{"id":69396,"date":"2021-02-01T15:14:55","date_gmt":"2021-02-01T14:14:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69396"},"modified":"2021-02-01T16:40:17","modified_gmt":"2021-02-01T15:40:17","slug":"biden-anspruch-und-wirklichkeit-klaffen-bereits-jetzt-auseinander","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69396","title":{"rendered":"Biden \u2013 Anspruch und Wirklichkeit klaffen bereits jetzt auseinander"},"content":{"rendered":"<p>Trump ist weg und dies- und jenseits des Atlantiks ist vor allem bei den Liberalen die Freude gro&szlig;. Dass Joe Biden nun als der gro&szlig;e Heilsbringer betrachtet wird, ist jedoch in vielerlei Hinsicht problematisch. So betreffen einige der nun gelobten ersten Amtsma&szlig;nahmen Bidens wie die Aufhebung des &bdquo;Muslim Bans&ldquo; politische Initiativen, die von ihm selbst in der Obama-&Auml;ra mitgetragen wurden. Von <strong>Emran Feroz<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nAmerikas neuer Pr&auml;sident ist allem Anschein nach ein Lichtbringer, der Donald Trump und dessen Machenschaften ein f&uuml;r alle Mal verbannt hat. Dies ist zumindest das Bild, das viele Liberale in diesen Tagen vermitteln wollen, auch in Deutschland. Die NATO ist gl&uuml;cklich. Merkel l&auml;dt Biden nach Deutschland ein. Ramstein, Africom und Co. werden wohl wie gewohnt weiterlaufen. Die transatlantische Freundschaft besteht wieder. Bereits am ersten Tag seiner Amtszeit hat Joe Biden seine Abkehr vom Trump-Kurs verdeutlicht, indem er gleich <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2021\/01\/22\/us\/politics\/biden-executive-orders-trump.html\">siebzehn sogenannte &bdquo;Executive Orders&ldquo;<\/a> unterzeichnet hat. Die Dekrete umfassen unter anderem die R&uuml;ckkehr zum Pariser Klimaabkommen und zur WHO, den Stopp des Mauerbaus an der s&uuml;dlichen Grenze sowie die Aufhebung von Einreiseverboten, darunter etwa auch des sogenannten Trump&rsquo;schen &bdquo;Muslim Ban&ldquo;, der sich gegen sieben mehrheitlich muslimische Staaten (Iran, Irak, Libyen, Sudan, Syrien,  Jemen und Somalia) richtete und f&uuml;r dementsprechende Kontroversen sorgte.<\/p><p>Dass der &bdquo;Muslim Ban&ldquo; das Resultat von Islamfeindlichkeit und Rassismus war, steht au&szlig;er Frage. Umso mehr ist dessen Abschaffung zu begr&uuml;&szlig;en. Doch gleichzeitig sollte man auch auf den Umstand aufmerksam machen, dass der Entwurf f&uuml;r diese menschenfeindliche Praxis bereits w&auml;hrend der Amtszeit Obamas entstand. 2015 <a href=\"https:\/\/observer.com\/2017\/01\/barack-obama-policies-foundation-donald-trump-muslim-ban\/\">segnete dieser ein Gesetz ab<\/a>, das sich in typischer &bdquo;War on Terror&ldquo;-Manier gegen die B&uuml;rger ebenjener Staaten richtete: Den <em>Visa Waiver Improvement Program and Terrorist Travel Prevention Act<\/em>. Kritiker, die man damals eher ungern h&ouml;rte, bezeichneten das Gesetz zu recht als rassistisch. Unter den Opfern des neuen Beschlusses befand sich 2016 auch die BBC-Journalistin Rana Rahimpour, die aufgrund ihres iranischen Geburtsortes nicht in die USA einreisen durfte.<\/p><p>Joe Biden war nicht nur irgendein Teil der Regierung Obamas, sondern dessen Vizepr&auml;sident. Demnach hat er nicht nur Obamas &bdquo;Muslim Ban&ldquo; mitgetragen, sondern auch andere Kontroversen Trump de facto auf dem Silbertablett serviert, darunter etwa die Massendeportationen s&uuml;damerikanischer Gefl&uuml;chteter oder den illegalen Drohnenkrieg Washingtons. <\/p><p>W&auml;hrend viele Amerikaner nun Bidens Akt zelebrieren, muss man sich als n&uuml;chterner Beobachter dennoch die Frage stellen, warum Biden nicht weiter ausgeholt hat. Immerhin handelte es sich beim &bdquo;Muslim Ban&ldquo; in erster Linie um eine Fortf&uuml;hrung des &bdquo;War on Terror&ldquo; und dieser wurde gewiss nicht von Trump ins Leben gerufen, sondern von George W. Bush, dem so manch einer, auch fernab von den USA, in der Trump&rsquo;schen &Auml;ra <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/von-trump-zu-biden\/positionierung-gegen-trump-viel-lob-fuer-george-w-bush-17151677.html\">tats&auml;chlich nachtrauerte<\/a>.