{"id":6930,"date":"2010-10-04T10:15:49","date_gmt":"2010-10-04T08:15:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6930"},"modified":"2014-02-24T11:48:18","modified_gmt":"2014-02-24T10:48:18","slug":"was-ist-zu-regeln-damit-der-den-maerkten-gesetzte-rahmen-wieder-stimmt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6930","title":{"rendered":"Was ist zu regeln, damit der den M\u00e4rkten gesetzte Rahmen wieder stimmt? Zu Heiner Flassbeck&#8217;s neuem Buch"},"content":{"rendered":"<p>In den Reihen der National&ouml;konomen tummeln sich heute fast nur noch schr&auml;ge V&ouml;gel. Dieses Urteil ist hart, aber die Realit&auml;t ist genau so hart. Wir haben es mit einer gro&szlig;en Zahl von gleichgerichteten &Ouml;konomen voller L&uuml;cken und Vorurteilen zu tun. Nahezu alle aus der gleichen Schule. Das treibt den National&ouml;konomen Heiner Flassbeck genauso um wie uns. Dar&uuml;ber schreibt er in seinem neuen Buch &bdquo;Die Marktwirtschaft des 21. Jahrhunderts&ldquo;. Vor allem beschreibt er, was zu tun w&auml;re, um die Rahmendaten wieder so zu setzen, dass die so genannte Marktwirtschaft einigerma&szlig;en zum Wohle aller und nicht nur einiger weniger funktioniert. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><p>Heiner Flassbecks neues Werk ist wie auch das Kritische Jahrbuch <a href=\"?page_id=6820\">&bdquo;Nachdenken &uuml;ber Deutschland&ldquo;<\/a> von Wolfgang Lieb und mir gerade im Westend Verlag erschienen. <a href=\"?p=6876\">Siehe hier<\/a>. Dass ich mich &uuml;ber das Erscheinen dieses Buches freue, hat nicht nur mit diesem gemeinsamen Erscheinen zu tun, sondern damit, dass ich mich bei der t&auml;glichen Arbeit f&uuml;r die NachDenkSeiten bei Unsicherheiten in &ouml;konomischen Fragen auf keines anderen &Ouml;konomen Urteil so sehr verlasse wie auf jenes von Heiner Flassbeck. Er ist auch gedanklich unbestechlich, l&auml;sst sich nicht auf Moden oder schnelle Schl&uuml;sse ein. Das ist genau das, was wir NachDenkSeiten-Herausgeber auch unseren Lesern bieten wollen.<\/p><p><strong>Pleisweiler Gespr&auml;ch mit Heiner Flassbeck am Samstag, den 20. November um 14:00 Uhr<\/strong><br>\nBevor ich auf bemerkenswerte Inhalte des Buches eingehe, seien interessierte NachDenkSeiten-Leser im S&uuml;dwesten der Republik darauf hingewiesen, dass <a href=\"http:\/\/www.pleisweiler-oberhofen.de\/\">Heiner Flassbeck zum Gespr&auml;ch nach Pleisweiler in die S&uuml;dpfalz<\/a> kommt. Genauere Informationen dazu folgen.<\/p><p>Zu einigen Inhalten und bemerkenswerten Gedanken des Buches, zum Teil w&ouml;rtlich aus dem Buch zitiert:<\/p><ol>\n<li>Das marktwirtschaftliche System funktioniert nicht, wenn ihm kein durchdachter Rahmen gesetzt wird und den Marktkr&auml;ften jeder Raum zur Entfaltung gelassen wird. Den Rahmen einigerma&szlig;en richtig zu setzen bedarf es einer enormen konzeptionellen Anstrengung.\n<\/li>\n<li>Ohne eine internationale Geldordnung, wie sie Keynes erdacht hatte, ist alles &Uuml;brige Makulatur. Seit dem Ende der Ordnung des internationalen W&auml;hrungssystems nach dem Konzept von &bdquo;Bretton Woods&ldquo; Anfang der siebziger Jahre leben wir ohne eine solche produktive Ordnung. Die Ergebnisse sind entsprechend. In der Finanzkrise hat sich dies auf schreckliche Weise gezeigt.\n<\/li>\n<li>&bdquo;Wir m&uuml;ssen ein System schaffen, das nicht dazu da ist, einigen wenigen Reichtum zu erm&ouml;glichen, sondern das genau umgekehrt gestrickt sein muss: wer allen B&uuml;rgern eine systematische Chance auf die Verbesserung ihrer Lebensumst&auml;nde gibt, kann es hinnehmen, dass im Zuge dessen ein paar wenige etwas reicher werden als die anderen.&ldquo;\n<\/li>\n<li>Statt dessen wird heute schon die Tatsache, dass der B&uuml;rger &uuml;berlebt, ohne zu hungern und vollst&auml;ndig aus der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden, als Beweis daf&uuml;r &uuml;bernommen, dass die Marktwirtschaft sozial ist. Es geht den Herrschenden und Meinungsf&uuml;hrern nicht mehr um die Teilhabe der Menschen am Fortschritt, sondern es geht nur noch darum, dass die Leistungstr&auml;ger angemessen entlohnt werden und der Rest nicht vollst&auml;ndig unter den Tisch f&auml;llt. Das kann aber nicht das Ziel des Wirtschaftens sein.\n<\/li>\n<li>Man darf nicht nur nationale L&ouml;sungen suchen. Ein integraler Bestandteil einer neuen sozialen Marktwirtschaft muss die F&auml;higkeit der Nationen sein, miteinander harmonisch umzugehen. Das war ausdr&uuml;cklich Teil des alten Wirtschaftswunders, das richtigerweise mit dem Namen von Keynes (und nicht nur Erhard) verbunden wird.