{"id":71622,"date":"2021-04-16T08:46:01","date_gmt":"2021-04-16T06:46:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71622"},"modified":"2021-04-23T11:30:50","modified_gmt":"2021-04-23T09:30:50","slug":"k-frage-welchen-opportunisten-haetten-sie-denn-gerne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71622","title":{"rendered":"K-Frage \u2013 welchen Opportunisten h\u00e4tten Sie denn gerne?"},"content":{"rendered":"<p>Wer in den letzten Tagen Medien verfolgt hat, k&ouml;nnte glatt meinen, diese Woche sei eine Schicksalswoche f&uuml;r Deutschland. Die Unionsparteien und mit ihnen ihre Gremien und Verb&auml;nde zoffen sich &uuml;ber die K-Frage und die Leitartikler sind aus dem H&auml;uschen. Laschet oder S&ouml;der? Wer soll Kanzlerkandidat und eventueller Merkel-Nachfolger werden? F&uuml;r einen Au&szlig;enstehenden, der solche Fragen h&ouml;chstens noch mit Zynismus betrachtet und den Politklatschbasen &aacute; la Robin Alexander oder Albrecht von Lucke bestenfalls am&uuml;sieren, ist diese Debatte erm&uuml;dend. Zwar verkauft sich Politik &uuml;ber Gesichter; der Versuch, die K-Frage analytisch zu betrachten, gleicht jedoch dem Versuch, einen Pudding an die Wand zu nageln. Welcher der beiden Gro&szlig;meister des Opportunismus nun die C-Parteien in die Wahl f&uuml;hrt, ist letztlich eher eine kosmetische Frage, da die Machtzentren im Hintergrund die gleichen bleiben. Ein Kommentar von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3087\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-71622-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210416_K_Frage_welchen_Opportunisten_haetten_Sie_denn_gerne_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210416_K_Frage_welchen_Opportunisten_haetten_Sie_denn_gerne_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210416_K_Frage_welchen_Opportunisten_haetten_Sie_denn_gerne_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210416_K_Frage_welchen_Opportunisten_haetten_Sie_denn_gerne_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=71622-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210416_K_Frage_welchen_Opportunisten_haetten_Sie_denn_gerne_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"210416_K_Frage_welchen_Opportunisten_haetten_Sie_denn_gerne_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>F&uuml;r was steht eigentlich Armin Laschet? Zu dieser Frage k&ouml;nnten Qualit&auml;tsjournalisten gro&szlig;er Zeitungen sicher ganze Seiten f&uuml;llen. Doch warum? Die interessantere Frage ist doch eigentlich: Steht Armin Laschet &uuml;berhaupt f&uuml;r etwas? Hat er &uuml;berhaupt &Uuml;berzeugungen? Um sich diesen grunds&auml;tzlicheren Fragen zu n&auml;hern, reicht eigentlich bereits ein Blick auf seine Positionen zur Corona-Thematik. Solange es ihm opportun erschien, vertrat Laschet hier eine im Vergleich zu anderen CDU-Politikern eher differenzierte Linie. Schnell galt er in der &ouml;ffentlichen Debatte als Kapit&auml;n des &bdquo;Teams &Ouml;ffnen&ldquo;. Medien lieben solche Personalisierungen und Pauschalisierungen. Und da sein Konkurrent in der K-Frage sich gerne in der &Ouml;ffentlichkeit als Kapit&auml;n des &bdquo;Teams Vorsicht&ldquo; pr&auml;sentiert, hatten die Medien mal wieder was zu schreiben. Wunderbar. <\/p><p>Doch wer nun denkt, Armin Laschet sei einer, der die Corona-Politik selbst kritisch oder zumindest differenziert sieht, sah sich schnell get&auml;uscht. Kaum verfestigten sich in den Meinungsumfragen, durch das Trommelfeuer der Medien entfacht, die Mehrheiten f&uuml;r eine rigide Lockdown-Politik, warf der Kandidat seine vermeintlichen &Uuml;berzeugungen &uuml;ber Bord und k&uuml;ndigte bedeutungsschwanger an, er wolle &uuml;ber Ostern erst einmal nachdenken. Was genau er &uuml;ber die Feiertage so dachte, ist nicht &uuml;berliefert. Wahrscheinlicher ist ohnehin, dass er gar nicht nachdachte, sondern sich von seinen Wahlkampfmanagern und Parteifreunden &uuml;berzeugen lie&szlig;, dass er nur dann Chancen auf die Kandidatur habe, wenn er auf dem Corona-Parkett eine flotte 180-Grad-Wende hinlegt. Geboren war der &bdquo;Br&uuml;cken-Lockdown&ldquo;. Der Kapit&auml;n des &bdquo;Teams &Ouml;ffnen&ldquo; wechselte zum &bdquo;Team Vorsicht&ldquo;. In den USA nennt man solche Politiker <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Flip-flop_(politics)\">&bdquo;Flip-Flopper&ldquo;<\/a>, in Deutschland m&uuml;sste man sie wohl Opportunisten nennen. Und Laschet ist ein wahrer Gro&szlig;meister des Opportunismus. <\/p><p>Selbst in progressiven Kreisen hat man Laschet lange Zeit f&uuml;r seine vergleichsweise differenzierte Position in au&szlig;enpolitischen Fragen gelobt. So sind von Laschet beispielsweise in der Tat <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/unklare-kante-armin-laschets-irritierende-aussenpolitische-positionen\/26828462.html\">&Auml;u&szlig;erungen<\/a> zu Russland oder Syrien &uuml;berliefert, die eigentlich die Hoffnung aufkeimen lassen k&ouml;nnten, hier handele es sich um einen Politiker mit R&uuml;ckgrat, der zumindest in hom&ouml;opathischen Dosen zu Differenziertheit f&auml;hig ist. Kaum standen ihm seine &Auml;u&szlig;erungen aber im Vorfeld der Wahl zum CDU-Vorsitz im Weg, <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/kritik-an-aussenpolitik-laschets-verstaendnis-fuer-russland-17152764.html\">distanzierte<\/a> er sich in Windeseile von ihnen. &Uuml;berzeugungen sind f&uuml;r einen Unionspolitiker, der als &bdquo;Papabile&ldquo; gilt, Man&ouml;vriermasse. <\/p><p>Hat Laschet &uuml;berhaupt &Uuml;berzeugungen? Wohl kaum. Wenn Laschet &bdquo;gem&auml;&szlig;igte&ldquo; T&ouml;ne Richtung Moskau twitterte, war dies wohl eher auf den Einfluss der gro&szlig;en NRW-Politikbroker im Hintergrund wie RWE und E.ON zur&uuml;ckzuf&uuml;hren, als auf die &Uuml;berzeugungen des Mannes, der sich selbst attestiert, &bdquo;seit fr&uuml;hester Jugend transatlantisch sozialisiert&ldquo; worden zu sein. Und seine anfangs differenzierte Linie bei der Corona-Thematik d&uuml;rfte ebenfalls keine Geburt aus &Uuml;berzeugung, sondern eine Konzession an die Interessen der Wirtschaft gewesen sein. Aber mit dem Amt oder zumindest der Perspektive auf ein Amt &auml;ndern sich auch die Politbroker und deren W&uuml;nsche. <\/p><p>Und wie sieht es mit Markus S&ouml;der aus? S&ouml;der ist einer der wenigen Politiker, denen noch nicht einmal ein Armin Laschet in Sachen Opportunismus das Wasser reichen kann. Mal gibt er den Hardliner und Reaktion&auml;r, der beispielsweise in der Zeit der Fl&uuml;chtlingskrise der aufstrebenden AfD mit harschen Spr&uuml;chen gegen Migranten W&auml;hler abspenstig machen wollte. Mal gibt er den Gr&uuml;nfink, der die Bienen retten und mit flotten, aber wenig <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2019-07\/umweltschutz-markus-soeder-csu-cdu\">glaubw&uuml;rdigen Umweltinitiativen<\/a> den aufstrebenden Gr&uuml;nen Paroli bieten will. Im letzten Jahr hat sich S&ouml;der nun vor allem als Hardliner in Sachen Corona positioniert und dabei gezeigt, &uuml;ber welche Leichen er zu gehen bereit ist, um seine Umfragewerte zu pushen. Aber auch das ist wohl reine Machtpolitik. Jede Wette &ndash; sobald die &ouml;ffentliche Meinung umschwenkt, wird S&ouml;der seine Fahne ebenfalls in den gedrehten Wind h&auml;ngen und &bdquo;vorsichtige &Ouml;ffnungen&ldquo; fordern. Und das wird gar nicht mehr so lange dauern. Er