{"id":69609,"date":"2021-02-08T11:00:22","date_gmt":"2021-02-08T10:00:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69609"},"modified":"2021-02-08T12:59:54","modified_gmt":"2021-02-08T11:59:54","slug":"gebrochene-fluegel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69609","title":{"rendered":"Gebrochene Fl\u00fcgel"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Burma ist wie ein Vogel, der gerade angefangen hat, das Fliegen zu lernen. Nun hat das Milit&auml;r ihm die Fl&uuml;gel gebrochen&ldquo;, meinte ein Student in Rangun gleich nach dem Putsch. Burmas Experiment mit einer Wahldemokratie ist am 1. Februar abrupt beendet worden. Nur wenige Stunden vor der Er&ouml;ffnungssitzung des neugew&auml;hlten Parlaments hat das Milit&auml;r die Kontrolle &uuml;ber das Land &uuml;bernommen, nachdem es in der Morgend&auml;mmerung in einer Razzia die De-facto-F&uuml;hrerin Aung San Suu Kyi, Pr&auml;sident Win Myint und andere Politiker festgenommen hatte. Von <strong>Marco Wenzel<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDabei kam es auch zu massiven Festnahmen aller wichtigen regionalen und nationalen Politiker sowie der obersten F&uuml;hrung der regierenden National League for Democracy (NLD). Auch hunderte von Pro-Demokratie- und Menschenrechtsaktivisten sowie K&uuml;nstler und Journalisten wurden verhaftet. &Uuml;ber ihren Verbleib ist zurzeit wenig bekannt, obwohl es scheint, dass die Lady, wie Aung Suu Kyi seit jenen finsteren Tagen genannt wird, in denen es verboten war, auch nur ihren Namen auszusprechen, in der Hauptstadt Naypyidaw unter Hausarrest steht. Es gibt weit verbreitete &Auml;ngste um ihre weitere Sicherheit und die der anderen Inhaftierten. Der Staatsstreich ist ein harter Schlag f&uuml;r Burma, dessen Grenzen infolge der Covid-Pandemie zu allen Nachbarl&auml;ndern geschlossen sind und das durch die Wirtschaftskrise und den R&uuml;ckgang der Tourismuseinnahmen geschw&auml;cht ist. <\/p><p>Die burmesische Armee tat an diesem Montag das, was sie am besten kann: einen Staatsstreich mit der Verh&auml;ngung des Ausnahmezustandes, die Verhaftung von Schl&uuml;sselfiguren der Regierung, die Entlassung von zivilen Ministern und die Stilllegung der Telefon- und Internetnetze, die Schlie&szlig;ung der Banken und des Flughafens sowie das Verh&auml;ngen einer n&auml;chtlichen Ausgangssperre. Der Putsch wurde in Europa, Japan, den Vereinigten Staaten, Australien und den asiatischen Nachbarl&auml;ndern einhellig verurteilt. <\/p><p>Alle TV-Kan&auml;le mit Ausnahme des vom Milit&auml;r gef&uuml;hrten Myawaddy TV sind am Montag abgeschaltet worden. Auf dem armeeeigenen Fernsehsender hat die Armee die Bildung einer &Uuml;bergangsregierung angek&uuml;ndigt, die vom derzeitigen Vizepr&auml;sidenten, dem ehemaligen General Myint Swe angef&uuml;hrt wird, der auch zum neuen Pr&auml;sidenten ernannt wurde, sowie die &Uuml;bertragung aller exekutiven, richterlichen und legislativen Befugnisse f&uuml;r die n&auml;chsten 12 Monate an den Oberbefehlshaber der Streitkr&auml;fte, Min Aung Hlaing. Danach soll es Neuwahlen geben, und die &Uuml;bergangsregierung w&uuml;rde die Macht an den Gewinner dieser Wahl &uuml;bergeben.<\/p><p>In Burma war es bis zum Samstag ziemlich ruhig geblieben. In Myanmar herrscht &ouml;ffentliche Verwirrung, Unsicherheit und Ungewissheit. Nur in Rangun gab es am Montag einige sporadische Kundgebungen. Dies liegt zum Teil daran, dass die F&uuml;hrung der NLD und viele der pro-demokratischen Aktivisten in Haft sind. Das Volk wartet erst einmal ab. Es kennt die Brutalit&auml;t des Milit&auml;rs nur zu genau und wei&szlig;, dass einzelne, ungeplante lokale Aufst&auml;nde sofort blutig niedergeschlagen werden. Aber im Untergrund g&auml;rt es und der Widerstand w&auml;chst, worauf wir weiter unten nochmals zur&uuml;ckkommen wollen. <\/p><p><strong>Die Wahlen vom 8. November 2020<\/strong><\/p><p>&hellip; endeten mit einem haushohen Sieg der Regierungspartei NLD von Aung San Suu Kyi. Ihr Wahlergebnis &uuml;bertraf sogar das der historischen Wahlen von 2015. Die NLD erhielt sie 396 der 476 Sitze im Parlament, die Partei des Milit&auml;rs, die Tatmadaw, die unter dem Namen Union for Solidarity and Development Party (USDP) antrat, erlitt eine vernichtende Wahlschlappe. Sie musste sich mit 33 Sitzen begn&uuml;gen. Hinzu kommen noch zus&auml;tzlich 25 Prozent der Sitze, die automatisch f&uuml;r die Armee reserviert sind. Die NLD hatte die Wahlen mit 83% der Stimmen gewonnen und erwartete, Suu Kyis De-facto-Pr&auml;sidentschaft um weitere f&uuml;nf Jahre zu verl&auml;ngern. Das aber wollten die Milit&auml;rs nicht hinnehmen. <\/p><p>Das Milit&auml;r behauptete nun, die Wahlen seien von Unregelm&auml;&szlig;igkeiten durchsetzt gewesen und sie h&auml;tten mehr als 10 Millionen F&auml;lle von Wahlbetrug aufgedeckt. In einer Erkl&auml;rung beklagte das Milit&auml;r das Versagen der von der Regierung bestellten Wahlkommission, ihren Beschwerden &uuml;ber die W&auml;hlerlisten nachzugehen, und die Weigerung der Kommission, die anstehenden Parlamentssitzungen zu verschieben.