{"id":70688,"date":"2021-03-13T14:00:12","date_gmt":"2021-03-13T13:00:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=70688"},"modified":"2021-03-13T14:40:32","modified_gmt":"2021-03-13T13:40:32","slug":"leserbriefe-zu-identitaetspolitik-thierse-und-die-verrenkungen-der-spd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=70688","title":{"rendered":"Leserbriefe zu \u201eIdentit\u00e4tspolitik: Thierse und die Verrenkungen der SPD\u201c"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=70429\">In diesem Artikel<\/a> thematisiert Tobias Riegel die Reaktionen der SPD-Spitze auf einen Debattenbeitrag des ehemaligen Bundestagspr&auml;sidenten Wolfgang Thierse in der FAZ. Anstatt &uuml;ber das Thema Identit&auml;tspolitik zu diskutieren, seien &bdquo;harte Abwehr-Reflexe&ldquo; gegen den Parteifreund festzustellen. Dieser &bdquo;(Nicht-)Umgang mit seinen Argumenten&ldquo; k&ouml;nne als &bdquo;ein Armutszeugnis&ldquo; empfunden werden. Danke f&uuml;r die anregenden und interessanten E-Mails. Hier eine Auswahl der Leserbriefe. Zusammengestellt von <strong>Christian Reimann<\/strong>.<br>\n<!--more--><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>1. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Tobias Riegel,<br>\n&nbsp;<br>\nzwar stimme ich Ihnen zu, dass man inhaltliche Debatten bei aller Sch&auml;rfe sachlich f&uuml;hren und das Gegen&uuml;ber nicht herabw&uuml;rdigen sollte. Aber die Wortwahl &bdquo;verst&ouml;rt&ldquo; in der Reaktion von Saskia Esken und Kevin K&uuml;hnert auf die Einlassungen von Wolfgang Thierse kann ich anders als Sie nicht als &bdquo;diffamierende Strategie&ldquo; einstufen.<br>\n&nbsp;<br>\nEine jahrhundertelang von der heteronormativen Mehrheit unterdr&uuml;ckte und diskriminierte Minderheit darf durchaus &bdquo;verst&ouml;rt&ldquo; sein, wenn ausgerechnet ein Sozialdemokrat (und ausgerechnet im f&uuml;hrenden konservativen Blatt Deutschlands) beklagt, dass im &ouml;ffentlichen Diskurs &ldquo;Fragen ethnischer, geschlechtlicher und sexueller Identit&auml;t dominieren&rdquo;. Abgesehen davon, dass diese Aussage in gef&auml;hrlicher N&auml;he zu AfD-Positionen steht, kann ich mich dabei des Eindrucks nicht erwehren, dass Thierse sich nie wirklich mit den Befindlichkeiten queerer Menschen auseinandergesetzt hat, die allerdings allen Grund haben, in unserer gesellschaftlichen Realit&auml;t auf der Debatte der genannten Fragen zu bestehen.<br>\n&nbsp;<br>\nH&auml;tten sie das in der Vergangenheit nicht getan (gegen den betr&auml;chtlichen Widerstand einer gro&szlig;en heteronormativen Mehrheit), w&auml;ren wir nicht da, wo wir heute (immerhin) sind. Und die Sache ist ja noch lange nicht ausgestanden, wie der Artikel von FAZ-Feuilletonchefin Sandra Kegel allzu deutlich macht. Die Sozialdemokratie wie auch die gesamte Linke tat sich lange schwer mit der Akzeptanz queerer Menschen, die im &Uuml;brigen nichts mit der &bdquo;&Uuml;bernahme von Partikular-Interessen&ldquo; zu tun hat.<br>\n&nbsp;<br>\nWolfgang Thierse sollte nicht verteilungspolitische Gerechtigkeitsthemen gegen Identit&auml;tsthemen ausspielen &ndash; sie haben beide ihre tiefe Berechtigung. Er, der in der Vergangenheit die Verweigerung der gleichgeschlechtlichen Ehe durch Politiker als &ldquo;legitime respektable Position&rdquo; bezeichnet hat, darf sich nicht wundern, wenn seine Ansichten zur &bdquo;Identit&auml;tspolitik&ldquo; verst&ouml;ren, zumal in einer Partei, die sich historisch als Kraft des gesellschaftlichen Fortschritts begreift &ndash; auch wenn ihr dieses Charakteristikum sp&auml;testens seit Schr&ouml;der abhanden gekommen zu sein scheint.