{"id":71152,"date":"2021-03-29T10:30:04","date_gmt":"2021-03-29T08:30:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71152"},"modified":"2021-03-29T13:00:47","modified_gmt":"2021-03-29T11:00:47","slug":"buergerkrieg-in-burma-teil-ii-der-widerstand-organisiert-sich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71152","title":{"rendered":"B\u00fcrgerkrieg in Burma &#8211; Teil II: Der Widerstand organisiert sich"},"content":{"rendered":"<p>Der Tag der Streitkr&auml;fte am letzten Samstag entwickelte sich, wie leider zu bef&uuml;rchten war, zu einem Tag der Schande f&uuml;r Myanmar. Die Junta wollte an diesem Tag zeigen, wer in Myanmar das Sagen hat, und feierte den Tag am Morgen mit einer Milit&auml;rparade und am Nachmittag bis in die Nacht hinein mit einem Schlachtfest an Demonstranten. &Uuml;ber 100 Menschen wurden am Samstag, oft mit gezielten Kopfsch&uuml;ssen, in allen Teilen des Landes get&ouml;tet. Damit stieg die Zahl der Get&ouml;teten seit dem 1. Februar auf &uuml;ber 500. Am Sonntag flog die Luftwaffe sogar Angriffe auf die Zivilbev&ouml;lkerung im Papun-Distrikt, keine 50 km von der thail&auml;ndischen Grenze entfernt, weil die Armee der Karen dort einen Au&szlig;enposten der Tatmadaw erobert hatte. Etwa 3.000 Menschen sind daraufhin &uuml;ber die Grenze nach Thailand geflohen [<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>]. Von <strong>Jinthana Sunthorn<\/strong>, Hong Kong. &Uuml;bersetzung aus dem Englischen von der Redaktion.<br>\n<!--more--><br>\n<em>Lesen Sie auch den ersten Teil: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71084\">B&uuml;rgerkrieg in Burma &ndash; Teil I: Myanmars Sicherheitskr&auml;fte sind v&ouml;llig au&szlig;er Kontrolle geraten.<\/a><\/em><\/p><p>Bereits am Tag zuvor hatte das Milit&auml;r das Morden angek&uuml;ndigt. Das Staatsfernsehen hatte am Freitag gewarnt, dass Demonstranten Gefahr laufen w&uuml;rden, &bdquo;in den Kopf und in den R&uuml;cken geschossen&ldquo; zu werden. Bei der Parade in der Hauptstadt Nay Pyi Taw sagte Putschistengeneral Min Aung Hlaing, der F&uuml;hrer der Junta, dass das Milit&auml;r das Volk sch&uuml;tzen und nach Demokratie streben werde (sic). &bdquo;Dieser 76. Tag der Streitkr&auml;fte Myanmars wird als ein Tag des Terrors und der Schande in Erinnerung bleiben&ldquo;, sagte die Delegation der Europ&auml;ischen Union in Myanmar. &bdquo;Die T&ouml;tung von unbewaffneten Zivilisten, einschlie&szlig;lich Kindern, sind nicht zu rechtfertigende Handlungen.&ldquo;<\/p><p>Zu den Feiern am Tag der Streitkr&auml;fte kamen auch offizielle Vertreter aus China und Russland. <\/p><p><strong>Die Parallelregierung nimmt Gestalt an<\/strong><\/p><p>Das CPRH hat, kurz nachdem es konstituiert war, damit begonnen, eine Parallelregierung aufzubauen, und eigene Minister ernannt. Die Parallelregierung baut Allianzen in den von ethnischen Rebellen kontrollierten Gebieten auf und verhandelt mit bewaffneten Gruppen, politischen Parteien und Komitees, die sich zusammengeschlossen haben, um das Milit&auml;r zu st&uuml;rzen. Ziel ist es, die verschiedenen Gruppen zu einen und gemeinsam gegen die Milit&auml;rjunta vorzugehen. <\/p><p>Es ist klar, dass die zahlreichen ethnischen Gruppen in Burma, die seit der Unabh&auml;ngigkeit im Jahre 1948 von den Milit&auml;rs verfolgt und unterdr&uuml;ckt werden, darauf bestehen, dass ihre Forderungen nach Unabh&auml;ngigkeit in einem neuen, f&ouml;deralen Staat nach einem Sieg &uuml;ber die Tatmadaw auch ber&uuml;cksichtigt werden.  F&uuml;r sie ist jetzt eine einmalige Gelegenheit gekommen, der Unterdr&uuml;ckung ein f&uuml;r alle Mal ein Ende zu bereiten und eine Autonomie f&uuml;r ihre V&ouml;lker zu erreichen.  Die ethnischen Parteien haben klare Vorstellungen &uuml;ber ihre Ziele, sie fordern ein Ende der Milit&auml;rdiktatur, die R&uuml;ckkehr zu einer zivilen Regierung und die Freilassung aller politischen Gefangenen. Dazu die Abschaffung der Verfassung von 2008 und deren Ersetzung durch eine f&ouml;derale und demokratische Verfassung. Die rechtliche Form eines neuen Burma (oder Myanmar, falls der Name denn beibehalten werden sollte) ist daher ein Hauptgegenstand der Verhandlungen. <\/p><p>Die Verhandlungen sind nicht einfach, es gibt in Myanmar etwa 20 verschiedene bewaffnete Gruppierungen, die in der Vergangenheit zwar stets gegen das Milit&auml;r, aber teilweise auch untereinander Kampf gef&uuml;hrt haben. Es gilt noch viele Rivalit&auml;ten und viel Misstrauen untereinander zu beseitigen, auch gegen&uuml;ber der NLD, die sich in den letzten 5 Jahren in der Regierung, aus R&uuml;cksicht auf die Milit&auml;rs, aber durchaus auch aus nationalen Gef&uuml;hlen heraus, nicht gerade als Verfechter f&uuml;r die Rechte der ethnischen Minderheiten hervorgetan hat, um es einmal vorsichtig auszudr&uuml;cken. Es sei in diesem Zusammenhang nur an die fragw&uuml;rdigen Erkl&auml;rungen Suu Kyis zu den Vorkommnissen im Rakhine-Staat im Zusammenhang mit dem Konflikt um die Rohingyas erinnert. Aber der Wille zur Verst&auml;ndigung scheint bei allen Seiten vorhanden zu sein, das Volk von Myanmar scheint im Allgemeinen derzeit so geeint wie noch nie und damit w&auml;chst auch die Bereitschaft zur Beilegung alter Streitigkeiten. <\/p><p>&bdquo;Es gibt immer noch einige Verd&auml;chtigungen aus der Vergangenheit. Wir arbeiten gemeinsam daran, diese auszur&auml;umen und Vertrauen aufzubauen. Wir haben jetzt langsam begonnen, eine gemeinsame Basis zu schaffen,&ldquo; sagte Zin Mar Aung, die von der CPRH zur Au&szlig;enministerin ernannt wurde.  