{"id":69261,"date":"2021-01-28T11:15:45","date_gmt":"2021-01-28T10:15:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69261"},"modified":"2026-01-27T11:39:10","modified_gmt":"2026-01-27T10:39:10","slug":"im-rausch-des-ausnahmezustands-springen-zu-viele-politiker-ueber-ihren-demokratischen-schatten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69261","title":{"rendered":"\u201eIm Rausch des Ausnahmezustands springen zu viele Politiker \u00fcber ihren demokratischen Schatten\u201c"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Ein kleiner Vorgeschmack auf dystopische Zeiten&ldquo; &ndash; das erkennt der Verleger <strong>Hannes Hofbauer<\/strong> in einer Beobachtung, die er vor kurzem auf dem Wiener Rathausplatz gemacht hat. Dort, so der &Ouml;sterreicher im NachDenkSeiten-Interview, gibt es einen Eislaufplatz, den die Menschen nur mit einem Distanzwarner betreten d&uuml;rfen &ndash; wegen Corona. Ein Interview &uuml;ber den aktuellen Lockdown, die Lage in &Ouml;sterreich und die Zeit, die vor uns liegt. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2877\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-69261-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210128_Im_Rausch_des_Ausnahmezustands_springen_zu_viele_Politiker_ueber_ihren_demokratischen_Schatten_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210128_Im_Rausch_des_Ausnahmezustands_springen_zu_viele_Politiker_ueber_ihren_demokratischen_Schatten_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210128_Im_Rausch_des_Ausnahmezustands_springen_zu_viele_Politiker_ueber_ihren_demokratischen_Schatten_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210128_Im_Rausch_des_Ausnahmezustands_springen_zu_viele_Politiker_ueber_ihren_demokratischen_Schatten_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=69261-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210128_Im_Rausch_des_Ausnahmezustands_springen_zu_viele_Politiker_ueber_ihren_demokratischen_Schatten_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"210128_Im_Rausch_des_Ausnahmezustands_springen_zu_viele_Politiker_ueber_ihren_demokratischen_Schatten_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr Hofbauer, unser letztes <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=65968\">Interview<\/a> ist vom Oktober des vergangenen Jahres. Sie haben damals schon den Lockdown kritisiert. Nun ist es fast Februar 2021 und an der Politik hat sich nichts Grundlegendes ge&auml;ndert. Im Gegenteil: Die Ma&szlig;nahmen werden h&auml;rter. Wie erkl&auml;ren Sie sich das?<\/strong><\/p><p>Mehr vom Schlechten, k&ouml;nnte man sagen, und dies &uuml;ber einen immer l&auml;ngeren Zeitraum. Der Lockdown zeitigt un&uuml;bersehbare negative Folgen, und das auf vielfache Art und Weise. In gesellschaftlicher Hinsicht macht er die Menschen ungleicher; eine f&uuml;nfk&ouml;pfige Migrantenfamilie in einer 45-Quadratmeter-Wohnung h&auml;lt die Ausgangssperren viel schwerer aus als ein Paar, das eine gro&szlig;e Villa bewohnt, wie etwa Minister Spahn und sein Mann. <\/p><p>Es wird immer wieder davon geredet, dass das Virus sich nicht um Klassenzugeh&ouml;rigkeit k&uuml;mmert. Aber in der Pandemie sind dennoch nicht alle gleich. Wer einen