{"id":69893,"date":"2021-02-17T14:12:13","date_gmt":"2021-02-17T13:12:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69893"},"modified":"2021-02-17T15:05:12","modified_gmt":"2021-02-17T14:05:12","slug":"und-immer-wieder-russlandschmaehung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69893","title":{"rendered":"Und immer wieder Russlandschm\u00e4hung"},"content":{"rendered":"<p>F&uuml;r den aufgeschlossenen Mediennutzer stellt sich beim Stichwort &bdquo;Russland&ldquo; beinah tagt&auml;glich eine Frage: Was kann der Grund daf&uuml;r sein, dass deutsche Medienmacher mit vielen ihrer Beitr&auml;ge &uuml;ber den gro&szlig;en Nachbarn im Osten beim Publikum ein Gef&uuml;hl des Unbehagens bis hin zur Ablehnung Russlands erzeugen, erzeugen wollen? Ein Beispiel. Die Deutsche Welle produzierte j&uuml;ngst eine <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/moskaus-rasante-verkehrswende\/av-56470604\">kurze Reportage<\/a> aus Moskau, die einen zun&auml;chst staunen l&auml;sst und die Reaktion der Zustimmung und der Achtung hervorruft. Doch Misst&ouml;ne im Beitrag, mit einer latenten Arroganz versehen, die lassen nicht auf sich warten. V&ouml;lker verbinden, das f&uuml;hlt sich anders an. Den Autoren geht es wohl nicht darum und auch nicht um das russische Volk, findet <strong>Frank Blenz<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nBl&auml;ttert man die gro&szlig;en Zeitungen auf, Russland bekommt sein Fett weg. Schaltet man zum Beispiel Deutschlandfunk oder Deutschlandradio Kultur ein, dito. Der Fernseher sollte getrost ausgeschaltet bleiben, sobald es auf unseren gro&szlig;en Nachbarn zu sprechen kommt, ach ja, deutsche Journalisten sind eben keine Freunde Russlands, stellt man fest. Dennoch will es der lernwillige, geduldige Mediennutzer, B&uuml;rger, Bezahlender des &Ouml;ffentlich-Rechtlichen Rundfunks und Fernsehens immer wieder versuchen, Vertrauen zu einheimischen Medienmachern aufzubauen, so geschehen j&uuml;ngst mit der Schau auf eine Sende-Reihe namens &bdquo;Global 3000&ldquo;. Diese wird bei ARD-Alpha ausgestrahlt, produziert von der weltweit t&auml;tigen Medien-Institution &bdquo;Deutsche Welle&ldquo; (DW). Der Beitrag trug den Titel: &bdquo;Moskaus rasante Verkehrswende&ldquo;. Den Zuseher erfreuten zun&auml;chst die guten Nachrichten aus Russland, aus Moskau. Doch alles in allem &ndash; der Beitrag lie&szlig; einen einfach nur ver&auml;rgert zur&uuml;ck. <\/p><p>Der Beitrag &bdquo;Moskaus rasante Verkehrswende&ldquo; wird auf der Internetseite der Deutschen Welle mit diesen Worten eingeleitet: <\/p><blockquote><p>\n128 Stunden &ndash; so lange standen Autofahrer in Moskau 2019 durchschnittlich im Stau. Das soll sich &auml;ndern. Der B&uuml;rgermeister investiert massiv in moderne Technologien und in einen gr&uuml;nen, digital vernetzten &ouml;ffentlichen Nahverkehr. 500 E-Busse sind schon im Einsatz und die Metro wird im Rekordtempo ausgebaut. Doch viele B&uuml;rger protestieren gegen diese brachiale, von oben diktierte Mobilit&auml;tswende.\n<\/p><\/blockquote><p>Die Ank&uuml;ndigung zum Beitrag klingt interessant, doch der letzte Satz l&auml;sst indes ahnen, wohin der Hase laufen soll: Russland bekommt sein Fett weg. Im TV-Beitrag kommen Zitate vor, die die wohl eigentliche Intention der Autoren transportieren, nicht die technologische Leistung vielleicht gar zu w&uuml;rdigen. Nein, nicht das Engagement der gro&szlig;en Kommune Moskau, das Wirken f&uuml;r die Moskauer stehen im Vordergrund, nein, es ist Ablehnung. <\/p><p>Das geschieht mit derlei Zitaten:<\/p><blockquote><p>\nBei der PR sind sie schon mal Profis.