{"id":7123,"date":"2010-10-18T13:59:53","date_gmt":"2010-10-18T11:59:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=7123"},"modified":"2014-11-25T10:12:27","modified_gmt":"2014-11-25T09:12:27","slug":"undemokrat-mappus-parteisoldat-geissler-schwarz-gruen-stuttgart-21","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=7123","title":{"rendered":"Undemokrat Mappus + Parteisoldat Gei\u00dfler = Schwarz-Gr\u00fcn + Stuttgart 21?"},"content":{"rendered":"<p>Am <a href=\"\/?p=6972\">6. Oktober hatten wir darauf hingewiesen<\/a>, dass die Union immer wieder in ihrer Geschichte auf Kriminalisierung und Angstmache gesetzt hat, um mit diesem antidemokratischen Trick Wahlen zu gewinnen. Schneller als erwartet und von unerwarteter Seite wurde diese Taktik nun auch f&uuml;r die Landtagswahl in Baden-W&uuml;rttemberg best&auml;tigt. In der Stuttgarter Zeitung war ein &uuml;beraus <a href=\"http:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/stz\/page\/2671211_0_9223_-umstrittener-polizeieinsatz-hilferufe-aus-dem-schlossgarten-verhallen.html\">erstaunlicher Artikel zu Stuttgart 21<\/a> zu lesen: eine Analyse der Strategie des baden-w&uuml;rttembergischen Ministerpr&auml;sidenten Mappus. Dieser hat danach den Konflikt mit den Demonstranten bewusst versch&auml;rft, um damit ein Wahlkampfthema zur Profilierung bei seinen konservativen W&auml;hlern zu bekommen. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><ol>\n<li><strong>Mappus erweist sich als Zyniker der Machterhaltung <\/strong>\n<p>Lesen Sie zun&auml;chst die entscheidenden Passagen aus der Stuttgarter Zeitung, die bisher einer der engagiertesten Bef&uuml;rworter des Projektes Stuttgart 21 war (und ist). Unter der &Uuml;berschrift &bdquo;Umstrittener Polizeieinsatz. Hilferufe aus dem Schlossgarten verhallen&ldquo; war am 15.10.2010 zu lesen:<\/p>\n<p>&bdquo;Mappus&rsquo; politisches Kalk&uuml;l liegt klar zutage. Lange schien er ratlos, wie er mit dem Widerstand gegen Stuttgart 21 umgehen sollte. Die Devise der Polizei, &auml;u&szlig;erste Deeskalation, war auch seine. Doch nach dem Sommerurlaub &ndash; ziemlich zeitgleich mit dem Dienstantritt seines von Roland Koch &uuml;bernommenen Medienberaters &ndash; hatte der Pforzheimer seinen Kurs gefunden: Das Bahnprojekt, verk&uuml;ndete er CDU-intern, sei sein lange vermisstes Profilierungsthema f&uuml;r den Wahlkampf. Unbeirrt von allen Protesten ein demokratisch legitimiertes Infrastrukturvorhaben durchzuziehen &ndash; das w&uuml;rden die konservativen W&auml;hler goutieren.<\/p>\n<p>Prompt &auml;nderte sich die Wortwahl. Mal sprach Mappus von &ldquo;Berufsdemonstranten&rdquo;, mal von dem &ldquo;Fehdehandschuh&rdquo;, den er aufnehme. Im R&uuml;ckblick erscheint die neue Tonlage wie eine Einstimmung auf den Tag X, der wohl seit Anfang September feststand. Aber mit dem tats&auml;chlichen Ablauf des Einsatzes will der Ministerpr&auml;sident nichts zu tun haben. In das &ldquo;operative Gesch&auml;ft der Polizei&rdquo;, versichert er seither, h&auml;tten weder er noch die Staatskanzlei eingegriffen. Der Stuttgarter Polizeipr&auml;sident Siegfried Stumpf &uuml;bernahm umgehend die alleinige Verantwortung: Nie habe ihm die Politik reingeredet.