angenehmen Wohnraum zur Verf&uuml;gung hat und sich um seine finanzielle Situation keine Sorgen machen muss, d&uuml;rfte mit dem Lockdown einfacher klarkommen als Menschen, bei denen die Ma&szlig;nahmen an die psychische und wirtschaftliche Substanz geht. <\/p><p>Die fortgesetzte und immer weiter versch&auml;rfte soziale Isolierung ist menschenunw&uuml;rdig und sie trifft Arme eindeutig h&auml;rter als Reiche. Vor den daraus entstehenden psychologischen Folgen warnt jeder verantwortungsvolle Mediziner oder Psychotherapeut. Sie werden aber nicht geh&ouml;rt.<\/p><p><strong>Nochmal zur Ausgangsfrage: Wie erkl&auml;ren Sie sich, dass die Lockdown- Ma&szlig;nahmen aufrechterhalten bleiben und sogar versch&auml;rft werden?<\/strong><\/p><p>Nun, um die Gesundheit geht es der Regierung nicht. Ginge es ihr darum, dann h&auml;tte sie seit dem vergangenen Fr&uuml;hling alles daf&uuml;r getan, die vulnerablen Gruppen zu sch&uuml;tzen. Stattdessen sterben mehr und mehr alte, vereinsamte Menschen in Heimen, der Lockdown sch&uuml;tzt sie nicht. Diese weit &uuml;ber 50% der Corona-Toten gehen auf das Konto einer verfehlten Politik. Aber f&uuml;r manch einen mag sie gar nicht verfehlt sein. Wenn Mitte Mai 2021 im autorit&auml;ren Stadtstaat Singapur, in dem Pr&uuml;gel- und Todesstrafen an der Tagesordnung sind, sich die Spitzen aus Politik und Wirtschaft beim Weltwirtschaftsforum (WEF) treffen werden, dann haben deren Sprecher bereits ein konkretes Programm: Great Reset nennt es WEF-Organisator Klaus Schwab und will damit eine &ndash; wie er es nennt &ndash; Periode des Transhumanismus einleiten. Die Verschr&auml;nkung von Mensch und Maschine, von Hirn und Computerchip, soll in ein neues Zeitalter f&uuml;hren. F&uuml;r diese Leute &ndash; und wir werden beobachten, wer sich alles um den Great Reset schart &ndash; ist die Corona-Krise eine Chance. Sie pl&auml;dieren ganz selbstverst&auml;ndlich und aus Eigennutz f&uuml;r scharfe Ma&szlig;nahmen, um im Anschluss ihren &bdquo;gro&szlig;en Neustart&ldquo; durchf&uuml;hren zu k&ouml;nnen. Der Mehrheitseigent&uuml;mer des Mainzer BioNTech-Konzerns, Ugur Sahin, geh&ouml;rt schon heute zu den Profiteuren. In den vergangenen zwei Monaten konnte er einen Verm&ouml;genszuwachs von 5,1 Mrd. US-Dollar verbuchen. Dass diese wirtschaftlichen Profiteure der Krise willige Politiker finden, die mit ihrer Verbotspolitik Blut geleckt haben, beweisen die Wortmeldungen zwischen Wien, M&uuml;nchen und Berlin in jeder Nachrichtensendung.<\/p><p><strong>Die Tage ging die Meldung rum, wonach Fahrg&auml;ste im &ouml;ffentlichen Nahverkehr besser nicht mehr telefonieren und reden sollten &ndash; <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/deutschland-welt\/coronavirus-news-ticker-kw-03,SMQh01o\">aus Infektionsschutzgr&uuml;nden<\/a>.<\/strong><br>\n<strong>In Frankreich gibt es laut Medienberichten eine Firma, die am liebsten ihre Mitarbeiter mit <a href=\"https:\/\/de.rt.com\/europa\/112008-wie-hunde-konzern-in-frankreich-will-corona-halsbaender-fuer-mitarbeiter\/\">Halsb&auml;ndern mit Distanzwarnern<\/a> ausstatten m&ouml;chte. W&auml;hrend wir das Interview f&uuml;hren, findet sich auch folgende Schlagzeile in den Medien: &bdquo;EU streitet &uuml;ber den Corona-Pass: Gibt es Urlaub bald nur noch f&uuml;r Geimpfte?