{"id":71604,"date":"2021-04-15T12:04:25","date_gmt":"2021-04-15T10:04:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71604"},"modified":"2021-04-16T16:45:11","modified_gmt":"2021-04-16T14:45:11","slug":"anden-gletscher-als-kaution-pfizerbiontech-und-das-bizarre-geschaeft-mit-dem-impfstoff-in-argentinien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71604","title":{"rendered":"Anden-Gletscher als \u201eKaution\u201c \u2013 Pfizer\/BioNTech und das bizarre Gesch\u00e4ft mit dem Impfstoff in Argentinien"},"content":{"rendered":"<p>Mit diesem Bericht wird eine Episode beschrieben, die in den internationalen Kommerzmedien kaum zu lesen war. Vielleicht weil sie &ndash; derart unglaublich &ndash; das durchschnittliche Vorstellungsverm&ouml;gen bei weitem &uuml;berfordert. Doch die Covid19-Pandemie sorgt seit einem Jahr f&uuml;r verbl&uuml;ffende bis skandal&ouml;se Vorg&auml;nge. Ein Bericht von unserem S&uuml;damerika-Korrespondenten <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9693\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-71604-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210416-Anden-Gletscher-als-Kaution-Pfizer-Biontech-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210416-Anden-Gletscher-als-Kaution-Pfizer-Biontech-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210416-Anden-Gletscher-als-Kaution-Pfizer-Biontech-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210416-Anden-Gletscher-als-Kaution-Pfizer-Biontech-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=71604-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210416-Anden-Gletscher-als-Kaution-Pfizer-Biontech-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"210416-Anden-Gletscher-als-Kaution-Pfizer-Biontech-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Die Pandemie der Milliard&auml;re<\/strong><\/p><p>Dass Corona die Armen &auml;rmer und die Reichen reicher gemacht hat, geh&ouml;rt mittlerweile auch im medialen Mainstream zur <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/fernsehen\/sendungen\/extra_3\/Durch-Corona-werden-Arme-aermer-und-Reiche-reicher,extra18894.html\">offenkundigen Erkenntnis<\/a>. Die durch die Pandemie verursachten Lockdowns wurden von den sogenannten &bdquo;M&auml;rkten&ldquo; und neoliberal ausgerichteten Regierungen zum Anlass genommen, um weltweit die Kaufkraft von hunderten von Millionen Arbeiterinnen und Arbeitern auszuh&ouml;hlen. Jedoch gleichzeitig wurde auf der entgegengesetzten Seite die Einkommens- und Eigentums-Konzentration in eine nie zuvor gekannte H&ouml;he katapultiert, die sich laut Bloomberg Billionaires Index Anfang 2021 auf die schwindelerregende Summe von 1,8 Billionen US-Dollar summierte. Mit anderen Worten, im Coronapandemie-Jahr vermehrten die Milliard&auml;re ihr <a href=\"https:\/\/www.istoedinheiro.com.br\/mesmo-na-pandemia-bilionarios-aumentam-fortuna-em-31\/\">Verm&ouml;gen um 31 Prozent<\/a>. Und zwar nicht nur Tesla-Guru Elon Musk oder Amazon-Eigent&uuml;mer Jeff Bezos &ndash; der in weniger als 10 Monaten 23,6 Milliarden US-Dollar dazugewann &ndash; sondern auch unscheinbare Vertreter der rohstoffexportierenden Kompradoren-Bourgeoisie in peripheren L&auml;ndern wie Chile, wo das Verm&ouml;gen des <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=58321\">Familien-Clans Luksic<\/a> in der gleichen Zeit um 12,5 Milliarden US-Dollar anstieg und <a href=\"https:\/\/cooperativa.cl\/noticias\/economia\/empresas\/ranking-forbes-los-mas-ricos-de-chile-aumentaron-su-fortuna-en-pandemia\/2021-04-06\/132631.html\">23,3 Milliarden Dollar erreichte<\/a>.