{"id":7093,"date":"2010-10-15T10:11:43","date_gmt":"2010-10-15T08:11:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=7093"},"modified":"2014-11-25T09:51:45","modified_gmt":"2014-11-25T08:51:45","slug":"gemeinschaftsdiagnose-herbst-2010-oekonomie-in-einer-phantomwelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=7093","title":{"rendered":"Gemeinschaftsdiagnose Herbst 2010 \u2013 \u00d6konomie in einer Phantomwelt"},"content":{"rendered":"<p>Deutschland ist wirtschaftlich der Klassenprimus nicht nur in Europa sondern auch unter den entwickelten L&auml;ndern, weil wir weiterhin &uuml;ber unsere Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;sse erfolgreich unser Wachstum von anderen Volkswirtschaften abziehen. Wir brauchen keine Konjunkturpolitik, wir haben ja den Export und die Binnennachfrage wird irgendwann schon kommen. Wirtschaftspolitik hei&szlig;t sparen und Lohnzur&uuml;ckhaltung. Die anderen L&auml;nder sollen am deutschen Wesen genesen und, wenn sie es nicht freiwillig tun, dann sollen sie halt bankrott gehen. So k&ouml;nnte man die <a href=\"http:\/\/www.cesifo-group.de\/portal\/page\/portal\/ifoContent\/N\/data\/forecasts\/forecasts_container\/GD20101014\/GD-20101014-lang.pdf\">Empfehlungen [PDF &ndash; 4.7 MB]<\/a> der &bdquo;f&uuml;nf f&uuml;hrenden Wirtschaftsinstitute&ldquo; in die Alltagssprache &uuml;bersetzen. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><\/p><p><em>&bdquo;Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Aufschwung. Die Institute prognostizieren eine Zunahme des realen Bruttoinlandsprodukts um 3,5 % f&uuml;r das Jahr 2010 und um 2,0 % f&uuml;r das Jahr 2011. Die Lage am Arbeitsmarkt wird sich dabei weiter verbessern. Die Zahl der Arbeitslosen d&uuml;rfte im Jahresdurchschnitt 2011 erstmals seit 1992 unter 3 Millionen liegen. Die Defizitquote des Staates d&uuml;rfte auf 2,7 % sinken. Die Wirtschaftspolitik in Deutschland muss den angek&uuml;ndigten Konsolidierungspfad weitergehen. Auf europ&auml;ischer Ebene sind Insolvenzordnungen f&uuml;r Staaten und Banken erforderlich. Ein strengerer Stabilit&auml;ts- und Wachstumspakt k&ouml;nnte als erg&auml;nzende Ma&szlig;nahme sinnvoll sein. Eine Verl&auml;ngerung des Rettungsschirms f&uuml;r Eurol&auml;nder oder die Einf&uuml;hrung von gepoolten Staatsanleihen sind dagegen genauso abzulehnen wie der von der EU-Kommission vorgeschlagene Mechanismus zur Vermeidung und Korrektur makro&ouml;konomischer Ungleichgewichte.&ldquo;<br>\nSo fassen die &ndash; wie sie in den Nachrichten genannt werden &ndash; f&uuml;nf &bdquo;f&uuml;hrenden&ldquo; Wirtschaftsinstitute ihre <a href=\"http:\/\/www.cesifo-group.de\/portal\/page\/portal\/ifoContent\/N\/data\/forecasts\/forecasts_container\/GD20101014\/GD-20101014-PRESS-en.pdf\">Konjunkturprognose im Herbst 2010 zusammen [PDF &ndash; 358 KB]<\/a>.<\/em><\/p><p><strong>Ein Aufschwung auf Export<\/strong><br>\n&bdquo;Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Aufschwung&ldquo;. Schaut man sich genauer an, wie die Zunahme des Bruttoinlandprodukts zustande kam, so hat in den beiden ersten Quartalen des laufenden Jahres einmal mehr der Export mit einer Zunahme um 3,1 und 8,2 Prozent dazu beigetragen und ein St&uuml;ckchen noch die Investitionen in Ausr&uuml;stungen mit 4,4 Prozent. Auf den Gedanken, dass wir nur deshalb Klassenprimus beim Wachstum sind, weil wir mit unseren Export&uuml;bersch&uuml;ssen weiter unseren Nachbarn den gleichen Beitrag von ihrem Wachstum abgezogen haben, kommen unsere Konjunkturforscher nat&uuml;rlich nicht.  <\/p><p>Da es sich bei den &bdquo;Ausr&uuml;stungen&ldquo; im Wesentlichen um Ersatz- und nicht um Erweiterungsinvestitionen gehandelt haben d&uuml;rfte, ist der &bdquo;Boom&ldquo; (nur) bis zur Jahresmitte wieder einmal also fast ausschlie&szlig;lich dem Export geschuldet. Doch selbst mit diesem voraussichtlich nur noch kurze Zeit anhaltenden &bdquo;Boom&ldquo; der Exporte haben die Ausfuhren nur gut 80 Prozent des R&uuml;ckgangs in der Krise aufgeholt (Gustav Horn im <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/37883_109187.html\">Konjunkturgutachten des IMK<\/a>)<\/p><p><a href=\"\/upload\/bilder\/101015_ein_aufschwung_auf_export.png\"><img decoding=\"async\" src=\"\/upload\/bilder\/101015_ein_aufschwung_auf_export_small.png\" alt=\"Ein Aufschwung auf Export\"><\/a><\/p><p>Der Exportboom wird sich jedoch selbst nach Einsch&auml;tzung der Forschungsinstitute deutlich abschw&auml;chen. Die schwache Erholung in Frankreich und Italien und die massiven Krisen in Griechenland, Spanien, Portugal und Irland, die Konjunkturbremse durch den drastischen Sparkurs in Gro&szlig;britannien, die Gefahr einer neuerlichen Rezession in den USA und &bdquo;Friktionen&ldquo; bei der Wachstumslokomotive China lassen jedenfalls nicht erwarten, dass das Standbein Export auf stabilem Grund steht. <\/p><p><strong>Konjunkturpolitik ist nicht mehr erfoderlich<\/strong><br>\nAngesichts dieser sich abzeichnenden Entwicklung ist es geradezu fahrl&auml;ssig, dass in dem Herbstgutachten keinerlei Handlungsm&ouml;glichkeiten aufgezeigt werden, wie denn die Binnenwirtschaft gest&auml;rkt werden k&ouml;nnte, um die Exportr&uuml;ckg&auml;nge zu kompensieren.<br>\nGanz im Gegenteil hei&szlig;t es im Gutachten:<em> &bdquo;Ma&szlig;nahmen, die die Konjunktur im Zuge der Krise stabilisieren sollten, sind hierzulande nicht mehr erforderlich und sollten auslaufen.<br>\nDie Kritik, dass dies die Erholung gef&auml;hrden k&ouml;nne, ist nun unbegr&uuml;ndet.&ldquo;<\/em> (S. 8) Das wird einfach unbegr&uuml;ndet in den Raum gestellt. <\/p><p><strong>Der Einbruch und die Krise sind vergessen<\/strong><br>\nEs wird der Eindruck erweckt, als sei die Finanz- und die daran anschlie&szlig;ende Wirtschaftskrise schon &uuml;berwunden und als w&auml;ren wir schon wieder in ruhigem Fahrwasser.<br>\nDass wir uns von dem Einbruch noch l&auml;ngst nicht erholt haben, habe ich an keiner Stelle gefunden. Und dass es eigentlich keine Sensation ist, wenn nach dem im Vergleich zu anderen L&auml;ndern tiefen Einbruch von Minus 4,7 Prozent der Aufholprozess so &uuml;berraschend nicht ist. Wer tief abst&uuml;rzt, hat eben auch wieder viel aufzuholen. (Wenn die anderen L&auml;nder wieder in der Lage sind, zu importieren.) Hier also, wie der Bundeswirtschafsminister von einem &bdquo;XL-Aufschwung&ldquo; zu sprechen, ist mehr als peinlich. <\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"\/upload\/bilder\/101015_der_einbruch_und_die_krise_sind_vergessen.png\" alt=\"Der Einbruch und die Krise sind vergessen\"><\/p><p>Der Optimismus der hier verbreitet wird ist wahrlich leichtfertig. Es ist immer wieder erstaunlich mit welch geringer Selbstkritik in solchen Prognosen Behauptungen aufgestellt werden, gerade so als h&auml;tte man nicht noch vor einem halben Jahr mit seinen Vorhersagen weit neben der Wirklichkeit gelegen. Im Fr&uuml;hjahrsgutachten ging man noch von einer Steigerung des Bruttoinlandproduktes von 1,5 % aus und jetzt prognostiziert man eine Wachstumsrate, die bei 3,5 % liegt, die also