&ldquo; Was zeigen Ihnen solche Nachrichten?<\/strong><\/p><p>Im Rausch des Ausnahmezustands springen zu viele Politiker &uuml;ber ihren demokratischen Schatten direkt hinein in autorit&auml;re Muster. Wir haben geglaubt, solche Muster w&auml;ren in den europ&auml;ischen Zentrumsl&auml;ndern &uuml;berwunden. Sie sind es mitnichten. Dazu kommt die wahnhafte Vorstellung, alle Probleme &ndash; und das Auftauchen des Corona-Virus ist ein gro&szlig;es, herausforderndes Problem, das man nicht negieren darf &ndash; technisch l&ouml;sen zu k&ouml;nnen: Testen, testen, testen; impfen, impfen, impfen, oder noch abstruser: Distanz-Halsb&auml;nder, Bewegungsmelder etc. Auf dem Wiener Rathausplatz ist ein Eislaufplatz eingerichtet, auf dem nur Schlittschuh laufen darf, wer sich mit einem Chip ausstattet. Dieser Chip tutet immer dann, wenn jemand anderer n&auml;her als zwei Meter an einem selbst vorbeif&auml;hrt: Distanzmarker nennt sich das Ding. Es soll wohl ein kleiner Vorgeschmack auf dystopische Zeiten sein. Das Vorbild gibt offensichtlich China ab, wo der QR-Code auf dem Handy eine wichtigere Auskunft &uuml;ber den Menschen gibt als der Mensch selbst.<\/p><p><strong>Sie sind &Ouml;sterreicher, leben auch dort. W&uuml;rden Sie uns bitte einen Einblick geben, wie es derzeit in Ihrem Land aussieht, was die Ma&szlig;nahmen angeht?<\/strong><\/p><p>Es ist &auml;hnlich wie in Deutschland &ndash; niemand kennt sich mehr aus. Die st&auml;ndige Versch&auml;rfung von allen m&ouml;glichen Ma&szlig;nahmen, die zwei Tage zuvor ausgeschlossen wurden, verursacht Chaos. Und es herrscht Angst: Die einen haben Angst vor dem Virus, die anderen vor dem Alleinsein, wieder andere vor der Quarant&auml;ne oder vor der Strafe, die man erh&auml;lt, wenn man nicht einh&auml;lt, was die Woche davor noch m&ouml;glich war. Besonders l&auml;cherlich hat sich die Regierung vor Weihnachten gemacht, als sie gro&szlig;mundig verk&uuml;ndete, allen &Ouml;sterreichern mit einem sogenannten PCR-Test lange Wattest&auml;bchen in die Nase zu stecken. Nat&uuml;rlich freiwillig, wie sie hinzuf&uuml;gte. In Wien haben ihr die Menschen die Quittung f&uuml;r das medizinisch vollkommen unsinnige Testen pr&auml;sentiert: nur 13,5 Prozent haben bei den &bdquo;Massentests&ldquo; mitgemacht.<\/p><p><strong>Erst vor kurzem hat der bayerische Ministerpr&auml;sident Markus S&ouml;der daf&uuml;r gesorgt, dass in ganz Bayern im &ouml;ffentlichen Nahverkehr und in Gesch&auml;ften FFP-2-Masken zu tragen sind.<\/strong><br>\n<strong>Wie ist es bei Ihnen in &Ouml;sterreich?<\/strong><\/p><p>In &Ouml;sterreich gilt wie in Bayern ab 25. Januar 2021 eine Tragepflicht f&uuml;r derlei Masken. Noch ist unklar, was die Aussage des Arbeitsinspektorats bewirkt, das diese Masken f&uuml;r Schwangere als gef&auml;hrlich einstuft. Aber um Sinnhaftigkeit geht es bei solchen Ma&szlig;nahmen schon lange nicht mehr.<\/p><p><strong>Sie haben vor kurzem in einem Artikel unter der &Uuml;berschrift <a href=\"https:\/\/de.rt.com\/meinung\/110851-oesterreich-probt-polizeistaat\/\">&bdquo;&Ouml;sterreich probt den Polizeistaat&ldquo;<\/a> scharfe Kritik an den Ma&szlig;nahmen ge&uuml;bt. Warum solch drastische Worte?