{"id":69308,"date":"2021-01-29T12:05:33","date_gmt":"2021-01-29T11:05:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69308"},"modified":"2021-01-29T17:01:54","modified_gmt":"2021-01-29T16:01:54","slug":"impfstoffchaos-mit-ansage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69308","title":{"rendered":"Impfstoffchaos mit Ansage"},"content":{"rendered":"<p>Heute wird die Europ&auml;ische Arzneimittelbeh&ouml;rde EMA den dritten Impfstoff gegen Covid-19 zulassen. Bereits gestern hatte die St&auml;ndige Impfkommission des Robert Koch-Instituts bekanntgegeben, den Impfstoff des Pharmakonzerns AstraZeneca nur f&uuml;r Personen zwischen 18 und 64 Jahren zu empfehlen. F&uuml;r j&uuml;ngere und vor allem &auml;ltere Menschen fehlen den Experten valide Daten zur Wirksamkeit des Impfstoffs. Derweil liefern sich die EU-Kommission und AstraZeneca eine filmreife Schlammschlacht, bei der man bem&uuml;ht ist, dem jeweils anderen die Schuld f&uuml;r Lieferprobleme in die Schuhe zu schieben. Die deutsche Impfstrategie gleicht nun einem Scherbenhaufen und die Zeitpl&auml;ne sind nicht mehr einzuhalten. Als sei dies nicht schon schlimm genug, ger&auml;t in all dem Chaos die Sicherheit der Impfstoffe vollends in den Hintergrund. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_93\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-69308-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210129_Impfstoffchaos_mit_Ansage_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210129_Impfstoffchaos_mit_Ansage_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210129_Impfstoffchaos_mit_Ansage_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210129_Impfstoffchaos_mit_Ansage_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=69308-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210129_Impfstoffchaos_mit_Ansage_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"210129_Impfstoffchaos_mit_Ansage_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Zum Themenkomplex auf den NachDenkSeiten: <\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68791\">Corona und das Politikversagen, &uuml;ber das kaum wer spricht<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68014\">Das Impfdilemma<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66762\">Hype um BioNTech-Impfstoff &ndash; &uuml;ber Risiken und Geld spricht man lieber nicht<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=65607\">Corona-Impfstoffentwicklung &ndash; zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie lieber erst gar nicht<\/a>\n<\/p><\/div><p><strong>Wirken die Impfstoffe bei Alten?<\/strong><\/p><p>Der Streit um die Frage, ob der Impfstoff des britisch-schwedischen Pharmakonzerns AstraZeneca bei &auml;lteren Personen &uuml;berhaupt wirksam ist, ist an Absurdit&auml;t kaum zu &uuml;berbieten. Denn die Daten, die STIKO und EMA zur Verf&uuml;gung stehen, lassen selbst mit viel Zweckoptimismus keine seri&ouml;se Aussage zu. So sind in den &bdquo;Effektivit&auml;tsdaten&ldquo; des Impfstoffs, die in die Empfehlung der STIKO eingeflossen sind, lediglich 341 Personen &uuml;ber 65 Jahre aus der Impfgruppe und 319 Personen aus der Kontrollgruppe, die ein Placebo bekommen hat, enthalten. <\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/210129_Impfstoffchaos-Es0mW4lWMAcAaOZ.