{"id":71460,"date":"2021-04-09T13:31:48","date_gmt":"2021-04-09T11:31:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71460"},"modified":"2021-04-12T07:40:33","modified_gmt":"2021-04-12T05:40:33","slug":"unteilbar-und-die-antisemitisch-konnotierten-verschwoerungserzaehlungen-der-pandemieleugnerinnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71460","title":{"rendered":"Unteilbar und die \u201eantisemitisch konnotierten Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen\u201c der \u201ePandemieleugner*innen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Die Initiative Unteilbar hat in einem infamen Aufruf die j&uuml;ngsten Proteste gegen die Corona-Politik pauschal diffamiert. Im Gewand theoretischer Kritik wird die offizielle Corona-Politik in der Praxis verteidigt. Der Appell wird von zahlreichen Medien, Initiativen und Gewerkschaftern unterst&uuml;tzt. Von <strong>Tobias Riegel<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5780\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-71460-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/21040_Unteilbar_die_Pandemieleugner_innen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/21040_Unteilbar_die_Pandemieleugner_innen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/21040_Unteilbar_die_Pandemieleugner_innen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/21040_Unteilbar_die_Pandemieleugner_innen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=71460-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/21040_Unteilbar_die_Pandemieleugner_innen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"21040_Unteilbar_die_Pandemieleugner_innen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Anl&auml;sslich &bdquo;erneuter Mobilisierungen von &sbquo;Querdenken&lsquo; und anderen Pandemieleugner*innen im Fr&uuml;hling 2021&ldquo; sah sich die Initiative &bdquo;Unteilbar&ldquo; k&uuml;rzlich aufgerufen, eine Erkl&auml;rung mit dem Titel &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.unteilbar.org\/freiheitsolidarisch\/\">Freiheit geht nur solidarisch<\/a>&ldquo;  abzugeben. Man k&ouml;nnte das ignorieren, die Resonanz in Form von Unterschriften h&auml;lt sich in Grenzen. Relevant wird der Vorgang dadurch, dass die Erkl&auml;rung von zahlreichen anderen Initiativen und auch von prominenten Gewerkschaftern unterst&uuml;tzt wird. Und dadurch, dass der problematische Appell von vielen Medien kritiklos transportiert wurde. Denn der Aufruf hat es in sich. <\/p><p><strong>Querdenken und die &bdquo;antisemitisch konnotierten Verschw&ouml;rungserz&auml;hlungen&ldquo;<\/strong><\/p><p>Wer sich &bdquo;Querdenken&ldquo; anschlie&szlig;e, so Unteilbar, fordere eine Gesellschaft, &bdquo;in der die gesundheitlichen Gefahren f&uuml;r Millionen Menschen geleugnet&ldquo; w&uuml;rden und in der &bdquo;antisemitisch konnotierte Verschw&ouml;rungserz&auml;hlungen an die Stelle von &uuml;berpr&uuml;fbaren Fakten&ldquo; tr&auml;ten. Die demokratische Debatte werde &bdquo;durch das Recht der St&auml;rkeren ersetzt&ldquo; und &bdquo;die Zusammenarbeit mit Faschist*innen&ldquo; werde &bdquo;zur Normalit&auml;t&ldquo;. In diesem Zusammenhang soll wohl auch die Aussage, &bdquo;Verschw&ouml;rungserz&auml;hlungen, Rassismus und faschistische Ideologien sind niemals legitim&ldquo;, suggerieren, die Anti-Lockdown-Demos seien durch diese Sichtweisen dominiert. <\/p><p>In der Erkl&auml;rung finden sich nat&uuml;rlich auch wohlklingende S&auml;tze wie: &bdquo;Das Hinterfragen staatlicher Politik, auch der Corona-Ma&szlig;nahmen, ist wichtig. Wo es notwendig ist, &uuml;ben wir Kritik.