<\/strong><\/p><p>Wenn &Ouml;sterreichs Innenminister Karl Nehammer Menschen, die sich nicht an Ma&szlig;nahmen wie Abstandsregeln halten, als Lebensgef&auml;hrder bezeichnet, dann darf man schon auch starke Worte bei der Kritik einer solchen Politik benutzen. Wenn wie in Wien Demonstrationen gegen den Lockdown verboten werden, weil im Vorfeld davon ausgegangen wird, dass sich die Demonstrierenden nicht an die Abstandsregeln oder ans Maskentragen halten, dann sehe ich darin Anzeichen eines Polizeistaates. Im &Uuml;brigen fand die Gro&szlig;demonstration Mitte J&auml;nner trotz Verbots statt und es haben sich mehr als 20.000 Menschen daran beteiligt.<\/p><p><strong>Wie geht denn die &ouml;sterreichische Bev&ouml;lkerung mit all dem um? Sind die &Ouml;sterreicher nicht freiheitsliebend?<\/strong><\/p><p>Was auff&auml;llt, ist, dass sich die Menschen im Lockdown-Winter 2020\/2021 wesentlich weniger an die Verbote halten als zu Beginn der Pandemie im Fr&uuml;hling. Besuch darf man offiziell nur von einer Person, die nicht im eigenen Haushalt lebt, erhalten, wenn diese Person einen auch zuvor schon regelm&auml;&szlig;ig besucht hatte. Die Umsetzung dieses Verbots &ndash; wie vieles andere auch &ndash; scheitert an der Wirklichkeit. Die Menschen haben den Verbotsreigen zunehmend satt, im Dorf genauso wie in der Stadt.<\/p><p><strong>Auch in anderen L&auml;ndern Europas sind autorit&auml;re Tendenzen zu erkennen.<\/strong><br>\n<strong>Wie sieht es, zum Beispiel, mit <a href=\"https:\/\/de.rt.com\/meinung\/111240-deutschland-frankreich-und-grossbritannien-im\/\">Frankreich<\/a> aus?<\/strong><\/p><p>Macron hat schon mit der Ausschaltung des Parti Socialist vor seiner Wahl 2017 zum Pr&auml;sidenten bewiesen, dass ihm ein autorit&auml;rer Kapitalismus lieber ist als einer, der durch politische Parteien im Parlament st&auml;ndig behindert wird. Zudem ist der franz&ouml;sische Staat von seiner Struktur her zentralistischer und auf eine Person, den Pr&auml;sidenten, zugeschnitten als das f&ouml;derale Deutschland oder das &auml;hnliche, wenn auch nicht ganz so f&ouml;derale &Ouml;sterreich.<\/p><p><strong>Vor der Pandemie haben die Gelbwesten in Frankreich protestiert, der Staat ist <a href=\"https:\/\/de.rt.com\/europa\/84401-ich-erkenne-mein-land-nicht\/\">brutal gegen sie vorgegangen<\/a>.<\/strong><\/p><p>Mittlerweile hat eine weitere Protestbewegung in Frankreich ihre Stimme erhoben, die gegen die brutale Polizeigewalt demonstriert. Ausl&ouml;ser war eine Pr&uuml;gelorgie Ende November 2020, als ein halbes Dutzend Polizisten einen Mann krankenhausreif geschlagen hat, weil dieser vor seinem Filmstudio stand und keine Maske trug. Die Massenproteste richten sich gegen ein so genanntes Sicherheitsgesetz, das es zuk&uuml;nftig verbieten soll, Exekutivbeamte im Einsatz zu filmen.<\/p><p><strong>Im November hat die Polizei Wasserwerfer gegen Demonstranten der Corona-Demos eingesetzt. Was waren Ihre Gedanken?<\/strong><\/p><p>Das Virus wird benutzt, um einem autorit&auml;ren Staat zum Durchbruch zu verhelfen. Um gesundheitliche Bedenken kann es wohl nicht gehen, wenn Menschen im Freien einen Protestmarsch abhalten und daf&uuml;r mit Wasserwerfern attackiert werden. In einer Welt, wie ich sie mir vorstelle, ist so etwas v&ouml;llig absurd.