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/210129_Impfstoffchaos-Es0mW4lWMAcAaOZ.png\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Quelle: STIKO<\/p><p>In beiden Gruppen hat sich jeweils ein Proband mit dem Virus infiziert. Die Wirksamkeit, die sich aus diesen Rohdaten herleiten l&auml;sst, betr&auml;gt also 0%; lediglich der Umstand, dass die Impfgruppe ein wenig gr&ouml;&szlig;er als die Kontrollgruppe war, f&uuml;hrt zur angegebenen Effektivit&auml;t von 6,3%, die jedoch einem absurden 95%-Konfidenzintervall von -1.405% bis +94,2% gegen&uuml;bersteht. Der Impfstoff k&ouml;nnte also nach statistisch valider Sch&auml;tzung die Gefahr zu erkranken mehr als verzehnfachen &ndash; was freilich absurd ist &ndash; oder eine Schutzwirkung von bis zu 94,2% haben. Suchen Sie sich einen Wert dazwischen aus. Oder um es leichter verst&auml;ndlich auszudr&uuml;cken: Auf Basis dieser Daten kann man keine Aussage zur Wirksamkeit treffen. Die Studien von AstraZeneca sind M&uuml;ll.<\/p><p>Doch das ist nicht nur dem Pharmamulti zuzuschieben. Schlie&szlig;lich lie&szlig; die Politik keine Gelegenheit aus, um zu unterstreichen, dass die Impfstudien der Hersteller ja in ganz enger Kooperation mit den Zulassungsbeh&ouml;rden auf deutscher und europ&auml;ischer Ebene erfolgen. Warum hat denn da niemand die Alarmglocken gel&auml;utet? Wenn nur 660 der 11.636 Probanden &uuml;ber 65 Jahre alt sind, kann man unter keinen Umst&auml;nden zu einer validen Aussage zur Wirksamkeit des Impfstoffs bei &Auml;lteren kommen. Das Studiendesign l&auml;sst dies schlicht nicht zu. Hier wurde also ein Impfstoff, der von der EU mit mehr als 300 Millionen Euro vorfinanziert wurde und der ja vor allem die vulnerable Gruppe der Hochbetagten sch&uuml;tzen soll, im Rahmen einer Studie getestet, die &uuml;berhaupt keine Aussagen zur Wirksamkeit dieses Impfstoffs f&uuml;r eben diese Gruppe liefern kann. Hier haben nicht nur AstraZeneca, sondern auch die zust&auml;ndigen Beh&ouml;rden auf ganzer Ebene versagt. <\/p><p>Wer nun denkt, bei der Zulassung des viel gelobten Impfstoffs von BioNTech\/Pfizer s&auml;he dies ganz anders aus, t&auml;uscht sich jedoch leider. Zwar hat BioNTech ein <a href=\"https:\/\/www.nejm.org\/doi\/full\/10.1056\/NEJMoa2034577?query=RP\">Studiendesign gew&auml;hlt<\/a>, dass bei den &uuml;ber 65-J&auml;hrigen in der Tat recht valide Daten zur Wirksamkeit liefert, aber daf&uuml;r sind die Daten zur Wirksamkeit bei den &uuml;ber 75-J&auml;hrigen ebenfalls l&ouml;chrig.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/210129_bion.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/210129_bion.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Quelle: NEJM<\/p><p>Insgesamt nahmen hier 1.559 Probanden &uuml;ber 75 Jahren an der Studie teil, von denen kein einziger Proband, der den Impfstoff bekam, erkrankte. Daf&uuml;r erkrankten aber f&uuml;nf Probanden aus der Kontrollgruppe, die das Placebo bekam. Rein rechnerisch entspricht dies einer Effektivit&auml;t von 100%. Jedoch ist auch hier die Zahl der Probanden so gering, dass das 95%-Konfidenzintervall, das den Rahmen f&uuml;r eine seri&ouml;se statistische Sch&auml;tzung