{"id":69749,"date":"2021-02-12T08:58:55","date_gmt":"2021-02-12T07:58:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69749"},"modified":"2021-02-12T17:50:41","modified_gmt":"2021-02-12T16:50:41","slug":"unterm-hammer-rot-rot-gruen-treibt-den-ausverkauf-der-berliner-s-bahn-voran","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69749","title":{"rendered":"Unterm Hammer: Rot-Rot-Gr\u00fcn treibt den Ausverkauf der Berliner S-Bahn voran"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt geht es um die Wurst, also die Berliner S-Bahn &ndash; oder das, was sich an Profit aus ihr und den Steuerzahlern rauspressen l&auml;sst. Seit Donnerstag kennt der Senat die Namen der Bewerber, die in sechs Jahren die Zerschlagung des Gesamtbetriebs besorgen wollen. Die &Ouml;ffentlichkeit hat der Kandidatenkreis nicht zu interessieren, so wenig wie der weitere Prozess der Ausschreibung, der sich bis Herbst 2022 hinziehen soll. Auf halber Strecke wird in der Hauptstadt gew&auml;hlt und die LINKE als &bdquo;Privatisierungsgegner&ldquo; um Stimmen buhlen. Im Senat bereiten die Parteispitzen derweil eifrig den Ausverkauf vor. Muss ja keiner merken. Denkste, meint <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_246\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-69749-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210212_Unterm_Hammer_Rot_Rot_Gruen_treibt_den_Ausverkauf_der_Berliner_S_Bahn_voran_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210212_Unterm_Hammer_Rot_Rot_Gruen_treibt_den_Ausverkauf_der_Berliner_S_Bahn_voran_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210212_Unterm_Hammer_Rot_Rot_Gruen_treibt_den_Ausverkauf_der_Berliner_S_Bahn_voran_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210212_Unterm_Hammer_Rot_Rot_Gruen_treibt_den_Ausverkauf_der_Berliner_S_Bahn_voran_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=69749-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210212_Unterm_Hammer_Rot_Rot_Gruen_treibt_den_Ausverkauf_der_Berliner_S_Bahn_voran_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"210212_Unterm_Hammer_Rot_Rot_Gruen_treibt_den_Ausverkauf_der_Berliner_S_Bahn_voran_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Viele K&ouml;che verderben den Brei, hei&szlig;t es. Wo jeder seinen Senf dazugibt, kann nichts Genie&szlig;bares herauskommen. Und je mehr K&ouml;che Hand anlegen, desto gewisser ist das Verderben. Im Fall der Berliner S-Bahn r&uuml;hrt in ein paar Jahren vielleicht eine ganze Kompanie an K&uuml;chenchefs im gro&szlig;en Topf, der heute noch ein weitgehend einheitliches, integriertes Verkehrssystem ist. Nach dem Willen der Berliner Verkehrssenatorin Regine G&uuml;nther (Gr&uuml;ne) k&ouml;nnen es gar nicht genug Akteure sein, die ab 2027 bei Betrieb und Unterhaltung von Deutschlands gr&ouml;&szlig;tem S-Bahn-Netz mitmischen &ndash; von wegen &bdquo;effektiver Wettbewerb&ldquo; bei &bdquo;vern&uuml;nftigen Preisen&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.berlin.de\/rbmskzl\/aktuelles\/pressemitteilungen\/2020\/pressemitteilung.937881.php\">und &bdquo;dauerhaft guter Qualit&auml;t&ldquo;<\/a>.