<\/p><p>Die offizielle Erkl&auml;rung f&uuml;r den Putsch der Tatmadaw bezieht sich somit haupts&auml;chlich auf Unregelm&auml;&szlig;igkeiten bei der Stimmausz&auml;hlung. Das Milit&auml;r fordert die Freigabe der W&auml;hlerlisten zur Gegenpr&uuml;fung. Nach Angaben des Milit&auml;rs seien mehr Menschen in den W&auml;hlerlisten registriert, als es Wahlberechtigte gibt. Es besteht kein Zweifel, dass der Wahlprozess fehlerhaft war. Aber obwohl lokale und internationale Beobachter sich einig waren, dass die Wahl schlecht durchgef&uuml;hrt wurde, glauben sie, dass das Ergebnis legitim war. Jedenfalls d&uuml;rften kaum Zweifel daran bestehen, dass die NLD die Wahlen haushoch gewonnen hat. Fast niemand in Burma hat die Partei des Milit&auml;rs gew&auml;hlt, die Menschen haben die Nase voll vom Milit&auml;r.<\/p><p>Die Tatmadaw w&auml;re im Gegenteil nun ihrerseits verpflichtet, Beweise f&uuml;r den angeblichen Betrug zu bringen, wenn ihre Behauptung glaubw&uuml;rdig sein soll. In Anbetracht der Tatsache, dass die Tatmadaw die Kontrolle &uuml;ber mehrere Schl&uuml;sselministerien und ein Viertel der Legislative innehat, war sie in der Lage, die NLD-Regierung unter Druck zu setzen, ohne auf einen Putsch zur&uuml;ckgreifen zu m&uuml;ssen. Die Frage der genauen Ausz&auml;hlung der Stimmen kann daher kein Grund f&uuml;r eine Macht&uuml;bernahme durch das Milit&auml;r sein.<\/p><p>Die Tatmadaw erkl&auml;rt dar&uuml;ber hinaus, der Coup sei verfassungskonform. In der Tat erlaubt die burmesische Verfassung laut Artikel 417 eine Macht&uuml;bernahme durch das Milit&auml;r im Falle eines Notstandes, wenn die Souver&auml;nit&auml;t Myanmars bedroht oder die nationale Solidarit&auml;t gef&auml;hrdet ist. Das sei der Fall, so die Armee.  Die Vers&auml;umnisse der Wahlkommission gef&auml;hrde die Souver&auml;nit&auml;t des Volkes und die Proteste zur Unterst&uuml;tzung von Wahlbetrugsvorw&uuml;rfen, die zum gr&ouml;&szlig;ten Teil vom Milit&auml;r selber angezettelt wurden, bedrohten die nationale Stabilit&auml;t.<\/p><p>Wenn das Milit&auml;r aber behauptet, die &Uuml;bernahme sei verfassungsgem&auml;&szlig;, so l&uuml;gt sie: Artikel 417 muss vom Pr&auml;sidenten in Absprache mit dem Nationalen Verteidigungs- und Sicherheitsrat (NDSC) angewandt werden. Der Abschnitt besagt: &ldquo;Der Pr&auml;sident kann nach Abstimmung mit dem Nationalen Verteidigungs- und Sicherheitsrat (NDSC) eine Verordnung erlassen und den Notstand ausrufen&rdquo;. <\/p><p>Der NDSC besteht aus dem Pr&auml;sidenten, zwei Vizepr&auml;sidenten, davon einer vom Milit&auml;r, den Sprechern der beiden H&auml;user, dem Au&szlig;enminister, dem Armeechef und seinem Stellvertreter und den drei vom Milit&auml;r ernannten Ministern (Verteidigung, Inneres und Grenzen), was dem Milit&auml;r bei einer Abstimmung die Mehrheit gibt. Aber die Behauptung der Armee, dass der NDSC den Ausnahmezustand gebilligt habe, ist fadenscheinig. An der Sitzung nahmen in Wirklichkeit nur die sechs Vertreter des Milit&auml;rs teil, die anderen hatte man verhaftet und die Sitzung wurde vom Vizepr&auml;sidenten geleitet. Der Vizepr&auml;sident kann den Pr&auml;sidenten aber nur im Falle seines R&uuml;cktritts, Todes, st&auml;ndiger Behinderung oder &bdquo;aus anderen Gr&uuml;nden&ldquo; vertreten. Aus der Tatsache, dass Win Myint von den Putschisten verhaftet worden war, ergibt sich nicht automatisch die Befugnis von Myint Swe als dessen Vertreter. Myint Swe wurde vom Milit&auml;r zum Vizepr&auml;sidenten des Landes ernannt und bat als ehemaliger General gehorsam, aber verfassungswidrig um die Verh&auml;ngung von Notstandsma&szlig;nahmen.<\/p><p>Der Putsch ist mitnichten verfassungsgem&auml;&szlig;, der Putsch ist verfassungswidrig und ein Verrat am Willen des Volkes.<\/p><p><strong>Ein angek&uuml;ndigter Milit&auml;rschlag<\/strong><\/p><p>Die Macht&uuml;bernahme durch die Armee erfolgte auf monatelange erh&ouml;hte Spannungen zwischen dem Milit&auml;r und der Regierung nach den Wahlen im November. Die Spannungen hatten sich in der Woche zuvor deutlich versch&auml;rft. Die Drohungen des Milit&auml;rs wurden in den Tagen vor dem Putsch immer unverhohlener. Die Bef&uuml;rchtungen f&uuml;r einen Milit&auml;rcoup wuchsen, nachdem der Chef der Armee, General Min Aung Hlaing, der m&auml;chtigste Mann in Myanmar, am Mittwoch in einer Videobotschaft sagte, dass die Verfassung des Landes unter bestimmten Umst&auml;nden widerrufen werden k&ouml;nnte.