angibt, einen Wert von -13% bis +100% ergibt. Auch hier ist also eine wirklich seri&ouml;se Angabe der Wirksamkeit nicht m&ouml;glich; auch wenn die Rohdaten den Betrachter eher als im Falle AstraZeneca dazu verleiten m&ouml;gen, eine Wirksamkeit anzunehmen. Annehmen ist jedoch nicht wissen. W&uuml;rde man die Vorgaben wirklich ernstnehmen, k&ouml;nnte der BioNTech-Impfstoff Menschen &uuml;ber 75 daher eigentlich auch nicht empfohlen werden. Das w&uuml;rde jedoch die komplette Impfstrategie der Bundesregierung auf den Kopf stellen, da eben jene Gruppe ja zuerst geimpft werden soll, was bei der Betrachtung <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68791\">der sehr selektiven Gef&auml;hrlichkeit f&uuml;r Hochbetagte<\/a> ja auch sinnvoll erscheint. Und auch hier ist das Studiendesign daf&uuml;r verantwortlich, dass es keine wirklich belastbare Gewissheit geben kann. Denn die 1.559 Probanden &uuml;ber 75 Jahre aus der BioNTech-Studie sind zwar um Welten besser als die 660 Probanden &uuml;ber 65 Jahre aus der AstraZeneca-Studie, aber immer noch zu wenig, um belastbare Daten zur Wirksamkeit des Impfstoffs f&uuml;r die jeweilige Altersgruppe zu bekommen.<\/p><p><strong>Absurde Schlammschlacht<\/strong><\/p><p>Gerade so, als g&auml;be es die Zweifel an der Wirksamkeit des AstraZeneca-Impfstoffs &uuml;berhaupt nicht, streiten sich EU-Kommission und Bundesregierung zurzeit mit dem Pharmakonzern dar&uuml;ber, dass er den bis heute noch gar nicht zugelassenen Impfstoff nicht in den vertraglich zugesicherten Mengen liefert. Dazu muss man wissen, dass der AstraZeneca-Impfstoff von einem Institut entwickelt wurde, das der Universit&auml;t Oxford angeschlossen ist. Genau wie in Deutschland der BioNTech-Impfstoff als &bdquo;nationales Gut&ldquo; vereinnahmt wird, gilt dies in Gro&szlig;britannien f&uuml;r den AstraZeneca-Impfstoff. Wohl deshalb erhielt dieser Impfstoff in Gro&szlig;britannien auch in Windeseile eine Zulassung f&uuml;r alle Altersgruppen und wird bereits verimpft. Pikanterweise hat die EU &ndash; nach eigenen Angaben &ndash; sich vertraglich aber zusichern lassen, dass AstraZeneca auch Impfstoff aus den britischen Werken an die EU liefert. Das findet offenbar nicht statt; ganz im Gegenteil scheint es eher so zu sein, dass der Konzern Impfstoff aus seinen belgischen und niederl&auml;ndischen Produktionsst&auml;tten nach Gro&szlig;britannien verschifft. Die EU-Kommission wittert Vertragsbruch. Ob das stimmt, ist nicht ersichtlich, da die Vertr&auml;ge unter Verschluss sind und, selbst wenn sie nun ver&ouml;ffentlicht werden, an den interessanten Stellen geschw&auml;rzt werden. Auch das ist eigentlich ein Unding. Da bezahlt die EU mehr als 300 Millionen Euro Steuergelder als Vorschuss und der Steuerzahler hat nicht einmal Einblick in die Vertr&auml;ge, die in seinem Namen und auf seine Kosten abgeschlossen werden.