<br>\n&nbsp;<br>\nFreundliche Gr&uuml;&szlig;e<br>\nArndt Kr&ouml;del<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>2. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Liebes Nachdenkseiten Team, lieber Tobias Riegel,<\/p><p>Wolfgang Thierse kritisiert linke Identit&auml;tspolitik und wird prompt von Saskia Esken und Kevin K&uuml;hnert in den Senkel gestellt. Leider spielen sich solche Geschichten in allen Parteien ab, die sich selbst mehr oder weniger dem linken politischen Lager zugeh&ouml;rig f&uuml;hlen.<\/p><p>Es ist schon zum Verzweifeln: Linke diskutieren lieber &uuml;ber die passenden Formen gendergerechter Schreibweisen als &uuml;ber wachsende Klassengegens&auml;tze oder Aufr&uuml;stung.<\/p><p>In Berlin haben die Studenten einer Hochschule durchgesetzt, dass ein auf spanisch verfasstes Gedicht von Egon Gomringer von der Fassade eines Hochschulgeb&auml;udes entfernt werden musste, weil es angeblich sexistisch sei. In dem Gedicht geht es um irgendwelche Blumen und irgendwelche Stra&szlig;en &uuml;ber die irgendwelche Frauen flanieren. Es gibt Gedichte von Bert Brecht oder von Gottfried Benn, die mich regelrecht ersch&uuml;ttern. Das Gomringer Gedicht finde ich sterbenslangweilig. Mir ist auch v&ouml;llig egal, ob es auf einer Hauswand steht oder nicht. Den Streit, ob so etwas Langweiliges wom&ouml;glich sexistisch ist oder nicht, halte ich f&uuml;r v&ouml;llig plemplem.<\/p><p>Die CDU Vorsitzende Kramp Karrenbauer hat auf einer Fastnachtsrede einen nicht sehr witzigen Witz &uuml;ber geschlechterneutrale Toiletten gemacht. Danach haben sich das halbe Land und die gesamte Medienwelt emp&ouml;rt.<\/p><p>In einer unbedeutenden Unterhaltungs-Talkshow haben die Teilnehmer das Thema Rassismus diskutiert und die heutzutage politisch korrekte Aussprache kritisiert, nach dem Motto: Nicht mal mehr Zigeunerschnitzel darf man sagen. Auch dieses geschmacklose, v&ouml;llig nebens&auml;chliche, v&ouml;llig unwichtige Geschehen entfachte einen Tsunami der Wut. Es gehe schon mal gar nicht, dass 5 wei&szlig;e M&auml;nner &uuml;ber Rassismus sprechen. Allein die Tatsache, dass keine Frauen und keine People of Colour (so nennt man das heute) in der Diskussionsrunde waren, sei rassistisch. Ganz besonders ekelhaft und rassistisch sei es, dass man sich dar&uuml;ber lustig gemacht habe, dass der Begriff &bdquo;Zigeuner&ldquo; nicht mehr verwendet werden solle.<\/p><p>Bezeichnend ist, was die &Ouml;ffentlichkeit so nebenbei zur Kenntnis nimmt ganz ohne sich dar&uuml;ber zu emp&ouml;ren: <\/p><ul>\n<li>&Uuml;ber Milit&auml;rinterventionen im Jemen, wo seit 2015 Zivilisten jeden Alters verrecken, weil Saudi-Arabien, der gute Freund des Westens, das Land zerbombt,<\/li>\n<li>&uuml;ber 12 Auslandseins&auml;tze der Bundeswehr (Stand 2021),<\/li>\n<li>&uuml;ber die Haftfolter an dem australischen Journalisten Julian Assange,<\/li>\n<li>&uuml;ber Guantanamo, einen Milit&auml;rst&uuml;tzpunkt der USA auf Kuba, betrieben gegen den Willen Kubas, wo Menschen seit Jahrzehnten ohne Gerichtsverfahren und ohne Anklage von den USA eingesperrt werden,<\/li>\n<li>&uuml;ber den Drohnenkrieg der USA, bei dem von Deutschland gesteuerte Drohnen weltweit Menschen ohne Anklage und Gerichtsurteil ermorden, die von den USA als Terroristen eingestuft werden,<\/li>\n<li>&uuml;ber Milliardenverm&ouml;gen von Superreichen und ihren wachsenden Einfluss auf die Politik.