{"id":69696,"date":"2021-02-10T12:07:22","date_gmt":"2021-02-10T11:07:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69696"},"modified":"2021-02-10T12:30:52","modified_gmt":"2021-02-10T11:30:52","slug":"ecuador-andres-arauz-triumph-in-erster-wahlrunde-signalisiert-das-ende-des-desasters-lenin-morenos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69696","title":{"rendered":"Ecuador \u2013 Andr\u00e9s Arauz\u2018 Triumph in erster Wahlrunde signalisiert das Ende des Desasters Lenin Morenos"},"content":{"rendered":"<p>Ecuador &ndash; Wiege von Alexander von Humboldts Ansichten der Natur, Chimborazo-Besteigung und Erforschung der planetarischen Geographie der Pflanzen. Seltene Naturpracht unter den Nationen, darunter auch die urweltlichen Gal&aacute;pagos-Inseln. Eine Anden-Szenerie, die j&auml;hrlich tausende deutsche Fernreisende und Wissenschafts-Touristen anzieht. Ein Bericht von unserem S&uuml;damerika-Korrespondenten <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nIm 283.560 Quadratkilometer gro&szlig;en, 17 Millionen Einwohner und 13 Millionen W&auml;hlerinnen und W&auml;hler z&auml;hlenden Andenland fanden am vergangenen Sonntag, dem 7. Februar, allgemeine Parlaments- und Pr&auml;sidentschaftswahlen statt. Doch man darf staunen: F&uuml;r die Wahl des Regierungschefs bewarben sich 16 Kandidaten, von denen indessen nur drei ernst zu nehmen waren: der progressive Wirtschaftswissenschaftler Andr&eacute;s Arauz, der ultrakonservative Bankier Guillermo Lasso und der Indigenenf&uuml;hrer Yaku P&eacute;rez. Mit Ansteckungsgefahr mitten in der Covid-19-Pandemie und einzelnen Tumulten wegen langer Warteschlangen vor den Wahllokalen erfreute die Stimmabgabe sich einer mehr als 60-prozentigen Wahlbeteiligung und wurde von rund 3.000 einheimischen und internationalen Wahlbeobachtern &ndash; darunter die konservative Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) &ndash; verfolgt.<\/p><p>Die Erwartungen wurden best&auml;tigt: Arauz, der gerade einmal 35-j&auml;hrige &Ouml;konom und mehrfache Ex-Minister in der Regierung Rafael Correa (2007-2017) ging als Sieger der Pr&auml;sidentschaftswahl hervor. W&auml;hlerumfragen beim Verlassen der Wahllokale hatten dem progressiven Kandidaten noch am sp&auml;ten Nachmittag rund 36 Prozent der Stimmen zugebilligt, doch nach der Stunden sp&auml;ter einsetzenden Schnellz&auml;hlung, die das Zwischenergebnis von rund 75 Prozent der landesweiten Wahllokale b&uuml;ndelte, verk&uuml;ndete die ecuadorianische Wahlbeh&ouml;rde CNE das offizielle Ergebnis. Mit 31,5 Prozent der abgegebenen Stimmen <a href=\"https:\/\/www.eluniverso.com\/noticias\/2021\/02\/07\/nota\/9617445\/resultados-elecciones-2021-ecuador-primera-vuelta-conteo\">gewann Arauz zwar die Wahl<\/a>, doch fehlten ihm weitere 8,5 Prozent, um mit 40 Prozent und einem zehnprozentigen Vorsprung gegen&uuml;ber dem Zweitplatzierten als Pr&auml;sident in der ersten Wahlrunde best&auml;tigt zu werden. Arauz muss sich folglich einer Stichwahl stellen, die f&uuml;r den 11. April terminiert ist. Doch wer von seinen beiden Rivalen der Herausforderer sein wird, steht noch nicht fest, denn Yaku P&eacute;rez (20,04 Prozent) h&auml;ngte &uuml;berraschenderweise den m&auml;chtigen Guillermo Lasso (19,97 Prozent) vorerst ab. Die minimale Differenz von 0,7 Prozent k&ouml;nnte nach Ausz&auml;hlung der restlichen 25 Prozent der Stimmen wachsen und einen von beiden ausschlie&szlig;en.