mehr als doppelt so hoch liegt, wie vor 6 Monaten vorhergesagt. Das belegt nur, wie wenig Verlass auf solche mit dem Pathos wissenschaftlicher Fundierung vorgetragenen Prognosen ist. <\/p><p><strong>Eine sch&ouml;ne Arbeitslosenstatistik<\/strong><br>\nVielleicht noch besch&ouml;nigender sind die Vorhersagen &uuml;ber die Entwicklung der Arbeitslosigkeit. Wenn man schon das Absinken der Zahl der Arbeitslosen unter die 3-Millionen-Marge verk&uuml;ndet, dann h&auml;tte man jedenfalls ein paar Angaben mehr dazu machen m&uuml;ssen, wie sich dieses Absinken in der Wirklichkeit darstellt. Dass jeder F&uuml;nfte Arbeitnehmer f&uuml;r einen Stundenlohn unterhalb der Niedriglohnschwelle arbeitet, dass es dar&uuml;ber hinaus einen <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/show_product_wsi.html?productfile=HBS-004820.xml\">Flickenteppich von unzureichenden Mindestl&ouml;hnen in Deutschland gibt<\/a>, dass die Arbeitslosenstatistik durch statistische Kosmetik kein wirkliches Bild der Arbeitslosigkeit mehr zeigt, all das ist den Forschern keine Erw&auml;hnung wert. Gerade mal am Rande wird darauf hingewiesen, dass im Verarbeitenden Gewerbe der Besch&auml;ftigungsaufbau im Wesentlichen in der Zeitarbeitsbranche zu &bdquo;beobachten&ldquo; sei. &bdquo;Im Juli &uuml;bertraf die Zahl der Zeitarbeiter den Vorjahreswert um 33 % (183 000 Personen), was 60 % des Anstiegs der Zahl der sozialversicherungspflichtig Besch&auml;ftigten erkl&auml;rt.&ldquo; (S. 40). Da aber nicht nur Zeitarbeit, sondern auch Ein-Euro-Jobs, erzwungene Teilzeit etc. von den Konjunkturforschern positiv bewertet werden, kann man dann die Erfolgsmeldung hinausposaunen, dass die Arbeitslosigkeit 2011erstmals seit 1992 unter drei Millionen liegen d&uuml;rfte. Wie man prek&auml;re Besch&auml;ftigung wieder abbauen k&ouml;nnte, dar&uuml;ber machen sich diese Konjunkturforscher keine Gedanken. <\/p><p><strong>Dem Neoliberalismus f&auml;llt nur sparen ein<\/strong><br>\nDiese Prognose h&auml;tte man vorhersagen und damit ersparen k&ouml;nnen. Egal wie die Konjunktur verl&auml;uft, <a href=\"\/?p=4265\">ob 2008 oder in der Krise 2009<\/a> oder jetzt, wo das Wachstum selbst f&uuml;r die Konjunkturforscher &uuml;berraschend angestiegen ist (siehe noch das <a href=\"\/?p=5234#h07\">Fr&uuml;hjahrsgutachten<\/a>), das einzige was diesen Instituten einf&auml;llt ist: die Wirtschaftspolitik (und wohlgemerkt nicht die Finanzpolitik) muss &bdquo;<em>die Haushaltskonsolidierung vorantreiben<\/em>&ldquo;. Das kommt eben dabei heraus, wenn das Bundeswirtschaftsministerium einen &bdquo;Dienstleistungsauftrag&ldquo; an mehrheitlich neoliberal ausgerichtete Forschungsinstitute wie Hans-Werner Sinns M&uuml;nchner ifo Institut, an  Dennis Snowers Institut f&uuml;r Weltwirtschaft in Kiel (ifw), an Wolfgang Franzens  Zentrum f&uuml;r Europaische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim, an das Rheinisch-Westf&auml;lische Institut f&uuml;r Wirtschaftsforschung (RWI) oder an das Institut f&uuml;r Wirtschaftsforschung Halle (iwh) vergibt. Die Schweizer Konjunkturforschungsstelle (KOF) an der ETH Z&uuml;rich oder das Institut f&uuml;r H&ouml;here Studien in Wien, die auch noch dabeisitzen, sollen dabei wohl den Eindruck der Internationalit&auml;t erwecken. Was soll man auch von Wirtschaftsforschern erwarten, in deren Modellen eine aktive Konjunkturpolitik eigentlich nicht vor kommt, weil ja der Markt stets zum Gleichgewicht dr&auml;ngt und wirtschaftliche Schwankungen eigentlich nur Marktst&ouml;rungen