<\/p><p>&ldquo;Die Verfassung ist das Muttergesetz f&uuml;r alle Gesetze. Also m&uuml;ssen wir uns alle an die Verfassung halten. Wenn man sich nicht an das Gesetz h&auml;lt, muss dieses Gesetz widerrufen werden. Wenn es die Verfassung ist, muss die Verfassung widerrufen werden&rdquo;, sagte er in einer Rede vor hohen Offizieren. Die US-Botschaft, zusammen mit 16 L&auml;ndern, darunter die ehemalige Kolonialmacht Gro&szlig;britannien und die EU-Delegation, ver&ouml;ffentlichte daraufhin am Freitag, 29. Januar, eine Erkl&auml;rung, in der sie das Milit&auml;r aufforderte, &ldquo;demokratische Normen&rdquo; zu respektieren. Der Generalsekret&auml;r der Vereinten Nationen, Antonio Guterres, zeigte sich &ldquo;sehr besorgt&rdquo; &uuml;ber die j&uuml;ngsten Entwicklungen in Myanmar.<\/p><p>In Erwartung, dass die neu gew&auml;hlten Abgeordneten am 1. Februar ihre Arbeit im Parlament aufnehmen w&uuml;rden, wurden die Sicherheitsvorkehrungen in Naypyidaw am Freitag zuvor versch&auml;rft, die Polizei errichtete Absperrungen mit Z&auml;unen und Stacheldraht. Vor ihrer Verhaftung am fr&uuml;hen Morgen des 1. Februar gab Aung San Suu Kyi, in Vorahnung, was kommen w&uuml;rde, noch eine pr&auml;ventive Erkl&auml;rung ab, in der sie ihre Anh&auml;nger aufrief, &bdquo;keinen Putsch zu akzeptieren&rdquo; und friedlich gegen einen eventuellen Coup zu protestieren. <\/p><p>Die Milit&auml;rjunta hat bis jetzt weder ihre Pl&auml;ne f&uuml;r die Zeit ihrer Regierungs&uuml;bernahme umrissen noch ein Kabinett ernannt. Die Tatmadaw wird regieren, um die Wirtschaft zu sch&uuml;tzen, die Covid-Krise zu managen und den Friedensprozess abzuschlie&szlig;en, hei&szlig;t es in einer Erkl&auml;rung.<\/p><p><strong>Die ethnischen Minderheiten und die Rohingyas<\/strong><\/p><p>Die Parlamentswahlen hatten einen Makel: Die Wahlkommission hatte entschieden, in einigen von ethnischen Minderheiten dominierten Konfliktregionen erst gar nicht w&auml;hlen zu lassen. Rund 1,5 Millionen Menschen waren dadurch vom demokratischen Prozess ausgeschlossen. Das Mandat der NLD wurde &uuml;berwiegend von den Bamar-Burmesen, der ethnischen Mehrheitsbev&ouml;lkerung des Vielv&ouml;lkerstaats, der Aung San Suu Kyi selbst angeh&ouml;rt, best&auml;tigt.<\/p><p>Es sei hier aber vorausgeschickt, h&auml;tten die ethnischen Minderheiten an der Wahl teilnehmen k&ouml;nnen, so h&auml;tten wahrscheinlich ihre Parteien der NLDC einige Stimmen wegnehmen k&ouml;nnen, aber wohl kaum ein Angeh&ouml;riger der Karen, Shan, Mon, Kachin oder Rohingya h&auml;tte f&uuml;r die Milit&auml;rs gestimmt. Denn mit dem Milit&auml;r haben sie sich jahrzehntelange K&auml;mpfe geliefert, das Milit&auml;r hat ihre D&ouml;rfer in Brand gesteckt, ihre Frauen vergewaltigt und ihre V&ouml;lker gemordet. Die ethnischen Minderheiten in Burma waren seit der Unabh&auml;ngigkeit Burmas massiven Menschenrechtsverletzungen durch das Milit&auml;r ausgesetzt. Seit der Unabh&auml;ngigkeit kam es st&auml;ndig zu Sezessionskriegen, vor allem im Norden und Osten des Landes. <\/p><p>Wir wollen hier nicht n&auml;her auf die jahrzehntelangen K&auml;mpfe zwischen der burmesischen Armee und den ethnischen Minderheiten eingehen, das w&uuml;rde den Rahmen dieses Beitrages bei weitem sprengen. Eine kleine Skizzierung sei aber angebracht. <\/p><p>Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bek&auml;mpft die Armee die Volksgruppe der Karen, die sich vorwiegend an der Grenze zu Thailand angesiedelt haben und denen urspr&uuml;nglich einmal die Unabh&auml;ngigkeit zugesichert worden war. Seit Mitte der 1970er Jahre drangen die Milit&auml;rs jedes Jahr zum Ende der Regenzeit in ihre Gebiete ein, ermordeten und vertrieben die Menschen und steckten ihre H&auml;user und Felder in Brand. Die Karen kehrten am Anfang der Regenzeit wieder in die unwegsamen Gebiete zur&uuml;ck. Die Karen sind meist christlichen Glaubens. Etwa 400.000 Karen sind vor dem Milit&auml;r nach Thailand geflohen, wo sie heute noch leben.  Erst seit 2012 gilt ein Waffenstillstand.<\/p><p>Das Volk der Shan lebt im Osten Burmas an der chinesischen Grenze. Auch ihnen war nach dem Zweiten Weltkrieg die Unabh&auml;ngigkeit versprochen worden. 1952 besetzte die Armee das Gebiet und schloss einen Handel mit der Shan State Army, aus der sp&auml;ter die Shan United Army (SUA) des Drogenbarons Khun Sa hervorging. Die SUA bek&auml;mpfte zusammen mit dem burmesischen Milit&auml;r die Aufst&auml;ndischen und durfte daf&uuml;r unbehelligt ihre Heroinlabore im Goldenen Dreieck an der Thail&auml;ndisch-Laotisch-Burmesischen Grenze betreiben. Sie betrieben dort professionelle Heroinfabriken und heuerten promovierte Chemiker an, denn die Herstellung von sehr reinem Heroin ist eine im wahrsten Sinn des Wortes explosive Angelegenheit.  