<\/p><p>Am gestrigen Donnerstag war Bewerbungsschluss. Bis zum 11. Februar, Punkt 12 Uhr, hatten Unternehmen aus ganz Europa Zeit, ihr Interesse an der Ausschreibung zur Vergabe des Fahrbetriebs f&uuml;r zwei Drittel  des Netzes sowie zur Beschaffung und Instandhaltung eines modernen Fuhrparks zu bekunden. Die Antragsfrist war davor schon zweimal verl&auml;ngert worden, zuletzt vor zwei Wochen. Ein &bdquo;&uuml;blicher Vorgang&ldquo;, wie die Senatspressestelle versicherte. Wer alles seinen Hut in den Ring geworfen hat, beh&auml;lt die Landesregierung freilich f&uuml;r sich. Gesch&auml;ftsgeheimnisse m&uuml;ssen gewahrt bleiben, wo es um (mindestens) acht Milliarden Euro Steuergeld geht. <\/p><p><strong>Gute Fahrt mit Hitachi<\/strong><\/p><p>So viel soll das Projekt planm&auml;&szlig;ig kosten, wird es aber nicht. Wenn sich der Staat private Investoren ins Boot holt, sind Kostenexplosionen ausgemacht. Anschauungsunterricht liefert in unsch&ouml;ner Regelm&auml;&szlig;igkeit das Bundesverkehrsministerium unter F&uuml;hrung von Andreas Scheuer (CSU). L&auml;sst der eine Autobahn in &ouml;ffentlich-privater Partnerschaft (&Ouml;PP) bauen, was er mit Vorliebe macht, wird die Sache <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=55104\">teurer und teurer<\/a>. Auch bei der Berliner S-Bahn wird mit &Ouml;PP operiert: Ein riesiger Fahrzeugpool von bis zu 2.160 Waggons soll auf diesem Wege beschafft werden. K&auml;ufer und auf dem Papier der Eigent&uuml;mer wird das Land Berlin sein, die Besitzrechte werden aber bei den privaten &bdquo;Partnern&ldquo; liegen.* Ihnen werden die Fahrzeuge f&uuml;r mindestens 30 Jahre zur Nutzung und &bdquo;Instandhaltung&ldquo; &uuml;berlassen. Wenn sie danach schrottreif sind, geh&ouml;ren sie Berlin dann auch ganz materiell. <\/p><p>Immerhin ahnen l&auml;sst sich, wer alles beim gro&szlig;en Reibach mitverdienen k&ouml;nnte. Da w&auml;ren etwa Hitachi, Skoda oder eine Europatochter der China Railway Rolling Stock Corporation (CRRC). Sie alle hatten schon 2019 bei einer Markterkundung ihre F&uuml;hler ausgestreckt. <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/mensch-metropole\/ausschreibung-der-superlative-das-rennen-um-die-s-bahn-hat-begonnen-li.136849\">Auf der Liste<\/a> tauchten daneben Siemens, Stadler, Bombardier, Alstom, CAF aus Spanien oder die Mass Transit Railway (MTR) aus Hongkong auf. Auff&auml;llig ist die H&auml;ufung an Eisenbahnbauern, w&auml;hrend bis auf die MTR kein klassischer Eisenbahnbetreiber darunter ist. Offenbar versprechen die Wagen die fette Rendite, weshalb sich um den Fahrbetrieb keiner rei&szlig;t. Wom&ouml;glich ist das auch der Grund f&uuml;r die Verz&ouml;gerungen. <\/p><p><strong>13 Akteure f&uuml;r ein Netz<\/strong><\/p><p>Denn nat&uuml;rlich braucht es wen, der die Z&uuml;ge k&uuml;nftig f&auml;hrt. Bisher erledigt das f&uuml;r das gesamte Netz die S-Bahn Berlin GmbH, eine Tochter der Deutschen Bahn AG. In sechs Jahren soll die aber nur noch die Ringbahn bedienen d&uuml;rfen. Die Teilnetze Nord-S&uuml;d und Stadtbahn k&ouml;nnten dann ein oder zwei Konkurrenten &uuml;bernehmen. Dazu k&auml;men mithin noch zwei weitere, die f&uuml;r die beiden Teilnetze die Fahrzeuginstandhaltung besorgen, jene also, die davor f&uuml;r den Bau beziehungsweise die Beschaffung der Wagen zust&auml;ndig waren. Der Internetblog &bdquo;Zukunft Mobilit&auml;t&ldquo; hat in <a href=\"https:\/\/www.zukunft-mobilitaet.net\/171299\/analyse\/zukunft-s-bahn-berlin-ausschreibung-alternativkonzepte-landeseigentum\/?highlight=s-bahn%20berlin%20\">einer Analyse<\/a> nicht weniger als zw&ouml;lf