Aber es gibt gute Hoffnungen, dass eine Einigung noch Ende M&auml;rz erreicht werden k&ouml;nnte. Eine Parallelregierung der nationalen Einheit mit Wurzeln in den ethnischen Gebieten k&ouml;nnte somit bald stehen. Beide Seiten k&ouml;nnen dabei nur gewinnen, das Wichtigste ist aber erst einmal ein Sieg &uuml;ber die Milit&auml;rregierung. Je h&auml;rter und brutaler die Tatmadaw weiterhin die Proteste unterdr&uuml;ckt, desto wahrscheinlicher ist es, dass eine Einigung bald erzielt wird. &bdquo;Wir sind zu 80% am Ziel&ldquo;, sagt Zin Mar Aung zu den Gespr&auml;chen &uuml;ber eine Bundesunion. &bdquo;Das CPRH f&uuml;hrt Verhandlungen mit den verschiedenen bewaffneten Gruppen, um eine Vereinbarung &uuml;ber die Bedingungen der Schaffung einer f&ouml;deralen Union zu erreichen&ldquo;, so Zin Mar Aung weiter. <\/p><p>Eine der Schl&uuml;sselfragen, die es zu l&ouml;sen gilt, ist die Frage, wie eine neue f&ouml;derale Armee aufgebaut werden kann, die den Kern einer neuen Volksarmee in einem neuen Burma bilden w&uuml;rde. &bdquo;Auf eine f&ouml;derale Union hinzuarbeiten bedeutet, dass wir darauf hinarbeiten m&uuml;ssen, eine f&ouml;derale Armee aufzubauen, die sich an ethischen Standards orientieren muss,&ldquo; sagte Zin Mar Aung.<\/p><p>Zugleich ruft die CPRH die Sicherheitskr&auml;fte auf, mit ihren Waffen zur CDM, der Bewegung des Volkswiderstands, &uuml;berzulaufen. Viele haben das bereits getan und angeboten, beim Aufbau einer neuen Armee zu helfen. In den sozialen Medien wurden bereits die Insignien der neuen Armee entworfen, Aktivisten diskutieren &uuml;ber Modalit&auml;ten und Strategien des bewaffneten Widerstands.<\/p><p>Das CPRH agiert im Untergrund. Die Junta hat einige ihrer Mitglieder des Hochverrates angeklagt. Darauf (Artikel 122[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]) steht entweder die Todesstrafe oder lebenslange Haft. Die Junta wird keinen Moment z&ouml;gern, die Mitglieder des CPRH hinzurichten, wenn es sie zu fassen kriegt. Die F&uuml;hrer der NLD sitzen noch immer in Haft. Die Junta hat eine neue fingierte Bestechungsanklage gegen Aung San Suu Kyi erhoben, was bedeutet, dass sie zu 15 Jahren Gef&auml;ngnis verurteilt werden k&ouml;nnte. Frau Suu Kyi ist jetzt 75 Jahre alt, f&uuml;r sie w&auml;ren 15 Jahre Gef&auml;ngnis so gut wie lebensl&auml;nglich. <\/p><p>Die erste Priorit&auml;t f&uuml;r das CPRH muss es sein, einen sicheren Zufluchtsort auf befreundetem Territorium zu finden, einen Ort, von wo aus es Gegenaktivit&auml;ten und einen Gegenangriff zur R&uuml;ckeroberung des Staatsapparates und der Macht koordinieren kann. Die Regierung muss in der Lage sein, die Junta von einer sicheren Basis auf sicherem Territorium aus herauszufordern. Da bietet sich fast nur das Grenzgebiet zu Thailand im S&uuml;dosten des Landes an, dort wo die bewaffneten Gruppen der Kayin, Kayah und Mon und der Karen National Union weite Gebiete kontrollieren. Die EAO (Ethnic Armed Organisations) haben verk&uuml;ndet, dass sie ihr Volk gegen &Uuml;bergriffe des Milit&auml;rs verteidigen werden. Sie flankieren in ihren Gebieten die Demonstrationsz&uuml;ge der Zivilbev&ouml;lkerung mit ihren Maschinenpistolen, um sie vor Angriffen der Tatmadaw zu sch&uuml;tzen. Zudem greifen sie Polizeistationen und Milit&auml;rst&uuml;tzpunkte der Regierung an. Erst vor zwei Tagen hat die KIA (Kachin Independent Army) einen Milit&auml;rst&uuml;tzpunkt an der chinesischen Grenze erobert. Der Restoration Council of Shan State (RCSS) hat bekanntgegeben, dass er allen Opfern der Tatmadaw Schutz und Unterst&uuml;tzung gew&auml;hren wird. Die thail&auml;ndischen Beh&ouml;rden haben derweil bereits Pl&auml;ne f&uuml;r den Bau von Notunterk&uuml;nften entlang der Grenze, da eine Massenflucht der Zivilbev&ouml;lkerung zu bef&uuml;rchten steht. <\/p><p>Nach dem Putsch bildete das Milit&auml;rregime Friedensverhandlungskomitees, um mit den EAO zu verhandeln, sie zu umschmeicheln und sie gegeneinander auszuspielen. Diese Friedensverhandlungs-Komitees wollen der Regierung Luft verschaffen. Sie reichen den EAO jetzt die Hand in dem Bem&uuml;hen, den Waffenstillstand, den die meisten von ihnen in den letzten Jahren mit den Tatmadaw geschlossen hatten, aufrechtzuerhalten und Frieden zu schlie&szlig;en, zumindest bis das Regime etabliert ist. Das scheint nicht zu funktionieren, verschiedene Gruppierungen griffen in den letzten beiden Wochen verst&auml;rkt Polizeistationen an und eroberten sogar Milit&auml;rst&uuml;tzpunkte.