<\/p><p>Schnell wurde der Ruf nach harten Ma&szlig;nahmen laut. In Br&uuml;ssel und Berlin sprach man gar von einem Exportverbot f&uuml;r Impfstoffe. Man stelle sich nur einmal vor, der ehemalige US-Pr&auml;sident Trump h&auml;tte US-Konzernen ein Exportverbot f&uuml;r die Impfstoffe von Pfizer und Moderna sowie dem in K&uuml;rze zur Verf&uuml;gung stehenden Impfstoff von Johnson&amp;Johnson verordnet. Deutsche Medien und deutsche Politiker h&auml;tten sich vor Emp&ouml;rung wahrscheinlich gar nicht mehr eingekriegt. Aber wir sind ja die Guten und wenn wir unsere Impfstoffe nicht hergeben wollen, ist dies nat&uuml;rlich was vollkommen Anderes. Oder? Schlie&szlig;lich hat man sich in Br&uuml;ssel und Berlin nach b&ouml;sen Vorw&uuml;rfen aus Gro&szlig;britannien zumindest wieder eingekriegt und das angedachte Exportverbot ist erst einmal vom Tisch. <\/p><p>Das ganze Tamtam ist jedoch vor allem ein Ablenkungsman&ouml;ver. Man hat sich nun einmal darauf eingelassen, Privatkonzerne mit Steuergeldern zu &uuml;bersch&uuml;tten, ohne dabei gleichzeitig wirklich verbindliche Vertr&auml;ge f&uuml;r eine exklusive Belieferung auszuhandeln. So hat man zwar viel zu viel Impfstoff eingekauft, dabei jedoch nicht darauf geachtet, dass auch andere L&auml;nder die Pharmakonzerne mit Geld &uuml;bersch&uuml;ttet und sich dabei bessere Lieferkonditionen gesichert haben. So ist das in einer globalisierten Welt mit liberalen M&auml;rkten nun einmal. Wer zuerst zahlt, bekommt auch zuerst. Dass die EU, die sich ja stets als Gralsh&uuml;ter eines diskriminierungsfreien Marktes aufspielt, nun fordert, andere Handelspartner zu diskriminieren, ist absurd. Schlie&szlig;lich wurden die EU-Kommission und die Bundesregierung von den Pharmakonzernen genau unter den &bdquo;Regeln&ldquo; hereingelegt, die man selbst erst geschaffen hat. Ob das der Politik eine Lehre sein wird? Wohl kaum.<\/p><p><strong>Vergessene Nebenwirkungen und ungekl&auml;rte Todesf&auml;lle<\/strong><\/p><p>Obgleich es auch beim in Deutschland eingesetzten BioNTech-Impfstoff kaum valide Daten zur Wirksamkeit und zur Sicherheit bei Hochbetagten und schwer Vorerkrankten gibt, wird dieser Impfstoff nun laut Impfplan zuerst in genau dieser Gruppe eingesetzt. Nun w&auml;re es ein statistisches Wunder, wenn kein einziger dieser Hochbetagten in einem bestimmten Zeitraum nach Verabreichung der Impfung verstirbt. Getreu der Corona-Sprachregelung w&auml;ren diese Menschen dann nicht an, sondern mit der Impfung verstorben. Also alles kein Problem? <\/p><p>Bis zum 17. Januar hat das Paul-Ehrlich-Institut <a href=\"https:\/\/www.pharmazeutische-zeitung.de\/bislang-vor-allem-lokal-und-allgemeinreaktionen-123199\/\">21 Todesf&auml;lle<\/a> mit einem zeitlichen Zusammenhang zur Impfung registriert, von denen neun eine unklare Ursache h&auml;tten. Dies sei jedoch statistisch nicht signifikant, sondern genauso zu erwarten, so das Institut. Das kann sein und ist ohne einen Einblick in die Daten nicht seri&ouml;s zu bewerten. Es w&auml;re jedoch falsch, nun zu sagen, dass es keinen kausalen Zusammenhang geben kann. Immerhin zeigt die <a href=\"https:\/\/www.nejm.org\/doi\/full\/10.1056\/NEJMoa2034577?query=RP\">Zulassungsstudie<\/a> von BioNTech\/Pfizer, dass es &ndash; wenn auch in geringer Zahl &ndash; zu etwas heftigeren Impfreaktionen kommen kann. Nun m&ouml;gen diese Impfreaktionen f&uuml;r Menschen mit normaler Gesundheit kein gro&szlig;es Problem sein. F&uuml;r Hochbetagte mit einem prek&auml;ren Gesundheitsstatus mag dies jedoch anders aussehen. Norwegen hat darauf bereits <a href=\"https:\/\/archive.is\/P96bh\">reagiert<\/a> und empfiehlt nun, bei &bdquo;sehr gebrechlichen&ldquo; Patienten sei &bdquo;der individuelle Nutzen der Impfung gegen Nachteile der Impfung abzuw&auml;gen&ldquo;. Das klingt eigentlich selbstverst&auml;ndlich; umso unverst&auml;ndlicher ist, dass es in Deutschland keine klare Empfehlung zur Abw&auml;gung gibt.