Akteure aufgez&auml;hlt, die k&uuml;nftig im Gesamtsystem S-Bahn Berlin zugange sein k&ouml;nnten. Neben den Genannten sind das die L&auml;nder Berlin und Brandenburg, der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg, eine l&auml;ndereigene Gesellschaft als Fahrzeugeigent&uuml;mer, die DB Netz als Netzbetreiber, die DB Station &amp; Service als Stationsbetreiber sowie die DB Energie als Energieanbieter. &Uuml;berdies k&ouml;nnte ein Beteiligter mehr auf den Plan treten, sofern auch noch ein gesonderter Vertriebsdienstleister installiert wird, wie man das aus anderen Bundesl&auml;ndern kennt. <\/p><p>In dem Fall schl&uuml;ge es dann wohl 13 und Zust&auml;nde wie die im Jahr 2009, als bei der Berliner S-Bahn gar nichts mehr ging, k&ouml;nnten zur Gewohnheit werden. Wobei die aktuelle Ausgangslage mit der von damals nicht vergleichbar ist. Bis zum S-Bahn-Chaos vor elf Jahren war der Betrieb technisch und personell auf Verschlei&szlig; gefahren worden, um die DB-Konzernmutter, sprich deren Bilanzen, f&uuml;r den geplanten B&ouml;rsengang aufzuh&uuml;bschen. Dagegen w&auml;re das absehbare Chaos in der Zukunft einem Wirrwarr an Zust&auml;ndigkeiten geschuldet, weil die Vielzahl an Anbietern eine Vielzahl an Schnittstellen im Betriebsablauf, Doppelstrukturen, Ineffizienzen und obendrein immense Transaktionskosten zur Folge h&auml;tte.<\/p><p><strong>Londoner Pleite-U-Bahn<\/strong><\/p><p>Als Menetekel mag das Schicksal der Londoner U-Bahn dienen. Die &bdquo;Tube&ldquo; war Anfang der 2000er Jahre in zwei Teile zerschlagen und teilprivatisiert worden. Die folgende Chaotisierung im Betrieb, der rasche Konkurs des Firmenkonsortiums Metronet sowie horrende Kostensteigerungen zwangen die Stadt schlie&szlig;lich zur vorfristigen Abwicklung des &Ouml;PP-Projekts und zum R&uuml;ckkauf der Anteile der zweiten Investorengruppe. Anschlie&szlig;end musste das niedergewirtschaftete System  auf Staatskosten viele Jahre lang <a href=\"https:\/\/www.mbi-mh.de\/2013\/01\/19\/die-londoner-u-bahn-verschwiegenes-paradebeispiel-desastroeser-ppp-projekte\/\">teuer saniert werden<\/a>. Dabei war dieses Desaster nur der kleine Bruder des noch viel verheerenden Ausverkaufs der britischen Eisenbahn, British Rail. Die war in der 1990er-Jahren in nicht weniger als 100 Unternehmen aufgespalten worden, was den Beginn des Einzugs von Investmentfonds in den Bahnverkehr markierte. <\/p><p>Aber solche Schrecken schrecken die politischen Macher in Berlin nicht. Wie bei der <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66803\">Berliner Schulbauoffensive (BSO)<\/a>, die finanziell bereits v&ouml;llig aus dem Ruder gelaufen ist, tun sie auch beim Thema S-Bahn so, als behielte der Staat beim Privatisieren die volle Kontrolle. Mehr noch, behaupten sie eisern, dass von Privatisierung gar nicht die Rede sein k&ouml;nne. Zum &bdquo;Beweis&ldquo; will der von SPD, LINKE und Gr&uuml;nen gestellte Senat per Gesetz eine &bdquo;Landesanstalt f&uuml;r Schienenfahrzeuge&ldquo; gr&uuml;nden, die f&uuml;r bis zu drei Milliarden Euro neue Waggons bestellen soll. Der Vizefraktionschef der Partei Die LINKE im Abgeordnetenhaus, Tobias Schulze, nannte das zuletzt &bdquo;Einstieg in die Kommunalisierung&ldquo;. Und Harald Moritz von der Gr&uuml;nen-Fraktion <a href=\"https:\/\/www.gemeingut.org\/s-bahn-berlin-privatisierung-mit-einer-anstalt-des-oeffentlichen-rechts\/\">bemerkte<\/a>: &bdquo;Wenn die S-Bahn-Z&uuml;ge der Stadt Berlin geh&ouml;ren, ist es Kommunalisierung. Was sonst?