{"id":70226,"date":"2021-02-28T11:45:01","date_gmt":"2021-02-28T10:45:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=70226"},"modified":"2021-02-28T12:07:06","modified_gmt":"2021-02-28T11:07:06","slug":"philippinen-telegener-sturz-eines-despoten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=70226","title":{"rendered":"Philippinen: Telegener Sturz eines Despoten"},"content":{"rendered":"<p>Vor 35 Jahren endete die Amtszeit von Ferdinand E. Marcos (1965-86), des engsten US-Vasallen in S&uuml;dostasien. Es war der erste medial voll ausgeleuchtete Machtwechsel in einem Land der sogenannten Dritten Welt &ndash; mal als &bdquo;Wunder-&ldquo;, mal als &bdquo;Rosenkranzrevolution&ldquo; &uuml;berschw&auml;nglich gepriesen. Seit ann&auml;hernd f&uuml;nf Jahren amtiert mit Rodrigo R. Duterte ein Pr&auml;sident in Manila, der sich als gl&uuml;hender Marcos-Verehrer versteht, und dessen Schandtaten, was allein die Menschenrechtssituation in dem Inselstaat betrifft, noch jene von Marcos in den Schatten stellt. Ein Essay von <b>Rainer Werning<\/b>.<br>\n<!--more--><br>\n<b>Vorbemerkung<\/b><\/p><p>Vor 35 Jahren &ndash; vom 22. bis zum 25. Februar 1986 &ndash; dominierte &bdquo;People Power&ldquo; das Stadtbild der Metropole Manila und besiegelte unter weltweiter Anteilnahme das Ende der Marcos-Diktatur. Mit Hilfe des Milit&auml;rs und unter US-&Auml;gide garantierte die neue Pr&auml;sidentin Corazon C. Aquino eine R&uuml;ckkehr zur Eliten-Demokratie &ndash; letztlich gegen das Volk.<\/p><p>Im August 1983 war Marcos&rsquo; sch&auml;rfster politischer Rivale, der Oppositionspolitiker Benigno S. Aquino (Ehemann der sp&auml;teren Pr&auml;sidentin), nach seiner R&uuml;ckkehr aus zeitweiligem Asyl in den USA auf dem Rollfeld des Flughafens von Manila erschossen worden. Seitdem verging kaum ein Tag, an dem sich nicht irgendwo in- wie au&szlig;erhalb der Hauptstadt Protest regte. Diesem schlossen sich zunehmend auch Mitglieder der Oberschichten an. Bis diese als &bdquo;Parlament der Stra&szlig;e&ldquo; in die Landesgeschichte eingegangene, breite antidiktatorische Protestbewegung schlie&szlig;lich am 22. Februar 1986 zum &bdquo;letzten Gefecht&ldquo; blies. Drei Tage sp&auml;ter, am Abend des 25. Februar, hatte sie ihr Ziel erreicht. Die euphorisch als Demokratie-Ikone und Hoffnungstr&auml;gerin gefeierte Witwe des einstigen Marcos-Herausforderers, Corazon C. Aquino &ndash; liebevoll und allerorten kurz &bdquo;Cory&ldquo; genannt &ndash; war nunmehr die neue Chefin im Pr&auml;sidentenpalast Malaca&ntilde;ang.<\/p><p><b>Marcos &ndash; &Auml;ra eines Hoffnungstr&auml;gers<\/b><\/p><p>J&auml;h endete somit die &Auml;ra eines Mannes, der langj&auml;hrig als Washingtons verl&auml;sslichster Verb&uuml;ndeter in S&uuml;dostasien zur Zeit des Vietnamkrieges und in der &Auml;ra des Kalten Krieges galt. Als Ferdinand E. Marcos Ende 1965 in den Malaca&ntilde;ang-Palast zu Manila einzog, beseelten den jungen Staatschef zwei Dinge. Innen- und wirtschaftspolitisch wollte er seinen Wahlkampfslogan <i>We shall be a great nation again<\/i> (&bdquo;Wir werden wieder eine gro&szlig;e Nation sein&ldquo;) schnellstm&ouml;glich umsetzen. Au&szlig;en- und sicherheitspolitisch ging es ihm darum, der einstigen Kolonialmacht USA (1898-1946) treu zur Seite zu stehen und Washingtons milit&auml;rische Hegemonialstellung in S&uuml;dost- und Ostasien mit der fortgesetzten Bereitstellung der seinerzeit weltweit gr&ouml;&szlig;ten US-St&uuml;tzpunkte au&szlig;erhalb des nordamerikanischen Kontinents, der <i>Subic Naval Base<\/i> und dem <i>Clark Air Field<\/i>, aufrechtzuerhalten.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p><p><b>Exportorientierung als Entwicklungsstrategie<\/b><\/p><p>Eine gezielte Anreizpolitik f&uuml;r ausl&auml;ndisches Kapital sollte dem agrarisch ausgerichteten, durch Feudalstrukturen gepr&auml;gten Land den Anschluss an die westlichen Industriestaaten erm&ouml;glichen &ndash; quasi im Zeitraffer. An US-amerikanischen politik- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakult&auml;ten ausgebildete Kader standen bereit, sich Marcos anzudienen, wie denn auch seine Regierung verst&auml;rkt auf die Expertise solcher Technokraten zur&uuml;ckgriff. Exportorientierung, lautete beider Credo, f&uuml;hre zu erh&ouml;hten Kapitalinvestitionen, schaffe Arbeitspl&auml;tze und Wohlstand, der schlie&szlig;lich allen zugutek&auml;me.<\/p><p>F&uuml;r Gro&szlig;grundbesitzer und Gesch&auml;ftsleute b&ouml;te sich eine vielversprechende Chance, in Verbindung mit ausl&auml;ndischem Kapital das zur allseitigen Entwicklung notwendige Know-how zu erwerben. Dabei dienten Anrainer wie Singapur, Hongkong und S&uuml;dkorea als Vorbilder. Diese Strategie bedurfte, um praktisch umgesetzt werden zu k&ouml;nnen, verl&auml;sslicher Steuerungsinstanzen. Zentralisierung und Konzentrierung staatlicher Macht(apparate) waren die Folge. Wirtschaftliche Planungsbeh&ouml;rden (wie beispielsweise die <i>Nationale Wirtschafts- und Entwicklungsbeh&ouml;rde, NEDA<\/i>) entwarfen konkrete Schritte zur &bdquo;nationalen Erneuerung&ldquo;, w&auml;hrend politisch und milit&auml;risch ein Prozess in Gang gesetzt wurde, um die neue Wirtschafts- und Entwicklungsstrategie gegen m&ouml;gliche St&ouml;rungen (Protest, Streiks, Widerstand) zu immunisieren.<\/p><p>Der Ausbau der Infrastruktur war ebenfalls ein zentraler Bestandteil der Aufstandsbek&auml;mpfungsstrategie, welche ab Ende 1966 seitens der US-amerikanischen Entwicklungsbeh&ouml;rde (USAID) initiiert wurde. Diese erwirkte die Aufstockung der philippinischen Milit&auml;r- und Polizeieinheiten sowie Ausbildungskurse f&uuml;r philippinische Offiziere an US-Milit&auml;rakademien. Zus&auml;tzlich wurden <i>civic-action-<\/i>Programme entworfen, welche in Vietnam &bdquo;verfeinert&ldquo; wurden. Dabei handelte es sich um b&uuml;rgernahe Projekte (z.B. Verteilen von Lebensmitteln und Medikamenten sowie (zahn-)&auml;rztliche Reihenuntersuchungen), um &bdquo;die Herzen und Hirne der Bev&ouml;lkerung zu gewinnen&ldquo; &ndash; vor allem die der b&auml;uerlichen Bev&ouml;lkerung im Hinterland, wo gro&szlig;angelegte Infrastrukturma&szlig;nahmen (Bau von Stra&szlig;en, Br&uuml;cken, H&auml;fen) geplant waren.