<\/p><p>Eine schallende Ohrfeige erhielt Putschistenf&uuml;hrer Min Aung Hlaing dieser Tage von Padoh Saw Mutu Say, dem F&uuml;hrer der Volksgruppe der Karen, deren Siedlungsgebiete sich entlang der thail&auml;ndischen Grenze befinden, dem Gebiet also, das vorwiegend als St&uuml;tzpunkt f&uuml;r die CPRH infrage kommt. Die Karen National Union (KNU) weigert sich, den Putschistenf&uuml;hrer zu treffen, so lange seine Truppen nicht aufh&ouml;ren, Zivilisten zu t&ouml;ten, und nicht allen H&auml;ftlingen, die nach dem Putsch festgenommen wurden, die Freiheit gew&auml;hren. Die KNU unterzeichnete 2012 ein Waffenstillstandsabkommen mit der Tatmadaw und 2015 das landesweite Waffenstillstandsabkommen (NCA). Im Norden hat die bewaffnete Gruppe der ethnischen Kachin, die Kachin Independence Army (KIA), letzte Woche strategische Au&szlig;enposten des Milit&auml;rs erobert. Fast alle EAO waren zur Teilnahme an den Feierlichkeiten zum Tag der Streitkr&auml;fte eingeladen worden. So gut wie alle der Eingeladenen haben es abgelehnt, am Tag der Schande Burmas den Tatmadaw ihre Ehre zu erweisen. <\/p><p>Das CPRH hat alle L&auml;nder dazu aufgefordert, Verhandlungen nur mit ihm als einzig legitime Vertretung des Volkes von Myanmar zu f&uuml;hren. Neben der Bewegung des zivilen Ungehorsams CDM, die &uuml;ber Verbraucherboykotte Produkte boykottiert, die von Firmen im Besitz des Milit&auml;rs hergestellt werden, ruft auch das CPRH zum Boykott der Putschistenregierung auf. Der Finanzminister der CPRH, Tin Tun Naing, will verhindern, dass Steuern und die Einnahmen aus staatlichen Unternehmen an das Milit&auml;r flie&szlig;en.  Das CPRH hat zudem einen Aufruf herausgegeben, die Steuern f&uuml;r das laufende Finanzjahr nicht zu zahlen.  Letzte Woche gab Tin Tun Naing eine Warnung an alle Unternehmen und Finanzinstitutionen heraus: Investoren &bdquo;sollten bis auf Weiteres davon absehen, Antr&auml;ge an die Myanmar Investment Commission (MIC) einzureichen&ldquo;. Die n&auml;chste legitime Regierung Myanmars werde keine MIC-Genehmigungen anerkennen, die vom illegitimen Milit&auml;rregime ausgestellt wurden, warnte er. <\/p><p>In ganz Myanmar entstehen, auch in st&auml;dtischen Gebieten, EAO-Safe-Zones, also Gebiete, die die Tatmadaw nicht mehr kontrollieren k&ouml;nnen und wo Strukturen das Sagen haben, die direkt von der Bev&ouml;lkerung kontrolliert werden. <\/p><p>Keine der westlichen Regierungen hat sich bis jetzt mit der CPRH als legitime Regierung Myanmars auseinandergesetzt. Es ist wohl an der Zeit, dies endlich zu tun.  Die Anerkennung des CPRH als legitime Regierung Myanmars muss bald folgen, wenn die Bekenntnisse zu &bdquo;westlichen Werten&ldquo;, Freiheit und Demokratie mehr als blo&szlig;e Lippenbekenntnisse sein sollen. Der westliche Block muss jetzt die designierten Vertreter der gew&auml;hlten &Uuml;bergangsregierung akkreditieren und Beglaubigungen von Diplomaten der Junta ablehnen.  Jeder Dialog eines dritten Staates mit der Junta ist eine indirekte Anerkennung derselben und ein Affront gegen das Volk von Myanmar. Die &ouml;ffentlichen Gelder Myanmars, die auf Konten in den USA und anderswo eingefroren sind, m&uuml;ssen dem CPRH zur Verf&uuml;gung gestellt werden, sobald die Einheitsregierung steht. Das Geld geh&ouml;rt dem Volk von Myanmar, es muss der CPRH dabei helfen, die Junta zu st&uuml;rzen, und nicht der Junta helfen, ihre Macht zu festigen. <\/p><p>Parallel zu den Boykottma&szlig;nahmen der Bev&ouml;lkerung und den Aufrufen des CPRH l&auml;uft eine Kampagne der sozialen Bestrafung. Die Junta und ihre Familienmitglieder werden in den sozialen Medien an den Pranger gestellt. Ihre famili&auml;ren Bande, ihre Gesch&auml;fte und Gesch&auml;ftsbeziehungen, ihre Aufenthaltsorte und Fotos von ihnen, damit man sie auch wiedererkennen kann, kursieren auf den sozialen Medien, zusammen mit der Aufforderung, diese Personen zu meiden und alle Beziehungen zu ihnen abzubrechen. Viele erwachsene Kinder der Junta-Mitglieder studieren im Ausland oder betreiben dort eigene Gesch&auml;fte mit dem Geld, das sie dem Volk von Myanmar gestohlen haben. Burmesische Landsleute, die in diesen L&auml;ndern ans&auml;ssig sind, stellen Antr&auml;ge an die Universit&auml;ten, sie von der Schule zu verweisen und ihnen ihre Stipendien zu entziehen, oder an die staatlichen Beh&ouml;rden, ihnen ihre Aufenthaltsgenehmigung oder die Staatsb&uuml;rgerschaft zu entziehen, wenn sie die fremde Staatsb&uuml;rgerschaft angenommen haben. Eine zuk&uuml;nftige Regierung wird ihnen ihre P&auml;sse entziehen. <\/p><p>Man k&ouml;nnte jetzt von Mobbing oder von Sippenhaft sprechen. Aber wir sollten nicht vergessen, dass hier nur mit gleicher M&uuml;nze zur&uuml;ckbezahlt wird, was die Familienmitglieder von Regierungsgegnern bisher mitgemacht haben. Es ist bestenfalls eine Form der Vergeltung. <\/p><p>Dissidenten werden in Burma nicht nur inhaftiert und