&ldquo; <\/p><p><strong>Senat gr&uuml;ndet Briefkastenfirma<\/strong><\/p><p>Tats&auml;chlich w&auml;re die geplante Anstalt &ouml;ffentlichen Rechts (A&ouml;R) kaum mehr als eine Briefkastenfirma, &auml;hnlich den 1999 teilprivatisierten Berliner Wasserbetrieben (BWB). Die waren auch eine A&ouml;R, deren Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung allerdings einem Konsortium aus RWE und Veolia &uuml;bergeben wurde. Das Debakel war erst 2013 nach einem gewonnenen Volksentscheid zu Ende. Davor hat man die Berlinerinnen und Berliner &uuml;ber ein Jahrzehnt lang mit &uuml;berteuertem Wasser abgespeist und den entstandenen Milliardenschaden musste die Allgemeinheit ausbaden. Die Umwandlung von einem ehemaligen landeseigenen Unternehmen in eine A&ouml;R war r&uuml;ckblickend sogar eine zentrale Vorarbeit der Privatisierung, woran sich der Senat nun bei der S-Bahn ein schlechtes Beispiel nimmt. <\/p><p>Nach dem Wortlaut der Gesetzesvorlage beschr&auml;nkt sich die fragliche &bdquo;Landesanstalt&ldquo; auf die &bdquo;Verwaltung und Nutzungs&uuml;berlassung des erworbenen Verm&ouml;gens an Dritte als Betreiber&ldquo; und weiter: &bdquo;Eine eigene aktive Bet&auml;tigung im Schienenpersonennahverkehr oder in der Durchf&uuml;hrung von Service- oder Werkstattleistungen f&uuml;r die Fahrzeuge findet nicht statt&ldquo;. Dieser Passus mache aus der A&ouml;R eine Verwaltungsstelle f&uuml;r die Privatisierung der S-Bahn und verbietet ihr sogar eine eigene T&auml;tigkeit&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.eine-s-bahn-fuer-alle.de\/\">findet Carl Wa&szlig;muth<\/a> vom Verein Gemeingut in B&uuml;rgerInnenhand (GiB), der als eine von etlichen Organisationen am B&uuml;ndnis &bdquo;Eine S-Bahn f&uuml;r alle&ldquo; beteiligt ist. Zu den Unterst&uuml;tzern geh&ouml;rt auch Die LINKE Neuk&ouml;lln. <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/395892.%C3%B6pp-projekt-schlechter-f%C3%BCr-besch%C3%A4ftigte-und-fahrg%C3%A4ste.html?sstr=jorinde\">Nach Meinung von Bezirksvorstandsmitglied Jorinde Schulz<\/a> w&auml;re die Landesanstalt eine &bdquo;blo&szlig;e &Ouml;PP-H&uuml;lle&ldquo;. Je nach Ausgang der Ausschreibung teilten am Ende &bdquo;schlimmstenfalls mehrere Betreiber den Betrieb des S-Bahn-Netzes unter sich auf (&hellip;), Chaos ist da programmiert&ldquo;. Investoren w&auml;ren nicht an der langfristigen Entwicklung des Netzes interessiert, &bdquo;sondern m&ouml;chten innerhalb der Auftragslaufzeit so viele Gewinne wie m&ouml;glich rausschlagen&ldquo;. <\/p><p><strong>Hoffen, Bangen und Mitmischen<\/strong><\/p><p>Immerhin hat sich das mittlerweile auch in der Landespartei herumgesprochen. Per Leitantrag hat die Berliner LINKE auf ihrem Parteitag Mitte Januar beschlossen, f&uuml;r eine &bdquo;Kommunalisierung der Berliner S-Bahn GmbH&ldquo; einzutreten, wof&uuml;r Verhandlungen mit der DB und der Bundesregierung &bdquo;schnellstm&ouml;glich&ldquo; starten m&uuml;ssten. Weiter <a href=\"https:\/\/dielinke.berlin\/lpt\/det\/news\/berlin-fuer-alle\/\">hei&szlig;t es<\/a>: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Eine Zerschlagung der S-Bahn und den Einzug weiterer privater Kapitalinteressen wollen wir im Sinne der Millionen Fahrg&auml;ste der Berliner S-Bahn und der Besch&auml;ftigten verhindern.