<\/p><p><strong>Der Tagesspiegel sprach damals in seinem News-Ticker davon, dass die Demonstranten &bdquo;beregnet&ldquo; worden seien. Vielen deutschen Medien hat man regelrecht angemerkt, dass sie sich ein h&auml;rteres Vorgehen gegen diesen Teil ihrer Mitb&uuml;rger w&uuml;nschen. Was l&auml;uft da schief in der Berichterstattung? Warum sind Journalisten einerseits sofort zur Stelle, wenn in einem unliebsamen Land wie Russland die Polizei mit H&auml;rte gegen Demonstranten vorgeht, aber auf die Brutalit&auml;t der franz&ouml;sischen Staatsmacht reagiert man allenfalls verhalten? Warum, so zumindest der Eindruck, sehnen sich manche Redaktionen ein autorit&auml;res Vorgehen gegen B&uuml;rger, die ihren Unmut &uuml;ber die Corona-Ma&szlig;nahmen auf der Stra&szlig;e zum Ausdruck bringen, regelrecht herbei?<\/strong><\/p><p>Sie haben recht, wenn Sie beklagen, dass die JournalistInnen in den gro&szlig;en deutschen (und &ouml;sterreichischen) Medien auf dem EU-Auge blind sind, w&auml;hrend jeder russische Polizeieinsatz gro&szlig;e Emp&ouml;rung hervorruft. In Corona-Zeiten wird dann noch gegen jene gehetzt, die die Ma&szlig;nahmen unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig finden. Dass der h&auml;ufig geh&ouml;rte journalistische Ruf nach h&auml;rteren Ma&szlig;nahmen allein der Sorge um die Volksgesundheit geschuldet ist, mag man nicht so recht glauben, sonst w&auml;re doch jahrelang Zeit gewesen, zum Beispiel gegen die schrittweise Privatisierung des Gesundheitswesens und gegen Spitalsschlie&szlig;ungen zu schreiben. Das ist nicht passiert. Und dann gibt es da noch eine seltsame Entwicklung. Am Rande von Demonstrationen gegen die Corona-Ma&szlig;nahmen tauchen zuletzt auch in Wien sogenannte &bdquo;Antifas&ldquo; auf. Warum sie sich so nennen, ist mir schleierhaft, denn ihre Losungen erinnern eher an Gegenteiliges. So ert&ouml;nt zum Beispiel der Spruch &bdquo;Wir impfen euch alle!&ldquo;, der die Regierungsstrategie mit einem drohenden Unterton versieht. In den Medien kommen diese Art von &bdquo;Antifas&ldquo; erstaunlich gut weg.<\/p><p><strong>Trauen Sie es sich zu, einen Ausblick zu wagen?<\/strong><\/p><p>Diese Feststellung kann man ohne viel Risiko treffen: Die Verh&auml;ltnisse ordnen sich gerade neu. In wirtschaftlicher Hinsicht bewirkt der Lockdown einen enormen Konzentrationsprozess in vielen Branchen, nur die kapitalstarken Unternehmen &uuml;berleben. Gro&szlig;konzernen und Stiftungen <a href=\"https:\/\/www.gmx.net\/magazine\/news\/coronavirus\/corona-live-ticker-reichste-deutsche-haeuften-pandemie-milliardengewinne-35447530\">stehen goldene Jahre<\/a> bevor. Der Mittelstand, der bislang die Gesellschaft getragen hat, wird extrem schrumpfen. Neue Leitsektoren wie Biotechnologie und Big Pharma sowie eine mit staatlichen Aufgaben ausgestattete Kontrollindustrie treten zur Rettung eines in die Krise geratenen kapitalistischen Systems an. Millionen von unbrauchbar Gewordenen droht &ndash; je nachdem, in welchem Erdteil sie leben &ndash; die Abspeisung mit einem w&uuml;rdelosen, knapp gehaltenen Grundeinkommen bzw. das blanke Elend.