<\/p><p>In Manila war bis zu Beginn der 1970er Jahre ein eigens f&uuml;r Aufstandsbek&auml;mpfung gedrilltes und vom US-amerikanischen <i>Office for Public Safety <\/i>(OPS) unterst&uuml;tztes Hauptstadtkommando (METROCOM) entstanden. Damit verf&uuml;gte das Marcos-Regime &uuml;ber schlagkr&auml;ftige Instrumente, um politischem Protest jedweder Art &bdquo;effizient&ldquo; zu begegnen. Denn es regte sich bereits zu der Zeit massiver Widerstand gegen die ersten Auswirkungen der neuen Wirtschaftspolitik aus den Reihen st&auml;dtischer Transportarbeiter, von Studierenden, Kleinunternehmern sowie Teilen der nationalen Bourgeoisie. Dar&uuml;ber hinaus waren zwischenzeitlich mit der <i>Kommunistischen Partei (CPP)<\/i> und ihrer Guerilla, der <i>Neuen Volksarmee (NPA),<\/i> sowie mit der im S&uuml;den des Landes f&uuml;r Unabh&auml;ngigkeit k&auml;mpfenden <i>Moro Nationalen Befreiungsfront (MNLF)<\/i> milit&auml;rische Formationen entstanden, welche die staatlichen Sicherheitskr&auml;fte herausforderten.<\/p><p><b>Kriegsrecht und (bewaffneter) Widerstand<\/b><\/p><p>Um die innenpolitischen Rahmenbedingungen der Wirtschaftspolitik zu sichern und die Philippinen angesichts des sich abzeichnenden US-Debakels in Vietnam nicht, wie von US-Strategen bef&uuml;rchtet, als weiteren &bdquo;Dominostein&ldquo; umkippen zu lassen, verh&auml;ngte Marcos im September 1972 landesweit das Kriegsrecht. In US-Kongresshearings hie&szlig; es dazu sp&auml;ter, es sei im Falle der Philippinen mehr um die Wahrung strategischer und Sicherheitsinteressen der USA als um die Wahrung von Demokratie und Menschenrechten auf dem Archipel gegangen. Eine Position, die der fr&uuml;here CIA-Chef und damalige US-Vizepr&auml;sident George Bush Sr. noch Anfang 1981 anl&auml;sslich seiner Staatsvisite in Manila ausdr&uuml;cklich unterstrichen hatte.<\/p><p>Das Kriegsrecht bescherte Marcos eine betr&auml;chtliche Machtf&uuml;lle, die er weidlich nutzte, um politische Widersacher auszuschalten und hinter Gitter zu sperren, Gewerkschaften und freie Medien zu verbieten und gewaltsam gegen alles vorzugehen, was sich seinem Herrschaftsanspruch widersetzte. Eine Militarisierung von Staat und Gesellschaft war die Folge. Allein das Milit&auml;r wurde von 1972 bis Mitte der 1980er Jahre von 62.000 auf ann&auml;hernd 285.000 Mann aufgestockt. Ebenso wurde die Integrierte <i>Nationalpolizei\/Philippinische Constabulary<\/i> (Vorl&auml;uferin der heutigen <i>Philippinischen Nationalpolizei, PNP<\/i>) ausgebaut und es entstand eine Vielzahl paramilit&auml;rischer B&uuml;rgerwehren. &Uuml;berdies formierten sich &ndash; vielfach mit staatlicher Protektion &ndash; bewaffnete Sekten, die unter solch schillernden Namen wie <i>Rock Christ, Neues Jerusalem, Wohlt&auml;tige Philippinische Missionarsvereinigung<\/i> oder <i>Verlorenes Kommando<\/i> operierten.<\/p><p>Des Weiteren wurden Offiziere an regierungseigenen sowie ausl&auml;ndischen Unternehmen beteiligt. Zu Beginn der 1980er Jahre rekrutierten sich &uuml;ber die H&auml;lfte aller h&ouml;heren Pr&auml;sidialbeamten f&uuml;r regionale Entwicklungsvorhaben aus den Reihen des Milit&auml;rs. Der gleichzeitig zur g&uuml;ltigen Milit&auml;rstrategie erhobene <i>Oplan Katatagan (Operationsplan Stabilit&auml;t)<\/i> zielte vorrangig auf die Zerschlagung der Infrastruktur und Logistik der &bdquo;kommunistischen Subversion&ldquo; und &bdquo;muslimischer Sezessionsbestrebungen&ldquo; im S&uuml;den des Landes. Integrale Bestandteile des Oplan Katatagan bildeten: <i>Hamletting<\/i> (&bdquo;strategische Wehrd&ouml;rfer&ldquo;), Salvaging (au&szlig;ergerichtliche Hinrichtungen verd&auml;chtigter &bdquo;Rebellen&ldquo;)[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>], <i>Zoning<\/i> (Durchk&auml;mmen ganzer Wohnviertel und H&auml;userblocks, in denen &bdquo;Aufst&auml;ndische&ldquo; vermutet wurden), <i>Base denial<\/i> (Bombardierung bestimmter Gebiete, um NPA-Guerilleros potenzielle Basen beziehungsweise R&uuml;ckzugsgebiete zu &bdquo;verwehren&ldquo;) sowie Massaker, Folter und Brandschatzung. Nach Sch&auml;tzungen des Philippinischen Roten Kreuzes wurden auf diese Weise von 1972 bis Mitte der 1980er Jahre 5,7 Millionen Menschen, &uuml;ber ein Zehntel der Bev&ouml;lkerung, Opfer von Vertreibungen. Betroffen waren vorwiegend st&auml;dtische Arme, Slumbewohner, Bauern, ethnische Minderheiten und Moslems im S&uuml;den.<\/p><p><b>Staatsterror<\/b><\/p><p>All diese Ma&szlig;nahmen zielten vorrangig darauf ab, der seinerzeit weltweit schnellst wachsenden NPA-Guerilla (mit ann&auml;hernd 30.000 Kombattanten) den N&auml;hrboden zu entziehen. Als Teil des 1973 im Untergrund formierten Oppositionsb&uuml;ndnisses der <i>Nationalen Demokratischen Front der Philippinen (NDFP), <\/i>die zu der Zeit etwa eine Million Mitglieder hatte und &uuml;ber eine Massenbasis von etwa zehn Millionen Menschen verf&uuml;gte, operierten NPA-Verb&auml;nde in 62 von damals insgesamt 73 Provinzen &ndash; mancherorts bereits in Bataillonsst&auml;rke. Neurekrutierungen hatten ein Ausma&szlig; angenommen, dass eine unter Vorsitz des US-amerikanischen Senators David Durenburger erstellte Studie des Geheimdienstausschusses des US-Senats bef&uuml;rchtete, die NPA k&ouml;nnte innerhalb von drei Jahren ein &bdquo;strategisches Patt&ldquo; herstellen.<\/p><p>Ideologisch verbr&auml;mte Marcos das Kriegsrecht, das er als &bdquo;konstitutionellen Autoritarismus&ldquo; verstanden wissen wollte, mit dem gleichzeitigen Beginn einer &bdquo;Neuen Gesellschaft&ldquo;: <i>Isang Bansa, Isang Diwa (Eine Nation, ein Geist) <\/i>hie&szlig; fortan der Regime-Slogan, die philippinische Variante jener Vorstellungen, die einst Brasiliens Sicherheitsideologe, General Golbery de Couto e Silva, kategorisch so formuliert hatte: &bdquo;Die Nation ist absolut oder sie ist nichts. Eine Nation kann keinerlei Begrenzung ihrer absoluten Macht dulden.&ldquo;<\/p><p><b>Aquino-Mord und rasante gesellschaftliche Polarisierung<\/b><\/p><p>Die Ermordung des f&uuml;hrenden Oppositionspolitikers Benigno Aquino Jr. auf dem Flughafen von Manila (21. August 1983) war nicht die Ursache, wohl aber der entscheidende Ausl&ouml;ser einer sich rapide zuspitzenden sozialen, politischen und wirtschaftlichen Krise des Regimes. Davon sollte es sich nicht mehr erholen. Bis zu dessen endg&uuml;ltigem Sturz im Fr&uuml;hjahr 1986 verging kein Tag ohne Protestkundgebungen, Demonstrationen und Streiks. Schroffe gesellschaftliche Polarisierung schlug um in einen Prozess der fortschreitenden Isolierung von Marcos und seinen Getreuen.