\n<\/li>\n<li>Das wirtschaftliche System versagt, weil es nicht mehr aus einem Zusammenspiel von unabh&auml;ngiger Politik, Unternehmertum und Arbeitnehmerinteressen gebildet wird, sondern weil die Politik von vornherein darauf ausgerichtet ist, die Arbeitnehmer zu schw&auml;chen und die Unternehmer zu st&auml;rken.\n<\/li>\n<li>Die Duldungsstarre, mit der die Gewerkschaften ihren Niedergang verfolgt und hingenommen haben, die Unf&auml;higkeit des linken Teils der Gesellschaft und Politik, eine alternative Politik zu definieren und die Sprachlosigkeit weiter Teile des aufgekl&auml;rten B&uuml;rgertums erkl&auml;ren sich nicht allein mit dem Geld und dem Einfluss der Unternehmer. Vieles wird erst dann klar, wenn man das &bdquo;Weltbild&ldquo; zur Kenntnis nimmt, das die &uuml;bergro&szlig;e Mehrheit der &Ouml;konomen in den letzten 30 Jahren von der Wirtschaft geschaffen haben. Die herrschende Wissenschaft von der &Ouml;konomie ist konzeptionell armselig und ideologisch reich.\n<\/li>\n<li>Was wir in den letzten Jahrzehnten, sowohl von schwarz-gelber wie von rot-gr&uuml;ner Seite gesehen haben, war auch f&uuml;r die Unternehmen keine gute Politik. Es war f&uuml;r die Mehrheit der Unternehmen sogar eine Katastrophe. Deutschland war lange Zeit das absolute Wachstumsschlusslicht in Europa und hat nur dank eines einseitigen Exportbooms in den Jahren nach 2003 eine gewisse Erleichterung erfahren. Im deutschen Binnenmarkt sind haufenweise Unternehmen pleite gegangen. Der ber&uuml;hmte deutsche Mittelstand ist in erheblichen Teilen ruiniert, und nur die gro&szlig;en Exportunternehmen waren die Gewinner der vollkommen fehlgeleiteten und merkantilistischen deutschen Politik..\n<\/li>\n<li>Flassbecks &bdquo;angemessene Antworten&ldquo; auf die diagnostizierten Fehler und Schw&auml;chen:<br>\nSpekulation auf allen M&auml;rkten konsequent unterbinden. (Endlich sagt das mal einer deutlich! Die Bewunderung und das Laufenlassen der Spekulation ist eine der zentralen Ursachen f&uuml;r den Wahnsinn, den wir mit der Finanzkrise und der Hilfe des Staates f&uuml;r die Spekulanten erleben.)\n<ul>\n<li>Teilhabe aller Menschen am gemeinsam erarbeiteten Fortschritt erm&ouml;glichen<\/li>\n<li>Wettkampf der Nationen beenden<\/li>\n<li>die nat&uuml;rliche Welt retten<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ol><p>Bei der Lekt&uuml;re dieses Buches wird einem klar &ndash; und damit komme ich noch einmal auf die Ziffer 1. und 2. zur&uuml;ck &ndash; , welche gro&szlig;e Bedeutung die intensive konzeptionelle Arbeit f&uuml;r die Gestaltung einer gut funktionierenden Volkswirtschaft hat und worunter es unter dem beginnenden Einfluss neoliberal gepr&auml;gter Kr&auml;fte in der Wissenschaft, bei der Bundesbank und in Teilen der Politik seit Beginn der siebziger Jahre bis heute wirklich mangelt. Statt einer m&ouml;glichst ideologiefreien und intensiven konzeptionellen Arbeit an den w&auml;hrungspolitischen, geldpolitischen und fiskalischen Rahmensetzungen erleben wir, wie wichtige dieser Entscheidungen von Klischees und Moden bestimmt werden. Zum Beispiel: es kommt allein auf Preisstabilit&auml;t an, also brauchen wir uns um die Besch&auml;ftigung nicht zu k&uuml;mmern und bauen einen Stabilit&auml;tspakt ohne R&uuml;cksicht auf Besch&auml;ftigung und Masseneinkommen; wenn es schief l&auml;uft, versch&auml;rfen wir die Regeln dieses Paktes, statt konzeptionell neu und grundlegend nachzudenken; Sparen ist Mode, also wird eine Schuldenbremse entwickelt und diese wird dann auch noch zum Exportschlager gemacht. Das ist rundum Wahnsinn. Mit der Lekt&uuml;re von Flassbecks Buch durchdringt man diesen Wahnsinn.<br>\nFreunde der NachDenkSeiten und von &bdquo;Meinungsmache&ldquo; erkennen unschwer unsere N&auml;he.<\/p><p>Hier noch einmal die bibliografischen Angaben:<\/p><p><strong>Heiner Flassbeck<br>\nDie Marktwirtschaft des 21. Jahrhunderts<\/strong><br>\nErschienen: September 2010<br>\n304 Seiten<br>\nGebunden<br>\n&euro; 22,95 [D], &euro; 23,60 [A], sFr 38,90<br>\nISBN: 9783938060544<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den Reihen der National&ouml;konomen tummeln sich heute fast nur noch schr&auml;ge V&ouml;gel. Dieses Urteil ist hart, aber die Realit&auml;t ist genau so hart. Wir haben es mit einer gro&szlig;en Zahl von gleichgerichteten &Ouml;konomen voller L&uuml;cken und Vorurteilen zu tun. Nahezu alle aus der gleichen Schule. 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