<\/p><p>Der ehemalige Guantanamo-H&auml;ftling und Bestsellerautor <a href=\"https:\/\/www.newsweek.com\/guantanamo-detainee-biden-obama-1560594\">Mohamedou Ould Slahi<\/a> appellierte vor kurzem abermals f&uuml;r die Schlie&szlig;ung des Foltergef&auml;ngnisses auf Kuba und richtete sich in diesem Kontext direkt an Biden. <a href=\"https:\/\/www.cnbc.com\/2018\/01\/30\/trump-signs-executive-order-to-keep-guantanamo-bay-prison-open.html\">Zu den ersten Dekreten<\/a> Trumps geh&ouml;rte 2017 die Anordnung, die Pforten Guantanamos weiterhin ge&ouml;ffnet zu lassen. W&auml;hrend einige Anh&auml;nger Bidens nun behaupten, dass die rechtliche Lage kompliziert sei und Biden nicht ohne weiteres das Gef&auml;ngnis, das die Ungleichheit und Unterdr&uuml;ckung des &bdquo;War on Terrors&ldquo; in einzigartiger Art und Weise deutlich gemacht hat, mittels eines &bdquo;Executive Orders&ldquo; schlie&szlig;en k&ouml;nne, fragen sich gleichzeitig viele, ob der politische Wille f&uuml;r einen solchen Schritt &uuml;berhaupt existiert. <\/p><p>Joe Biden hat bereits viele politische Schritte angek&uuml;ndigt, die von den liberalen Massen Amerikas zelebriert werden. Sein Kabinett ist in der Sprache der Liberalen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wokeness\">&bdquo;woke&ldquo;<\/a> und divers. Sein Verteidigungsminister ist etwa der erste Afroamerikaner, der dieses Amt einnimmt. Kurz und knapp: Das Obama-Feeling aus dem Jahr 2009 liegt in der Luft. Die Tatsache, dass die vorherigen US-Administrationen ein gro&szlig;er Teil des Problems waren (und dieses ist in erster Linie das System selbst und nicht die Person, die es repr&auml;sentiert) und einen Aufstieg Trumps erst erm&ouml;glicht haben, geht dabei unter. <\/p><p>Gleichzeitig steht n&auml;mlich auch fest, dass sich vieles nicht &auml;ndern wird &ndash; vor allem nicht der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Amerikanischer_Exzeptionalismus\">amerikanische Exzeptionalismus<\/a>, der weiterhin davon ausgeht, die Welt dominieren zu m&uuml;ssen. <a href=\"https:\/\/www.foreignaffairs.com\/articles\/united-states\/2020-01-23\/why-america-must-lead-again\">Biden hat bereits vor seiner Wahl deutlich gemacht<\/a>, wieder &bdquo;f&uuml;hren&ldquo; zu wollen. Wen? Na, die ganze Welt nat&uuml;rlich. <\/p><p>In vielerlei Hinsicht ist es gut, dass Biden ins Wei&szlig;e Haus eingezogen ist. Er wird (hoffentlich!) den stetigen medialen Fokus von einer einzelnen Person &ndash; dies war n&auml;mlich bei Trump der Fall &ndash; auf das gesamte System lenken und abermals deutlich machen, wie problematisch dieses ist. Der &bdquo;Muslim Ban&ldquo; ist Geschichte, doch mehrheitlich muslimische Staaten werden weiterhin von den USA bombardiert. Barack Obama, der erste afroamerikanische US-Pr&auml;sident der Geschichte, war auch gleichzeitig jener Mann, der den Schattenkrieg auf dem afrikanischen Kontinent massiv ausweitete und dieses Erbe letztendlich Donald Trump &uuml;bergab. Dass nun ein schwarzer Verteidigungsminister die Menschen in Somalia und anderswo bombardieren wird, kann von der linksliberalen Elite in New York, Washington und anderswo als Errungenschaft betrachtet werden. Den Opfern dieser Kriege, die auch ein Joe Biden mitgetragen und unterst&uuml;tzt hat, ist dies allerdings h&ouml;chstwahrscheinlich herzlichst egal.  <\/p><p>Titelbild: Christos S\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trump ist weg und dies- und jenseits des Atlantiks ist vor allem bei den Liberalen die Freude gro&szlig;. Dass Joe Biden nun als der gro&szlig;e Heilsbringer betrachtet wird, ist jedoch in vielerlei Hinsicht problematisch. So betreffen einige der nun gelobten ersten Amtsma&szlig;nahmen Bidens wie die Aufhebung des &bdquo;Muslim Bans&ldquo; politische Initiativen, die von ihm selbst<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69396\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":69397,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,174],"tags":[1460,2843,2986,1320,1564,366,1977],"class_list":["post-69396","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-usa","tag-biden-joe","tag-einreiseverbot","tag-exzeptionalismus","tag-guantanamo","tag-krieg-gegen-den-terror","tag-obama-barack","tag-transatlantische-partnerschaft"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/shutterstock_1899063142.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/69396","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=69396"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/69396\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":69404,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/69396\/revisions\/69404"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/69397"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=69396"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=69396"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=69396"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}