<\/li>\n<\/ul><p>Ich habe k&uuml;rzlich ein Buch zur Hand genommen, das mich vor langer Zeit als Sch&uuml;ler sehr beeindruckt hat: Mein Herz wollte Freiheit &ndash; die Autobiographie von Angela Davis, 1975 in Deutsch erschienen. Angela Davis hat als schwarzes Kind und Jugendliche selbst noch die Apartheid im S&uuml;den der USA erlebt. F&uuml;r ihren Kampf gegen Rassismus wurde sie in den USA ins Gef&auml;ngnis gesteckt und mit der Todesstrafe bedroht. Schlie&szlig;lich wurde sie freigesprochen, wohl auch auf internationalen Druck hin. Besonders in der DDR haben sich die Menschen sehr f&uuml;r Angela Davis eingesetzt. Angela Davis arbeitete lange in der F&uuml;hrung der kommunistischen Partei der USA, wurde Professorin und war ihr ganzes Leben lang politisch aktiv und ist es heute noch, beispielsweise in der antizionistischen BDS Bewegung, die vom deutschen Bundestag als antisemitisch eingestuft wurde (auch mit Stimmen der sich selbst als links verstehenden SPD und Gr&uuml;nen). Angela Davis ist eine mutige linke K&auml;mpferin f&uuml;r B&uuml;rgerrechte und gegen Rassismus. Viele von denen, die heute vorgeben, gegen Rassismus zu sein, sind schlicht kleinb&uuml;rgerliche Arschgeigen, bei denen sich ihr Kampf gegen Rassismus darin beschr&auml;nkt, hysterisch aufzuschreien, wenn jemand &bdquo;Zigeuner&ldquo; sagt oder &bdquo;Neger&ldquo; und nicht den albernen Begriff &bdquo;das N-Wort&ldquo; verwendet. Beim Durchbl&auml;ttern von Angela Davis&rsquo; Buch habe ich &uuml;brigens mehrmals das Wort &bdquo;Neger&ldquo; gelesen. Die Autorin verwendete es in den 1970er Jahren v&ouml;llig wertfrei. M&ouml;glicherweise tut sie das heute nicht mehr und ich bef&uuml;rworte, dass man den Begriff vermeidet, wenn er heute als diskriminierend empfunden wird. Ich habe aber etwas dagegen, wenn Menschen, die sich als politisch links einstufen, ihre Zeit verschwenden mit unfruchtbaren identit&auml;tspolitischen Diskussionen, anstatt sich zu emp&ouml;ren, wogegen es sich zu emp&ouml;ren lohnt: gegen Krieg, Gewalt, Hass, L&uuml;ge und Ungerechtigkeit.<\/p><p>Die Nachdenkseiten beteiligen sich nicht an &uuml;berfl&uuml;ssigen identit&auml;tspolitischen Diskussionen sondern weisen auf Missst&auml;nde hin, die tats&auml;chlich Grund zu Emp&ouml;rung liefern. Daf&uuml;r herzlichen Dank und weiter so.<\/p><p>Mit freundlichem Gru&szlig;<br>\nThomas Arnold<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>3. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mannschaft der Nachdenkseiten, <\/p><p>woher kommt dieser Ha&szlig; gegen jeden, der es wagt, die Gender- und Identit&auml;ts-Politik zu kritisieren, insbesondere die Gender-Sprache, mit der jeder Text unleserlich wird?