{"id":70630,"date":"2021-03-11T09:37:33","date_gmt":"2021-03-11T08:37:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=70630"},"modified":"2021-03-12T07:36:43","modified_gmt":"2021-03-12T06:36:43","slug":"seit-30-jahren-bombardieren-die-usa-den-irak","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=70630","title":{"rendered":"Seit 30 Jahren bombardieren die USA den Irak"},"content":{"rendered":"<p>Mit der Operation Desert Storm setzte Bush Senior 1991 eine Pathologie US-amerikanischer Au&szlig;enpolitik in Gang, unter der seit nunmehr 30 Jahren Krieg gegen die irakische Bev&ouml;lkerung gef&uuml;hrt wird. Die Kriegsformen wechseln sich ab und greifen verst&auml;rkend ineinander: Bombenteppich, Invasion, Flugverbotszonen, Wirtschaftskrieg, Drohnenkrieg. Das Ziel ist es, den Aufstieg des &ouml;lreichen Irak zum Regionalhegemonen dauerhaft zu unterbinden. F&uuml;r dieses machtpolitische Kalk&uuml;l zerst&ouml;rten die USA die Grundfeste eines ganzen Landes, der Wiege der Zivilisation, und t&ouml;teten im Irak mindestens 2,7 Millionen Menschen &ndash; im Schnitt 250 jeden Tag, seit 30 Jahren. Von <b>Jakob Reimann<\/b>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8374\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-70630-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210311_Seit_30_Jahren_bombardieren_die_USA_den_Irak_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210311_Seit_30_Jahren_bombardieren_die_USA_den_Irak_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210311_Seit_30_Jahren_bombardieren_die_USA_den_Irak_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210311_Seit_30_Jahren_bombardieren_die_USA_den_Irak_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=70630-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210311_Seit_30_Jahren_bombardieren_die_USA_den_Irak_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"210311_Seit_30_Jahren_bombardieren_die_USA_den_Irak_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der 17. Januar 2021 markierte den 30. Jahrestag des Krieges der USA gegen den Irak. Seit Januar 1991 bombardieren die Vereinigten Staaten nun ohne Unterbrechung das Land an Euphrat und Tigris, die Wiege der Zivilisation, und setzen dar&uuml;ber hinaus Wirtschaftskrieg, Staatsterrorismus und Folter ein. Der Irakkrieg dauert l&auml;nger als der Amerikanische B&uuml;rgerkrieg, der Spanisch-Amerikanische Krieg, der Erste Weltkrieg, der Zweite Weltkrieg, der Koreakrieg, der Vietnamkrieg und der Kosovokrieg zusammen und ist damit der l&auml;ngste international ausgetragene Krieg seit dem Drei&szlig;igj&auml;hrigen Krieg von 1618. Im Folgenden soll die Geschichte nachskizziert werden, wie die USA auf diesen m&ouml;rderischen Irrweg gelangt sind.<\/p><p><strong>Komplizenschaft an Saddams Giftgaskrieg<\/strong><\/p><p>In den fr&uuml;hen 1980ern setzten deutsche Konzerne unter Federf&uuml;hrung der Karl Kolb GmbH 60 Kilometer nordwestlich von Bagdad auf einem Gel&auml;nde von 100 Quadratkilometern Saddam Hussein &bdquo;die zu diesem Zeitpunkt modernste und am besten entworfene Chemiewaffenanlage der Welt&ldquo; in die irakische W&uuml;ste, wie ein CIA-Bericht von 2004 festh&auml;lt. Zun&auml;chst wurde Senfgas produziert, sp&auml;ter Sarin, ab 1986 das extrem t&ouml;dliche VX. Das Halabja-Massaker von 1988 &ndash; bis heute mit bis zu <a href=\"http:\/\/news.bbc.co.uk\/2\/shared\/spl\/hi\/middle_east\/02\/iraq_events\/html\/chemical_warfare.stm\">5.000<\/a> direkten Toten der <a href=\"http:\/\/cabinet.gov.krd\/a\/d.aspx?a=33412&amp;l=12&amp;r=73&amp;s=010000\">verheerendste Giftgasangriff<\/a> auf Zivilisten aller Zeiten &ndash; genau wie Saddams genozidale Al-Anfal-Kampagne gegen die Kurdinnen und Kurden insgesamt w&auml;ren ohne deutsche Ingenieurskunst undenkbar gewesen. (&Auml;hnliches gilt f&uuml;r den Aufbau von Assads und Gaddafis Giftgasprogrammen.) Doch am Giftgas <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2003\/04\/13\/weekinreview\/the-world-the-means-to-make-the-poisons-came-from-the-west.html\">aus westlicher Produktion<\/a> sollten eigentlich ganz andere Menschen zu Grunde gehen &ndash; war Saddams versuchter Genozid in Irakisch-Kurdistan &bdquo;nur&ldquo; der Nebenschauplatz eines Krieges, dessen Hintergr&uuml;nde und Intrigen die politischen Dynamiken in der Region bis in die Gegenwart formen: der Iran-Irak-Krieg, der Erste Golfkrieg 1980&ndash;88.<\/p><p>Nachdem im Iran die Islamische Revolution 1979 &ndash; die zun&auml;chst s&auml;kular von breiten gesellschaftlichen Schichten getragen wurde und erst sp&auml;ter von Ruhollah Chomeini gekapert wurde &ndash; den vom Westen hofierten Schah hinwegfegte, bef&uuml;rchtete Saddam ein &Uuml;berspringen des revolution&auml;ren Funkens auf die ebenfalls unterdr&uuml;ckte schiitische Bev&ouml;lkerungsmehrheit im Irak und &uuml;berfiel in der Hoffnung eines schnellen &Ouml;lbeutezugs die Chuzestan-Region im Westen des Iran, unter dessen B&ouml;den <a href=\"https:\/\/www.eia.gov\/international\/content\/analysis\/countries_long\/Iran\/background.htm\">80 Prozent der iranischen Onshore-&Ouml;lreserven<\/a> liegen und die damit das Kronjuwel der iranischen Wirtschaft darstellt. Saddam &uuml;berrannte rasch weite Teile der Region, die der Iran bis 1982 zur&uuml;ckerobern konnte. Doch dies war nicht im Sinne der imperialen USA, die als Hegemon nach der <a href=\"http:\/\/justicenow.de\/2018-05-18\/kein-hegemon-neben-mir\/\">Logik der neorealistischen Doktrin<\/a> weltweit den Aufstieg von Regionalhegemonen verhindern muss &ndash; insbesondere in der geopolitisch zentralen Region am Persischen Golf. Und so war es in Washingtons Sinne, dass sich die zwei M&ouml;chtegern-Hegemonen Iran und Irak weiter bek&auml;mpften, anstatt dass der eine &uuml;ber den anderen triumphiert; <a href=\"https:\/\/twitter.com\/mehdirhasan\/status\/889869836930740225\">Henry Kissinger damals<\/a>: &bdquo;Zu schade, dass nicht beide verlieren k&ouml;nnen.&ldquo; Neben Westdeutschland, Frankreich, anderen westlichen Staaten und der Sowjetunion setzten daher allen voran die USA auf den massiven Support des Saddam-Regimes, das 1982 den Krieg im Grunde schon verloren hatte.