{"id":713,"date":"2005-07-27T15:51:14","date_gmt":"2005-07-27T13:51:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=713"},"modified":"2016-03-07T18:13:18","modified_gmt":"2016-03-07T17:13:18","slug":"die-fdp-leistet-sich-einen-armen-staat-weitere-19-milliarden-steuerentlastung-fur-unternehmen-und-besserverdienende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=713","title":{"rendered":"Die FDP leistet sich einen armen Staat. Weitere 19 Milliarden Steuerentlastung f\u00fcr Unternehmen und Besserverdienende."},"content":{"rendered":"<p>Einfach, ungerecht und unseri&ouml;s ist das Steuerkonzept der FDP in ihrem Wahlprogramm. In einem Drei-Stufenmodell mit S&auml;tzen von 15, 25 und einer weiteren Senkung des Spitzensteuersatzes auf 35 % sollen obere Einkommensschichten noch st&auml;rker als schon bisher entlastet werden und bei Unternehmen soll die Spitzenbelastung 25 % nicht &uuml;bersteigen. Sie will die W&auml;hler mit einem auch in linken Kreisen popul&auml;ren &bdquo;B&uuml;rgergeld&ldquo; locken, schweigt sich aber dar&uuml;ber aus, wie viel der Staat in Not geratenen B&uuml;rgern f&uuml;r ein menschw&uuml;rdiges Dasein noch bezahlen k&ouml;nnte.<br>\n<!--more--><br>\nDie Linkspartei wird f&uuml;r ihr Steuer- und Finanzierungskonzept als L&uuml;gnerin beschimpft. Die FDP, die nur die Steuern senken will, aber kein Wort dar&uuml;ber verliert, wie sie realistischer Weise die schwierige Finanzsituation meistern will oder wie sie ein &bdquo;B&uuml;rgergeld&ldquo; finanzieren, geschweige denn die Handlungs- und Zukunftsf&auml;higkeit erhalten will, erf&auml;hrt &uuml;berwiegend Lob in der ver&ouml;ffentlichten Meinung.<br>\nMan baut auf den Populismus, dass niemand gerne Steuern bezahlt. <\/p><p>Sicher, das deutsche Steuerrecht ist kompliziert, das gilt allerdings vor allem f&uuml;r diejenigen Steuerzahler, die ihr Einkommen aus Unternehmen, aus Kapital-, Zins- oder sonstigen selbst&auml;ndigen Eink&uuml;nften beziehen. Der unselbst&auml;ndige Arbeitnehmer hat im Regelfall unter der Kompliziertheit kaum zu leiden. Seine Steuern werden vorab vom Lohn abgezogen und er darf danach um einen Steuerausgleich k&auml;mpfen. Die Probleme um Kindergeld, Werbungskosten oder die Versteuerung von Zuschl&auml;gen sind l&auml;stig aber &uuml;berschaubar.<br>\nDie steuerpolitische Diskussion dreht sich somit weniger um die Masse der Steuerzahler, also die Lohnbezieher, sondern um die steuerliche Veranlagung von anderen Einkunftsarten.<br>\nDas Steuerrecht ist nicht etwa deshalb so kompliziert geworden, weil es &ndash; wie immer behauptet wird &ndash; einen staatlichen Regulierungswahn gegeben h&auml;tte, sondern weil es in den letzten 30 Jahren einen steuerpolitischen Siegeszug der Wirtschaft und ihrer Lobby gegeben hat, der zu zahllosen Steuerentlastungen oder steuerentlastenden Ausnahmetatbest&auml;nden gef&uuml;hrt hat, die inzwischen nur noch Steuerexperten durchschauen (siehe <a href=\"upload\/pdf\/bericht_neu.pdf\" title=\"PDF - 80 KB\">NachDenkSeiten [PDF &ndash; 80 KB]<\/a>)<\/p><p>Kaum jemand k&uuml;mmert sich um den Umsatzsteuerbetrug von sch&auml;tzungsweise 16 bis 20 Milliarden Euro und niemand ist ernsthaft der Steuerhinterziehung durch Verschiebung von Schwarzgeld ins Ausland in H&ouml;he von 100 bis 500 Milliarden Euro oder der Steuerminderung durch Gewinnverlagerung ins Ausland auf der Spur (siehe <a href=\"?p=417\">NachDenkSeiten vom 14.12.2004<\/a>).