&ldquo;<\/p>\n<p>Mit Wasserwerfern Menschen halb blind spritzen zu lassen, um damit Wahlk&auml;mpfe besser zu bestehen, das hat weder etwas mit demokratischer Gesinnung noch mit dem christlichen Menschenbild zu tun, dass die Parteivorsitzende des Herrn Mappus, Angela Merkel, gerade strapazierte. Mappus ist ein Undemokrat. Andere sehen das anders &hellip;<\/p><\/li>\n<li><strong>Parteisoldat Gei&szlig;ler hilft &hellip;<\/strong>\n<p>Mappus hat sich ein bisschen vergallopiert. Seine konservativen W&auml;hler k&ouml;nnten es vielleicht doch nicht umfassend goutieren, wenn 66-j&auml;hrigen das Augenlicht genommen wird; und dass ihre minderj&auml;hrigen Enkel ins Kreuzfeuer der Wahlkampfstrategie ihres CDU Ministerpr&auml;sident geraten sind, finden sie vielleicht auch nicht so nett. Jedenfalls sah sich der Ministerpr&auml;sident gen&ouml;tigt, Hilfe zur Moderation anzufordern. Diese fand er bei Heiner Gei&szlig;ler. Heiner Gei&szlig;ler ist, wie wir schon oft belegt haben, einer der gro&szlig;en Strategen der Union. Er wettert gegen Gier und den Kapitalismus und er tritt attac bei und erweitert damit das Image seiner Partei, deren inhaltliche Linie jedoch kaum seiner Kritik unterworfen ist &ndash; weder ihre unsozialen Taten noch die erkennbaren Verbindungen mit der Finanzwirtschaft und auch nicht die jetzt laufende Hetze gegen Andersdenkende und Andersgl&auml;ubige. Im Umfeld von attac sollte man vielleicht einmal wahrnehmen, dass diese Organisation von der Gruppe um Gei&szlig;ler als eine Art Vorfeldorganisation der Union zur Imagepr&auml;gung betrachtet wird. Dass dies funktioniert, erlebe ich h&auml;ufig im Gespr&auml;ch mit aufgeweckten Menschen, die immer wieder voll positivem Erstaunen von der Verbindung der Union zu attac erz&auml;hlen.<\/p>\n<p>Mit der Schlichtung ist es gelungen, die Stuttgart 21 Gegner zu spalten und es wird auch gelingen, den Herrn Mappus und seine baden-w&uuml;rttembergische CDU vor der notwendigen massiven Abstrafung und dem Absturz bei der Landtagswahl zu bewahren. Damit ist auch das wichtigste Mittel gegen den Bau von Stuttgart 21 &ndash; die Sanktion bei der anstehenden Wahl &ndash; entsch&auml;rft.<\/p><\/li>\n<li><strong>Mitverantwortlich f&uuml;r dieses absehbare Ergebnis sind jene wie der Vorsitzende der Gr&uuml;nen Fraktion in Baden-W&uuml;rttemberg, die Schwarz-Gr&uuml;n nicht ausschlie&szlig;en wollen.<\/strong>\n<p>Denn die Bereitschaft, eine Koalition mit der Partei des Undemokraten Mappus schlie&szlig;en zu wollen, ist der st&auml;rkste m&ouml;gliche Akt einer Reinwaschung. Die Bereitschaft zu Schwarz-Gr&uuml;n st&uuml;tzt auch das Lieblingsprojekt des Vermittlers Gei&szlig;ler. Auch hier wird wieder seine gro&szlig;e strategische F&auml;higkeit sichtbar. Er hat zusammen mit einigen anderen wie zum Beispiel seinem fr&uuml;heren Mitarbeiter Warnfried Dettling systematisch an der Erweiterung der Koalitionsoptionen f&uuml;r die Union gearbeitet und damit die entscheidenden Verdienste daran, dass die Union auf absehbare Zeit immer mit am Regieren sein wird. Ihre &Ouml;ffentlichkeitsarbeit bei einigen Wissenschaftlern und ma&szlig;geblichen Journalisten war hervorragend. Auch sie werden dem baden-w&uuml;rttembergischen Ministerpr&auml;sidenten seine antidemokratische Strategie nicht ver&uuml;beln. Das ist auch das Ergebnis der Image-Erweiterung, die im wesentlichen von Heiner Gei&szlig;ler getragen wird.<br>\nMitverantwortlich ist aber auch die SPD, die mit ihrer Verstrickung in das Projekt und jetzt mit dem Z&ouml;gern zum Untersuchungsausschuss ein j&auml;mmerliches Bild abgegeben hat.<\/p><\/li>\n<li><strong>Dem Entwicklungsminister Niebel von der FDP muss ich in einem Punkt Recht geben: auch ich wei&szlig; nicht, was in Stuttgart zu vermitteln w&auml;re.