<\/p><p>Doch richtig spannend wird es bei der Lekt&uuml;re der Hausmitteilungen der deutschen Firma BioNTech, Herstellerin des Covid-19-Impfstoffs, bekannt als &bdquo;Pfizer-Vaccine&ldquo;. Das im Jahr 2008 in Mainz von dem t&uuml;rkischen Immigranten-Ehepaar Ugur Sahin und &Ouml;zlem T&uuml;reci gegr&uuml;ndete Unternehmen ging an die New Yorker Nasdaq-B&ouml;rse, verzeichnete bereits zu Jahresbeginn 2021 einen <a href=\"https:\/\/www.cnbc.com\/2020\/11\/11\/biontech-the-european-company-behind-pfizers-covid-19-vaccine.html\">230-prozentigen Wertanstieg seiner Aktien<\/a> und steigerte seinen Marktwert um fast 27 Milliarden US-Dollar. Nach mehrfachen Angaben deutscher Medien z&auml;hlen Sahin und T&uuml;reci mit einem <a href=\"https:\/\/www.forbes.com\/profile\/ugur-sahin\/\">Verm&ouml;gen von ann&auml;hernd 5 Milliarden US-Dollar<\/a> bereits zu den 100 reichsten Deutschen.<\/p><p>Doch hinter BioNTech verbirgt sich mehr als eine &bdquo;Gastarbeiter&ldquo;-Erfolgsgeschichte. Im Hintergrund &ndash; genauer: am Tegernsee &ndash; begl&uuml;ckw&uuml;nschen sich die stillen Mitverdiener, die das eigentliche <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/wirtschaft\/biontech-investoren-die-stillen-milliardaere-vom-tegernsee,SJXN1Sk\">Startkapital von BioNTech<\/a> in H&ouml;he von 150 Millionen Euro aufbrachten: die Zwillingsbr&uuml;der Thomas und Andreas Str&uuml;ngmann, die zuvor Milliarden mit der Herstellung von Generika-Pr&auml;paraten verdienten.<\/p><p>Seit Jahren mit dem von deutschen Einwanderern in den USA gegr&uuml;ndeten Pharmakonzern Pfizer in Joint-Venture-Gesch&auml;ften verbunden, l&ouml;sten beide Firmen Ende 2020 eine scharfe, jedoch bis vor wenigen Wochen verschwiegene Auseinandersetzung mit der EU aus, als das Impfstoff-Duo die EU-Regierungen mit einer als <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/biontech-pfizer-impfstoff-preis-eu-1.5210652\">unversch&auml;mt bezeichneten Preisforderung<\/a> f&uuml;r den Comirnaty (BNT162b2)-Impfstoff zu n&ouml;tigen versuchte. Als surreale, wenn nicht gar infame Forderung wurde allerdings in Argentinien der von Pfizer vorgetragene Anspruch auf sogenannte &bdquo;Garantien&ldquo; f&uuml;r die Lieferung von mehreren Millionen Dosen des BioNTech-Impfstoffs bezeichnet. Ein Fall ohne Pr&auml;zedenzen, vor dem Hintergrund des von Pr&auml;sident Alberto Fern&aacute;ndez&lsquo; Vorg&auml;nger Mauricio Macri hinterlassenen Auslands-Schuldenberges in H&ouml;he von 324 Milliarden US-Dollar und den harten Umschuldungsverhandlungen mit internationalen Gl&auml;ubigern &ndash; darunter dem weltgr&ouml;&szlig;ten Fondsverwalter und Pfizer-Aktion&auml;r BlackRock &ndash; verlangte Pfizer die Verabschiedung eines Garantie-Erlasses &bdquo;f&uuml;r nicht einklagbare Verm&ouml;genswerte&ldquo;, darunter die einheimischen Geldreserven und Gletscher als Wasserreserven. Der Auftritt des Konzerns sorgte zum Jahresende 2020 f&uuml;r einen <a href=\"https:\/\/apnews.com\/article\/archive-4b99bb4abcbcf9e6856bd9ba14297b5e\">Skandal in Argentinien<\/a>, der offenbar wegen des gesundheitspolitischen Z&uuml;ndstoffs mit dramatisch ansteigenden Corona-Fallzahlen vom Konzern und den Medien rasch deeskaliert wurde.