{"id":70557,"date":"2021-03-09T09:01:03","date_gmt":"2021-03-09T08:01:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=70557"},"modified":"2026-01-27T11:39:04","modified_gmt":"2026-01-27T10:39:04","slug":"medien-und-medienkritik-sind-ein-unzertrennliches-paar-beides-ist-wichtig-fuer-eine-demokratie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=70557","title":{"rendered":"Medien und Medienkritik sind ein unzertrennliches Paar, beides ist wichtig f\u00fcr eine Demokratie"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?cat=183\">Medienkritik<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?cat=41\">Medienanalyse<\/a> kommt in unserer Zeit eine wichtige Bedeutung zu. Wer seine Informationen aus Medien erh&auml;lt, sollte um die vielen Schieflagen in der Berichterstattung Bescheid wissen und Methoden an der Hand haben, um die pr&auml;sentierten Informationen kritisch zu hinterfragen. Das gilt f&uuml;r den Umgang mit so genannten &bdquo;Leitmedien&ldquo;, aber auch bei Nutzung &bdquo;alternativer&ldquo; Medien. An dieser Stelle setzt <strong>Sabine Schiffer<\/strong> vom Berliner &bdquo;<a href=\"https:\/\/medienverantwortung.de\/\">Institut f&uuml;r Medienverantwortung<\/a>&ldquo; an. Im NachDenkSeiten-Interview gibt die Sprachwissenschaftlerin einen Einblick in Ihre Arbeit und beschreibt, was im Hinblick auf eine kritische Medienanalyse zu beachten ist. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_356\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-70557-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210309-Medien-und-Medienkritik-sind-ein-unzertrennliches-Paar-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210309-Medien-und-Medienkritik-sind-ein-unzertrennliches-Paar-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210309-Medien-und-Medienkritik-sind-ein-unzertrennliches-Paar-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210309-Medien-und-Medienkritik-sind-ein-unzertrennliches-Paar-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=70557-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210309-Medien-und-Medienkritik-sind-ein-unzertrennliches-Paar-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"210309-Medien-und-Medienkritik-sind-ein-unzertrennliches-Paar-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<p><strong>Zu diesem Thema sind auf den NachDenkSeiten viele lesenswerte Artikel erschienen. U.a.:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42059\">Medienkritik ist nichts Neues. Ich erinnere an fr&uuml;here Vorg&auml;nge, weil man daraus f&uuml;r heute lernen kann.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49466\">Wer den Zustand der ARD besch&ouml;nigt, wird ihre Glaubw&uuml;rdigkeit noch weiter besch&auml;digen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=55084\">Wichtige Medien wie die S&uuml;ddeutsche Zeitung haben ihren Standort in Richtung Manipulation verschoben<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=60909\">Wie sieht eigentlich die Bilanz der etablierten Medien aus &ndash; aktuell und beim Blick zur&uuml;ck? Ziemlich mies.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=48219\">Geb&uuml;hrenerh&ouml;hung f&uuml;r die &Ouml;ffentlich-rechtlichen Sender oder Geb&uuml;hren verweigern?<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68150\">Rettet den Rundfunk &ndash; Vor Privatisierung und vor der eigenen Propaganda<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=48201\">&bdquo;Nachrichteninstitute wie die &sbquo;Tagesschau&lsquo; sind ein Herrschaftsinstrument&ldquo;<\/a>\n<\/p><\/div><p><strong>Frau Schiffer, wie charakterisieren Sie den Zustand unseres Mediensystems?