{"id":7177,"date":"2010-10-25T09:59:19","date_gmt":"2010-10-25T07:59:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=7177"},"modified":"2014-02-19T12:08:36","modified_gmt":"2014-02-19T11:08:36","slug":"hochschulbildung-und-soziale-ungleichheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=7177","title":{"rendered":"Hochschulbildung und soziale Ungleichheit"},"content":{"rendered":"<p>Eine Powerpointpr&auml;sentation von <a href=\"upload\/pdf\/101020_Wolter_Hochschulbildung_und_soziale_Ungleichheit.pdf\">Andr&auml; Wolter [PDF &ndash; 870 KB]<\/a> im dem Workshop &bdquo;Bildung f&uuml;r alle?&ldquo; der Hans-B&ouml;ckler Stiftung und der IG Metall Frankfurt, am 27.\/28. September 2010.<br>\n<!--more--><\/p><ul>\n<li>Mit der Bildungsexpansion war die Hoffnung verbunden, die sozialen Disparit&auml;ten in der Beteiligung an Hochschulbildung zu reduzieren.<\/li>\n<li>Diese Hoffnung hat sich nur teilweise realisiert. Tats&auml;chlich wird die soziale Zusammensetzung der Studierenden in<\/li>\n<li>Deutschland trotz Expansion exklusiver -auch ein Ergebnis fr&uuml;herer Wellen der Bildungsexpansion.<\/li>\n<li>Das bildungspolitische und wissenschaftliche Interesse konzentriert sich dabei stark auf den Hochschulzugang. &Uuml;ber soziale Selektivit&auml;t w&auml;hrend des Studiums und beim &Uuml;bergang in den Arbeitsmarkt\/Beruf gibt es noch recht wenig empirische Evidenz.<\/li>\n<li>Die Schwelle des Hochschulzugangs ist ein Teil der selektiven Organisation des gesamten Bildungssystems in Deutschland.<\/li>\n<li>Im internationalen Vergleich ist die Selektivit&auml;t des Hochschulzugangs in Deutschland gering. Die &bdquo;eigentliche&ldquo; Selektion findet im Schulsystem statt.<\/li>\n<li>Das Studienberechtigtenpotenzial ist aufgrund dieser Selektion bereits erheblich sozial vorgefiltert. Dennoch bildet auch die Hochschulzulassung noch eine H&uuml;rde. Zur Selektion im Studium (Erfolg, drop-out) sind die Befunde uneinheitlich.<\/li>\n<li>Beim Hochschulzugang greifen &ndash;wie im Schulsystem &ndash;prim&auml;re und sekund&auml;re Mechanismen ineinander.<br>\nDie soziale Differenzierung entkoppelt sich mehr und mehr von sozio&ouml;konomischen Merkmalen und verl&auml;uft vor allem entlang des Merkmals &bdquo;akademischer Bildungs-\/Berufsstatus der Eltern&ldquo; (&rarr;&bdquo;bildungsfern&ldquo;).<\/li>\n<\/ul><p><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/wolter_01_soziale_herkunft.gif\" alt=\"Bild 1: Hochschulbildung und soziale Ungleichheit\" title=\"Bild 1: Hochschulbildung und soziale Ungleichheit\"><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/wolter_02_hochschulbildung_nach_sozialer_zusammensetzung.gif\" alt=\"Bild 2: Hochschulbildung und soziale Ungleichheit\" title=\"Bild 2: Hochschulbildung und soziale Ungleichheit\"><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/wolter_03_hochschulart_nach_sozialer_herkunft.gif\" alt=\"Bild 3: Hochschulbildung und soziale Ungleichheit\" title=\"Bild 3: Hochschulbildung und soziale Ungleichheit\"><\/p><p><strong>Strategien zur sozialen &Ouml;ffnung des Hochschulzugangs: <\/strong><\/p><ol>\n<li>Reduktion prim&auml;rer und sekund&auml;rer Herkunftseffekte in der Schullaufbahn<\/li>\n<li>Ausbau von Wegen zur Hochschule, die &uuml;ber &bdquo;berufliche&ldquo; Bildungseinrichtungen (z.B. Berufs-\/Fachgymnasien) direkt zur Studienberechtigung f&uuml;hren &rarr; unterschiedliche soziale Selektivit&auml;t von Schulformen<\/li>\n<li>Reduktion sekund&auml;rer Ungleichheitseffekte beim Hochschulzugang (z.B. durch Studienfinanzierung)<\/li>\n<li>Ma&szlig;nahmen, die an der Struktur des Hochschulsystems oder des Studiums ansetzen<\/li>\n<li>Alternative Wege zur Studienberechtigung, die Personen ohne schulische Studienberechtigung, aber mit beruflicher Qualifikation eine &bdquo;zweite&ldquo; Chance er&ouml;ffnen<\/li>\n<\/ol><p><strong>Befunde zur sozialen Wirksamkeit alternativer Formen des Hochschulzugangs<\/strong><\/p><ul>\n<li>Hochschulsysteme, die sich insgesamt durch eine h&ouml;here soziale Offenheit auszeichnen, weisen auch h&ouml;here Anteile nicht-traditioneller Studierender auf.<\/li>\n<li>In Deutschland fallen alternative Formen des Hochschulzugangs so schmal aus, dass davon keine Korrektur der sozialen Disparit&auml;ten ausgeht.