<\/p><p>Ein qualitativ neues Element in der wachsenden Anti-Marcos-Front bildete fortan das st&auml;dtische B&uuml;rgertum. Lange Zeit hatte es sich politisch abstinent verhalten und auf einen friedlichen Wandel gehofft. Mit den Sch&uuml;ssen auf seine Galionsfigur Aquino war diese Option geschwunden. Aquino, Spross einer beg&uuml;terten Grundbesitzerfamilie, war ein gewiefter Politiker, der seine politische Blitzkarriere in Zentralluzon (n&ouml;rdlich von Manila) begonnen hatte. Bis Mitte der 1960er Jahre waren er und Marcos in der Liberalen Partei politisch vereint, bis Letzterer ins Lager der oppositionellen Nationalistischen Partei &uuml;berwechselte und als deren Pr&auml;sidentschaftskandidat bei den Wahlen im Jahre 1965 das Rennen machte.<\/p><p>Aquinos eigene pr&auml;sidiale Ambitionen wurden durch die Verh&auml;ngung des Kriegsrechts j&auml;h durchkreuzt. Acht Jahre lang verbrachte er &ndash; wiewohl unter privilegierten Bedingungen &ndash; im Gef&auml;ngnis, bis Marcos ihn wegen einer Bypassoperation in die USA ausreisen lie&szlig;. Nach dreij&auml;hrigem Selbstexil kehrte er nach Manila zur&uuml;ck, befl&uuml;gelt von der Hoffnung, gemeinsam mit dem politisch umtriebigen Kardinal Jaime Sin, dem Erzbischof von Manila und Oberhaupt der katholischen Kirche im Lande, Marcos am gr&uuml;nen Tisch zur nationalen Ver- und Auss&ouml;hnung umzustimmen, um die &bdquo;wachsende kommunistische Gefahr&ldquo; zu bannen. Opposition bedeutete in Aquinos Sicht einen politischen Elitentausch, keinen Strukturwandel.<\/p><p>Eine massive Kapitalflucht infolge des Aquino-Mords erfasste die Metropole Manila. Das Regime musste ein zeitweiliges Schuldenmoratorium verk&uuml;nden, w&auml;hrend die Weltbank und der Internationale W&auml;hrungsfonds (IWF) immer kr&auml;ftiger ihre Daumenschrauben anzogen. Um &uuml;berhaupt noch dringend ben&ouml;tigte &Uuml;berbr&uuml;ckungskredite zu bekommen, musste sich Manila zur strikten Einhaltung des IWF-Diktats im Rahmen diverser Strukturanpassungsprogramme verpflichten. Darunter fielen die Aufhebung von Preiskontrollen und eine &bdquo;fortgesetzt gem&auml;&szlig;igte Lohnpolitik&ldquo;, Investitionsk&uuml;rzungen und die drastische Erh&ouml;hung des internen (direkten wie indirekten) Steueraufkommens, die Beseitigung s&auml;mtlicher Au&szlig;enhandelsbeschr&auml;nkungen und Drosselung des Devisenhandels der Zentralbank sowie das Floaten der Landesw&auml;hrung, des Peso, und die Einstellung nahezu aller Nahrungsmittelsubventionen.<\/p><p>Doch anstelle einer vom IWF prognostizierten Exporterh&ouml;hung sanken die Ausfuhrerl&ouml;se und gleichzeitig verringerten sich die Einfuhren, was angesichts der extremen Importlastigkeit im Verarbeitungssektor zu immer mehr Firmenschlie&szlig;ungen f&uuml;hrte. Allein 1984 mussten 1.500 Betriebe Bankrott anmelden und die Werkstore schlie&szlig;en. Im Gro&szlig;raum Manila grassierte die Arbeitslosigkeit. Die Situation auf dem Lande war um keinen Deut ertr&auml;glicher. 1985 verloren &uuml;ber 200.000 Saisonarbeiter auf den Zuckerrohrfeldern der Insel Negros in den Zentralphilippinen ihre Einkommensquelle, was dort zu einer akuten Hungersnot f&uuml;hrte. Die Zuckerpreise waren derma&szlig;en in den Keller gesackt, dass nicht einmal die Produktionskosten abgedeckt werden konnten.<\/p><p><b>Intensives Krisenmanagement in<\/b> <b>Washington<\/b><\/p><p>Durch solche Ereignisse alarmiert, bereiste seit Herbst 1983 &ndash; mit Ausnahme von US-Pr&auml;sident Ronald Reagan &ndash; alles, was in Washington Rang und Namen hatte, die Philippinen, um vor Ort das Ausma&szlig; der Unruhen zu studieren. Konkreter Ausdruck des Bestrebens, diesen Einhalt zu gebieten und der &bdquo;kommunistischen Guerilla den Teppich unter den F&uuml;&szlig;en wegzuziehen&ldquo;, war die Schaffung der <i>Intergovernmental Task Force on the Philippines<\/i>. Hierbei handelte es sich um ein noch im selben Jahr aus der Taufe gehobenes, beh&ouml;rden&uuml;bergreifendes Gremium aus Repr&auml;sentanten des Pentagon, State Department, der CIA, des US-Schatzamtes, des Wei&szlig;en Hauses und internationalen Bankiers. Diese Runde sollte eine vis-&agrave;-vis Manila klar abgestimmte Politik formulieren.<\/p><p>Doch in dieser Runde tauchten Unstimmigkeiten auf, die zeitweilig eine konsistente Philippinen-Politik erschwerten. Verk&uuml;rzt lie&szlig;en sich die Friktionen wie folgt charakterisieren: Das Finanzministerium, der IWF sowie das Wei&szlig;e Haus waren prim&auml;r an der &bdquo;wirtschaftlichen Gesundung&ldquo; Manilas interessiert und konzentrierten sich erst in zweiter Linie auf die &Uuml;berwindung der politischen und Legitimationskrise des Regimes. In einem wie auch immer gearteten Aufwertungsversuch von Marcos erblickte hingegen das State Department ein politisch kontraproduktives Unterfangen. Angesichts der gesellschaftlichen Widerspr&uuml;che, so die Einsch&auml;tzung seiner Beamten, gliche das dem Bem&uuml;hen, &bdquo;Zahnpasta zur&uuml;ck in die Tube zu pressen&ldquo;.<\/p><p>Das State Department favorisierte die &bdquo;gem&auml;&szlig;igte&ldquo; b&uuml;rgerliche Opposition mit Salvador H. Laurel als Galionsfigur und Generalleutnant Fidel V. Ramos, einem an der US-Milit&auml;rakademie West Point ausgebildeten Korea- und Vietnamkriegsveteranen. Dieser h&auml;tte eigentlich gem&auml;&szlig; Seniorit&auml;tsprinzip und milit&auml;rischem Ehrenkodex zum Generalstabschef bef&ouml;rdert werden m&uuml;ssen. Doch diesen Posten hatte Marcos kurzerhand einem Verwandten und dem fr&uuml;heren Chef seiner Leibgarde, General Fabian C. Ver, zugeschanzt. So musste sich Ramos damit begn&uuml;gen, lediglich als Vize des Marcos-Intimus zu fungieren.