<\/strong><\/p><p>Eine &bdquo;Perle mit Defekten&ldquo;. Das gilt allgemein f&uuml;r unser Mediensystem im internationalen Vergleich und das gilt auch f&uuml;r den &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk in diesem System, was die Rundfunkstaatsvertr&auml;ge und die Finanzausstattung anbelangt &ndash; und somit das Potential zur Erf&uuml;llung der Aufgabe als Vierte Gewalt. Die immer noch guten Bedingungen bedeuten aber nicht, dass unsere Medien ihr Potential wirklich aussch&ouml;pfen;  da gibt es noch sehr viel kritische Luft nach oben. <\/p><p><strong>Eine &bdquo;Perle mit Defekten&ldquo;? K&ouml;nnen wir nicht seit vielen Jahren ein Mediensystem beobachten, das gerade dann, wenn es darauf ankommt, eher an einen Totalausfall erinnert als an eine &bdquo;Perle mit Defekten&ldquo;? Also zumindest im Hinblick auf einen kritischen politischen Journalismus. <\/strong><\/p><p>Tats&auml;chlich wird auch unter Journalisten kritisch diskutiert, dass sich das Selbstverst&auml;ndnis des Berufes anscheinend gewandelt habe und man heute weniger machtkritisch als staatstragend unterwegs sei. Man darf dabei noch einen Schritt weiter gehen und sich fragen, inwiefern man noch als Vierte Gewalt agiert. Solche Debatten sind zu unterst&uuml;tzen, denn es sind bisher Randph&auml;nomene, was man an der Engf&uuml;hrung so mancher Thematik oder dem unhinterfragten Bedienen von Freund- und Feindbildern immer wieder sehen kann. Das kritische Hinterfragen der eigenen Rolle zur Bef&ouml;rderung des Kosovo-Krieges nach demselben w&uuml;rde man sich als Dauerinstitution w&uuml;nschen &ndash; stattdessen haben wir oft genug NATO-freundliche Perspektiv&uuml;bernahmen; um nur ein Beispiel zu nennen. Dennoch bleibt, dass wir kein Murdoch-Mediensystem haben. Es gibt also etwas, um das es zu k&auml;mpfen lohnt. <\/p><p><em>Lesen Sie dazu auch: &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69867\">Medienzar Murdoch entschied gleich mehrmals, wer in GB regiert, au&szlig;erdem gegen den Euro, f&uuml;r den Brexit u.a.m. &ndash; das nennt man Demokratie<\/a>&ldquo;  und &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=70057\">Verschriftung bzw. schriftliche Berichte zu drei Arte-Videos zu Murdoch<\/a>&ldquo;.<\/em><\/p><p><strong>Medienkritik ist so alt wie die Medien. Die NachDenkSeiten betrachten schon seit Ihrer Gr&uuml;ndung Medien immer wieder genauer. <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42059\">Neu ist die Kritik an den Medienprodukten also nicht<\/a>, hat aber gerade in den vergangenen Jahren immer mehr an Fahrt gewonnen. Wie wichtig ist heutzutage Medienkritik? <\/strong><\/p><p>Medien und Medienkritik sind ein unzertrennliches Paar, beides ist wichtig f&uuml;r eine Demokratie. Qualit&auml;tskontrolle und Qualit&auml;tsverbesserung sind ja in jedem Bereich von Bedeutung, aber hier besonders, weil es auch um die Organisation &ouml;ffentlicher Diskurse geht, politische Meinungsbildung. Es gibt nirgendwo Grund, sich auf Lorbeeren auszuruhen &ndash; das gilt nat&uuml;rlich nicht nur f&uuml;r Medien, sondern ebenso f&uuml;r die Medienkritik, die teilweise in ein bedenkliches Fahrwasser zu geraten droht. <\/p><p>Die NachDenkSeiten sind ja der beste Beweis f&uuml;r die Notwendigkeit sachlicher Medienkritik. Einmal als medienkritisches Portal vor allem mit Blick auf die Wirtschaftsberichterstattung im Kontext der neokonservativen Wende von Rot-Gr&uuml;n mitsamt dem Abbau von Sozialstandards in der Agenda2010 entstanden, hat nicht zuletzt die Finanzkrise den Gr&uuml;ndern Albrecht M&uuml;ller und Wolfgang Lieb Recht gegeben. Gerade im Bereich der Wirtschaftsberichterstattung gilt immer noch, dass bestimmte Dogmen nicht hinterfragt werden &ndash; von Ausnahme-Journalisten wie Harald Schumann, Ulrike Herrmann oder Norbert H&auml;ring einmal abgesehen. <\/p><p><strong>Sie haben nun ein Buch ver&ouml;ffentlicht, in dem nicht so sehr Medienkritik, sondern eher &bdquo;Medienanalyse&ldquo; im Vordergrund steht. Was ist der Unterschied?