<\/p><p>Probleme hatten Pfizer\/BioNTech auch in Brasilien. Nach Angaben der beiden Konzerne seien der brasilianischen Regierung im August 2020 rund 70 Millionen Dosen mit Lieferfrist bis zum Dezember 2020 angeboten worden. Jair Bolsonaros ehemaliger Gesundheitsminister, General Eduardo Pazzuelo, entgegnete dazu, in Wahrheit seien <a href=\"https:\/\/www.correiobraziliense.com.br\/brasil\/2021\/01\/4899078-pfizer-contradiz-pazuello-e-diz-que-ofereceu-70-milhoes-de-doses-da-vacina-ao-brasil.html\">lediglich 9 Millionen Dosen<\/a> mit Lieferfrist im Januar 2021 in Aussicht gestellt worden. Einerseits zwar um die Unterzeichnung von milliardenschweren Liefervertr&auml;gen besorgt, beschr&auml;nkte sich andererseits die <a href=\"https:\/\/elpais.com\/sociedad\/2021-03-06\/vacunas-para-pocos-en-america-latina.html\">Lieferf&auml;higkeit von Pfizer\/BioNTech<\/a> im M&auml;rz 2021 auf l&auml;cherliche 1,6 Prozent der Vertr&auml;ge mit der Region; ein Zustand, der, gepaart mit der ebenfalls schleppenden Belieferung von Impfstoff-Ingredienzien durch China f&uuml;r die Vor-Ort-Herstellung, L&auml;nder wie Argentinien dazu bewog, sich zunehmend auf den russischen Impfstoff Sputnik V zu verlassen. Das einzige Land, dessen vorbezahlten Bestellungen Pfizer\/BioNTech nachzukommen scheint, ist Chile, mit der <a href=\"https:\/\/factual.afp.com\/chile-no-recibio-30000-dosis-pfizerbiontech-como-dijo-jefe-de-gabinete-argentino-sino-18-millones\">bisherigen Lieferung von 1,88 Millionen Dosen<\/a>.<\/p><p><strong>Der BioNTech-, alias &bdquo;Pfizer-Impfstoff&ldquo;<\/strong><\/p><p>Seit Monaten ist in den weltweit tonangebenden, vor allem in den US-amerikanischen und von ihnen beeinflussten Medien die Rede vom COVID-19-&bdquo;Pfizer-Impfstoff&rdquo; und seiner scheinbar h&ouml;heren Wirkungskraft im Vergleich mit einem halben Dutzend internationaler Konkurrenz-Impfstoffe. Nach einer wissenschaftlichen Empfehlung der Europ&auml;ischen Arzneimittel-Agentur EMA und der anschlie&szlig;enden Billigung durch die Mitgliedsstaaten erteilte kurz vor Weihnachten 2020 die Europ&auml;ische Kommission diesem Impfstoff die erste, europaweite Zulassung. Die EMA-Empfehlung st&uuml;tzte sich auf eine angeblich &bdquo;gr&uuml;ndliche Bewertung der Sicherheit, Wirksamkeit und Qualit&auml;t des Impfstoffs&rdquo;.<\/p><p>In Wahrheit, so <a href=\"https:\/\/www.bloomberg.com\/news\/articles\/2020-11-09\/pfizer-vaccine-s-funding-came-from-berlin-not-washington\">warnte bereits im November 2020<\/a> die Nachrichtenagentur <em>Bloomberg<\/em>, handele es sich nicht um ein Wundermittel von Pfizer, sondern um ein Forschungserzeugnis des deutschen BioNTech-Labors, und zwar mit einer <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/technik\/medizin\/corona-impfung-biontech-erhaelt-vom-bund-bis-zu-375-millionen-euro-fuer-impfstoffentwicklung\/26188636.html?ticket=ST-290009-Gsj3V35bV0s2pzbEHk9k-ap2\">Zuwendung der deutschen Bundesregierung<\/a> in H&ouml;he von 375 Millionen Euro. Zu den von <em>Bloomberg<\/em> angef&uuml;hrten Umst&auml;nden (&bdquo;The truth is &hellip;&ldquo;) geh&ouml;rt n&auml;mlich, dass Pfizer von der mit rund 2 Milliarden US-Dollar gef&ouml;rderten &bdquo;Operation Warp Speed&ldquo; der Regierung Donald Trump zur Covid-19-Impfstoff-Forschung keine Mittel f&uuml;r Entwicklung, klinische Pr&uuml;fung und Herstellung des Impfstoffs erhalten hatte.