\/em>umbenannt) und hielt gar die Zeit f&uuml;r gekommen, die M&ouml;glichkeit des Erwerbs japanischer Nuklearwaffen in Betracht zu ziehen. Kishi st&uuml;rzte &uuml;ber die Revision des sogenannten Sicherheitsvertrages, dessen Einflusssph&auml;re 1960 auf &bdquo;Fernost&ldquo; ausgedehnt wurde.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;1955 hatte Dulles bereits versucht, diese Sph&auml;re vom eigentlichen Japan in den ,Westpazifik&rsquo; zu verschieben, doch dieser Vorschlag l&ouml;ste seinerzeit in Japan Entr&uuml;stung aus. Kishi und die Amerikaner weigerten sich, das unter den Terminus ,Fernost&rsquo; fallende Gebiet zu spezifizieren; Kishi lieferte zwei sich widersprechende Interpretationen des Gebietes. Seine zweite Definition (8. Februar 1960) ging von der Einbeziehung der Inseln Habomai und Shikotan (Kurilen &ndash; Anm.: RW) n&ouml;rdlich von Japan sowie den Inseln Jimen und Matsu, an der K&uuml;ste Chinas gelegen und von der Kuomintang besetzt gehalten, aus. Weiterhin erkl&auml;rte Kishi, er sei sich nicht im Klaren dar&uuml;ber, ob der Ferne Osten nicht auch Korea n&ouml;rdlich des 38. Breitengrads (entlang der Nord- und S&uuml;dkorea trennenden demilitarisierten Zone &ndash; Anm.: RW) einschlie&szlig;e.&ldquo; (Yanaga 1968: 279f.)\n<\/p><\/blockquote><p>1962 betrug die St&auml;rke der<em> jieitai<\/em> ann&auml;hernd 244.000 Mann, w&auml;hrend sich binnen eines Jahrzehnts (1953-63) die Verteidigungsausgaben von 1,231 Billionen Yen auf 2,412 Billionen Yen nahezu verdoppelt hatten.<\/p><p><strong>Selbstversorger bei Waffen<\/strong><\/p><p>Hervorstechendes Merkmal des restaurierten milit&auml;risch-industriellen Komplexes in Japan war von Anfang an der vergleichsweise hohe Grad seiner Selbstversorgung mit Waffensystemen. Bereits Ende der 1960er Jahre verzeichneten Milit&auml;rexperten, dass Japan seine eigene Munitionsversorgung zu 97 Prozent und seinen Bedarf an Panzern, Flugzeugen, Gewehren sowie anderen milit&auml;rischen Ausr&uuml;stungen zu 84 Prozent decken konnte.<\/p><p>Halliday und McCormack schrieben:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Bei der Untersuchung des amerikanisch-japanischen Verh&auml;ltnisses im milit&auml;risch-industriellen Sektor gilt es die Tatsache zu bedenken, dass Japan in letzter Zeit alle Anstrengungen unternommen hat, eine Serie von Spezialwaffen f&uuml;r den Einsatz in S&uuml;dostasien zu entwickeln: einen neuen (,72&prime;) Panzer, der selbst unter Wasser man&ouml;vrierbar ist und sich in den Reisfeldern S&uuml;dostasiens bew&auml;hren w&uuml;rde (der Prototyp dieses Panzers wurde laut der Tokioter Tageszeitung <em>Asahi Shimbun<\/em> vom 4. Juni 1971 bereits zu Beginn der 1970er Jahre von Mitsubishi produziert &ndash; Anm.: RW), spezielle Schnellboote, die in Sumpf- und Dschungelgel&auml;nden einsetzbar w&auml;ren, sowie ein neues Infanteriegewehr, das den amerikanischen Gewehren &uuml;berlegen und &uuml;berdies f&uuml;r kleine Menschen bequemer zu handhaben ist. Bedenkt man, dass auf mindestens ein Dutzend S&ouml;ldnerarmeen zur&uuml;ckgegriffen werden k&ouml;nnte, so ist die M&ouml;glichkeit nicht von der Hand zu weisen, dass Japan zur Waffenschmiede dieser Streitkr&auml;fte aufsteigt.