<\/strong><\/p><p>Es geht um die St&auml;rkung von Medienkompetenz, damit Medienprodukte und auch der eigene Anteil an der Interpretation der dargebotenen Informationsfetzen beurteilt werden k&ouml;nnen. Man kann sich gerne und schnell &uuml;ber etwas aufregen, das einem nicht passt oder &uuml;ber das man vielleicht tats&auml;chlich besser Bescheid wei&szlig;. Aber es sollte nicht um Geschmacksfragen, sondern um sachliches Pr&uuml;fen gehen. Und da haben wir zun&auml;chst einmal nur die mediale Oberfl&auml;che. &Uuml;ber diese n&auml;hern wir uns dem Gegenstand. Ich m&ouml;chte aufzeigen, dass jedes Medienprodukt ein Konstrukt ist, das bei gleicher Faktenlage anders aussehen und damit auch andere Wirkm&ouml;glichkeiten haben k&ouml;nnte. An den sprachlichen und bildlichen Zeichen, deren Anordnung und Einf&auml;rbung &ndash; also den Konstruktionsprinzipien einer jeden Darstellung &ndash; l&auml;sst sich viel ablesen. Im englischsprachigen Raum spricht man von Media Literacy. Im Deutschen bleibt die Kunst des &bdquo;Zwischen-den-Zeilen-Lesens&ldquo; zu vage, es geht um pr&auml;zise Instrumente und Methoden.<\/p><p><strong>Ihnen geht es also darum, den Mediennutzern ein Instrumentarium an die Hand zu geben, um die Berichterstattung, einzelne Beitr&auml;ge und Artikel besser verstehen zu k&ouml;nnen? Und: Warum ist das so wichtig? <\/strong><\/p><p>Ja, es geht darum, jedem Beurteilungskriterien an die Hand zu geben, um nicht Glaubens-, sondern Wissensr&auml;ume zu schaffen. Es geht darum, dass alle Interessierten diese Kriterien bei der t&auml;glichen Mediennutzung anwenden k&ouml;nnen. Diese Inhalte geh&ouml;ren auch unbedingt in ein Schulfach, damit Medienbildung nicht bei der naiven Gegen&uuml;berstellung von BILD vs. S&uuml;ddeutscher Zeitung oder Nachrichtensendungen vs. Internet stehenbleibt, sondern in einer nachhaltigen Systematik unterrichtet werden kann. Damit soll auch ein Beitrag gegen das grassierende Doppelma&szlig; geleistet werden, denn es kann doch in einer aufgekl&auml;rten Gesellschaft nicht darum gehen, dass man mir sagt, wem ich glauben und wem ich misstrauen soll. Das ist unw&uuml;rdig und funktioniert auch nicht mehr, weil die Menschen schon anderes erfahren haben; denn Fake-News sind ja wahrlich kein Spezifikum nur bestimmter Medien oder allein des Internets. <\/p><p><strong>Wie sieht es mit Manipulation, mit Meinungsmache, mit Propaganda in den so genannten seri&ouml;sen Medien aus? <\/strong><\/p><p>Alle Menschen haben ihre eigenen Frames und Erwartungshaltungen, das gilt auch und nicht zuletzt f&uuml;r in den Medien T&auml;tige. Das bedeutet, jede(r) sieht und wiederholt gerne das, was  man schon glaubt. Es gibt nat&uuml;rlich auch klar auszumachende b&ouml;se Absichten und Manipulateure, aber das allt&auml;gliche An-den-relevanten-Fakten-vorbei-Berichten k&ouml;nnen wir damit noch nicht genau fassen. Viele in den Redaktionen glauben, dass sie &bdquo;abbilden&ldquo; k&ouml;nnen, was wirklich ist. <\/p><p><strong>Mit diesem &bdquo;Glauben&ldquo; sind wir im Fokus des Problems, oder? Vielen Medien und Journalisten fehlt die Distanz zu ihren eigenen Wirklichkeitsbildern. <\/strong><\/p><p>Exakt. Wir alle leiden unter dem sogenannten Confirmation Bias, nehmen gerne das Erwartete wahr, &uuml;bersehen das Unerwartete und best&auml;tigen uns dann das eigene Bild. Das selbstkritische Hinterfragen, die Pr&uuml;fung der Gegenthese und dergleichen mehr; das sollte in der journalistischen Aus- und Fortbildung mehr gef&ouml;rdert werden. Aber auch das bessere Erkennen gezielter Einflussnahmen.<\/p><p>Im Buch gibt es ein extra Kapitel zur Einflussnahme auf &ouml;ffentliche Diskurse durch PR-Strategien. Dieser Teil richtet sich ganz besonders auch an die Medienmachenden, um mehr Bewusstsein daf&uuml;r zu entwickeln, auf welche Tricks besonders zu achten ist. Dann kann man sich besser &uuml;berlegen, ob und welche Rolle man in dem ganzen Spiel einnehmen m&ouml;chte &ndash; denn zumeist sind angesehene  Medien als Vehikel zur Vervielf&auml;ltigung manipulativer Botschaften eingeplant. <\/p><p><strong>Nochmal zur Medienanalyse.  