<\/p><p>Das entscheidende Signal ist allerdings die Neubelebung des &bdquo;Correismus&ldquo;, womit die &Auml;ra Rafael Correa mit ihrer innen- und au&szlig;enpolitischen St&auml;rkung der nationalstaatlichen Souver&auml;nit&auml;t und der sozialdemokratisch gepr&auml;gten Umverteilungspolitik gemeint ist, die bereits 2017 mehrfach <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37106\">Thema der NachDenkSeiten<\/a>, insbesondere im Abschnitt <em>Ecuadors &acute;B&uuml;rger-Revolution&acute; in Zahlen<\/em>, war. Die Wiederbelebung der nach Correas Auswanderung nach Belgien im Jahr 2018 geschw&auml;chten Linken Ecuadors bedeutet zugleich eine klare politische Abrechnung mit dem einstigen G&uuml;nstling des Ex-Pr&auml;sidenten, Lenin Moreno. Zum weltweiten Erstaunen fiel Moreno seinem Vorg&auml;nger in den R&uuml;cken und vollzog als sein Nachfolger <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44935\">eine politische 180-Grad-Wende<\/a> mit einer h&uuml;ndisch anmutenden Neuallianz mit der US-Regierung Donald Trumps.<\/p><p>Vorzeitigen Grund zum Feiern sollte es indes nicht geben, das ist auch Arauz bewusst. Sein Wahlb&uuml;ndnis Uni&oacute;n por la Esperanza (Einheitsbewegung f&uuml;r die Hoffnung\/UNES) &ndash; angef&uuml;hrt von der ehemaligen Correa-Koalition Alianza Pa&iacute;s (B&uuml;ndnis f&uuml;r das Land), umgetauft in Revoluci&oacute;n Ciudadana (B&uuml;rger-Revolution) &ndash; musste sich unter Einbeziehung des Centro Democr&aacute;tico (Demokratisches Zentrum) ein paar Grad nach rechts &ouml;ffnen und verlor ein beachtliches St&uuml;ck seiner linken W&auml;hlerbasis an den Indigenenf&uuml;hrer Yaku P&eacute;rez.<\/p><p>Arauz&lsquo; Pr&auml;sidentschafts-Kandidatur war im August 2020 von UNES angek&uuml;ndigt worden, doch zun&auml;chst mit Rafael Correa als Arauz&lsquo; Vizepr&auml;sidentschafts-Kandidat. Wenige Wochen sp&auml;ter, Mitte September, wurde jedoch der Journalist und politische Berater Carlos Rabascall als Ersatz von Correa bekanntgegeben. Den Hintergrund bildete die im April 2020 von der ecuadorianischen Justiz verh&auml;ngte achtj&auml;hrige Haftstrafe gegen den in Belgien lebenden und wegen angeblicher Bestechung verurteilten Ex-Pr&auml;sidenten. Zudem, als sei es eine &bdquo;copy &amp; paste&ldquo;-Farce nach dem Vorbild der Kandidatur-Verhinderung Luis In&aacute;cio Lula da Silvas f&uuml;r die Pr&auml;sidentschaftswahlen von 2018 in Brasilien, wurde Correa in letztinstanzlicher Entscheidung zu lebensl&auml;nglicher Unw&auml;hlbarkeit verurteilt, die seine Teilnahme an der Arauz-Formel und an den Pr&auml;sidentschaftswahlen verhinderte.<\/p><p><strong>Der Banker und der umstrittene Indianerf&uuml;hrer<\/strong><\/p><p>Dass es wie im Fall Lula in Brasilien auch in der Justiz Ecuadors wegen zweierlei Ma&szlig; nicht mit rechten Dingen zugeht, verdeutlichen die dunklen Gesch&auml;fte und die Straflosigkeit Guillermo Lassos. Bis Ende der 1980er Jahre war der Unternehmer stellvertretender Generaldirektor von Coca Cola Ecuador. Im Jahr 1994 lie&szlig; er sich zum Vorsitzenden der Banco Guayaquil als drittgr&ouml;&szlig;ter Bank Ecuadors ernennen. In der Folge akquirierte Lasso mit dem Unternehmen Mavesa die exklusive Vertretung des japanischen Lkw-Herstellers