<\/p><p>Und so zog sich der Erste Golfkrieg noch weitere sechs Jahre in die L&auml;nge. Oft wurden Vergleiche zum Ersten Weltkrieg bem&uuml;ht, ob seiner Natur eines Zerm&uuml;rbungskriegs ohne Frontverschiebungen, der Grabenk&auml;mpfe &ndash; und Saddams massiven Einsatzes von Giftgas. Iranische Anschuldigungen gegen irakischen Gaseinsatz verhallten, konnte Teheran nie die ultimativen Beweise vorlegen. Die Reagan-Regierung hingegen verf&uuml;gte &uuml;ber diese Beweise, hielt sie jedoch unter Verschluss &ndash; was allein betrachtet bereits ein Versto&szlig; gegen die Genfer Konventionen und damit ein Kriegsverbrechen darstellt &ndash;, wie das <a href=\"http:\/\/foreignpolicy.com\/2013\/08\/26\/exclusive-cia-files-prove-america-helped-saddam-as-he-gassed-iran\/\">Fachblatt Foreign Policy<\/a> unter Verweis auf zuvor freigegebene CIA-Akten aufdeckte. Zwei Drittel aller von Saddam im Iran-Irak-Krieg eingesetzten Chemiewaffen wurden in den letzten 18 Monaten des Krieges verschossen. Just in dieser Zeit begann Washington, nicht &bdquo;nur&ldquo; passiv, sondern auch aktiv mit Saddam in dessen Giftgasmassakern zu kollaborieren: Die CIA &uuml;bermittelte Bagdad im gro&szlig;en Stil wertvolle Geheimdienstinformationen wie iranische Truppenbewegungen und Satellitenaufnahmen, die der Targetauswahl dienten &ndash; die USA waren Komplizen am zigtausendfachen Giftgasmord iranischer Truppen. Auch das Halabja-Massaker f&auml;llt in diese Zeitspanne.<\/p><p>Am Ende des Iran-Irak-Kriegs standen ein milit&auml;risches Patt ohne jedes Ergebnis und bis zu <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20131103065353\/http:\/www.fas.org\/man\/dod-101\/ops\/war\/docs\/3203\/appf.pdf\">einer Million Tote<\/a>, rund drei Viertel davon auf Seiten des Iran &ndash; sowie eine durch Saddams brutalen Angriffskrieg einerseits und nichtexistente internationale Solidarit&auml;t andererseits tief traumatisierte iranische Seele. Wer Jahrzehnte iranischer Feindschaft gegen&uuml;ber den USA und Misstrauen gegen&uuml;ber dem Westen umfassend begreifen will, muss sich die Jahre 1980&ndash;88 anschauen, als sich ein weltweit isolierter Iran einem verbrecherischen Giftgaskrieg <i>made in the West<\/i> gegen&uuml;bersah. Nach dem Krieg war Saddam pleite und die Geldgeber in den saudischen und kuwaitischen K&ouml;nigsh&auml;usern &ndash; die den Krieg <a href=\"https:\/\/www.globalsecurity.org\/military\/world\/gulf\/sa-forrel-iraq.htm\">finanzierten<\/a> &ndash; wollten R&uuml;ckzahlungen sehen. Doch Saddam beging einen folgenschweren Fehler.<\/p><p><strong>Krieg muss her<\/strong><\/p><p>Die irakischen Kriegsschulden beliefen sich auf <a href=\"https:\/\/www.e-ir.info\/2013\/10\/07\/implications-of-the-iran-iraq-war\/\">&uuml;ber 100 Milliarden US-Dollar<\/a>, die mit einer kriegszerst&ouml;rten Wirtschaft und einem historisch niedrigen Welt&ouml;lpreis unm&ouml;glich bedient werden konnten. Saddam forderte von seinen reichen arabischen Nachbarn die Annullierung der Schulden und konstruierte <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-13501855.html\">haltlose Konflikte<\/a> um &Ouml;lf&ouml;rderquoten und Grenzverl&auml;ufe mit seinem &ouml;lreichen Zwergnachbarn Kuwait, die darin m&uuml;ndeten, dass er bis zum Sommer 1990 &uuml;ber 100.000 Truppen an der irakisch-kuwaitischen Grenze aufmarschieren lie&szlig;. Am 25. Juli 1990 ereignete sich in Bagdad ein folgenschweres Treffen zwischen Saddam Hussein und der US-Botschafterin im Irak, April Glaspie. <\/p><p>Glaspie versicherte Saddam, die US-Regierung h&auml;tte &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/1990\/09\/23\/world\/confrontation-in-the-gulf-excerpts-from-iraqi-document-on-meeting-with-us-envoy.html\">keine Meinung zu innerarabischen Streitigkeiten<\/a> wie Ihren Grenzkonflikt mit Kuwait&ldquo;. Auch das US-Verteidigungsministerium erkl&auml;rte zuvor, die USA h&auml;tten &bdquo;keine speziellen <a href=\"https:\/\/foreignpolicy.com\/2011\/01\/09\/wikileaks-april-glaspie-and-saddam-hussein\/\">Verteidigungs- oder Sicherheitsverpflichtungen<\/a> gegen&uuml;ber Kuwait&ldquo;. Saddam interpretierte diese &Auml;u&szlig;erungen als Freibrief seitens Washington. Sieben Tage sp&auml;ter &ndash; in der Nacht zum 2. August &ndash; <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/1990\/08\/02\/world\/iraq-army-invades-capital-of-kuwait-in-fierce-fighting.html\">&uuml;berfiel<\/a> das irakische Milit&auml;r Kuwait. In kaum mehr als einem Tag &uuml;berrannten Saddams Truppen das Land der Gr&ouml;&szlig;e Th&uuml;ringens, das f&uuml;r insgesamt sieben Monate unter eine brutale Besatzung gestellt wurde. Die K&ouml;nigsfamilie floh aus dem Land und Saddam erkl&auml;rte Kuwait zum 19. irakischen Gouvernement.<\/p><p>Zwar konnte zuvor &uuml;ber acht Jahre lang Saddams &Uuml;berfall auf den Paria Iran und die Giftgasmassaker mit einer Million Toten unterst&uuml;tzt werden &ndash; als Saddam jedoch mit in Folge einigen Hundert Toten das &Ouml;lk&ouml;nigreich Kuwait &uuml;berfiel, &uuml;berschritt er bei der westlichen Wertegemeinschaft eine Grenze. Krieg musste her. Doch konnte der US-amerikanischen Bev&ouml;lkerung nur schwer vermittelt werden, warum gegen jenen, mit dem kurz zuvor noch kollaboriert wurde, nun selbst Krieg gef&uuml;hrt werden sollte. Dann investierte der kuwaitische Botschafter in den USA, Saud Nasir al-Sabah, <a href=\"https:\/\/www.prwatch.org\/books\/tsigfy10.html\">10,8 Millionen US-Dollar<\/a> in die damals gr&ouml;&szlig;te PR-Firma der Welt, Hill+Knowlton (die auch f&uuml;r die Tabak-Lobby die ber&uuml;chtigte Kampagne erdachte, Rauchen sei gar nicht ungesund). H+K erfand die &bdquo;<a href=\"http:\/\/justicenow.de\/2015-06-07\/das-erste-opfer-des-krieges-ist-die-wahrheit\/\">Brutkastenl&uuml;ge<\/a>&ldquo; und sollte damit in die Annalen der Kriegspropaganda eingehen: Die von H+K gecoachte 15-j&auml;hrige Kuwaiterin Nayirah erz&auml;hlte der Welt&ouml;ffentlichkeit unter Tr&auml;nen Schauerm&auml;rchen von irakischen Soldaten, die in kuwaitischen Krankenh&auml;usern Neugeborene aus den Brutk&auml;sten holten und auf dem kalten Boden totschlugen. Bekanntlich war all das erlogen &ndash; Nayirah war die Tochter des kuwaitischen Botschafters und arbeitete nie in irgendeinem Krankenhaus. Doch &Ouml;ffentlichkeit und US-Kongress verfielen dem weinenden M&auml;dchen, die USA zogen in den Krieg. Washington erhielt v&ouml;lkerrechtliche Autorisierung durch <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/United_Nations_Security_Council_Resolution_678\">Resolution 678 des UN-Sicherheitsrates<\/a> &ndash; &bdquo;Operation Desert Storm&ldquo; war damit das letzte Mal, dass die USA einen zu Beginn legalen Krieg k&auml;mpften. Sp&auml;ter folgten Bosnien, Kosovo, Afghanistan, Pakistan, wieder Irak, Somalia, Jemen, Libyen, Philippinen und Syrien &ndash; alles illegale Kriege. Selbstredend k&ouml;nnen auch aus initialer Legalit&auml;t schwerste US-Kriegsverbrechen erwachsen.