{"id":71634,"date":"2021-04-16T13:00:28","date_gmt":"2021-04-16T11:00:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71634"},"modified":"2021-04-16T16:21:31","modified_gmt":"2021-04-16T14:21:31","slug":"die-junta-hat-es-vergeigt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71634","title":{"rendered":"Die Junta hat es vergeigt"},"content":{"rendered":"<p>Die Ma&szlig;nahmen der Milit&auml;rjunta in Burma gegen die Zivilbev&ouml;lkerung werden immer brutaler. Die Zahl der Todesopfer steigt t&auml;glich und d&uuml;rfte zu dem Zeitpunkt, wo diese Zeilen geschrieben werden, die Zahl 800 erreicht haben.  Die Zahl der verletzten und inhaftierten Putschgegner &uuml;bersteigt diese Zahl noch um ein Vielfaches. Die Gener&auml;le sind au&szlig;er sich vor Wut, weil es ihnen elf Wochen nach dem Putsch immer noch nicht gelungen ist, die Proteste zu unterdr&uuml;cken und das Land unter Kontrolle zu bringen. Sie benehmen sich wie eine Besatzungsarmee im eigenen Land. Der Widerstand wird immer st&auml;rker und die Gegenregierung der CPRH gewinnt an Autorit&auml;t. Eine neue burmesische Armee ist dabei sich zu formieren und liefert der Armee bereits jetzt t&auml;gliche Gefechte. Von <strong>Jinthana Sunthorn<\/strong>, Hong Kong. &Uuml;bersetzung aus dem Englischen von der <strong>Redaktion<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Ein kurzer R&uuml;ckblick<\/strong><\/p><p>Am 8. November fanden, inmitten einer Pandemiewelle von Covid-19, Wahlen in Myanmar statt. Die von Friedensnobelpreistr&auml;gerin, Staatsr&auml;tin und Au&szlig;enministerin Aung Suu Kyi gef&uuml;hrte Partei NLD (National Ligue for Democracy), errang einen haushohen Sieg, ja sie konnte ihren Stimmenanteil von 2015 sogar noch erh&ouml;hen und errang &uuml;ber 80% der zu vergebenden Sitze. <\/p><p>Die vom Milit&auml;r geschriebene und dem Volk aufgezwungene Verfassung von 2008 aber erlaubt es dem Milit&auml;r, 25% der Sitze im Unter- und Oberhaus nach eigenem Gutd&uuml;nken zu vergeben. Zudem stehen dem Milit&auml;r, unabh&auml;ngig vom Wahlausgang, die drei wichtigsten Ministerien Inneres, Verteidigung und Grenzangelegenheiten zu. Von diesen drei Ministerien geht die Staatsgewalt aus, das Innenministerium ist f&uuml;r die Verwaltung des Staates zust&auml;ndig.  Die restlichen, weniger wichtigen Ministerien wie Soziales, Familien, Arbeit usw. k&ouml;nnen die gew&auml;hlten zivilen Parteien dann unter sich aufteilen. <\/p><p>Wir wollen das hier zum besseren Verst&auml;ndnis daf&uuml;r, wie undemokratisch die Zusammensetzung der beiden H&auml;user in Myanmar bereits vor jeder Wahl ist, ein wenig aufdr&ouml;seln: [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p><p>Das Unterhaus besteht aus 440 Abgeordneten und das Oberhaus aus 224 Abgeordneten, insgesamt also 664 Sitze.  25% davon sind also 110 resp. 56 Abgeordnetenmandate, die das Milit&auml;r nach Belieben im Unter- und Oberhaus an seine Leute vergeben kann. Bleiben nach Adam Riese noch 330 resp. 168, insgesamt also 498 noch zu w&auml;hlende Abgeordnetensitze. Das Milit&auml;r schickte bei den Wahlen zudem eine eigene Partei, die USDP, ins Rennen um die noch zu vergebenden restlichen 75% der Sitze.  <\/p><p>Nach Ausz&auml;hlung der Stimmen entfielen 258 + 138= 396 Sitze auf die Partei von Suu Kyi und nur 26+7=33 Sitze auf die USDP. Der Rest ging an zahlreiche Kleinstparteien, es waren &uuml;ber 90 (!) Parteien zugelassen. Das Milit&auml;r, obwohl es weniger als 5% der Wahlstimmen auf sich vereinigen konnte, erhielt, weil es ja noch zus&auml;tzlich 110+56= 166 Abgeordnete ernennen darf, 199 von insgesamt 664 Sitzen, also 30%. <\/p><p>Die NLD hatte die Wahlen mit absoluter Mehrheit gewonnen und h&auml;tte, wenn der Putsch sie nicht daran gehindert h&auml;tte, erneut die Regierung in Myanmar bilden k&ouml;nnen.<\/p><p>Das vorherrschende Wahlthema 2020 war die Beschr&auml;nkung der Macht der Milit&auml;rs gewesen. Bereits in ihrer ersten Legislaturperiode hatte die NLD-gef&uuml;hrte Regierung eine wichtige Abteilung, das GAD, aus dem Innenministerium, das laut Verfassung dem Milit&auml;r zusteht, ausgelagert und unter Aufsicht der Zentralregierung gestellt. Auch hatte die NLD erste Versuche unternommen, die Verfassung zu &auml;ndern und die Anzahl der vom Milit&auml;r zu vergebenden Sitze bei zuk&uuml;nftigen Wahlen schrittweise zu beschr&auml;nken, erst auf 15% und in Zukunft dann auf 5%. Myanmars Parlamentswahlen 2020 haben eine &uuml;berw&auml;ltigende Ablehnung der W&auml;hlerschaft an der Beteiligung des Milit&auml;rs in der Politik offengelegt und der zuk&uuml;nftigen Regierung ein klares Mandat f&uuml;r weitere demokratische Reformen gegeben. <\/p><p>Nach dieser erneuten, noch gr&ouml;&szlig;eren Wahlniederlage nach 2015 sah das Milit&auml;r seine Felle den Bach hinunterschwimmen. Der Oberbefehlshaber der Armee, der Faschist und Kriegsverbrecher General Min Aung Hlaing, der kurz nach den Wahlen pensioniert wurde, hatte nach seiner Pensionierung das Amt des Staatspr&auml;sidenten angestrebt, um den Einfluss der Tatmadaw auf Politik und Wirtschaft gegen alle Demokratiebestrebungen wirksam zu verteidigen. Das Wahlergebnis machte seine Hoffnungen zunichte.