<\/p><p>Dieser Ha&szlig;, der jetzt von einer kleinen Minderheit in der SPD gegen Wolfgang Thierse gesch&uuml;rt wird und der ebenfalls von einer kleinen Minderheit in der Linkspartei seit Jahren gegen Sahra Wagenknecht gesch&uuml;rt wird (sie w&uuml;rde angeblich &bdquo;Nationalismus, Ausl&auml;nderfeindlichkeit, Homophobie sch&uuml;ren und nicht ausreichend die Interessen der Frauen vertreten&ldquo;); dieser Ha&szlig; erinnert an die politischen S&auml;uberungen im Stalinismus der 30er Jahre in der KPdSU. <\/p><p>Auch da wurde von einer kleinen Minderheit (von Karrieristen) ausgerechnet jenen Parteimitgliedern, die sich seit Jahrzehnten mit aller Kraft f&uuml;r ihre Partei eingesetzt haben und alle ihre pers&ouml;nlichen, famili&auml;ren und beruflichen W&uuml;nsche der Partei untergeordnet haben, vorgeworfen, sie w&uuml;rden &bdquo;nicht die richtige Haltung&ldquo; haben und &bdquo;Verrat an der Partei begehen&ldquo; und &bdquo;die Meinung des Gegners vertreten&ldquo; und &bdquo;von der Parteilinie abweichen&ldquo;&nbsp;&hellip; usw. Und ausgerechnet diese in jahrzehntelangen K&auml;mpfen f&uuml;r ihre Partei erfahrenen Parteimitglieder wurden zu S&uuml;ndenb&ouml;cken und &bdquo;Feinden&ldquo; erkl&auml;rt. Das erinnert auch an die religi&ouml;sen Fanatiker des Mittelalters, die in ihrem religi&ouml;sen Wahn jeden, der nicht ihre Meinung vertrat, sondern Kritik &auml;u&szlig;erte, zum &bdquo;Ketzer&ldquo; und &bdquo;Antichrist&ldquo; erkl&auml;rten und verfolgten und auf dem Scheiterhaufen verbrannten. <\/p><p>Damit das niemand absichtlich falsch versteht: die kleine Minderheit, die geradezu fanatisch der gro&szlig;en Mehrheit ihre Identit&auml;ts-Politik aufzwingen will, wird ihre Kritiker sicher nicht verhaften und einsperren oder gar ermorden wie im Stalinismus der 30er Jahre. Aber dieser Mechanismus, mit dem eine kleine Minderheit von Fanatikern (von Karrieristen, Narzi&szlig;ten und Wichtigtuern) jeden, der nicht ihre Meinung vertritt, zum Feind erkl&auml;rt, voller Ha&szlig; beschimpft, diffamiert, mundtot machen m&ouml;chte und Rufmord begeht, das erinnert an die stalinistischen S&auml;uberungen der 30er Jahre und an den religi&ouml;sen Wahn des Mittelalters, denn es ist (fast) der selbe Ha&szlig; und Fanatismus, die selbe Intoleranz sowie die selbe geistige und charakterliche Beschr&auml;nktheit. <\/p><p>Das Ergebnis waren die katastrophalen Niederlagen der Sowjetunion in den ersten Kriegsmonaten ab Juni 1941 mit furchtbarsten Verlusten, weil man sich der Fachleute entledigt hat und weil man nicht auf die wenigen verbliebenen Fachleute und auf ihre Warnungen vor der drohenden Gefahr h&ouml;ren wollte. Auch das erinnert an die derzeitige Situation in SPD und Linkspartei. Ob beide Parteien sich dann nach den &ndash; angesichts der parteiinternen Diffamierungen &ndash; zu erwartenden weiteren kommenden Niederlagen jedoch nochmals aufrichten k&ouml;nnen wie die Sowjetunion und ihre Rote Armee ab Dezember&nbsp;1941, das ist sehr fraglich. <\/p><p>Letzter Ausweg: Ha&szlig;, Diffamierung, Anfeindungen, Fanatismus und Intoleranz in den eigenen Reihen beenden, ehrliche Debatten f&uuml;hren statt Feindbilder sch&uuml;ren. <\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nRoland Gro&szlig;mann<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>4. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr Tobias Riegel, gesch&auml;tztes NDS Team,<\/p><p>der Artikel &ldquo;Identit&auml;tspolitik: Thierse und die Verrenkungen der SPD&rdquo; hat wieder einmal gezeigt, was von diesem &ldquo;neuen Links sein&rdquo; zu halten ist.<\/p><p>Die SPD wird von mir schon lange nicht mehr als links wahrgenommen, die geh&ouml;ren doch irgendwie zur Merkel Truppe.<\/p><p>Zumindest w&uuml;rde ich sie nicht als links bezeichnen, solange sie neoliberale, transatlantische Politik betreibt.