gefoltert, ihre Familien werden auch an den Rand der Existenz gedr&auml;ngt. Familienangeh&ouml;rige im &ouml;ffentlichen Dienst werden entlassen und Schulleiter werden unter Druck gesetzt, ihre Kinder nicht aufzunehmen, Lehrer werden angehalten, die Kinder zu diskriminieren, und ihre Klassenkameraden werden gewarnt, nicht mit ihnen zu verkehren. Diese &Auml;chtung ist in Burma gang und g&auml;be. Es wird hier also nur Gleiches mit Gleichem vergolten. <\/p><p><strong>Wut auf China und Russland<\/strong><\/p><p>Die Haltung der Bev&ouml;lkerung Burmas zur VR China ist seit Langem zwiesp&auml;ltig. Und sie ist schon gar nicht im Einklang mit den traditionell guten Beziehungen der Junta zum Nachbarland. Die Tatmadaw macht mit chinesischen Kapitalisten gute Gesch&auml;fte, burmesische Arbeiter werden zu Niedrigl&ouml;hnen besch&auml;ftigt und die Zivilbev&ouml;lkerung zahlt die Zeche. China verfolgt in Myanmar eigene nationalstaatliche und kapitalistische Interessen. Die &Ouml;ffentlichkeit hat sich schon fr&uuml;her gegen chinesische Investitionen und gegen die Bedingungen, unter denen einheimische Arbeiter in chinesischen Fabriken besch&auml;ftigt sind, gewehrt. Arbeiter von in chinesischem Besitz befindlichen Firmen verdienen oft nicht mehr als drei bis vier USD am Tag.<\/p><p>Viele von Chinas Investitionen in Myanmar sind in der Bev&ouml;lkerung umstritten. Dazu geh&ouml;rt das 3,6 Milliarden Dollar teure Myitsone-Dammprojekt im n&ouml;rdlichen Kachin-Staat, das den Irrawaddy staut, ein Gebiet von der Gr&ouml;&szlig;e Singapurs &uuml;berfluten und 90% des erzeugten Stroms nach China exportieren soll. Die Baustelle begann 2007, 2011 musste sie auf Druck der Bev&ouml;lkerung stillgelegt werden.<\/p><p>Wanbao Mining und Myanmar Yang Tse, Tochtergesellschaften des chinesischen Waffenherstellers NORINCO, betreiben ber&uuml;chtigte Kupferminen in Sagaing, die Umweltzerst&ouml;rung und immenses Leid f&uuml;r die lokalen Gemeinden verursacht haben. [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] Illegal geschlagenes Teakholz wird tonnenweise mit Lastwagen &uuml;ber die burmesisch-chinesische Grenze von  Ruili nach China exportiert.<\/p><p>Die chinesischen Bekleidungsfabriken, die mit dem Aufbl&uuml;hen der Industrie in ganz Myanmar aus dem Boden geschossen sind, haben keinen guten Ruf bei der Bev&ouml;lkerung. Die dortigen Arbeitsbedingungen und die L&ouml;hne sind meist miserabel.  Der Bekleidungssektor ist seit gut 10 Jahren zu einem wichtigen Arbeitgeber und einem bedeutenden Devisenbringer f&uuml;r Myanmar geworden. Die Industrie besch&auml;ftigt mehr als eine halbe Million Arbeiter mit einem Produktionswert von &uuml;ber 6 Milliarden US$ pro Jahr. Die meisten Fabriken sind entweder in chinesischem Besitz oder unter chinesischer Leitung, die dort mit burmesischen Niedriglohnarbeitern Kleider f&uuml;r H&amp;M, C&amp;A, Zara usw. herstellen lassen. Viele dieser Fabriken sind in der Gemeinde Hlaing Tharyar, einem Stadtteil von Rangun, angesiedelt. Die dort besch&auml;ftigten Arbeiter sind durch jahrelange Arbeitsk&auml;mpfe kampferprobt und radikalisiert. <\/p><p>Peking sieht Burma als einen Schl&uuml;sselpartner in seinen strategischen Ambitionen f&uuml;r Asien und seiner Belt-and-Road-Initiative. China ist der gr&ouml;&szlig;te Investor in Myanmar, hat traditionell gute Beziehungen zu den Gener&auml;len und unterst&uuml;tzte diese auch in den Jahren, wo sie vom Westen sanktioniert wurden. <\/p><p>China investiert Milliarden USD in den burmesischen Abschnitt seiner Belt-and-Road-Initiative (BRI). So wurde eine Pipeline von der chinesischen Grenze &uuml;ber Mandalay bis nach Kyaukphyu im Rakhine-Staat am Golf von Bengalen gebaut, einschlie&szlig;lich eines Tiefseehafens und einer Sonderwirtschaftszone. Parallel dazu soll noch eine Trasse f&uuml;r Hochgeschwindigkeitsz&uuml;ge entstehen. <\/p><p>Der Weg von der chinesischen Grenze in der Provinz Yunnan mit der Hauptstadt Kunming quer durch Myanmar betr&auml;gt keine 2.000 km, das ist n&auml;her als von Kunming nach Hong Kong. Und auch von Chongqing in Mittelchina aus, dem Ausgangspunkt der neuen Seidenstra&szlig;e, ist es nur unwesentlich weiter bis Kyaukphyu als bis nach Hong Kong. Der Seeweg von Hong Kong durch das S&uuml;dchinesische Meer, an Singapore vorbei, f&uuml;hrt zudem weiter durch die Stra&szlig;e von Malakka, ein unsicherer Weg, die Stra&szlig;e von Malakka kann im Fall eines Konfliktes leicht gesperrt werden. Die NATO will ja zurzeit verst&auml;rkt in der Region &bdquo;Pr&auml;senz zeigen&ldquo;, um den Einfluss Chinas, das der Westen immer mehr als Konkurrenten sieht und als Aggressor zu verurteilen sucht, &bdquo;einzud&auml;mmen&ldquo;. F&uuml;r Warenexporte nach Europa und Afrika bietet sich der Weg durch Burma als Alternative an, er ist k&uuml;rzer und sicherer.