Das Heroin aus dem Goldenen Dreieck galt unter den S&uuml;chtigen als besonders rein und wurde in die ganze Welt verkauft. Die Hafenst&auml;dte Bangkok und Saigon waren Hauptumschlagpl&auml;tze f&uuml;r Heroin. Ende 2011 kam es zu einem Friedensvertrag mit der burmesischen Armee. In den letzten beiden Jahrzehnten ist die Drogenproduktion von Heroin auf Amphetamin umgestiegen. Die Herstellung von Amphetaminen ist nicht von der Opiumernte abh&auml;ngig. In den unauffindbaren Dschungelgebieten des Goldenen Dreiecks werden Amphetaminpillen (YA BA) tonnenweise hergestellt und &uuml;berschwemmen den internationalen Markt. In Thailand sind sie zur Plage geworden. Und die Milit&auml;rs verdienen weiter mit. <\/p><p>Die muslimischen Rohingyas wohnen im Rakhaing-Staat an der Grenze zu Bangladesch, wo sie eine Minderheit darstellen. Die Mehrheit der dortigen Bewohner sind burmesische Arakanesen.  Die Beziehung zwischen den Burmesen und den Rohingyas verschlechterte sich seit Oktober 2016, nachdem die Tatmadaw brutal auf Angriffe von militanten Rohingya-Muslimen reagierte und &uuml;ber 800.000 Zivilisten nach Bangladesch vertrieb. Offiziell bek&auml;mpft die Armee in Rakhaing muslimische Terroristen, von denen es dort auch mit Sicherheit welche gibt. Es wurden buddhistische Tempel zerst&ouml;rt und M&ouml;nche ermordet, was zu erheblichen Spannungen zwischen den Arakanesen und den Rohingyas f&uuml;hrte. Die Mehrheit der Rohingyas aber sind friedliche Menschen. Sie geh&ouml;ren zu den &Auml;rmsten der Armen, was in Burma etwas hei&szlig;en will, in einem Land, in dem sich Millionen von Menschen kaum selbst ern&auml;hren k&ouml;nnen.<\/p><p>Es sollte auch nicht vergessen werden, dass der hohe buddhistische Klerus in Burma sehr nationalistisch ist und sich vom Milit&auml;r, dessen Gener&auml;le sich gerne als gute Buddhisten nach au&szlig;en zeigen wollen, stets reich beschenken l&auml;sst. Die Rohingyas galten in Rakhaing immer als Menschen zweiter Klasse. Wer die burmesische Armee kennt, wei&szlig;, dass sie nicht zimperlich ist, was ihre Methoden der Unterdr&uuml;ckung von Minderheiten anbelangt. So geht mit Sicherheit der L&ouml;wenanteil der Schuld an den Massakern in Rakhaing auf die burmesische Armee und die Milizen der Arakan zur&uuml;ck. <\/p><p>Nachdem Gambia im Namen der Organisation f&uuml;r islamische Zusammenarbeit wegen der Massaker in Rakhaing eine Klage gegen Burma vor dem IGH eingereicht hatte, verteidigte Au&szlig;enministerin Aung Suu Kyi in den Haag das Vorgehen des Milit&auml;rs als legitime Aktion gegen Terroristen, r&auml;umte aber ein, dass einzelne Aktionen des Milit&auml;rs wom&ouml;glich unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig gewesen sein k&ouml;nnten. Diese Aussagen ruinierten bei vielen Anh&auml;ngern der Friedensnobelpreistr&auml;gerin im Ausland ihren Ruf als unbeugsame Verfechterin der Menschenrechte. In Burma selber ist sie aber nach wie vor popul&auml;r und jetzt, nach dem Putsch, wahrscheinlich popul&auml;rer denn je. <\/p><p>Mit der &Uuml;bernahme der politischen Verantwortung unterlag Aung San Suu Kyi den Zw&auml;ngen der Realpolitik. In der Frage der Rohingyas haben die Milit&auml;rs das Volk auf ihrer Seite. Aung San Suu Kyi h&auml;tte, wenn sie sich auf die Seite der Rohingyas gestellt h&auml;tte, sich damit gegen die Mehrheit ihrer Landsleute gestellt. Man sollte ihr aber zugutehalten, dass es nicht Suu Kyi war, die die Befehle gab, die Rohingyas zu vertreiben und zu t&ouml;ten, und es lag auch nicht in ihrer Macht, das Milit&auml;r zu stoppen. <\/p><p>In der Entt&auml;uschung des Westens &uuml;ber die Stellungnahme von Suu Kyi &uuml;ber die Rohingyas liegt aber auch ein gro&szlig;er Teil von Selbstt&auml;uschung. Viele idealisierten den demokratischen Prozess in Burma, manche wollten der Wahrheit aber auch aus gesch&auml;ftlichen Interessen nicht in die Augen sehen.  Der liberale Westen h&auml;tte, statt Zeit und Millionen von Dollars zu verschwenden, schon nach einem kurzen Gespr&auml;ch mit jedem gew&ouml;hnlichen Menschen in Myanmar wissen k&ouml;nnen, dass die Tatmadaw sich nie &auml;nderte.<\/p><p>Das Milit&auml;r hat immer die politische Kontrolle behalten und die Staatsmacht nie abgegeben. Sie haben Suu Kyi an eine lange Leine gelegt. Jetzt versuchen sie, sie wieder an eine k&uuml;rzere Leine zu legen. Der Putsch vom Montag ist die Folge der Verfassung von 2008, die dem Milit&auml;r weiterhin erlaubt, die F&auml;den im Lande zu ziehen, ja, sie erlaubt es dem Milit&auml;r sogar, unter Umst&auml;nden, die es jetzt nach seinen Vorstellungen ausgelegt hat, ausdr&uuml;cklich die Macht zu &uuml;bernehmen. Suu Kyi selbst hat auf diese Verfassung ihren Eid ablegen m&uuml;ssen, um an die Macht zu kommen. Diese Verfassung reserviert 25% der Parlamentssitze f&uuml;r das Milit&auml;r, gibt ihm Vetorecht im Parlament und die Kontrolle &uuml;ber die drei m&auml;chtigen Ministerien f&uuml;r Inneres, Verteidigung und Grenzangelegenheiten. Myanmar wird sich nicht demokratisieren, solange das Milit&auml;r die Spielregeln kontrolliert. Die Verfassung von 2008 wurde entworfen, um die Vormachtstellung der Gener&auml;le auch nach Wahlen zu erhalten. <\/p><p><strong>MEC und MEHL, die Gelddruckmaschinen des Milit&auml;rs<\/strong><\/p><p>Nach dem Milit&auml;rputsch von Ne Win 1962 beschloss der &bdquo;Revolutionsrat&ldquo; (SLORC) 1963 die Verstaatlichung des Gro&szlig;- und Einzelhandels, der Banken und der Industrie. Die chinesische Kulturrevolution sollte auch auf Burma ausgedehnt werden. 