{"id":70296,"date":"2021-03-01T08:29:53","date_gmt":"2021-03-01T07:29:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=70296"},"modified":"2021-03-01T12:49:28","modified_gmt":"2021-03-01T11:49:28","slug":"blutsonntag-in-myanmar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=70296","title":{"rendered":"Blutsonntag in Myanmar"},"content":{"rendered":"<p>Nach fast einem Monat andauernder Proteste hat die Milit&auml;rjunta in Myanmar den Rubikon &uuml;berschritten und scheint jetzt entschlossen zu sein, die Proteste auf ihre Art zu beenden. Nach einer Rede des UN-Botschafters von Myanmar vor der UN-Generalversammlung am Freitag wurden am Sonnabend hunderte von Menschen in ganz Myanmar festgenommen. Dutzende wurden verletzt, als die Sicherheitskr&auml;fte in Zuge einer gezielten Niederschlagung von Protesten gegen das Milit&auml;rregime im ganzen Land jeden angriffen, der sich ihnen in den Weg stellte. Der staatliche Sender Myanmar Radio and Television gab am Abend bekannt, dass am Samstag bereits 479 &ldquo;Staatsgegner&rdquo; im ganzen Land festgenommen wurden. Bis zum Sonntagmorgen waren mindestens 18 Menschen von der Polizei erschossen worden. Von <strong>Jinthana Sunthorn<\/strong>, Hong Kong. &Uuml;bersetzung aus dem Englischen von der Redaktion.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Die Lage spitzt sich zu<\/strong><\/p><p>Seit drei Wochen gehen die Menschen in Burma auf die Stra&szlig;e, um die Milit&auml;rdiktatur anzuprangern. Die Proteste f&uuml;hrten vor dem Wochenende bereits zu Blutvergie&szlig;en, unter anderem in der Hauptstadt Naypyitaw und in Mandalay, wo in der vergangenen Woche f&uuml;nf Menschen, unter ihnen ein 16-j&auml;hriger Junge, von Bereitschaftspolizei und Soldaten erschossen wurden. Das erste Opfer aber war Mya Thweh Thweh Khine, eine 20-j&auml;hrige Studentin, die bereits am 9. Februar in den Kopf geschossen wurde und 10 Tage sp&auml;ter verstarb. Ihre Beerdigung fand unter gro&szlig;er Beteiligung statt. <\/p><p>Die Polizei und das Milit&auml;r hatten sich nach dem Putsch vom ersten Februar anfangs zur&uuml;ckgehalten. Sie waren selber &uuml;berrascht &uuml;ber das Ausma&szlig; der Ablehnung, die ihnen entgegenschlug, und wahrscheinlich hofften sie, dass die Protestwelle nach einiger Zeit wieder von selber abebben w&uuml;rde. Es ist klar, dass das Regime von einem weiteren Blutbad nichts zu gewinnen und viel zu verlieren hat.  Innenpolitisch wird eine systematische Niederschlagung die ohnehin schon w&uuml;tende und feindselige Bev&ouml;lkerung noch mehr erz&uuml;rnen. International wird ein weit verbreitetes Blutvergie&szlig;en das Regime noch mehr in Verruf bringen und in die Isolation treiben. <\/p><p>Aber die Menschen gingen trotz aller Drohungen des Regimes unbeirrt jeden Tag erneut auf die Stra&szlig;e, erfanden immer neue Techniken des Protestes und drohten, das Land unregierbar zu machen.  Der Widerstand wurde immer st&auml;rker und weitete sich schlie&szlig;lich zu einem landesweiten Generalstreik aus. Die Welt konnte zuschauen, das Internet und die sozialen Medien verbreiten alles in Windeseile.