{"id":6968,"date":"2010-10-06T09:59:57","date_gmt":"2010-10-06T07:59:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6968"},"modified":"2014-11-25T09:52:36","modified_gmt":"2014-11-25T08:52:36","slug":"wie-wir-durch-verschweigen-von-den-medien-manipuliert-werden-z-b-zu-deutschlands-verantwortung-fuer-die-wirtschaftskrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6968","title":{"rendered":"Wie wir durch Verschweigen von den Medien manipuliert werden: z. B. zu Deutschlands Verantwortung f\u00fcr die Wirtschaftskrise"},"content":{"rendered":"<p>Am 29.9. 2010 hat die Europ&auml;ische Kommission ein so genanntes Legislativpaket vorgelegt. Darin ist auch eine &bdquo;Neue Verordnung zur Vermeidung und Korrektur makro&ouml;konomischer Ungleichgewichte&ldquo; enthalten. Damit ist vor allem Deutschland und seine Verantwortung f&uuml;r die Krise des Euro-Raums gemeint. In den deutschen Medien kommt der Br&uuml;sseler Vorsto&szlig; nahezu nicht vor. Im einzelnen siehe unten Beispiel A. &Auml;hnlich ergeht es der Stellungnahme des IMK f&uuml;r den Deutschen Bundestag mit der Botschaft &bdquo;Sparkurs d&auml;mpft Konjunktur sp&uuml;rbar&ldquo;, die gestern ver&ouml;ffentlicht wurde. Nahezu keine Resonanz in den deutschen Medien. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\nDas war absehbar. Wenn den Medien die Richtung nicht passt, dann wird dar&uuml;ber nicht berichtet, auch wenn es sachlich richtig und notwendig w&auml;re, endlich in eine Diskussion dar&uuml;ber einzutreten, was Deutschland wirtschaftspolitisch und finanzpolitisch einbringen m&uuml;sste, damit die Ungleichgewichte in der Europ&auml;ischen Union und insbesondere in der W&auml;hrungsunion abgebaut werden. Wir haben es offensichtlich mit einem Kartell von wahrlich bornierter Wirtschaftswissenschaft, Bundesbankern und Medien zu tun.<\/p><p><strong>Hier im einzelnen ein paar relevante Informationen zu den beiden Beispielen:<\/strong><\/p><p><strong>Beispiel A:<\/strong><\/p><p>Bei Recherchen im Netz mithilfe von Google findet man ein paar wenige Beitr&auml;ge zur Ver&ouml;ffentlichung der Kommission vom 29.9.2010. Hier der Link zur Originalmeldung bei <a href=\"http:\/\/www.lexisnexis.de\/rechtsnews\/umfassende-reform-fuer-stabilitaet-und-wachstum-in-der-eu-europaeische-kommission-legt-legislativpaket-vor-188301\">LexisNexis<\/a>:<\/p><blockquote><p>&bdquo;<strong>Umfassende Reform f&uuml;r Stabilit&auml;t und Wachstum in der EU &ndash; Europ&auml;ische Kommission legt Legislativpaket vor<\/strong><\/p>\n<p>Die Europ&auml;ische Kommission hat am 29.09.2010 ein Legislativpaket angenommen, das auf die umfassendste Verst&auml;rkung der wirtschaftspolitischen Steuerung in der EU und im Euroraum seit Beginn der Wirtschafts- und W&auml;hrungsunion abzielt. Angestrebt wird nicht nur eine breitere und verbesserte &Uuml;berwachung der Haushaltspolitik, sondern auch der allgemeinen Wirtschafts- und Strukturreformpolitik.<\/p>\n<p>(&hellip;)<\/p>\n<p><strong>5. Neue Verordnung zur Vermeidung und Korrektur makro&ouml;konomischer Ungleichgewichte<\/strong><\/p>\n<p>Das Verfahren bei einem &uuml;berm&auml;&szlig;igen Ungleichgewicht (Excessive Imbalance Procedure, EIP) ist ein neuer Bestandteil des EU-Rahmens f&uuml;r die &Uuml;berwachung der Wirtschaftspolitik. Er umfasst eine regelm&auml;&szlig;ige Bewertung des Risikos von Ungleichgewichten anhand eines Satzes &ouml;konomischer Indikatoren. Ausgehend von dieser Bewertung kann die Kommission bei Mitgliedstaaten mit entsprechendem Risiko eine eingehende &Uuml;berpr&uuml;fung einleiten, bei der die urs&auml;chlichen Probleme ermittelt werden. Bestehen bei einem Mitgliedstaat schwerwiegende Ungleichgewichte oder Ungleichgewichte, die das ordnungsgem&auml;&szlig;e Funktionieren der WWU gef&auml;hrden, kann der Rat eine Empfehlung abgeben und das &ldquo;Verfahren bei einem &uuml;berm&auml;&szlig;igen Ungleichgewicht (EIP)&rdquo; einleiten.