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>(Halliday\/McCormack 1973: 12)<\/p><p>Diese Entwicklung war u.a. m&ouml;glich geworden, weil die industrielle Basis Japans nach dem Kriege weitgehend intakt gelassen wurde, eine Entflechtung oder gar Demontage seiner vormaligen Wirtschaftsimperien (mit Ausnahme von Handelsgesellschaften und Kriegsgewinnlern w&auml;hrend des &bdquo;China-Feldzugs&ldquo; wie Mitsui) unterblieben war und auf sein vor dem Krieg durch Auslandskontakte (Europa, USA) erworbenes technologisches Know-how zur&uuml;ckgegriffen werden konnte. Ferner wurden die Gro&szlig;banken, die in der Vorkriegsperiode als Schaltstellen der Oligopole fungierten, &uuml;berhaupt nicht angetastet. Mittels niedrig verzinster Kredite im Zuge einer staatlich gelenkten Politik des billigen Geldes vermochten die notorisch hochverschuldeten und mit einer vergleichsweise d&uuml;nnen Eigenkapitaldecke ausgestatteten Unternehmen wie <em>Fuji, Mitsubishi, Sanwa, Sumitomo, Mitsui Dai-Ichi<\/em> u.a., qua eigener Konzernbanken ihre alten Stellungen zu behaupten. Nach <em>Capital International Perspective,<\/em> einer im Dezember 1971 in Z&uuml;rich publizierten Aktienanalyse, betrug das Eigenkapital (Grundkapital und Reserven) von 742 namhaften japanischen Gesellschaften au&szlig;erhalb des Finanzsektors, deren Aktien an der Tokioter B&ouml;rse gehandelt wurden, nur 19,4 Prozent der gesamten Bilanzpassiva. Zum Vergleich: Bei US-amerikanischen und britischen Gesellschaften lag dieser Anteil zwischen 45 und 46 Prozent:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Da die japanische Wirtschaft nach ernsthaften Zerst&ouml;rungen (&hellip;) neu beginnen musste, mussten die Finanzierungskosten f&uuml;r die Industrie so niedrig wie m&ouml;glich gehalten werden. W&auml;re eine freie Zinsbildung erfolgt, so w&auml;ren die Kapitalkosten sehr hoch gewesen, da die auf dem Markt verf&uuml;gbaren Gelder begrenzt und die Nachfrage sehr gro&szlig; war.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>(Asami 1972: 52)<\/p><p><strong>Duales Wirtschaftssystem<\/strong><\/p><p>Wie in keinem anderen kapitalistischen Land erfolgte das rasche Tempo der Kapitalakkumulation in Japan auf der Basis eines engmaschigen sozialen und politischen Kontrollsystems seitens des Staates. Chitoshi Yanaga u.a. kamen in ihrer bereits 1968 vorgelegten Studie <em>Big Business in Japanese Politics <\/em>(New Haven\/London) zu dem Ergebnis, dass gut 90 Prozent der Regierungsaktivit&auml;ten die Steuerung und Aufsicht der Wirtschaft betrafen. Die Ausgaben im Sozialbereich waren relativ gering (Ende der 1980er Jahre 14 Prozent des Staatshaushalts, w&auml;hrend sie in den USA, Gro&szlig;britannien, Schweden und Westdeutschland 18 bzw. 26, 43 und 31 Prozent ausmachten), und das Steuersystem war im internationalen Vergleich zu recht als eines der ungerechtesten bezeichnet worden.<\/p><p>Allein zwischen 1965 und 1980 wuchs das japanische Bruttosozialprodukt jahresdurchschnittlich um 6,5 Prozent gegen&uuml;ber 3,3 Prozent in der Bundesrepublik, 2,7 Prozent in den USA und 2,4 Prozent in Gro&szlig;britannien. Im selben Zeitraum betrug Japans j&auml;hrliche Wachstumsrate bei Exporten 11,4 Prozent, w&auml;hrend die Vergleichszahlen f&uuml;r die USA, BRD und Gro&szlig;britannien 6,4 bzw. 7,2 und 4,8 Prozent betrugen. Wies Tokios Zahlungsbilanz 1970 ein Plus von zirka zwei Milliarden US-Dollar auf, so n&auml;herte sich dieser &Uuml;berschuss Ende der 1980er Jahre bereits der 100-Milliarden-Dollar-Marke, und gleichzeitig vergr&ouml;&szlig;erten sich Japans Devisenreserven von ann&auml;hernd f&uuml;nf auf 107 Milliarden Dollar mit der Folge, dass der Yen seit 1970 zunehmend unter Aufwertungsdruck geriet und die langj&auml;hrig bestandene Dollar-Yen-Parit&auml;t von urspr&uuml;nglich 1:360 seinerzeit um 1:115 schwankte.<\/p><p>Rechtzeitig allerdings passte sich das japanische Kapital als Reaktion auf den einsetzenden &auml;u&szlig;eren Aufwertungsdruck auf die Landesw&auml;hrung und die daheim gestiegenen Lohnforderungen den neuen Bedingungen an und ging dazu &uuml;ber, arbeitsintensive und stark umweltverschmutzende Industrien zun&auml;chst nach S&uuml;dkorea und Taiwan, sp&auml;ter dann nach S&uuml;dostasien und Lateinamerika auszulagern. Teile der Automobilfabrikation sowie Fertigungsanlagen f&uuml;r hochwertige Konsumg&uuml;ter der Elektronikbranche wurden in die USA und die damaligen EG-Staaten verlagert.