<\/p>\n<p>Der E-BUS-Projektleiter &hellip; wei&szlig; die Vorteile anzupreisen.<\/p>\n<p>Viele Russen ziehen aus den armen Regionen in die reiche Millionenmetropole Moskau.<\/p>\n<p>Die Schnelligkeit des Moskauer Metrobaus &ndash; in europ&auml;ischen Demokratien w&auml;re das so wohl nicht m&ouml;glich.<\/p>\n<p>Weil Russland ein autorit&auml;res Regime ist, kann man viele Entscheidungen von oben einfach durchsetzen. <\/p>\n<p>Viele Staus, schlechte Luft &hellip;.\n<\/p><\/blockquote><p>Der Zuschauer erf&auml;hrt immerhin auch Erstaunliches: Binnen zehn Jahren hat sich die Kilometerzahl des Streckennetzes der Moskauer U-Bahn &bdquo;Metro&ldquo; verdoppelt, 145 neue Stationen (!) sind er&ouml;ffnet worden, 44 weitere folgen bis 2024. Das &ouml;ffentliche Verkehrsmittel Bus besteht mittlerweile unter anderem aus einer Flotte von 500 E-Fahrzeugen. Ein halbes Dutzend Anbieter von Autos, die man teilen, auf englisch per Car-Sharing nutzen kann, h&auml;lt eine Armada von 26.000 PKW parat, es ist die gr&ouml;&szlig;te in Europa (ja, Russland geh&ouml;rt zu Europa bis zum Ural). Das ist f&uuml;r den Zuschauer wie mich erfreulich und Respekt ausl&ouml;send. Moskau ist eine wachsende Stadt, eine des 21. Jahrhunderts und eine, in die mehr und mehr Menschen ziehen, wie das weltweit in vielen Metropolen der Fall ist. Dass die entsprechenden Bedingungen f&uuml;r diese wachsende Zahl an Moskovitern zu schaffen sind, dies gerade auch infrastrukturell, zeigt der Beitrag. <\/p><p>Als Deutscher kommt man dabei nicht umhin zu schmunzeln, dass hierzulande f&uuml;r den Bau eines Hauptstadtflughafens zig Jahre vergehen, dass in Berlin f&uuml;r eine U-Bahnlinie entlang der sch&ouml;nsten Stra&szlig;e &bdquo;Unter den Linden&ldquo; ebenfalls &uuml;berdimensional lange &bdquo;gebraucht&ldquo; wird. Und beide Geschichten in Berlin sind immer noch nicht zu Ende geschrieben. In Moskau verdoppelt sich dagegen der Umfang an Kilometern &ouml;ffentlichen Nahverkehrs binnen weniger Jahre. Das jedoch wei&szlig; die &bdquo;Deutsche Welle&ldquo; zu kritisieren. Der st&auml;ndig arrogant wirkende Unterton des Sprechers macht das gute Gef&uuml;hl ob der Leistung in Moskau madig. <\/p><p>Schlie&szlig;lich haben die Autoren des Beitrages aus Moskau auch besondere Vorstellungen von Menge, von &bdquo;vielen B&uuml;rgern&ldquo;:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Doch viele B&uuml;rger protestieren gegen diese brachiale, von oben diktierte Mobilit&auml;tswende.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Im Film kommt eine B&uuml;rgerinitiative zu Wort, die die Herangehensweise der Moskauer Verwaltung, der Projektleitungen usw. kritisiert. Nicht zu erkennen ist, dass es &bdquo;viele Moskauer&ldquo; sind, die protestieren. Die DW transportiert den eigenen, politisch motivierten Angriff auf Entscheidungstr&auml;ger in Moskau mittels der Initiative, ihr Befund lautet: In Russland, in Moskau k&ouml;nne man vieles diktatorisch durchwinken. Um sich als bessere Seite der Erdkugel zu loben: <em>&bdquo;Die Schnelligkeit des Moskauer Metrobaus &ndash; in europ&auml;ischen Demokratien w&auml;re das so wohl nicht m&ouml;glich&ldquo;<\/em>, sagt der Sprecher.