<\/p><p>China hat den Staatsstreich vom 1. Februar als blo&szlig;e &bdquo;Kabinettsumbildung&ldquo; bezeichnet und die Versuche des UN-Sicherheitsrates blockiert, entschieden gegen die Putschisten vorzugehen. Deshalb sehen die Demonstranten China als Unterst&uuml;tzer des Putsches an, was eine Welle antichinesischer Proteste in Myanmar ausgel&ouml;st hat. China hat es vers&auml;umt, den Putsch und das t&ouml;dliche Vorgehen gegen die Demonstranten zu verurteilen. Stattdessen betrachtet China den Putsch als eine &bdquo;innere Angelegenheit&ldquo; Myanmars. Die Demonstranten haben daraufhin Pekings Sprache parodiert und erkl&auml;rt, es sei dann ja auch eine innere Angelegenheit Myanmars, wenn sie die &Ouml;l- und Gaspipelines sprengen w&uuml;rden. Und sie haben China gleichzeitig davor gewarnt, bei der n&auml;chsten Sitzung im UN-Sicherheitsrat nochmals Ma&szlig;nahmen gegen das Regime zu verhindern.  <\/p><p>Die Emp&ouml;rung stieg weiter an, nachdem Anfang M&auml;rz ein Dokument durchgesickert war, aus dem hervorging, dass sich Mitarbeiter des Au&szlig;enministeriums der Junta in Naypyitaw zu einer Dringlichkeitssitzung mit einer chinesischen Delegation getroffen hatten. Die Delegation war eigens angereist, um der Junta nahezulegen, die Sicherheit f&uuml;r die Pipelines zu erh&ouml;hen und chinesisches Eigentum zu sch&uuml;tzen. Au&szlig;erdem bat China das Milit&auml;rregime, Druck auf die Medien auszu&uuml;ben, um &bdquo;die Skepsis gegen&uuml;ber China zu verringern&ldquo;, so das Dokument. <\/p><p>Wie zu erwarten wurde am 10. M&auml;rz im UN-Sicherheitsrat eine von Gro&szlig;britannien eingebrachte Resolution, die den Putsch verurteilte, auf Druck Chinas und Russlands verw&auml;ssert. Damit wurde erneut der Versuch blockiert, die Putschisten zu bestrafen. China und Russland haben die UNO daran gehindert zu handeln, es blieb bei einem Aufruf zur Deeskalation und zu Verhandlungen sowie beim Aufruf, die Gefangenen freizulassen. Viel hei&szlig;e Luft, nichts Konkretes. <\/p><p>Als die Sicherheitskr&auml;fte dann am 14. M&auml;rz in Hlaingthaya, einem Vorort von Rangun mit zahlreichen chinesischen Bekleidungsfirmen, mit t&ouml;dlicher Gewalt gegen Demonstranten vorgingen und dabei 38 Menschen t&ouml;teten, wurden einige chinesische Fabriken in Brand gesteckt. Bereits vor den Ereignissen stand im Internet zu lesen: &bdquo;Wenn das Blut eines Einwohners von Hlaingthaya auf den Boden f&auml;llt, muss eine chinesische Fabrik brennen.&ldquo;<\/p><p>China forderte das Milit&auml;rregime daraufhin auf, h&auml;rter gegen die Demonstranten vorzugehen. &bdquo;China fordert Myanmar auf, wirksame Ma&szlig;nahmen zu ergreifen, die Brandstifter in &Uuml;bereinstimmung mit dem Gesetz zu bestrafen und die Sicherheit von Leben und Eigentum chinesischer Unternehmen und Menschen zu gew&auml;hrleisten&ldquo;, hei&szlig;t es in einer Erkl&auml;rung Pekings. China scheint sich mehr Sorgen um das Eigentum und Verm&ouml;gen der Volksrepublik und ihrer Gesch&auml;ftsleute zu machen als um das Leben der Demonstranten. Kurz nach dieser Erkl&auml;rung erkl&auml;rte die Junta das Kriegsrecht in der Gemeinde Hlaingthaya, was die Wut auf Peking weiter anheizte. <\/p><p>Pekings Politik in Bezug auf Myanmar ist erb&auml;rmlich, um es moderat auszudr&uuml;cken. China steht nur f&uuml;r seinen eigenen Vorteil. China hat geschwiegen und es vers&auml;umt, das Milit&auml;rregime zu verurteilen, obwohl Hunderte von Menschen w&auml;hrend friedlicher Proteste ihr Leben verloren haben. Und jetzt fordert es die Junta sogar noch dazu auf, h&auml;rter gegen die Demonstranten vorzugehen, um das Eigentum von chinesischen Ausbeutern zu sch&uuml;tzen. <\/p><p>Es ist in diesem Zusammenhang wichtig zu betonen, dass sich die Emp&ouml;rung der Bev&ouml;lkerung gegen die Politik der VR China richtet, nicht gegen das chinesische Volk an sich. Es gibt in Burma Millionen von Menschen chinesischer Herkunft. Sie haben sich genauso wie die Burmesen der Widerstandsbewegung angeschlossen, demonstrieren mit ihnen Seit&lsquo; an Seit&lsquo; und es sind auch schon zahlreiche von ihnen dabei get&ouml;tet worden. Sie f&uuml;hlen sich als Burmesen und boykottieren chinesische Firmen genauso wie alle anderen Burmesen auch. Die ethnische chinesische Gemeinschaft in Rangun hat bekanntgegeben, dass sie die Anti-Coup-Bewegung unterst&uuml;tzt und nichts mit der VR China zu tun hat.<\/p><p>&Uuml;ber 200 ausl&auml;ndische und einheimische Firmen haben eine Erkl&auml;rung unterzeichnet, die vom Myanmar Centre for Responsible Business (MCRB) vermittelt wurde, um ihre Besorgnis &uuml;ber die Entwicklungen seit dem Coup vom 1. Februar zum Ausdruck zu bringen. Keine einzige chinesische Firma jedoch hat sich bisher gegen den Milit&auml;rputsch ausgesprochen oder die Erkl&auml;rung des MCRB unterzeichnet.<\/p><p>&bdquo;China unterh&auml;lt freundschaftliche Beziehungen zu allen Parteien in Myanmar. Ganz gleich, welche Partei an der Macht ist, Myanmar pflegt eine freundschaftliche Zusammenarbeit mit China&ldquo;, hei&szlig;t es aus Peking. &bdquo;Diejenigen, die China b&ouml;swillig verleumden und Angriffe gegen chinesische Fabriken anstiften, sind gemeinsame Feinde Chinas und Myanmars und m&uuml;ssen streng bestraft werden.