<br>\nIm Rahmen dieses Verfahrens m&uuml;sste der betreffende Mitgliedstaat einen Korrekturma&szlig;nahmenplan vorlegen, den der Rat bewertet und f&uuml;r den er eine Umsetzungsfrist festlegt. Vers&auml;umt es ein Mitgliedstaat wiederholt, Korrekturma&szlig;nahmen zu ergreifen, werden Sanktionen gegen ihn eingeleitet.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Dann gab es <a href=\"http:\/\/www.dowjones.de\/site\/2010\/09\/eu-kommission-will-stabilit%C3%A4ts-und-wachstumspakt-versch%C3%A4rfen.html\">hier noch eine Meldung<\/a>.<\/p><p>Und einen einzigen der Sache gerecht werdenden Kommentar in der Wiener Zeitung:<\/p><blockquote><p>&bdquo;<strong>Brisante Ideen f&uuml;r bessere Balance<\/strong><br>\n<em>Von Hermann Sileitsch<\/em><br>\nWie die Europ&auml;ische Kommission die Budgetdisziplin der EU- und Eurostaaten sicherstellen will, wurde ausgiebig kommentiert. Fast unbeachtet blieben Vorschl&auml;ge, die langfristig viel wichtiger sein werden. Die Eckdaten der EU- und Eurostaaten entwickeln sich n&auml;mlich seit Jahren massiv auseinander. Ob Finanzkraft, Wettbewerbsf&auml;higkeit, Zahlungs- und Handelsbilanz, Wachstum oder Arbeitslosigkeit &ndash; die Schere &ouml;ffnet sich krisenbedingt noch st&auml;rker als zuvor. In den &ldquo;makro&ouml;konomischen Ungleichgewichten&rdquo; steckt enorme Sprengkraft f&uuml;r die Wirtschafts- und W&auml;hrungsunion.<br>\nDie nun pr&auml;sentierten Ideen der Kommission sind reichlich vage, aber politisch h&ouml;chst brisant: Nicht nur Schuldens&uuml;nder sollen Strafzahlungen leisten m&uuml;ssen, sondern auch L&auml;nder, deren Wirtschaftsdaten aus der Balance geraten.<br>\nWas in dem Papier weder explizit erw&auml;hnt noch ausgeschlossen ist: Ein &ldquo;Verfahren bei einem &uuml;berm&auml;&szlig;igen Ungleichgewicht&rdquo; k&ouml;nnte auch die Exportst&auml;rke von L&auml;ndern wie Deutschland treffen, die sich aus Sicht anderer mit kargen L&ouml;hnen Vorteile verschafft haben (das gilt in geringerem Ma&szlig; auch f&uuml;r &Ouml;sterreich).<br>\nBr&uuml;ssel erhielte so einen Hebel, der bis in die Lohnpolitik reicht. Das ist politisch freilich kaum vorstellbar; erbitterter Widerstand gegen den Frontalangriff auf das deutsche Erfolgsmodell ist fix.&ldquo;<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.wienerzeitung.at\/app_support\/print.aspx?tabID=4152&amp;alias=wzo&amp;cob=520176&amp;mID=14498&amp;ModId=14498\">WienerZeitung<\/a><\/p><\/blockquote><p>Die Ignoranz der deutschen Medien ist bemerkenswert. Das gleiche gilt f&uuml;r den Umgang mit der Ver&ouml;ffentlichung des IMK\/Hans-B&ouml;ckler-Stiftung von gestern:<\/p><p><strong>Beispiel B:<\/strong><\/p><p><strong>Betreff: Pressemitteilung der Hans-B&ouml;ckler-Stiftung: IMK: Sparkurs d&auml;mpft Konjunktur sp&uuml;rbar<\/strong><\/p><p>Stellungnahme im Deutschen Bundestag<\/p><blockquote><p>&bdquo;<strong>IMK: Sparkurs d&auml;mpft Konjunktur sp&uuml;rbar<\/strong><\/p>\n<p>Der Sparkurs der Bundesregierung wird im kommenden Jahr die Konjunkturentwicklung in Deutschland sp&uuml;rbar d&auml;mpfen. Budgetk&uuml;rzungen, die Anhebung der Sozialversicherungsbeitr&auml;ge und das Auslaufen der Konjunkturprogramme summieren sich 2011 zu einem negativen fiskalischen Impuls von 0,7 Prozent oder knapp 18 Milliarden Euro. Diese Zahlen nennt das Institut f&uuml;r Makro&ouml;konomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-B&ouml;ckler-Stiftung in einer Stellungnahme zum geplanten Haushaltbegleitgesetz 2011. <\/p>\n<p>In den folgenden Jahren werde der negative Wachstumsimpuls kontinuierlich zunehmen, weil die Regierung ihre Haushaltspolitik an den Anforderungen der ab 2016 wirkenden &ldquo;Schuldenbremse&rdquo; ausrichte. Eine gef&auml;hrliche Zielsetzung, warnt das IMK: &ldquo;Das Einschwenken und die mittelfristige Verpflichtung der deutschen Finanzpolitik auf einen stark restriktiven Kurs ohne R&uuml;cksicht auf die zu erwartende konjunkturelle Lage stellt ein gro&szlig;es wachstums- und besch&auml;ftigungspolitisches Risiko dar&rdquo;, schreiben Prof. Dr. Gustav A. Horn und Dr. Achim Truger in ihrer Stellungnahme f&uuml;r den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages, die heute als IMK Policy Brief erscheint.