bzw. &bdquo;Schocks&ldquo; von au&szlig;erhalb darstellen. Da bleibt eben nur die st&auml;ndige Forderung an den Staat, sich rauszuhalten, also zu sparen. Selbst wenn man feststellen muss, dass selbst die schon beschlossenen &bdquo;<em>Konsolidierungsma&szlig;nahmen<\/em>&ldquo; die Konjunktur d&auml;mpfen werden. D&auml;mpfende Effekte des finanzpolitischen Konsolidierungskurses sollten &bdquo;<em>gerade jetzt in Kauf genommen werden<\/em>&ldquo;, empfiehlt das Gutachten. (S. 47) &bdquo;<em>Der private Konsum befindet sich auf Expansionskurs, und die Besch&auml;ftigung nimmt deutlich zu. F&uuml;r die Wirtschaftspolitik (!) sind dies nahezu ideale Bedingungen, um die Haushaltskonsolidierung voranzutreiben<\/em>.&ldquo; (S. 47)<\/p><p>Die Gutachter nehmen also einen negativen fiskalischen Impuls f&uuml;r 2011 von 0,7 Prozent (S. 54) oder <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/37883_109209.html\">knapp 18 Milliarden<\/a> mal locker in Kauf, obwohl sich der Konjunkturverlauf nach ihrer eigenen Prognose der Konjunkturverlauf schon wieder deutlich auf 2 Prozent abflacht. <\/p><p>Es ist angesichts der Fixierung auf eine Sparpolitik auch nicht weiter erstaunlich, dass die Forscher die &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; in den &ouml;konomischen Himmel erheben. Diese sei &bdquo;<em>f&uuml;r sich genommen auch ein Beitrag zu mehr Wachstum<\/em>&ldquo; und mittelfristig gebe es sogar noch &bdquo;<em>weiteren Konsolidierungsbedarf<\/em>&ldquo; (54), schlie&szlig;lich bestehe noch ein &bdquo;<em>betr&auml;chtliches Einsparpotential bei Finanzhilfen<\/em> (sprich: Sozialtransfers) <em>und Steuerverg&uuml;nstigungen<\/em>&ldquo;. Bei letzteren ist aber zuletzt an die R&uuml;cknahme von Steuerverg&uuml;nstigungen an Unternehmen und bei Kapitaleinkommen gedacht, denn trotz einer Unternehmensteuersenkung nach der anderen, sei die steuerliche Belastung der deutschen Unternehmen immer noch zu hoch (S. 58), so m&uuml;sse die Bemessungsgrundlage der Gewerbesteuer an die K&ouml;rperschaftssteuer angeglichen werden und  die Zinsschranke, mit der Unternehmensk&auml;ufe auf Pump (etwa durch kreditfinanzierte Hedge-Fonds) unattraktiver gemacht werden sollte,  sollte nach der Meinung der Gutachter am besten ganz abgeschafft werden. (S. 55) <\/p><p><strong>Als Binnennachfrage gelten nur die Investitionen<\/strong><br>\nNach der Grundannahme der mehrheitlich angebotsorientierten &Ouml;konomen kommt eben alles auf die Investitionen an. Und weil die Investitionsbedingungen eben in Deutschland immer noch &bdquo;<em>wenig attraktiv<\/em>&ldquo; seien, sei deutsches Kapital, das durch die Export&uuml;bersch&uuml;sse erwirtschaftet wurde, eben ins Ausland vor allem in die s&uuml;deurop&auml;ischen L&auml;nder geflossen und &bdquo;<em>finanzierte dort private Investitionen, privaten Konsum und steigende Staatsausgaben<\/em>&ldquo;. Die schlechten Anlagem&ouml;glichkeiten f&uuml;r deutsches Kapital im eigenen Land haben somit letztlich zur Schuldenkrise in Griechenland, Spanien oder Portugal gef&uuml;hrt. H&auml;tte man doch nur die Investitionsbedingungen bei uns noch attraktiver gemacht, so w&auml;re es erst gar nicht zur europ&auml;ischen Finanzierungskrise gekommen. So muss man schlussfolgern. <\/p><p>Die eingestandene &bdquo;<em>schwache Binnennachfrage<\/em>&ldquo; der letzten Jahre hatte ihren Grund auch weniger in der &bdquo;<em>sehr verhaltenen<\/em>&ldquo; privaten Konsumnachfrage sondern vor allem in der schwachen Investitionst&auml;tigkeit. (S. 59) Angesichts der