{"id":71414,"date":"2021-04-08T10:41:03","date_gmt":"2021-04-08T08:41:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71414"},"modified":"2021-04-08T12:21:15","modified_gmt":"2021-04-08T10:21:15","slug":"zur-diskussion-geopolitischer-paukenschlag-das-moegliche-militaerbuendnis-zwischen-russland-und-china","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71414","title":{"rendered":"Zur Diskussion: Geopolitischer Paukenschlag? Das m\u00f6gliche Milit\u00e4rb\u00fcndnis zwischen Russland und China"},"content":{"rendered":"<p>Dass China Russland den Abschluss eines formellen Milit&auml;rb&uuml;ndnisses vorgeschlagen hat, wurde bereits im Februar bekannt. Weil das Thema in vielen deutschen Medien bislang nicht angemessen behandelt wird, wollen wir hier einen Artikel des russischen Thinktanks &bdquo;<a href=\"https:\/\/russtrat.ru\/comments\/8-fevralya-2021-0010-2929\">RusStrat<\/a>&ldquo; vorstellen, den unser Leser <strong>Cay Gabbe<\/strong> freundlicherweise f&uuml;r uns &uuml;bersetzt hat. Damit wollen wir uns nicht mit diesen Positionen gemein machen. Aber wir denken, es ist von gro&szlig;er Wichtigkeit, die Tragweite der Entwicklung zu begreifen. Neben den in diesem Papier formulierten Positionen zum Verh&auml;ltnis Peking\/Moskau wirft die Ann&auml;herung auch Fragen f&uuml;r Deutschland und andere EU-Staaten auf. <strong>Wir w&uuml;rden die Fragen gerne auch an unsere Leser richten:<\/strong> Treibt das vor allem im Interesse der USA wirkende feindliche Auftreten Deutschlands und der EU gegen&uuml;ber Russland dieses teils europ&auml;ische Land &bdquo;in die Arme&ldquo; Chinas? Was w&uuml;rde das russisch-chinesische B&uuml;ndnis f&uuml;r Deutschland bedeuten? Welche Position in der aktuellen internationalen Blockbildung w&auml;re am ehesten im Interesse der B&uuml;rger der EU-L&auml;nder? Was bedeutet die Entwicklung f&uuml;r das Verh&auml;ltnis Deutschland\/USA und was f&uuml;r den Umgang mit den starken transatlantischen Einfl&uuml;ssen hierzulande? Schreiben Sie uns an <a href=\"mailto:leserbriefe@nachdenkseiten.de\">leserbriefe(at)nachdenkseiten.de<\/a> Ihre Meinung. Von <strong>Redaktion<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Beginn der &Uuml;bersetzung (mit Anmerkungen des &Uuml;bersetzers. Die Anmerkungen sind kursiv in Klammern):<\/strong><\/p><p><strong>Moskauer Institut f&uuml;r internationale politische und wirtschaftliche Strategien (RusStrat)<\/strong><br>\nMOSKAU, 8. Februar 2021, RusStrat-Institut. <\/p><p>Am 4. Februar 2021 f&uuml;hrten die Au&szlig;enminister Russlands und Chinas, Sergej Lawrow und Wang Yi, ein Telefongespr&auml;ch, dessen Bedeutung kaum zu &uuml;bersch&auml;tzen ist.<\/p><p>Im Rahmen der Neuunterzeichnung des Vertrages &uuml;ber Freundschaft und gute Nachbarschaft, der bald ausl&auml;uft, schlug Peking vor, den neuen Vertrag mit epochalen Inhalten zu f&uuml;llen, die nicht nur den Wunsch beider L&auml;nder widerspiegeln, ihre eigene und die Sicherheit des jeweils anderen zu sch&uuml;tzen, sondern auch die Sicherheit der Nachbarstaaten. In der Tat kann man sagen, dass Peking Moskau den Abschluss eines formellen Milit&auml;rb&uuml;ndnisses vorgeschlagen hat.