<\/p><p>Eine instruktive &ouml;konomische, politische und milit&auml;rische Lageeinsch&auml;tzung legte das State Department schlie&szlig;lich im November 1984 vor. Diese 26 Seiten umfassende Studie trug den Titel <i>&bdquo;U.S. Policy Towards the Philippines&ldquo;<\/i> und diente US-Pr&auml;sident Ronald Reagan als Grundlage f&uuml;r seine im Januar 1985 unterschriebene Nationale Sicherheitsdirektive. Diese beinhaltete ein B&uuml;ndel von 16 &bdquo;hohe Priorit&auml;t genie&szlig;enden Ver&auml;nderungen&ldquo;, um die Gefahr zu bannen, dass eine Radikalisierung in den Philippinen &bdquo;die gesamte Region destabilisiert&ldquo;. So wurde von Marcos unter anderem eine weniger rigide Amtsf&uuml;hrung, die Abschaffung des pr&auml;sidialen Vorbeugehaft-Gesetzes sowie das Aufbrechen der ihn st&uuml;tzenden Klientel-Wirtschaft im Zucker- und Koprasektor erwartet. Sibyllinisch hie&szlig; es in diesem Dokument: &bdquo;Marcos ist Teil des Problems, notwendigerweise aber auch ein Teil dessen L&ouml;sung.&ldquo;<\/p><p><b>Vorgezogene Wahl &ndash; Revolte im Milit&auml;r<\/b><\/p><p>Im Klartext: Marcos war demnach nur noch taktisch haltbar. Von strategischem Interesse &ndash; im Sinne einer &bdquo;geordneten Nachfolgeregelung&ldquo; &ndash; war indes eine Allianz aus weniger korrupten, auf Effizienz bedachten Milit&auml;rs unter Ramos und Politikern aus dem gem&auml;&szlig;igten b&uuml;rgerlichen Spektrum. W&auml;hrend Washington zu der &bdquo;Stimme seines Herrn&ldquo; auf Distanz ging und sein langj&auml;hriger Proteg&eacute; durch den eigens nach Manila gereisten CIA-Chef William Casey und Reagans Sonderbeauftragten, Senator Paul Laxalt, im Mai beziehungsweise Oktober 1985 zu vorgezogenen Pr&auml;sidentschaftswahlen <i>(snap elections) <\/i>gedr&auml;ngt wurde, blieb Marcos nichts anderes &uuml;brig, als sich diesem Oktroi zu beugen. Ende November 1985 k&uuml;ndigte er in Interviews mit US-Fernsehsendern den 7. Februar 1986 als Termin solcher Wahlen an. So wich man in Washington auff&auml;llig von der zuvor kategorisch verfolgten Linie ab, wonach es galt, seine Vasallen &ndash; wie beispielsweise zuvor in Nikaragua oder im Iran &ndash; bis zur bitteren Neige zu unterst&uuml;tzen.<\/p><p>Derma&szlig;en aufgew&uuml;hlt und polarisiert war die Stimmung im Vorfeld und w&auml;hrend dieser Wahl, dass deren Ergebnis f&uuml;r die schwindende Schar der Marcos-Bef&uuml;rworter ebenso klar war wie f&uuml;r das Lager seiner Gegner. Berichte &uuml;ber massive Wahlf&auml;lschungen und Schiebungen &uuml;berschlugen sich. Was dazu f&uuml;hrte, dass sich sowohl Marcos als auch seine Kontrahentin, die von der gem&auml;&szlig;igten Opposition erst sp&auml;t nominierte &bdquo;Cory&ldquo; Aquino, jeweils als Wahlsieger w&auml;hnten. Das Endergebnis der Wahl spielte letztlich keine Rolle mehr, als sich just am 22. Februar mit Verteidigungsminister Juan Ponce Enrile und dem damaligen stellvertretenden Generalstabschef, Generalleutnant Fidel V. Ramos, zwei vormals engste Vertraute des Pr&auml;sidenten von eben diesem abwandten und sich in den jeweiligen Hauptquartieren von Polizei und regul&auml;ren Streitkr&auml;ften verschanzten. Lange bevor das Wort &bdquo;Wendehals&ldquo; kreiert und hoff&auml;hig wurde, waren es eben Enrile und Ramos, die als dessen prototypische Verk&ouml;rperungen Geschichte schreiben sollten.<\/p><p><b>Zelebrierte &bdquo;Wunderrevolution&ldquo; mit R&uuml;ckenwind der Mutter Gottes<\/b><\/p><p>In jenen Tagen glich Manila einer gigantischen B&uuml;hne eines noch gigantischeren politischen Open Air Festivals. Mehr noch: Als r&ouml;misch-katholische Bastion in S&uuml;dostasien, wo tiefe Religiosit&auml;t vielfach mit hoch dosiertem Aberglauben ein wundersames Amalgam bildet, sahen sich zahlreiche himmlisch f&uuml;hlende Festivalbesucher so sehr von Rosenkr&auml;nzen, Wundern und der Jungfrau Maria umgeben, dass Letzterer zu Ehren im Jahre 1989 eigens ein Schrein nebst &uuml;berdimensionaler Statue eingeweiht wurde. So verstand es sich quasi von selbst, dass die Tage des Marcos-Sturzes im Lande selbst alternierend als &bdquo;Rosenkranz-&ldquo;, &bdquo;Wunder-&ldquo; und\/oder &bdquo;People-Power-Revolution&ldquo; in die Annalen eingingen. Und: Es war dies in der Endphase des Kalten Krieges und aufgrund der Pr&auml;senz von weit &uuml;ber tausend eingejetteten internationalen Medienberichterstattern auch der erste telegen ausgeleuchtete Machtwechsel in einem Land der sogenannten Dritten Welt.<\/p><p>Enrile, publicitytr&auml;chtig in Kampfuniform auftretend, seine Finger am Abzug einer UZI-Maschinenpistole, war mit Marcos seit dessen erstem Wahlsieg 1965 durch dick und d&uuml;nn gegangen. Bevor er Verteidigungsminister wurde, hatte er andere hohe Regierungsposten inne und galt f&uuml;r Marcos als Korsettstange seines Regimes. Als dessen Kumpan, von 1972 bis 1981[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] gar oberster Kriegsrechtsverwalter, hatte er, sich vom Adoptivkind zum Juristen zielstrebig nach oben arbeitend, Abermillionen aus einem von der Kokosnussindustrie und Holzeinschlag zusammengezimmerten Wirtschaftsimperium gescheffelt. Ramos, der sich gern in Machomanier mit Zigarrenstummel im Mundwinkel pr&auml;sentierte, Absolvent der US-Milit&auml;rakademie in West Point, Korea- und Vietnamkriegsveteran sowie passionierter Fallschirmspringer, stand mit der Integrierten Nationalpolizei\/Philippinischen Constabulary, der Vorl&auml;uferin der heutigen Philippine National Police, einer Truppe vor, die wegen ihrer Menschenrechtsverletzungen wiederholt national wie international scharf kritisiert worden war.<\/p><p><b>H&ouml;here Weihen &amp; liturgischer Protest<\/b><\/p><p>Der gleicherma&szlig;en in weltlichen wie religi&ouml;s &uuml;berw&ouml;lbten Machtkuppeln heimische Erzbischof von Manila, Jaime Kardinal Sin, pr&auml;sentierte sich als ein weiterer gewichtiger Protagonist jener Zeit. Als oberster Hirte des vorwiegend r&ouml;misch-katholischen Landes w&auml;hnte er zwischen dem 22. und 25. Februar G&ouml;ttliches am Werk. Unsichtbar, doch omnipr&auml;sent sei die Gottesmutter auf Manilas ausladender Stadtautobahn, der <i>Epifanio de los Santos Avenue (EDSA), <\/i>zwischen die Kontrahenten &ndash; hier die Soldaten, dort das aufbegehrende Volk &ndash; getreten. Nonnen und Priester, vereint im Gebet, beh&auml;ngten die aufgepflanzten Bajonette einer hypnotisierten, pl&ouml;tzlich domestiziert wirkenden Staatsmacht mit Rosenkr&auml;nzen und Blumen. Ein solch unerwarteter Gru&szlig; wurde &ndash; ungl&auml;ubig zwar, dann verhalten &ndash; mit eben dem Siegeszeichen der Opposition erwidert: den zum &bdquo;L&ldquo; (f&uuml;r &bdquo;Laban&ldquo;, Kampf) gespreizten Daumen und Zeigefinger.