<\/p><p>Die Folge war ein buchst&auml;blicher Doppelsprung im Pfizer\/BioNTech-Deal. Zum einen sprang Pfizer auf den anfahrenden Zug des langj&auml;hrigen Gesch&auml;ftspartners BioNTech und zum anderen sprang die Regierung Angela Merkel f&uuml;r die Sicherung eines deutschen Impfstoffs, aber auch f&uuml;r die Gesch&auml;ftsinteressen des US-Pharmariesen ein, dem eine ethisch mehr als <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=64946\">umstrittene Betriebsgeschichte anhaftet<\/a>. Seitdem sorgt der &bdquo;Pfizer-Impfstoff&rdquo; f&uuml;r Schlagzeilen, nicht nur f&uuml;r Verlockungen. Nach monatelangen Testl&auml;ufen mit tausenden von Probanden gelang Pfizer\/BioNTech bis Dezember 2020 der Verkauf von <a href=\"https:\/\/www.poder360.com.br\/coronavirus\/pfizer-ja-vendeu-594-milhoes-de-doses-da-vacina-de-covid-19-para-america-latina\/\">nahezu 60 Millionen Einzeldosen<\/a> des BNT162b1-Impfstoffs an lateinamerikanische Regierungen, darunter vor allem an Argentinien und Brasilien. Doch schon Wochen sp&auml;ter <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/europas-impfdebakel\/a-56340723\">fehlten im Januar 2021 europaweit die Impfstoffe<\/a>, f&uuml;r dessen Lieferung Pfizer\/BioNTech sowie der britisch-schwedische Konzern AstraZeneca sich gegen&uuml;ber der EU vertraglich verpflichtet hatten.<\/p><p>Dem gingen von Juni bis Dezember 2020 zweifelhafte bis sinistere Verhandlungen mit der deutschen und argentinischen Regierung voraus.<\/p><p><strong>Der krumme Gesch&auml;ftsversuch von BioNTech\/Pfizer mit der EU: 54,08 Euro sollte die Dosis Impfstoff kosten, dennoch Milliarden-Profit<\/strong><\/p><p>Im Februar 2021 erhielten einzelne deutsche Medien Zugang zum streng vertraulichen Angebots-Papier vom Juni 2020, das beide Firmen der EU unterbreiteten. Wortreich wird darin erkl&auml;rt, wie gravierend die wirtschaftlichen Sch&auml;den durch die Pandemie seien, &bdquo;jeder Tag koste die EU 3,8 Milliarden Euro, aufs Jahr gerechnet satte 1,4 Billionen Euro. Nur ein Impfstoff sei der Weg aus dieser Notlage&ldquo;. W&uuml;rde man die Abermilliarden, die die Pandemie an Sch&auml;den verursache, in ein &bdquo;traditionelles Kosten-Wirksamkeits-Modell&ldquo; &uuml;bertragen, k&auml;me man auf einen Preis f&uuml;r eine Dosis Impfstoff, der &bdquo;unangemessen w&auml;re w&auml;hrend einer globalen Pandemie&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/biontech-pfizer-impfstoff-preis-eu-1.5210652\">zitierte die <em>S&uuml;ddeutsche Zeitung<\/em><\/a> aus dem Papier. &bdquo;Nach dieser Vorrede&ldquo;, so die Zeitung weiter, &bdquo;unterbreitete Pfizer\/BioNTech deshalb ein vermeintlich gro&szlig;z&uuml;giges Angebot: In Fettschrift boten die beiden Firmen der EU ihren Impfstoff zum Preis von 54,08 Euro pro Dosis an, bei einer Abnahme von 500 Millionen Dosen. Insgesamt wollten Pfizer\/BioNTech also 27 Milliarden Euro f&uuml;r so viel Impfstoff, dass damit gut die H&auml;lfte der EU-Bev&ouml;lkerung zu impfen w&auml;re&ldquo;.<\/p><p>Doch da staunten die Bundesregierung und die EU: &bdquo;Mit 54,08 Euro w&auml;re der BioNTech-Impfstoff damit mehr als zwanzig Mal so teuer wie eine Dosis jenes Impfstoffs, den AstraZeneca gemeinsam mit der Universit&auml;t Oxford entwickelt hat&ldquo;. Und: Wom&ouml;glich h&auml;tten die &uuml;berzogenen, wenn nicht gar unversch&auml;mten Preisvorstellungen auch ein neues Licht auf die Zur&uuml;ckhaltung mancher EU-L&auml;nder im Sommer gegen&uuml;ber dem BioNTech-Impfstoff geworfen, kommentierte die M&uuml;nchner Abendzeitung. Der endg&uuml;ltige Preis werde bis heute zwar geheimgehalten, doch nach Informationen von <em>NDR<\/em>, <em>WDR<\/em> und <em>S&uuml;ddeutscher Zeitung<\/em> soll er auf 15,50 Euro pro Dosis heruntergehandelt und erst im November 2020 ein Vertragsabschluss zwischen der EU und Pfizer\/BioNTech unterzeichnet worden sein. Die USA hatten bereits im Juli einen Vertrag mit Pfizer geschlossen, der ihnen 100 Millionen Dosen zu rund 16 Euro je Einzeldosis und zum Gesamtpreis von 1,95 Milliarden Dollar sicherte.