<\/p><p><strong>Verbrannte Erde<\/strong><\/p><p>Der Golfkrieg 1991 l&auml;utete einen Paradigmenwechsel ein: Nach Jahrzehnten der verdeckten Staatsstreiche und limitierten Geheimdienstoperationen im Gro&szlig;raum Nahost setzte der US-Imperialismus von nun an auf rohe milit&auml;rische Gewalt und erfand mit der &bdquo;humanit&auml;ren Intervention&ldquo; jenes pervertierte Propagandainstrument, mit dem seine Raubz&uuml;ge und Massaker k&uuml;nftig mit der Verhinderung von Raubz&uuml;gen und Massakern legitimiert werden sollten. An die Stelle der Intrige tritt die Unterwerfung, Subversion wird zu Aggression, Nadelstiche werden durch den Vorschlaghammer ersetzt. Der Zweite Golfkrieg war der erste gro&szlig;e Milit&auml;reinsatz der USA im Nahen und Mittleren Osten und markiert damit den eigentlichen Beginn des <i>forever war<\/i>, des endlosen Krieges der USA, dessen Anfang gemeinhin erst auf George Bushs Ausrufung des &bdquo;War on Terror&ldquo; nach den Anschl&auml;gen vom 11. September 2001 datiert wird. Doch es ist zwingend notwendig, das Verbrechertum der Administration Bush Senior &ndash; und insbesondere die darauffolgende genozidale Kampagne der Clinton-Administration &ndash; als den eigentlichen Anfangspunkt dieser tragischen Geschichte zu begreifen. &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/operation-wuestensturm-vom-einmarsch-bis-zur-befreiung\/194600.html\">Die Mutter aller Kriege<\/a>&ldquo; 1991 endete nicht nach einigen Wochen, sondern setzte vielmehr eine Kette von Ereignissen in Gang, die seit nunmehr 30 Jahren Tod und Zerst&ouml;rung &uuml;ber den Irak bringen. Gern wird die Zeit zwischen 1991 und 2003 als eine Art milit&auml;rische Blackbox betrachtet, in der sich zwar &ndash; wenn &uuml;berhaupt &ndash; an Clintons Sanktionsregime erinnert wird, doch die Waffen vermeintlich ruhten. Doch diese Sicht ist historisch falsch, es gab sie nicht, diese zw&ouml;lfj&auml;hrige Pause. Vielmehr l&auml;utete Bush Senior eine pathologische Kontinuit&auml;t US-amerikanischer Nahost-Politik ein: Seit 30 Jahren bombardieren die USA den Irak.<\/p><p>Ab August 1990 unterbreitete Saddam den USA mehrfach Angebote f&uuml;r einen vollst&auml;ndigen R&uuml;ckzug aus Kuwait &ndash; einige davon illusorisch und anma&szlig;end, andere mehr als verhandelbar &ndash; die jedoch allesamt ausgeschlagen wurden: Die Zeit der Diplomatie war zu Ende, Washington wollte Krieg. Und so brachten die USA das K&ouml;nigshaus in Saudi-Arabien unter Vorspiegelung falscher Tatsachen und eine durch irref&uuml;hrende Geheimdienstinformationen aufgebauschte Gefahr irakischer Truppen f&uuml;r das saudische Staatsgebiet dazu, das K&ouml;nigreich als Aufmarschgebiet f&uuml;r den kommenden Krieg zu nutzen. Ein Dammbruch: Jahrzehntelang war die Anwesenheit von &bdquo;Yankees&ldquo; auf den heiligen B&ouml;den von Mekka und Medina undenkbar. Die USA versammelten zun&auml;chst in Operation Desert Shield in Saudi-Arabien rund 660.000 Soldatinnen und Soldaten, sp&auml;ter knapp eine Million, rund drei Viertel davon aus den USA, der Rest aus 33 weiteren L&auml;ndern, von denen einige massiv gedr&auml;ngt, andere von Washington finanziell erpresst wurden, der Koalition beizutreten. Als k&ouml;nne es die frisch wiedervereinigte Republik kaum abwarten, war auch Deutschland mit dabei und entsandte Hunderte Truppen, Kampfflugzeuge, Schiffe und Panzer zwar nicht direkt ins Kriegsgebiet, doch zu Unterst&uuml;tzungsmissionen in die T&uuml;rkei, das Mittelmeer und sogar an den Persischen Golf. (Auch wurden 15 bis 20 Prozent der Kriegskosten von Deutschland getragen.) Zur Geburtsstunde der wiedervereinten Bundesrepublik machte sich Einheitskanzler Kohl des schweren Verfassungsbruchs schuldig &ndash; schlie&szlig;lich definiert das <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/politik\/grundfragen\/deutsche-verteidigungspolitik\/199281\/wehrrecht\">Deutsche Grundgesetz die Bundeswehr als ausschlie&szlig;liche Verteidigungsarmee<\/a>.<\/p><p>Am Vorabend des Golfkriegs stellt Pr&auml;sident George H. W. Bush klar, dass es ihm nicht um kuwaitische Babys in Brutk&auml;sten, sondern um weniger hehre Ziele geht: &bdquo;Der Zugang zum &Ouml;l des Persischen Golfs und die Sicherheit befreundeter Schl&uuml;sselstaaten in der Region sind entscheidend f&uuml;r die nationale Sicherheit der USA &hellip; Die Vereinigten Staaten halten daran fest, ihre grundlegenden Interessen in der Region zu verteidigen, notfalls mit milit&auml;rischer Gewalt, gegen jede Macht, deren Interessen den unseren schaden.&ldquo; Dieser erfrischend ehrliche Satz ist 30 Jahre alt und der Zeitgeist hat sich seitdem in einer Weise ver&auml;ndert, dass das US-Imperium seine hegemoniale Natur nicht l&auml;nger in dieser Offenheit kommunizieren kann &ndash; die uns heute vertraute Omnipr&auml;senz des liberalen Propagandainstruments der &bdquo;humanit&auml;ren Intervention&ldquo; existierte damals noch nicht.<\/p><p>In der Nacht zum 17. Januar 1991 begannen die USA schlie&szlig;lich mit der Bombardierung des Irak &ndash; in einer Kampagne, die zu einem der konzentriertesten Luftkriege der Geschichte werden sollte: In nur 43 Tagen flog die US-Koalition <a href=\"https:\/\/www.globalsecurity.org\/military\/ops\/desert_storm.htm\">109.876 Luftschl&auml;ge<\/a>, im Schnitt also 106 Angriffe jede Stunde. Eines der schrecklichsten Verbrechen in Operation Desert Storm ver&uuml;bten die USA in der Nacht zum 13. Februar 1991: US-Tarnkappenbomber warfen zwei lasergelenkte &bdquo;smart bombs&ldquo; auf einen Schutzbunker in Bagdad ab, in dem <a href=\"https:\/\/www.csmonitor.com\/2002\/1022\/p01s01-wosc.html\">408 Zivilisten<\/a> im Flammeninferno verbrannten &ndash; der opferreichste Angriff der modernen Luftkriegsf&uuml;hrung. W&auml;hrend Videos verkohlter Kinderleichen die Runde machten, versicherte die US-F&uuml;hrung, sie fliege chirurgische Angriffe gegen irakische Milit&auml;rinfrastruktur. Der ehemalige US-Justizminister Ramsey Clark widerspricht dieser Darstellung vehement und erkl&auml;rt <a href=\"https:\/\/youtu.be\/QzHgmD4dDmA?t=1406\">im Interview mit arte<\/a>, &bdquo;die Bombardierungen belegen ohne jeden Zweifel, dass die Vereinigten Staaten vors&auml;tzlich die Zerst&ouml;rung der wirtschaftlichen Versorgung des irakischen Volkes planten&ldquo; (ein Vorgeschmack auf das, was unter Clinton kommen sollte). Clark f&uuml;hrt systematische Angriffe auf s&auml;mtliche Aspekte der Wasser- wie der Nahrungsmittelversorgung an. &bdquo;Die gesamte Stromversorgung wurde innerhalb von Stunden lahmgelegt.&ldquo; &Auml;hnliches gilt f&uuml;r die Kommunikations- und Verkehrsnetze. Justizminister Clarks vernichtendes Urteil: &bdquo;Man bewies, dass man ein Land durch Marschflugk&ouml;rper und Luftangriffe zerst&ouml;ren und seiner lebenswichtigen Versorgungssysteme berauben konnte, ohne dieses Land &uuml;berhaupt je betreten zu m&uuml;ssen.