&ldquo; Peking bezeichnet Sympathiebekundungen f&uuml;r die Demokratiebewegung von au&szlig;en als &bdquo;Einmischung in Myanmars innere Angelegenheiten&ldquo; und zieht sich formell auf den Standpunkt zur&uuml;ck, sich nicht in die inneren Angelegenheiten Burmas einmischen zu wollen. Dabei hat China seit 1949, der Gr&uuml;ndung der Volksrepublik, nichts anderes gemacht, als sich in die inneren Angelegenheiten Burmas einzumischen, wie Bertil Lintner in einem Beitrag in der Zeitung &bdquo;The Irrawaddy&ldquo; dargelegt hat [<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>]. <\/p><p>China war auch im Voraus &uuml;ber den Staatsstreich vom 1. Februar informiert. Ob die Gener&auml;le Peking vorab informiert hatten oder ob es seine Erkenntnisse aus eigenen geheimdienstlichen Quellen hatte, ist nicht klar. Jedenfalls hat China in den Tagen vor dem Coup etwa 12.000 Truppen an die chinesisch-myanmarische Grenze verlegt.[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>]<\/p><p>Am Samstag haben eine chinesische und eine russische Delegation an den Feiern zum Tag der Streitkr&auml;fte teilgenommen und sich mit den Gener&auml;len getroffen. General Hlaing bezeichnete Russland sogar als &bdquo;wahren Freund&ldquo;. Die Haltung Chinas und Russlands hat sich demnach noch nicht ge&auml;ndert, die Art und Weise, wie sie sich mit den Gener&auml;len zusammentun, ist eine Schande. Es mag ja verst&auml;ndlich sein, dass, nach den bitteren Erfahrungen im UN-Sicherheitsrat, wo Russland und China in der Vergangenheit des &Ouml;fteren &uuml;ber den Tisch gezogen wurden, die beiden Gro&szlig;m&auml;chte vorsichtig sind, UN-Resolutionen, die vom Westen eingebracht werden, zu unterst&uuml;tzen. Aber demonstrativ, nach all den Morden in Myanmar, zusammen mit den M&ouml;rdern den Tag der Streitkr&auml;fte zu feiern, ist schon ein starkes St&uuml;ck. Dass nach den Feierlichkeiten das Morden weitergehen w&uuml;rde, das mussten sie wissen, die ganze Welt wusste es, die Gener&auml;le hatten es angek&uuml;ndigt. <\/p><p>Es mag sein, dass Peking noch eine Kehrtwende macht, seine Position wird immer unhaltbarer.  Es ist jedoch entscheidend, was China zu tun gedenkt, da es das einzige Land ist, das einen bedeutenden Einfluss in Myanmar auf das regierende Milit&auml;r hat. China hat eine 2.000 km lange Grenze mit Burma. An dem Tag, an dem Peking seine Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Junta aufgibt, bricht deren Regierung wie ein Kartenhaus zusammen. <\/p><p>China und Russland sind l&auml;ngst kapitalistische L&auml;nder wie die L&auml;nder des Westens. Ihre Form des Kapitalismus ist nur eine andere Variante als der Kapitalismus im neoliberalen Westen. Privateigentum und nationale Interessen gehen auch hier &uuml;ber Solidarit&auml;t mit den V&ouml;lkern. Entwicklungsl&auml;nder, die gerade dabei sind, sich China zuzuwenden, werden die Ereignisse in Burma und die Haltung Chinas mit Aufmerksamkeit beobachten. <\/p><p><strong>Internationale Bem&uuml;hungen<\/strong><\/p><p>&bdquo;Wir m&uuml;ssen k&auml;mpfen, bis die Junta f&auml;llt&ldquo;, das ist die allgemeine Stimmung in Burma, diese Aussage h&ouml;rt man von allen Seiten der Opposition, sei es von den Demonstranten auf der Stra&szlig;e, sei es von den ethnischen Gruppen und ihren Armeen, sei es von der CPRH. <\/p><p>Manche westliche &bdquo;Burma-Experten&ldquo; aber glauben, man m&uuml;sse jetzt verhandeln und dabei die Milit&auml;rf&uuml;hrung mit einbinden. Man solle sie wieder &bdquo;an Bord holen&ldquo;. Diese &bdquo;Experten&ldquo; vergessen leider zu sagen, auf welcher Basis und wor&uuml;ber man denn jetzt, bittesch&ouml;n, verhandeln soll. Etwa dar&uuml;ber, wie viele Menschen die Milit&auml;rs pro Tag &bdquo;legal&ldquo; erschie&szlig;en d&uuml;rfen? Oder dar&uuml;ber, wieviel Prozent vom BIP Myanmars sie dem Volk noch g&ouml;nnen m&uuml;ssen, damit es nicht ganz verhungert?<\/p><p>Die Aufst&auml;ndischen in Burma, das ist das Milit&auml;r, nicht das CPRH, nicht das Volk und nicht die Demonstranten, die t&auml;glich auf die Stra&szlig;e gehen. Es ist das Milit&auml;r, das den Streit erneut angefangen hat, es ist das Milit&auml;r, das die Bildung einer neuen Zivilregierung nach den Wahlen durch einen Staatsstreich verhindert hat, es ist das Milit&auml;r, das die gew&auml;hlten Abgeordneten und die F&uuml;hrer der NLD verhaftet hat, es ist das Milit&auml;r, das seit dem ersten Februar bereits 500 Demonstranten kaltbl&uuml;tig erschossen hat, es ist das Milit&auml;r, das Tausende von ihnen ins Gef&auml;ngnis gesperrt hat, es ist das Milit&auml;r, das den Ausnahmezustand und das Kriegsrecht ausgerufen hat und jetzt randalierend und mordend durch die Stra&szlig;en der St&auml;dte in Myanmar zieht und wahllos in der Gegend herumballert. Und dann kommen irgendwelche Neunmalklugen aus dem Westen daher und rufen dazu auf, Verhandlungen zu f&uuml;hren. Der Zug ist abgefahren, es gibt nichts mehr zu verhandeln. <\/p><p>Manche glauben auch, die ASEAN k&ouml;nnte es richten. Einen international ge&auml;chteten Paria wie Myanmar in seiner Mitte zu haben, ist den ASEAN mit Sicherheit peinlich, es ruiniert auch das Ansehen der ASEAN-Staaten.  