<\/p><p>Der mit 28 Billionen US-Dollar mega-verschuldeten US-Regierung machten Pfizer und BioNTech keinerlei Auflagen. Anders, beziehungsweise mit frech anmutender kolonialistischer Pose, versuchte das Konzernduo jedoch die Regierung Alberto Fern&aacute;ndez regelrecht zu erpressen.<\/p><p><strong>Impfstoff-Lieferung gegen Gletscher, Milit&auml;r-St&uuml;tzpunkte und Fischerei-Rechte<\/strong><\/p><p>Der argentinische Sanit&auml;rarzt und Referent der Provinzregierung Buenos Aires, Jorge Rachid, versicherte, Pfizer habe im Austausch f&uuml;r die Impfstoff-Lieferung von der Regierung Alberto Fern&aacute;ndez die Verabschiedung eines sogenannten &bdquo;Garantiegesetzes&ldquo; gefordert. &bdquo;Pfizer verlangte ein Gesetz mit Garantien f&uuml;r nicht einklagbare Verm&ouml;genswerte, darunter Erd&ouml;l und Gletscher&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.perfil.com\/noticias\/salud\/asesor-de-kicillof-dijo-que-pfizer-pidio-bienes-inembargables-a-cambio-de-la-vacuna.phtml\">erkl&auml;rte Rachid Ende Dezember 2020<\/a> den erstaunten Reportern und H&ouml;rern des Radiosenders LT8 in Buenos Aires. Mit Bezug auf die Ende 2019 abgel&ouml;ste Regierung Mauricio Macris protestierte der Mediziner, &bdquo;nach einer Regierung wie der, die wir hatten, kommen nun multinationale Unternehmen daher und benehmen sich, als w&auml;re Argentinien eine Kolonie. Argentinien kann dies nicht zulassen&ldquo;.<\/p><p>Auch Gesundheitsminister Gin&eacute;s Gonz&aacute;lez Garc&iacute;a beklagte vor der Gesundheitskommission der argentinischen Abgeordnetenkammer, Pfizer habe bei den Verhandlungen &uuml;ber die Impfstoff-Bereitstellung sich gegen&uuml;ber Argentinien &bdquo;sehr schlecht verhalten&ldquo;. Zu recht erinnerte Gonz&aacute;lez Garc&iacute;a daran, dass Argentinien im Juli 2020 immerhin Pfizer dazu erm&auml;chtigt hatte, eine Phase-3-Studie mit 6.000 Probanden, kostenlosen Einrichtungen und Personal im Land durchzuf&uuml;hren, und dass die Aufsichtsbeh&ouml;rde die Verwendung des von der deutschen Firma BioNTech entwickelten Impfstoffs genehmigte. Die Vertragsverhandlungen seien im September begonnen worden. Argentinien habe jedoch ein Gesetz mit bestimmten regulatorischen Bedingungen f&uuml;r den Fall der Nichteinhaltung von Zahlungs- und Lieferbedingungen verabschiedet, wovon Pfizer bestimmte Klauseln ablehnte; eine Haltung, so der Minister, die &bdquo;enorme Intoleranz&ldquo; offenbart habe. Die renitente Haltung rief schlie&szlig;lich Pr&auml;sident Fern&aacute;ndez auf den Plan. Auch <a href=\"https:\/\/www.ambito.com\/politica\/alberto-fernandez\/la-vacuna-pfizer-tiene-demasiadas-exigencias-que-otras-vacunas-no-han-tenido-n5159340\">er beklagte<\/a>, &bdquo;Pfizer macht zu viele Auflagen, die von anderen Lieferanten niemals vorgetragen wurden&ldquo;.