{"id":69910,"date":"2021-02-17T16:47:49","date_gmt":"2021-02-17T15:47:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69910"},"modified":"2021-02-17T18:24:58","modified_gmt":"2021-02-17T17:24:58","slug":"katalonien-nach-den-wahlen-von-eckart-leiser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69910","title":{"rendered":"Katalonien nach den Wahlen. Von Eckart Leiser"},"content":{"rendered":"<p>Wir hatten heute in den Hinweisen des Tages schon einmal <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69872#h15\">einen Bericht des NachDenkSeiten-Lesers Helmut Jutzi<\/a> zu den Wahlen in Katalonien. Hier kommt ein weiterer Bericht von <strong>Eckart Leiser<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDer vorausgesagte imposante Stimmenzuwachs der Sozialisten bei den Wahlen am 14. Februar ist eingetreten, der von diesen erhoffte g&uuml;nstigste Fall, dass die Sozialistische Partei Kataloniens (PSC) mit ihrem Kandidaten Salvador Illa den neuen katalanischen Pr&auml;sidenten stellen kann, gest&uuml;tzt auf eine Regierungskoalition mit der Republikanischen Linken (ERC) und der Partei En Com&uacute; Podem, die katalanische Variante von Podemos, allerdings nicht. Tats&auml;chlich hat die Sozialistische Partei Kataloniens (PSC) mit 23,02 Prozent die meisten Stimmen erhalten, vor der Republikanischen Linken (ERC) mit 21,31 Prozent, und mit 33 Sitzen hat sie ihre Pr&auml;senz im katalanischen Parlament fast verdoppelt. F&uuml;r eine Mehrheit sind aber 68 Abgeordnete n&ouml;tig  und die daf&uuml;r notwendigen Pakte mit anderen Parteien sind am Ende eine politische und keine rechnerische Frage. <\/p><p>Die gerade angedachte Regierungsmehrheit mit der Republikanischen Linken (ERC) (ebenfalls 33 Sitze) und dem Podemos-&bdquo;Ableger&ldquo; En Com&uacute; Podem (Gemeinsam k&ouml;nnen wir) (8 Sitze) w&uuml;rde mit einer Mehrheit von 74 Abgeordneten zwar tats&auml;chlich ausreichen. Aber kurz vor den Wahlen kam es zur &bdquo;Gretchenfrage&ldquo; unter den Unabh&auml;ngigkeitsparteien. Ergebnis: der mehr oder weniger klare Schwur, mit den Sozialisten, die ja seinerzeit &uuml;ber den &bdquo;Notstandsartikel&ldquo; 155 der spanischen Verfassung mit den Rechtsparteien zusammen f&uuml;r die Entmachtung des damaligen Pr&auml;sidenten Puigdemont und seiner Regierung gestimmt hatte, nicht gemeinsame Sache zu machen. Die Republikanische Linke (ERC) hat diesen Schwur zwar mit halbem Herzen abgelegt (immerhin hat sie der Regierung in Madrid unter dem Sozialisten Pedro S&aacute;nchez zur Macht verholfen und erst k&uuml;rzlich durch Zustimmung zum Staatshaushalt deren n&auml;here Zukunft gesichert), aber beim Recht auf Unabh&auml;ngigkeit geht es auch bei der Republikanischen Linken um die DNA der Partei.<\/p><p>Das Problem ist, dass jenseits der &Uuml;bereinstimmung in der &bdquo;Gretchenfrage&ldquo; sich zwischen den Unabh&auml;ngigkeitsparteien ideologische Abgr&uuml;nde auftun, angefangen mit einer langj&auml;hrigen Rivalit&auml;t zwischen der linkssozialistischen ERC und der n&auml;chstst&auml;rksten Partei, der JxCat (Vereint f&uuml;r Katalonien), katholisch und konservativ, die dieses Mal in den Wahlen mit 32 Sitzen etwas schlechter als die Republikanische Linke (ERC) abgeschnitten hat. Angef&uuml;hrt wird JxCat nach wie vor von Puigdemont, der sich im belgischen Exil als immer noch weitgehend unantastbares Symbol f&uuml;r den Unabh&auml;ngigkeitskampf installiert hat. Die dritte relevante Unabh&auml;ngigkeitspartei ist mit 9 Sitzen CUP (Candidatura de Unidad Popular = Kandidatur