Hino, die er 1999, mitten in der ecuadorianischen Finanzkrise, an den Markt abtrat, um mit den Erl&ouml;sen die Banco Guayaquil zu kapitalisieren. Im Mai 1997 erlie&szlig; Carlos Sol&oacute;rzano, Vorsitzender des Obersten Gerichtshofs Ecuadors, Haftbefehl gegen Lasso und Ana Luc&iacute;a Armijos, Pr&auml;sidentin des W&auml;hrungsausschusses, wegen angeblicher Rechtswidrigkeiten im Bankengesch&auml;ft. Nach Angaben der argentinischen <a href=\"https:\/\/www.pagina12.com.ar\/25889-lasso-el-magnate-de-las-offshore\">Tageszeitung <em>P&aacute;gina<\/em> 12 vom M&auml;rz 2017<\/a> gelang der Aufsichtsbeh&ouml;rde der Banken von Panama zehn Jahre sp&auml;ter der Nachweis, dass Guillermo Lasso 49 Offshore-Unternehmen in Steueroasen unterhielt und damit allein zwischen 1999 und 2000 ein illegales Verm&ouml;gen von 30 Millionen Dollar angeh&auml;uft hatte. Doch Lasso gelang es immer wieder, sich aus dem wortspielerischen <em>Lazo<\/em> der Justiz zu befreien und sich als Mitglied der rechtsradikalen katholischen Bruderschaft Opus Dei auf dem Markt der medialen Imagepflege als frommer Gottesdiener zu verkaufen.<\/p><p>Ganz im Kontrast zur gottgef&auml;lligen Gesch&auml;ftst&uuml;chtigkeit Lassos entspringt Yaku Sacha P&eacute;rez Guartambel &ndash; Jahrgang 1969, in Cachipucara, Landkreis Cuenca, geboren &ndash; dem Widerstand gegen umstrittene Regierungsprojekte und nicht gerade statthafte Gesch&auml;fte in der Gemeinde Tarqui. Eigentlich unter seinem Geburtsnamen Carlos bekannt, taufte P&eacute;rez 2018 sich selbst in Yaku (Wasser) und Sacha (Dschungel) um; ein indigenes Binomium, das seinen pers&ouml;nlichen Kampf symbolisieren sollte. P&eacute;rez hat einen Abschluss als Anwalt, wurde als solcher jedoch beim Nationalen Sekret&auml;r f&uuml;r Hochschulbildung, Wissenschaft und Technologie niemals eingetragen. Umso mehr wurden ihm weitere vier Aufbaustudieng&auml;nge in den Fachbereichen Wassereinzugsgebiets-Management, Umweltrecht, Indigene Justiz und Strafrecht anerkannt. Von 2013 bis 2019 amtierte Yaku Sacha P&eacute;rez als Vorsitzender der Konf&ouml;deration der V&ouml;lker der Kichwa-Ethnie (Ecuarunari), die mehrmals Demonstrationen gegen die Regierung Rafael Correa durchf&uuml;hrte. W&auml;hrend dieser Zeit wurde P&eacute;rez auch zum Pr&auml;sidenten der Andenkoordination indigener Organisationen und bei den Landtagswahlen 2019 zum Pr&auml;fekten von Azuay gew&auml;hlt. Er beteiligte sich als solcher an den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=55472\">Protestkundgebungen im Oktober 2019<\/a> gegen die Regierung Lenin Moreno, die im Generalstreik gipfelten. Ein Jahr sp&auml;ter wurde P&eacute;rez von der neugegr&uuml;ndeten Plurinationalen Einheitsbewegung Bewegung\/Neues Heimatland &ndash; bekannt als Pachakutik, ein Andenmythos, der die R&uuml;ckkehr der alten in der neuen Zeit bedeutet &ndash; als Pr&auml;sidentschaft-Kandidat ernannt.