konjunkturellen Risiken durch eine weitere Rezession in den USA, dem Nachfrager&uuml;ckgang nach deutschen Exportg&uuml;tern durch den in fast allen europ&auml;ischen L&auml;ndern eingeschlagenen massiven Sparkurs, bauen die Konjunkturforscher &uuml;berraschenderweise auf den &bdquo;<em>Aufwind<\/em>&ldquo; der Inlandsnachfrage. Schaut man genauer hin, geht es bei diesem &bdquo;<em>Aufwind<\/em>&ldquo; auch nicht so sehr um den privaten Konsum der Haushalte, sondern vor allem um Ausr&uuml;stungen oder sonstige Anlagen. Eine Steigerung der privaten Konsumausgaben um maximal 0,4 Prozent pro Quartal im Prognosezeitraum, kann wohl kaum Anlass zur Euphorie sein. <\/p><p><strong>R&uuml;ckgang der Lohnquote und zunehmende Einkommensungleichheit<\/strong><br>\nDie Forscher konstatieren, dass zwar die Kaufzur&uuml;ckhaltung Mitte des Jahres &uuml;berwunden worden sei, dass aber aufgrund des niedrigen Niveaus zu Jahrsbeginn im Jahresdurchschnitt 2010 nur ein geringf&uuml;giger Zuwachs von 0,1 Prozent zu erwarten sei. (S. 37)<br>\nSo wird sich nach Einsch&auml;tzung der Forscher die &bdquo;Expansion&ldquo; des privaten Konsums im Jahre 2011 auch nur &bdquo;mit geringerem Tempo&ldquo; fortsetzen.<br>\nNetto gerechnet ergebe sich ein Zuwachs der L&ouml;hne und Geh&auml;lter um 2,5 Prozent. &bdquo;<em>Die entnommenen Gewinne und Verm&ouml;genseinkommen d&uuml;rften kr&auml;ftig expandieren (5,1 %)<\/em>.&ldquo; (S. 37) Anstandslos wird also der Umverteilungskurs von den Lohn- auf die Verm&ouml;genseinkommen als Faktum hingenommen.<br>\nKeine wirtschaftspolitische Kritik erf&auml;hrt deshalb auch die Tatsache, dass sich die Zunahme der real verf&uuml;gbaren Einkommen privater Haushalte von 1,5% (1991 bis 2000) auf 0,7% (2000 bis 2008)  verlangsamte und damit deutlich hinter der gleichfalls verlangsamten Zunahme des realen Bruttoinlandsprodukts (von 1,8 auf 1,2%) lag. (S. 59) Der R&uuml;ckgang der Lohnquote und die zunehmende Einkommensungleichheit (S. 59) werden als Faktum einfach so hingenommen. <\/p><p><strong>An den &ouml;konomischen Ungleichgewichten sind die anderen Schuld<\/strong><br>\nWer keine Konzepte anbieten kann, wie der Binnenmarkt angekurbelt werden k&ouml;nnte, der muss f&uuml;r das Wachstum der Wirtschaft weiterhin unersch&uuml;tterlich darauf setzen, dass es vor allem von au&szlig;en durch den Export entsteht. Kein Wunder also, dass die Konjunkturforscher dem &bdquo;<em>von der EU-Kommission vorgeschlagenen Mechanismus zur Vermeidung und Korrektur makro&ouml;konomischer Ungleichgewichte&hellip;&auml;u&szlig;erst kritisch gegen&uuml;ber<\/em>&ldquo; stehen (S. 48) und Sanktionen gegen&uuml;ber einem notorischen Schmarotzertum gegen&uuml;ber den europ&auml;ischen Nachbarn &bdquo;<em>strikt ablehnen<\/em>&ldquo;. Die Bek&auml;mpfung der &ouml;konomischen Ungleichgewichte durch deutsche Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;sse und entsprechenden Defizite vor allem unserer s&uuml;dlichen Nachbarn, die zur Euro- ja zur Krise der Europ&auml;ischen Union gef&uuml;hrt haben, wird von den Konjunkturforschern damit abgewehrt, dass damit &bdquo;Koordination durch M&auml;rkte verdr&auml;ngt&ldquo; und das Prinzip der &bdquo;<em>sozialen Marktwirtschaft<\/em>&ldquo; besch&auml;digt w&uuml;rde, wonach &bdquo;<em>Anspr&uuml;che auf Gewinne aus der Verantwortung f&uuml;r Entscheidungen und deren Folgen<\/em>&ldquo; abzuleiten seien. (S. 49). Aus diesem Haftungsprinzip leitet das Gutachten die Forderung nach &bdquo;<em>einer geordneten Insolvenz<\/em>&ldquo; ganzer