{"id":69956,"date":"2021-02-19T11:02:30","date_gmt":"2021-02-19T10:02:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69956"},"modified":"2021-02-26T13:06:22","modified_gmt":"2021-02-26T12:06:22","slug":"es-hat-alles-in-mir-aufgeschrien-was-sind-das-fuer-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69956","title":{"rendered":"\u201eEs hat alles in mir aufgeschrien. Was sind das f\u00fcr Menschen!!\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Das schreibt ein Leser der NachDenkSeiten, Jens Prien, nach Lekt&uuml;re des gestrigen Artikels <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69943\">Sanktionen! Regime Change! Vorstellungen, die von Selbstgerechtigkeit und Verschlagenheit unserer &bdquo;Eliten&ldquo; zeugen<\/a> in einem Eintrag bei Facebook. Ich hatte in Vorbereitung des gestern angek&uuml;ndigten zweiten Beitrags &uuml;ber die &bdquo;eigenartigen, gedankenlosen und selbstherrlichen Vorstellungen der westlichen Eliten&ldquo; zu Sanktionen und Regime Change viel dar&uuml;ber gegr&uuml;belt, wie seltsam und fremd der aktuell betriebene Umgang unter den V&ouml;lkern geworden ist und wie sehr auch bei uns der Geist ver&auml;ndert worden ist, der unseren Umgang mit anderen V&ouml;lkern pr&auml;gt. Priens Aufschrei &bdquo;Was sind das f&uuml;r Menschen!&ldquo; wirkt wie eine befreiende Erkenntnis. Es stimmt. Die Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik wird heute von Menschen bestimmt, die mit der UNO-Charta, mit der Friedenspolitik und Friedensbewegung, mit dem Geist der Politik von Willy Brandt und Helmut Kohl nichts mehr zu tun haben. Mich besch&auml;ftigt diese Ver&auml;nderung, weil sie f&uuml;r uns und vor allem aber f&uuml;r unsere Kinder und Enkel ausgesprochen gef&auml;hrlich, n&auml;mlich t&ouml;dlich, werden kann. Zum besseren Verst&auml;ndnis dieser Einsch&auml;tzung sind ein paar historische und grunds&auml;tzliche Betrachtungen notwendig. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Artikel ist auch als gestaltete, ausdruckbare PDF-Datei verf&uuml;gbar. Zum Herunterladen klicken Sie bitte auf das rote PDF-Symbol links neben dem Text. Weitere Artikel in dieser Form <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?cat=54\">finden Sie hier<\/a>. Wir bitten Sie um Mithilfe bei der Weiterverbreitung.<\/em><\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8742\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-69956-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210219-Was-sind-das-fuer-Menschen-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210219-Was-sind-das-fuer-Menschen-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210219-Was-sind-das-fuer-Menschen-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210219-Was-sind-das-fuer-Menschen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=69956-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210219-Was-sind-das-fuer-Menschen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"210219-Was-sind-das-fuer-Menschen-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Ein paar Beobachtungen zur j&uuml;ngeren Geschichte &ndash; Sanktionen sind nicht vorgesehen, ein Fremdk&ouml;rper<\/strong><\/p><p>In der Pr&auml;ambel der <a href=\"https:\/\/unric.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2020\/01\/charta-1.pdf\">UN-Charta<\/a> ist von der Gleichberechtigung aller Nationen, ob gro&szlig; oder klein, die Rede und von dem &bdquo;Zweck, Duldsamkeit zu &uuml;ben und als gute Nachbarn in Frieden miteinander zu leben&ldquo;.<\/p><p>In Willy Brandts erster Regierungserkl&auml;rung vom Oktober 1969 lautete der Kernsatz: &bdquo;Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein&ldquo;. Gute Nachbarn verh&auml;ngen keine Sanktionen.