<\/p><p>Das gro&szlig;e Kapital setzt darauf, mit neuen Leitsektoren ein kybernetisches Zeitalter einzul&auml;uten. Der menschliche K&ouml;rper und die menschliche Erfahrung sollen dabei direkt ausbeutbar und zu Waren gemacht werden. Die Stichworte hierzu lauten Optimierung und Kontrolle. Aldous Huxleys &bdquo;Sch&ouml;ne neue Welt&ldquo;&hellip;<\/p><p><strong>&hellip;ein dystopischer Roman&hellip;<\/strong><\/p><p>&hellip; k&ouml;nnte knapp hundert Jahre nach seinem Erscheinen Wirklichkeit werden, der neuen restriktiven Logik nach m&uuml;sste sein Verkauf dann allerdings verboten werden. In politischer Hinsicht bilden sich neue Allianzen, Querfronten auf beiden Seiten einer sich tiefer spaltenden Gesellschaft. Die Querdenker der Ma&szlig;nahmenkritiker haben sich bereits einen solchen Namen gegeben. Dort eint die Menschen in erster Linie ihr Kampf gegen den Ausnahmezustand und gegen den Verlust von <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68202\">Grund- und Freiheitsrechten<\/a>.<\/p><p><strong>Und auf der anderen Seite?<\/strong><\/p><p>Auf der Seite derjenigen, die den autorit&auml;r verordneten Ma&szlig;nahmen zustimmen, entstehen ebensolche Querfronten, wie wir am Beispiel der &bdquo;Antifa&ldquo; gesehen haben, die ein Querdenker nicht ganz zu unrecht als &bdquo;S&ouml;ders Truppe&ldquo; bezeichnete. Dazu gibt es auch, wie immer in gesellschaftlichen Notsituationen, &Uuml;bertreiber, denen die Ma&szlig;nahmen der Regierung zu lasch sind. SPD-Lauterbach geh&ouml;rt dazu wie auch die Initiative &bdquo;Zero Covid&ldquo;, die wider jede wissenschaftliche Erkenntnis meint, das Virus ausrotten zu k&ouml;nnen und dazu die vollst&auml;ndige Stilllegung aller menschlichen Beziehungen einfordert. <\/p><p>Risikolos scheint mir auch die Prognose, dass der Mensch mit dem Virus leben lernen muss und dieses &ndash; sei es &uuml;ber nat&uuml;rliche oder k&uuml;nstliche Immunisierung &ndash; seine Gef&auml;hrlichkeit verlieren wird. Die Ma&szlig;nahmen hingegen, die vordergr&uuml;ndig gegen seine Verbreitung erlassen wurden, wie Tracken, Testen und Zugangsbeschr&auml;nkungen inklusive angedachter neuer Passregime, sowie die Zensur kritischer Stimmen, k&ouml;nnten bleiben. Aber genau diesen Ma&szlig;nahmen m&uuml;ssen wir in den kommenden Monaten entgegentreten. <\/p><p><em>Von <strong>Hannes Hofbauer<\/strong> ist zuletzt das Buch <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68872\">&bdquo;Europa &ndash; ein Nachruf&ldquo;<\/a> erschienen. Zusammen mit Stefan Kraft gab er auch heraus: &bdquo;Lockdown 2020 &ndash; wie ein Virus dazu benutzt wird, die Gesellschaft zu ver&auml;ndern&ldquo; (beide im Wiener Promedia Verlag).<\/em><\/p><p>Titelbild: kentoh \/ Shutterstock<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/53a243d369ea43af84665b6f5cd05302\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Ein kleiner Vorgeschmack auf dystopische Zeiten&ldquo; &ndash; das erkennt der Verleger <strong>Hannes Hofbauer<\/strong> in einer Beobachtung, die er vor kurzem auf dem Wiener Rathausplatz gemacht hat. Dort, so der &Ouml;sterreicher im NachDenkSeiten-Interview, gibt es einen Eislaufplatz, den die Menschen nur mit einem Distanzwarner betreten d&uuml;rfen &ndash; wegen Corona. 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