<\/p><p>Nach dem Sieg der NLD begann die Tatmadaw damit, die Wahlen als gef&auml;lscht zu bezeichnen und von der Wahlkommission eine Neuausz&auml;hlung zu fordern, was diese aber ablehnte. Die Tatmadaw hat nie Beweise f&uuml;r Wahlf&auml;lschungen erbracht und die Wahlen wurden auch international als legitim anerkannt. Das Wahlresultat ist zudem derma&szlig;en eindeutig, dass keine Rede davon sein kann, dass die NLD die Wahlen nur durch Wahlf&auml;lschung gewonnen h&auml;tte. Wir m&ouml;chten an dieser Stelle noch anmerken, dass unseres Erachtens nach das Milit&auml;r in keinem Parlament der Welt, auch nicht in Myanmar, etwas zu suchen hat. <\/p><p>Da die Tatmadaw nun bef&uuml;rchten musste, auf l&auml;ngere Sicht vollst&auml;ndig aus der Politik entfernt zu werden und damit auch ihrer M&ouml;glichkeiten, den Staat weiterhin unkontrolliert auszusaugen, [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] nahm sie die von ihr unbewiesene Behauptung einer Wahlf&auml;lschung am ersten Februar dieses Jahres zum Vorwand, das neugew&auml;hlte Parlament am Tag seiner ersten Sitzung in der neuen Zusammensetzung am Tagen und damit an der Ernennung einer neuen Regierung zu hindern. Stattdessen zogen sie es vor, die Parlamentssitzung zu verhindern und ihre bekanntesten politischen Gegner kurzerhand zu verhaften. Bereits zuvor hatte die Tatmadaw gefordert, die Zusammenkunft des neuen Parlaments bis nach einer Neuausz&auml;hlung der Wahlstimmen zu verschieben. Wo und wann denn nun genau Wahlf&auml;lschungen stattgefunden haben sollten, legten sie wohlweislich nie offen, es blieb bei der vagen Anschuldigung, aber sie deuteten an, dass sie andernfalls die Macht ergreifen w&uuml;rden, was dann auch geschah. <\/p><p>Aber das Milit&auml;r hatte nicht mit den heftigen Reaktionen und den Protesten der Bev&ouml;lkerung gerechnet. Nachdem der erste Schock &uuml;berwunden war, formierte sich der Widerstand. Als erste begannen verschiedene Berufsgruppen, darunter vor allem &Auml;rzte und Krankenhauspersonal, Lehrer und &ouml;ffentliche Bedienstete, zu streiken und gr&uuml;ndeten die Bewegung des zivilen Ungehorsams (CDM). Zu ersten Massenkundgebungen kam es wenige Tage sp&auml;ter. Es dauerte aber noch bis zum 21. Februar, bevor das Milit&auml;r begann, gezielt mit scharfer Munition auf die Demonstranten zu schie&szlig;en. Die Tatmadaw ist seither nur noch in der Lage, ihre Herrschaft durch die brutalsten Ma&szlig;nahmen aufrechtzuerhalten.<\/p><p>Wir wollen hier nicht mehr alle Etappen der Eskalation der Gewalt aufz&auml;hlen. Die NachDenkSeiten haben seit Beginn des Putsches regelm&auml;&szlig;ig davon berichtet, Weiteres kann und konnte man in den t&auml;glichen Nachrichtensendungen im Fernsehen und in der Presse verfolgen.<\/p><p><strong>Die Situation der Tatmadaw wird immer aussichtsloser<\/strong><\/p><p>Ein vorl&auml;ufiger H&ouml;hepunkt der Gewalt war der 27. Februar, der Tag der Streitkr&auml;fte, an dem das Milit&auml;r sich selber mit einer gro&szlig;en Milit&auml;rparade in Naypyidaw feierte und den Tag mit einem Blutbad mit mehr als hundert erschossenen Demonstranten ausklingen lie&szlig;. <\/p><p>Seither ist die Situation immer weiter eskaliert. Die Brutalit&auml;t der Sicherheitskr&auml;fte nimmt t&auml;glich zu. Sollten sie &uuml;berhaupt jemals Skrupel gehabt haben, so haben sie jetzt alle abgelegt. Die Vorgehensweise gegen die Demonstranten wird immer aggressiver. Die Gener&auml;le sch&auml;umen vor Wut, weil das Volk sich nicht unterkriegen l&auml;sst. Je h&auml;rter die Sicherheitskr&auml;fte jedoch gegen die Demonstranten vorgehen, desto erbitterter wird deren Entschlossenheit, nicht aufzugeben, bis die Tatmadaw endg&uuml;ltig besiegt sind. Dieses Mal wollen sie die Sache zu Ende bringen. Selbst ein milit&auml;rischer Sieg der Junta w&uuml;rde keine Stabilit&auml;t in Myanmar bringen, der Widerstand wird trotzdem weitergehen.