<\/p><p>Es ist wichtig zu beachten, dass das, was passiert ist, keine pl&ouml;tzliche Initiative Pekings ist. Nach den zahlreichen Vorbehalten und Erkl&auml;rungen, auch von Spitzenbeamten, zu urteilen, wurde dieses Thema seit 2016 unter vier Augen diskutiert, und bis 2020 gab es eine ernsthafte Ann&auml;herung der gegenseitigen Ansichten.<\/p><p>Insbesondere sagte der russische Pr&auml;sident am 22. Oktober 2020 in Nowo-Ogarewo, dass es durchaus m&ouml;glich ist, ein Milit&auml;rb&uuml;ndnis zwischen den beiden L&auml;ndern zu schlie&szlig;en, obwohl sie es &bdquo;im Allgemeinen&ldquo; nicht brauchen. Die chinesische Seite hat darauf sofort &bdquo;sehr herzlich&ldquo; reagiert.<\/p><p>So ist die globale geopolitische Ann&auml;herung zwischen Russland und China ein nat&uuml;rlicher und unvermeidlicher Prozess. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die beiden L&auml;nder sehr &auml;hnliche Ziele und langfristige Strategien haben, die sich zudem auch in absehbarer Zeit nicht &uuml;berschneiden. Das bedeutet, dass es f&uuml;r mindestens ein halbes Jahrhundert, wenn nicht mehr, keine ernsthaften Konflikte zwischen unseren L&auml;ndern geben sollte, die sich zu einer bewaffneten Konfrontation entwickeln k&ouml;nnten.<\/p><p>Und f&uuml;r diesen gesamten Zeitraum haben wir einen gemeinsamen, hinreichend ernst zu nehmenden Gegner und das gleiche geopolitische Ziel. <\/p><p>Chinas Interesse an dieser Allianz liegt in drei Punkten.<\/p><p>Erstens ist es der strategische Nuklearschirm Russlands. Allein gegen China k&ouml;nnten sich die Vereinigten Staaten, wenn auch sehr theoretisch, auf einen Atomkrieg einlassen &ndash; sagen wir, begrenzt auf taktische Sprengk&ouml;pfe. Aber gegen eine Allianz mit Russland &ndash; eindeutig nein.<\/p><p>Zweitens kann Peking, nachdem es eine Garantie f&uuml;r die Deckung des eigenen R&uuml;ckens erhalten hat, die Armee in einem ausreichend schmalen &bdquo;&ouml;stlichen&ldquo; Teil der potenziellen Front konzentrieren und so die entscheidende &Uuml;berlegenheit an St&auml;rke und Mitteln dort sicherstellen <em>(oder: erzielen)<\/em>.<\/p><p>Drittens w&uuml;rde ein solches Abkommen China nicht nur die H&auml;nde in Bezug auf die &bdquo;Taiwan-Frage&ldquo; entbinden, sondern auch die informelle Anerkennung seitens Russlands bedeuten, diese &bdquo;Frage&ldquo; nach eigenem Ermessen zu l&ouml;sen.<\/p><p>Was k&ouml;nnte Russlands Interesse an einer solchen Allianz sein?<\/p><p>Zun&auml;chst einmal w&uuml;rde die Unterzeichnung eines solchen Vertrages China automatisch dazu zwingen, eine aktivere und eindeutig pro-russische Haltung in einer Reihe von internationalen Fragen einzunehmen, die f&uuml;r uns wichtig sind. Angefangen von der Anerkennung der Krim und den Sanktionen gegen SP-2 <em>(gemeint ist Nordstream-2)<\/em> bis zur Unterst&uuml;tzung der russischen Wirtschaft mit Finanzen und der Industrie mit Technologie.