<br>\nDas Thema Identit&auml;tspolitik schien mir mehr bei den ebe<br>\nnfalls neoliberal, transatlantischen Gr&uuml;nen und Teilen der Linken verortet, die zumindest nach au&szlig;en f&uuml;r eine offene Gesellschaft stehen.<\/p><p>Aber kann es eine offene Gesellschaft geben, in dem man den Meinungskorridor verengt, zensiert und Menschen, die sich nicht an diese neuen unausgesprochenen Grenzen halten (political correctness) diskreditiert und ausschlie&szlig;t?<\/p><p>Ich glaube, dass diese neuen Linken, egal ob sie Antifa, Cancel Culture oder Queer anh&auml;ngen, durch ihr rigoroses Denken dem Faschismus genau so nahe stehen, wie manche Rechtsradikale.<\/p><p>Wer anderen vorschreiben will, was sie gef&auml;lligst zu denken und wie sie zu sprechen haben und dabei auch vor Gewalt nicht zur&uuml;ckschreckt (Antifa), handelt totalit&auml;r und ist nicht besser als die Faschisten von damals.<\/p><p>Wer sich nicht mit Argumenten auseinandersetzt, sondern versucht den Gegen&uuml;ber mundtot zu machen, dem fehlt es auch an intellektueller Reife.<\/p><p>Es geh&ouml;rt schon eine Menge Arroganz dazu, sich einzubilden, seine eigene Haltung und Sprache w&auml;re denen aller anderen &uuml;berlegen.<\/p><p>Die Linken sollten sich auf das besinnen, was sie ehemals gro&szlig; gemacht hat, n&auml;mlich die Massen zu mobilisieren im Kampf gegen die Ausbeutung durch Kapitalisten und Konzernmacht, statt den Menschen mit ihrem Genderged&ouml;ns auf den Keks zu gehen.<\/p><p>Es stellt sich mir auch die Frage, auf welche W&auml;hlergruppe denn dabei geschielt wird, wenn die Probleme eines Gro&szlig;teils der Gesellschaft nicht so wichtig genommen werden, wie die Anwendung einer erzwungenen, vermeintlich politisch korrekten Sprache.<\/p><p>Es erscheint mir als Ausweichziel f&uuml;r diejenigen, die dem Neoliberalismus nichts entgegensetzen k&ouml;nnen oder wollen.<\/p><p>Die Jugend fr&ouml;nt dem Anglizismus und findet es eben &ldquo;cooler&rdquo;, sich mit &ldquo;queer&rdquo; ,&rdquo;cancel culture&rdquo; und &ldquo;black live matters&rdquo; zu identifizieren, als sich mit den Konsequenzen transatlantischer Politik auseinander zu setzen.<br>\n&nbsp;<br>\nMfG<br>\nJ&uuml;rgen Dennerlein<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>5. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr Riegel,<\/p><p>diese ganze &ldquo;woke&rdquo; Ideologie in der SPD, bei den Gr&uuml;nen und &ndash; nicht zu vergessen &ndash; auch den Linken ist Neoliberalismus pur und an Absurdit&auml;t nicht zu &uuml;berbieten. Leider haben sich die Protagonisten bereits so weit von der Lebenswirklichkeit der Menschen entfernt, dass eine R&uuml;ckkehr aussichtslos erscheint.<\/p><p>W&auml;hrend linke Bewegungen historisch immer versucht haben, die Ausgebeuteten und Benachteiligten gegen ihre Unterdr&uuml;cker zu vereinen, sind sie heute dabei, sie in immer kleinere Gr&uuml;ppchen aufzuspalten. Die Ausbeuter und Kriegstreiber klatschen vor Vergn&uuml;gen in die H&auml;nde.<\/p><p>Mir konnte noch niemand erkl&auml;ren, weshalb die Erkl&auml;rung &ldquo;alle Menschen sind von Natur aus gleichberechtigt&rdquo; nicht ausreichen soll, man sie stattdessen immer kleinteiliger klassifizieren und aufteilen muss, um ihnen dann anschlie&szlig;lich &ndash; verschiedene &ndash; Rechte zuzuweisen, die dazu da sind, die zuvor erfolgte Einteilung wieder &ldquo;zu &uuml;berwinden&rdquo;.