&ldquo;<\/p><p>Am 24. Februar 1991 begannen die USA die Bodeninvasion Kuwaits und konnten innerhalb weniger Tage das gesamte Land zur&uuml;ckerobern. Auf dem R&uuml;ckzug befindliche irakische Truppen setzten Dutzende &Ouml;lanlagen in Brand und &ouml;ffneten kuwaitische &Ouml;lterminals, wodurch im Persischen Golf eine verheerende Umweltkatastrophe ausgel&ouml;st wurde. US-Truppen begingen <a href=\"https:\/\/cryptome.org\/mccaffrey-sh.htm\">schwere Massaker<\/a> an Zivilisten und irakischen Truppen, die sich bereits ergeben hatten, wie der Investigativjournalist Seymour Hersh aufdeckte. US-Justizminister Clark spricht von Kriegsverbrechen. In der Nacht auf den 27. Februar stoppte das US-Milit&auml;r mittels Landminen einen Konvoi aus bis zu 2.000 zumeist zivilen Fahrzeugen, die Kuwait auf dem Highway 80 ins s&uuml;dirakische Basra verlassen wollten. &Uuml;ber Stunden hinweg wurde der Konvoi von US-Kampfjets bombardiert, Hunderte bis Tausende Menschen starben &ndash; ein schweres US-Kriegsverbrechen, das als &bdquo;Highway of Death&ldquo; in die Geschichtsb&uuml;cher einging.<\/p><p>Doch das perfideste Kriegsverbrechen, das erstmals im Golfkrieg und seitdem auch in jedem weiteren NATO-Krieg begangen wurde: die Verwendung von Uranmunition (DU, depleted uranium). DU-Munition ist eine illegale Waffe, deren feine St&auml;ube eine ganze Region samt B&ouml;den, Luft, Grundwasser, Flora und Fauna &uuml;ber Jahrmilliarden radioaktiv verseuchen und vergiften und sich &uuml;ber die Nahrungskette in allen Lebewesen verbreiten &ndash; &bdquo;<a href=\"https:\/\/de.scribd.com\/document\/98484764\/The-below-is-Quoted-from-the-Indictment-set-forth-by-the-International-Criminal-Tribunal-For-Afghanistan-at-Tokyo\">eine Waffe gegen diesen Planeten<\/a>&ldquo;, meint der Berliner DU-Forscher Professor Albrecht Schott zutreffend. Die USA haben 1991 im Irak 320 Tonnen radioaktive DU-Munition verschossen. Die Krebsraten schossen in die H&ouml;he. Wie schon bei der chemischen Kriegsf&uuml;hrung der USA in Vietnam mittels Agent Orange werden auch von DU die Kleinsten am h&auml;rtesten getroffen: In nur zehn Jahren kam es in Basra zu einer <a href=\"http:\/\/download.springer.com\/static\/pdf\/943\/art%253A10.1007%252Fs00128-012-0817-2.pdf?originUrl=http%3A%2F%2Flink.springer.com%2Farticle%2F10.1007%2Fs00128-012-0817-2&amp;token2=exp=1488337208~acl=%2Fstatic%2Fpdf%2F943%2Fart%25253A10.1007%25252Fs00128-012-0817-2.pdf%3ForiginUrl%3Dhttp%253A%252F%252Flink.springer.com%252Farticle%252F10.1007%252Fs00128-012-0817-2*~hmac=083cff4dfa2cdbfb2f2b9e048f7d9da417529baac0d9dbb61f79866701612e32\">Versiebzehnfachung der Zahl von Missbildungen bei Neugeborenen<\/a>. F&uuml;r viele der Missbildungen gab es &bdquo;&uuml;berhaupt keine medizinischen Termini&ldquo; und keinerlei Referenzen in der Fachliteratur, beschreibt der Journalist Dahr Jamail die Ratlosigkeit des irakischen Krankenhauspersonals. Jamails verst&ouml;rendes <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=RNi_1pbSqGY\">Videomaterial aus den Krankenh&auml;usern<\/a> ist kaum zu ertragen. Die USA haben durch ihre DU-Munition geradezu eine neuartige Klasse des menschlichen Elends und des Leids erschaffen.<\/p><p>Der Krieg endete mit einem Waffenstillstand am 28. Februar 1991. Kuwait wurde gro&szlig;fl&auml;chig zerst&ouml;rt, aber befreit. Saddam wurde aus dem Land gejagt, blieb jedoch an der Macht. Insgesamt wurden <a href=\"https:\/\/www.ippnw.org\/pdf\/mgs\/psr-3-2-daponte.pdf\">&uuml;ber 200.000<\/a> irakische Kinder, Frauen und M&auml;nner <a href=\"https:\/\/www.independent.co.uk\/voices\/commentators\/john-pilger-the-unthinkable-is-becoming-normal-do-not-forget-the-horror-115854.html\">get&ouml;tet<\/a>. <\/p><p>Eine historisch-zynische Fu&szlig;note des Krieges: F&uuml;nf Stunden nach Beginn der US-Bombardements am 17. Januar 1991 feuerte Saddam als Vergeltungsschlag insgesamt 88 SCUD-Raketen auf die israelischen Metropolen Haifa und Tel Aviv ab, wobei nach Angaben der Jewish Virtual Library direkt oder indirekt <a href=\"https:\/\/www.jewishvirtuallibrary.org\/the-gulf-war\">74 Menschen ums Leben kamen<\/a>. In den Jahren zuvor waren es <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/1998\/07\/Made_in_Germany\">deutsche Maschinenhersteller<\/a>, die die Reichweite von Saddams SCUD-Raketen derart erh&ouml;hten, dass sie Israel &uuml;berhaupt erst erreichen konnten: 46 Jahre nach Hitler t&ouml;tet deutsche Ingenieurskunst wieder J&uuml;dinnen und Juden.<\/p><p><strong>Die liberalen Bomben<\/strong><\/p><p>Mitte der 1990er Jahre ereignete sich der wohl folgenschwerste Blowjob der Geschichte. Die christliche Rechte in den USA war au&szlig;er sich &uuml;ber einvernehmlichen Sex des US-Pr&auml;sidenten mit einer erwachsenen Frau, die nicht seine Ehefrau war (w&auml;hrend sich dieselben Leute Jahre sp&auml;ter kultgleich dem &bdquo;Pussy-grabbenden&ldquo; und vielfach glaubhaft beschuldigten Vergewaltiger Trump unterwarfen). Das erst zweite Impeachment der US-Geschichte wurde eingeleitet. Bill Clinton &uuml;berlebte die &bdquo;Lewinsky-Aff&auml;re&ldquo;, doch bezahlten Menschen auf der anderen Seite des Globus sehr teuer f&uuml;r diesen belanglosen Klatsch-Skandal. Drei Tage nachdem Clinton &uuml;ber sein Verh&auml;ltnis zur White-House-Praktikantin Monica Lewinsky vor einer Grand Jury aussagte, <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Operation_Infinite_Reach\">feuerte<\/a> die U.S. Navy im August 1998 Cruise-Missiles auf eine Pharmafabrik in Karthum im Sudan ab, wobei eine Person starb und elf verletzt wurden, sowie &uuml;ber 60 weitere Raketen auf eine Al-Qaida-Basis in Khost, Afghanistan, mit einer unbekannten Anzahl von Toten &ndash; das eigentliche Target Osama bin Laden war nicht einmal anwesend. Der erste jemals einger&auml;umte US-Pr&auml;ventivschlag gegen nichtstaatliche Akteure diente einzig der Ablenkung der &Ouml;ffentlichkeit daheim &ndash; und die Taliban zogen ihr Versprechen zur&uuml;ck, <a href=\"https:\/\/www.latimes.com\/archives\/la-xpm-2001-nov-04-mn-84-story.html\">Osama bin Laden an Saudi-Arabien auszuliefern<\/a> und festigten vielmehr die Kooperation mit dem Terrorpaten. Der Rest ist Geschichte.