1973 wurden rund 70 Unternehmen der Textil-, Nahrungsmittel- und Chemieindustrie verstaatlicht. Das burmesische Milit&auml;r wollte so den &bdquo;Sozialismus&ldquo; einf&uuml;hren. Unter Sozialismus verstand es die Verstaatlichung der Betriebe, und da das Milit&auml;r gleichzeitig auch den Staat kontrollierte, fanden sie den &bdquo;Sozialismus&ldquo; toll. <\/p><p>Nach dem Milit&auml;rputsch von 1988, als Reaktion auf eine neue Demokratiebewegung, sowie im Rahmen der Anfang der 2000er Jahre angestrebten &bdquo;Roadmap&ldquo; zur Demokratie wurden die Staatsbetriebe wieder privatisiert. Das Milit&auml;r sicherte sich die gr&ouml;&szlig;ten Brocken und behielt weiterhin die Kontrolle &uuml;ber Burmas Wirtschaft. <\/p><p>Min Aung Hlaing hat die h&ouml;chste Autorit&auml;t &uuml;ber die beiden Milit&auml;rkonglomerate Myanmars &ndash; Myanmar Economic Corporation (MEC) und Myanmar Economic Holdings Limited (MEHL). Und MEC und MEHL backen in Myanmar keine kleinen Br&ouml;tchen. Sie sind im Besitz des Milit&auml;rs und werden von der Tatmadaw gef&uuml;hrt. Ihre Einnahmen gehen auf das Konto des Milit&auml;rs. <\/p><p>MEC und MEHL sind unter anderem t&auml;tig in Myanmars Hafenaktivit&auml;ten, Containerdepots, im Immobiliengesch&auml;ft, im Bauwesen usw. Myanmar ist ein Land reich an Rohstoffen und einer der gr&ouml;&szlig;ten Produzenten von Edelsteinen, Halbedelsteinen und Jade. 90% der Rubine weltweit stammen aus Myanmar. Dazu noch Saphire und Gold. Auch Erd&ouml;l und Erdgas wird gef&ouml;rdert. MEC und MEHL sind die gr&ouml;&szlig;ten Unternehmen im Bergbau und haben ein Monopol auf den Edelsteinsektor des Landes. Zudem kontrolliert MEHL den burmesischen Biermarkt. Aber nicht nur die Gener&auml;le verdienen durch ihre Vormachtstellung in der burmesischen Wirtschaft, ihre Familienangeh&ouml;rigen verdienen kr&auml;ftig mit. <\/p><p>Hlaings Sohn verkauft Genehmigungen der Food and Drug Administration und vermittelt Importe sowie den Handel und die Vermarktung von Pharmazeutika und Medizintechnik. Er besitzt auch das Azura Beach Resort, das gr&ouml;&szlig;te in Burma. Dessen Frau ist ebenfalls im Gesch&auml;ft, u.a. als Direktorin der Nyein Chan Pyae Sone Manufacturing &amp; Trading Company. Seine Tochter ist Eigent&uuml;merin von Seventh Sense, einer Medienproduktionsfirma. Alle hochrangigen Milit&auml;rs sind an irgendwelchen Firmen beteiligt. Zudem kassieren sie bei allen R&uuml;stungsauftr&auml;gen Bestechungsgelder. <\/p><p>Die Union of Myanmar Economic Holdings Limited (abgek&uuml;rzt UMEHL &ndash; 2007 wurde das U von UMEHL gestrichen) wurde im Februar 1990 gegr&uuml;ndet. MEHL geh&ouml;rt auch die Myawaddy Bank und der Pensionsfonds des burmesischen Milit&auml;rs. In den 2000er Jahren wurden mehrere staatliche Unternehmen, darunter Zuckerfabriken, Transportgesellschaften und die 5 Stars Schifffahrtsgesellschaft unter die Kontrolle der MEHL und der MEC gestellt. 2007 besa&szlig; die MEHL siebenundsiebzig Firmen, neun Tochtergesellschaften und sieben verbundene Unternehmen. Ihre Aktien sind nur f&uuml;r Milit&auml;reinheiten, aktive und pensionierte Milit&auml;rs und Veteranengruppen erh&auml;ltlich und werfen seit 1995 einen Gewinn von 30% ab. MEHL ist von der Gewerbe- und Gewinnsteuer befreit. Durch seine Zugeh&ouml;rigkeit zum burmesischen Milit&auml;r hat MEHL exklusiven Zugang, um sich bevorzugte Vertr&auml;ge mit ausl&auml;ndischen Firmen zu sichern.<\/p><p>Die MEC wurde 1997 vom Milit&auml;r gegr&uuml;ndet, um die Schwerindustrie aufzubauen und damit dem burmesischen Milit&auml;r Zugang zu wichtigen Materialien (z.B. Zement und Kautschuk) zu verschaffen. Die MEC besitzt zahlreiche Fabriken, darunter 4 Stahlwerke, eine Bank, ein Zementwerk und hat ein Versicherungsmonopol.<\/p><p>Zu den Verflechtungen des burmesischen Milit&auml;rs mit der Wirtschaft m&ouml;chten wir hier auf den Artikel  von Richard S. Ehrlich in der Asia Times (<a href=\"https:\/\/asiatimes.com\/2021\/02\/following-the-money-behind-myanmars-coup\/?mc_cid=629ec988f4&amp;mc_eid=f072d9574c\">Following the money behind Myanmar&rsquo;s coup<\/a>, sowie auf den Beitrag <a href=\"https:\/\/www.justiceformyanmar.org\/stories\/who-profits-from-a-coup-the-power-and-greed-of-senior-general-min-aung-hlaing\">Who profits from a Coup? von justice for Burma<\/a>) hinweisen. &Uuml;ber <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Myanma_Economic_Holdings_Limited\">MEHL<\/a> und <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Myanmar_Economic_Corporation\">MEC<\/a> siehe Wikipedia.