<\/p><p>Das Milit&auml;r hat inzwischen begonnen, Luftangriffe gegen die Zivilbev&ouml;lkerung zu fliegen, und bereits tausende Menschen aus ihren D&ouml;rfern vertrieben. Sie sind auf der Flucht, entweder im eigenen Land, im benachbarten Thailand, Indien oder Bangladesch. <\/p><p>Die Junta setzt zudem auf Ausgangssperren und Internetabschaltungen, um die Kommunikation zwischen ihren Gegnern einzuschr&auml;nken. Seit Neuestem befehlen sie den Haushalten, ihre Satellitensch&uuml;sseln zu entfernen, damit sie m&ouml;glichst wenig Informationen bekommen. Die Satellitensch&uuml;sseln seien nicht lizenziert und sie drohten damit, rechtliche Schritte einzuleiten, wenn sie feststellen, dass die Satellitensch&uuml;sseln noch da seien, wenn sie das n&auml;chste Mal zur Inspektion kommen. Die Polizei beschlagnahmt Berichten zufolge alle Satellitensch&uuml;sseln in den Gesch&auml;ften.<\/p><p>Haftbefehle wurden gegen 40 bekannte Schauspieler, Models und Social-Media-Influencer ausgestellt, von denen die meisten bereits untergetaucht sind. Sie werden beschuldigt, Informationen zu verbreiten, die zu einer Meuterei in den Streitkr&auml;ften f&uuml;hren k&ouml;nnten.<\/p><p>Unterdessen berichteten staatliche Medien, dass 19 Personen von einem Milit&auml;rgericht wegen Raubes und Mordes zum Tode verurteilt wurden. Sie wurden beschuldigt, einen Offizier verpr&uuml;gelt und seinen Freund, einen Informanten, totgeschlagen zu haben.  17 von ihnen wurden in Abwesenheit verurteilt, es fand kein Gerichtsprozess statt. <\/p><p>Die F&uuml;hrerin der NLD, Aung San Suu Kyi, wurde mit einer neuen Anklage belegt. Sie wurde nicht mehr in der &Ouml;ffentlichkeit gesehen, seit sie in den fr&uuml;hen Morgenstunden des 1. Februar festgenommen wurde. Sie ist jetzt in insgesamt sechs F&auml;llen angeklagt, haltlose Anschuldigungen, zu denen der Besitz von Sprechfunkger&auml;ten geh&ouml;rt. Wenn die Junta nicht gest&uuml;rzt wird, wird sie den Rest ihres Lebens hinter Gittern verbringen. <\/p><p>Die Gewalt ist in den letzten Tagen weiter eskaliert und das Kriegsrecht wurde &uuml;ber viele Townships verh&auml;ngt. Am 11. April erschossen die Tatmadaw 80 Menschen in Bago, in der N&auml;he von Rangun. Damit stieg die Todesrate auf &uuml;ber 700, wenn dieser Beitrag erscheint, werden es bereits 800 oder mehr sein. Es vergeht kein Tag, an dem die Menschen nicht auf die Stra&szlig;e gehen, und es vergeht kein Tag, an dem die Tatmadaw keine Demonstranten erschie&szlig;en oder sie verhaften und zu Tode pr&uuml;geln. &Auml;rzte in den privaten Krankenh&auml;usern werden verpr&uuml;gelt, entweder weil sie verletzte Regierungsgegner behandeln oder weil sie sich weigern, Angeh&ouml;rige der Sicherheitskr&auml;fte zu behandeln. Sanit&auml;ter werden daran gehindert, Verletzte zu bergen, Menschen verschwinden spurlos und ohne Nachricht. Es ist wie zu den Zeiten der s&uuml;damerikanischen Diktaturen, von Guatemala &uuml;ber Chile bis nach Argentinien und Haiti. <\/p><p>Viele Demonstranten verteidigen sich mit Barrikaden, Steinschleudern, Pfeilen und Molotow-Cocktails. &bdquo;Wenn wir nicht zur&uuml;ckschie&szlig;en, werden die Demonstranten leicht get&ouml;tet und die Proteste werden in unserer Gemeinde aufh&ouml;ren&rdquo;, sagt ein Demonstrant auf den Barrikaden und f&uuml;gt hinzu, dass der bewaffnete Widerstand sowohl in l&auml;ndlichen als auch in st&auml;dtischen Gebieten stattfinde. &bdquo;Polizei und Soldaten m&uuml;ssen das Volk f&uuml;rchten. Die Polizei hat Angst vor Gewehren und traut sich nicht, wahllos auf die Menschen zu schie&szlig;en, weil sie wissen, dass die Menschen zur&uuml;ckschie&szlig;en werden,&rdquo; sagte er. <\/p><p>Auf den Barrikaden wird weiterhin mit einsch&uuml;ssigen Gewehren, Schrotflinten, aber auch mit AK47- und M16-Sturmgewehren sowie mit Molotow-Cocktails und Handgranaten und zur Not sogar mit Pfeil und Bogen Widerstand geleistet. <a href=\"https:\/\/youtu.be\/ZuwsLwYf4FA\">Hier Aufnahmen vom 27. M&auml;rz in Rangun<\/a>.<\/p><p>Keine burmesische Regierung, weder die englischen Kolonialherren noch die NLD-gef&uuml;hrte Regierung und auch nicht die die Tatmadaw, waren je in der Lage, ganz Myanmar zu kontrollieren, und sie werden es auch jetzt nicht k&ouml;nnen.  Die ethnischen Minderheiten bewohnen etwa die H&auml;lfte des Landes und deren Armeen kontrollieren weite Teile ihres Territoriums. (siehe Karte).<br>\nDiese Armeen gehen inzwischen zur Guerillataktik &uuml;ber. Sie greifen t&auml;glich irgendwo im Land Polizeiposten und Milit&auml;rst&uuml;tzpunkte der Tatmadaw an oder legen einen Hinterhalt. Sie haben manche St&uuml;tzpunkte bereits erobert und zahlreiche Soldaten und Polizisten dabei get&ouml;tet.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/210416_Myanmar-NDS-01.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/210416_Myanmar-NDS-01.png\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><a href=\"https:\/\/reliefweb.int\/map\/myanmar\/burmamyanmar-states-and-regions-dec-2013\">Die farbigen Gebiete werden weitgehend von den EAO&rsquo;s kontrolliert<\/a><\/p><ul>\n<li>Mindestens 14 Polizisten wurden get&ouml;tet, als bewaffnete ethnische Gruppen einen Au&szlig;enposten des Milit&auml;rs im Shan-Staat angriffen. Die &bdquo;Allianz der Bruderschaft&ldquo; f&uuml;hrte zudem einen t&ouml;dlichen Angriff auf eine Polizeistation im n&ouml;rdlichen Shan-Staat durch.