<\/p><p>&Uuml;ber den katholischen Rundfunksender <i>Radio Veritas<\/i>, der mit Geldmitteln aus den USA, seitens des <i>Opus Dei<\/i> und von bundesdeutscher Seite durch die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung gesegnet war, rief der medial gewandte Kardinal zu einem Massenspaziergang der besonderen Art auf. Treffpunkt: die sich entlang der EDSA vis-&agrave;-vis gegen&uuml;berliegenden Hauptquartiere der Nationalpolizei und der Streitkr&auml;fte, Camp Crame und Camp Aguinaldo. Jene Orte also, wo sich Ramos und Enrile mit einer st&uuml;ndlich angewachsenen Schar von Meuterern und Gefolgsleuten verbarrikadiert hatten und dort mit einem Angriff der nach wie vor loyal zu Marcos stehenden Generalit&auml;t rechneten.<\/p><p>Doch ein solcher Angriffsbefehl aus dem Pr&auml;sidentenpalast blieb aus. Zu gro&szlig; war mittlerweile die auf und entlang der EDSA versammelte Menschenmenge, dass ein gewaltsames, gar offen milit&auml;risches Eingreifen ein Massaker ungeheuerlichen Ausma&szlig;es bedeutet h&auml;tte. Welch&rsquo; ein Umschwung und Gesinnungswandel! Da waren die staatlichen Ordnungsh&uuml;ter jahrelang im Volksmund hinter vorgehaltener Hand als <i>buwaya<\/i> (Krokodile) bezeichnet worden, zu denen man tunlichst Distanz wahrte. Und nun suchte das Volk eben die N&auml;he zu Soldaten, ja beschenkte sie nebst Blumen und Rosenkr&auml;nzen mit Speis&rsquo; und Trank, die noch Stunden zuvor als hartgesottene Vertreter eines vermaledeiten Despoten gegolten hatten. Camp Crame und Camp Aguinaldo, einst Schaltzentralen gef&uuml;rchteten Staatsterrors, glichen nunmehr einem Heerlager der Friedfertigkeit. In einer solchen Situation wollten die &uuml;ber Nacht zu Rebellen mutierten Soldaten nicht schie&szlig;en. Und die zerbr&ouml;ckelnde Phalanx der Marcos-Getreuen konnte nicht (mehr) schie&szlig;en.<\/p><p><b>People Power allerorten<\/b><\/p><p>Die unbekannte, unberechenbare Gr&ouml;&szlig;e blieb das Volk. Dazu z&auml;hlten die Bauern, die schlechter behandelt wurden als ihre Wasserb&uuml;ffel; die Arbeiter, die man mit Hungerl&ouml;hnen, unbezahlten &Uuml;berstunden und Streikverboten maltr&auml;tiert hatte; die Fischer, wegsaniert von den St&auml;dteplanern einer von Grandezza und Pomp besessenen First Lady Imelda (genau, die mit der imposanten Schuhkollektion!); die Stra&szlig;enh&auml;ndler mit ihren feilgebotenen Hustenbonbons, Kaugummis, schm&auml;chtig-z&auml;hen H&auml;hnchenspie&szlig;en und wohlriechenden Sampaguita-Kr&auml;nzen; die Mittelschichten, Studenten, Krankenschwestern, gespalten und mit sich hadernd, ob sie daheim oder als <i>Overseas Workers<\/i> im Ausland ihr Gl&uuml;ck und ihre Erf&uuml;llung suchen sollten; schlie&szlig;lich die auf Exklusivit&auml;t bedachte Gro&szlig;grundbesitzerklasse und in Extravaganzen schwelgende Bourgeoisie, umgeben von einem Tross k&uuml;hler Technokraten und sprachgewaltiger Souffleure aus Wissenschaft, Kunst und Kirche.<\/p><p>Sie alle, die normalhin vieles trennt, fanden auf der EDSA zueinander, kurz nur, aber empathisch, um alsbald wieder in ihre Welt der &bdquo;gated communities&ldquo; oder &bdquo;shanties&ldquo; einzutauchen. Was blieb, musikalisch allseits beschworen, war ein Lied, das im Fr&uuml;hjahr 1986 zur Hyperhymne avancierte &ndash; neben dem antikolonialen Lied <i>Ang Bayan Ko (Mein geliebtes Heimatland) <\/i>und dem 1972 komponierten US-amerikanischen Popsong <i>Tie a yellow ribbon &rsquo;round the old oak tree (Umkr&auml;nze die alte Eiche mit einer gelben Schleife).<\/i> Es hie&szlig; <i>Handog ng Pilipino sa Mundo (Das Geschenk des Filipinos an die Welt) <\/i>und sein Komponist war Jim Paredes. &bdquo;Seht&ldquo;, so lautet eine Strophe dieses Liedes, &bdquo;was in unserem Land geschieht! Reiche und Arme tun sich zusammen &ndash; Nonnen, Priester und Soldaten vollzieh&rsquo;n den langersehnten Schulterschluss, und dieser Teil der Erde verwandelt sich in einen Himmel.&ldquo; Und der Refrain: &bdquo;Ein Geschenk des Filipinos an die Welt &ndash; ein gewaltloser Weg zur Ver&auml;nderung, Wahrheit, Freiheit, Gerechtigkeit &ndash; sie sind zu erlangen ohne Gewalt, solange wir vereint sind.&ldquo;<\/p><p><b>Gelb, Gelb &uuml;ber alles<\/b><\/p><p>Farbsymbole &ndash; auch sie kamen massenhaft zur Geltung. Neben dem &bdquo;unbefleckten&ldquo; Wei&szlig;, dem Gr&uuml;n des alten Politfuchses und &bdquo;Corys&ldquo; Vize, Salvador &bdquo;Doy&ldquo; Laurel, dessen einflussreicher Familie Marcos seine politische Karriere verdankt hatte, dem Rot der Linken und Teilen des &bdquo;Parlaments der Stra&szlig;e&ldquo; &ndash; das alles &uuml;berdeckende Gelb, &bdquo;Corys&ldquo; Lieblingsfarbe in Anlehnung an eben ihren Lieblingssong <i>Tie a yellow ribbon<\/i><i><b> &hellip; <\/b><\/i>Gelbe Fahnen, gelbes Konfetti, gelbe T-Shirts, unbeschriftete, mehr noch mit einpr&auml;gsamen Parolen beschriftete: &bdquo;Ich stoppte einen Panzer!&ldquo; &ndash; &bdquo;Ich war Teil einer Menschenbarrikade!&ldquo; &ndash; &bdquo;People Power&ldquo; etc. Ebenso rasch kursierten &bdquo;Revolutionsalben&ldquo; &ndash; in bibliophiler Ausgabe f&uuml;r jene, die daf&uuml;r locker einen halben Durchschnittsmonatslohn berappen konnten, und in erschwinglicher, einer weniger schmuckvollen Heftform. Im Mittelteil, herausnehmbar, war ein auf Pergamentpapier gedrucktes, durchnummeriertes Zertifikat eingelegt. Es bescheinigte dem Besitzer die Teilnahme an der &bdquo;Wunderrevolution vom 22. bis zum 25. Februar 1986&ldquo; und harrte nur noch der notariellen Beglaubigung.<\/p><p><i>People Power<\/i> &ndash; das Volk als Machtfaktor oder Machtfaktor Volk &ndash; war der Schl&uuml;sselbegriff und pr&auml;zisierte hernach in Verbindung mit den Beiworten &bdquo;Wunder&ldquo;, &bdquo;Rosenkranz&ldquo; und &bdquo;gewaltlos&ldquo; den Charakter der &bdquo;Revolution&ldquo;. Gepr&auml;gt wurde der Begriff People Power von Aquinos engsten Beratern &ndash; Jesuiten der exklusiven Ateneo de Manila University. Machtfaktor Volk &ndash; wer wollte dem widersprechen? Idealtypisch fing es die Stimmung einer Fiesta ein, die das Land bis dato nicht erlebt hatte und es wahrscheinlich auch nicht mehr erleben wird! Furioses Finale dieser famosesten aller Fiestas Filipiniana waren die dr&ouml;hnenden Rotorenbl&auml;tter von US-Milit&auml;rhubschraubern, die die Marcos&lsquo; im Schutz der Dunkelheit aus dem Pr&auml;sidentenpalast in die n&ouml;rdlich von Manila gelegene US-Luftwaffenbasis Clark Air Field ausflogen. Nicht die Heimatprovinz des Pr&auml;sidenten, Paoay in Ilocos Norte, sondern das Exil auf Hawaii war das Endziel eines langen Transports!