<\/p><p><strong>Der wirtschaftliche Hintergrund des Putsches<\/strong><\/p><p>Nach den offiziellen Erkl&auml;rungen des Milit&auml;rs liegt die Ursache des Putsches im Wahlbetrug. Aber das ist nur ein Vorwand, die wahren Ursachen liegen viel tiefer. Das Milit&auml;r f&uuml;rchtet um seine Einnahmequellen, und die sind gewaltig. Es geht um die wirtschaftliche Vormacht des Milit&auml;rs. Denn das Milit&auml;r ist, wie wir oben gesehen haben, in jedem Gesch&auml;ft in oder mit Burma mit von der Partie.<br>\nWeder MEC noch MEHL sind dem burmesischen Parlament rechenschaftspflichtig. Das aber h&auml;tte sich bald &auml;ndern k&ouml;nnen. Wenn die NLD in einer n&auml;chsten Amtsperiode den Demokratieprozess weiterf&uuml;hren kann, so riskiert das Milit&auml;r Untersuchungen seiner finanziellen Aktivit&auml;ten. Die enge Kontrolle, die Min Aung Hlaing, seine Familie und seine Milit&auml;rkameraden &uuml;ber die Wirtschaft haben, macht es schwer, ihre finanziellen Aktivit&auml;ten zu &uuml;berpr&uuml;fen. Bereits im Juni 2020 hatte die burmesische Regierung eine Untersuchung wegen Interessenkonflikten innerhalb der beiden &ouml;ffentlichen Agenturen, der Myanmar Port Authority und der Zollbeh&ouml;rde, eingeleitet, deren Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer bzw. Generaldirektor auch im Vorstand der MEHL sitzen. Die USA haben unter dem Global Magnitsky Human Rights Accountability Act Sanktionen gegen Min Aung Hlaing und drei weitere Milit&auml;rs wegen &Uuml;bergriffen gegen die Rohingya verh&auml;ngt und deren Verm&ouml;gen in den USA eingefroren. Gesch&auml;ftsbeziehungen mit ihnen sind damit in den USA strafrechtlich verboten.<\/p><p>Transparency International hat Myanmar in ihrem Korruptionswahrnehmungsindex immer wieder auf die Liste der L&auml;nder mit den meisten Verst&ouml;&szlig;en weltweit gesetzt. Von 183 L&auml;ndern steht Burma auf dem zweitletzten Platz. Zudem steht das Milit&auml;r im Verdacht, mit seinen Firmen die Menschenrechte und das V&ouml;lkerrecht verletzt zu haben. Der internationale Druck gegen das Milit&auml;r hat sich seit dem brutalen Vorgehen des Milit&auml;rs gegen die Rohingya-Minderheit verst&auml;rkt.<\/p><p>Das Milit&auml;r und sein Oberbefehlshaber haben jetzt die Flucht nach vorn angetreten und versuchen mit diesem Putsch, sich selbst, ihre Familien und ihre Milit&auml;rkollegen vor m&ouml;glichen Ermittlungen wegen umfangreichen, lukrativen Finanzgesch&auml;ften und undurchsichtigen wirtschaftlichen Beteiligungen und Korruption zu sch&uuml;tzen.  Sie versuchen, das Rad der Geschichte, auf dessen Kehrichthaufen sie schon l&auml;ngst geh&ouml;ren, anzuhalten. <\/p><p><strong>Internationale Reaktionen auf den Putsch<\/strong><\/p><p>Die UNO hat die Inhaftierung von Suu Kyi und wichtigen F&uuml;hrern verurteilt. Joe Biden hat den Putsch verurteilt. Die USA pr&uuml;fen gezielte Sanktionen von Personen und vom burmesischen Milit&auml;r kontrollierter Einrichtungen. US-Au&szlig;enminister Antony Blinken forderte die Milit&auml;rf&uuml;hrung Myanmars auf, &ldquo;diese Aktionen sofort r&uuml;ckg&auml;ngig zu machen&rdquo; und Suu Kyi und andere Inhaftierte sofort freizulassen. Man sch&auml;tzt, dass mindestens 150 Personen verhaftet wurden, in der Regel ohne Anklage. Zwei Tage nach dem Putsch wurde Strafanzeige gegen Suu Kyi erstattet wegen illegaler Einfuhr eines Sets von Walkie-Talkies, die ihre Leibgarde benutzt haben soll. <\/p><p>In Bangkok kam es bereits am Montag zu Zusammenst&ouml;&szlig;en zwischen der thail&auml;ndischen Polizei und Demonstranten bei einer Demonstration vor der Botschaft Myanmars, wo sich mindestens 200 Menschen versammelt hatten. Die Polizei nahm nach Angaben der thail&auml;ndischen Rechtsbeobachtungsgruppe iLaw drei Personen fest. In Tokio hielten am selben Tag hunderte von Demonstranten Portraits von Aung San Suu Kyi.<\/p><p>Unter Myanmars ASEAN-Nachbarn dr&uuml;ckte das Au&szlig;enministerium Singapurs &ldquo;ernste Besorgnis&rdquo; aus und sagte, dass es hoffe, dass sich die Situation f&uuml;r seinen &ldquo;engen Freund&rdquo; Myanmar so schnell wie m&ouml;glich wieder normalisieren werde. &ldquo;Wir erinnern an die Ziele und Prinzipien, die in der ASEAN-Charta verankert sind, einschlie&szlig;lich des Festhaltens an den Prinzipien der Demokratie, der Rechtsstaatlichkeit und der guten Regierungsf&uuml;hrung, der Achtung und des Schutzes der Menschenrechte und der Grundfreiheiten,&rdquo; hei&szlig;t es in der Erkl&auml;rung der ASEAN vom Dienstag. Und weiter: &ldquo;Wir bekr&auml;ftigen, dass die politische Stabilit&auml;t in den ASEAN-Mitgliedsstaaten wesentlich ist, um eine friedliche, stabile und wohlhabende ASEAN-Gemeinschaft zu erreichen.