{"id":71222,"date":"2021-03-31T10:30:47","date_gmt":"2021-03-31T08:30:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71222"},"modified":"2021-03-31T11:42:21","modified_gmt":"2021-03-31T09:42:21","slug":"wie-die-vvn-ihre-gemeinnuetzigkeit-verlor-und-der-kampf-gegen-rechts-einer-gegen-links-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71222","title":{"rendered":"Wie die VVN ihre Gemeinn\u00fctzigkeit verlor und der Kampf gegen Rechts einer gegen Links ist"},"content":{"rendered":"<p>Im Moment kann aufgeatmet werden bei der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes\/Bund der Antifaschist*nnen, kurz VVN-BdA, nachdem die aberkannte Gemeinn&uuml;tzigkeit wieder gew&auml;hrt wurde. Ein sicheres Zeichen f&uuml;r Entwarnung ist das nicht, denn das strukturelle Problem bleibt. Von <strong>Sabine Schiffer<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nAlles begann mit Edward Bernays, dem Neffen von Sigmund Freud, der in den USA der 1930er Jahre einer der f&uuml;hrenden K&ouml;pfe der Public Relations werden sollte. Aber bevor wir uns dem widmen k&ouml;nnen, noch ein Wort oder zwei zum VVN-BdA. <\/p><p>Allein das Engagement der Ehrenvorsitzenden Esther Bejarano, die ihr Leben lang als Holocaust-&Uuml;berlebende gegen Faschismus gek&auml;mpft hat und dies im Alter von 95 Jahren fortsetzt, bezeugt die Ernsthaftigkeit des Anliegens. Die Notwendigkeit d&uuml;rfte angesichts der neuesten Entwicklung einer Normalisierung faschistischer politischer Positionen auf der politischen B&uuml;hne, im &ouml;ffentlichen Diskurs und in Form von Mord- und Terroranschl&auml;gen nicht in Frage stehen &ndash; wobei wir weiter unten sehen werden, dass diese Normalisierung gar nicht so neu ist. <\/p><p>Antifaschismus als Grundkonsens schien offiziell lange etabliert und anerkannt zu sein. War das ein Trugschluss? Oder sah nur ein vermeintlich &bdquo;gallisches Dorf&ldquo; &ndash; Bayern &ndash; das anders und vermerkt deshalb diesen antifaschistischen Verein in seinem Verfassungsschutzbericht? W&auml;hrend dem VVN eine N&auml;he zum &bdquo;linksextremistischen&ldquo; Milieu vorgeworfen wird, dr&auml;ngt sich nat&uuml;rlich die Frage auf, warum nach Jahren freundlichen &bdquo;&Uuml;bersehens&ldquo; des rechtsextremen NSU-Netzwerks der Inlandsgeheimdienst Verfassungsschutz immer noch als Diskursgewicht in diesen Dingen ernstgenommen wird. Soweit, so strukturell.<\/p><p>Interessant ist nun aber zun&auml;chst, was sich in der Beh&ouml;rde hinter dem Vorwurf der Verfassungsfeindlichkeit verbirgt, und dann kommen wir auch schon zu Freuds Neffen in den USA, Edward Bernays. <\/p><p>Im Bayerischen Verfassungsschutzbericht 2018 hei&szlig;t es ausf&uuml;hrlich:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die VVN-BdA ist die bundesweit gr&ouml;&szlig;te linksextremistisch beeinflusste Organisation im Bereich des Antifaschismus. Sie arbeitet mit offen linksextremistischen Kr&auml;ften zusammen. In der VVN-BdA wird nach wie vor ein kommunistisch orientierter Antifaschismus verfolgt. Diese Form des Antifaschismus dient nicht nur dem Kampf gegen den Rechtsextremismus. Vielmehr werden alle nicht marxistischen Systeme &ndash; also auch die parlamentarische Demokratie &ndash; als potenziell faschistisch, zumindest aber als eine Vorstufe zum Faschismus betrachtet, die es zu bek&auml;mpfen gilt.