<\/li>\n<li>In der Region Sagaing griffen Einheimische die Soldaten der Junta mit selbstgebauten Gewehren an, als sie h&ouml;rten, dass die in Kalay stationierten Truppen des Regimes auf dem Weg nach Tamu waren, um gegen Anti-Coup-Demonstrationen vorzugehen. Einheimische in Tamu selber griffen die Kr&auml;fte der Junta an, als diese am Samstag in die Stadt eindrangen, um Proteste zu unterdr&uuml;cken.<\/li>\n<li>Im Kayah- und Kayin-Staat sind &Uuml;berf&auml;lle der Karen auf Milit&auml;rau&szlig;enposten und Polizeistationen an der Tagesordnung. Dort bombardierte die Luftwaffe auch D&ouml;rfer der Karen als Rache. <\/li>\n<li>Die gr&ouml;&szlig;te Filiale der Myawaddy-Bank in Mandaly, die dem Milit&auml;r geh&ouml;rt, wurde angegriffen, ein Wachmann wurde bei der Explosion verletzt.<\/li>\n<\/ul><p>Am 4. April f&uuml;hrten Demonstranten sogar einen Gefangenenaustausch mit den Sicherheitskr&auml;ften durch.<\/p><p><strong>Die Parallelregierung nimmt Gestalt an<\/strong><\/p><p>Am 31. M&auml;rz hat das CPRH [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] angek&uuml;ndigt, dass das Projekt einer Interimsregierung der nationalen Einheit auf der Grundlage einer vereinbarten f&ouml;deralen Demokratiecharta vor der Vollendung steht. <\/p><p>Das Komitee besteht haupts&auml;chlich aus Abgeordneten der National League for Democracy (NLD), die in den allgemeinen Wahlen von 2020 gew&auml;hlt wurden, aber wegen des Putsches vom 1. Februar ihren Sitz nicht einnehmen konnten. Das CPRH werde daran arbeiten, die Junta zu st&uuml;rzen, indem sie alle Mittel einsetzt: politisch, wirtschaftlich, sozial, &uuml;ber die Au&szlig;enpolitik, durch Diplomatie und auch milit&auml;risch. Gleichzeitig hat sie die Verfassung von 2008 f&uuml;r aufgehoben erkl&auml;rt und eine f&ouml;derale Demokratiecharta vorgestellt, die allen Akteuren der Opposition, einschlie&szlig;lich der ethnischen Minderheiten, eine Plattform bieten soll, um sich zu einigen und zusammenzuarbeiten. In Rangun feuerten die Menschen daraufhin unter Jubel Feuerwerksk&ouml;rper ab und in mehreren St&auml;dten verbrannten sie &ouml;ffentlich Kopien der Charta von 2008. Die CPRH hat alle Mitglieder der Sicherheitskr&auml;fte aufgefordert, mit ihren Waffen &uuml;berzulaufen, und alle Staatsbediensteten aufgefordert, nicht mehr f&uuml;r die Junta zu arbeiten. Wer die Junta weiterhin unterst&uuml;tzt, wird nach einem Sieg der Volksallianz zur Rechenschaft gezogen werden. <\/p><p>Gestern hat das CPRH bekanntgegeben, dass es bereits am heutigen Freitag eine Liste der neuen Kabinettsmitglieder vorstellen wird. Das Interimskabinett wurde mit Zustimmung der ethnischen bewaffneten Organisationen (EAOs) gebildet und wird auch Minister aus deren Mitte beinhalten.<\/p><p>Als n&auml;chstes sollen nun gesetzgebende und gerichtliche Organe gebildet werden. Auch soll ein nationaler Konvent zur Ausarbeitung einer neuen Verfassung, die erst nach einem nationalen Referendum angenommen werden soll, gebildet werden. Das Interimskabinett wurde nach einer Reihe von Treffen zwischen den derzeitigen CPRH-Mitgliedern und den F&uuml;hrern verschiedener EAOs und ethnischer politischer Parteien gebildet, die nach dem offiziellen Auslaufen der fr&uuml;heren NLD-Regierung am 31. M&auml;rz stattfanden. Die Regierung der nationalen Einheit wird die ethnischen Minderheiten einschlie&szlig;en, die f&ouml;derale Demokratiecharta, die am 1. April ver&ouml;ffentlicht wurde, sieht ein Myanmar mit Autonomie f&uuml;r seine ethnischen Minderheiten vor. <\/p><p>Die Rolle des CPRH muss es jetzt sein, den Einigungsprozess der verschiedenen Interessengruppen und ethnischen Minderheiten voranzutreiben, die Aktivit&auml;ten der CDM zu koordinieren, sich um die diplomatische Anerkennung des Auslandes als legitime &Uuml;bergangsregierung Myanmars zu bem&uuml;hen und sich um die Finanzierung des Aufstandes sowie um die Versorgung der Streikenden und der sich im Aufbau befindlichen Armee zu k&uuml;mmern. <\/p><p>Fast alle wichtigen bewaffneten ethnischen Gruppen haben sich inzwischen hinter das CPRH gestellt. Sie bekommen immer mehr Zulauf von den Menschen, die aus den gro&szlig;en St&auml;dten aufs Land fliehen und gegen die Junta k&auml;mpfen wollen. <\/p><p><strong>Was kann das Ausland tun?