<\/p><p>Dabei hatte sich Marcos noch am Morgen desselben Tages (25. Februar) auf dem Balkon seines Malaca&ntilde;ang-Palastes am tr&uuml;ben Pasig-Fluss von Claqueuren als Wahlsieger feiern lassen. Doch der langj&auml;hrige Magier der Macht, einst bewundert, jetzt geschm&auml;ht, hatte ausgespielt. Sein Gesicht &ndash; aschfahl und aufgedunsen durch Cortison-Sch&uuml;be &ndash; wirkte schlapp, als starrte es, bereits in einer verstaubten Ecke von Madame Tussauds in Wachs modelliert, auf deren ausdrucksst&auml;rkere Kabinettsfiguren. &bdquo;Machen Sie Schluss, einen sauberen Abgang&ldquo;, hatte ihm Augenblicke zuvor US-Pr&auml;sident Ronald Reagans Sonderemiss&auml;r, Senator Paul Laxalt, telefonisch beschieden. Der Mohr hatte seine Pflicht und Schuldigkeit getan, nun konnte &ndash; nein: musste &ndash; er von der B&uuml;hne abtreten.<\/p><p>Welch&lsquo; telegenes Spektakel! Dort ein despotischer Finsterling, der sich bis zuletzt krampfhaft an Macht und Pfr&uuml;nde klammerte, hier die abwechselnd in Wei&szlig; und Gelb gekleidete Lichtgestalt und unbescholtene Hausfrau &bdquo;Cory&ldquo;, die sich anschickte, beherzt das politische Erbe ihres ermordeten Gatten weiterzuf&uuml;hren! Letztere reklamierte als Finale ihren Sieg, umringt von erneut herbeigestr&ouml;mten Volksmassen, als gelte es, sich selbst und die Auferstehung der Demokratie zu zelebrieren. &bdquo;Cory&ldquo; verk&ouml;rperte in jenen Momenten das im insularen Katholizismus so &uuml;beraus dominante mariologische Element &ndash; ein ferner Abglanz einer pr&auml;-kolonialen &Auml;ra, bevor die spanischen Konquistadoren von 1571 bis 1898 landesweit ihre Machoherrschaft vollumf&auml;nglich zementierten.<\/p><p><b>Rot unter anderem<\/b><\/p><p>Und die radikale Linke in Gestalt der 1968 auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus und der Mao-Zedong-Ideen neukonstituierten Kommunistischen Partei (CPP) mit ihrer drei Monate sp&auml;ter gegr&uuml;ndeten Guerilla der Neuen Volksarmee (NPA)? Sie hatte sich nach Marcos&rsquo; Verk&uuml;ndung des Kriegsrechts im Fr&uuml;hjahr 1973 als Teil des im Untergrund operierenden Oppositionsb&uuml;ndnisses der Nationalen Demokratischen Front (NDFP) formiert und propagierte quasi als eigene s&auml;kulare &bdquo;Dreifaltigkeitslehre&ldquo; einen antiimperialistischen, antifeudalistischen und (ihrer Meinung nach) antifaschistischen beziehungsweise antidiktatorischen Kampf. Mit dem Ziel, durch einen langwierigen Volkskrieg vom Hinterland aus schrittweise die St&auml;dte zu erobern und eine volksdemokratische Herrschaft zu errichten &ndash; ein Kurs, wie Mao Zedong ihn einst in China verfolgt hatte.<\/p><p>Bis Mitte der 1980er Jahre war die NDFP mit ihren bis dato gut ein Dutzend Mitgliedsorganisationen zweifellos die ideologisch, politisch und organisatorisch hegemoniale Kraft im Kampf gegen das verhasste Marcos-Regime. Es waren NDFP-Mitglieder, die von Anfang an und am erbittertsten Widerstand gegen die Diktatur leisteten und daf&uuml;r gleichzeitig den h&ouml;chsten Blutzoll entrichteten. Doch vor allem die CPP-NPA untersch&auml;tzte fatal die besondere Dynamik des antidiktatorischen Kampfes nach dem Aquino-Mord. Unorganisierte Linke oder Linke in anderen politischen Gruppierungen galten insgeheim als suspekt, wenn sie sich &bdquo;nur&ldquo; dem demokratischen Kampf verpflichtet f&uuml;hlten und nicht auch auf einen antiimperialistisch-antifeudalen Kurs einzuschw&ouml;ren waren.<\/p><p>Was schlie&szlig;lich dazu f&uuml;hrte, dass die CPP die vorgezogene Wahl am 7. Februar 1986 als &bdquo;Get&ouml;se&ldquo; abtat, Marcos noch in dieser Phase ma&szlig;los &uuml;bersch&auml;tzte und seinen Sieg f&uuml;r ausgemacht hielt. Entsprechend rief das Exekutivkomitee des Politb&uuml;ros (Politische B&uuml;ros) des Zentralkomitees der Partei in einem knappen Mehrheitsvotum zum Wahlboykott auf und &uuml;berlie&szlig; so Linken jenseits der NDFP und dem schillernden &bdquo;Parlament der Stra&szlig;e&ldquo; ungleich gr&ouml;&szlig;ere politisch-organisatorische Handlungsspielr&auml;ume. Mit der Konsequenz, dass sich wenig sp&auml;ter zig Genossen von der Partei abwandten, desillusioniert in innerem Exil Wunden leckten oder sich fortan exklusiv dem parlamentarischen Kampf verschrieben.<\/p><p>Dabei war die NDFP seit Mitte der 1970er Jahre eine formidable Kraft, die nach eigenem Bekunden am Vorabend des Marcos-Sturzes &uuml;ber eine Million Mitglieder und eine Massenbasis von etwa zehn Millionen Menschen z&auml;hlte. NPA-Verb&auml;nde operierten in 62 der damals insgesamt 73 Provinzen &ndash; mancherorts bereits in Bataillonsst&auml;rke. Neurekrutierungen hatten ein Ausma&szlig; angenommen, dass die NPA mit ann&auml;hernd 30.000 Kombattanten von US-Milit&auml;rexperten als seinerzeit &bdquo;weltweit schnellst wachsende Guerilla&ldquo; klassifiziert wurde.<\/p><p><b>Fatale &bdquo;Corygraphie&ldquo;<\/b><\/p><p>&bdquo;Cory&ldquo; l&ouml;ste zwar rasch ihr Wahlversprechen ein, die politischen Gefangenen des Marcos-Regimes freizulassen. Das hinderte sie aber nicht daran, gleichzeitig all denjenigen Immunit&auml;t zuzusichern, die sich Menschenrechtsverletzungen hatten zuschulden kommen lassen. Das sollte sich w&auml;hrend ihrer Regentschaft r&auml;chen: Sieben Putschversuche konnten nur dank des entschiedenen Einsatzes des Generalstabschefs und sp&auml;teren Verteidigungsministers Fidel V. Ramos abgewehrt werden. &Uuml;berhaupt: Es war Ramos, der die eigentlichen Strippen zog und letztlich &bdquo;Cory&ldquo; regierte. Anstatt ihr geneigten Organisationen mehr politische Partizipationsm&ouml;glichkeiten zu er&ouml;ffnen, steuerte das zunehmend mit Hardlinern und Militaristen durchsetzte pr&auml;sidiale Kabinett einen Kurs, der die Belange des Volkes g&auml;nzlich aus den Augen verlor.