<\/p><p>Vier Monate sp&auml;ter dasselbe Spiel, anderes Land: Um auch das eigentliche Impeachment-Verfahren durch medienwirksame Kriegshandlungen zu &uuml;berschatten, befahl Clinton drei Tage vor Verfahrensbeginn am 16. Dezember 1998 die Operation Desert Fox, die gr&ouml;&szlig;te US-Bombenkampagne seit dem Golfkrieg 1991. In einer folgenschweren historischen Wende log Clinton 1998, Saddam Hussein w&uuml;rde die Kooperation mit UN-Waffeninspekteuren verweigern. Tats&auml;chlich befahl Washington selbst den Abzug der UN-Inspekteure zum Schutz vor den nahenden US-Bombardierungen, wie der ehemalige US-Offizier und 1998 leitende UN-Waffeninspekteur im Irak, Scott Ritter, in einem <a href=\"https:\/\/www.democracynow.org\/shows\/2005\/10\/21?autostart=true\">historisch wichtigen Interview<\/a> mit Amy Goodman 2005 offenlegt. &bdquo;Das Ziel war nicht Entwaffnung. Das Ziel war Regime Change. Und Entwaffnung war nur insofern n&uuml;tzlich, als sie einen Regime Change erleichterte&ldquo;, beschreibt Ritter die zw&ouml;lfj&auml;hrige Kampagne aus L&uuml;gen, T&auml;uschung und V&ouml;lkerrechtsbruch angefangen bei Bush Senior 1991 &uuml;ber Bill Clinton bis Bush Junior 2003. Zur historisch so wichtigen Frage der Waffeninspekteure im Vorfeld von Desert Fox 1998 stellt Ritter, damals selber vor Ort, unmissverst&auml;ndlich fest: &bdquo;Bill Clinton befahl den Inspektoren, das Land zu verlassen. Saddam hat sie nicht rausgeschmissen.&ldquo; Obwohl vielfach widerlegt, hielt die L&uuml;ge Einzug in die offizielle US-Kriegspropaganda, so dass auch Au&szlig;enminister Colin Powell in seinem ber&uuml;hmt-ber&uuml;chtigten PowerPoint-Vortrag vor dem UN-Sicherheitsrat 2003 die Welt unverbl&uuml;mt anl&uuml;gen konnte: &bdquo;Saddam Hussein hat die letzten Inspektoren 1998 <a href=\"https:\/\/edition.cnn.com\/2003\/US\/02\/05\/sprj.irq.powell.transcript.05\/index.html\">hinausgeworfen<\/a>.&ldquo;<\/p><p>Und so befahl Clinton zur Ablenkung von den Impeachment-Anh&ouml;rungen 1998 die Operation Desert Fox, unter der 300 US-Bomber und -Kampfjets in 70 Stunden &uuml;ber 600 Bomben und Raketen auf eine Vielzahl irakischer Infrastrukturen abwarfen und zwischen <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/1998_bombing_of_Iraq\">240 und 1.400 Menschen t&ouml;teten<\/a>. Auch stellte Clinton im Zuge von Desert Fox knapp 97 Millionen US-Dollar bereit, um die in London ans&auml;ssige irakische Exil-Opposition zu bef&auml;higen, <a href=\"http:\/\/monthlyreview.org\/2000\/12\/01\/iraq-under-siege\/\">von au&szlig;en den Regime Change zu begleiten<\/a> &ndash; ein Modell, das wir sp&auml;ter auch in Iran, Libyen und Syrien antreffen werden. Und noch eine Randnotiz: Seit Desert Fox <a href=\"https:\/\/www.ctie.monash.edu\/hargrave\/williams_k.html\">bombardieren auch US-Soldat<\/a><a href=\"https:\/\/www.ctie.monash.edu\/hargrave\/williams_k.html\"><i>innen<\/i> fremde L&auml;nder<\/a>. Die erste von ihnen, die 26-j&auml;hrige Lt. Kendra Williams aus Alaska, feuerte am 16. Dezember 1998 gewisserma&szlig;en historisch besonders wertvolle Raketen aus ihrer F\/A-18 Hornet auf den Irak ab.<\/p><p>Doch auch vor Desert Fox 1998 befahl Clinton bereits gr&ouml;&szlig;ere Bombenkampagnen gegen den Irak, die vorgeblich der Durchsetzung der zwei nach dem Golfkrieg 1991 von den USA, Gro&szlig;britannien und Frankreich eingerichteten No-Fly-Zones im Norden und S&uuml;den des Irak dienten. Mittels der Flugverbotszonen wurden in Vorbereitung eines Krieges die irakische Flugabwehr und andere Milit&auml;reinrichtungen vernichtet, doch wurden diese banalen Kriegsgr&uuml;nde mit dem vermeintlichen Schutz der Kurden im Norden und der Schiiten im S&uuml;den in ein humanit&auml;res Narrativ geh&uuml;llt &ndash; jene Art von Erz&auml;hlung also, die in den heutigen Kriegen zur einzig legitimen und respektablen Kriegsrhetorik aufgestiegen ist.<\/p><p>F&uuml;r die No-Fly-Zones gab es keinerlei v&ouml;lkerrechtliche Grundlage, sie seien &bdquo;<a href=\"http:\/\/johnpilger.com\/articles\/labour-claims-its-actions-are-lawful-while-it-bombs-iraq-strarves-its-people-and-sells-arms-to-corrupt-states\">illegal<\/a>&ldquo;, urteilt der damalige UN-Generalsekret&auml;r Boutros Boutros-Ghali im August 2000. Im Jahrzehnt der Flugverbotszonen wurden in der Regel Einrichtungen von Saddams Sicherheitsapparat bombardiert, doch wurden immer wieder auch Zivilisten get&ouml;tet. So feuerte Clinton in der Nacht zum 27. Juni 1993 von US-Kriegsschiffen aus 23 Tomahawk-Marschflugk&ouml;rper auf die Innenstadt von Bagdad ab und traf dabei ein Wohngebiet, wobei <a href=\"https:\/\/www.globalsecurity.org\/military\/ops\/strike_930626.htm\">neun Zivilisten get&ouml;tet und zw&ouml;lf weitere verletzt wurden<\/a>. Am 3. September 1996 wurden mehrere St&auml;dte im Zentrum und Osten des Irak bombardiert (Operation Desert Strike) und im Zuge der Angriffe verschoben die USA und Gro&szlig;britannien die Grenze der s&uuml;dlichen No-Fly-Zone illegal um einen Breitengrad, 111 Kilometer, bis an die Tore Bagdads &ndash; was Frankreich dazu veranlasste, <a href=\"https:\/\/jacobinmag.com\/2016\/05\/war-iraq-bill-clinton-sanctions-desert-fox\">aus der Koalition auszusteigen<\/a>.<\/p><p>Seit Einrichtung der Flugverbotszone im M&auml;rz 1991 flogen die USA <a href=\"https:\/\/www.washingtoninstitute.org\/policy-analysis\/us-no-fly-zones-iraq-what-end\">pro Jahr im Schnitt 34.000 Eins&auml;tze<\/a> gegen den Irak, was bis M&auml;rz 2003 insgesamt rund 400.000 Eins&auml;tzen entspricht. Das macht 93 pro Tag, oder einen alle 15 Minuten &ndash; &uuml;ber zw&ouml;lf Jahre hinweg. Es gibt keine gesicherten Opferzahlen aus dieser Zeit, doch wurden allein im Jahr 1999 laut UN 144 Zivilisten im Rahmen der Flugverbotszone get&ouml;tet, w&auml;hrend das Saddam-Regime insgesamt von 1.400 get&ouml;teten Zivilisten spricht. &Uuml;ber manche Zeitr&auml;ume waren 40 Prozent aller Opfer Zivilisten. Die weitverbreitete Annahme, unter Bill Clinton war es im Irak ruhig, hat mit der Realit&auml;t nichts zu tun.<\/p><p><strong>Genozid durch Wirtschaftsterrorismus<\/strong><\/p><p>Doch neben diesen unaufh&ouml;rlichen Bombardierungen war das gro&szlig;e Menschheitsverbrechen des liberalen Champions Bill Clinton im Irak ein anderes: sein genozidales Sanktionsregime in den 1990er Jahren. Vier Tage nach Saddams &Uuml;berfall auf Kuwait wurde am 6. August 1990 auf Druck der Bush-Administration die <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/United_Nations_Security_Council_Resolution_661\">UN-Resolution 661<\/a> beschlossen, die harsche Wirtschaftssanktionen gegen den Irak verh&auml;ngte und Saddam so zum R&uuml;ckzug aus dem besetzten Kuwait dr&auml;ngen sollte. Doch auch nach genau diesem R&uuml;ckzug weigerte sich die Vetomacht USA, die Sanktionen zur&uuml;ckzunehmen, und setzte so eine Eskalationsspirale in Gang, die in den n&auml;chsten zw&ouml;lf Jahren durch staatlichen Wirtschaftsterrorismus den Irak als funktionierendes staatliches und gesellschaftliches Gebilde nahezu ausradieren sollte.