<\/strong><\/p><p>Alle wohlmeinenden Appelle und alles gute Zureden des Auslandes an die Junta wird vergebens sein. Die Junta wird nicht aufgeben, sie muss besiegt werden. Dasselbe gilt auch f&uuml;r die Volksallianz. Auch wenn sie besiegt werden sollte, so wird der Widerstand in irgendeiner Form weitergehen. Die Junta wird das Land nie mehr befrieden, egal was passiert, sie hat alle ihre Karten bei der Bev&ouml;lkerung verspielt. <\/p><p>Die westlichen Regierungen m&uuml;ssen jetzt das CPRH als legitime Vertreterin Myanmars anerkennen und damit ihr den Zugang zu &ouml;ffentlichen Geldern erm&ouml;glichen, die im US-Bankensystem eingefroren sind. Das von der CPRH ernannte Kabinett hat sich immer als &Uuml;bergangsregierung bezeichnet, die f&uuml;r die inhaftierten NLD-Minister einspringt. Das Mandat der alten NLD-Regierung lief am 31. M&auml;rz aus, Myanmar hat damit keine vom Parlament gew&auml;hlte Regierung mehr. Das &auml;ndert die Situation in dem Sinn, dass auch die vorher im Parlament vertretenen Anh&auml;nger der Tatmadaw jetzt kein Mandat mehr haben. Alle Diplomaten Myanmars im Ausland sind jetzt theoretisch ohne Legitimation. <\/p><p>Die meisten Regierungen werden versucht sein, abzuwarten, wie breit die CPRH eine Dachregierung zusammenstellen kann, um auch zu sehen, ob sie eine Chance hat, zu &uuml;berleben.<\/p><p>Die Basis der CPRH-Interimsregierung befindet sich in den thail&auml;ndischen Grenzgebieten. Das macht sie teilweise abh&auml;ngig von der thail&auml;ndischen Regierung, die es zulassen muss, dass Waren, Gelder und Menschen &uuml;ber die Grenze kommen. Zurzeit wird die CPRH fast ausschlie&szlig;lich durch die Karen National Union (KNU) versorgt. Die KNU hat langj&auml;hrige Beziehungen zur thail&auml;ndischen Milit&auml;rhierarchie. In der Zukunft k&ouml;nnte die politische Haltung der thail&auml;ndischen Regierung aber ein Problem werden. Sie hat sicherlich kein Interesse an einem Sieg in Myanmar, denn sie muss bef&uuml;rchten, dass ein Sturz der Milit&auml;rjunta auch einen belebenden Einfluss auf die Protestbewegung in Thailand haben k&ouml;nnte. Die thail&auml;ndische Regierung ist selber nur eine Scheindemokratie unter milit&auml;rischer Vorherrschaft.  Aber sie hat auch kein Interesse an einem Zerm&uuml;rbungskrieg der Tatmadaw gegen die KNU an ihrer Grenze zu Myanmar, was Zehntausende von Zivilisten vertreiben und als Fl&uuml;chtlinge &uuml;ber die thail&auml;ndische Grenze treiben w&uuml;rde. Gegen den Willen der thail&auml;ndischen Regierung oder wenigstens ihre Duldung wird die CPRH aber kaum &uuml;berleben k&ouml;nnen<\/p><p><strong>Verhandlungen mit den Tatmadaw?<\/strong><\/p><p>Die f&uuml;nf Jahre der von der der NLD gef&uuml;hrten Regierungskoalition mit den Tatmadaw waren im Grunde genommen nichts anderes als f&uuml;nf Jahre Verhandlungen &uuml;ber den &Uuml;bergang von einer Milit&auml;rdiktatur zu einer Zivilregierung. Die Tatmadaw hatten sich darauf eingelassen, weil sie gehofft hatten, den schlechten Ruf, den Milit&auml;rdiktaturen auf der politischen B&uuml;hne nun einmal haben, durch die Bildung einer Scheindemokratie zu &uuml;bert&uuml;nchen und dabei trotzdem die Kontrolle &uuml;ber das Land zu behalten. Das Instrument hierf&uuml;r sollte die Verfassung sein, die sie wenige Jahre vorher selber geschrieben und mit Tricks und Drohungen durchgesetzt hatten und die sicherstellen sollte, dass sich an den wahren Machtverh&auml;ltnissen in Myanmar nicht &auml;ndern werde. <\/p><p>Egal wer die Wahlen gewinnt, w&uuml;rde gezwungen sein, mit den Tatmadaw zusammen zu regieren, die Tatmadaw ist immer mit in der Regierung, unabh&auml;ngig von irgendwelchen Wahlergebnissen. Wobei die Tatmadaw zudem noch die Schl&uuml;sselministerien und Schl&uuml;sselpositionen behalten und damit die wahren Herren Myanmars bleiben. Der zivile Teil der Regierung w&uuml;rde unter dieser Verfassung, die zu &auml;ndern die Tatmadaw mit ihrem Vetorecht jederzeit verhindern k&ouml;nnen, nur das Feigenblatt einer de facto Milit&auml;rregierung sein. Frau Suu Kyi und die von ihr gef&uuml;hrte NLD haben sich auf das Spiel eingelassen. Als die Tatmadaw, die nie die Kontrolle &uuml;ber das Land abgegeben hatten, und auch nicht vorhaben, das jemals zu tun, zu dem Schluss kam, dass sie riskierten, auf lange Sicht von einer Zivilregierung ins Abseits gedr&auml;ngt zu werden, haben sie das Rad wieder zur&uuml;ckgedreht und den Putsch vom 1. Februar organisiert. <\/p><p>Die Politik des Dialogs mit den Tatmadaw von Frau Suu Kyi ist grandios gescheitert. Jetzt ist Suu Kyi wieder eingesperrt und muss mit einer m&ouml;glichen lebenslangen Haftstrafe rechnen. Ihre Unterst&uuml;tzer wurden festgenommen und gequ&auml;lt. Es bleibt nur noch die &bdquo;traurige Erinnerung an eine zivile Regierung&hellip;, die den Erwartungen der Menschen, die 2015 f&uuml;r die NLD gestimmt haben, nicht gerecht wurde.