&ldquo;<br>\n(<a href=\"https:\/\/www.verfassungsschutz.bayern.de\">12.05.2019<\/a>)\n<\/p><\/blockquote><p>Ist eine solche Organisation demokratiefeindlich, weil sie angeblich oder tats&auml;chlich kapitalismuskritisch, also irgendwie &bdquo;linksextremistisch&ldquo; ist? Welche Bedeutung verbirgt sich hinter dem Konstrukt, dass Antifaschismus ohne Kritik am kapitalistischen Wirtschaftssystem einhergehen k&ouml;nnte? Kein Geringerer als Max Horkheimer st&uuml;nde also heute im Verfassungsschutzbericht Bayerns, denn er &auml;u&szlig;erte: &bdquo;Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen!&ldquo;<\/p><p>Und welcher Zusammenhang soll darin bestehen, dass Kritik am Wirtschaftssystem antidemokratisch sei? Angesichts von Lobbyinterventionen gro&szlig;er Konzerne, als Stiftungen getarnte Think Tanks global agierender Gro&szlig;unternehmen und damit verbandelter korrupter Politiker, die allem anderen als der Demokratie verpflichtet sind, muss diese Engf&uuml;hrung genauer unter die Lupe genommen werden. Das genannte Konglomerat mitsamt Banken und Finanzspritzen zum Aufrechterhalten einer nicht funktionierenden Wirtschaft und einer zunehmenden Handlungsunf&auml;higkeit von Politik im Frame wirtschaftlichen Prosperierenm&uuml;ssens, das &ndash; wie die Fridays for Future erinnern &ndash; ins globale W&uuml;stenklima f&uuml;hrt, ist f&uuml;r Demokratien ungeeignet. Wer in diesem System, das auf Wachstumszwang basiert, ein Primat von demokratischer Meinungs- und Mehrheitsbildung sowie politischer Umsetzung behauptet, ist entweder naiv oder bewusst manipulativ. <\/p><p>Nicht, dass die Corona-Einschr&auml;nkungen nicht gezeigt h&auml;tten, dass die Politik anders (entscheiden) kann, wenn sie will, auch mit den Lockerungen dr&auml;ngen die Rufe der Wirtschaft nach F&ouml;rderung alter Strukturen schon wieder laut durch. <\/p><p>Im Text des bayerischen Geheimdienstes Verfassungsschutz schwingt ein weit verbreiteter Subtext mit, der dringend ausgesprochen werden muss: Kapitalismuskritik sei demokratiefeindlich, oder umgekehrt: Demokratie und Kapitalismus seien vereinbar, ja geh&ouml;rten nachgerade zusammen. Woher kommt diese Idee, die keiner Wirtschaftstheorie standh&auml;lt? Eine Schnapsidee, die im Gegenteil l&auml;ngst als absurd &uuml;berf&uuml;hrt wurde &ndash; und inzwischen auch von f&uuml;hrenden &Ouml;konomen, wie Joseph Stiglitz, hinterfragt wird. <\/p><p><strong>Werbung f&uuml;r den Konsum<\/strong><\/p><p>Auch vor dem Wirken des Kommunikations-Genies Edward Bernays gab es die Behauptung eines Zusammenhangs bzw. des gegenseitigen Bedingens von Demokratie und Kapitalismus, aber ohne ihn d&uuml;rfte er sich nicht so erfolgreich durchgesetzt haben. Edward Bernays etabliert auf der Grundlage der Massenpsychologie seines Onkels Sigmund Freud die moderne Public Relations in den USA, u.a. manifestiert in seinen B&uuml;chern &bdquo;Engieneering Consent&ldquo; von 1923 und &bdquo;Propaganda&ldquo; von 1928.