f&uuml;r die Volkseinheit), mehr als eine Partei eine am extremen Rand des linken Spektrums angesiedelte Bewegung, die wegen ihrer basisdemokratischen &Uuml;berzeugungen sich in der Vergangenheit zwar zur Unterst&uuml;tzung, nicht aber zur Beteiligung an Regierungen bereit gefunden hatte. Keine leichte Aufgabe f&uuml;r Pere Aragon&eacute;s, Kandidat der Republikanischen Linken f&uuml;r das Pr&auml;sidentenamt, der als erstes mit der Volkseinheitspartei CUP &uuml;ber die Regierungsbildung sprechen will. <\/p><p>Da die Volkseinheitspartei (CUP) und die Puigdemont-Partei JxCat  in einer solchen Regierung wie Feuer und Wasser zusammenpassen w&uuml;rden, spielt Aragon&eacute;s, wie die Medien berichten, mit einer anderen Option: eine Regierung aus Republikanischer Linken (ERC), Puigdemonts JxCat und dem Podemos-&bdquo;Ableger&ldquo; En Com&uacute; Podem. Letztere Partei, die sich zwar f&uuml;r das Recht auf ein Referendum, aber gegen die Unabh&auml;ngigkeit positioniert hat, k&ouml;nnte die Konfrontation zwischen Madrid und Katalonien abbauen helfen.<\/p><p>Das versucht die spanische Justiz gerade nach Kr&auml;ften zu verhindern: Sie ist diese Tage dabei, den von der katalanischen Gef&auml;ngnisverwaltung gew&auml;hrten &bdquo;dritten Grad&ldquo; des Strafvollzugs f&uuml;r die zu langen Haftstrafen verurteilten Unabh&auml;ngigkeitsbef&uuml;rworter &ndash; das bedeutete Hafterleichterungen, die diesen sogar die Teilnahme am Wahlkampf erm&ouml;glichten &ndash; zu annullieren und zu den strengen Haftbedingungen zur&uuml;ckzukehren. Und gerade ist ein massives Polizeiaufgebot in die Universit&auml;t von L&eacute;rida eingedrungen, um dort den von seinen Anh&auml;ngern besch&uuml;tzten Rapper H&aacute;sel festzunehmen und ins Gef&auml;ngnis zu schaffen, wo er eine Haftstrafe wegen Beleidigung der &bdquo;Krone&ldquo; und Aufruf zu Gewalt in seinen Liedern absitzen soll. Seitdem brennt es in vielen St&auml;dten Kataloniens wieder, und im ganzen Land gehen die Leute gegen eine repressive Justiz auf die Strasse.<\/p><p>Bei einem Abbau der Konfrontation k&ouml;nnte aber auch der &bdquo;gesunde Menschenverstand&ldquo; der Unabh&auml;ngigkeitsbef&uuml;rworter helfen, denn hinter den prozentualen Wahlergebnissen verbirgt sich eine (wohl der Pandemie geschuldete) extrem geringe Wahlbeteiligung von 54 Prozent (nach 79 Prozent bei den letzten Wahlen). Hinter der Parlamentsmehrheit von 74 Abgeordneten der Unabh&auml;ngigkeitsbef&uuml;rworter stehen damit rechnerisch nur ca. 26 Prozent der Wahlberechtigten.<\/p><p>Von der komplizierten Aufgabe einer Regierungsbildung abgesehen, bedeutet das Wahlergebnis immerhin eine deutliche St&auml;rkung der linken Kr&auml;fte in Katalonien: ein allerdings durch die Unabh&auml;ngigkeitsfrage gespaltenes Potential von 83 Abgeordneten.<\/p><p>Dem steht jedoch eine andere, be&auml;ngstigende Entwicklung gegen&uuml;ber: W&auml;hrend die Rechts&shy;&shy;partei PP in Katalonien zur Bedeutungslosigkeit von drei Sitzen geschrumpft ist, wird die faschistische Partei Vox aus dem Nichts mit 11 Sitzen als viertst&auml;rkste Partei ins Parlament einziehen, fast viermal so stark wie der &uuml;ber viele Jahre die spanische Rechte dominierende Partido Popular.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir hatten heute in den Hinweisen des Tages schon einmal <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69872#h15\">einen Bericht des NachDenkSeiten-Lesers Helmut Jutzi<\/a> zu den Wahlen in Katalonien. 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