<\/p><p>Diese Doppelstrategie hatte u.a. den Vorteil, dass Tokio &ouml;kologische Probleme schlicht au&szlig;er Landes schaffte und sich l&auml;stiger Kritiken seitens einer erstarkten Umweltschutzbewegung entledigte, den Zugriff auf Rohstoffe und ein Heer billiger Arbeitskr&auml;fte sicherte und &uuml;berdies wachsende protektionistische Ma&szlig;nahmen in den USA und der EG parierte. Dies wiederum verst&auml;rkte den Druck auf die einheimische Arbeiterschaft in einer Weise, dass die vormals f&uuml;r sakrosankt gehaltenen Garantien lebenslang gesicherter Arbeitspl&auml;tze aufgehoben und auf einen schmaler werdenden Kern von Stammbelegschaften in Gro&szlig;betrieben beschr&auml;nkt wurden. Die Arbeiterbewegung war zu fragmentiert, als dass sie diesen Trend h&auml;tte umkehren k&ouml;nnen: Die Gewerkschaften, wesentlich betrieblich und vertikal organisiert, unterst&uuml;tzten entweder vollumf&auml;nglich das Management oder f&uuml;gten sich in dessen Kooptationspolitik. Nicht selten erfolgten im Gegenzug Sonderverg&uuml;tungen (Bonussystem), die bis zu sechs zus&auml;tzliche Monatsgeh&auml;lter ausmachen konnten. Die eigentlichen Verlierer dieses dualen Wirtschaftssystems bildeten neben den seit langen Marginalisierten und Deklassierten (Burakumin, Ainu, w&auml;hrend des Krieges nach Japan zwangsverschleppte Koreaner und Chinesen, illegal besch&auml;ftigte Arbeitskr&auml;fte aus dem Ausland) die in kleinen Klitschen und mittleren Zulieferfirmen Besch&auml;ftigten und Frauen.<\/p><p>Japanische Auslandsinvestitionen waren zwischen 1951 und 1962 mit einem Gesamtvolumen von 546 Millionen Dollar eine quantit&eacute; n&eacute;gligeable. Doch allein in den darauffolgenden sieben Jahren erreichten sie drei Milliarden Dollar und schnellten bis Ende der 1980er Jahre auf &uuml;ber 140 Milliarden Dollar in die H&ouml;he. Bemerkenswert war dabei, dass 49 Prozent der gesamten Investitionen Tokios im Zeitraum von 1951 bis 1988 seit 1986 get&auml;tigt wurden. Hauptanlagegebiete japanischer Auslandsinvestitionen bildeten zwischen 1974 und 1988 Asien, Nordamerika, Europa und Lateinamerika, wobei zun&auml;chst die verarbeitende und extraktive Industrie sowie der Handel und dann der Finanz-, Versicherungs- und Immobiliensektor die bevorzugten Investitionsfelder bildeten. <em>(Steven 1990)<\/em><\/p><p><strong>Exkurs II: Arbeitsleben diesseits und jenseits von Kirschbl&uuml;ten<\/strong><\/p><p>&bdquo;Shunto&ldquo; &ndash; das war in &bdquo;normalen&ldquo; Zeiten der sich von Januar bis April hinziehende Disput zwischen Vertretern der <em>Nippon Keidanren <\/em>(Japan Business Federation) und der <em>Rengo,<\/em> der Japanischen Gewerkschaftskonf&ouml;deration. Mit der Kirschbl&uuml;te hatte man sich einvernehmlich auf Lohnerh&ouml;hungen oder sozialpolitische Verbesserungen in den Betrieben geeinigt, um sodann schnellstm&ouml;glich zur Tagesordnung zur&uuml;ckzukehren. Im Westen galt dies lange als Ausdruck des &bdquo;typisch&ldquo; japanischen Zusammengeh&ouml;rigkeitsgef&uuml;hls, das den Familiensinn nahtlos ins Arbeits- und Betriebsleben &uuml;berf&uuml;hrte. Man sang morgens gemeinsam die Firmenhymne und es galt als unsozial, nach Dienstschluss nicht mit seinen Kollegen den Abend mit gemeinsamem Essen und Trinken ausklingen zu lassen.<\/p><p>Hohe Besch&auml;ftigungsstabilit&auml;t, Mitwirkung auf betrieblicher Ebene, politischer Einfluss, starke administrative Regulierung der Wirtschaft, De-facto-Vollbesch&auml;ftigung dank hoher Wachstumsraten bestimmten zwischen den 1960er und 1980er Jahren den Arbeitsalltag.