{"id":6908,"date":"2010-09-30T09:32:10","date_gmt":"2010-09-30T07:32:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6908"},"modified":"2014-11-25T09:34:57","modified_gmt":"2014-11-25T08:34:57","slug":"odyssee-durch-das-deutsche-universitaetssystem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6908","title":{"rendered":"Odyssee durch das deutsche Universit\u00e4tssystem"},"content":{"rendered":"<p>Zu mehr Durchl&auml;ssigkeit, Transparenz und Mobilit&auml;t sollte der Bologna-Prozess f&uuml;hren, daf&uuml;r wurde das gesamte deutsche Studiensystem mit Einf&uuml;hrung der Bachelor- und Masterstudieng&auml;nge umgebaut. Was von diesen Versprechen zu halten ist, zeigt ein Einblicke in den deutschen Studienalltag von S.H.<br>\n<!--more--><br>\nFairerweise muss ich damit beginnen, dass ich eine n&ouml;tige Pr&uuml;fung (Statistik I) endg&uuml;ltig nicht bestanden habe. <\/p><p>Alles begann am 16.7.2009 (einen Tag nach der Klausur) als ich erfuhr, dass ich in besagter Pr&uuml;fung durchgefallen war. Nach dem ersten Schock rief ich in der Universit&auml;t an und erkundigte mich, welche Optionen ich f&uuml;r ein Weiterstudieren dort h&auml;tte. Denn das Studium in meinem Fach, in diesem Fall 5 Semester Soziologie und allen anderen F&auml;chern, bei denen diese Klausur Bestandteil der Studienordnung ist, war nicht mehr m&ouml;glich. Also h&auml;tte ich gerne in einem anderen naheliegenden Fach (Erziehungswissenschaft) des &bdquo;Instituts f&uuml;r Sozial- und Verhaltenswissenschaft&ldquo; mein Studium fortgesetzt, nat&uuml;rlich bei Semester 1. Die Universit&auml;tsmitarbeiterin best&auml;tigte mir diese M&ouml;glichkeit, da die Pr&uuml;fung dort nicht zum Programm geh&ouml;rt. Sie nannte mir jedoch das gro&szlig;e ABER: Erziehungswissenschaft war zulassungsbeschr&auml;nkt, wie 50 % aller Angebote dieser Fakult&auml;t. Dies hie&szlig;e f&uuml;r mich, dass ich erst ab dem n&auml;chsten Wintersemester h&auml;tte versuchen k&ouml;nnen, mich an dieser Hochschule neu zu immatrikulieren. Denn der 15.7. (das war der Tag meiner Klausur) war der letztm&ouml;gliche Tag einen Immatrikulationsantrag zu stellen. Das bedeutete, dass ich ein Jahr (!) h&auml;tte warten m&uuml;ssen, um wieder ein Studium aufzunehmen. Dies kam f&uuml;r mich erst einmal nicht infrage, da ich noch im Wintersemester 2009\/10 weiterstudieren wollte. So schrieb ich an 18 Universit&auml;ten und fragte an, ob ich Soziologie anderswo fortsetzen k&ouml;nnte. Ich bekam entweder in der Mehrzahl gar keine oder negative Antworten, da die Statistikpr&uuml;fung in nahezu allen Soziologie-Studieng&auml;ngen Pflicht ist. <\/p><p>Die einzigen vielversprechenden Antworten kamen aus Bielefeld und Chemnitz. Die westf&auml;lische Hochschule entfiel nicht zuletzt aus Kostengr&uuml;nden, da allein f&uuml;r die Semestergeb&uuml;hren ca. 500 Euro f&auml;llig geworden w&auml;ren. <\/p><p>Der Gipfel der Inkompetenz sollte jedoch noch auf mich warten. Denn letztendlich lief alles auf die TU Chemnitz hinaus. Da es schon ziemlich sp&auml;t war, bis ich alle wichtigen b&uuml;rokratischen H&uuml;rden genommen hatte (Dezember 2009), stellte ich einen Urlaubsantrag, um das WS als freies Semester anerkennen zu lassen. Denn es war sehr unwahrscheinlich, dass ich mich &ndash; noch ohne Wohnung, Baf&ouml;g\/Arbeitsplatz &ndash; rechtzeitig bis zu den Pr&uuml;fungen eingew&ouml;hnen bzw. den Stoff aufholen k&ouml;nnte. Ein Urlaubssemester wurde jedoch abgelehnt. Das Semester w&auml;re mir wohl verloren gegangen. Dazu kam es jedoch nicht, denn nachdem schon alles beantragt und der Semesterbeitrag bezahlt war, erhielt ich kurz vor Weihnachten (16.12.2009) von der Uni aus Sachsen einen Brief, in dem zu lesen war, dass mir eine Immatrikulation versagt wird. Es wurde zu sp&auml;t entdeckt, dass auch in der dortigen Pr&uuml;fungsordnung ein Weiterstudieren, nach einer endg&uuml;ltig nicht bestanden Pr&uuml;fung in Soziologie, nicht m&ouml;glich ist. Als Entschuldigung f&uuml;r diesen folgenreichen Fehler bekam ich die Floskel zu lesen, es sei eben leider nicht immer alles perfekt. <\/p><p>Die Odyssee endet, nach &uuml;ber einem Jahr, nun mit meiner erneuten Immatrikulation in Jena, jedoch aufgrund des NC leider nicht in dem von mir favorisierten Fach. <\/p><p>Was kann man als Fazit aus dieser Zeit ziehen. Nun, ich h&auml;tte die Pr&uuml;fung um jeden Preis bestehen m&uuml;ssen. Denn das Universit&auml;tssystem in Deutschland ist gnadenlos. <\/p><p>Mir scheint diese Pr&uuml;fung (Statistik I) haupts&auml;chlich dazu zu dienen, Studierende herauszupr&uuml;fen. Denn bei einem Misserfolg f&auml;llt man in Deutschland offenbar komplett aus diesem Fach heraus, da diese Pr&uuml;fung an nahezu jeder Universit&auml;t und f&uuml;r immer mehr F&auml;cher im sozial- und gesellschaftswissenschaftlichen Bereich zu bestehen ist. Das bedeutet, dass man F&auml;cher seiner favorisierten Studienrichtung, nie mehr studieren kann. <\/p><p>Bei jedem Neuanfang oder bei einem Studienwechsel steht man vor unendlich vielen Barrieren, die zu &uuml;berwinden lange Wartezeiten und einen immensen Bewerbungsaufwand kosten und die auf Grund inkompetenter Beratung zu langen Umwegen n&ouml;tigen und zu viel Frust f&uuml;hren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu mehr Durchl&auml;ssigkeit, Transparenz und Mobilit&auml;t sollte der Bologna-Prozess f&uuml;hren, daf&uuml;r wurde das gesamte deutsche Studiensystem mit Einf&uuml;hrung der Bachelor- und Masterstudieng&auml;nge umgebaut. 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