{"id":69425,"date":"2021-02-02T11:30:11","date_gmt":"2021-02-02T10:30:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69425"},"modified":"2021-02-03T07:26:25","modified_gmt":"2021-02-03T06:26:25","slug":"gamestop-macht-das-casino-endlich-dicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69425","title":{"rendered":"Gamestop \u2013 macht das Casino endlich dicht!"},"content":{"rendered":"<p>Kleinanleger zwingen Hedgefonds in die Knie und bescheren ihnen Milliardenverluste. Was sich in zahlreichen Kommentierungen wie ein modernes Robin-Hood-M&auml;rchen anh&ouml;rt, hat jedoch mit dem klassischen Gut-und-B&ouml;se-Schema denkbar wenig zu tun. Die Gewinner der gr&ouml;&szlig;ten B&ouml;rsenposse dieses Jahres sind n&auml;mlich nicht die Hobbyspekulanten, f&uuml;r die sich ihr Erfolg &uuml;ber die Hedgefonds noch als Pyrrhussieg herausstellen wird, sondern die ganz gro&szlig;en Player an den M&auml;rkten wie BlackRock und die bislang unbekannten Hinterm&auml;nner der Gamestop-Spekulation. Wenn man eins aus diesem Vorfall lernen k&ouml;nnte, dann ist es das, dass die heutigen Aktienm&auml;rkte ein Tummelfeld f&uuml;r Spekulanten sind und ohne ernsthafte Regulierung vollends zum Casino verkommen werden. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8079\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-69425-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210202_Gamestop_macht_das_Casino_endlich_dicht_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210202_Gamestop_macht_das_Casino_endlich_dicht_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210202_Gamestop_macht_das_Casino_endlich_dicht_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210202_Gamestop_macht_das_Casino_endlich_dicht_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=69425-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210202_Gamestop_macht_das_Casino_endlich_dicht_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"210202_Gamestop_macht_das_Casino_endlich_dicht_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Gamestop ist eine US-amerikanische Ladenkette, die Computer- und Videospiele vertreibt. Dieses Gesch&auml;ftsmodell ist geradezu ein Paradebeispiel f&uuml;r den Strukturwandel durch die Digitalisierung. Wer heute ein digitales Gut wie ein Computerspiel erwirbt, der tut dies in der Regel weder in einem Ladengesch&auml;ft oder &uuml;ber einen Online-Versender, sondern l&auml;dt es sich ganz einfach &uuml;ber eine digitale Vertriebsplattform wie Steam, Origin oder Uplay auf seinen Rechner. Wer besitzt auch heute noch ein DVD-Laufwerk, um Software von physischen Datentr&auml;gern zu installieren? Nur die wenigsten. Und dies ist auch einer der Gr&uuml;nde, warum das Unternehmen Gamestop seit Jahren mit Umsatzr&uuml;ckg&auml;ngen zu k&auml;mpfen hat und mangels eines &uuml;berzeugenden Konzepts f&uuml;r die Zukunft nach Ansicht der meisten Experten keine Zukunft hat.<\/p><p>Dies sah der Investor Ryan Cohen jedoch anders. Er <a href=\"https:\/\/www.bloomberg.com\/news\/articles\/2020-09-21\/top-gamestop-investor-wants-to-turn-retailer-into-amazon-rival\">erwarb<\/a> Ende August ein 10%-Aktienpaket des strauchelnden Unternehmens, entwickelte ein Sanierungskonzept und r&uuml;hrte daf&uuml;r m&auml;chtig die Werbetrommel. Viele Kleinanleger glaubten Cohen und legten sich ebenfalls Aktien von Gamestop zu. Zwischen August und November vervierfachte sich der Wert der Aktie von rund vier auf fast 16 US$. Hedgefonds, die auf fallende Aktienkurse wetteten und nicht an das von Cohen propagierte Wunder glaubten, nahmen nun die Gamestop-Aktie ins Visier.