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Organisationsform der japanischen Arbeitnehmer (Betriebsgewerkschaft) basiert nicht auf einem &uuml;berbetrieblich definierten &sbquo;Klasseninteresse&lsquo; aller abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten, sondern auf dem Konzept des &sbquo;Betriebs als Gemeinschaft&lsquo;, das nicht kulturgegeben ist, sondern durchgesetzt wurde.<\/p>\n<p>Die Gewerkschaften repr&auml;sentieren eine bessergestellte Minorit&auml;t der Arbeitnehmer, w&auml;hrend die gro&szlig;e Mehrheit in den Peripheriebelegschaften der Gro&szlig;unternehmen und den kleinen und mittleren Unternehmen weder gewerkschaftlichen Schutz noch die Privilegien des japanischen Besch&auml;ftigungssystems genie&szlig;t.<\/p>\n<p>Verringerung der traditionellen Stammbelegschaften, Erosion der lebenslangen Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnisse und wachsende &uuml;berbetriebliche Mobilit&auml;t der Arbeitnehmer werden die traditionelle Betriebszentrierung der Gewerkschaften reduzieren, ohne dass die Betriebsgewerkschaften v&ouml;llig verschwinden werden.<\/p>\n<p>(&hellip;) Japanische Gewerkschaften haben ihr Zentrum im Betrieb. Allein bei Toyota gibt es 241 Betriebsgewerkschaften, die in der All Toyota Workers&rsquo; Federation zusammengefasst sind. Die Federation wiederum ist Mitglied der Automobilarbeitergewerkschaft Jidosha Soren, die ihrerseits sowohl dem zentralen Koordinierungsgremium der Metallarbeiter IMF-JC als auch dem Dachverband RENGO angeh&ouml;rt. Industriegewerkschaften, Councils&lsquo; (wie der IMF-JC) und Dachverb&auml;nde beziehen einen relativ geringen Teil (wenige Prozent) der vergleichsweise hohen Mitgliedsbeitr&auml;ge, die die Betriebsgewerkschaften bei der Lohnzahlung einbehalten. Tarifverhandlungen werden in den Betrieben zwischen Betriebsgewerkschaft und Management gef&uuml;hrt. Den &uuml;bergeordneten Industriegewerkschaften, Councils und Dachverb&auml;nden kommt lediglich eine koordinierende Funktion zu. Erleichtert wird die Koordination allerdings durch die zeitliche Synchronisierung der Lohnverhandlungen im Fr&uuml;hjahr (Shunto-Offensive).<\/p>\n<p>Das japanische Modell der Betriebsgewerkschaften, das sich nicht einem kulturell gegebenen Bed&uuml;rfnis der Japaner nach Harmonie verdankt, sondern in den 50er und 60er Jahren z.T. in harten Auseinandersetzungen von den Unternehmen durchgesetzt wurde, war trotz seiner Entstehungsbedingungen auch f&uuml;r einen Teil der Arbeitnehmer ein Erfolg. In den Betrieben hatten und haben die Gewerkschaften starken Einfluss. Der Preis, den sie zu zahlen hatten, war allerdings hoch: Ihr Einfluss reduziert sich weitgehend auf die Stammbelegschaften der Gro&szlig;unternehmen, deren Anteil an den abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten auf 18 bis 25% gesch&auml;tzt wird. Der gewerkschaftliche Organisationsgrad von 23,4% (Ende 1995 &ndash; mit r&uuml;ckl&auml;ufiger Tendenz) entspricht ziemlich genau dem Anteil der Stammbelegschaften.<\/p>\n<p>(&hellip;) Die Betriebsgewerkschaften waren erfolgreich, solange die Betriebe erfolgreich waren. Diese Bedingungen sind seit Beginn der 90er Jahre nicht mehr gegeben, ebenso wenig wie die politischen Bedingungen, unter denen die Gewerkschaften begrenzten, aber sicheren Einfluss aus&uuml;ben konnten. Die japanischen Betriebsgewerkschaften machen derzeit eine dreifache Krise durch: Erstens beginnt sich der Kern des japanischen Modells der Betriebsorganisation (vor allem die lebenslange Besch&auml;ftigung und die Lohnzahlung nach dem Seniorit&auml;tsprinzip) aufzul&ouml;sen. Zweitens hat sich das politische Umfeld so ver&auml;ndert, dass die traditionellen Ans&auml;tze gewerkschaftlicher Einflussnahme auf die Politik nicht mehr greifen. Und drittens macht Japan eine wirtschaftliche Krise durch, in der nicht nur der Verteilungsspielraum enger geworden ist, sondern auch erstmals seit den 50er Jahren gewerkschaftliche Aktivit&auml;ten von drohender Arbeitslosigkeit &uuml;berschattet werden.