<\/p><p>Trotz des Spotts der DW-Macher, die rasante Moskauer Mobilit&auml;tswende ist keine Wende, sie ist eine Entwicklung, schlussfolgert der den Russen nicht ablehnend geneigte Zuseher und kommt zur Frage zur&uuml;ck: Was kann der Grund daf&uuml;r sein, dass deutsche Medienmacher mit vielen ihrer Beitr&auml;ge &uuml;ber den gro&szlig;en Nachbarn im Osten, Russland, beim Publikum ein Gef&uuml;hl des Unbehagens bis hin zur Ablehnung erzeugen, erzeugen wollen?<\/p><p>Eine Antwort k&ouml;nnte sein: Moskau, Putin, Russland &ndash; bezeichnen ein Feindbild in Deutschland. Es kann nicht gut sein, was aus so einem Land unter so einer F&uuml;hrung stammt. <\/p><p>Was f&uuml;r die Metro in Moskau gilt, gilt auch f&uuml;r ein medizinisches Mittel. Der Impfstoff Sputnik V. wird in hiesigen Mainstream-Medien anders besprochen als die aus dem eigenen Land, aus den USA oder aus Schweden. <\/p><p>In deutschen Hauptnachrichtensendungen wurde 2020 gesagt, Putin habe f&uuml;r einen Impfstoff Sputnik die Erlaubnis zum Verimpfen erteilt (obwohl es die Erlaubnis war, den Stoff zur Verteilungsreife zu f&uuml;hren, was auch gelang). Dann, Anfang Dezember 2020, wurde in Russland begonnen, viele Menschen zu impfen. Diese Kampagne erblickte in Deutschland kaum das Licht der medialen Welt. Die Wirkungsf&auml;higkeit von Sputnik wird auf &uuml;ber 90 Prozent beziffert, in Deutschland bleibt es bei Ablehnung und H&auml;me in Kommentaren. Schlie&szlig;lich r&uuml;ckte die Kanzlerin heraus, mit Putin &uuml;ber Sputnik telefoniert zu haben. Aha!? Und immer noch, nachdem schon Dutzende L&auml;nder den Impfstoff aus Moskau ordern, meint die Kanzlerin sagen zu m&uuml;ssen, dass Sputnik V noch strenge europ&auml;ische Pr&uuml;fungsverfahren durchlaufen m&uuml;sste. <\/p><p>Zur&uuml;ck nach Moskau. Dort sollen bis 2030 alle Busse E-Fahrzeuge sein.         <\/p><p>Titelbild: FotograFFF\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F&uuml;r den aufgeschlossenen Mediennutzer stellt sich beim Stichwort &bdquo;Russland&ldquo; beinah tagt&auml;glich eine Frage: Was kann der Grund daf&uuml;r sein, dass deutsche Medienmacher mit vielen ihrer Beitr&auml;ge &uuml;ber den gro&szlig;en Nachbarn im Osten beim Publikum ein Gef&uuml;hl des Unbehagens bis hin zur Ablehnung Russlands erzeugen, erzeugen wollen? Ein Beispiel. Die Deutsche Welle produzierte j&uuml;ngst eine <a<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69893\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":69894,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[123,183,73],"tags":[712,1815,2296,2126,259,2764],"class_list":["post-69893","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kampagnentarnworteneusprech","category-medienkritik","category-verkehrspolitik","tag-arzneimittel","tag-oepnv","tag-deutsche-welle","tag-elektromobilitaet","tag-russland","tag-verkehrswende"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/shutterstock_1694136433.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/69893","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=69893"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/69893\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":69904,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/69893\/revisions\/69904"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/69894"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=69893"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=69893"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=69893"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}