<\/p><p>Um die Geschehnisse der letzten Woche wirklich zu verstehen, ist es erst einmal n&ouml;tig, zu verstehen, was Leerverk&auml;ufe sind und wie solche Gesch&auml;fte heutzutage abgewickelt werden. Die Spekulationsblase rund um die Gamestop-Aktie eignet sich hierbei sehr gut als Musterbeispiel. Wenn ein Hedgefonds im November beispielsweise davon ausging, dass die Gamestop-Aktie wieder auf den alten Wert von vier Dollar zur&uuml;ckf&auml;llt und mit diesem Kursverlust Gewinne machen will, muss er einen sogenannten Leerverkauf t&auml;tigen. Daf&uuml;r leiht er sich die Aktie von einem Gamestop-Aktion&auml;r, verkauft sie sofort und kauft sie dann sp&auml;ter wieder am Markt zur&uuml;ck und gibt sie vor Ende der Leihfrist dem Verleiher zur&uuml;ck.<\/p><p>Eine beispielhafte Kalkulation s&auml;he dann folgenderma&szlig;en aus. Der Hedgefonds leiht sich im November zehn Millionen Aktien und verkauft sie zum damaligen Kurswert von 16 US$ f&uuml;r 160 Millionen US$. Wenn der Kurs nun sp&auml;ter auf vier Dollar sinkt, kauft er die zehn Millionen Aktien f&uuml;r 40 Millionen US$ zur&uuml;ck und gibt sie dem Verleiher zur&uuml;ck. Was bleibt, sind 120 Millionen US$ Gewinn, von dem nat&uuml;rlich noch die Verleihgeb&uuml;hr abgeht, die der Verleiher in jedem Fall kassiert. Ein gutes Gesch&auml;ft. Doch was passiert, wenn der Kurs nicht sinkt, sondern steigt? Sagen wir auf 160 US$? Dann muss der Hedgefonds die Aktien f&uuml;r stolze 1.600 Millionen US$ zur&uuml;ckkaufen und w&uuml;rde bei dieser Spekulation einen Verlust von 1.440 Millionen US$ machen &ndash; die Verleihgeb&uuml;hren noch nicht mit eingerechnet. <\/p><p>Genau dies passierte in der letzten Woche. Insiderinformationen zufolge hat dabei allein der Hedgefonds Melvin Capital, der noch zu Jahresbeginn rund 12,5 Milliarden US$ Kundengelder verwaltete, mit gescheiterten Leerverk&auml;ufen der Gamestop-Aktie mehr als die H&auml;lfte des verwalteten Verm&ouml;gens verloren &ndash; also mehr als sechs Milliarden US$. Und Melvin Capital war nicht der einzige Hedgefonds, der sich eine blutige Nase geholt hat. Nach Bloomberg-Informationen betrug die Leerverkaufsquote zum H&ouml;hepunkt 142 Prozent &ndash; es wurden also mehr Aktien auf Pump verkauft, als &uuml;berhaupt existieren.<\/p><p>Das f&uuml;hrt zu einer skurrilen Situation. All diese Aktien m&uuml;ssen schlie&szlig;lich von den Leerverk&auml;ufern zur&uuml;ckgekauft werden, um sie am Ende der Leihfrist zur&uuml;ckzugeben. Nur wer soll den Leerverk&auml;ufern in dieser Situation die n&ouml;tigen Aktien verkaufen? Die Katastrophe war vorprogrammiert und die Gier der Hedgefonds h&auml;tte ihnen wohl auch ganz ohne die &bdquo;Hobbyspekulanten&ldquo; in diesem Fall das Genick gebrochen. <\/p><p><strong>Auftritt der Hobbyspekulanten<\/strong><\/p><p>Was nun folgte, gleicht einer Finanzkom&ouml;die. Auf B&ouml;rsenforen in der Online-Community Reddit trommelten bereits im September die ersten &bdquo;Power-User&ldquo; f&uuml;r die Gamestop-Aktie. Sp&auml;testens als die Wall-Street-Gr&ouml;&szlig;e <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Michael_Burry\">Michael Burry<\/a> (bekannt aus dem Film &bdquo;The Big Short&ldquo;, in dem er von Christian Bale dargestellt wird) und Twitter-Influencer wie der Tesla-Chef Elon Musk oder die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Cameron_und_Tyler_Winklevoss\">Winkelvoss-Br&uuml;der<\/a> die &bdquo;Hobbyspekulanten&ldquo; anstachelten, ging die Spekulation mit der Gamestop-Aktie viral. Tausende Kleinanleger folgten den Versprechungen, mal den &bdquo;Gro&szlig;en&ldquo; einen auszuwischen und kauften die Aktie. Und dies &ndash; siehe oben &ndash; in einem Marktumfeld, in dem es kaum Verk&auml;ufer, daf&uuml;r aber milliardenschwere Hedgefonds gibt, die gezwungen sind, die Aktie selbst zur&uuml;ckzukaufen. Es kam, wie es kommen musste. <\/p><div class=\"imageWrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/120202_chart.