<\/p><p>Vollends in den Hintergrund ist derweil das Monitoring der Nebenwirkungen geraten. Die sind &ndash; anders als die Impfreaktionen &ndash; ja keineswegs gewollt und der zeitliche Druck bei den Zulassungsstudien hat eine wirklich umfassende Beobachtung unm&ouml;glich gemacht. So berichtet die US-Beh&ouml;rde CDC von <a href=\"https:\/\/www.cdc.gov\/mmwr\/volumes\/70\/wr\/mm7004e1.htm\">zehn schweren allergischen Schocks<\/a> nach der Impfung. Die Betroffenen h&auml;tten jedoch alle &uuml;berlebt und bei &uuml;ber vier Millionen verabreichten Dosen in den USA ist dies in der Tat eine sehr seltene &ndash; wenn auch schwere &ndash; Nebenwirkung. Unter Beobachtung ist in den USA auch <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2021\/01\/12\/health\/covid-vaccine-death.html\">der Fall eines Arztes<\/a>, der nach der Impfung eine sehr seltene akute <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Idiopathische_thrombozytopenische_Purpura\">Immun-Thrombozytopenie<\/a> entwickelte, an der er kurze Zeit sp&auml;ter verstarb. Da diese Krankheit bekannt daf&uuml;r ist, als sehr seltene Impfnebenwirkung aufzutreten, ist hier ein Zusammenhang wahrscheinlich.<\/p><p>Man sollte diese sehr seltenen schweren Nebenwirkungen sicherlich nicht &uuml;berbewerten; ignorieren sollte man sie jedoch auch nicht und immer wieder unterstreichen, dass der Covid-19-Impfstoff von BioNTech\/Pfizer zwar nach den zurzeit vorliegenden Daten sehr sicher ist, eine Impfung jedoch auch nicht vollkommen ungef&auml;hrlich ist und ein Restrisiko auf schwere und sogar t&ouml;dliche Nebenwirkungen besteht. <\/p><p>Bedeutsamer k&ouml;nnte das Thema Nebenwirkungen beim nun zugelassenen Impfstoff von AstraZeneca werden. Der ist &ndash; anders als die bereits in Deutschland eingesetzten Impfstoffe von Biontech und Moderna &ndash; n&auml;mlich ein sogenannter Vektorimpfstoff, der zumindest in der Theorie ein viel gr&ouml;&szlig;eres Potential von m&ouml;glichen schweren Nebenwirkungen hat. Die Zulassungsstudie musste ja auch zweimal unterbrochen werden, weil es zu schweren Nebenwirkungen bei Probanden kam, die angeblich jedoch nicht in einem kausalen Zusammenhang mit der Impfung standen. Vielleicht ist daher auch ganz gut, dass dieser Impfstoff erst einmal nicht an Personen verimpft wird, die einen labilen Gesundheitsstatus haben. Daf&uuml;r soll der AstraZeneca-Impfstoff nun priorit&auml;r an Mitarbeiter des Gesundheitssystems verimpft werden. Das wird die Impfbereitschaft der &Auml;rzte, Pfleger und Schwestern sicher nicht steigern.