<\/p><p>Yaku P&eacute;rez machte sich einen Namen als wortgewandter F&uuml;hrer des indigenen Widerstands gegen Energie- und Infrastruktur-Projekte auf indianischem Land, insbesondere wasserverschmutzende und -vergeudende Bergbauprojekte. Wegen seiner Militanz erlebte der Indianersprecher zwischen 1995 und 2017, also vor und w&auml;hrend der Regierung Rafael Correa, mindestens ein halbes Dutzend Verhaftungen mit K&ouml;rperverletzungen. Allerdings stie&szlig;en die Aktionsformen &ndash; wie der Erst&uuml;rmungsversuch des Regierungspalastes Carandolet im Jahr 2015, um Pr&auml;sident Correa herauszufordern &ndash; auf scharfe Kritik der &Ouml;ffentlichkeit und hatten die Ausweisung von P&eacute;rez&lsquo; Freundin &ndash; der Franz&ouml;sin brasilianischer Herkunft Manuela Picq &ndash; zur Folge. Yaku P&eacute;rez beschimpfte Rafael Correa als &bdquo;Verr&auml;ter&ldquo;, weil der Ex-Pr&auml;sident ihm angeblich versprochen h&auml;tte, kein Bergbau-Projekt an Wasserquellen zu erlauben. Der Konflikt mit Correa veranlasste den Indigenenf&uuml;hrer allerdings zu einer mehr als fragw&uuml;rdigen politischen Handlung, als er w&auml;hrend der Pr&auml;sidentschaftswahl von 2017 den rechtsradikalen, korrupten Guillermo Lasso mit der Begr&uuml;ndung unterst&uuml;tzte, &bdquo;es ist richtiger, einen Bankier einer Diktatur vorzuziehen&ldquo;.<\/p><p>Trotz der brutalen und peinlichen Fehleinsch&auml;tzung von 2017 &ndash; die demokratische Regierung Rafael Correa war alles andere als eine &bdquo;Diktatur&ldquo; &ndash; entschied sich ein beachtlicher Teil der Linken f&uuml;r die Kandidatur P&eacute;rez&lsquo;.<\/p><p><strong>Lenin Morenos soziale Ruine und Arauz&lsquo; progressive Wiederaufbau-Visionen<\/strong><\/p><p>Genaugenommen badete Arauz die &uuml;ber zehn Jahre alte Fehde zwischen P&eacute;rez und Correa aus. Doch erlitt seine Wahlkampagne auch &uuml;belste Schl&auml;ge unter die G&uuml;rtellinie mit der medialen Verbreitung l&auml;cherlicher Fake News. So zum Beispiel, dass der linke Favorit von der kolumbianischen Guerilla-Organisation ELN &bdquo;finanziert&ldquo; und von Rafael Correa dazu angehalten worden sei oder dass &ndash; so behauptete ein gef&auml;lschtes Video &ndash; Correa und Arauz die <a href=\"https:\/\/www.pagina12.com.ar\/321276-elecciones-en-ecuador-se-intensifica-la-campana-sucia-contra\">W&auml;hler mit je 250 Dollar eingekauft<\/a> h&auml;tten.<\/p><p>Dem Optimisten Arauz, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit als Sieger aus der Stichwahl im kommenden April hervorgehen wird, stehen harte Zeiten bevor. Die n&auml;chste Regierung Ecuadors &uuml;bernimmt ein Land, dessen Wirtschaft im Jahr 2020 einen fast 9-prozentigen Einbruch des Bruttoinlandsproduktes (BIP) verzeichnete und das nur &uuml;ber sehr geringe Mittel verf&uuml;gt, um einen wirtschaftlichen Wiederaufbau zu wagen. Zur Covid-19-Pandemie paarte sich der seit 2014 anhaltende R&uuml;ckgang des &Ouml;lpreises, das wichtigste Exportprodukt des Landes, das etwa ein Drittel der &ouml;ffentlichen Einnahmen generiert, w&auml;hrend der Rest aus der Steuererhebung stammt. In seiner vierj&auml;hrigen Regierungszeit trieb Lenin Moreno die Staatsverschuldung auf die H&ouml;he von 70 Prozent des BIP, w&auml;hrend nach neuesten Sch&auml;tzungen des Internationalen W&auml;hrungsfonds (IWF) das Haushaltsdefizit 8 Prozent &uuml;bersteigt. Gewinnt Arauz, &uuml;bernimmt er au&szlig;erdem ein Land mit einem hohen Ma&szlig; an informeller Besch&auml;ftigung und Armut, was sich in der herrschenden globalen Wirtschaftskrise noch akuter auswirkte. Arauz muss auch Mittel ergreifen, um die Emigrationswelle zu stoppen, die nach j&uuml;ngsten Angaben der Vereinten Nationen (2019) <a href=\"https:\/\/datosmacro.expansion.com\/demografia\/migracion\/emigracion\/ecuador\">mindestens 1,2 Millionen Auswanderer<\/a>, also rund 6,8 Prozent der Bev&ouml;lkerung Ecuadors erfasst.