<\/p><p>In der <a href=\"https:\/\/www.1000dokumente.de\/index.html?c=dokument_de&amp;dokument=0024_ksz&amp;object=translation&amp;l=de\">Schlussakte der Konferenz f&uuml;r Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, KSZE,<\/a> hie&szlig; es im 4. und 5. Absatz: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Von dem politischen Willen getragen, im Interesse der V&ouml;lker ihre Beziehungen zu verbessern und zu verst&auml;rken, in Europa zum Frieden, zur Sicherheit, zur Gerechtigkeit und zur Zusammenarbeit sowie zur Ann&auml;herung zwischen ihnen und zu den anderen Staaten der Welt beizutragen,<\/p>\n<p>Demzufolge entschlossen, den Ergebnissen der Konferenz volle Wirksamkeit zu verleihen und die Vorteile, die aus diesen Ergebnissen hervorgehen, zwischen ihren Staaten und in ganz Europa zu gew&auml;hrleisten und dadurch den Proze&szlig; der Entspannung zu erweitern, zu vertiefen und ihn fortschreitend und dauerhaft zu machen, &hellip;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Das sind Vereinbarungen, die anderes verlangen als Sanktionen und geistige und milit&auml;rische Aufr&uuml;stung. Zur Erg&auml;nzung f&uuml;ge ich ein paar pers&ouml;nliche Erfahrungen an:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Neuneinhalb Jahre lang habe ich als Leiter der Planungsabteilung im Bundeskanzleramt jeden Morgen von Montag bis Freitag an den Lagebesprechungen mit dem Chef des Bundeskanzleramtes, dem Regierungssprecher und meinen Abteilungsleiter-Kolleginnen und -Kollegen teilgenommen. Ich erinnere mich an kein einziges Mal, dass in dieser Zeit der Kanzlerschaft von Willy Brandt und Helmut Schmidt Sanktionen gefordert und bef&uuml;rwortet worden sind. Nicht gegen&uuml;ber der DDR, nicht gegen&uuml;ber der Sowjetunion und anderen L&auml;ndern und V&ouml;lkern. In dieser Zeit h&auml;tte es immer wieder Anl&auml;sse daf&uuml;r gegeben. Zum Beispiel Schie&szlig;ereien an der innerdeutschen Grenze oder\/und an der Mauer. Sanktionen h&auml;tten wir damals alle als eine primitive Reaktion betrachtet. <\/li>\n<\/ul><p><strong>Sanktionen sind ein Instrument, dem Einsicht und Umsicht fehlt.<\/strong><\/p><ul>\n<li>Vor meiner Zeit im Bundeskanzleramt war ich Redenschreiber des damaligen Bundeswirtschaftsministers Professor Dr. Karl Schiller. Parlamentarischer Staatssekret&auml;r war Klaus-Dieter Arndt. Er war im Ministerium und in der Bundesregierung auch f&uuml;r die F&ouml;rderung des innerdeutschen Handels verantwortlich. Drei Wochen nach Beginn meiner Arbeit im Ministerium war ich am 21. August bei Klaus-Dieter Arndt zur Besprechung einer Rede f&uuml;r den Minister. W&auml;hrend des Gespr&auml;chs brachte ihm seine Sekret&auml;rin eine Tickermeldung. Darin wurde berichtet, dass sowjetische Panzer gerade Prag besetzt h&auml;tten und damit das von uns allen bewunderte Dubcek-Experiment beendeten. Klaus-Dieter Arndts Reaktion: Schlimm, aber wir machen weiter, zur Entspannungspolitik &ndash; einschlie&szlig;lich seiner Arbeit zur F&ouml;rderung des innerdeutschen Handels &ndash; gibt es keine Alternative.\n<p>So war das damals. Und das war gut so: Zwei Jahre sp&auml;ter wurde der Vertrag der Bundesrepublik mit Moskau und anschlie&szlig;end jener mit Warschau und mit Prag unterzeichnet. Kernelemente: Gewaltverzicht und Zusammenarbeit. Und diese Vertr&auml;ge entfalteten eine positive Wirkung. Sanktionen h&auml;tten diese positive Wirkung nicht gehabt. So anders war die Welt. So anders waren die Menschen, die damals den Geist der Republik und der Politik pr&auml;gten.