<\/p><p>Nach Saddams R&uuml;ckzug war die neue Begr&uuml;ndung f&uuml;r die Aufrechterhaltung der Sanktionen nun das irakische Massenvernichtungswaffenprogramm &ndash; ein Narrativ, das Bush Senior an Clinton vererbte und in Bush Juniors Unsinn vom &bdquo;rauchenden Colt&ldquo; seinen verheerenden Klimax fand. Bereits 1992 wusste Washington, dass der <a href=\"https:\/\/jacobinmag.com\/2016\/05\/war-iraq-bill-clinton-sanctions-desert-fox\">Irak sein Programm aufgegeben hatte<\/a>, doch die Sanktionen blieben in Kraft und Bill Clinton legt 1997 deren Funktion dar: Die &bdquo;Sanktionen werden <a href=\"https:\/\/www.govinfo.gov\/content\/pkg\/PPP-1997-book2\/html\/PPP-1997-book2-doc-pg1557-3.htm\">bis zum Ende aller Zeit<\/a> bestehen oder solange er [Hussein] da ist&ldquo;. Klarer konnte Clinton seine Agenda nicht offenlegen: Regime Change durch Wirtschaftskrieg. 22 Millionen Menschen in Geiselhaft, um einen unliebsamen Diktator loszuwerden.<\/p><p>Neben Lebensnotwendigem wie Reis und Babynahrung wurden banale Dinge wie Seife, Papier, Tischtennisb&auml;lle und Lippenstifte <a href=\"http:\/\/www.twf.org\/News\/Y1997\/Ramsey.html\">mit Embargos belegt<\/a>, ja selbst Zahnb&uuml;rsten und Bleistifte &ndash; schlie&szlig;lich k&ouml;nne man aus Letzteren, wie auch immer, Gewehrmunition herstellen. Die Clinton-Administration nannte 1997 ihr Exportembargo nahezu s&auml;mtlicher G&uuml;ter stolz &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.casi.org.uk\/briefing\/pamp_ed1.html\">die h&auml;rtesten und umfassendsten Sanktionen in der Geschichte<\/a>&ldquo; &ndash; und getroffen wurde mit voller Wucht die Gesundheit der einfachen Menschen. Allein im ersten Jahr brach die Wirtschaftsleistung um 75 Prozent auf den Stand der 1940er Jahre ein. In den ersten f&uuml;nf Jahren stieg der Preis f&uuml;r einen Sack Getreide um das 11.667-Fache. Die Menschen hungerten und verkauften f&uuml;r Grundnahrungsmittel ihre H&auml;user. Die Zahlen chronisch unterern&auml;hrter Kinder schossen in die H&ouml;he. Das vor den Sanktionen in der arabischen Welt beispielhafte irakische Gesundheitssystem wurde vors&auml;tzlich dezimiert. Neben medizinisch-technischem Ger&auml;t wie Dialyseger&auml;te, R&ouml;ntgen-Equipment oder Brutk&auml;sten (welch Ironie &hellip;), die &uuml;berhaupt nicht mehr ins Land gelangten, wurden selbst einfachste Gebrauchsg&uuml;ter wie Spritzen, Pflaster und Tupfer zur Mangelware.<\/p><p>Die Kindersterblichkeit vervielfachte sich. Laut einer <a href=\"https:\/\/www.unicef.org\/evaldatabase\/index_29697.html\">UNICEF-Studie<\/a> erkrankte fast die H&auml;lfte der irakischen Kinder unter f&uuml;nf Jahren an Diarrh&ouml;, mehr als ein Drittel litt unter akuten Atemwegserkrankungen. Durch das vollst&auml;ndige Embargo auf Chemikalien und Anlagen zur Wasseraufbereitung wurde die irakische Wasserversorgung systematisch zerst&ouml;rt, was kein Kollateralschaden, sondern genau so von der Clinton-Regierung intendiert war, wie <a href=\"http:\/\/www.casi.org.uk\/info\/nagy010612.pdf\">Geheimdokumente<\/a> der Defense Intelligence Agency (DIA) beweisen. Die Vorhersagen der DIA trafen dann auch ein, der Plan ging auf: Epidemien von durch Wasser &uuml;bertragenen, eigentlich bereits ausgerotteten Krankheiten wie Cholera, Typhus, Ruhr, Hepatitis, Diarrh&ouml; und Kinderl&auml;hmung grassierten.<\/p><p>Der ehemalige US-Justizminister Ramsey Clark richtete ein internationales Tribunal ein, welches die US- und die britische Regierung wegen &bdquo;Verbrechen gegen die Menschlichkeit&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.twf.org\/News\/Y1997\/Ramsey.html\">anklagte<\/a>: Beide Regierungen &bdquo;begingen an der Bev&ouml;lkerung des Irak Genozid im Sinne der V&ouml;lkermordkonvention, einschlie&szlig;lich Genozid mittels Hungers und Krankheit, durch den Einsatz von Sanktionen als Massenvernichtungswaffe&ldquo;. Auch wenn derartiges Vokabular auf liberale westliche Demokratien gemeinhin nicht angewendet werden &bdquo;darf&ldquo;: Bill Clinton ist ein V&ouml;lkerm&ouml;rder.<\/p><p>US-Justizminister Clark nannte Mitte der 1990er die erschreckende Zahl von <a href=\"http:\/\/www.twf.org\/News\/Y1997\/Ramsey.html\">1,5 Millionen durch Sanktionen Get&ouml;tete<\/a>, w&auml;hrend andere diese noch h&ouml;her ansetzten. Die Weltern&auml;hrungsorganisation <a href=\"http:\/\/www.nytimes.com\/1995\/12\/01\/world\/iraq-sanctions-kill-children-un-reports.html\">nannte<\/a> bereits 1995 die Zahl von 576.000 durch Sanktionen get&ouml;tete Kinder &ndash; das ist Madeleine Albrights ber&uuml;hmt-ber&uuml;chtigter &bdquo;<a href=\"https:\/\/youtu.be\/omnskeu-puE\">Preis<\/a>&ldquo; f&uuml;r den Regime Change der USA, den es &bdquo;wert&ldquo; sei, von irakischen Kindern zahlen zu lassen. Genozid durch Sanktionen, Zerst&ouml;rung eines Landes durch Wirtschaftsterrorismus, millionenfacher Mord durch aktive Unterlassung &ndash; das ist Bill Clintons Erbe im Irak und das Paradebeispiel, wie ein Land und seine Bev&ouml;lkerung zerst&ouml;rt werden k&ouml;nnen, ohne auch nur einen Fu&szlig; auf dieses Land zu setzen.<\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/omnskeu-puE\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p><strong>Der Irak im Zentrum des &bdquo;War on Terror&ldquo;<\/strong><\/p><p>2001 wurde George W. Bush neuer Pr&auml;sident und unter dem Deckmantel der zehn Jahre zuvor von seinem Vater installierten No-Fly-Zones bombardierte Junior in Vorbereitung des gro&szlig;en Krieges, der bald folgen sollte, bereits vor 2003 den gesamten Irak &ndash; also auch jenen Streifen um Bagdad zwischen den beiden, ohnehin illegalen, Flugverbotszonen im Norden und S&uuml;den des Landes. Kurz nach der Amts&uuml;bergabe warfen Bush und Tony Blair am 16. Februar 2001 <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2001\/feb\/16\/iraq\">Bomben<\/a> auf f&uuml;nf Stellungen nahe Bagdad ab. Neun Zivilisten wurden schwer verletzt, Frauen, Kinder und Alte, am n&auml;chsten Tag werden drei Zivilisten get&ouml;tet &ndash; die Bush-Administration spricht von &bdquo;Selbstverteidigungsma&szlig;nahmen&ldquo; und &bdquo;legitimen milit&auml;rischen Zielen&ldquo;. Ein kleiner Vorgeschmack auf das, was wenige Monate sp&auml;ter seinen blutigen Anfang nehmen wird: Auf die Anschl&auml;ge vom 11. September 2001, bei denen 2.977 Menschen get&ouml;tet und &uuml;ber 6.000 verletzt wurden, folgt die &Auml;ra des &bdquo;War on Terror&ldquo;, der sukzessive US-Administrationen seit jeher als Blankoscheck f&uuml;r Kapitalverbrechen im In- und Ausland dient.