&ldquo; Die ASEAN will nun eine Dringlichkeitssitzung der Au&szlig;enminister einberufen, um &uuml;ber die Situation in Myanmar zu beraten.  <\/p><p>Indonesien forderte alle Parteien auf, die verfassungsm&auml;&szlig;ige Regierung zu respektieren und die Differenzen bei den Wahlen mit den &ldquo;verf&uuml;gbaren legalen Mechanismen&rdquo; zu l&ouml;sen, w&auml;hrend Malaysia dazu aufrief, dem Frieden, der Sicherheit und der Rechtsstaatlichkeit im Lande Priorit&auml;t einzur&auml;umen. Die Philippinen, Thailand und Kambodscha beschrieben die Entwicklungen als Teil der &ldquo;inneren Angelegenheiten&rdquo; Myanmars. Thailand ist wohlweislich sehr zur&uuml;ckhaltend, was eine Verurteilung des Putsches angeht. Wie k&ouml;nnte die thail&auml;ndische Milit&auml;rjunta auch im Nachbarland glaubw&uuml;rdig das verurteilen, was sie im eigenen Land regelm&auml;&szlig;ig selber, zuletzt 2014, gemacht hat? Der Putschist und derzeitige Premierminister Chan-Ocha hat die Beh&ouml;rden angewiesen, allen Gruppen zu verbieten, politische Aktivit&auml;ten entlang der thail&auml;ndisch-myanmarischen Grenze zu veranstalten. In Bangkok hat die Polizei ebenfalls Sicherheitsvorkehrungen um die Botschaft Myanmars getroffen.<\/p><p>Indien und Japan waren ebenfalls zur&uuml;ckhaltend in ihrer Kritik an dem Coup. Neu-Delhi &auml;u&szlig;erte &ldquo;tiefe Besorgnis&rdquo; und Tokio sagte, dass es &ldquo;glaubt, dass es f&uuml;r die Parteien wichtig ist, Probleme friedlich durch einen Dialog in &Uuml;bereinstimmung mit dem demokratischen Prozess zu l&ouml;sen.&rdquo;<\/p><p>China, als wichtigster Handelspartner Myanmars, rief leider lediglich alle Seiten dazu auf, &ldquo;die Differenzen zu l&ouml;sen&rdquo;. Der chinesische Au&szlig;enminister war letzten Monat noch auf Besuch in Myanmar. Es ist anzunehmen, dass China die Beziehungen mit der NLD-Regierung fortsetzen m&ouml;chte. Aber, seien wir ehrlich, man h&auml;tte von China eine deutlichere Stellungnahme erwarten k&ouml;nnen. <\/p><p>Australien hat inzwischen den burmesischen Botschafter vorgeladen. Vor wenigen Tagen wurde ein australischer Berater von Suu festgenommen. Man &auml;u&szlig;erte &ldquo;tiefe Besorgnis&rdquo; &uuml;ber willk&uuml;rliche Festnahmen von australischen und anderen ausl&auml;ndischen Staatsangeh&ouml;rigen in Burma. <\/p><p>Es bleibt abzuwarten, wie die ausl&auml;ndischen Investoren, die unter Suu Kyi ins Land kamen, reagieren werden. Ausl&auml;ndische Investoren k&ouml;nnten ihre Aktivit&auml;ten in Burma abbrechen und es Aung Hlaing erschweren, die Wirtschaft w&auml;hrend des Notstandsregimes &uuml;ber Wasser zu halten. Die japanische Bier- und Getr&auml;nkefirma Kirin Holdings steht wegen ihrer Beteiligung an zwei mit dem Milit&auml;r verbundenen Brauereien unter Druck. Das Unternehmen gab am Freitag bekannt, dass es seine Partnerschaft mit MEHL in der Myanmar Brewery und Mandalay Brewery als Reaktion auf den Putsch aufg&auml;be. Die rechtlichen Risiken f&uuml;r Firmen, die weiterhin mit dem Milit&auml;r in Myanmar Gesch&auml;fte machen, sind gro&szlig;, auch steht ihre Reputation auf dem Spiel. In Thailand stoppte Amata vor&uuml;bergehend seine Arbeit an der Entwicklung eines Industriegebietes in Myanmar im Wert von einer Mrd. Dollar aus Sorge, dass neue Sanktionen das Projekt f&uuml;r internationale Investoren tabu machen k&ouml;nnten. Suzuki Motor stoppte unterdessen seine beiden Autofabriken in Myanmar bis auf weiteres.<\/p><p><strong>Die Widerstandsbewegung beginnt sich zu formieren<\/strong><\/p><p>Suu Kyi ist in Myanmar immer noch ungeheuer popul&auml;r, obwohl sie in den vergangenen Jahren wegen ihrer Reaktion auf die Rohingya-Krise au&szlig;erhalb von Myanmar in Ungnade gefallen ist. Ihre Verhaftung hat in Myanmar gro&szlig;en Zorn auf die Putschisten hervorgerufen. <\/p><p>Wegen der Proteste gegen den Putsch hat die neue Milit&auml;rregierung zuerst Facebook und sp&auml;ter fast das gesamte Internet abschalten lassen. Suu Kyi aber hatte schon vor dem Putsch einen pr&auml;ventiven Aufruf an das Volk gerichtet, einen Putsch abzulehnen.<\/p><p>Nachdem zuerst Verwirrung und Ratlosigkeit in Burma herrschte, w&auml;chst jetzt der der Widerstand von Tag zu Tag. Nachdem am Samstag einige tausend Menschen in Rangun und Mandalay trotz Verbot auf die Stra&szlig;e gegangen waren und die Freilassung der Verhafteten gefordert haben, gingen am gestrigen Sonntag bereits mindestens 60.000 Menschen in Rangun auf die Stra&szlig;e. Viele Demonstranten hielten rote Ballons, trugen rote T-Shirts und Stirnb&auml;nder und hatten sich rote Schleifen angesteckt. Rot ist die Farbe der Partei von Aung San Suu Kyi. Die Demonstranten riefen &ldquo;Nieder mit der Milit&auml;rdiktatur!