<\/p><p>Zun&auml;chst ist er darin erfolgreich, den Konsum anzutriggern, weil es ihm gelingt, die Werbebotschaften weg vom &bdquo;need&ldquo;, also Bedarf, hin zum &bdquo;desire&ldquo;, also Verlangen, zu entwickeln. W&uuml;nsche sind unersch&ouml;pflich, Verlangen kann k&uuml;nstlich kreiert werden und so auch das Wirtschaftswachstum, dachten er und seine Auftraggeber. Mit der gro&szlig;en Depression 1929 und den damit einhergehenden sozialen Verwerfungen kam die Armut und als Gegenma&szlig;nahme ein politisch-korrigierender Eingriff in Form einer Wirtschaftsreform zur&uuml;ck, welche Pr&auml;sident Franklin D. Roosevelt als &bdquo;New Deal&ldquo; bezeichnete. <\/p><p>Schlie&szlig;lich gelang es jedoch Bernays im Sinne seiner Auftraggeber &ndash; Unternehmen und Banken &ndash; die Idee von Demokratie und freier Meinung mit der von freien M&auml;rkten erneut und nachhaltig zu verkn&uuml;pfen. Dies gelang mittels sinn-induktiver Diskursstrategien, die Fortschritt und &ouml;konomische Prosperit&auml;t mit Freiheit und Demokratie verschr&auml;nkten, im Vorfeld und w&auml;hrend der gro&szlig;en Weltausstellung in New York Ende der 1930er Jahre. Seine futuristische Vision einer technologisch-innovativen und in Wohlstand bl&uuml;henden USA nannte er nicht zuf&auml;llig &bdquo;Democracity.&ldquo; So kam am Ende die besagte und weithin unhinterfragte Verkn&uuml;pfung zustande, die angesichts der Probleme von heute nurmehr als kurios anmuten kann: Demokratie brauche freie M&auml;rkte und freie Unternehmen, letztere seien quasi der Garant f&uuml;r Freiheit und eben Demokratie. Die Beschw&ouml;rung &bdquo;freier M&auml;rkte&ldquo;, die es schon richten werden, und die nicht zuletzt in der Gesundheits- und Klimakrise resultieren, klingen einem im Ohr &ndash; wenn der Desire vor dem Bedarf steht, ist Ressourcen-Verschwendung eingepreist. Die Verfassungszus&auml;tze in den USA belegen bis heute, dass Freiheitsrechte vor allem anti-staatlich gedacht waren und andere Gefahren &ndash; etwa Einflussnahmen globaler Konzerne &ndash; &uuml;bersehen werden. <\/p><p>Kleine Anekdote am Rande: Die &bdquo;fliegenden&ldquo; Transportmittel bei der Weltausstellung 1939 m&ouml;gen an die Flugtaxi-Phantasie der computerspiel-inspirierten Dorothee B&auml;r der CSU erinnern. Man k&ouml;nnte lachen, wenn es nicht so traurig w&auml;re. &Uuml;brigens auch damals z&auml;hlte General Motors zu den gro&szlig;en Sponsoren politischer Einflussnahme. Nach dem Historiker George Kennan, der die sogenannte Containment-Politik gegen die UdSSR propagierte, sollte schlie&szlig;lich auch Edward Bernays dazu beitragen, Pr&auml;sident Eisenhower davon zu &uuml;berzeugen, dass dieser gezielt Angst vor dem Kommunismus sch&uuml;ren solle &ndash; dies w&uuml;rde das Konsumverhalten der Amerikaner im Sinne wirtschaftlicher Prosperit&auml;t (mitsamt der Aufr&uuml;stung als Wirtschaftsmotor) und somit seiner Wiederwahl ankurbeln. <\/p><p>Die Verwerfungen des entfesselten Kapitalismus sind heute &uuml;berall zu sehen, bis dahin, dass wir die Welt(-Ressourcen) dreimal t&auml;glich verbrauchen. Das wird so nicht weitergehen, VVN, Attac &amp; Co. hin