<\/p><\/li>\n<li>Noch ein einschl&auml;giger Vorgang: Im Dezember 1979 intervenierte die Sowjetunion mit milit&auml;rischen Kr&auml;ften in Afghanistan. Franz Josef Strau&szlig;, der f&uuml;r die Bundestagswahl 1980 als Kanzlerkandidat ausersehene Unionspolitiker, forderte das Ende der Entspannungspolitik und des Dialogs mit dem Osten; der FDP-Vorsitzende und Koalitionspartner Genscher neigte ebenfalls dazu und kungelte schon mit dem CDU-Vorsitzenden Kohl wegen einer neuen Koalition &ndash; gef&ouml;rdert von der Intervention der Sowjetunion. Die Planungsabteilung half damals, Bundeskanzler Helmut Schmidt davon zu &uuml;berzeugen, dass diese Reaktion nicht im Interesse unseres Landes l&auml;ge und dass auch die Mehrheit unseres Volkes f&uuml;r die Fortsetzung der Verst&auml;ndigungspolitik sei. Zur Unterf&uuml;tterung hatten wir mithilfe des Sinus-Instituts in Heidelberg eine qualitative Studie gemacht. Auf der Linie der Entscheidung des Bundeskanzlers, den Dialog mit der Sowjetunion trotz der Intervention in Afghanistan fortzusetzen, machte die nordrhein-westf&auml;lische SPD die Landtagswahl vom 11. Mai 1980 quasi zu einer Volksentscheidung &uuml;ber die Friedenspolitik. Die wackelnde FDP flog mit 4,999 % aus dem Landtag. Am Dienstag nach der Wahl verk&uuml;ndete Schmidts Redenschreiber Breitenstein, ein FDP-Mitglied mit dem Recht, an Pr&auml;sidiumssitzungen der FDP teilzunehmen, die FDP habe am Montagabend bei einer Nach-Wahl-Beratung beschlossen, wieder f&uuml;r die Entspannungspolitik zu sein.<\/li>\n<\/ul><p>Sanktionen als Mittel der internationalen Politik waren zumindest auf deutscher Seite nicht auf der Tagesordnung. Das hat sich grundlegend gewandelt. Dieser Wandel ist &uuml;brigens auch Ausdruck der mangelnden Souver&auml;nit&auml;t unseres Landes bzw., genauer gesagt, der heute die Politik und den Geist der Politik bestimmenden Personen und Kr&auml;fte.<\/p><p>Die USA haben immer schon mit Sanktionen gearbeitet, so zum Beispiel gegen&uuml;ber Kuba seit &Uuml;bernahme der Politik durch Fidel Castro, und in vielen anderen L&auml;ndern der Welt. In den USA, wie auch in Gro&szlig;britannien und Frankreich zum Beispiel, spielte die Vorstellung, man k&ouml;nne und m&uuml;sse anderen V&ouml;lkern vorschreiben, wie und von wem sie regiert werden, auch schon immer eine bedeutende Rolle in ihrer Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik. Regime Change war letztlich schon beim Koreakrieg und beim Vietnamkrieg mit im Spiel. Und bei den milit&auml;rischen Abenteuern Frankreichs und Gro&szlig;britanniens auch. Sowie auch Kern der Politik Deutschlands in der Zeit der Nazis.<\/p><p>Jetzt ist dieser Geist hierzulande wieder eingekehrt. Und wie wir feststellen m&uuml;ssen, gilt der entsetzte Aufschrei, &bdquo;Was sind das f&uuml;r Menschen!&ldquo;, nicht nur Politikern der Union, sondern im Besonderen auch den herrschenden Kreisen bei den Gr&uuml;nen und auch bei der Partei mit den gr&ouml;&szlig;ten Verdiensten f&uuml;r die Entspannungspolitik, bei der SPD.<\/p><p><strong>Was sind das f&uuml;r Menschen!? Es sind Menschen, die glauben, sie seien die Guten und die anderen seien die B&ouml;sen<\/strong><\/p><p>Ohne diese Vorstellung, oder die Vorstellung, dass im Westen und nur da Menschenrechte und Demokratie verwirklicht seien, k&ouml;nnte man den Anspruch, andere V&ouml;lker mit Sanktionen zu belegen und au&szlig;erdem dar&uuml;ber entscheiden zu wollen, wer in anderen L&auml;ndern regiert, nicht erheben.<\/p><p>Wer das Innere der westlichen sogenannten Demokratien etwas genauer betrachtet, wei&szlig;, dass es um den demokratischen wie auch den sozialen Charakter ausgesprochen schlecht bestellt ist. Die NachDenkSeiten haben in letzter Zeit mehrmals dar&uuml;ber berichtet, wie schlimm es um den demokratischen Charakter steht. Siehe die Serie &bdquo;Leben wir wirklich in einer Demokratie?