<\/p><p>Lenin Morenos Hauptversagen war das Kreditabkommen vom Februar 2019 mit dem IWF in H&ouml;he von 4,2 Milliarden US-Dollar, genannt Expanded Service Agreement (SAF), mit drakonischen Richtlinien zur Ausgaben-Anpassung und Regelung der &ouml;ffentlichen Investitionen, die letztendlich die Mittelschicht und die Minderbemittelten hart traf. Im Rahmen der Verhandlungen mit dem IWF erlie&szlig; Moreno sodann eine Rahmenregelung, die ironischerweise &bdquo;Organisches Gesetz f&uuml;r produktive Entwicklung, Investitionsf&ouml;rderung, von Arbeitsplatzbeschaffung sowie Haushaltsstabilit&auml;t und -gleichgewicht&ldquo; hei&szlig;t. Ihr angebliches Ziel sah die Verringerung von Haushaltsdefizit und Staatsverschuldung vor, die als nationale Priorit&auml;ten festgelegt wurden. Die Ma&szlig;nahme st&uuml;rzte sodann breite Bev&ouml;lkerungsgruppen in Armut und Elend, griff jedoch gleichzeitig transnationalen Unternehmen, Banken und gro&szlig;en Wirtschaftsgruppen unter die Arme. N&auml;mlich mit dem Erlass von Zinsen, Geldbu&szlig;en und Zuschl&auml;gen f&uuml;r Verpflichtungen, deren Zahlung bei verschiedenen staatlichen Institutionen, wie der Steuerbeh&ouml;rde, anstanden. Im Klartext, die Regierung erlie&szlig; zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Gesetzes Gro&szlig;unternehmen &ndash; darunter vor allem &Ouml;lkonzernen und Banken &ndash; ohne Ber&uuml;cksichtigung von millionenschweren Zinsen, Steuerschulden in H&ouml;he von 4,291 Milliarden US-Dollar, die genau betrachtet, den IWF-Kredit zunichtemachten, oder anders formuliert: Der neoliberale, jedoch ver&auml;ngstigte Staat lie&szlig; sich die Schulden der Konzerne vom IWF quittieren.<\/p><p>&bdquo;Von Bankern, Medienkonzernen, dem christlich-sozialen Politiker Jaime Nebot und dem Paten der Korruption, Abdal&aacute; Bucaram, beraten, ignorierte Moreno die Politik, die w&auml;hrend der Regierung von Rafael Correa Stabilit&auml;t und Wirtschaftswachstum erzeugte&ldquo;, beklagt der Journalist Jorge Molina in seiner Bilanz mit dem Titel <a href=\"https:\/\/www.pressenza.com\/es\/2020\/09\/lenin-moreno-cronica-de-un-desastre\/\">&bdquo;Lenin Moreno, Chronik eines Desasters&ldquo;<\/a>. Zum Desaster geh&ouml;rte auch die Demontage der Arbeitsrechte und des sozialen Schutzsystems mit der Einf&uuml;hrung der nicht vertragsverpflichteten Teilzeitarbeit und der Abschaffung der Urlaubspflicht, ferner die Budgetk&uuml;rzung f&uuml;r 32 Universit&auml;ten und Fachhochschulen um mehr als 98,2 Millionen US-Dollar sowie die Abschaffung oder Privatisierung von 10 staatlichen Unternehmen.<\/p><p>Dagegen setzt Arauz einen wirtschaftlichen und sozialen Noteinsatzplan, der in einem nachhaltigen Entwicklungskonzept m&uuml;nden soll, in dem die teils harten, jedoch notwendigen Infrastruktur-Projekte aus der &Auml;ra Correa durch &bdquo;weichere&ldquo; Alternativen &ndash; von der Grundlagenforschung &uuml;ber Energiegewinnung bis hin zur Spitzentechnologie-Ausstattung &ndash; abgefedert werden sollen.<\/p><p>Indes erlebte Ecuador 2020 einen wirtschaftlichen Einbruch zwischen 9 Prozent und 12 Prozent, mit einer Verschuldung von rund 60 Prozent des BIP und einem Haushaltsdefizit von mehr als 6 Prozent.