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Wie die NachDenkSeiten <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61658\">hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=64136\">hier<\/a> berichteten, geben die Hauptstadtsozialisten bis dato ein ziemlich kl&auml;gliches Bild bei dem Thema ab. &Ouml;ffentlich warnen die Spitzen vor einer Zerschlagung der S-Bahn, unternehmen in der Regierungspraxis aber nichts, um den Gang der Ereignisse zu stoppen. Statt dessen bem&uuml;ht man das Prinzip Hoffnung und baut darauf, dass die S-Bahn Berlin GmbH bei der Ausschreibung als alleiniger Sieger hervorgeht und der Betrieb in einer Hand bleibt.  <\/p><p>Dabei ist es der ausdr&uuml;ckliche Wille der Verkehrssenatorin und das ganze Verfahren ist so angelegt, dass bei der Verlosung am Ende mehrere obsiegen. Kritiker bem&auml;ngeln denn auch ein intransparentes und hochgradig komplexes Prozedere. Ein Auszug aus dem dreiseitigen Dokument &bdquo;Vorgehensweise bei der Auswahl des wirtschaftlichsten Angebots&ldquo; mag dies veranschaulichen: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ist weder bei dem\/n Sieger\/n aus Schritt 3a, noch bei dem\/n Sieger\/n nach Schritt 3b die Beauftragung des Fachloses A in beiden Teillosen sichergestellt, so kommen allein Angebote f&uuml;r einen Zuschlag in Betracht, bei denen im jeweiligen Teillos die Beauftragung des Fachloses A erfolgen kann. Soweit sich nach Schritt 3a oder 3b ein Einzellosangebot auf das Fachlos B im Teillos durchgesetzt hat, in dem die Beauftragung des Fachloses A nicht m&ouml;glich ist, oder sich in Schritt 3b ein Kombinationsangebot auf beide Fachlose B durchgesetzt hat, k&ouml;nnen diese Angebote nicht ber&uuml;cksichtigt werden.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Selbstverbiegende &Ouml;kopazifisten<\/strong><\/p><p>Noch Fragen? Offenbar schon: Bei besagtem Parteitag der LINKEN hatten gleich sechs Bezirksverb&auml;nde und weitere Gliederungen <a href=\"https:\/\/dielinke.berlin\/fileadmin\/download\/2021\/0116\/a12neuneu.pdf\">einen Antrag<\/a> eingebracht, der eine Beratung &uuml;ber den Abbruch der Ausschreibung fordert. Die Landtagsfraktion solle alternativ &bdquo;ein Konzept f&uuml;r den Aufbau eines landeseigenen Unternehmens&ldquo; sowie &bdquo;f&uuml;r einen Einstieg der L&auml;nder Berlin und Brandenburg in die S-Bahn Berlin GmbH&ldquo; entwickeln.  Die Vorlage wurde in den Landesausschuss, zum &bdquo;kleinen Parteitag&ldquo;, verwiesen, der die Eingabe an diesem Wochenende behandelt. Auch innerhalb der SPD w&auml;chst der Widerstand. Bei ihrem Landesparteitag vom 31. Oktober 2020 pl&auml;dierten <a href=\"https:\/\/parteitag.spd.berlin\/app\/uploads\/LPT-I-2020-Antragsbuch-Komplett.pdf\">zwei Antr&auml;ge<\/a> f&uuml;r ein &bdquo;Nein zur Ausschreibung und Zerschlagung der S-Bahn&ldquo;. Zitat: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir wollen keine Privatisierung auf Kosten von Besch&auml;ftigten und Fahrg&auml;sten. Der S-Bahn-Betrieb muss aus einer Hand erfolgen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Selbst bei den Gr&uuml;nen im Bundestag vertritt man diese Position. In einem Fraktionsbeschluss vom 15. Dezember <a href=\"https:\/\/www.gruene-bundestag.de\/files\/beschluesse\/beschluss-bahn.pdf\">hei&szlig;t es dazu<\/a>: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Insbesondere die klassischen S-Bahn-Systeme in Berlin oder Hamburg sind extrem komplex und haben eigene, teilweise sehr spezielle Anforderungen. Nur f&uuml;r  solche Systeme sehen wir die M&ouml;glichkeit, den L&auml;ndern &uuml;ber eine Mehrheitsbeteiligung an den  ausf&uuml;hrenden Unternehmen die Direktvergaben zu erm&ouml;glichen, um bei diesen speziellen   Eisenbahnsystemen die Komplexit&auml;t zu reduzieren.