<\/p><p><strong>Impfplan steht auf dem Kopf<\/strong><\/p><p>Der Impfplan der Bundesregierung ist somit ohnehin nicht mehr zu halten. Noch vor zwei Wochen <a href=\"https:\/\/www.bundesgesundheitsministerium.de\/presse\/reden\/regierungsserklaerung-impfbeginn.html\">versprach Bundesgesundheitsminister Spahn<\/a>, dass die Regierung allen B&uuml;rgen bis zum Sommer ein Impfangebot machen k&ouml;nne. Das ist jedoch vollkommen illusorisch. <\/p><p>Beim universell einsetzbaren Impfstoff von BioNTech gibt es Lieferengp&auml;sse. Man verhandelte nach und kam zu einem <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/corona-impfung-biontech-berechnet-mehr-dosen-und-liefert-weniger-flaeschchen-a-00000000-0002-0001-0000-000174972866\">ganz besonderen Trick<\/a> &ndash; da die Fl&auml;schchen technisch bedingt ein wenig mehr Impfstoff als minimal vorgesehen enthalten, gaben die Beh&ouml;rden ihre Einwilligung, dass in den Impfzentren auch die Reste verimpft werden d&uuml;rfen. Gut f&uuml;r BioNTech, da die Vertr&auml;ge ja nicht auf die Fl&auml;schchen, sondern auf die Impfdosen bezogen waren. Nun konnte BioNTech pro Fl&auml;schchen nicht nur f&uuml;nf, sondern sechs Dosen abrechnen. Dummerweise lassen sich die letzten Reste technisch nur dann nutzen, wenn man in den Impfzentren <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/faktenfinder\/biontech-impfdose-101.html\">spezielle Spritzen<\/a> (sogenannte Tuberkulinspritzen mit einem Spardorn) hat. Die sind jedoch in den meisten Impfzentren gar nicht vorhanden und offenbar auch nicht in ausreichender Menge lieferbar. Im Ergebnis liefert BioNTech also weniger als eigentlich vorgesehen, erh&auml;lt daf&uuml;r jedoch mehr Geld; ein weiterer Fall von Planungsversagen.<\/p><p>Und der Rest? Moderna liefert zwar, aber die Vertr&auml;ge sehen hier ohnehin nur kleine Mengen vor. Der Impfstoff von Johnson&amp;Johnson scheint in den klinischen Studien ganz ordentliche Ergebnisse zu erzielen, ist jedoch noch nicht zugelassen und Daten aus den Studien stehen auch nicht zur Verf&uuml;gung, so dass man hier noch nicht viel sagen kann. Der anfangs hochgelobte Impfstoffkandidat des T&uuml;binger Herstellers Curevac befindet sich immer noch in der Fr&uuml;hphase der klinischen Studien und steht auf keinen Fall vor dem Sommer dieses Jahres zur Verf&uuml;gung. Das franz&ouml;sische Sanofi\/GSK-Projekt musste seine Studien noch einmal komplett wiederholen, da der Impfstoff kaum wirksam ist, und steht &ndash; wenn &uuml;berhaupt &ndash; erst im Herbst dieses Jahres zur Verf&uuml;gung. Das amerikanisch-franz&ouml;sische Impfstoffprojekt von Merck und dem Institut Pasteur ist derweil auch offiziell <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/coronakrise-merck-stoppt-impfstoff-entwicklung-auch.2850.de.html?drn:news_id=1220756\">beerdigt<\/a> &ndash; auch dieser Impfstoffkandidat erwies sich als wirkungslos. Um sein Versprechen einzuhalten, braucht Jens Spahn also ein Wunder. <\/p><p>Titelbild: Haris Mm\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/83a582457f3b42c78a49c1e35a5a536b\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute wird die Europ&auml;ische Arzneimittelbeh&ouml;rde EMA den dritten Impfstoff gegen Covid-19 zulassen. Bereits gestern hatte die St&auml;ndige Impfkommission des Robert Koch-Instituts bekanntgegeben, den Impfstoff des Pharmakonzerns AstraZeneca nur f&uuml;r Personen zwischen 18 und 64 Jahren zu empfehlen. F&uuml;r j&uuml;ngere und vor allem &auml;ltere Menschen fehlen den Experten valide Daten zur Wirksamkeit des Impfstoffs. 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