<\/p><p>Myanmars Junta regiert derzeit eine Nation im Stillstand. Jetzt will das Regime seine Autorit&auml;t mit aller Gewalt durchsetzen, die Streiks beenden und die Proteste zum Verstummen bringen. Die Sicherheitskr&auml;fte griffen bereits am Freitag (26. Februar) friedliche Anti-Putsch-Demonstranten in den drei gr&ouml;&szlig;ten St&auml;dten Myanmars an, feuerten mit Gewehren, warfen Blendgranaten und schlugen mit Schlagst&ouml;cken auf die Menschen ein.  Dabei nahmen sie auch Journalisten ins Visier, die &uuml;ber die Geschehnisse berichteten.<\/p><p>Am Samstag, 27. Februar, wurde das Vorgehen gegen die Demonstranten gewaltt&auml;tiger und umfassender als bisher. Es kam zu blutigen &Uuml;berf&auml;llen des Milit&auml;rs im ganzen Land, vom Kachin-Staat im Norden bis nach Myeik im tiefen S&uuml;den Myanmars. Videos zeigen, dass Bereitschaftspolizei, Soldaten und einige Polizisten in Zivil exzessive Gewalt anwandten und mit ihren Schlagst&ouml;cken auf unbewaffnete Zivilisten einschlugen. Die Schergen der Junta beschr&auml;nkten sich aber nicht darauf, Demonstranten ins Visier zu nehmen. Sie sch&uuml;chterten wahllos Unbeteiligte ein und verhafteten auch sie. <\/p><p>Unbeeindruckt von den wiederholten Angriffen der Polizei organisierten sich die Demonstranten, nur ausger&uuml;stet mit Schutzhelmen und Gasmasken, im Laufe des Tages f&uuml;r weitere Kundgebungen hinter behelfsm&auml;&szlig;igen Barrikaden, die gr&ouml;&szlig;tenteils aus M&uuml;lltonnen und Karren bestanden. <\/p><p>Mindestens 30 Menschen wurden verletzt, als Soldaten und Polizei am vergangenen Samstag eine Demonstration in Mandalay mit Gewalt aufl&ouml;sten. Hunderte Menschen hatten sich versammelt, um streikende Werftarbeiter zu unterst&uuml;tzen. Ein 16-j&auml;hriger Demonstrant wurde durch einen Kopfschuss auf der Stelle get&ouml;tet, w&auml;hrend ein anderer im Krankenhaus an einem Schuss in die Brust starb.<\/p><p>Der gestrige Sonntag war der bisher t&ouml;dlichste Tag seit Beginn des Aufstandes. Die vorl&auml;ufige Bilanz bis zum fr&uuml;hen Nachmittag: mindestens 18 Menschen wurden get&ouml;tet und Dutzende weitere festgenommen und verletzt, die endg&uuml;ltige Zahl wird wahrscheinlich h&ouml;her sein.<\/p><p>Selbst nach tagelangen, st&auml;ndig eskalierenden Angriffen durch Polizei und Soldaten gingen die Demonstranten in Rangun, Dawei, Mandalay, Bago und anderen St&auml;dten zu Zehntausenden auf die Stra&szlig;e. In Rangun war die Polizei schon zu Beginn des Tages im Einsatz, um die protestierende Menge an den Hauptkundgebungspunkten aufzul&ouml;sen. An einer Stra&szlig;enkreuzung hatten sich tausende Menschen versammelt, als die Polizei anr&uuml;ckte. Innerhalb weniger Minuten begann die Polizei, die Menge mit Granaten anzugreifen und dann mit scharfer Munition auf sie zu schie&szlig;en. Ebenfalls in Rangun l&ouml;sten die Sicherheitskr&auml;fte einen Protest von Lehrern auf und erschossen eine Lehrerin der Schule.   Die Bereitschaftspolizei verfolgte fl&uuml;chtende Demonstranten in den Wohnvierteln und sch&uuml;chterte unbeteiligte Umstehende ein.  