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><a href=\"http:\/\/library.fes.de\/fulltext\/stabsabteilung\/00041.htm\">Friedrich-Ebert-Stiftung, Gewerkschaften in Japan<\/a><\/p><p>Wenige Jahre nach der Jahrtausendwende erlebte die Neuver&ouml;ffentlichung des bereits 1929 erstmalig erschienenen Romans <em>Kanikosen<\/em> (etwa: Krabbenfangflotte, auf der die Meerestiere verarbeitet und in Konservendosen abgepackt werden) aus der Feder des jungen Schriftstellers Kobayashi Takiji eine geradezu ph&auml;nomenale Resonanz. Der Autor war 1931 in die damals verbotene Kommunistische Partei Japans (KPJ) eingetreten. Zwei Jahre sp&auml;ter war der erst 29-J&auml;hrige tot &ndash; zu Tode gefoltert von der Polizei.<\/p><p>Kobayashi behandelte in &bdquo;Kanikosen&ldquo; die Klassenauseinandersetzungen im kaiserlichen Japan. Und das zu einer Zeit, als der Militarismus begann, s&auml;mtliche Poren von Staat und Gesellschaft zu durchdringen und sich anschickte, imperiale Kriege in Ost- und S&uuml;dostasien und im Pazifik anzuzetteln. Kriegsvorbereitungen gegen die Nachbarstaaten wurden im Innern flankiert von &bdquo;Befriedungsfeldz&uuml;gen&ldquo; gegen Arbeiterstreiks und Gewerkschaftsproteste. Inspiriert wurden diese durch kommunistisches, syndikalistisches und anarchistisches Gedankengut.<\/p><p>Thema des Romans sind die erb&auml;rmlichen Bedingungen auf einem Krabbenfangschiff und der Streik der geschundenen Seeleute, den die Schiffsleitung erbarmungslos niederkn&uuml;ppeln l&auml;sst. Dem Genre der damals g&auml;ngigen proletarisch-revolution&auml;ren Literatur verpflichtet, lie&szlig; Kobayashi seine Protagonisten jedoch Hoffnung und Mut sch&ouml;pfen. &Uuml;ber Bord gegangene Besatzungsmitglieder wurden auf hoher See von der Crew eines sowjetischen Schiffs in letzter Minute aufgegabelt. Auf diesem befand sich auch ein chinesischer Kommunist, der die Geretteten lehrte, sich f&uuml;r ein proletarisches Japan einzusetzen. Die Botschaft z&uuml;ndete; den aus der Seenot geretteten Arbeitern gelang die R&uuml;ckkehr zu ihrem Schiff. Sie organisierten sich gewerkschaftlich, leisteten Widerstand und boten ihren Oberen die Stirn.<\/p><p>&bdquo;Kanikosen&rdquo; wurde nach dem Zweiten Weltkrieg erneut ver&ouml;ffentlicht, doch kaum wahrgenommen. Dann im Jahr 2008 der gro&szlig;e Durchbruch: Seitdem wurden weit &uuml;ber eine halbe Million Exemplare verkauft. Als Manga-Comic aufgemacht, erreichte der Roman eine Leserschaft von weit &uuml;ber 250.000. 2009 wurde &bdquo;Kanikosen&rdquo; verfilmt und auch international gezeigt. Die gro&szlig;en Tageszeitungen im Lande &ndash; <em>Asahi Shimbun, Yomiuri Shimbun, Mainichi Evening Paper<\/em> und <em>The Japan Times <\/em>&ndash; stellten das &uuml;ber Nacht zum Bestseller avancierte Werk ausf&uuml;hrlich vor, regten in ihren Spalten rege Leserdiskussionen an und sprachen alsbald von einem &bdquo;Kanikosen-Boom&rdquo;.<\/p><p>Wie das? &bdquo;Der Roman spricht vor allem Jugendliche an&ldquo;, erkl&auml;rte Professor Toeda Hirokazu, Literaturwissenschaftler an der Waseda Universit&auml;t (Tokio), &bdquo;f&uuml;r sie bildet er eine Projektionsfl&auml;che ihrer eigenen &Auml;ngste und W&uuml;nsche. Die Wirklichkeit ist in den letzten Jahren f&uuml;r sie immer trister geworden. G&auml;ngelung, Arbeits- und Perspektivlosigkeit, das Gef&uuml;hl, missachtet, erdr&uuml;ckt und mit Billigl&ouml;hnen abgespeist zu werden &ndash; all das bietet reichlich Stoff in einer disparaten Gesellschaft, in der sich eine wachsende Zahl von Menschen in einer &auml;hnlichen Lage f&uuml;hlt wie die Besatzung der Kanikosen.