&ldquo; (Bertil Lintner). Trotzdem bleibt Suu Kyi f&uuml;r die Menschen in Myanmar eine Ikone. Tausende sind jeden Tag auf den Stra&szlig;en, halten ein Bild von ihr hoch und fordern ihre Freilassung. Das ist auch richtig so, die Inhaftierung von Frau Suu Kyi ist ungerecht und illegal. Trotzdem sollte man ihre Politik nach dem Sturz der Junta nicht fortsetzen. Die Tatmadaw m&uuml;ssen zur Rechenschaft gezogen und f&uuml;r immer aus der Politik verbannt werden. <\/p><p>Und nun kommen manche Schreiberlinge und schlagen vor, man m&uuml;sse jetzt mit den Tatmadaw verhandeln, die Gefahr, dass sonst ein B&uuml;rgerkrieg ausbrechen k&ouml;nnte, sei gro&szlig;. Tatsache ist, dass der B&uuml;rgerkrieg in Burma schon seit mehr als 40 Jahren ununterbrochen andauert. Es gab nur eine Besserung w&auml;hrend der 5 Jahre NLD-Regierung unter Suu Kyi, aber es gab nie eine Vers&ouml;hnung mit den ethnischen Gruppen. Es gab lediglich einen Waffenstillstand, der mehr oder weniger auch eingehalten wurde. Der Waffenstillstand wurde 2015 von 10 ethnischen Gruppierungen, kurz vor Amtsantritt der NLD-Regierung von Suu Kyi, mit der Thein-Sein-Regierung vereinbart, nicht mit den Tatmadaw.<\/p><p>Die Grundlagen f&uuml;r den Waffenstillstand wurden von den Tatmadaw selber zerst&ouml;rt, jetzt, wo sie ihre eigene Regierung gebildet haben, indem sie zum Beispiel die Vertragspartner, die EAOs,  mit der Luftwaffe angriffen und bombardierten.<\/p><p>Es gibt wenig Grund zu glauben, dass das Milit&auml;r einen R&uuml;ckzieher machen wird, wenn man sie nur nett genug darum bittet.<\/p><p>Den Leuten, die meinen, jetzt sei der Zeitpunkt f&uuml;r Verhandlungen gekommen, sei gesagt, dass die Tatmadaw nicht einmal die UN-Gesandte, Frau Christine Schraner Burgener, die letzte Woche in Bangkok war, zu Friedensgespr&auml;chen empfangen wollten. Man hat ihr die Einreise nach Burma verweigert. &ldquo;Bin gerade zu Gespr&auml;chen in BKK angekommen. Ich bedaure, dass die Tatmadaw mir gestern antwortete, dass sie nicht bereit sind, mich zu empfangen. Ich bin zum Dialog bereit. Gewalt f&uuml;hrt niemals zu friedlichen, nachhaltigen L&ouml;sungen,&rdquo; schrieb Frau Schraner Burgener auf ihrem offiziellen Twitter-Account. UNO-Beamte sagen, dass die Gesandte nach Myanmar reisen m&ouml;chte, um sich mit den Gener&auml;len pers&ouml;nlich zu treffen, aber ein Sprecher der Junta schloss dies aus.<\/p><p>Manche meinen auch, die ASEAN-Staaten, wo Myanmar Mitglied ist, sollten Verhandlungen mit der Junta aufnehmen. Auch der EU-Au&szlig;enbeauftragte Josep Borell schl&auml;gt das vor, wahrscheinlich um die Verantwortung auf die ASEAN zu &uuml;bertragen. Sie hoffen, die ASEAN k&ouml;nnten es richten. Und wenn nicht, kann man sie beschuldigen, es vergeigt zu haben. <\/p><p>Ein Gipfel der ASEAN zu Myanmar ist f&uuml;r Ende des Monats geplant, mehr als drei Monate nach dem Putsch und nachdem bereits 800 Menschen erschossen wurden. Der Block ist wegen der Krise tief gespalten, am Tag der Streitkr&auml;fte hatte etwa die H&auml;lfte der ASEAN-Mitgliedsstaaten sogar Vertreter nach Naypyidaw geschickt, um mit den Gener&auml;len zu feiern. Das kommt de facto einer Anerkennung der Junta-Regierung gleich. Die ASEAN ist auf Konsens innerhalb ihrer Gruppe ausgerichtet und wird es vermeiden, sich in die &bdquo;inneren Angelegenheiten&ldquo; Myanmars einzumischen. Fr&uuml;here Verhandlungen zwischen den Au&szlig;enministern der ASEAN &uuml;ber den Putsch in Myanmar f&uuml;hrten nicht zu einer einheitlichen Politik. <\/p><p>Au&szlig;erdem haben viele der F&uuml;hrer der Region selber kaum die Priorit&auml;t, demokratische Ideale aufrechtzuhalten. Sie bringen selber ihre Gegner zum Schweigen und schlagen Protestbewegungen gewaltsam nieder, wie jetzt wieder in Thailand. Der Premierminister von Thailand ist selbst ein Putschgeneral. Erwartet man ernsthaft von solchen Leuten, sie w&uuml;rden die Junta in Myanmar verurteilen und f&uuml;r Demokratie k&auml;mpfen? &bdquo;Stabilit&auml;t&ldquo; in Burma, ja, das wollen alle. Von den USA &uuml;ber Europa bis nach Asien und Japan. Die Stabilit&auml;t, die sie meinen, hei&szlig;t, dass man weiter ungest&ouml;rt Gesch&auml;ftsbeziehungen mit Burma pflegen kann. Es hatte ja vor Kurzem noch so sch&ouml;n ausgesehen: Burma unter der F&uuml;hrung einer Friedensnobelpreistr&auml;gerin, nach langen Jahren der Milit&auml;rdiktatur, endlich auf dem Weg zur Demokratie. Und nun das. Das Kapital aber fragt nach Rendite, nicht nach Moral. <\/p><p>Wer in Burma gerade regiert, ist f&uuml;r die Heuchler unwichtig, auch wie es den Menschen dort geht. &bdquo;Stabilit&auml;t&ldquo;, die braucht man f&uuml;rs Gesch&auml;ft und f&uuml;r das &bdquo;Weiter so&ldquo;. Das Orchester spielt derzeit disharmonische T&ouml;ne. Das irritiert die T&auml;nzer. F&uuml;r die Kellner haben sie sich nie interessiert. <\/p><p>Im UNO-Sicherheitsrat halten China und Russland die Hand &uuml;ber die Gener&auml;le und vereiteln jede konkrete Ma&szlig;nahme gegen sie. Es bleibt bei kraftlosen Worth&uuml;lsen. Besonders jetzt w&auml;re z.B. die Verh&auml;ngung einer Flugverbotszone &uuml;ber den Gebieten der ethnischen Minderheiten, dort wo auch viele Mitglieder der neuen Interimsregierung Zuflucht gefunden haben, ein Gebot der ersten Stunde.  