Staaten in der Europ&auml;ischen Gemeinschaft ab. Was eine &bdquo;Staatspleite&ldquo; bedeutet und welche Folgen das f&uuml;r den Euro und die gesamte Europ&auml;ische Gemeinschaft h&auml;tte, wird in dem Gutachten nicht einmal angedeutet. Hier zeigt sich der von mikro&ouml;konomischen Dogmen eingeengte R&ouml;hrenblick am deutlichsten. Es entlarvt die &bdquo;f&uuml;hrenden Wirtschaftsinstitute&ldquo; als wirtschaftspolitischen und schon gar als politischen Dilettantenstadel. <\/p><p><strong>Am deutschen Wesen&hellip;<\/strong><br>\nStatt endlich gegen das Lohn- und Steuerdumping anzugehen, womit Deutschland andere europ&auml;ische L&auml;nder in ihre hohen Leistungsbilanzdefizite getrieben hat, wird  zur Herstellung der innen- und au&szlig;enwirtschaftlichen Gleichgewichte geraten, dass die &bdquo;<em>erforderlichen Lohn- und Preisanpassungen zugelassen werden m&uuml;ssen&hellip; Entsprechende Handlungsoptionen werden in dem Kapitel  &acute;Zur Wirtschaftspolitik in Deutschland` aufgezeigt.<\/em>&ldquo; (S. 60)<br>\nAm deutschen Wesen soll also die europ&auml;ische Wirtschaftspolitik genesen. Und wenn dann durch Lohnsenkung und Sozialabbau und drastische staatliche Sparprogramme auch noch die Nachfrage auf dem wichtigen europ&auml;ischen Binnenmarkt zusammengebrochen ist, dann werden unsere Konjunkturforscher wieder ihre alte Leier spielen und vortragen, dass bei uns noch mehr &bdquo;Lohnzur&uuml;ckhaltung&ldquo; ge&uuml;bt und noch st&auml;rker &bdquo;konsolidiert&ldquo; werden m&uuml;sse, um unsere Wettbewerbsf&auml;higkeit gegen&uuml;ber den anderen zu verbessern.<br>\nDie Fortsetzung der Konjunkturgutachten ist also schon geschrieben: Es ist eine unendliche Geschichte aus einer Phantomwelt in der nur noch die Produktion von G&uuml;tern gef&ouml;rdert wird und das Angebot irgendwie immer seine Nachfrage findet, wenn man den Markt nur l&auml;sst. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutschland ist wirtschaftlich der Klassenprimus nicht nur in Europa sondern auch unter den entwickelten L&auml;ndern, weil wir weiterhin &uuml;ber unsere Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;sse erfolgreich unser Wachstum von anderen Volkswirtschaften abziehen. Wir brauchen keine Konjunkturpolitik, wir haben ja den Export und die Binnennachfrage wird irgendwann schon kommen. Wirtschaftspolitik hei&szlig;t sparen und Lohnzur&uuml;ckhaltung. Die anderen L&auml;nder sollen am deutschen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=7093\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[13,129,30],"tags":[290,380,499,288,748,746],"class_list":["post-7093","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-denkfehler-wirtschaftsdebatte","category-lobbyorganisationen-und-interessengebundene-wissenschaft","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-binnennachfrage","tag-export","tag-handelsbilanz","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-rettungsschirm","tag-wirtschaftsforschungsinstitute"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7093","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7093"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7093\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20777,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7093\/revisions\/20777"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7093"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7093"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7093"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}