&ldquo;. Wer das M&auml;rchen von der Demokratie nach Kenntnisnahme des Einflusses des Medienstars Murdoch auf die Verh&auml;ltnisse in Gro&szlig;britannien &ndash; <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69867\">siehe hier<\/a> &ndash; immer noch glaubt, verdient besondere Bewunderung. Die Verh&auml;ltnisse bei uns sind im Kern nicht viel anders als in Gro&szlig;britannien und in den USA. Sp&auml;testens die Selbst- oder Fremd-Gleichschaltung der Berichterstattung und Kommentierung zur Corona-Politik m&uuml;sste aufmerksamen Menschen eigentlich die Augen ge&ouml;ffnet haben. Von wirklich demokratischer Meinungsbildung kann nicht mehr die Rede sein. <\/p><p>Die Versch&auml;rfung der Spaltung in Arm und Reich, die in den letzten 40 Jahren stattgefunden hat und durch die Corona-Politik noch schlimmer wird, zeigt, dass es auch um die soziale Gerechtigkeit in unserem Musterland wie auch in den anderen westlichen L&auml;ndern nicht gut bestellt ist.<\/p><p><strong>Wir haben also wirklich keinen Grund zur Selbstgerechtigkeit. Wir sind nicht die Guten, die anderen V&ouml;lkern vorschreiben k&ouml;nnten, wie Demokratie und soziale Gerechtigkeit aussieht. Die Basis f&uuml;r eine Politik der Sanktionen wie auch des Regime-Change-Anspruchs gegen&uuml;ber anderen V&ouml;lkern fehlt.<\/strong><\/p><p><strong>Was sind das f&uuml;r Menschen? Diese Frage muss man auch im Blick auf die mangelnde Weitsicht und die Gewaltbereitschaft der herrschenden Personen stellen<\/strong><\/p><p>Von Sanktionen und vom Regime Change zum Beispiel in Russland kann man angesichts der herrschenden milit&auml;rischen Verh&auml;ltnisse und angesichts m&ouml;glicher dadurch mitbewirkter Ver&auml;nderungen in Russland nur schwadronieren, wenn man unf&auml;hig ist, die Folgen dieser Politik oder auch nur der Drohung mit dieser Politik zu erkennen und zu bedenken. Sanktionen wie auch der &ouml;ffentlich ge&auml;u&szlig;erte Anspruch, anderen V&ouml;lkern vorzuschreiben oder auch nur zu empfehlen, wer sie regieren soll, k&ouml;nnen und werden vermutlich dort Ver&auml;nderungen im Machtgef&uuml;ge ausl&ouml;sen, die sowohl der inneren Entwicklung als auch dem friedlichen Zusammenleben nicht dienen, sondern gef&auml;hrlich werden k&ouml;nnen. <\/p><p>Eine der wichtigen Tugenden von Politikerinnen und Politikern, die eine vern&uuml;nftige und friedliche Politik im Umgang mit den Nachbarn betreiben, ist, sich in der Lage des anderen zu versetzen. Das war typisch f&uuml;r Willy Brandt und auch f&uuml;r Helmut Schmidt und auch f&uuml;r Helmut Kohl. Bei Willy Brandt und Helmut Schmidt habe ich pers&ouml;nlich erlebt, dass und wie sie sich Gedanken &uuml;ber das Innenleben bei Partnern gemacht haben. Zu Helmut Kohl hatte ich wegen der politischen Konkurrenz nicht den direkten Zugang. Den vermittelte mir in den entscheidenden Jahren dann ein gemeinsamer Freund: Klaus Hofmann. Er war Korrespondent meiner Regionalzeitung &bdquo;Die Rheinpfalz&ldquo; in Bonn und berichtete nach Gespr&auml;chen mit Kohl davon, wie der damalige Bundeskanzler umgetrieben war von Sorgen dar&uuml;ber, wie die innere Entwicklung in der Sowjetunion die gemeinsam mit Gorbatschow betriebene Verst&auml;ndigungspolitik ber&uuml;hren k&ouml;nnte, und was man unsererseits tun m&uuml;sste, um keine gef&auml;hrlichen Entwicklungen auszul&ouml;sen. Wahrscheinlich war die gegen Ende der 1980er Jahre erkennbare, fast schon freundschaftliche Verst&auml;ndigung zwischen Willy Brandt und Helmut Kohl davon mitbestimmt, dass beide die F&auml;higkeit besa&szlig;en, sich in die Lage der Verantwortlichen in der Sowjetunion und anderen L&auml;ndern zu versetzen.<\/p><p><strong>Wo ist das heute geblieben? Bei Heiko Maas? Bei Angela Merkel? Bei R&ouml;ttgen? Bei Joschka Fischer und den Schreiberlingen der Heinrich-B&ouml;ll-Stiftung, der Stiftung Wissenschaft und Politik und all den anderen Vorfeldorganisation des neuen Kalten Krieges?