Auch der UN-Botschafter von Myanmar, der k&uuml;rzlich in den internationalen Schlagzeilen war, weil er treu zur CPRH steht, fordert eine Flugverbotszone.<\/p><p>Da China und Russland wahrscheinlich auch in n&auml;chster Zukunft weiterhin ihr Veto im UNO-Sicherheitsrat einlegen werden, um Myanmars Gener&auml;le zu sch&uuml;tzen, k&ouml;nnten die einzelnen L&auml;nder sich daf&uuml;r entscheiden, die Angelegenheit offen in der UNO-Generalversammlung zu diskutieren, was den Druck auf die Vetom&auml;chte Russland und China erh&ouml;hen w&uuml;rde.<\/p><p>Viele Ma&szlig;nahmen wie ein Waffenembargo, weitreichende Sanktionen und die Suspendierung der Einkommensstr&ouml;me der Junta m&uuml;ssen aber nicht durch den UN-Sicherheitsrat gehen. Es gibt viele andere M&ouml;glichkeiten f&uuml;r die einzelnen L&auml;nder, Ma&szlig;nahmen zu ergreifen, um die M&ouml;rder zu stoppen. Myanmars &Ouml;l- und Gassektor m&uuml;sste zudem jetzt dringend mit Sanktionen belegt werden, um die Einkommensstr&ouml;me der Junta einzuschr&auml;nken. Aber der franz&ouml;sische Konzern TOTAL, um nur diesen hier zu nennen, weigert sich, die Erdgasf&ouml;rderung im Golf von Martaban einzustellen, obwohl das von den Aufst&auml;ndischen seit Langem gefordert wird. Das dort gef&ouml;rderte Erdgas wird vorwiegend zur Stromherstellung verwendet. Das CPRH hat die Stromkunden aufgefordert, ihre Stromrechnungen nicht mehr zu bezahlen, um der Junta weitere finanzielle Mittel zu entziehen, w&auml;hrend zu gleicher Zeit Total sowie auch andere internationale Konzerne aus der Branche weiterhin brav ihre Steuern an die Junta bezahlen, Geld, das dem Volk und nicht der Junta geh&ouml;rt. Es ist frustrierend, dass Nachbarn wie China, Indien und s&uuml;dostasiatische Nationen kaum Druck auf die Junta aus&uuml;ben und nur hei&szlig;e Luftblasen verstr&ouml;men. &ldquo;Es ist nicht die Frage, ob sie es tun k&ouml;nnen, sondern warum sie es nicht tun,&rdquo; so Dr. Sasa, ein Verb&uuml;ndeter der CPRH. <\/p><p>Die internationale Gemeinschaft muss jetzt alle wirtschaftlichen, rechtlichen und diplomatischen Mittel einsetzen, um das Milit&auml;r in Myanmar zu isolieren. Unt&auml;tig zu bleiben hei&szlig;t, Partei gegen das Volk von Myanmar zu ergreifen. Die Milit&auml;rs in Burma hoffen nur darauf, dass die Welt unt&auml;tig bleibt. <\/p><p><strong>Aufstieg der Autokratie in S&uuml;dostasien<\/strong><\/p><p>Am Tag der Streitkr&auml;fte hat das Milit&auml;r mehr als 100 seiner eigenen B&uuml;rger erschossen. Weit davon entfernt, die Brutalit&auml;t &ouml;ffentlich zu verurteilen, posierten die Milit&auml;rs der Nachbarl&auml;nder, unter ihnen Russland, China, Indien, Thailand und Vietnam, mit den Gener&auml;len und legitimierten damit ihren Putsch.<\/p><p>Der Putsch in Myanmar f&uuml;hlt sich an wie ein Relikt aus der Vergangenheit. Ob in Thailand, auf den Philippinen, in Malaysia und in Kambodscha, &uuml;berall ist die Demokratie auf dem R&uuml;ckzug. Klar, so richtig hat die Demokratie dort nie gebl&uuml;ht, aber wenn es noch bis vor wenigen Jahren so schien, als ob die Situation sich allm&auml;hlich bessern w&uuml;rde, so ist jetzt fast &uuml;berall R&uuml;ckschritt erkennbar. Die Opposition wird zunehmend mundtot gemacht und sitzt, von korrupten Richtern verurteilt, im Gef&auml;ngnis. Die Medien sind handzahm geworden, sie bringen nur noch, was der Regierung nicht weh tut, und berichten &uuml;ber Belangloses. Der UN-Sicherheitsrat wird, egal um welches Land es geht, entweder von den USA, Gro&szlig;britannien und Frankreich, oder aber wie jetzt bei Myanmar, von Russland und China durch das Veto eines der beiden Bl&ouml;cke an entscheidenden Ma&szlig;nahmen gehindert.<\/p><p>&ldquo;Die &Auml;ra der regionalen Machthaber &ndash; sie sind alle M&auml;nner &ndash; ist zur&uuml;ckgekehrt&ldquo;, schrieb die Bangkok Post am letzten Dienstag. &bdquo;Die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Fl&uuml;chtlingsstroms aus Myanmar, im Herzen Asiens, k&ouml;nnte S&uuml;dostasien destabilisieren. Schon jetzt dr&auml;ngen sich Tausende an der Grenze zu Thailand, was die Bef&uuml;rchtung hervorruft, dass sie Covid-19 mit sich bringen werden.