<\/p><p>Staunend erleben wir, wie der LGBTI-BLM-CC-Buchstabensalat l&auml;nger und l&auml;nger wird, ohne dass auch nur ein einziger Betroffener irgend etwas davon h&auml;tte. W&uuml;rde man k&uuml;nstliche &ldquo;Minderheiten&rdquo; gar nicht erst schaffen, br&auml;uchte es auch keine &ldquo;Verteidigung von Minderheitenrechten&rdquo;. Warum hei&szlig;t es sogar in Gesetzestexten, niemand d&uuml;rfe aufgrund von XYZ diskriminiert werden? Aufgrund von ABC aber sehr wohl, oder wie soll man das verstehen? Hier tun sich (auch rechtlich) bedenkliche Interpretationsspielr&auml;ume auf. Die k&uuml;nstliche Einteilerei anhand willk&uuml;rlich gew&auml;hlter Merkmale schafft im Wortsinne erst jene Diskriminierung, die zu beseitigen man vorgibt. Das ist doch wirklich nicht schwer zu verstehen. Vor allem ist es nicht schwer zu erkennen, wem das n&uuml;tzt! Den vermeintlichen Minderheiten jedenfalls nicht.<\/p><p>Nun ist Sexualit&auml;t durchaus eine interessante Angelegenheit und f&uuml;r die meisten von uns sicherlich auch wichtig. Menschen jedoch allein aufgrund sexueller Merkmale zu beschreiben ist im Grunde eine ungeheuerliche Reduktion und Beleidigung! Es ist eine anma&szlig;ende Distanzlosigkeit, die in intimste Lebensbereiche eingreift, ohne darum gebeten worden zu sein. Es ist schlicht &uuml;bergriffig und dehnt somit autorit&auml;re Strukturen bis in den Privatbereich aus, statt sie zu beseitigen. Das gilt gleicherma&szlig;en &uuml;brigens auch f&uuml;r die Farbe der Haut, Haare, Augen, die Sprache, kulturelle Herkunft usw.<\/p><p>Warum teilt man uns eigentlich nicht ebenso genau in Einkommens- und Verm&ouml;gensklassen ein? Weil das die gewaltige Schieflage der kapitalistischen Welt enth&uuml;llen w&uuml;rde? Das t&auml;gliche Brot, das Einkommen, ist doch mindestens genauso wichtig wie unsere sexuellen Vorlieben? Seltsam, auf diesem Gebiet werden die statistischen Grenzen regelm&auml;&szlig;ig so gezogen, dass alles miteinander verschwimmt und kein klares Bild entstehen kann, sodass sich selbst Personen wie Friedrich Merz oder Olaf Scholz verbal &ldquo;der Mittelschicht&rdquo; zuordnen k&ouml;nnen, der anzugeh&ouml;ren auch die kleine Friseurmeisterin glaubt, von den wirklich Reichen einmal ganz zu schweigen, die (au&szlig;er in ihren internen Rankings der perversen Eitelkeiten, wie bei Forbes) nirgends mehr auftauchen. Hier sind pl&ouml;tzlich alle &ldquo;gleich&rdquo;.<\/p><p>Man kann nat&uuml;rlich versuchen, jeden von uns bis ins kleinste Detail zu klassifizieren und einzuteilen. Am Ende wird man bei der Einmaligkeit des individuellen Genoms ankommen, ohne irgend etwas (positives) bewirkt zu haben. Denn am Ende bleibt doch immer nur die Feststellung, dass wir zwar alle individuell verschieden, im Menschsein aber v&ouml;llig gleich (-berechtigt) sind, oder besser: sein sollten! Und genau diese, die derzeit herrschenden Macht- und Besitzverh&auml;ltnisse fundamental in Frage stellende Feststellung soll hinter der Nebelwand von politischer Korrektheit, Genderwahn und &auml;hnlicher Narretei verborgen werden. Man frage sich, wem das n&uuml;tzt! Und vor allem: wem es schadet.