Was ist ein guter Ansatz, wenn man als Mediennutzer Medien kritisch betrachten m&ouml;chte? Was gilt es sich vor Augen zu halten? <\/strong><\/p><p>Allem voran steht die Erkenntnis, dass Sprache und Bilder aufmerksamkeitssteuernde Zeichen sind und niemals neutral sein k&ouml;nnen. Wer die Konstruiertheit einer jeden Darstellung erkennt und sich daran machen kann, diese zu dekonstruieren, leistet einen wichtigen Beitrag zur kritischen Reflexion von Meinungsbildungsprozessen. Dazu geh&ouml;rt die Bildanalyse ebenso, wie die von Wordings und Framings oder Anordnungsprinzipien in S&auml;tzen, Texten oder Bildreportagen. Dabei kann man erkennen, wie handelnde Subjekte ausgeblendet werden oder Verantwortlichkeiten falsch zugewiesen werden, wie suggestiv auch mittels Verneinungen (falsche) Schl&uuml;sse nahegelegt werden. Man kann f&ouml;rmlich lesen, ob Autoren eines Beitrags bestimmte Positionen &uuml;bernehmen oder ablehnen &ndash; auch ohne, dass sie dieses begr&uuml;nden; allein durch die Wahl von Modus oder Passivkonstruktion. Erst, wenn man an der Oberfl&auml;che auff&auml;llige Merkmale einer Art Nahelegung bzw. Suggestion erkennt, kann man mit alternativen oder tieferen Recherchen beginnen &ndash; und hier gilt es dann, die gleichen Kriterien der Sachlichkeitspr&uuml;fung anzuwenden. <\/p><p><strong>Lassen Sie uns bitte etwas n&auml;her auf die Berichterstattung als ein Realit&auml;tskonstrukt eingehen. <\/strong><br>\n<strong>Was sollte ein Mediennutzer beachten? <\/strong><\/p><p>Es geht darum, alle interessierten B&uuml;rger zu bef&auml;higen, einen Medienbeitrag &bdquo;zu lesen&ldquo; &ndash; also mit allen Inhalten, aber auch Meta-Botschaften. So berichtete anl&auml;sslich des Holocaust-Gedenktags am 27. Januar die ARD-Tagesschau davon, dass &bdquo;nur wenige &Uuml;berlebende in Auschwitz befreit wurden&ldquo;. Diese Passivkonstruktion und der gesamte Bericht blendete die handelnden Subjekte, die Soldaten der Roten Armee, einfach aus. W&auml;hrend man sich gleichzeitig viele Gedanken dar&uuml;ber macht, wie man jungen Leuten dieses Gedenken vermitteln kann, wird hier ganz klar mit den Fakten gespielt und das betrieben, was man &bdquo;Agent-Deletion&ldquo; nennt. <\/p><p><strong>Worauf sollten Mediennutzer achten, wenn sie Zeitung lesen? Sprechen wir &uuml;ber &bdquo;Wording&ldquo; und &bdquo;Frames&ldquo;. Was ist das? W&uuml;rden Sie das bitte an einem Beispiel verdeutlichen? <\/strong><\/p><p>&Uuml;ber Wortwahl (Wording) wird vergleichsweise viel unter Journalisten diskutiert, etwa k&uuml;rzlich auf Twitter, ob man die Einsatzkr&auml;fte in Belarus nicht eventuell &bdquo;Schl&auml;gertrupps&ldquo; nennen sollte. Oder dann, wenn es um rassismuskritischen Sprachgebrauch geht, ob und wie man das N-Wort vermeiden k&ouml;nne. Wenn dann die Begriffe ausgetauscht werden, aber die Kontexte stereotyp bleiben und &uuml;ber People of Color weiterhin vor allem in Problem-, Negativ- und Defizitkontexten berichtet wird, wird dann schon weit weniger konstruktiv gestritten. Leider bleiben auch viele Kritiker an der Wortkritik kleben. <\/p><p>Eine komplexere Kategorie scheint das Framing zu sein, das man ebenso mit Sprache und Bildern bedient &ndash; ob man will oder nicht, denn man kann nun einmal nicht nicht framen. Nehmen wir noch einmal die &bdquo;Schl&auml;gertrupps&ldquo;, der Deutungsrahmen (Frame) hier ist ein anderer, als wenn man von &bdquo;Polizeikr&auml;ften&ldquo; spricht. Vergleichbares gilt f&uuml;r &bdquo;Demonstranten&ldquo;, &bdquo;Randalierer&ldquo;, &bdquo;Freiheitsk&auml;mpfer&ldquo; oder &bdquo;Mob&ldquo;&hellip; Der Tausch, die Gegenprobe, entlarvt nicht selten die Schlagseite. Oftmals ist es n&auml;mlich nicht der Sachverhalt, der Wording und Framing bestimmt, sondern die Haltung, die in Nachrichtenagenturen oder Redaktionen gegen&uuml;ber den Akteuren vor Ort eingenommen wird. <\/p><p>Die Gegenprobe zur Ermittlung von Doppelma&szlig; und Bias kann man auch auf den Austausch von Pressefotos anwenden &ndash; je nachdem, welche Gruppe Menschen im Bild aktualisiert wird, d&uuml;rfte das in der Berichterstattung Beschriebene auf diese Personengruppe projiziert werden. <\/p><p><strong>Wie gehen Sie denn in Ihrer Medienanalyse vor? Worauf achten Sie? <\/strong><\/p><p>Ich nenne hier einmal einige Stichworte, die sich an der Reihenfolge der Wahrnehmung orientieren und