<\/strong><br>\n100 B&auml;ume mehr? Zwei Gleise weniger unter der Erde? Ein bisschen weniger Abriss? Vielleicht bin ich zu weit weg. Aber: wenn es richtig ist, dass der unterirdische Bahnhof nach dem Projekt Stuttgart 21 keinesfalls leistungsf&auml;higer ist als der jetzige Kopfbahnhof und weniger leistungsf&auml;hig als ein erneuerter Kopfbahnhof; wenn es richtig ist, dass nicht die Dynamik des Schienenverkehrs sondern die Dynamik freiwerdender und zu bebauender Fl&auml;chen die entscheidenden Kriterien waren, dann kann es kein Schlichtungsergebnis geben. Die Schlichtung dient zu aller erst der Rettung des Ministerpr&auml;sidenten &uuml;ber den Wahltermin hinaus.<\/li>\n<li><strong>Die Bef&uuml;rworter von Stuttgart 21 bedienen sich weiter der &auml;u&szlig;erst fragw&uuml;rdigen Argumente f&uuml;r das Projekt, an vordere Front der Behauptung, wenn dieses Projekt nicht realisiert w&uuml;rde, wenn ein nachtr&auml;glicher Volksentscheid dagegen st&uuml;nde, dann stelle dies ein ernsthaftes Problem f&uuml;r die Verwirklichung von Infrastrukturprojekten dar &ndash; so der Pr&auml;sident des Bundesverfassungsgerichtes Andreas Vosskuhle. <\/strong>\n<p>Dass sich der Pr&auml;sident des Bundesverfassungsgerichtes so massiv in diese Entscheidung einmischt, zeigt einmal mehr, wie sehr die &ouml;ffentliche Debatte bei uns und auch die &ouml;ffentlichen Einrichtungen wie das Bundesverfassungsgericht auf den Hund gekommen ist. Man m&uuml;sste normalerweise von einem Pr&auml;sidenten des Bundesverfassungsgerichtes weniger Parteilichkeit und mehr Umsicht verlangen. Zur Umsicht m&uuml;sste geh&ouml;ren, dass auch ein Herr in dieser Funktion zu bedenken f&auml;hig ist, dass hier ein Projekt unter falschen Bedingungen entschieden worden ist: mit der typischen Untersch&auml;tzung der Kosten und der &Uuml;bersch&auml;tzung der Chancen. Auch beim Pr&auml;sidenten des Bundesverfassungsgerichtes m&uuml;sste angekommen sein, dass bei solchen Gro&szlig;projekten sehr viel politische Korruption im Spiel ist und dass schon dies dazu zwingen k&ouml;nnte, aus Gr&uuml;nden der demokratischen Sauberkeit auch nachtr&auml;glich nein zu sagen.<\/p><\/li>\n<\/ol><p><strong>Anhang:<\/strong><br>\n<a href=\"\/upload\/pdf\/101018_kampagne_pro_stuttgart21.pdf\">Einige einschl&auml;gige Folien zur Kampagne der Bef&uuml;rworter aus einem Vortrag in Ulm. [PDF &ndash; 104 KB]<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am <a href=\"\/?p=6972\">6. Oktober hatten wir darauf hingewiesen<\/a>, dass die Union immer wieder in ihrer Geschichte auf Kriminalisierung und Angstmache gesetzt hat, um mit diesem antidemokratischen Trick Wahlen zu gewinnen. Schneller als erwartet und von unerwarteter Seite wurde diese Taktik nun auch f&uuml;r die Landtagswahl in Baden-W&uuml;rttemberg best&auml;tigt. In der Stuttgarter Zeitung war ein &uuml;beraus<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=7123\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,74,190],"tags":[238,743,282,237,696,421],"class_list":["post-7123","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-stuttgart-21","category-wahlen","tag-attac","tag-bawue","tag-buergerproteste","tag-geissler-heiner","tag-mappus-stefan","tag-polizei"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7123","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7123"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7123\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20774,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7123\/revisions\/20774"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7123"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7123"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7123"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}