<\/p><p>Ich m&ouml;chte f&uuml;r das, was ich im Leben &ndash; beruflich, privat &ndash; erreicht habe, beurteilt werden, danach, was ich aus meinen M&ouml;glichkeiten gemacht und damit vielleicht die Menschengemeinschaft vorangebracht habe, und nicht nach eventuellen sexuellen Vorlieben oder der Augenfarbe. Das ist derma&szlig;en absurd! Um so mehr befremdet es, dass f&uuml;hrende Vertreter sich als &ldquo;links&rdquo; definierender Parteien sich willig vor diesen &uuml;blen Karren spannen lassen und damit das Gesch&auml;ft der Ultrareichen betreiben (die selbst &uuml;brigens, von Gates &uuml;ber Zuckerberg bis Bezos, von Musk &uuml;ber Buffet bis Soros, alles andere als &ldquo;divers&rdquo; sind).<\/p><p>Dass Esken und K&uuml;hnert unf&auml;hig sind, solche einfachen Zusammenh&auml;nge zu erkennen, ist ziemlich offensichtlich. Dass aber niemand sie daran hindert, erheblichen Mobbing-Druck auf die Kl&uuml;geren aufzubauen, ist ein Skandal!<\/p><p>Frau Esken, Herr K&uuml;hnert: Die Beleidigung f&uuml;r einzelne Gruppen besteht nicht darin, sie in die gro&szlig;e Menschengemeinde zur&uuml;ckzuholen, wie Thierse es versucht hat, sondern darin, sie zuvor aufgrund sexueller oder sonstiger Merkmale k&uuml;nstlich ausgeschlossen zu haben, um ein Objekt (!) zu schaffen, f&uuml;r das man dann mangels eigener Substanz &ouml;ffentlichkeitswirksam &ldquo;k&auml;mpfen&rdquo; und sich selber profilieren kann, wie Sie es tun. Genau das ist diskriminierender Missbrauch und also schwer beleidigend, zumal die Betroffenen, die Sie um diese vergiftete &ldquo;Wohltat&rdquo; nie gebeten haben d&uuml;rften, damit gleich doppelt zu Opfern werden.<\/p><p>Und schlie&szlig;lich noch ein Wort zur &ldquo;gendergerechten Sprache&rdquo;. Auch hier ist die simple Absicht schnell erkennbar: Verbale &ldquo;Rechte&rdquo; sind wohlfeile Wohltaten und sollen von der Notwendigkeit echter Gleichstellung ablenken. Ich bin der Erste, der sich auf die Barrikade stellt, um z.B. f&uuml;r gleiche, gerechte Bezahlung f&uuml;r alle Frauen (und M&auml;nner) zu k&auml;mpfen, aber der Letzte, der sich daf&uuml;r hergibt, ihnen diese Gleicheit und Gerechtigkeit durch Vergewaltigung der Sprache lediglich vorzugaukeln.<\/p><p>Das bin ich im &Uuml;brigen auch der wundersch&ouml;nen Sprache von Christa Wolf, Hannah Arendt und all der anderen gro&szlig;artigen Literatinnen deutscher Sprache schuldig. Wer unf&auml;hig ist, die Struktur der deutschen Sprache zu begreifen (wie neuerdings selbst die Duden-Redaktion), sollte sich mit Anderem befassen.<\/p><p>Die wundersch&ouml;ne Lyrik von Eva Strittmatter in &ldquo;gendergerechter Sprache&rdquo; muss ein Albtraum sein! Wenn wir nicht bald entschlossen umsteuern, werden wir ihn erleben.<\/p><p>Freundliche Gr&uuml;&szlig;e,<br>\nDr. H. Demanowski <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>6. Leserbrief<\/strong><\/p><p>In Abwandlung eines bekannten Gedichts:<\/p><p>Als sie ferne L&auml;nder bombardiert haben, hab ich mitgemacht. Ich wohnte ja nicht dort.<\/p><p>Als sie Arbeitslose ins Elend gest&uuml;rzt haben, hab ich mitgemacht. Ich war ja kein Arbeitsloser.<\/p><p>Als sie den W&auml;hlerwillen in GroKos ignoriert haben, hab ich mitgemacht, ich hatte ja einen sicheren Sitz im Bundestag.<\/p><p>Als ich ihre Cancel Culture kritisiert habe, war keiner mehr da, mir zur Seite zu stehen.<\/p><p>Warum nur?<\/p><p>LG<br>\nBernd Kulawik<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>7. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Liebe NDS,<br>\n&nbsp;<br>\nEsken und K&uuml;hnert f&uuml;hlen sich von Thierse &bdquo;zutiefst besch&auml;mt&ldquo;. Nun denn. Ich hingegen sch&auml;me mich wie ein Bettsaicher, weil ich diese hirnverbrannten Karriere-geilen Typen bei der Mitgliederbefragung nicht nur gew&auml;hlt, sondern hierzu auch aufgerufen habe. Statt &bdquo;Nikolaus-Groko-aus&ldquo;, wurde elend weitergewurstelt. Erstmals trat dann Frau Esken in Erscheinung, als sie Menschen, die ihre Grundrechte gegen ein unsinniges Coronaregime verteidigten, als Covidioten beschimpfte und mit Reichsb&uuml;rgern auf eine Stufe stellte. Statt einer gebotenen Entschuldigung f&uuml;r diese Entgleisung, k&uuml;rte sie dann eine &bdquo;Schwarze Null&ldquo; zum Kanzlerkandidaten &ndash; bei derzeit sweet little sixteen Prozenten. Geht&rsquo;s noch tiefer ??? Ja Klabauterbach machts m&ouml;glich.<br>\n&nbsp;<br>\nSchneller als Esken-K&uuml;hnert hat sich noch kein Parteivorsitzender um 180 Grad gedreht und sein Wahlprogramm verraten, was wegen ihrer einschl&auml;gig bekannten Vorg&auml;nger Nahles und Schulz zugegebenerma&szlig;en schon eine gewisse Leistung ist.<br>\n&nbsp;<br>\nDa aber die Linke seit dem Ausstieg von Wagenknecht und De Masi auch keine gro&szlig;e Hoffnung mehr ist, &uuml;berlege ich mir bei der n&auml;chsten Bundestagswahl erstmals ung&uuml;ltig oder &uuml;berhaupt nicht zu w&auml;hlen. Manche Genossen sind bereits so verzweifelt, sich mit dem Gedanken einer Wahl der AfD zu besch&auml;ftigen &ndash; nur um den menschenverachtenden und irrsinnigen Lockdown zu beenden.<br>\n&nbsp;<br>\nMit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nFritz Koch<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Anmerkung zur Korrespondenz mit den NachDenkSeiten<\/strong><\/p><p>Die NachDenkSeiten freuen sich &uuml;ber Ihre Zuschriften, am besten in einer angemessenen L&auml;nge und mit einem eindeutigen Betreff.<\/p><p>Es gibt die folgenden Emailadressen:<\/p><ul>\n<li><a href=\"mailto:leserbriefe@nachdenkseiten.de\">leserbriefe(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Kommentare zum Inhalt von Beitr&auml;gen.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:hinweise@nachdenkseiten.de\">hinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> wenn Sie Links zu Beitr&auml;gen in anderen Medien haben.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:videohinweise@nachdenkseiten.de\">videohinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r die Verlinkung von interessanten Videos.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:redaktion@nachdenkseiten.de\">redaktion(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Organisatorisches und Fragen an die Redaktion.<\/li>\n<\/ul><p>Weitere Details zu diesem Thema finden Sie in unserer &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=47939\">Gebrauchsanleitung<\/a>&ldquo;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=70429\">In diesem Artikel<\/a> thematisiert Tobias Riegel die Reaktionen der SPD-Spitze auf einen Debattenbeitrag des ehemaligen Bundestagspr&auml;sidenten Wolfgang Thierse in der FAZ. Anstatt &uuml;ber das Thema Identit&auml;tspolitik zu diskutieren, seien &bdquo;harte Abwehr-Reflexe&ldquo; gegen den Parteifreund festzustellen. Dieser &bdquo;(Nicht-)Umgang mit seinen Argumenten&ldquo; k&ouml;nne als &bdquo;ein Armutszeugnis&ldquo; empfunden werden. Danke f&uuml;r die anregenden und interessanten E-Mails. 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