<\/p><p>Die kritische Zusammenarbeit, die zahlreiche fortschrittlichen Kr&auml;fte und Personen der Pr&auml;sidentin angeboten hatten, wies Aquino zur&uuml;ck und setzte stattdessen voll auf die US-inspirierte Doktrin des <i>&bdquo;low-intensity conflict&ldquo; (Konflikt niedriger Intensit&auml;t) <\/i>und das &bdquo;total war&ldquo;-Konzept (absoluter Krieg) gegen alles (vermeintlich) Linke. Selbst blutr&uuml;nstigen B&uuml;rgerwehren, die sich damit br&uuml;steten, die abgeschlagenen K&ouml;pfe von &bdquo;Kommunisten&ldquo; als &bdquo;Troph&auml;en&ldquo; &ouml;ffentlich zur Schau zu stellen, bezeichnete die Pr&auml;sidentin als &bdquo;Verk&ouml;rperung von People Power&ldquo;. Damit erledigte sie nicht nur das Gesch&auml;ft der rechten, konservativen und reaktion&auml;ren Kr&auml;fte, sondern sorgte auch daf&uuml;r, dass die vor Marcos existente Elastizit&auml;t philippinischer Eliten-Demokratie wiederhergestellt wurde. Beispiel Enrile: Er blieb unter Aquino Chef des Verteidigungsministeriums, wenngleich er sp&auml;ter auf Distanz zur Pr&auml;sidentin ging und sie gern weggeputscht gesehen h&auml;tte. Dann machte er als steinreicher Gesch&auml;ftsmann weiter von sich reden, wurde Mitglied des Senats, um sp&auml;ter ins Repr&auml;sentantenhaus zu wechseln und erneut in den Senat einzuziehen, wo der mittlerweile 97-J&auml;hrige zeitweilig als dessen Pr&auml;sident fungierte.<\/p><p><b>Vorhang zu<\/b><\/p><p>Das zeitgleiche Ineinanderflie&szlig;en all dieser Faktoren &ndash; die pl&ouml;tzliche Abkehr eines wichtigen Segments der staatlichen Sicherheitskr&auml;fte von Marcos, ein seitens Washington neu erprobtes, ebenso gewieftes wie erfolgreiches Krisenmanagement, eine gleicherma&szlig;en vom m&auml;chtigen Klerus und der machtvoll in Erscheinung getretenen metropolitanen Bev&ouml;lkerung euphorisch unterst&uuml;tzte Lichtgestalt &bdquo;Cory&ldquo; Aquino sowie die mediale Projektion eines alten Despoten als abgehalfterter Finsterling &ndash; formte den brisanten Stoff, aus dem &bdquo;People Power&ldquo; gewebt wurde. Wenngleich jene aufw&uuml;hlenden Tage Ende Februar 1986 vieles bedeuteten und gr&ouml;&szlig;te Hoffnungen sch&uuml;rten, so obsiegten letztlich telegene Machtrochaden unter Ausschluss von <i>&bdquo;People&rsquo;s Power&ldquo; (Volksmacht)<\/i> und Vermeidung einer ebensolchen Revolution.<\/p><p>Mit den US-Luftangriffen auf die libyschen K&uuml;stenst&auml;dte Tripolis und Bengasi unter dem Codenamen <i>&bdquo;Operation El Dorado Canyon&ldquo;<\/i> am 15. April 1986 als Vergeltung auf einen mutma&szlig;lich von Libyen gesteuerten Anschlag gegen die Berliner Diskothek <i>La Belle<\/i> wenige Tage zuvor sowie mit der Nuklearkatastrophe von <i>Tschernobyl<\/i> zwei Wochen sp&auml;ter fand die exaltierte Berichterstattung &uuml;ber den Machtwechsel im fernen Manila ein j&auml;hes Ende. Seitdem erheischten die Philippinen lediglich internationale Aufmerksamkeit im Falle von Naturkatastrophen wie Taifunen, Vulkanausbr&uuml;chen oder &Uuml;berschwemmungen. Oder es befanden sich mal wieder im &auml;u&szlig;ersten S&uuml;den des Archipels Geiseln in der &bdquo;Obhut&ldquo; der als terroristisch eingestuften Abu Sayyaf &ndash; aber das auch nur, solange es sich dabei zumindest um &bdquo;westliche&ldquo; Geiseln handelte.<\/p><p><b>Epilog<\/b><\/p><p>Just <a href=\"https:\/\/opinion.inquirer.net\/137910\/edsa-35-years-later\">35 Jahre nach Marcos&lsquo; Sturz<\/a> amtiert mit dem gl&uuml;henden Marcos-Verehrer Rodrigo Roa Duterte ein Mann in Manilas Pr&auml;sidentenpalast Malaca&ntilde;ang (seinen Werdegang und politischen Aufstieg beschrieb ich <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40495\">an dieser Stelle<\/a> ausf&uuml;hrlich), dessen Amtszeit offiziell im Sommer n&auml;chsten Jahres endet, w&auml;hrend Familienmitglieder des von ihm verehrten Idols noch immer kr&auml;ftig in der Politik des Landes mitmischen. So sitzt mit Imee der &auml;lteste Marcos-Spross im Senat, w&auml;hrend andere Verwandte die Heimatprovinz Ilocos Norte wie ihr privates F&uuml;rstentum betrachten (k&ouml;nnen) und dort s&auml;mtliche bedeutsamen politischen Positionen &ndash; ob als Gouverneur, B&uuml;rgermeister oder Gemeinder&auml;te &ndash; innehaben. Keiner der <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Marcos_family\">Marcos-Familie<\/a> verbrachte auch nur einen Tag hinter Gittern und der Gro&szlig;teil der einst gepl&uuml;nderten Staatsgelder des Marcos-Ehepaars, deren H&ouml;he die <i>Intelligence Unit<\/i> der Londoner Wirtschaftszeitschrift <i>The Economist<\/i> auf umgerechnet zwischen f&uuml;nf bis sechs Milliarden US-Dollar bezifferte, konnte bis heute nicht sichergestellt werden.<\/p><p>Wenngleich sich Duterte in den letzten Wochen nur selten in der &Ouml;ffentlichkeit zeigte und es stattdessen vorzieht, in aufgezeichneten Videoclips jeweils am sp&auml;ten Montagabend aufzutreten, sind es gegenw&auml;rtig hochrangige Soldaten und Polizisten, ehemalige Milit&auml;rs und handverlesene B&uuml;rokraten, die <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66799\">das Tagesgeschehen bestimmen<\/a>. Mit verheerenden Konsequenzen: Das Land litt in der Region unter dem l&auml;ngsten und h&auml;rtesten Lockdown w&auml;hrend der Covid-19-Pandemie sowie unter dem verheerendsten Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts um etwa zehn Prozent, w&auml;hrend dem Gros der Bev&ouml;lkerung Massentests, wirksame Wirtschaftshilfe, Impfungen und andere lebenswichtige Dienste <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68313\">vorenthalten bleiben<\/a>. Zerst&ouml;rerische Bergbau- und Abholzungsaktivit&auml;ten halten an im Klima aufgeheizter Militarisierung, in deren Fadenkreuz vorrangig Indigene im S&uuml;den und im zentralen Teil des Landes geraten. Schmuggel mit importierten Nahrungsmitteln tr&auml;gt zur Zerst&ouml;rung der lokalen Nahrungsmittelproduktion bei und sch&uuml;rte vielerorts nach katastrophalen Umweltzerst&ouml;rungen (Taifune und &Uuml;berschwemmungen) Hunger und Krankheiten.