<\/p><p>Auch der Kampf gegen die Schwarzarbeit, die dem Fiskus ( allerdings wohl ma&szlig;los &uuml;bertrieben) 370 Milliarden Euro unbesteuertes Einkommen entziehen soll, wird allenfalls mit Samthandschuhen gef&uuml;hrt (siehe <a href=\"?p=181\">NachDenkSeiten 15.4.2005<\/a>) <\/p><p>Daf&uuml;r gibt es seit einigen Jahren zwischen CDU\/CSU und FDP geradezu einen Wettlauf um m&ouml;glichst einfache und m&ouml;glichst radikale Steuerkonzepte. Nebenbei bemerkt: Selten wird in Deutschland &bdquo;Radikalismus&ldquo; so positiv aufgenommen. Auch die Regierungsparteien wollten nat&uuml;rlich in diesem Wettlauf nicht fehlen &ndash; ihre Konzepte gehen in die gleich Richtung, sie sind nur nicht so radikal. <\/p><p>Dass eine Reform der Einkommensbesteuerung sinnvoll ist, haben auch wir auf den NachDenkSeiten nie bestritten. Wir haben allerdings in Frage gestellt, dass Steuersenkungen Investitionen und Arbeitspl&auml;tze schaffen und dass dadurch wieder staatliche Mehreinnahmen erwachsen k&ouml;nnten. Die Erfahrung gibt uns Recht. <\/p><p>Nahezu uni sono wird der Satz nachgebetet, Steuererh&ouml;hungen seien Gift f&uuml;r die Konjunktur und das Wachstum. Jetzt hat sich die Union aus den B&uuml;schen gewagt und will also die Mehrwertsteuer erh&ouml;hen. Eine Steuer, die nun wirklich in besonderer Weise jene Familien und Einzelpersonen belastet, die geringe Einkommen und damit wenig Kaufkraft zur Verf&uuml;gung haben weil sie ihre gesamten Einnahmen f&uuml;r den laufenden Konsum verbrauchen. Eine Steuer, die tendenziell die fiskalische Belastung weiter zu Gunsten der Exportwirtschaft und zu Lasten der vor allem den Binnenmarkt beliefernden Produzenten und Dienstleister verschiebt, weil sie die die Exportwirtschaft &uuml;berhaupt nicht tangiert. Eine Steuer, die noch mehr zu Schwarzarbeit verleitet (siehe <a href=\"?p=557\">NachDenkSeiten vom 8.5.2005<\/a>). <\/p><p>Dar&uuml;ber, dass es ernst zu nehmende Vorschl&auml;ge gibt, wie man Steuern vereinfachen und modernisieren k&ouml;nnte, mit denen man sogar die Konjunktur anstacheln k&ouml;nnte, die gerecht w&auml;ren und den Staat handlungsf&auml;hig und investitionsf&auml;hig hielten, wird kaum berichtet. <\/p><p>Um unseren Leserinnen und Lesern einen Diskussionsansto&szlig; zu geben, um ihr eigenes Urteil bilden zu k&ouml;nnen, bieten wir ihnen Links zu den Steuerkonzepten, <a href=\"http:\/\/56.parteitag.fdp.de\/webcom\/show_article.php\/_c-45\/_nr-16\/_p-1\/i.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/56.parteitag.fdp.de\/webcom\/show_article.php\/_c-45\/_nr-16\/_p-1\/i.html\">der FDP<\/a>, <a href=\"http:\/\/sozialisten.de\/download\/informationsmaterial\/0506\/steuerkonzept0506.pdf\" title=\"Externer Link [PDF - 276 KB] zu http:\/\/sozialisten.de\/download\/informationsmaterial\/0506\/steuerkonzept0506.pdf\">der Linkspartei [PDF &ndash; 276 KB]<\/a> und einer Gruppe die sich aus Mitgliedern der alternativen &Ouml;konomen aus der Memorandum-Gruppe, aus Attac und aus dem IMK in der Hans-B&ouml;ckler-Stiftung zusammengefunden hat:<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.memo.uni-bremen.de\/docs\/m2405b.pdf\" title=\"Externer Link [PDF - 240 KB] zu http:\/\/www.memo.uni-bremen.de\/docs\/m2405b.pdf\">Konzept f&uuml;r eine &bdquo;Solidarische Einfachsteuer&ldquo; (SES) [PDF &ndash; 240 KB]<\/a> erarbeitet von: Sven Giegold (Attac), Rudolf Hickel (Memo), Ralf Kr&auml;mer (ver.di), Astrid Kraus (Attac), Detlev v. Larcher (Attac), Axel Troost (Memo), Achim Truger (IMK in der Hans-B&ouml;ckler- Stiftung), Burkhard Winsemann &ndash; 18. Juli 2005\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einfach, ungerecht und unseri&ouml;s ist das Steuerkonzept der FDP in ihrem Wahlprogramm. In einem Drei-Stufenmodell mit S&auml;tzen von 15, 25 und einer weiteren Senkung des Spitzensteuersatzes auf 35 % sollen obere Einkommensschichten noch st&auml;rker als schon bisher entlastet werden und bei Unternehmen soll die Spitzenbelastung 25 % nicht &uuml;bersteigen. 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