Trotz des brutalen Vorgehens der Polizei versammelten sich weiterhin &uuml;berall im Land gro&szlig;e Menschenmengen, die antimilit&auml;rische Slogans skandierten, den Dreifingergru&szlig; zeigten und revolution&auml;re Lieder sangen. <\/p><p>Laut Angaben der Zeitung &bdquo;The Irrawaddy&ldquo; verhafteten sie auch die Journalisten, die &uuml;ber die Proteste der Bewegung des zivilen Ungehorsams berichten: &bdquo;Bis zum Samstagabend wurden mehr als 10 lokale Journalisten von Nachrichtenagenturen wie 7 Day News, Myanmar Now, Monywa Gazette, Hakha Times und The Associated Press von Sicherheitskr&auml;ften in Rangoon, Monywa, Chin State und anderen Gebieten festgenommen.&ldquo;<\/p><p><strong>Methoden der Unterdr&uuml;ckung<\/strong><\/p><p>Die Methoden der Unterdr&uuml;ckung sind neben der Niederschlagung von Protesten auf der Stra&szlig;e dieselben, die bisher alle faschistischen und stalinistischen Regime angewandt haben, von den Nazis &uuml;ber Stalin bis zu Pinochet und Konsorten in S&uuml;damerika. In diese Kategorie geh&ouml;rt auch die burmesische Milit&auml;rjunta.<\/p><p>Bereits kurz nach dem Putsch, am 12. Februar, warnte das Regime alle Journalisten davor, in ihren Berichten von &bdquo;Junta&ldquo; oder &bdquo;Regime&ldquo; zu sprechen, und warnte die Zeitungen, dass sie ihre Lizenz verlieren w&uuml;rden, wenn sie die &bdquo;verfassungsm&auml;&szlig;ige Regierung&ldquo;, als die die Junta sich selber sieht, weiterhin als &bdquo;Regime&ldquo; oder &bdquo;Junta&ldquo; bezeichnen w&uuml;rden.<\/p><p>Seit dem Putsch sind viele bekannte Oppositionelle auf der Flucht, um einer drohenden Verhaftung zu entgehen. Sie schlafen nie mehr als drei N&auml;chte im selben Bett. Das Milit&auml;rregime hat die &Ouml;ffentlichkeit davor gewarnt, fl&uuml;chtige politische Aktivisten zu beherbergen, nachdem es Haftbefehle gegen sie erlassen hat. Um das Beherbergungsverbot durchzusetzen, hat das Regime das &bdquo;&Uuml;bernachtungsgast-Registrierungssystem&ldquo;, das von der NLD-Regierung abgeschafft worden war, wieder eingef&uuml;hrt. Das G&auml;steregistrierungssystem dient in erster Linie dazu, diejenigen, die sich dem Regime widersetzen, und auch diejenigen, die ihnen helfen, zu verfolgen. Kurz nach dem Putsch f&uuml;hrte das Regime die Vorschrift wieder ein, die von den Bewohnern verlangt, eine Erlaubnis f&uuml;r &Uuml;bernachtungsg&auml;ste vom Bezirksverwalter zu beantragen. Die Strafe f&uuml;r das Vers&auml;umnis, eine solche Genehmigung einzuholen, ist eine Geldstrafe von 10.000 Kyat oder sieben Tage Gef&auml;ngnis. <\/p><p>Das Gesetz erlaubt den Sicherheitskr&auml;ften, auch sp&auml;tn&auml;chtliche Razzien ohne Haftbefehl durchzuf&uuml;hren. W&auml;hrend die Menschen w&auml;hrend der Ausgangssperre von 20 Uhr bis 4 Uhr morgens in ihren H&auml;usern sind, tauchen Sicherheitskr&auml;fte auf, um &bdquo;ein paar Fragen zu stellen&ldquo; und das Haus nach Verd&auml;chtigen oder Spuren von ihnen zu durchsuchen. Als Reaktion darauf haben sich bereits ganze Stadtteile zusammengeschlossen, um diejenigen zu sch&uuml;tzen, die von einer Verhaftung bedroht sind, und gehen trotz Ausgangssperre nachts auf Patrouille. (siehe: <a href=\"https:\/\/www.myanmar-now.org\/en\/news\/the-return-of-the-dreaded-knock-on-the-door\">The return of the dreaded knock on the door, Myanmar now vom 26. Feb 2021<\/a>)<\/p><p>Eine weitere neue Taktik sind n&auml;chtliche Internetabschaltungen zwischen 1 und 9 Uhr. Ohne die Gesch&auml;ftsaktivit&auml;ten tags&uuml;ber &uuml;berm&auml;&szlig;ig zu beeintr&auml;chtigen, erleichtern die Abschaltungen den Truppen die Suche und Festnahme von Protestf&uuml;hrern, von denen nach UN-Quellen inzwischen bereits &uuml;ber 500 festgenommen wurden.  <\/p><p>Seit den Massenstreiks hat die Junta auch die lokale Gesch&auml;ftswelt im Visier. Dutzende von gro&szlig;en, mittleren und kleinen Gesch&auml;ftsinhabern und Unternehmern im ganzen Land wurden vom B&uuml;ro des Chefs f&uuml;r Sicherheitsangelegenheiten, dem gef&uuml;rchtetsten Zweig des milit&auml;rischen Geheimdienstes Myanmars, vorgeladen, verh&ouml;rt und festgenommen. Sie werden beschuldigt, Spenden an die National League for Democracy (NLD) geleistet zu haben. Auch &Auml;rzte und Lehrer, die an der Spitze der Bewegung des zivilen Ungehorsams stehen, wurden verhaftet. <\/p><p>In den letzten Tagen hat das Regime zudem eigene Schl&auml;gertrupps in Zivil gegen die Demonstranten eingesetzt. Diese Taktik wendet auch Thailand regelm&auml;&szlig;ig an, indem das dortige Regime regierungstreue, gewaltt&auml;tige Monarchisten gegen Demonstranten aufhetzt und wegschaut, wenn sie auf ihre Gegner einpr&uuml;geln oder sie erschie&szlig;en. Die Anh&auml;nger des Milit&auml;rs kommen und gehen zum USDP-B&uuml;ro in Rangun (die USDP ist die Partei, die f&uuml;r die Milit&auml;rs bei den Wahlen vom 8. November antrat) und werden von dort aus zu ihren &bdquo;Einsatzorten&ldquo; gefahren, um Krawall zu machen und Schl&auml;gereien anzuzetteln. Sie werden oft auch f&uuml;r die Teilnahme an Kundgebungen zur Unterst&uuml;tzung des Milit&auml;rs bezahlt. Im Volk nennt man sie die KYAs, weil sie etwa 5000 Kyat f&uuml;r jede solche Aktion bekommen. Die KYAs sind oft mit Messern, Eisenstangen und Steinschleudern bewaffnet. Viele Demonstranten wurden in den letzten Tagen von dieser burmesischen S.A.-Truppe verletzt.<\/p><p>Den Angeh&ouml;rigen der Verletzten werden Besuche im Krankenhaus verweigert. Schlimmer noch: Die Verletzten bekommen dagegen Besuch von den Schergen der Junta und werden im Krankenhaus festgehalten. So wurde einem 26-j&auml;hrigen, jungen Mann ins Bein geschossen und er wurde in ein Krankenhaus in Mandalay gebracht. Wenig sp&auml;ter war er tot. Das Milit&auml;r machte Covid-19 f&uuml;r den Tod verantwortlich, seine Frau meint, man habe ihn zu Tode gepr&uuml;gelt.<\/p><p><strong>Die internationale Lage<\/strong><\/p><p>Bereits kurz nach dem Putsch hatte der Putschisten-General und Chef der derzeitigen burmesischen Junta einen Brief an den thail&auml;ndischen Premierminister Chan-Ocha geschrieben, um ihm darin zu erkl&auml;ren, warum der Putsch unumg&auml;nglich gewesen sei, und um ihn zu bitten, seiner Junta beim &bdquo;Demokratisierungsprozess&ldquo; (sic) zu helfen. Das ist schon grotesk, wenn man wei&szlig;, dass Chan-Ocha im Jahre 2014 selber einen Putsch in Thailand angef&uuml;hrt hat und sich nach manipulierten Wahlen zum Premierminister hat ernennen lassen, obwohl er noch nicht einmal gew&auml;hlter Abgeordneter des Parlamentes ist. <\/p><p>Am vergangenen Mittwoch war der Au&szlig;enminister von Myanmars Milit&auml;rregierung, Maung Lwin, zu Gespr&auml;chen mit