<\/p><p>Das bewusst in seiner inhaltslosen Diffusit&auml;t konstruierte &bdquo;War on Terror&ldquo;-Narrativ ist derart wirkm&auml;chtig und uns allen in Fleisch und Blut &uuml;bergegangen, dass die Details des Krieges zu blo&szlig;en historischen Randnotizen wurden. <a href=\"https:\/\/twitter.com\/Jakob_Reimann\/status\/1354509086432354308\">In 20 L&auml;ndern<\/a> hat der &bdquo;War on Terror&ldquo; weit &uuml;ber eine Million Tote und <a href=\"https:\/\/www.voanews.com\/usa\/report-us-global-war-terror-has-displaced-59-million-people\">59 Millionen Kriegsgefl&uuml;chtete<\/a> hervorgebracht. Im Zentrum des <i>forever war<\/i> steht einmal mehr der Irak. Der illegalen Invasion 2003 und dem Sturz Saddams folgten die Kolonialisierung des Landes und Ausbeutung seiner Sch&auml;tze durch US-Konzerne. Es folgten <a href=\"https:\/\/www.google.com\/search?q=abu+ghraib&amp;client=opera&amp;hs=A5K&amp;sxsrf=ALeKk00RTGHqlAhqGerJjDlCdRES2PoyNg:1615295493072&amp;source=lnms&amp;tbm=isch&amp;sa=X&amp;ved=2ahUKEwic4sjQpKPvAhWBC-wKHRp_CHsQ_AUoAXoECAkQAw&amp;biw=1240&amp;bih=579&amp;dpr=1.5\">die Folterschande von Abu Ghraib<\/a> und Massaker an Zivilisten durch <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Nisour_Square_massacre\">Blackwater-S&ouml;ldner<\/a>. Im Zuge der rein ideologisch begr&uuml;ndeten, strategisch betrachtet katastrophalen Ent-Baathifizierung (Saddams Partei) verloren Hunderttausende gut ausgebildeter, bewaffneter Soldaten ihre Jobs und Renten und bildeten daraufhin das R&uuml;ckgrat des jahrelangen bewaffneten Aufstands gegen die Besatzungsmacht USA. Der massiven Aufstockung unter Bush auf <a href=\"https:\/\/www.everycrsreport.com\/files\/20190510_R44116_47dce7b6ff00eaa0c1befdd1f72a6b9332d8fa06.pdf\">168.000 Truppen<\/a> im Jahr 2007 folgte unter Obama der fast vollst&auml;ndige R&uuml;ckzug ab 2011 und Obamas Strategie des &bdquo;light footprint&ldquo; &ndash; der Fokus auf den <a href=\"https:\/\/www.thebureauinvestigates.com\/stories\/2017-01-17\/obamas-covert-drone-war-in-numbers-ten-times-more-strikes-than-bush\">Drohnenkrieg<\/a>. Saddams s&auml;kulare, meist atheistische, durch die USA auf die Stra&szlig;e gesetzten Gener&auml;le bildeten schlie&szlig;lich die F&uuml;hrungsriege des &bdquo;Islamischen Staats&ldquo; und kontrollierten bald ein &bdquo;Kalifat&ldquo; der Gr&ouml;&szlig;e Gro&szlig;britanniens, das von den USA wiederum zerst&ouml;rt werden musste &ndash; der &bdquo;War on Terror&ldquo; ist keine Linie mit einem erreichbaren Endpunkt, sondern ein Kreis, in dem Ursache und Wirkung ein und dasselbe sind.<\/p><p>Die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete &Auml;rztevereinigung Physicians for Social Responsibility (PSR) kommt in einer <a href=\"https:\/\/www.ippnw.de\/commonFiles\/pdfs\/Frieden\/Body_Count_first_international_edition_2015_final.pdf\">bahnbrechenden Studie<\/a> von 2015 zur erschreckenden Zahl von einer Million Menschen, die allein im Irak im &bdquo;War on Terror&ldquo; get&ouml;tet wurden. Auch im Kampf gegen den &bdquo;Islamischen Staat&ldquo; wurden in den folgenden Jahren im Irak <a href=\"https:\/\/airwars.org\/conflict\/coalition-in-iraq-and-syria\/\">Zehntausende Zivilisten<\/a> von den USA get&ouml;tet &ndash; ab Oktober 2016 wurde Mossul im Nordirak von US-Kampfjets dem Erdboden gleichgemacht.<\/p><p><strong>Ein Krieg um &Ouml;l?<\/strong><\/p><p>Der 30-j&auml;hrige Krieg im Irak, so wird gerne behauptet, sei ein Ressourcenkrieg &ndash; ein &bdquo;war for oil&ldquo;. Dieses Narrativ ist zutreffend und greift doch viel zu kurz. Ein weitverbreiteter Irrglaube behauptet, die USA f&uuml;hrten Krieg, um m&ouml;glichst billig an irakisches &Ouml;l zur Versorgung ihrer energieintensiven Volkswirtschaft zu gelangen. Doch die USA sind historisch sowie seit 2015 erneut der <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=1ZjOjO_5gjQ\">gr&ouml;&szlig;te &Ouml;lproduzent der Welt<\/a> und f&ouml;rderten 2019 <a href=\"https:\/\/www.eia.gov\/tools\/faqs\/faq.php?id=709&amp;t=6\">fast doppelt so viel<\/a> wie die Zweit- und Drittplatzierten Saudi-Arabien und Russland zusammen. Die USA sind seit Ende 2019 zum <a href=\"https:\/\/www.eia.gov\/todayinenergy\/detail.php?id=42735\">&Ouml;l-Nettoexporteur<\/a> aufgestiegen und die rund neun Millionen barrel per day, die sie importieren, stammen zur H&auml;lfte aus Kanada, einem F&uuml;nftel aus Lateinamerika und nur zu einem Zehntel aus s&auml;mtlichen Staaten im Nahen Osten. Aus dem Irak stammen keine vier Prozent <a href=\"https:\/\/www.eia.gov\/dnav\/pet\/pet_move_impcus_a2_nus_ep00_im0_mbblpd_a.htm\">aller US-&Ouml;limporte<\/a>. 30 Jahre Irakkrieg haben nicht den Raub des &Ouml;ls zum Ziel, sondern die Kontrolle dar&uuml;ber. Denn der Irak hat die f&uuml;nftgr&ouml;&szlig;ten &Ouml;lreserven der Welt &ndash; mehr als dreimal so viel wie die USA auf Platz zehn &ndash; und ist damit ein potentiell ultrareiches Land. Dieses finanzielle Potential k&ouml;nnte von einer ambitionierten F&uuml;hrung in Bagdad in wirtschaftliche, politische und final milit&auml;rische Macht &uuml;bersetzt werden. Der Irak &ndash; auch mit seiner jahrtausendealten Kultur und Geschichte, seiner jungen Bev&ouml;lkerung und seiner geostrategisch &auml;u&szlig;erst vorteilhaften Lage &ndash; hat die besten Voraussetzungen, zu einem regionalen Hegemonen aufzusteigen, der Westasien dominieren k&ouml;nnte. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion gibt es auf der Welt jedoch nur einen einzigen Hegemonen, die USA. Und die Doktrin des Neorealismus, nach der die internationalen Machtbeziehungen auf der Welt organisiert sind, diktiert einer Gro&szlig;macht in dieser Situation: <a href=\"http:\/\/justicenow.de\/2018-05-18\/kein-hegemon-neben-mir\/\">Kein Hegemon neben mir!<\/a><\/p><p>Die Au&szlig;enpolitik der USA dient daher &uuml;ber allen anderen Zielen dazu, den Aufstieg anderer Regionalhegemonen um jeden Preis zu verhindern, was &uuml;ber verschiedenste Werkzeuge geschieht: hochgradige milit&auml;rische Abh&auml;ngigkeit (Saudi-Arabien), Unterwerfung zu milit&auml;rischen Vasallen (Europa via NATO-B&uuml;ndnis), De-facto-Milit&auml;rkolonie (Japan), milit&auml;rische und &ouml;konomische Einhegung (Russland) oder ein Cocktail verschiedenster Taktiken (Iran). Washingtons Strategie zur Einhegung der expansionistischen T&uuml;rkei wird sich in den n&auml;chsten f&uuml;nf bis zehn Jahren definieren und Chinas hegemonialer Aufstieg kann mittelfristig nur mit dem Dritten Weltkrieg unterbunden werden.<\/p><p>F&uuml;r den Irak wird seit 30 Jahren ein Mix aus ineinandergreifenden &ouml;konomischen und milit&auml;rischen Kriegen gew&auml;hlt. Die drei Jahrzehnte zuvor &ndash; Saddam Hussein wurde seit <a href=\"https:\/\/archive.globalpolicy.org\/component\/content\/article\/169-history\/36408.html\">1959<\/a> von den USA unterst&uuml;tzt &ndash; wusste Saddam trotz seiner Megalomanie stets seinen Platz und seine Aufgabe auf diesem imperialen Schachbrett: zun&auml;chst Nassers &Auml;gypten im Blick, ab 1979 dann den revolution&auml;ren Iran am Boden halten. Als er 1990 sein Blatt &uuml;berreizte und Kuwait &uuml;berfiel, wurde innerhalb weniger Monate aus dem engen Verb&uuml;ndeten des Imperiums ein Schl&auml;chter, der <a href=\"https:\/\/apnews.com\/article\/c456d72625fba6c742d17f1699b18a16\">brutaler als Adolf Hitler<\/a> sei, so Donald Rumsfeld Worte damals. Er verlor die Gunst seines Herren, den t&ouml;dlichen Preis bezahlen seitdem 38 Millionen Kinder, Frauen und M&auml;nner im Irak.