&ldquo;<\/p><p>Lesen Sie morgen den zweiten Teil, der die Serie <em>&bdquo;75 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs in Ost- und S&uuml;dostasien &ndash; Vorgeschichte, Verlauf, Verm&auml;chtnisse&ldquo;<\/em> abschlie&szlig;t.<\/p><p>Titelbild: Benny Marty\/shutterstock.com<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/video213521924\/Pazifikkrieg-Kaiser-Hirohito-verkuendet-die-Kapitulation-Japans.html\">https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/video213521924\/Pazifikkrieg-Kaiser-Hirohito-verkuendet-die-Kapitulation-Japans.html<\/a> &ndash; zitiert nach: Die Welt (HH) am 13.08.2020<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Bezeichnend war denn auch der Titel der Biografie des Generals aus der Feder des mehrfach ausgezeichneten US-Journalisten und Publizisten William Manchester &ndash; <em>American Caesar: Douglas MacArthur.<\/em><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Mitsubishi-Juko nannte sich damals Naka-Nihon-Juko. Durch die von der US-Milit&auml;radministration durchgef&uuml;hrten Entflechtungen war die Mitsubishi-Schwerindustrie bis 1951 nominell in drei Firmen aufgeteilt: Higashi-, Nishi- und Naka-Nihon-Juko.<\/p>\n<\/div><p><em><strong>Wegen ihres Umfangs finden Sie <a href=\"https:\/\/archive.org\/details\/r.-werning-nds-japan-nach-1945-anm.-quellen-literatur\">hier<\/a> separat das Quellenmaterial sowie eine &Uuml;bersicht weiterf&uuml;hrender Literatur zum vorliegenden Text.<\/strong><\/em><\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/3443082007804ae9a5c86216ebc64336\" alt=\"\" title=\"\" width=\"1\" height=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Nationale Befreiungsk&auml;mpfe und politische Neukonstellation in Ost- und S&uuml;dostasien nach der Kapitulation Japans. <\/strong>Im abschlie&szlig;enden siebten, zweigeteilten Teil dieser Serie mit dem Titel <em>&bdquo;75 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs in Ost- und S&uuml;dostasien &ndash; Vorgeschichte, Verlauf, Verm&auml;chtnisse&ldquo;<\/em>, dessen erster Teil auf den NachDenkSeiten Mitte Februar 2020 erschien, befasst sich unser Autor Rainer Werning<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69064\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":69068,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[141,20,30],"tags":[2871,2020,2960,380,1426,1497,1268,2703,304,2859,2058,2069,1451,2250,1367,2523,2700,1556,357,966,2718],"class_list":["post-69064","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-landerberichte","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-antikommunismus","tag-biochemische-waffen","tag-der-zweite-weltkrieg-in-ost-und-suedostasien","tag-export","tag-hegemonie","tag-japan","tag-kalter-krieg","tag-korea","tag-kriegsverbrechen","tag-menschenversuche","tag-militaerisch-industrieller-komplex","tag-militaerstuetzpunkte","tag-monarchie","tag-nachkriegszeit","tag-ruestungsausgaben","tag-restauration","tag-systemkonkurrenz","tag-usa","tag-vietnam","tag-weltkrieg","tag-wiederbewaffnung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/210123_titel.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/69064","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=69064"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/69064\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":69104,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/69064\/revisions\/69104"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/69068"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=69064"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=69064"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=69064"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}