den Analyseweg aufzeigen: Bild oder Bildausschnitt, Perspektive, Farbgestaltung, Montage und Schnitt-Techniken &ndash; also Sinn-Induktionsangebote in Print, Audio und Video. Zur Sprach- und Inhaltsanalyse geh&ouml;rt die Analyse rhetorischer Mittel, eine systematische Pr&auml;missenanalyse, Attribute als Marker, Merkmale zur Distanzierung oder Faktizierung von Aussagen, Meinungs- und Faktentausch, Agent-Deletion-Techniken und Techniken zur impliziten Unterstellung von Kausalit&auml;t. Auf den NachDenkSeiten befinden sich <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29939\">zwei<\/a> meiner <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=30266\">Videos<\/a> , die einige Analysetechniken vorstellen.<\/p><p><strong>Lassen Sie uns noch auf den Konflikt zwischen den so genannten etablierten, oder Leitmedien, und alternativen Medien eingehen. In der &ouml;ffentlichen Diskussion werden Leitmedien gerne als &bdquo;seri&ouml;s&ldquo;, Internetmedien als &bdquo;unseri&ouml;s&ldquo; dargestellt. So einfach ist es aber nicht, oder? <\/strong><\/p><p>Genau. Fehler machen alle und Manipulationen finden sich auch &uuml;berall. Ohne qualitative Unterschiede &ndash; gerade mit Blick auf Themenvielfalt &ndash; leugnen zu wollen, gilt es ganz klar, die gleichen Ma&szlig;st&auml;be &uuml;berall anzuwenden. Erinnert sei an den vermeintlichen BAMF-Skandal in Bremen oder die Hetze gegen Christian Wulff. Das haben die etablierten Medien ganz ohne Internetblogs hingekriegt. Im Gegenteil, teilweise gab es im Netz kritischere Stimmen. <\/p><p><strong>Mediennutzern ist also zu empfehlen, kritisch in alle Richtungen zu sein &ndash; unabh&auml;ngig von dem Medium als solches?<\/strong><\/p><p>Ja, das ist eine der wichtigsten Botschaften meines Buches und meiner Arbeit insgesamt. Es gibt ja in keinem Medium durchg&auml;ngig nur gute oder nur schlechte Beitr&auml;ge. Darum braucht es klare und wiederum &uuml;berpr&uuml;fbare Kriterien, um jeden einzelnen Beitrag in seinen St&auml;rken und Schw&auml;chen beurteilen zu k&ouml;nnen. <\/p><p>Titelbild: &copy; Institut f&uuml;r Medienverantwortung<\/p><p>Lesetipp: Schiffer, Sabine: <a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/buecher-mehr\/medienanalyse.html\">Medienanalyse &ndash; Ein kritisches Lehrbuch<\/a>. Westend. 300 S. Feb. 2021. 20 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?cat=183\">Medienkritik<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?cat=41\">Medienanalyse<\/a> kommt in unserer Zeit eine wichtige Bedeutung zu. Wer seine Informationen aus Medien erh&auml;lt, sollte um die vielen Schieflagen in der Berichterstattung Bescheid wissen und Methoden an der Hand haben, um die pr&auml;sentierten Informationen kritisch zu hinterfragen. Das gilt f&uuml;r den Umgang mit so genannten &bdquo;Leitmedien&ldquo;, aber auch bei Nutzung<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=70557\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":70558,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,209,41,11],"tags":[2218,3028,2669,1462,244],"class_list":["post-70557","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-interviews","category-medienanalyse","category-strategien-der-meinungsmache","tag-alternative-medien","tag-haltungsjournalismus","tag-leitmedien","tag-schiffer-sabine","tag-vierte-gewalt"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/210303_schifferdiakonieduesseldorf.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/70557","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=70557"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/70557\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":80896,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/70557\/revisions\/80896"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/70558"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=70557"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=70557"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=70557"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}