<\/p><p>So richten sich seitens zahlreicher <a href=\"http:\/\/www.investigate.ph\/\">NGOs und Menschenrechtsorganisationen im In- wie Ausland<\/a> hoffnungsvolle Blicke auf die n&auml;chsten Sitzungen des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen sowie auf den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, um dort eine Anklage wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gegen Dutertes Antidrogenkrieg[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] mit mittlerweile gesch&auml;tzten 28.000 bis 30.000 Opfern &bdquo;au&szlig;ergerichtlicher Hinrichtungen&ldquo; in die Wege zu leiten.<\/p><p>Eins steht trotz allem, von ultrarechten und reaktion&auml;ren Elementen bem&uuml;htem Geschichtsrevisionismus, wonach die Marcos-Zeit eine &bdquo;goldene &Auml;ra&ldquo; gewesen sei, fest: Wer einen Duterte hat, braucht keinen Marcos (mehr)!<\/p><p>Titelbild: Marloujoe\/shutterstock.com<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><b>Quellen &amp; weiterf&uuml;hrende Lekt&uuml;re<\/b><\/p><ul>\n<li>Belinda A. Aquino (1999): Politics of Plunder: The Philippines Under Marcos. Quezon City (2<sup>nd<\/sup> ed. with an epilogue)<\/li>\n<li>Aktionsgruppe Philippinen e.V. (Hg.) (1986): Philippinen &ndash; wenn der Bambus bricht. Reinbek bei Hamburg<\/li>\n<li>Raymond Bonner (1987): Waltzing with a Dictator: The Marcoses and the Making of American Policy. New York<\/li>\n<li>Tim Kuschnerus\/Rainer Werning (1987): Die Philippinen unter Aquino &ndash; Facetten eines Machtwechsels. Frankfurt a.M.<\/li>\n<li>Primitivo Mijares (2017): The Conjugal Dictatorship of Ferdinand and Imelda Marcos (2nd rev. Edition). Quezon City<\/li>\n<li>Jonathan Miller (2018): Duterte Harry: Fire and Fury in the Philippines. Brunswick\/London<\/li>\n<li>Rainer Werning (1987): Philippinen: Die Anatomie des Aufstiegs und Niedergangs einer Diktatur, in: Verfassung &amp; Recht in &Uuml;bersee (VR&Uuml;), S. 313 &ndash; 335. Baden-Baden<\/li>\n<li>Rainer Werning\/J&ouml;rg Schwieger (2019): Handbuch Philippinen: Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Kultur (6., akt. &amp; erw. Auflage). Berlin<\/li>\n<li>Daniel B. Schirmer\/Stephen Rosskamm Shalom (Eds. &ndash; 1987): The Philippines Reader: A History of Colonialism, Neocolonialism, Dictatorship, and Resistance. Boston<\/li>\n<li>Sterling Seagrave (1988): The Marcos Dynasty: The Corruption of Ferdinand and Imelda Marcos. New York<\/li>\n<li>Lukas Schwarzacher\/Hermann Vinke (1987): Philippinen: Die unvollendete Revolution. Bornheim-Merten<\/li>\n<\/ul><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/133533aa2a9643f4ab7df641ce1a8a52\" alt=\"\" title=\"\" height=\"1\" width=\"1\"><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Clark Air Field war das Hauptquartier der 13. US-Luftwaffe, w&auml;hrend die Subic Naval Base der im weit gespannten G&uuml;rtel vom Pazifik &uuml;ber Japan, Australien, dem S&uuml;dchinesischen Meer, dem Indischen Ozean (Diego Garcia) und Persischem Golf bis hin zum Roten Meer operierenden 7. US-Flotte als Dreh- und Angelpunkt diente. Dort waren auch die bedeutsamsten C3I (Kommando-, Kontroll-, Kommunikations- und nachrichtendienstlichen Installationen) sowie land- und seegest&uuml;tzte Land- und Mittelstreckenraketen disloziert.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] &bdquo;Salvaging&ldquo; meint eigentlich die Rettung\/Bergung von in (See-)Not Geratenen. W&auml;hrend der Marcos-Diktatur diente &bdquo;salvaging&ldquo; als besch&ouml;nigender Begriff f&uuml;r systematisch begangene Menschenrechtsverletzungen.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Da im Februar 1981 ein Besuch von Papst Johannes Paul II. in Manila anstand, hatte Marcos am 17. Januar 1981 das Kriegsrecht de jure aufgehoben, wenngleich die damit verbundenen pr&auml;sidialen Machtbefugnisse de facto bis Ende Februar 1986 intakt blieben.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Der im Herbst 2019 unter der Regie von James Jones und Olivier Sarbil ver&ouml;ffentlichte Dokumentarfilm <i>On the President&rsquo;s Orders<\/i> zeigt das ganze Ausma&szlig; des perfiden Antidrogenkrieges, der seitens des herrschenden Duterte-Regimes von einem gezielten <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2019\/10\/03\/movies\/on-the-presidents-orders-review.html\">Krieg gegen die Armen und Marginalisierten<\/a> mittlerweile zu einem Krieg gegen &bdquo;Terroristen und Kommunisten&ldquo; ausgeweitet wurde. Seit dem Jahreswechsel ist eine verst&auml;rkte Hatz gegen alle im Gange, die &ouml;ffentlich Dissens, Kritik und Widerspruch &auml;u&szlig;ern.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 35 Jahren endete die Amtszeit von Ferdinand E. Marcos (1965-86), des engsten US-Vasallen in S&uuml;dostasien. Es war der erste medial voll ausgeleuchtete Machtwechsel in einem Land der sogenannten Dritten Welt &ndash; mal als &bdquo;Wunder-&ldquo;, mal als &bdquo;Rosenkranzrevolution&ldquo; &uuml;berschw&auml;nglich gepriesen. Seit ann&auml;hernd f&uuml;nf Jahren amtiert mit Rodrigo R. Duterte ein Pr&auml;sident in Manila, der sich<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=70226\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":70227,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,212,20],"tags":[3038,881,282,2183,380,589,2539,3037,305,2520,1971,2283,1177,2490,1556],"class_list":["post-70226","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-gedenktagejahrestage","category-landerberichte","tag-aquino-corazon","tag-armut","tag-buergerproteste","tag-duterte-rodrigo","tag-export","tag-iwf","tag-kriegsrecht","tag-marcos-ferdinand","tag-menschenrechte","tag-mord","tag-philippinen","tag-revolution","tag-rezession","tag-staatsterrorismus","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/shutterstock_1132485854.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/70226","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=70226"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/70226\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":70230,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/70226\/revisions\/70230"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/70227"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=70226"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=70226"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=70226"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}