In der Charta der ASEAN gibt es aber keine Prozedur dar&uuml;ber, wie man Mitgliedsstaaten ausschlie&szlig;en kann. Myanmar aus den ASEAN auszuschlie&szlig;en, ginge nur mit einer einstimmigen Unterst&uuml;tzung durch die Regierungschefs des Restes des ASEAN-Blocks. Und das wird nicht geschehen.<\/p><p>Nach zwei Monaten des Mordens in Burma ist von den ASEAN-Staaten nichts als hei&szlig;e Luft gekommen. Acht L&auml;nder &ndash; Russland, China, Indien, Pakistan, Bangladesch, Vietnam, Laos und Thailand &ndash; schickten Vertreter zu der Milit&auml;rparade am Samstag. Russland schickte seinen stellvertretenden Verteidigungsminister und die anderen schickten Milit&auml;rattach&eacute;s. Vietnam, Laos und Thailand sind Mitglieder der ASEAN-Staaten, Thailands Regierung ist selber eine versteckte Milit&auml;rdiktatur, schon allein daran kann man erkennen, was Myanmar von den ASEAN-Staaten zu bef&uuml;rchten hat: nichts. Zudem haben die ASEAN kein Mandat f&uuml;r Verhandlungen, von keiner Seite. Das CPRH operiert im Untergrund, es wird nicht mit am Verhandlungstisch sitzen. Egal, was die ASEAN aushandeln werden, das Volk von Burma wurde nicht gefragt. Und blo&szlig; an die Einsicht der Tatmadaw zu appellieren, ist in etwa so aussichtslos wie an einen Fluss, der nach heftigen Gewittern &uuml;ber die Ufer getreten ist, zu appellieren, er m&ouml;ge doch bitte wieder in sein Bett zur&uuml;ckkehren. <\/p><p>Manche L&auml;nder denken auch &uuml;ber ein Waffenembargo nach. Wenn sie fertig sind mit Denken, ist die Sache in Burma schon erledigt, mal ganz abgesehen davon, dass das Milit&auml;r in Burma auch so genug Waffen und Munition hat, um die Bev&ouml;lkerung zu terrorisieren, und nicht dringend auf Nachschub an Waffen angewiesen ist. <\/p><p>Manche meinen auch, man k&ouml;nnte wieder zu dem Punkt zur&uuml;ckkehren, wo man vor dem 1. Februar war. Und die Morde und die Verbrechen, die das Milit&auml;r in den letzten 2 Monaten begangen hat, soll man die einfach vergessen? Kein Mensch in Myanmar wird das akzeptieren. Und selbst dann, wenn das gehen w&uuml;rde, dann w&auml;re nach dem Putsch immer noch vor dem Putsch. Die Milit&auml;rs w&uuml;rden nur auf die n&auml;chste g&uuml;nstige Gelegenheit warten. <\/p><p>Nach dem Sieg der Widerstandsbewegung wird es in Burma eine Art &bdquo;Entnazifizierung&ldquo; geben m&uuml;ssen. Die Hauptschuldigen m&uuml;ssen vor ein Volksgericht gestellt und mit aller H&auml;rte bestraft und unsch&auml;dlich gemacht werden. Nationale Gesetze oder das Innehaben eines staatlichen Amtes bieten seit den N&uuml;rnberger Prozessen auch keinen Schutz mehr vor Verfolgung durch das V&ouml;lkerstrafrecht. Wo immer die Gener&auml;le sich verkriechen m&ouml;gen, sie m&uuml;ssen aufgesp&uuml;rt und zur Verantwortung gezogen werden. <\/p><p>Wer besorgt ist &uuml;ber die Situation in Myanmar und wer den Menschen dort helfen m&ouml;chte, der muss zuerst alle Beziehungen zur Junta abbrechen, ihre Botschaftsangeh&ouml;rigen des Landes verweisen, die CPRH als einzige legitime Regierung Myanmars anerkennen und CPRH-Botschafter an ihrer Stelle akkreditieren. Die Menschen in Myanmar, die sich gegen den Putsch mobilisieren, ben&ouml;tigen dringend materielle und tatkr&auml;ftige Unterst&uuml;tzung von au&szlig;en. Was sie nicht brauchen, sind nichtssagende Friedensappelle und Ratschl&auml;ge. Wenn der Westen es vers&auml;umt, humanit&auml;re Hilfe zu leisten, kommt dies einer faktischen Beteiligung an Verbrechen gegen die Menschlichkeit gleich. <\/p><p><strong>Schlussworte<\/strong><\/p><p>Kein Soldat, kein Polizist, kein Beamter kann sich jetzt noch darauf berufen, er mache ja nur seine Arbeit. Genauso wenig wie ein Killer der Mafia sich damit herausreden kann, er sei arbeitslos gewesen und da habe die Mafia ihm halt einen Job als Killer angeboten, von irgendetwas m&uuml;sse man ja schlie&szlig;lich leben. <\/p><p>Es gibt keine Rechtfertigung f&uuml;r das Vorgehen der Polizei: &bdquo;Sie handelt v&ouml;llig entgegen internationaler Menschenrechtsstandards, indem sie mutwillig exzessive und oft t&ouml;dliche Gewalt gegen Demonstranten und Aktivisten einsetzt&ldquo;, sagte Philip Robertson, stellvertretender Asien-Direktor von Human Rights Watch. Es ist absolut l&auml;cherlich, wenn die Junta-Regierung behauptet, sich an Gesetze und an Rechtsstaatlichkeit zu halten.  Die Mitglieder der burmesischen Milit&auml;rjunta bilden eine kriminelle Vereinigung. Das Milit&auml;r dient nicht der Landesverteidigung, sie sind Parasiten, die die Staatskasse pl&uuml;ndern und daf&uuml;r auch nicht vor Mord und Totschlag zur&uuml;ckschrecken.