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/120202_chart.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Am 13. Januar setzte ein wahrer Run auf die Aktie ein. Die Hobbyspekulanten und die Hedgefonds trieben den Kurs auf 30 US$. Und nun ging es erst richtig los. In den n&auml;chsten zwei Wochen explodierte der Kurs f&ouml;rmlich und notierte am 27. Januar zum Handelsschluss stolze 347,51 US$. Die marode Computerspielkette, deren Eigenkapital in Folge der vorangegangenen Verluste bereits auf 300 Millionen US$ geschmolzen ist, war pl&ouml;tzlich an den B&ouml;rsen mehr als 20 Milliarden US$ wert. Grotesk. Doch vor allem bei den Hobbyspekulanten war die Freude gro&szlig;. Und das ist verst&auml;ndlich. Endlich hatten die Kleinen es den Gro&szlig;en mal gezeigt und den gierigen arroganten Hedgefondsmanagern eine Lektion erteilt. So will es zumindest die Legende. Doch ist es wirklich so?<\/p><p>Sicher gibt es unter den Hobbyspekulanten einige gerissene Strategen, die fr&uuml;h erkannt haben, welche Eigendynamik da entfesselt wurde, und die Aktien, die sie selbst zu einem niedrigen Kurswert gekauft haben, auf dem H&ouml;hepunkt der Spekulationswelle schnell wieder verkauft und Kasse gemacht haben. F&uuml;r den Gro&szlig;teil der Hobbyspekulanten wird dies jedoch nicht gelten. Was bei der Betrachtung gerne vergessen wird, ist, dass es f&uuml;r einen Aktienhandel immer einen K&auml;ufer und einen Verk&auml;ufer braucht. Das f&uuml;hrt zur vergessenen Frage: Wer hat eigentlich den Hedgefonds und den Hobbyspekulanten w&auml;hrend der Turbulenzen die Aktien verkauft? Waren es Profis wie Burry, Musk und die Winkelvoss-Br&uuml;der? Waren es die Reddit-Power-User, die den ganzen Coup angezettelt haben? Das Ganze riecht f&ouml;rmlich nach Marktmanipulation und man kann nur hoffen, dass den Indizien nun auch nachgegangen wird. <\/p><p>Fest steht: Nun hat so mancher Hobbyspekulant Aktien eines maroden Unternehmens in seinem Portfolio, die er zu einem grotesk &uuml;berteuerten Preis erworben hat. Gamestops Ums&auml;tze brachen in den letzten drei Jahren um 40% ein, das Unternehmen verbuchte zuletzt einen Nettoverlust von 140 Millionen US$, hat nur noch 330 Millionen US$ Eigenkapital und fast 700 Millionen US$ Nettoschulden. Wenn sich der Verlust fortschreibt, m&uuml;sste das Unternehmen in zweieinhalb Jahren Konkurs anmelden. Und sp&auml;testens, wenn der Hype vorbei ist und sich die ersten Hobbyspekulanten fragen, was eigentlich der faire Wert der Gamestop-Aktie ist, wird die Blase endg&uuml;ltig platzen und aus Buchgewinnen werden reale Verluste. Dann werden auch die Reddit-Nutzer erkennen, dass ihr Sieg ein Pyrrhussieg war und sich vielleicht fragen, wer ihnen eigentlich damals die Aktien zu diesem ma&szlig;los &uuml;berteuerten Preis verkauft hat. <\/p><p><strong>BlackRock gewinnt immer<\/strong><\/p><p>Schon beim Goldrausch im amerikanischen Westen waren es nicht die Sch&uuml;rfer, die das ganz gro&szlig;e Geld gemacht haben, sondern die H&auml;ndler und Ausr&uuml;ster. Bei der ganzen Spekulation mit Leerverk&auml;ufen gibt es auch Marktteilnehmer, die immer gewinnen &ndash; egal ob bei steigenden oder fallenden Kursen. Und dies sind diejenigen, die gro&szlig;e Aktienpakete verwalten und sie gegen stattliche Geb&uuml;hren an die Leerverk&auml;ufer verleihen. Auch im Fall von Gamestop trifft dies vor allem auf einen alten Bekannten zu: BlackRock.<\/p><p>&Uuml;ber seine Indexfonds und ETFs verwaltet BlackRock mehr als 12% der Gamestop-Aktien und ist damit hinter dem Finanzkonzern Fidelity, der fast 14% der Aktien verwaltet, die Nummer Zwei unter den gr&ouml;&szlig;ten Einzelaktion&auml;ren. An Position Drei kommt &uuml;brigens gleich Vanguard, ein weiterer Gigant der Finanzbranche.  