<\/p><p><strong>Der dritte Schandfleck<\/strong><\/p><p>Seit nunmehr neun Amtszeiten unter sechs verschiedenen Pr&auml;sidenten f&uuml;hren die Vereinigten Staaten von Amerika Krieg gegen den Irak. Und es macht keinen Unterschied, ob Republikaner oder Demokraten, Tauben oder Falken im Oval Office sitzen oder wie komplett unterschiedlich die politische Situation im Irak selbst aussieht &ndash; die Bomben fallen weiter. Die oben erw&auml;hnte illegale Bombardierung Bagdads am 16. Februar 2001 bezeichnete Bush Junior vielsagend als &bdquo;<a href=\"https:\/\/edition.cnn.com\/2001\/WORLD\/meast\/02\/16\/iraq.airstrike.02\/index.html\">Routinemission<\/a>&ldquo;. Aus Perspektive des Wei&szlig;en Hauses und des Pentagons ist der gesamte Irakkrieg genau das: &bdquo;Routine&ldquo;, ein Reflex, der ausgef&uuml;hrt wird. Er geh&ouml;rt zur au&szlig;enpolitischen DNA Washingtons, zum Grundrauschen, wird ungefragt vom Vorg&auml;nger &uuml;bernommen und ungefragt an den Nachfolger &uuml;bergeben.<\/p><p>Als die USA in den 1950ern mehr Bomben auf das winzige Nordkorea abwarfen als im gesamten US-Pazifikkrieg des Zweiten Weltkriegs, prahlte der Kommandeur des Strategischen Luftkommandos Curtis LeMay, er habe &bdquo;<a href=\"https:\/\/nationalinterest.org\/blog\/the-buzz\/how-american-air-power-destroyed-north-korea-21881\">fast jede Stadt in Nord- und S&uuml;dkorea niedergebrannt<\/a>&ldquo;, und sch&auml;tzte, dass &bdquo;wir 20 Prozent der Bev&ouml;lkerung ausgel&ouml;scht haben&ldquo;. Hoyt Vandenberg, Generalstabschef der U.S. Air Force, beschwerte sich schlie&szlig;lich: &bdquo;Wir haben den Punkt erreicht, an dem es in Nordkorea nicht mehr gen&uuml;gend Ziele gibt, um die Luftwaffe zu besch&auml;ftigen.&ldquo; Es wurden daraufhin <a href=\"https:\/\/nationalinterest.org\/blog\/the-buzz\/how-american-air-power-destroyed-north-korea-21881\">D&auml;mme bombardiert<\/a>, die Reisfelder geflutet und Millionen Menschen an den Rand des Hungertods getrieben.<\/p><p>Ein Jahrzehnt sp&auml;ter f&uuml;hrte Washington in Vietnam die gr&ouml;&szlig;te Chemiewaffenkampagne der Menschheitsgeschichte. Insgesamt lie&szlig; die U.S. Air Force <a href=\"https:\/\/www.japantimes.co.jp\/community\/2016\/01\/13\/issues\/vietnam-offers-lessons-okinawa-confronts-dioxin\/\">76 Millionen Liter Chemikalien<\/a> auf Vietnam niederregnen. J&uuml;ngst konnte noch immer das fetotoxische Dioxin, mit dem das Agent Orange verseucht war, <a href=\"http:\/\/justicenow.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/2014_Kido_Serum-Dioxin-Levels-in-Vietnamese-Men-more-than-40-Years-after.pdf\">im Blutserum vietnamesischer M&auml;nner nachgewiesen werden<\/a>, wo es schwerste Missbildungen bei Neugeborenen hervorruft &ndash; auch 50 Jahre sp&auml;ter will die chemische Kriegsf&uuml;hrung der USA einfach nicht aufh&ouml;ren, Leid zu produzieren.<\/p><p><b>Als Bush Senior vor 30 Jahren anfing, den Irak zu bombardieren, wurde scheinbar unumkehrbar ein todbringender Schalter umgelegt. Wie hier dargelegt, t&ouml;teten die USA im Irak seitdem &uuml;ber 2,7 Millionen Menschen. Das sind im Schnitt 250 Tote &ndash; jeden einzelnen Tag, seit 30 Jahren.<\/b><\/p><p>Nach Korea und Vietnam ist der Irak damit der dritte gro&szlig;e Schandfleck in der Chronik US-amerikanischer Au&szlig;enpolitik nach dem Zweiten Weltkrieg und verdient dasselbe vernichtende Urteil aller zivilisierten Menschen. Die 30-j&auml;hrige Zerst&ouml;rung des Irak steht symptomatisch f&uuml;r die Pathologie im Umgang der einzigen Supermacht mit dem Rest der Welt. Es ist m&uuml;&szlig;ig, wieder und wieder <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Law_of_the_Instrument\">Maslows Hammer<\/a> zu bem&uuml;hen, doch n&ouml;tig: &bdquo;Ich glaube, es ist verlockend, wenn das einzige Werkzeug, das man hat, ein Hammer ist, alles zu behandeln, als ob es ein Nagel w&auml;re.&ldquo;<\/p><p>Keine zivilisierte oder zumindest rationale Regierung w&uuml;rde &uuml;ber drei Jahrzehnte hinweg ein Land bombardieren im Glauben, es nach seinem Bilde formen zu k&ouml;nnen. Wann wird sich hingesetzt und das eigene Handeln reflektiert? Wann beschlie&szlig;t Washington, die irakische Bev&ouml;lkerung hat nun genug? Nach 33 oder 35 Jahren? Nach 40, 70 oder 100?<\/p><p>Titelbild: Alexander Smulskiy\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der Operation Desert Storm setzte Bush Senior 1991 eine Pathologie US-amerikanischer Au&szlig;enpolitik in Gang, unter der seit nunmehr 30 Jahren Krieg gegen die irakische Bev&ouml;lkerung gef&uuml;hrt wird. Die Kriegsformen wechseln sich ab und greifen verst&auml;rkend ineinander: Bombenteppich, Invasion, Flugverbotszonen, Wirtschaftskrieg, Drohnenkrieg. Das Ziel ist es, den Aufstieg des &ouml;lreichen Irak zum Regionalhegemonen dauerhaft zu<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=70630\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":70631,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,212,171],"tags":[2314,368,1093,1334,3044,1917,2102,1409,1426,3043,2175,641,951,1202,1564,1611,2104,304,2229,2853,849,366,1418,631,1556,1019,2360],"class_list":["post-70630","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-gedenktagejahrestage","category-militaereinsaetzekriege","tag-bush-george-h-w","tag-bush-george-w","tag-clinton-bill","tag-erdoel","tag-flugverbotszone","tag-genozid","tag-geostrategie","tag-gifteinsatz","tag-hegemonie","tag-hussein-saddam","tag-interventionspolitik","tag-irak","tag-iran","tag-isis","tag-krieg-gegen-den-terror","tag-kriegsluegen","tag-kriegsopfer","tag-kriegsverbrechen","tag-kuwait","tag-medizinische-ausruestung","tag-nahrungsmittel","tag-obama-barack","tag-regime-change","tag-uranmunition","tag-usa","tag-wirtschaftssanktionen","tag-zivile-opfer"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/shutterstock_47613109.png","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/70630","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=70630"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/70630\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":70648,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/70630\/revisions\/70648"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/70631"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=70630"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=70630"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=70630"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}