oder her. Und da braucht man sich auch nicht der Unterstellung hingeben, dass damit automatisch ein Staatssozialismus als Alternative gemeint sei. Ein Konzept, das ein Wirtschaften auf Basis des Needs\/Bedarfs und nicht des Wachtstumszwangs (mitsamt seiner eingebauten kriegerischen Zusammenbr&uuml;che) erm&ouml;glicht, gilt es noch zu erfinden. <\/p><p><strong>Demokratie und Kapitalismus<\/strong><\/p><p>Interessant ist allein, dass die politisch Verantwortlichen dieses unhaltbare Konstrukt einer Art naturgegebenen Zusammengeh&ouml;rigkeit von Demokratie und Kapitalismus immer noch verteidigen und deren Entlarver &ndash; nur in dieser Logik verst&auml;ndlich &ndash; als &bdquo;Verfassungsfeinde&ldquo; brandmarken. Im unausgesprochenen Umkehrschluss w&uuml;rden die Wirtschaftskritiker, wozu heute Prominente wie Thomas Piketty oder Naomi Klein z&auml;hlen, also angeblich und automatisch Demokratie meinen und angreifen? Diese Unterstellung scheint weit gefehlt. Im Gegenteil sogar, denn zur Demokratie geh&ouml;ren Wirtschaftskritik, Medienkritik, Politikkritik als freie Meinungs&auml;u&szlig;erungen.<\/p><p>Jedoch genau diese unterstellende subjektive und interessengeleitete Zuweisung passiert dem VVN-BdA in besagtem Verfassungsschutzbericht, dass n&auml;mlich &ndash; Antifaschismus hin oder her &ndash; keine Kritik am Wirtschaftssystem ge&uuml;bt werden darf. Dem widerspricht zwar das Grundgesetz, das ja sogar Verstaatlichungsm&ouml;glichkeiten im Sinne des Gemeinwohls vorsieht, aber das kann nicht einmal als das Kernanliegen der VVN ausgemacht werden. Offensichtlich sind jedoch die damit verbundenen irrationalen &Auml;ngste so gro&szlig;, dass gar eine Kooperation mit oder N&auml;he zu einer winzigen Organisation, die das Wort &bdquo;kommunistisch&ldquo; im Namen f&uuml;hrt (DKP), bereits ausreicht, um als demokratie- &bdquo;und&ldquo; verfassungsfeindlich eingestuft zu werden. Da mag man dar&uuml;ber hinwegsehen, dass Kommunisten zu den ersten Verfolgten unter den Nazis z&auml;hlten.<\/p><p>Dies hat nun Folgen auf Bundesebene nach der neuen Abgabenverordnung von 2019, die der Sozialdemokrat und Finanzminister Olaf Scholz gepr&auml;gt hat. Dort hei&szlig;t es ganz klar, dass eine als extremistisch eingestufte Organisation nicht gemeinn&uuml;tzig sein kann. Das klingt plausibel, allerdings bleibt ungekl&auml;rt und subjektiv, warum alle Verfassungsschutz&auml;mter und der Bundesverfassungsschutz die VVN nicht als extremistisch einstuften, der bayerische hingegen als einziger doch &ndash; so dass das Finanzamt Berlin allein auf bayerischer Basis dem Bundesverband der VVN die Gemeinn&uuml;tzigkeit aberkannte. <\/p><p>Olaf Scholz und die SPD irritieren in finanzpolitischen Entscheidungsfindungen immer wieder &ndash; nicht zuletzt mit dem ausgeh&ouml;hlten Vorschlag f&uuml;r den &Uuml;berrest einer Finanztransaktionssteuer. Vielleicht kann man gar zu dem Schluss kommen, dass die SPD sich in derlei Gefilden noch nie besonders links positioniert habe &ndash; was man nicht zuletzt an der Einf&uuml;hrung der Agenda 2010 sehe &ndash; aber dies allein auf das Konto der sog. Sozialdemokratie zu verbuchen, w&auml;re verfehlt. Dass allerdings die Sozialdemokratie stets die Angst vor Links mittrug und in Persona Friedrich Ebert die Gefahr des Faschismus untersch&auml;tzte, ist historischer und mahnender Fakt.