Zwar d&uuml;rfen BlackRock und Vanguard als Verwalter im Rahmen von Indexfonds nicht selbst mit den Aktien spekulieren. Ohne diese Giganten w&auml;ren jedoch auch Leerverk&auml;ufe nicht m&ouml;glich, da die Hedgefonds sich die Aktien, gegen die sie spekulieren, schlie&szlig;lich von jemandem leihen m&uuml;ssen, der sie tats&auml;chlich besitzt oder eben verwaltet. Und es ist ein offenes Geheimnis, dass BlackRock und Vanguard nur deshalb von ihren Kunden so vergleichsweise niedrige Geb&uuml;hren erheben k&ouml;nnen, weil eine ihrer Haupteinnahmequellen derartige Nebengesch&auml;fte mit Hedgefonds sind; Nebengesch&auml;fte wohlgemerkt, die solange eine Lizenz, Geld zu drucken, sind, wie es jemanden gibt, der die entstandenen Verluste der Hedgefonds absichert. Und dies ist auch in diesem Fall einmal mehr der Steuerzahler. Erst im letzten M&auml;rz <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/boerse\/2021-01\/gamestop-boersenhandel-aktie-gerhard-schick-hedgefonds\">hatten die Notenbanken<\/a> mit Milliarden US$ genau die Hedgefonds gerettet, die sich nun einmal mehr verspekuliert haben. So sichert der Staat nicht nur die Spekulation ab, sondern fungiert f&uuml;r BlackRock, Vanguard und Co. auch als eine Art &bdquo;Ausfallversicherer&ldquo; der letzten Instanz. Ohne diese Garantie des Steuerzahlers h&auml;tten BlackRock und Co. nicht die Gr&ouml;&szlig;e erreichen k&ouml;nnen, mit der sie jetzt den gesamten Konzernkapitalismus dominieren und kontrollieren.<\/p><p><strong>Die n&ouml;tigen Lehren werden wieder einmal nicht gezogen<\/strong><\/p><p>Nun diskutiert &bdquo;die Finanzwelt&ldquo; wie ein aufgeschreckter H&uuml;hnerhaufen &uuml;ber die Gamestop-Posse. Wie meist gehen die Vorschl&auml;ge, Forderungen und auch die Kritik jedoch in eine vollkommen falsche Richtung. So werden einmal mehr Rufe laut, Leerverk&auml;ufe doch am besten ganz zu verbieten. Warum? Wenn Spekulation auf steigende Kurse erlaubt ist, muss auch Spekulation auf fallende Kurse erlaubt sein; alleine schon um ein Korrektiv f&uuml;r betr&uuml;gerische Kursmanipulation nach oben zu bilden, wie der Fall Wirecard ja vortrefflich zeigt. Nicht Leerverk&auml;ufe, sondern die gesamte Spekulation am Aktienmarkt sollte endlich streng reguliert und entschleunigt werden &ndash; nach oben wie nach unten. Dazu sollte man endlich einmal grunds&auml;tzliche Fragen stellen. Welche Aufgaben hat der Aktienmarkt &uuml;berhaupt?<\/p><p>Gem&auml;&szlig; neoliberaler Dogmen dient der Aktienmarkt vor allem Unternehmen zur einfachen Allokation von Investorengeldern. Das ist nat&uuml;rlich ausgemachter Unfug. Nur bei B&ouml;rseng&auml;ngen oder Kapitalerh&ouml;hung flie&szlig;t den Unternehmen frisches Kapital von Investoren zu. Beim normalen B&ouml;rsenhandel verkauft ein Aktion&auml;r das Papier an einen anderen Aktion&auml;r. Dem Unternehmen flie&szlig;t dadurch kein einziger Cent zu. <\/p><p>Die zweite Aufgabe, die B&ouml;rsen allgemein zugeschrieben wird, ist die Funktion einer m&ouml;glichst effizienten Plattform zum Handel mit Aktien. Diese Funktion erf&uuml;llen sie zwar, jedoch nimmt der Anteil solcher normalen B&ouml;rsengesch&auml;fte heute nur noch einen Bruchteil der gesamten Trades ein. Das Gros des Handelsgeschehens ist reine Spekulation. Man kauft und verkauft Aktien, um kurzfristig von Kurs&auml;nderungen zu profitieren &ndash; das kann f&uuml;r den Zeithorizont einiger Wochen oder Tage sein; das kann aber auch beim nun auch bei den Hobbyspekulanten so beliebten Daytrading ein Zeithorizont von wenigen Stunden oder Minuten oder im Extremfall beim Hochfrequenzhandel gar ein Zeithorizont von ein paar Nanosekunden sein. Neoliberale verteidigen diese Spekulation &uuml;brigens damit, dass sie dem Markt Liquidit&auml;t verschafft und zu fairen Preisen f&uuml;hrt. Auch das ist Unsinn, wird die Liquidit&auml;t doch nur f&uuml;r solche Spekulationen ben&ouml;tigt und Beispiele wie Wirecard oder Gamestop zeigen, dass die M&auml;rkte dumm und faire Preise eine Wahnvorstellung sind.