<\/p><p>Die Besitzt&uuml;mer der Milit&auml;rs und ihrer Familien, vor allem die MEC und die MEHL, m&uuml;ssen enteignet und zur&uuml;ck in Staatsbesitz &uuml;berf&uuml;hrt werden. Alle Soldaten und Polizisten, die sich an Verbrechen gegen das eigene Volk beteiligt haben, m&uuml;ssen zur Verantwortung gezogen und hart bestraft werden.  Die CPRH hat alle Burmesen dazu aufgerufen, sich der Widerstandsbewegung anzuschlie&szlig;en, und sie hat gewarnt, dass es diejenigen, die weiterhin in den Diensten des Milit&auml;rs verbleiben und gegen die eigene Bev&ouml;lkerung vorgehen, als Volksverr&auml;ter ansehen w&uuml;rde. <\/p><p>Noch herrscht das Kriegsrecht in Myanmar. Die Milit&auml;rs haben es selber ausgerufen. Auf Hochverrat steht die Todesstrafe. Warum sollte man die Schl&auml;chter am eigenen Volk nicht unter ihren eigenen Gesetzen verurteilen und bestrafen? In N&uuml;rnberg hat man damals die gefassten Kriegsverbrecher geh&auml;ngt. Und das war richtig so.<\/p><p>Aung San Suu Kyi hat mit ihrer Politik versucht, das Milit&auml;r davon zu &uuml;berzeugen, den demokratischen Weg einzuschlagen. Der Versuch ist kl&auml;glich gescheitert. Genauso gut h&auml;tte sie auch versuchen k&ouml;nnen, ein Nest von Vipern dazu zu &uuml;berreden, zu zahmen Haustieren zu werden. Und nicht nur das, die Milit&auml;rs haben es ihr nicht gedankt, sie haben sie ausgenutzt und als Fassade benutzt, so lange Suu Kyi ihnen n&uuml;tzlich war. Suu Kyi ist so weit gegangen, den V&ouml;lkermord an den Rohingya zu Gunsten der Milit&auml;rs vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zu leugnen. Alle ihre Bem&uuml;hungen in den letzten 10 Jahren sind gescheitert, die Politik von Suu Kyi ist gescheitert. Jetzt haben die Milit&auml;rs sie verraten und erneut ins Gef&auml;ngnis gesteckt. Sie &uuml;berziehen sie mit haltlosen Anklagen, um sie bis an ihr Lebensende im Gef&auml;ngnis schmoren zu lassen. Myanmar muss jetzt &uuml;ber die Politik von Suu Kyi hinausdenken. Ein Zur&uuml;ck zum Punkt vor dem 1. Februar 2021 kann es nicht geben, eine Fortsetzung der Politik von Suu Kyi auch nicht. <\/p><p>Myanmar wird ein ganz anderes, ein ganz neues Land sein, wenn es gelingt, die Junta zu entmachten. Myanmar wird, wenn die Pl&auml;ne des CPRH aufgehen, bald eine f&ouml;derale Republik sein. Es wird eine neue Armee mit Einbindung der Untergrundk&auml;mpfer der ethnischen Minderheiten aufgebaut werden, eine Armee, die nur der Landesverteidigung und den Interessen des burmesischen Volkes dient.<\/p><p>Das Schlimmste steht noch bevor, so die Meinung von Analysten, Kommentatoren und Diplomaten. Was jedoch mit Sicherheit gesagt werden kann, ist, dass Myanmar nicht mehr dasselbe Land sein wird.<\/p><p>&bdquo;Ihr habt euch mit der falschen Generation angelegt&ldquo;, ist eine Aussage, die w&auml;hrend der Proteste oft zu h&ouml;ren ist. Es sind junge Menschen, denen die Zukunft Myanmars geh&ouml;ren wird. Zuerst aber m&uuml;ssen die Dinosaurier, die ihnen den Weg zur Zukunft versperren, beseitigt werden.<\/p><p>Titelbild: joshimerbin\/shutterstock.com<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=70527\">Eskalation im B&uuml;rgerkrieg<\/a>: Nachdenkseiten 8. M&auml;rz<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69609\">Gebrochene Fl&uuml;gel<\/a>: Nachdenkseiten 8. Februar<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.botschaft-myanmar.de\/militaerputsch-in-myanmar-macht-gier-von-general-min-aung-hlaing.html\">Botschaft von Myanmar: Wer profitiert von einem Putsch in Myanmar?<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Soe_Win_(general)\">Soe Win (general)<\/a>, Wikipedia<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Thet_Thet_Khine\">Thet Thet Khine<\/a>, Wikipedia<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] <a href=\"https:\/\/asiatimes.com\/2021\/02\/myanmars-coup-regime-cut-of-old-military-cloth\/?mc_cid=61a680f5ff&amp;mc_eid=f072d9574c\">Myanmar&rsquo;s coup regime cut of old military cloth<\/a>, Asia Times 21. Februar, 2021<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.irrawaddy.com\/opinion\/guest-column\/china-myanmar-no-interference.html\">China and Myanmar: No interference?<\/a> The Irrawaddy, 23. M&auml;rz 2021<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] <a href=\"https:\/\/asiatimes.com\/2021\/03\/chinas-myanmar-dilemma-grows-deep-and-wide\/?mc_cid=e32c75590a&amp;mc_eid=f072d9574c\">China&rsquo;s Myanmar dilemma grows deep and wide<\/a>; THE Irrawaddy; 25. M&auml;rz 2021<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.bangkokpost.com\/thailand\/general\/2091367\/thousands-flee-to-thailand-after-myanmar-armys-air-strikes-on-villages\">Thousands flee to Thailand after Myanmar army&rsquo;s air strikes on villages<\/a>, Bangkok Post, 29. M&auml;rz 2021<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Tag der Streitkr&auml;fte am letzten Samstag entwickelte sich, wie leider zu bef&uuml;rchten war, zu einem Tag der Schande f&uuml;r Myanmar. 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