<\/p><p>Wieso kann angesichts der historischen Erfahrungen in Deutschland also heute immer noch die Angst vor Linksextremismus die vor Rechtsextremismus &uuml;bertreffen?<\/p><p><strong>Wenn die Politik die Wissenschaft aushebelt<\/strong><\/p><p>Ja, Sie liegen richtig, wenn Sie jetzt an die sogenannte Extremismustheorie denken. Eckhard Jesse von der TU Chemnitz und Uwe Backes vom Hannah-Arendt-Institut der TU Dresden propagieren sie. Ihre omin&ouml;se, wissenschaftlich vielfach verworfene These wirkt &ndash; auch hierhinein. Aber warum? Wie kann es sein, dass eine wissenschaftlich marginalisierte Position in der angewandten Politik so raumgreifend wirkt?<\/p><p>Die sogenannte Extremismusformel mutet so sch&ouml;n &uuml;berschaubar an und ist den Verfechtern &auml;u&szlig;erst sympathisch, suggerieren doch zwei Pole von Extremismen am Rand einer Gesellschaft &ndash; die sich am Ende noch hufeisenf&ouml;rmig quasi die Hand zu geben scheinen &ndash;, dass die gesellschaftliche Mitte frei von faschistischen Tendenzen sei. Diese Theorie schaffte es aber nicht in die breite Debatte, weil sie so genial ist, sondern weil die interessierte Politik ganz massives Interesse daran hatte und hat &ndash; und alles daf&uuml;r tat, dass sie re&uuml;ssierte. Mit ihr ist es m&ouml;glich, auch in Zeiten von Stagnation und Wirtschaftskrisen jede Kritik am Kapitalismus als verfassungsfeindlich abzutun.<\/p><p>Zur Fragestellung kann die Politik Wissenschaftler versammeln, um den Forschungsstand in der Sache zu ermitteln. Oder aber, man versammelt sie, um aus dem Pool diejenigen herauszupicken, die das untermauern, was man politisch will. Das geschieht in vielen Bereichen und nicht jeder Hofierte mag das Kronzeugen-Spiel durchschauen, dennoch enthebt das gerade nicht die Wissenschaft von ihrer Verantwortung.<\/p><p>Im konkreten Fall der Theoriest&uuml;tzung von Jesse und Backes sieht das ungef&auml;hr so aus: Ein &bdquo;Jahrbuch Extremismus &amp; Demokratie&ldquo; wurde aus der Taufe gehoben und mit Finanzmitteln versorgt, so dass es mitsamt seiner Theorie als ernstzunehmende Grundlage zun&auml;chst von der Wissenschaft er&ouml;rtert und rezensiert wurde (<a href=\"https:\/\/zeitschrift-kulturrevolution.de\/deutsche-kopflanger\">ausf&uuml;hrlicher dazu hier<\/a>). Aber selbst das h&auml;tte noch nicht gen&uuml;gt, um die Theorie als Fundament der Arbeit der Bundeszentrale f&uuml;r politische Bildung (bpb) auszubauen und schlie&szlig;lich f&uuml;r die Arbeit der Verfassungsschutz&auml;mter nutzbar zu machen &ndash; die desastr&ouml;sen Folgen der Gleichsetzung von Links und Rechts und der damit einhergehenden Verharmlosung rechten Gedankenguts sind in N&uuml;rnberg, K&ouml;ln, Halle, Kassel und Hanau offenbar.