<\/p><p>Doch von all dem ist auch heute kaum die Rede. Selbst finanzmarktkritische Zeitgenossen freuen sich stattdessen, dass es nun die &bdquo;Amateure&ldquo; den &bdquo;Profis&ldquo; mal gezeigt h&auml;tten. Dass die Amateure letztlich auch den Preis zahlen werden und die eigentlichen Gewinner neben BlackRock und Co. offenbar Marktmanipulatoren sind, die ganz sicher nicht zu den Hobbyspekulanten und Amateuren geh&ouml;ren, bleibt lieber unerw&auml;hnt. Im Gegenteil: Es scheint fast so, als sei es erstrebenswert, dass nun Max Mustermann &uuml;ber die gleichen Tools verf&uuml;gt, um sich im B&ouml;rsencasino mit den Hedgefonds zu messen. Das ist falsch und vollkommen kontraproduktiv. Viel sinnvoller w&auml;re es, das Casino nicht nun auch f&uuml;r die Musterm&auml;nner dieser Welt zu &ouml;ffnen, sondern f&uuml;r alle zu schlie&szlig;en.<\/p><p>Das betrifft auch die nun hei&szlig; debattierten Apps und Neo-Broker, die Kleinanlegern erst die M&ouml;glichkeit geben, direkt und ohne gro&szlig;e direkte Geb&uuml;hren in Echtzeit an den B&ouml;rsen zu spekulieren. Gro&szlig; ist die Aufregung, dass diese Dienstleister zum H&ouml;hepunkt der Gamestop-Spekulation ihren Kunden den Erwerb der Aktie untersagt haben und dies offenbar zum Schutz der Hedgefonds geschah. Dies kann man kritisieren. Progressiver w&auml;re es jedoch, solche Dienstleistungen generell zu untersagen und gleichzeitig f&uuml;r eine strenge Regulierung der Hedgefonds einzutreten. Denn eines sollte klar sein: Die Finanzm&auml;rkte werden nicht besser, wenn m&ouml;glichst viele Teilnehmer im Casino mitspielen. Dies sollte die eigentliche Lektion aus der B&ouml;rsenposse rund um die Gamestop-Aktie sein. Warum f&uuml;hrt man beispielsweise keine Mindesthaltefristen ein, die f&uuml;r alle gelten? Macht die Spekulanten zu Investoren! Macht das Casino dicht!  <\/p><p>Titelbild: bluebay\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/83a582457f3b42c78a49c1e35a5a536b\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kleinanleger zwingen Hedgefonds in die Knie und bescheren ihnen Milliardenverluste. Was sich in zahlreichen Kommentierungen wie ein modernes Robin-Hood-M&auml;rchen anh&ouml;rt, hat jedoch mit dem klassischen Gut-und-B&ouml;se-Schema denkbar wenig zu tun. Die Gewinner der gr&ouml;&szlig;ten B&ouml;rsenposse dieses Jahres sind n&auml;mlich nicht die Hobbyspekulanten, f&uuml;r die sich ihr Erfolg &uuml;ber die Hedgefonds noch als Pyrrhussieg herausstellen wird,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69425\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":69426,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,136],"tags":[294,872,292,293,285,1006],"class_list":["post-69425","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-banken-boerse-spekulation","tag-aktienkurse","tag-blackrock","tag-finanzkasino","tag-finanzwirtschaft","tag-hedgefonds","tag-regulierung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/shutterstock_252511228.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/69425","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=69425"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/69425\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":69444,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/69425\/revisions\/69444"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/69426"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=69425"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=69425"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=69425"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}