Chan-Ocha und Thailands Au&szlig;enminister in Bangkok. Dort traf er auch mit der Au&szlig;enministerin von Indonesien, Frau Retno Marsudi, zusammen, die gerade in Bangkok weilte, aber zu diesem Zeitpunkt lieber nicht zu Gespr&auml;chen nach Myanmar fliegen wollte. <\/p><p>Das Treffen hatte in Myanmar zu weiteren Protesten gef&uuml;hrt, denn Maung Lwin ist nicht der gew&auml;hlte Au&szlig;enminister von Myanmar. Der hei&szlig;t Htin Lin Aung und wurde von der Junta festgesetzt. Ein Treffen mit dem von der Milit&auml;rjunta eingesetzten Au&szlig;enminister kommt einer Anerkennung seiner Funktion gleich. <\/p><p>Nach dem Treffen schlug Frau Marsudi tats&auml;chlich eine Neuwahl f&uuml;r Myanmar vor. Es scheint, dass sie aber einen R&uuml;ckzieher machen musste, da der Vorschlag selbst in diplomatischen Kreisen mit Skepsis aufgenommen wurde. Pro-demokratische Gruppen in Myanmar protestierten vor der indonesischen Botschaft in Rangun und erkl&auml;rten, dass sie nichts weniger als die Anerkennung des Wahlergebnisses vom 8. November akzeptieren w&uuml;rden.<\/p><p>Die Vorschl&auml;ge der Regierungen in Europa zielen in der Regel darauf ab, dass die Situation in Myanmar zum Status quo ante zur&uuml;ckkehre. Eine R&uuml;ckkehr zum Zustand von vor dem 1. Februar ist aber unrealistisch. Selbst wenn die Junta zur&uuml;cktreten und die Wahl akzeptieren w&uuml;rde, Frau Suu Kyi und der NLD also erlaubt w&uuml;rde, die Regierungsgesch&auml;fte wieder zu &uuml;bernehmen, w&uuml;rde die Gefahr eines erneuten Putsches wie ein Damoklesschwert weiterhin &uuml;ber der zivilen Regierung schweben. Deshalb fordern die Demonstranten in Myanmar gr&ouml;&szlig;ere Verfassungs&auml;nderungen. Viele Demonstranten fordern auch ein neues f&ouml;deralistisches System, eine L&ouml;sung f&uuml;r die ethnischen Konflikte in vielen Teilen des Landes, die zu Instabilit&auml;t zwischen der zivilen Regierung und dem Milit&auml;r gef&uuml;hrt haben.  <\/p><p>Und au&szlig;erdem kann man ja nicht einfach so das Geschehene vergessen und die Putschisten ungestraft lassen. Hochverrat und Massenmord sind schlie&szlig;lich kein Kavaliersdelikt. Da kann man doch nicht einfach sagen: Schwamm dr&uuml;ber, komm&rsquo;, wir vertragen uns wieder. Die Putschisten m&uuml;ssen vor ein &ouml;ffentliches Gericht gestellt werden, das Volk soll dann &uuml;ber ihr Schicksal entscheiden. <\/p><p>Die meisten Staaten verurteilen zwar den Putsch, einige L&auml;nder haben auch schon Sanktionen verh&auml;ngt oder angek&uuml;ndigt. Da die Sanktionen wenig Wirkung zeigen, glauben einige, dass die  Hoffnung f&uuml;r eine friedliche L&ouml;sung bei der ASEAN liege. Die Au&szlig;enminister der ASEAN-Staaten, deren Mitglied Myanmar ist, wollen sich am morgigen Dienstag zu einer Beratung treffen. <\/p><p>Aber wollen wir uns nichts vormachen: Die Hoffnung f&uuml;r die burmesische Demokratie liegt nicht bei Aung San Suu Kyi, nicht beim Westen und auch nicht bei den ASEAN-Partnern. Die sogenannte &bdquo;internationale Gemeinschaft&ldquo; wird bedeutungslose hei&szlig;e Luft &uuml;ber den Coup blasen, aber nichts von der Substanz wird sich damit &auml;ndern. Internationale Sanktionen haben noch nie eine Demokratie herbeigef&uuml;hrt.