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Zu ihrer Statthalterin im Roten Rathaus ist dieser Rat nicht durchgedrungen, was einmal mehr zeigt, welche Abgr&uuml;nde bisweilen (und immer &ouml;fter) zwischen Parteiprogrammatik und Realpolitik klaffen &ndash; gerade bei den sich selbstverbiegenden &Ouml;kopazifisten. <\/p><p>Und so l&auml;dt ausgerechnet Deutschlands &bdquo;einzige echte Klimapartei&ldquo; zum Festbankett f&uuml;r Banken, Finanzinvestoren und Hedgefonds nach Berlin. &Ouml;PP-Vertragsnehmer kann n&auml;mlich jeder werden, zum Beispiel JP Morgan, Goldman Sachs oder BlackRock. Oder unter dem Dach nur eines Konsortiums bereichern sich gleich zwei, drei oder vier Heuschrecken zusammen und haben einen Wagenbauer wie Bombardier oder Stadler als Subunternehmer im Gep&auml;ck. Womit wir wieder beim Brei und den vielen K&ouml;chen w&auml;ren. 13 k&ouml;nnten l&auml;ngst nicht reichen. Bauchweh garantiert.  <\/p><p>* Korrektur 12.02.2021, 12:45 Uhr: Im Zuge der Ersetzung des Begriffes &ldquo;Besitzer&rdquo; durch den juristisch korrekten Begriff &ldquo;Eigent&uuml;mer&rdquo; wurde der Satz leicht umformuliert.<\/p><p>Titelbild: ShutterStockStudio \/ Shutterstock<br>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/f8d84ea2ceb94ed8a77047f8c8ef1137\" alt=\"\" title=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt geht es um die Wurst, also die Berliner S-Bahn &ndash; oder das, was sich an Profit aus ihr und den Steuerzahlern rauspressen l&auml;sst. Seit Donnerstag kennt der Senat die Namen der Bewerber, die in sechs Jahren die Zerschlagung des Gesamtbetriebs besorgen wollen. Die &Ouml;ffentlichkeit hat der Kandidatenkreis nicht zu interessieren, so wenig wie der<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69749\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":69750,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,160,144,28,73],"tags":[1815,1192,1968,2129,469,246],"class_list":["post-69749","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-markt-und-staat","category-private-public-partnership","category-privatisierung","category-verkehrspolitik","tag-oepnv","tag-berlin","tag-briefkastenfirmen","tag-geheimhaltung","tag-grossbritannien","tag-linke-mehrheit"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/shutterstock_1826488001.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/69749","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=69749"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/69749\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":69790,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/69749\/revisions\/69790"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/69750"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=69749"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=69749"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=69749"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}