ist nun einmal ein Opportunist. <\/p><p>Wof&uuml;r S&ouml;der steht, was er denkt und ob er &uuml;berhaupt &Uuml;berzeugungen hat, bleibt bei all seiner durchaus geschickten Selbstvermarktung im Tr&uuml;ben. Fest steht nur, was und wohin Markus S&ouml;der will &ndash; nach ganz oben. <\/p><p>So gesehen sind sowohl Laschet als auch S&ouml;der Politiker des neuen Typs. Politiker, die keine &Uuml;berzeugungen, keine Visionen und kein R&uuml;ckgrat haben. Sie haben viel von der Kanzlerin gelernt und wahrscheinlich lie&szlig; das &bdquo;System Merkel&ldquo; ohnehin nur derartige Opportunisten so weit nach oben kommen, dass sie die Kanzlerin dereinst beerben k&ouml;nnen.<\/p><p>Was wir f&uuml;r die K-Frage und eine m&ouml;gliche Kanzlerschaft der beiden Diadochen erwarten k&ouml;nnen, ist also weniger eine Frage der Personen selbst, sondern eher eine Frage der Netzwerke und Machtzentren hinter diesen Personen. So muss man sich beispielsweise die Frage stellen, warum ausgerechnet ein Friedrich Merz nun so vehement f&uuml;r Armin Laschet eintritt. Und warum bekennt sich Norbert R&ouml;ttgen nicht zu &bdquo;seinem&ldquo; Parteichef und macht <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/reaktionen-auf-k-debatte-der-union-laut-roettgen-geht-es-allein-um-den-wahlsieg-der-union-a-add6bc2c-e338-4870-8644-f8c484bf0c4a\">zwischen den Zeilen<\/a> Wahlkampf f&uuml;r Markus S&ouml;der? Eines sollte klar sein: Die Empfehlung dieser beiden Machtpolitiker ist nicht kostenlos und sie sind auch nicht die einzigen, die sich ihre Unterst&uuml;tzung und Gef&auml;lligkeiten etwas kosten lassen werden. Vor allem die Landesverb&auml;nde d&uuml;rften in dieser Woche ihren Preis f&uuml;r die Unterst&uuml;tzung mit Teams der beiden Kandidaten ausschachern. <\/p><p>Daher ist es eigentlich eher eine kosmetische Frage, welcher Kandidat die C-Parteien in den kommenden Wahlkampf als Spitzenkandidat f&uuml;hrt. Die Felle d&uuml;rften bereits verteilt sein und nicht die Kandidaten, sondern die Netzwerke im Hintergrund bestimmen, was abseits der Wahlkampfrhetorik sp&auml;ter Politik wird. Und da kann einem angst und bange werden. Wie unser Herausgeber Albrecht M&uuml;ller es erst Anfang des Jahres <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68980\">noch einmal unterstrichen hat<\/a>, ist und bleibt die CDU &ndash; genauso wie die CSU &ndash; eine im Kern reaktion&auml;re Partei, die vor allem auf den Feldern der Au&szlig;en-, Sicherheits-, Sozial-, Wirtschafts- und Finanzpolitik am rechten Rand zu verorten ist. Daran &auml;ndert die K-Frage &uuml;berhaupt nichts. Lassen Sie sich also bitte nicht ins Bockshorn jagen. Welcher der beiden Opportunisten k&uuml;nftig das &bdquo;freundliche&ldquo; Gesicht dieser reaktion&auml;ren Partei ist, ist letztlich eher zweitrangig und keinesfalls eine Schicksalsfrage f&uuml;r das Land. Einen Vorteil hat der ganze Pressetrubel jedoch bereits jetzt f&uuml;r die Unionsparteien. Die Korruptionsf&auml;lle in ihren Reihen scheinen irgendwie bereits ins Vergessen geraten zu sein. Oder t&auml;usche ich mich da? <\/p><p>Titelbild: Foto-berlin.net\/shutterstock.com und photocosmos1\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/b049d37214644c00b9120a7c45a775f6\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer in den letzten Tagen Medien verfolgt hat, k&ouml;nnte glatt meinen, diese Woche sei eine Schicksalswoche f&uuml;r Deutschland. Die Unionsparteien und mit ihnen ihre Gremien und Verb&auml;nde zoffen sich &uuml;ber die K-Frage und die Leitartikler sind aus dem H&auml;uschen. Laschet oder S&ouml;der? Wer soll Kanzlerkandidat und eventueller Merkel-Nachfolger werden? 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