<\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus bildet sie implizit eine hervorragende Grundlage f&uuml;r eine klare Interessenteilung zwischen den beiden L&auml;ndern in Zentralasien und dem &uuml;brigen postsowjetischen Raum, in dem noch zu viele Unklarheiten <em>(Uneindeutigkeit)<\/em> bestehen <em>(geblieben sind)<\/em>. Und w&auml;hrend bezogen auf Zentralasien und Turkestan <em>(gemeint ist nicht der Staat Turkmenistan, sondern die Bezeichnung bezieht sich auf ein Gebiet zwischen dem Kaspischen Meer und China, das eine 2000-j&auml;hrige Geschichte hat, mehrere Staaten betrifft und vielfach Herrschaftsverh&auml;ltnisse und Bezeichnungen ge&auml;ndert hat)<\/em> ein breites Spektrum gemeinsamer Interessen m&ouml;glich sind, kann Peking an den westlichen Grenzen Russlands nur die Formulierung unterst&uuml;tzen, dass diese Gebiete in der Zone der russischen strategischen Interessen liegen, genauso wie Taiwan in der Zone der strategischen Interessen Pekings liegt.<\/p><p>Die Hauptsache ist, dass dadurch die M&ouml;glichkeit besteht, die gegenseitigen Positionen &uuml;ber die Zweckm&auml;&szlig;igkeit der Aufrechterhaltung des europ&auml;ischen Integrationsprojekts zu synchronisieren. Wir werden uns in dieser Frage eindeutig festlegen m&uuml;ssen, ohne dass es Optionen gibt <em>(gemeint sei, dass es eine zwangsl&auml;ufige Entscheidung sei, die alternativlos sei)<\/em>. Mit der Unterst&uuml;tzung von Chinas wirtschaftlicher &bdquo;Megamaschine&ldquo; <em>(Macht)<\/em> wird es f&uuml;r Russland jedoch viel einfacher sein, dieses Problem zu l&ouml;sen, als es das alleine k&ouml;nnte.<\/p><p>Nat&uuml;rlich hat das m&ouml;gliche Milit&auml;rb&uuml;ndnis zwischen Russland und China neben den Vorteilen auch seine strittigen Punkte. Einige von ihnen sind recht bedeutend. Man k&ouml;nnte sagen, dass sich Moskau angesichts des unterschiedlichen wirtschaftlichen Gewichts und der Gr&ouml;&szlig;e der au&szlig;enpolitischen Probleme sowie einiger weltanschaulicher Divergenzen im Falle der Unterzeichnung eines solchen Vertrages bis zu einem gewissen Grad von der Au&szlig;en- und Innenpolitik Pekings abh&auml;ngig machen w&uuml;rde. Und dies ist in der Tat der Fall.<\/p><p>Aber auch das Gegenteil ist der Fall. China befindet sich in genau der gleichen Abh&auml;ngigkeit. Und wenn es dem Vertrag zustimmt, bedeutet das, dass die herrschende Elite des Landes dieser gegenseitigen Abh&auml;ngigkeit zustimmt.<\/p><p>Es ist also nicht auszuschlie&szlig;en, dass ein offizielles Milit&auml;rb&uuml;ndnis zwischen Russland und China bereits in diesem Jahr, sp&auml;testens aber 2022, geschlossen wird. <\/p><p><strong>Ende der &Uuml;bersetzung<\/strong> (&uuml;bersetzt von <strong>Cay Gabbe<\/strong>)<\/p><p><em>Anmerkung der Redaktion 8.4.2021: Aktuell hat Russlands Au&szlig;enminister <a href=\"https:\/\/de.rt.com\/asien\/115573-lawrow-russland-und-china-werden\/\">laut RT<\/a> zum chinesischen Vorschlag festgestellt, dass die russisch-chinesischen Beziehungen zwar das beste Niveau in ihrer Geschichte erreicht h&auml;tten, diese engen Beziehungen beider L&auml;nder jedoch nicht zur Schaffung eines B&uuml;ndnisses von Streitkr&auml;ften &bdquo;als Konkurrenz zur NATO&ldquo; f&uuml;hren w&uuml;rden.<\/em> <\/p><p>Titelbild: LukeOnTheRoad \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass China Russland den Abschluss eines formellen Milit&auml;rb&uuml;ndnisses vorgeschlagen hat, wurde bereits im Februar bekannt. 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