<\/p><p>Die Tatmadaw zeigte sich unger&uuml;hrt, als die USA 1998 Sanktionen verh&auml;ngten, nachdem das Milit&auml;r einen Protest gewaltsam niedergeschlagen hatte. Sie zeigte sich unger&uuml;hrt von der jahrelangen internationalen Verurteilung, die auf die Inhaftierung von Suu Kyi folgte. Und sie zeigte sich unger&uuml;hrt von den Sanktionen, die Donald Trump wegen der Massaker an den Rohingya-Muslimen im Rakhine-Staat verh&auml;ngte. Die wahre Hoffnung f&uuml;r die burmesische Demokratie besteht darin, dass es der pro-demokratischen Bewegung gelingt, die Putschisten unsch&auml;dlich zu machen und eine Volksregierung an die Macht zu bringen. Ob und inwieweit Suu Kyi und die NLD dann noch mit im Spiel sind, das wird man dann sehen, es jetzt bereits zu fordern, ist unrealistisch, denn die NLD war stets zu faulen Kompromissen mit den Milit&auml;rs bereit. Deshalb &uuml;brigens ist Burma jetzt in dem Schlamassel, wo es ist, und mitnichten deshalb, weil Suu Kyi zu stur und nicht kompromissbereit gewesen w&auml;re. <\/p><p>Am Freitag, 26. Februar, sprach der UN-Botschafter von Myanmar, Kyaw Moe Tun, vor der Generalversammlung der UNO. Der sichtlich bewegte Gesandte Myanmars stellte sich auf die Seite der gest&uuml;rzten Regierung der NLD und sprach im Namen der Millionen von Menschen in Myanmar, die den Milit&auml;rputsch ablehnen. Er bat die internationale Gemeinschaft, nicht mit dem Regime zu kooperieren und zu helfen, es zu entfernen, damit die Macht an die gew&auml;hlte Regierung zur&uuml;ckgegeben werden kann. Zum Schluss seiner Rede, die den Applaus aller anwesenden Staaten fand, zeigte er den Dreifinger-Gru&szlig;, das Zeichen der Demokratiebewegung sowohl in Thailand als auch in Myanmar. Unn&uuml;tz zu sagen, dass er daraufhin von der regierenden Milit&auml;rjunta in Burma seines Amtes enthoben und des Hochverrates angeklagt wurde. Seine tapfere Rede ist einmalig in der Geschichte der UN. Noch nie hat ein Botschafter dort dazu aufgerufen, die Regierung seines Landes zu st&uuml;rzen. Die Rede von Kyaw Moe Tun hat vielen Menschen in Burma Mut gemacht und wurde dort begr&uuml;&szlig;t und auf den sozialen Medien geteilt. (Hier die Rede: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=G-YepXLfPZc&amp;ab_channel=HongKongFreePress\">Myanmar envoy Kyaw Moe Tun breaks ranks, urges &lsquo;strongest possible&rsquo; UN action against military coup<\/a>)<\/p><p><strong>Epilog<\/strong><\/p><p>Drei Tage nach dem Putsch, am 4. Februar 2021, legten 70 gew&auml;hlte Abgeordnete der NLD in einem Privathaus einen Amtseid ab und versprachen, sich an das Mandat des Volkes zu halten und ihr Amt als gew&auml;hlte Volksvertreter auszu&uuml;ben. Danach bildeten 300 gew&auml;hlte Abgeordnete das Komitee zur F&uuml;hrung der parlamentarischen Angelegenheiten (CRPH) und forderten die internationale Gemeinschaft sowie die UN-Diplomaten auf, sich ausschlie&szlig;lich an das Komitee zu wenden, um offizielle Regierungsangelegenheiten zu besprechen. Dieser Aufforderung ist Kyaw Moe Tun gefolgt. Die thail&auml;ndische Regierung, die indonesische Regierung und die ASEAN sprechen aber, wie es scheint, lieber direkt mit der Milit&auml;rjunta. Von ihnen hat das burmesische Volk nicht viel zu erwarten. <\/p><p>Die Rede von Kyaw Moe Tun hat die Junta endg&uuml;ltig vor der Welt&ouml;ffentlichkeit diskreditiert. Alle Hoffnungen der burmesischen Putschistenregierung auf internationale Anerkennung d&uuml;rften jetzt den Bach hinuntergegangen sein. Niemand wird jetzt noch riskieren, mit ihnen unter der Laterne gesehen zu werden.  <\/p><p>Am Samstag, 27. Februar, erkl&auml;rte die Junta das Wahlergebnis vom 8. November f&uuml;r ung&uuml;ltig. Die Junta warnte die Abgeordneten, &bdquo;die nicht an der CRPH teilnehmen wollen, k&ouml;nnen sich von Sonntag bis zum 6. M&auml;rz pers&ouml;nlich bei den jeweiligen Regierungsr&auml;ten melden&ldquo;, und drohte denjenigen, die dies nicht tun, mit &bdquo;ernsthaften Ma&szlig;nahmen&ldquo;.<\/p><p>Der B&uuml;rgerkrieg in Burma hat sp&auml;testens am Samstag begonnen. Es gibt keinen Spielraum f&uuml;r Verhandlungen mehr. Das Milit&auml;r muss entwaffnet werden und den Anf&uuml;hrern muss &ouml;ffentlich der Prozess gemacht werden. Das Volk soll &uuml;ber ihr Schicksal entscheiden. Der Staatsstreich war im Voraus geplant, er geschah nicht im Interesse des burmesischen Volkes, er geschah aus niederen Beweggr&uuml;nden, um die Gesch&auml;ftsinteressen und die illegalen Machenschaften der Milit&auml;rs zu sch&uuml;tzen. Die versuchte Niederschlagung der Proteste ist genauso kaltbl&uuml;tig und verbrecherisch wie der Coup selber. F&uuml;r das Strafma&szlig; kann es demnach keine mildernden Umst&auml;nde geben.  <\/p><p>Titelbild: Robert Bociaga Olk Bon\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach fast einem Monat andauernder Proteste hat die Milit&auml;rjunta in Myanmar den Rubikon &uuml;berschritten und scheint jetzt entschlossen zu sein, die Proteste auf ihre Art zu beenden. Nach einer Rede des UN-Botschafters von Myanmar vor der UN-Generalversammlung am Freitag wurden am Sonnabend hunderte von Menschen in ganz Myanmar festgenommen. Dutzende wurden verletzt, als die Sicherheitskr&auml;fte<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=70296\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":70297,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,60,20],"tags":[1953,282,2839,2564,2840,2177,2875,421,663,1019],"class_list":["post-70296","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-innere-sicherheit","category-landerberichte","tag-armee-im-innern","tag-buergerproteste","tag-generalstreik","tag-gewalt","tag-massenmord","tag-militaerdiktatur","tag-myanmar","tag-polizei","tag-putsch","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/shutterstock_1925507300.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/70296","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=70296"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/70296\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":70313,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/70296\/revisions\/70313"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/70297"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=70296"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=70296"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=70296"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}