*  <\/p>\n<p>Allzu schematische Konsolidierungsbem&uuml;hungen k&ouml;nnten ein &Uuml;bergreifen der derzeit vor allem vom Export getragenen wirtschaftlichen Erholung auf die Binnennachfrage und damit einen selbsttragenden Aufschwung verhindern. Dadurch erh&ouml;he sich das Risiko eines konjunkturellen R&uuml;ckschlags, &ldquo;&uuml;brigens auch mit kontraproduktiven Auswirkungen auf die Konsolidierung der &ouml;ffentlichen Haushalte.&rdquo;  <\/p>\n<p>Die Wissenschaftler erneuern in diesem Zusammenhang ihre Kritik an methodischen Schw&auml;chen der &ldquo;Schuldenbremse&rdquo;. Die scheinbar objektive Abgrenzung von konjunkturellen und strukturellen Defiziten sei unpr&auml;zise und intransparent. &ldquo;Dass die ge&auml;u&szlig;erten Einw&auml;nde gegen die Schuldenbremse keinesfalls akademisch-theoretischer Natur sind, sondern hohe Praxisrelevanz besitzen, war in den vergangenen Monaten auch f&uuml;r die &Ouml;ffentlichkeit bereits ersichtlich, als die zul&auml;ssigen `strukturellen&acute; Defizite (insbesondere das Startdefizit des Jahres 2010) mehrfach in Abh&auml;ngigkeit von der Konjunkturlage variierte&rdquo;, so das IMK. <\/p>\n<p><em>* Gustav Horn, Achim Truger: Haushaltsbegleitgesetz 2011: Die falsche Antwort auf die finanz- und steuerpolitischen Herausforderungen. IMK Policy Brief Oktober 2010. <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/p_imk_pb_3_2010.pdf\">Download [PDF &ndash; 63 KB ]<\/a><\/em>&rdquo;<\/p><\/blockquote><p><strong>Eine Recherche bei Google News ergab folgendes:<\/strong><br>\n<em>Ergebnisse 1 &ndash; 1 von ungef&auml;hr 1 f&uuml;r &ldquo;Hans-B&ouml;ckler-Stiftung IMK Sparkurs d&auml;mpft&rdquo;<\/em><\/p><p>Dass es gute Argumente daf&uuml;r gibt, den so genannten Sparkurs nicht fortzusetzen, interessiert die deutschen Medien nicht. Es passt nicht ins Konzept.<br>\nDas oben verlinkte PDF Dokument enth&auml;lt eine Zusammenfassung, deren Lekt&uuml;re empfohlen wird.<\/p><p>Zur Ver&ouml;ffentlichung des IMK w&auml;re kritisch anzumerken:<br>\nMit dem Gebrauch des Wortes &bdquo;Sparkurs&ldquo; macht sich das IMK den Sprachgebrauch der Bundesregierung, der einschl&auml;gigen Wissenschaft und Medien zu eigen. F&auml;lschlicherweise. Denn mit dem neuerlichen Einbruch der Konjunktur macht dieser so genannte Sparkurs seinen Erfolg selbst zunichte. Es ist kein Sparkurs. Es ist ein Sparversuchskurs.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 29.9. 2010 hat die Europ&auml;ische Kommission ein so genanntes Legislativpaket vorgelegt. Darin ist auch eine &bdquo;Neue Verordnung zur Vermeidung und Korrektur makro&ouml;konomischer Ungleichgewichte&ldquo; enthalten. Damit ist vor allem Deutschland und seine Verantwortung f&uuml;r die Krise des Euro-Raums gemeint. In den deutschen Medien kommt der Br&uuml;sseler Vorsto&szlig; nahezu nicht vor. Im einzelnen siehe unten Beispiel<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6968\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[50,12,183,30],"tags":[423,380,499,756,288],"class_list":["post-6968","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-finanzkrise","category-manipulation-des-monats","category-medienkritik","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-austeritaetspolitik","tag-export","tag-handelsbilanz","tag-imk","tag-prekaere-beschaeftigung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6968","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6968"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6968\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6970,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6968\/revisions\/6970"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6968"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6968"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6968"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}