&ldquo; Oder: &bdquo;Wir wollen eine Politik, die niemanden zur&uuml;ckl&auml;sst und die verhindert, dass in der Krise einige immer reicher und viele immer &auml;rmer werden.&ldquo; Wie aber k&ouml;nnte diese Politik denn durchgesetzt werden, wenn bereits die Erw&auml;hnung, dass es Profiteure der Corona-Politik gibt, weithin als &bdquo;rechtsoffen&ldquo; diffamiert wird?<\/p><p>Und wie sollte der &bdquo;Raum f&uuml;r demokratische Kontrolle, der einer offenen Gesellschaft entspricht&ldquo;, den Unteilbar zu recht einfordert, verteidigt werden, wenn Kritik an der (mindestens vor&uuml;bergehenden) Einschr&auml;nkung der offenen Gesellschaft als rechtsextrem oder mindestens egoistisch gebrandmarkt wird? Dementsprechend gespannt kann man sein auf die Wirkung der von Unteilbar anscheinend geplanten &bdquo;n&auml;chsten Proteste f&uuml;r einen klimagerechten, sozialen, antirassistischen und geschlechtergerechten Weg aus der Krise&ldquo;. Bis es soweit ist, geh&ouml;ren jedoch gerade Frauen, Arme und Gefl&uuml;chtete international zu den ersten Opfern der Corona-Politik. <\/p><p><strong>Die &bdquo;menschenfeindliche rechte Bewegung&ldquo; der &bdquo;Pandemieleugner*innen&ldquo;<\/strong><\/p><p>Laut der Erkl&auml;rung sind die unterzeichnenden Institutionen und Einzelpersonen ein bunter Querschnitt durch die Gesellschaft, ein universeller Vertretungsanspruch wird suggeriert. Dazu geh&ouml;ren laut Unteilbar Menschen, die hart oder weniger hart von &bdquo;der Krise&ldquo; betroffen seien, &bdquo;Menschen mit oder ohne Beeintr&auml;chtigung unterschiedlichen Alters, mit und ohne Vorerkrankungen&ldquo;, &bdquo;Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte, religi&ouml;s oder nicht, mit verschiedenen Geschlechtern, unterschiedlichen sexuellen Orientierungen, BIPoC und Wei&szlig;e, mit oder ohne Fluchterfahrung und mit unterschiedlichem Aufenthaltsstatus&ldquo; &ndash; sie alle werden laut Unteilbar dadurch geeint, dass sie sich &bdquo;der menschenfeindlichen rechten Bewegung&ldquo; entgegenstellen w&uuml;rden. Mit &bdquo;der&ldquo; menschenfeindlichen Bewegung sind hier anscheinend pauschal die Teilnehmer der Demos gegen die aktuelle Corona-Politik gemeint, die an der Stelle ebenso pauschal nochmals als &bdquo;Pandemieleugner*innen&ldquo; bezeichnet werden. <\/p><p>Es steht jedem Beobachter frei, die &Auml;ngste vor einem aufkommenden autorit&auml;ren System im Schatten der Corona-Politik f&uuml;r ma&szlig;los &uuml;bertrieben zu halten. Aber kann man nicht dennoch anerkennen, dass viele Menschen von eben dieser Angst auf die Stra&szlig;e getrieben werden? Sicher gibt es auch andere Motivationen von Demonstranten, aber diese Sorge ist ein zentrales und weiterverbreitetes Motiv. Dieses Engagement pauschal als &bdquo;menschenfeindliche rechte Bewegung&ldquo; und als einen Schulterschluss mit Faschisten zu bezeichnen, ist infam. Aber diese Praxis wird gar nicht mehr hinterfragt, weil sie mit ungeheurem Medienfuror eingef&uuml;hrt wurde. Ebenso wie der fragw&uuml;rdige Zustand, dass Fragen der Gesundheit und der Datenerhebung zu Fragen von &bdquo;rechts&ldquo; und &bdquo;links&ldquo; umgedeutet wurden, was als ein Meisterst&uuml;ck der Manipulation bezeichnet werden kann.  <\/p><p><strong>Weltfremd: &bdquo;Niemand wird zur&uuml;ckgelassen&ldquo;<\/strong><\/p><p>Wenn die Kritiker der Lockdown-Politik angeblich das &bdquo;Recht des St&auml;rkeren&ldquo; fordern &ndash; reklamiert dann Unteilbar f&uuml;r sich im Umkehrschluss, mit der indirekten und weitgehenden Verteidigung der aktuellen Corona-Politik die Rechte der Schw&auml;cheren zu sch&uuml;tzen? Kann eine Wahrnehmung noch manipulierter sein? Sind die Autoren und Unterzeichner des Papiers tats&auml;chlich so blind f&uuml;r die unfassbaren sozialen Folgen der aktuellen Corona-Politik, die vor allem die Schw&auml;chsten der Gesellschaft (Kinder, Arme, Alte, Gefl&uuml;chtete) zuerst mit voller Wucht trifft? Ist den Autoren und Unterzeichnern &ndash; um nur ein Beispiel zu nennen &ndash; die Wirkung einer monatelangen Verwehrung des Rechts auf Bildung und Gemeinschaft allein f&uuml;r die Kinder nicht bewusst? Kann die Haltung des Papiers und seiner Unterzeichner dementsprechend nicht als sozial eiskalt bezeichnet werden, umso mehr, wenn man den Blick international weitet? <\/p><p>Diese Haltung wird auch nicht dadurch glaubw&uuml;rdiger (oder seri&ouml;s unterf&uuml;ttert), wenn die geforderte Politik als &bdquo;solidarisch&ldquo; verkl&auml;rt wird. Aber m&ouml;chte Unteilbar nicht doch auch eine &bdquo;andere Corona-Politik&ldquo;? Ist hier also doch eine Opposition zum Regierungshandeln zu entdecken? Nein: In der Praxis sind die Forderungen nach &bdquo;solidarisch&ldquo; ausgestalteten  Lockdowns v&ouml;llig unrealistisch. Die Vorstellung, innerhalb einer restriktiven Corona-Politik &bdquo;niemanden zur&uuml;ckzulassen&ldquo;, klingt bei Unteilbar ebenso weltfremd wie bei &bdquo;ZeroCovid&ldquo; und bleibt unkonkret.<\/p><p><strong>Kritiker der Corona-Politik: Eine heterogene Bewegung <\/strong><\/p><p>Die Bewegung der Kritiker der Corona-Politik ist sehr heterogen, man kann sie nicht &uuml;ber einen Kamm scheren. Sicher kann aber festgestellt werden, dass die Bewegung nicht rechtsextrem dominiert ist, dass es aber Versuche rechter Kreise gibt, Einfluss zu gewinnen. Aus letzterem Grund w&auml;ren aber umso mehr einst sich &bdquo;links&ldquo; nennende Gruppen gefragt, einen alternativen Anti-Lockdown-Protest zu organisieren. Doch diese Alternative wird verwehrt. <\/p><p>Ebenso kann festgestellt werden, dass zumindest Teile der Lockdown-Kritiker mehr auf Wissenschaftlichkeit und Seriosit&auml;t pochen als weite Teile der Verteidiger der offiziellen Corona-Politik. Unteilbar l&auml;sst sich offensichtlich noch immer mit den offiziellen und medialen Manipulationen aus absoluten Zahlen und weitgehend aussagelosen &bdquo;Inzidenzen&ldquo; abfertigen und einsch&uuml;chtern. Derweil pochen die seri&ouml;sen Kritiker der Corona-Politik darauf, dass die zur Beurteilung des realen Gefahrenpotenzials des existenten Corona-Virus n&ouml;tigen Zahlen ins Verh&auml;ltnis gesetzt werden m&uuml;ssen, um eine g&uuml;ltige Aussage zu haben. Und vor allem, dass sie zuvor seri&ouml;s und nachvollziehbar erhoben werden. Wer aber einen seri&ouml;sen Umgang mit den Daten fordert, ger&auml;t bereits in Gefahr, dass diese Forderung als &bdquo;Verschw&ouml;rungserz&auml;hlung&ldquo; und damit als wertlos abgetan wird. Unteilbar unterst&uuml;tzt diese Praxis nun. <\/p><p>Ich pers&ouml;nlich f&uuml;hle mich bei Teilen der &bdquo;Querdenker&ldquo; nicht politisch zu Hause und w&uuml;rde darum an den Demos nicht teilnehmen. Dennoch muss man diese Meinungs&auml;u&szlig;erungen gegen irrationale und sachlich falsche Verleumdungen in Schutz nehmen. Bei strafrechtlichen Verst&ouml;&szlig;en greift das Strafrecht &ndash; abgesehen davon ist die andere Meinung auszuhalten.