<\/p><p>Als der Mediziner Rachid, der der Landesregierung unter dem ehemaligen Wirtschaftsminister Axel Kiciloff als gesundheitspolitischer Berater dient, den skandal&ouml;sen Deal-Versuch von Pfizer vor die Medien brachte, wirkte er allem Anschein nach als inoffizielles Sprachrohr der argentinischen Bundesregierung. Diese wollte auf keinen Fall mit ihrer Emp&ouml;rung &uuml;ber das Ausma&szlig; des Erpressungsversuchs hinter dem Berg halten. Denn zun&auml;chst verlangte Pfizer, Argentinien solle eine internationale Versicherung abschlie&szlig;en, um &bdquo;potenzielle zuk&uuml;nftige Klagen&ldquo; gegen den Konzern abzusichern. Argentinien stimmte zu. Im Dezember 2020 erhob Pfizer jedoch neue Forderungen, n&auml;mlich Sicherheiten in Gestalt von Staatsverm&ouml;gen. Im Klartext verlangte Pfizer die argentinischen Bankreserven, seine Milit&auml;rbasen und seine Botschaftsgeb&auml;ude im Ausland; selbst die patagonischen Gletscher und Fischereirechte kamen ins Spiel. Oder anders ausgedr&uuml;ckt: Argentinien sollte gegen Impfstoff-Lieferungen seine <a href=\"https:\/\/noticias.perfil.com\/noticias\/informacion-general\/video-por-que-argentina-no-arreglo-con-pfizer-segun-la-tv-india.phtml\">Souver&auml;nit&auml;t aufs Spiel setzen<\/a>.<\/p><p>Wurde Pfizer etwa vom Aktieninhaber und Argentinien-Gl&auml;ubiger BlackRock dazu angestiftet? Der New Yorker Fonds-Verwalter hatte n&auml;mlich noch im Vorfeld des Umschuldungs-Abkommens vom August 2020 mit einem Dutzend internationaler Gl&auml;ubiger Argentinien <a href=\"https:\/\/www.lapoliticaonline.com.mx\/nota\/130720-blackrock-amenaza-con-llevar-a-juicio-a-argentina-tras-fracasar-la-negociacion-de-la-deuda\/\">mit internationalen Klagen gedroht<\/a>. Und nun die Pointe: Ist es etwa ein Zufall, dass Pfizer-Aktion&auml;r BlackRock intensiv in <a href=\"https:\/\/www.undercurrentnews.com\/2018\/03\/20\/blackrock-regains-voting-rights-in-marine-harvest-with-53m-share-purchase\/\">Gesch&auml;fte mit der Fischerei<\/a> und das <a href=\"https:\/\/www.blackrock.com\/us\/individual\/insights\/blackrock-investment-institute\/troubled-waters\">Gesch&auml;ft mit dem Wasser<\/a> involviert ist?<\/p><p>Titelbild: Orpheus FX\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit diesem Bericht wird eine Episode beschrieben, die in den internationalen Kommerzmedien kaum zu lesen war. Vielleicht weil sie &ndash; derart unglaublich &ndash; das durchschnittliche Vorstellungsverm&ouml;gen bei weitem &uuml;berfordert. Doch die Covid19-Pandemie sorgt seit einem Jahr f&uuml;r verbl&uuml;ffende bis skandal&ouml;se Vorg&auml;nge. Ein Bericht von unserem S&uuml;damerika-Korrespondenten <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":71606,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,149,132],"tags":[965,712,2983,872,2880,2953,2931,394],"class_list":["post-71604","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-gesundheitspolitik","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-argentinien","tag-arzneimittel","tag-biontech","tag-blackrock","tag-impfungen","tag-pfizer","tag-reichtum","tag-subventionen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/shutterstock_1875356011.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/71604","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=71604"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/71604\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":71675,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/71604\/revisions\/71675"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/71606"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=71604"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=71604"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=71604"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}