<\/strong><\/p><p>Nichts davon. Kein bisschen intellektuelle und emotionale Kraft daf&uuml;r, sich vorzustellen, was das eigene Denken und die eigenen Spr&uuml;che in den Partnerl&auml;ndern &ndash; oder Feindstaaten, wie das heute hei&szlig;en k&ouml;nnte &ndash; ausl&ouml;st. Und welche Folgen das f&uuml;r Krieg oder Frieden haben kann.<\/p><p>Hinzu kommt offensichtlich eine Mentalit&auml;t der Gewaltbereitschaft, die zumindest den Initiatoren der Friedenspolitik der Sechziger- und Siebzigerjahre des letzten Jahrhunderts fremd war. Der Geist, der die Innereien und die Politik der USA und anderer Teile des Westens bestimmt, hat sich offenbar auch in den Reihen der bei uns verantwortlichen Politikerinnen und Politiker ausgebreitet.<\/p><p><strong>Warum belegen wir eigentlich die USA, Gro&szlig;britannien, die Saudis, Israel und andere gewaltbereite Staaten nicht mit Sanktionen? Warum fordern wir dort nicht Regime Changes?<\/strong><\/p><p>Die USA haben &ndash; mit L&uuml;gen begr&uuml;ndet &ndash; den Krieg im Irak gef&uuml;hrt und hunderttausende von Menschen geopfert. Die Saudis f&uuml;hren Krieg im Jemen. Gro&szlig;britannien und Frankreich haben Libyen in die Unregierbarkeit gebombt. In Afghanistan haben die USA und die NATO jetzt 20 Jahre lang Krieg gef&uuml;hrt. Als Reaktion auf den Anschlag vom 11. September 2001. Mit welchem Ergebnis? Die kriegf&uuml;hrenden Nationen m&uuml;ssten mit Sanktionen belegt werden. Wir h&auml;tten sofort nach den ersten kriegerischen Erkl&auml;rungen des neuen US-Pr&auml;sidenten den Regime Change fordern m&uuml;ssen. Wo bleibt die Stimme der Felbermayrs und der Heinrich-B&ouml;ll-Stiftung, der Stiftung Wissenschaft und Politik und der anderen Scharfmacher? Haben sie wegen des Umgangs der franz&ouml;sischen Regierung mit den Gelb-Westen Sanktionen gefordert oder gar den Regime Change in Frankreich? Alle diese Leute sind auf einem Auge blind.<\/p><p>Was f&uuml;r Menschen sind das!!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das schreibt ein Leser der NachDenkSeiten, Jens Prien, nach Lekt&uuml;re des gestrigen Artikels <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69943\">Sanktionen! Regime Change! Vorstellungen, die von Selbstgerechtigkeit und Verschlagenheit unserer &bdquo;Eliten&ldquo; zeugen<\/a> in einem Eintrag bei Facebook. Ich hatte in Vorbereitung des gestern angek&uuml;ndigten zweiten Beitrags &uuml;ber die &bdquo;eigenartigen, gedankenlosen und selbstherrlichen Vorstellungen der westlichen Eliten&ldquo; zu Sanktionen und Regime Change<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69956\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":69958,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,169,107,126,161],"tags":[329,2013,295,2301,941,1418,399,1019],"class_list":["post-69956","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-wertedebatte","tag-brandt-willy","tag-entspannungspolitik","tag-kohl-helmut","tag-konfrontationspolitik","tag-ksze","tag-regime-change","tag-schmidt-helmut","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/rchange.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/69956","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=69956"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/69956\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":70240,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/69956\/revisions\/70240"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/69958"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=69956"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=69956"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=69956"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}