&ldquo; <\/p><p>Myanmar ist von Covid-19 viel schlimmer betroffen als Thailand, die Grenzen zwischen Thailand und Burma sind seit April letzten Jahres deswegen geschlossen. Inmitten der aktuellen B&uuml;rgerkriegswirren wird sich die Krankheit mit Sicherheit noch schneller in Myanmar ausbreiten, die Bek&auml;mpfung der Pandemie steht jetzt mit Sicherheit nicht an oberster Stelle der Priorit&auml;ten der Junta. Und der Opposition fehlen die Mittel dazu. <\/p><p>&ldquo;Die Demokratisierung nimmt weltweit Schaden&rdquo;, sagt Thitinan Pongsudhirak, Direktor des Instituts f&uuml;r Sicherheit und internationale Studien an der Chulalongkorn Universit&auml;t in Bangkok. &ldquo;Das Wiederaufleben des Autoritarismus in S&uuml;dostasien ist Teil dieses allgemeinen R&uuml;ckzugs und Rollbacks.&rdquo; <\/p><p>S&uuml;dostasien wird von alten M&auml;nnern regiert, aber mehr als die H&auml;lfte der Bev&ouml;lkerung ist unter 30. Viele haben studiert und sind mit der Welt vernetzt. Ein Sieg der neuen Interimsregierung in Myanmar und ein neuer Demokratisierungsprozess auf einer f&ouml;deralen Grundlage k&ouml;nnte den Trend umkehren, die Entschlossenheit der neuen jungen Generation st&auml;rken und den Menschen in der Region zeigen, dass sich doch etwas &auml;ndert, wenn man daf&uuml;r k&auml;mpft. <\/p><p>Myanmars Reformen im letzten Jahrzehnt kamen jungen Menschen zugute, die sich eifrig mit der Welt verbinden. In Thailand stellen sich dieselben jungen Menschen gegen die alten Dinosaurier im Milit&auml;r und im Netzwerk der Monarchie. &ldquo;Die Jugend S&uuml;dostasiens, diese jungen Digital Natives, verachten von Natur aus den Autoritarismus, weil er nicht mit ihrem demokratischen Lebensstil &uuml;bereinstimmt. Sie werden nicht aufgeben, sich zu wehren&rdquo;, sagt Herr Thitinan. &ldquo;Deshalb ist der Autoritarismus in der Region, so schlimm die Dinge jetzt auch scheinen m&ouml;gen, kein Dauerzustand.&rdquo;<\/p><p>Titelbild: Robert Bociaga Olk Bon\/shutterstock.com<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Unterschiedliche Zeitungen nennen geringf&uuml;gig andere Zahlen. Wir berufen uns <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/2020_Myanmar_general_election\">hier auf Wikipedia, 2020 Myanmar General Election<\/a>. Zu bemerken sei, dass 22 Sitze nicht vergeben wurden, weil in verschiedenen Regionen aus Sicherheitsgr&uuml;nden keine Wahlen stattfanden.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Nachdenkseiten: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71084\">B&uuml;rgerkrieg in Burma Teil 1<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Nachdenkseiten: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69609\">Blutsonntag in Myanmar<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Nachdenkseiten: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71152\">B&uuml;rgerkrieg in Burma Teil 2<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ma&szlig;nahmen der Milit&auml;rjunta in Burma gegen die Zivilbev&ouml;lkerung werden immer brutaler. Die Zahl der Todesopfer steigt t&auml;glich und d&uuml;rfte zu dem Zeitpunkt, wo diese Zeilen geschrieben werden, die Zahl 800 erreicht haben. Die Zahl der verletzten und inhaftierten Putschgegner &uuml;bersteigt diese Zahl noch um ein Vielfaches. Die Gener&auml;le sind au&szlig;er sich vor Wut, weil<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71634\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":71636,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,20,171,190],"tags":[3047,3033,2938,912,282,2341,3024,2564,2539,2840,2177,2875,663,309,1617,2128,2121,2621],"class_list":["post-71634","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-landerberichte","category-militaereinsaetzekriege","category-wahlen","tag-asean","tag-aung-san-suu-kyi","tag-autoritarismus","tag-buergerkrieg","tag-buergerproteste","tag-boykott","tag-ethnische-minderheiten","tag-gewalt","tag-kriegsrecht","tag-massenmord","tag-militaerdiktatur","tag-myanmar","tag-putsch","tag-repressionen","tag-thailand","tag-verfassung","tag-wahlfaelschung","tag-wahlsystem"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/shutterstock_1944980590.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/71634","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=71634"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/71634\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":71670,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/71634\/revisions\/71670"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/71636"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=71634"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=71634"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=71634"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}