<\/p><p>Ganz abgesehen davon, dass das besagte Jahrbuch zu nicht unerheblichen Teilen von den Doktoranden Jesses bef&uuml;llt wurde, sorgten einschl&auml;gig bekannte Akteure f&uuml;r den zweifelhaften Erfolg der omin&ouml;sen Theorie. Gestandene Rechtsau&szlig;en in bundesbildungspolitischer Verantwortung, wie in der Vergangenheit Hans-Helmuth Kn&uuml;tter und G&uuml;nter Reichert, konnten so vermeintlich legitimiert ihre Verharmlosung rechtsextremer Gesinnung und Geschichtsklitterung in der &Ouml;ffentlichkeit vertreten und mittels dieses Ansatzes in ihren &Auml;mtern gar f&ouml;rdern. Seither ist es zum wiedererkennbaren Ritual geworden, bei Verbrechen von rechts auf die Gefahr eines Linksextremismus zu verweisen und damit den Rechtsextremismus zu relativieren. In dieser Tradition steht in neuerer Zeit auch der ehemalige Pr&auml;sident des Verfassungsschutzes, Hans-Georg Maa&szlig;en, dessen rechtsradikale Gesinnung schon vor und w&auml;hrend seiner Amtszeit durchschien und nicht unwesentlich f&uuml;r das Schicksal des Bremers Murat Kurnaz verantwortlich zeichnet &ndash; was Letzterem ohne deutschem Pass f&uuml;nf Jahre in Guantanamo einbrachte.<\/p><p><strong>Extremismusformel im Ministeramt<\/strong><\/p><p>Maa&szlig;ens Br&uuml;der im Geiste hatten das Terrain geebnet &ndash; in der Bundeszentrale f&uuml;r politische Bildung (Reichert), im Bundesinnenministerium (Kn&uuml;tter) und schlie&szlig;lich dem zugeordneten Bundesverfassungsschutz. In dieser Logik langer Kontinuit&auml;t handelte auch die kurzzeitige Familienministerin Kristina Schr&ouml;der, die im Dunstkreis der genannten Professoren ihren Doktortitel erworben hatte und schlie&szlig;lich mit ihrer einfachgestrickten Demokratieklausel die Geldmittel f&uuml;r den Kampf gegen Rechts einschr&auml;nkte und auf den Kampf gegen Links umlenkte. Hier schlie&szlig;t sich der Kreis des phantasierten Hufeisens. <\/p><p>Das Zusammenspiel rechter Akteure auf verschiedensten Ebenen politischer Verantwortung zeigt auf, wie hochgradig durchsetzt bestimmte einflussreiche Strukturen wirklich noch sind und welche diese wiederum alimentieren. Ob ein &bdquo;rechts-braun-versifftes&ldquo; Milieu in diesen einflussreichen politischen Kreisen die Diskursmacht erkl&auml;ren kann, die das ritualisierte Schwadronieren von einem &bdquo;links-gr&uuml;n-versifften&ldquo; Mainstream erm&ouml;glicht, w&auml;re zu &uuml;berpr&uuml;fen. <\/p><p>Klar ist jedoch, dass es ohne die hier nur angedeuteten Seilschaften heute sicher eindeutiger w&auml;re, dass sich die kritische Betrachtung des Zusammenhangs von Kapitalismus und Faschismus lohnt und zwingend erforderlich ist &ndash; aus historischer, gesellschaftlicher und wissenschaftlicher Verantwortung. Horkheimer n&auml;mlich behielt recht, noch bevor der (aus der Industrie gesponserte) Aufstieg der Nazis und ihre folgenden Verbrechen die Richtigkeit seiner Aussage bewiesen. <\/p><p>Titelbild: VVN-BdA via Facebook<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Moment kann aufgeatmet werden bei der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes\/Bund der Antifaschist*nnen, kurz VVN-BdA, nachdem die aberkannte Gemeinn&uuml;tzigkeit wieder gew&auml;hrt wurde. Ein sicheres Zeichen f&uuml;r Entwarnung ist das nicht, denn das strukturelle Problem bleibt. 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