<\/p><p><strong>Eine Verteidigung in Protest gekleidet<\/strong><\/p><p>Es finden sich auch einige prominente Gewerkschafter bei den Unterzeichnern, etwa Anja Piel (Mitglied im Gesch&auml;ftsf&uuml;hrenden Bundesvorstand des DGB) oder Frank Werneke (Vorsitzender von ver.di). Wollen sie die demonstrierenden B&uuml;rger, die sicherlich zum Teil Gewerkschaftsmitglieder sind, ebenfalls pauschal als Anh&auml;nger oder Opfer &bdquo;antisemitisch konnotierter Verschw&ouml;rungserz&auml;hlungen&ldquo; brandmarken?<\/p><p>Unteilbar muss ja nicht demonstrieren &ndash; es k&ouml;nnte aber seine offensichtlich guten Medienkontakte nutzen, um die aktuelle radikale Politik in Erkl&auml;rungsnot zu bringen. Aber Unteilbar tut das Gegenteil: Es entwertet pauschal die Argumente der (einzigen wirklich sicht- und h&ouml;rbaren) Kritiker der Corona-Politik und stellt damit indirekt einen Freibrief aus &ndash; f&uuml;r eine Politik, wie sie vor einigen Monaten noch absolut unvorstellbar war. Dieser Freibrief wird nicht eingeschr&auml;nkt durch in der Praxis folgenlose theoretische Forderungen nach &bdquo;solidarischen&ldquo; Lockdowns. <\/p><p><strong>Resonanz: Medien unkritisch, B&uuml;rger uninteressiert<\/strong><\/p><p>Die Akteure und Unterzeichner von Unteilbar f&uuml;hlen sich wahrscheinlich dennoch in einer Form von &bdquo;Opposition&ldquo; &ndash; schlie&szlig;lich fordern sie doch vehement, dass &bdquo;niemand zur&uuml;ckgelassen&ldquo; wird! In der Realit&auml;t gehen diese ebenfalls aufgestellten &bdquo;sozialen&ldquo; Forderungen erwartungsgem&auml;&szlig; und voraussehbar unter &ndash; was aber bleibt und von interessierten Medien und Politikern gerne aufgegriffen wird, ist die giftige Diffamierung der Andersdenkenden. <\/p><p>Die gesellschaftliche Resonanz auf den Aufruf &ndash; jenseits des offiziellen politisch-medialen Beifalls &ndash; kann bisher, wie gesagt, als verhalten bezeichnet werden. So wurden seit dem 5. April 5430 Unterschriften geleistet (Stand 9. April, 12h). Und das trotz freundlicher, kritikloser und fast wortgleicher Flankierung durch zahlreiche Medien, etwa <a href=\"https:\/\/www.stern.de\/news\/breites-buendnis-macht-front-gegen-querdenker-bewegung-30462470.html\">hier<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1150404.unteilbar-solidaritaet-statt-querdenken.html\">hier<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.arte.tv\/de\/afp\/neuigkeiten\/breites-buendnis-macht-front-gegen-querdenker-bewegung\">hier<\/a> oder <a href=\"https:\/\/taz.de\/!5758927\/\">hier<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Breites-Buendnis-kritisiert-Querdenker-Bewegung-article22469976.html\">hier<\/a>.<\/p><p>Titelbild: KU_555 \/ Shutterstock <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Initiative Unteilbar hat in einem infamen Aufruf die j&uuml;ngsten Proteste gegen die Corona-Politik pauschal diffamiert. Im Gewand theoretischer Kritik wird die offizielle Corona-Politik in der Praxis verteidigt. Der Appell wird von zahlreichen Medien, Initiativen und Gewerkschaftern unterst&uuml;tzt. 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