&rdquo; und &ldquo;Wir wollen keine Milit&auml;rdiktatur, wir wollen Demokratie&rdquo;.<\/p><p>Auch in Mandalay und Moulmein kam es zu Demonstrationen. Die Demonstrationen wurden von hupenden Autos und Motorr&auml;dern unterst&uuml;tzt. Jeden Abend ert&ouml;nt ein ohrenbet&auml;ubender L&auml;rm von Menschen im ganzen Land, die auf T&ouml;pfe und Pfannen schlagen, eine Praxis, die traditionell mit dem Vertreiben des B&ouml;sen in Verbindung gebracht wird. Wie vielf&auml;ltig die Aktionen des zivilen Ungehorsams noch werden k&ouml;nnen, haben wir nicht zuletzt bei der prodemokratischen Bewegung in Thailand gesehen. Auch in Burma zeigen die Gegner des Putsches den Dreifingergru&szlig;, der in Thailand popul&auml;r bei den Demonstranten geworden ist. Und auch in Burma scheint die Jugend bei den Protesten bereits eine herausragende Rolle eingenommen zu haben. Eine der folgenreichsten Ver&auml;nderungen in Myanmar war die Verbreitung der Telekommunikation. Die Menschen haben auch in Burma heutzutage Smartphones, &uuml;ber die sie sich informieren und koordinieren. Darum hat das Milit&auml;r nach dem Putsch zuerst die sozialen Medien und danach zeitweilig sogar das ganze Internet abgeschaltet. Vergebens, wie man bereits jetzt feststellen muss. <\/p><p>Sofort nach dem Putsch, bereits am Montag, hatte das medizinische Personal mit Protesten begonnen. Ihnen schlossen sich schon bald Studenten und Mitarbeiter aus den Betrieben an. Seit Freitag haben sich die Lehrerinnen und Lehrer der Kampagne zivilen Ungehorsams angeschlossen. Einige legten bereits die Arbeit nieder und weigerten sich, mit den Beh&ouml;rden zusammenzuarbeiten, es gab bereits eine Flut von R&uuml;cktritten von Regierungsposten.<\/p><p>Gestern demonstrierten einige hundert Menschen vor dem UNO-Geb&auml;ude in Bangkok. Auch vor vielen Botschaften Myanmars in zahlreichen L&auml;ndern fanden bereits Protestkundgebungen statt. In Myanmar nimmt der Widerstand gegen den Coup t&auml;glich zu. Das neue Regime versucht krampfhaft, irgendwie wieder Normalit&auml;t herzustellen und die Wirtschaft zu befrieden, w&auml;hrend gleichzeitig der zivile Ungehorsam w&auml;chst. Das Zentrale Exekutivkomitee der NLD gab eine Erkl&auml;rung heraus, in der es die gegenw&auml;rtige Bewegung des zivilen Ungehorsams gegen die illegale Machtergreifung der Armee unterst&uuml;tzt. <\/p><p>Ein F&uuml;hrer der 88er Studenten von damals, Min Ko Naing, der die meiste Zeit danach im Gef&auml;ngnis verbracht hat, rief zu einem Generalstreik auf, um das Land unregierbar zu machen. In einer Erkl&auml;rung an die Medien appellierte er an die &Ouml;ffentlichkeit, sich dem Milit&auml;r auf jede Weise zu widersetzen, indem alle Formen des zivilen Ungehorsams genutzt werden.<\/p><p>Am Donnerstag haben gew&auml;hlte Abgeordnete der NLD des neuen Parlaments w&auml;hrend eines Treffens in einem G&auml;stehaus die Er&ouml;ffnung eines eigenen Parlaments ausgerufen und unterzeichneten einen Amtseid.<\/p><p><strong>Ausblick<\/strong><\/p><p>Bislang sind die Beh&ouml;rden machtlos, weitere Zwangsma&szlig;nahmen w&uuml;rden die Situation eskalieren lassen. Am Ende bliebe nur noch ein erneutes Blutbad. Myanmar war einst eines der reichsten L&auml;nder in der Region. Nach 50 Jahren Milit&auml;rdiktatur ist es jetzt das &auml;rmste. Erst 2011, unter einer halb-zivilen Regierung, begannen politische und wirtschaftliche Reformen. Seither lebten die Menschen nicht mehr in t&auml;glicher Angst, wie unter der Milit&auml;rdiktatur. <\/p><p>Der Putsch im Lande hat Erinnerungen an die Niederschlagung demokratischer Aufst&auml;nde durch die vorherige Milit&auml;rregierung wachwerden lassen, an den Aufstand von 1988, bei dem tausende von pro-demokratischen Demonstranten get&ouml;tet wurden und an die Safran-Revolution 2007, die vom Milit&auml;r brutal niedergeschlagen wurde. Jedermann in Burma hat seine Erfahrungen mit dem Milit&auml;r gemacht, jeder wei&szlig;, was es bisher gemacht hat und wozu es f&auml;hig ist. <\/p><p>Seit dem 1. Februar steht Myanmar wieder am Anfang. Aber die Zeiten haben sich ge&auml;ndert. Eine neue Generation ist, wie im Nachbarland Thailand, herangewachsen und entwickelt neue Strategien des Widerstandes. Sie werden die Dinosaurier besiegen.  <\/p><p>Titelbild: kan Sangtong\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Burma ist wie ein Vogel, der gerade angefangen hat, das Fliegen zu lernen. Nun hat das Milit&auml;r ihm die Fl&uuml;gel gebrochen&ldquo;, meinte ein Student in Rangun gleich nach dem Putsch. Burmas Experiment mit einer Wahldemokratie ist am 1. Februar abrupt beendet worden. 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