<\/li>\n<li>Studien zeigen, dass der Anteil der Arbeiterkinder\/ Studierenden aus den &bdquo;unteren&ldquo;\/ &bdquo;bildungsfernen&ldquo; Schichten tendenziell etwa doppelt so hoch ist wie auf regul&auml;ren Zugangswegen.<\/li>\n<li>Aber auch hier zeigen sich abgeschw&auml;cht die herk&ouml;mmlichen Rekrutierungsmuster.<\/li>\n<li>Intergenerationaler Mobilit&auml;t geht oft eine intragene-rationale Mobilit&auml;t voraus: Arbeiterkind &gt; mittlerer Schulabschluss &gt; qualif. Dienstleistungsberuf &gt; Studienberechtigung und Studienaufnahme.<\/li>\n<li>W&auml;hrend der Arbeiterkinderanteil noch recht hoch ausf&auml;llt, ist der Anteil der Studierenden aus industriellen\/gewerblichen Berufen sehr gering.<\/li>\n<li>Alternative Hochschulzug&auml;nge erf&uuml;llen eher eine individuelle Ventil- als eine soziale Korrekturfunktion.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Schlussfolgerungen<\/strong><\/p><ol>\n<li><strong>Fazit: Nach wie vor gibt es ein hohes Ausma&szlig; an sozialen Disparit&auml;ten in der Beteiligung an Hochschulbildung.<\/strong><\/li>\n<li>Die Hochschule ist immer mehr zu einer Institution geworden, die nicht mehr prim&auml;r dem sozialen Aufstieg, sondern der &bdquo;Vererbung&ldquo; (Reproduktion) des in der Familie schon vorhandenen akademischen Bildungskapitals dient. Bedeutsam daf&uuml;r sind vor allem sozio-kulturelle Einflussfaktoren.<\/li>\n<li>Die sozialen Disparit&auml;ten werden vor allem im Schulsystem kumulativ aufgebaut, die Selektionsfunktion des Hochschulzugangs ist vergleichsweise gering.<\/li>\n<li>Die Beantwortung der Frage, ob das Ausma&szlig; an sozialer Ungleichheit beim Hochschulzugang zu- oder abgenommen hat, f&auml;llt unterschiedlich aus &ndash;sie h&auml;ngt vom Vergleichszeitraum ebenso ab wie von der Berechnungsart.<\/li>\n<li>In jedem Fall gibt es ein hohes Potenzial an Jugendlichen, die f&uuml;r ein Studium geeignet w&auml;ren, aber keine Studienberechtigung erwerben oder kein Studium aufnehmen.<\/li>\n<li>Nicht zu untersch&auml;tzen ist die Funktion der &ouml;ffentlichen Studienf&ouml;rderung.<\/li>\n<li>Erkl&auml;rungsbed&uuml;rftig ist die hohe historische Kontinuit&auml;t sozialer Ungleichheitsstrukturen beim Hochschulzugang &uuml;ber alle gesellschaftlichen Ver&auml;nderungen hinweg.<\/li>\n<li>Es gibt in unserer Gesellschaft einen heftigen Kampf um die Verteilung des Bildungskapitals &ndash;um die Statusdistributionsfunktion des Bildungssystems.<\/li>\n<li>Die Bildungsexpansion f&uuml;hrt zu einer st&auml;rkeren Konkurrenz um den Zugang zu den &bdquo;privilegierten&ldquo; sozialen und beruflichen Positionen. Knappheit an h&ouml;heren Zertifikaten und Berechtigungen vermindert den Konkurrenzdruck.<\/li>\n<li>Die Auseinandersetzung wird &uuml;ber weite Strecken dadurch gef&uuml;hrt, dass externe Funktionen von Bildungseinrichtungen in interne transformiert werden (Eignung, Leistung, Studierf&auml;higkeit u.a.) &ndash;ein Mechanismus symbolischer Gewalt (Bourdieu).<\/li>\n<\/ol><p><em><strong>Andr&auml; Wolter<\/strong> ist Professor an der Fakult&auml;t Erziehungswissenschaften der Technischen Universit&auml;t Dresden.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Powerpointpr&auml;sentation von <a href=\"upload\/pdf\/101020_Wolter_Hochschulbildung_und_soziale_Ungleichheit.pdf\">Andr&auml; Wolter [PDF &ndash; 870 KB]<\/a> im dem Workshop &bdquo;Bildung f&uuml;r alle?&ldquo; der Hans-B&ouml;ckler Stiftung und der IG Metall Frankfurt, am 27.\/28. September 2010.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[151,17],"tags":[409,453,742,408],"class_list":["post-7177","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bildungspolitik","category-hochschulen-und-wissenschaft","tag-bildungschancen","tag-hans-boeckler-stiftung","tag-ig-metall","tag-soziale-herkunft"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7177","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7177"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7177\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7179,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7177\/revisions\/7179"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7177"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7177"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7177"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}