<\/p><p>Arauz&lsquo; antizyklischer Plan sieht umfangreiche &ouml;ffentliche Ausgaben und Ma&szlig;nahmen zur Entwicklungsf&ouml;rderung und dem Zugang zu produktiven Ressourcen vor. Im Plan ist au&szlig;erdem enthalten, den grassierenden unlauteren Wettbewerb einzuschr&auml;nken und Ver&auml;nderungen beim Verbraucherschutz, dem &ouml;ffentlichen Bankwesen sowie der Volks- und Solidarit&auml;tsfinanzierung einzuleiten. Gleichzeitig soll die Senkung der Zinss&auml;tze durchgesetzt, eine historische und progressive Steuerreform durchgef&uuml;hrt und Gro&szlig;verm&ouml;gen zur Kasse gebeten werden. Auch die R&uuml;ckf&uuml;hrung von Kapital soll gef&ouml;rdert und damit die Flucht in Fremdw&auml;hrungen vermieden werden.<\/p><p>Zu guter Letzt, Arauz&lsquo; Flaggschiff, das trotz der kritischen wirtschaftlichen Lage im Lande unmittelbar nach der Amts&uuml;bernahme den Einsatzbefehl erhalten soll: die Auszahlung einer <a href=\"https:\/\/elcomercio.pe\/mundo\/latinoamerica\/elecciones-ecuador-2021-quien-es-andres-arauz-el-candidato-mas-joven-a-la-presidencia-de-ecuador-perfil-noticia\/\">1.000-Dollar-Anleihe an eine Million Familien<\/a> zur Schuldenabtragung und Konsumf&ouml;rderung. Die Finanzfonds reagierten &bdquo;besorgt&ldquo;, doch die Armen Ecuadors freuten sich.<\/p><p>Es sollte klar sein, dass es sich dabei weder um eine demagogische Wohlfahrtsgeste noch um Almosenverteilung, sondern um einen &ndash; wenn auch nur begrenzten &ndash; staatlichen Schadensausgleich des von der Regierung Moreno inszenierten Desasters handelt.<\/p><p>Titelbild: Edgar Daniel Yanchapaxi\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ecuador &ndash; Wiege von Alexander von Humboldts Ansichten der Natur, Chimborazo-Besteigung und Erforschung der planetarischen Geographie der Pflanzen. Seltene Naturpracht unter den Nationen, darunter auch die urweltlichen Gal&aacute;pagos-Inseln. Eine Anden-Szenerie, die j&auml;hrlich tausende deutsche Fernreisende und Wissenschafts-Touristen anzieht. Ein Bericht von unserem S&uuml;damerika-Korrespondenten <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":69697,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[20,190,30],"tags":[1652,3026,1740,2876,2057,589,1151,2209,325,2220,255,2852],"class_list":["post-69696","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-landerberichte","category-wahlen","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-abwanderung","tag-arauz-andres","tag-arbeitsbedingungen","tag-correa-rafael","tag-ecuador","tag-iwf","tag-konjunkturpolitik","tag-moreno-lenin","tag-staatsschulden","tag-stichwahl","tag-wahlanalyse","tag-wirtschaftsdepression"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/shutterstock_1883565280.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/69696","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=69696"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/69696\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":69701,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/69696\/revisions\/69701"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/69697"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=69696"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=69696"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=69696"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}