{"id":71784,"date":"2021-04-22T09:34:19","date_gmt":"2021-04-22T07:34:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71784"},"modified":"2021-04-22T17:01:44","modified_gmt":"2021-04-22T15:01:44","slug":"politisches-spektakel-bei-der-ovcw-staatenkonferenz-in-den-haag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71784","title":{"rendered":"Politisches Spektakel bei der OVCW-Staatenkonferenz in Den Haag"},"content":{"rendered":"<p><strong>87 von 193 Staaten entziehen dem OVCW-Mitglied Syrien seine Rechte und Pflichten.<\/strong> Nur 15 Staaten stellten sich hinter Syrien. Die anderen Staaten enthielten sich oder waren zur Abstimmung nicht erschienen. Heute geht in Den Haag die 25. Staatenkonferenz der Organisation f&uuml;r das Verbot von chemischen Waffen, OVCW, zu Ende. Es handelte sich um den zweiten Teil des Treffens, der erste Teil hatte  bereits Ende November stattgefunden. Journalisten waren nicht zugelassen, sondern konnten die &ouml;ffentlichen Teile der Konferenz im Internet verfolgen. Neben Formalit&auml;ten wie der Verabschiedung des Haushalts und dem Bericht des Generaldirektors wurde wie jedes Jahr der Opfer von Chemiewaffenangriffen gedacht. Von <strong>Karin Leukefeld<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6470\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-71784-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210422-Politisches-Spektakel-bei-der-OVCW-Staatenkonferenz-in-Den-Haag.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210422-Politisches-Spektakel-bei-der-OVCW-Staatenkonferenz-in-Den-Haag.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210422-Politisches-Spektakel-bei-der-OVCW-Staatenkonferenz-in-Den-Haag.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210422-Politisches-Spektakel-bei-der-OVCW-Staatenkonferenz-in-Den-Haag.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=71784-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/210422-Politisches-Spektakel-bei-der-OVCW-Staatenkonferenz-in-Den-Haag.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"210422-Politisches-Spektakel-bei-der-OVCW-Staatenkonferenz-in-Den-Haag.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>R&uuml;ckblick des Grauens<\/strong><\/p><p>Chemische Waffen wurden w&auml;hrend des 1. Weltkrieges (1914-1918) vor allem von Deutschland, Frankreich und Gro&szlig;britannien eingesetzt. Gro&szlig;britannien bek&auml;mpfte mit Chemiewaffen in den 1920er Jahren Aufst&auml;nde der nordirakischen Kurden. Verschiedene Sorten von chemischen Kampfstoffen wurden von den Nationalsozialisten in Konzentrationslagern zur Ermordung von Gefangenen eingesetzt. Die US-Luftwaffe benutzte Agent Orange und Napalm in ihren Kriegen in Vietnam und Laos (1964-1975). Im verlustreichen Krieg zwischen Irak und Iran (1980-1988) griff der Irak zu chemischen Kampfstoffen. Obwohl der Irak unter der &Auml;gide von UN-Sanktionen und Waffenkontrollen zwischen 1990 und 2003 nahezu vollst&auml;ndig entwaffnet wurde und s&auml;mtliche Programme von chemischen oder biologischen Waffen beendet waren, benutzten die USA und Gro&szlig;britannien angebliche Massenvernichtungswaffen im Irak als Vorwand, um 2003 in das Land einzumarschieren. Eine Resolution des UN-Sicherheitsrates gab es daf&uuml;r nicht. Der Vortrag des damaligen Au&szlig;enministers Colin Powell, mit dem er im UN-Sicherheitsrat um Zustimmung f&uuml;r den Angriff auf Irak warb, stellte sich als L&uuml;ge heraus. <\/p><p>Die israelische Armee setzte im Krieg gegen die Pal&auml;stinenser im belagerten Gazastreifen ebenso Phosphor ein wie im Krieg gegen den Libanon 2016. Im Gebrauch der US-Truppen war und ist wei&szlig;er Phosphor, eine Brandbombe: Falluja\/Irak (2004), Mossul\/Irak und Rakka\/Syrien (2017). Die T&uuml;rkei setzte ebenfalls wei&szlig;en Phosphor im Norden Syriens ein (2019). Wei&szlig;er Phosphor steht nicht auf der Verbotsliste der Chemiewaffenkonvention, ist aber nach der Genfer Konvention verboten f&uuml;r den Einsatz gegen die Bev&ouml;lkerung. Langzeitsch&auml;den bei Nachgeborenen von Opfern dieser Waffe sind zumindest aus Falluja dokumentiert.<\/p><p><strong>Syrien am Pranger<\/strong><\/p><p>Seit 2013 fanden zahlreiche Angriffe mit chemischen Substanzen im Syrienkrieg statt. Die syrische Regierung weist bis heute Vorw&uuml;rfe zur&uuml;ck, chemische Waffen gegen Aufst&auml;ndische eingesetzt zu haben. Im September 2013 unterzeichnete Syrien die Chemiewaffenkonvention und &uuml;bergab sein gesamtes Chemiewaffenarsenal der OVCW zur Vernichtung.<\/p><p>Dennoch wurden weiterhin Angriffe mit chemischen Substanzen aus Syrien berichtet. Ungenannte westliche Geheimdienstquellen gaben an, Syrien verf&uuml;ge &uuml;ber weitere nicht erkl&auml;rte Chemiewaffen und arbeite an einem neuen Chemiewaffenprogramm. Regelm&auml;&szlig;ig wurde das Thema von den USA, Gro&szlig;britannien und Frankreich mit seinen Verb&uuml;ndeten im UN-Sicherheitsrat vorgebracht und Syrien wurde aufgefordert, fehlende Angaben &uuml;ber sein Chemiewaffenprogramm vorzulegen. Syrien mag es heute ebenso gehen wie 2002 dem Irak. Ein irakischer Wissenschaftler, der damals mit seinem Team gegen&uuml;ber UN- und OVCW-Waffeninspektoren den Nachweis erbringen sollte, dass Irak keine Chemie- oder andere Massenvernichtungswaffen mehr hatte, sagte vor Journalisten in Bagdad: &bdquo;Wie sollen wir beweisen, dass wir etwas nicht haben, was wir nicht haben?!&ldquo;<\/p><p>Seit Jahren sorgen nun Vorw&uuml;rfe &uuml;ber angebliche Chemiewaffenangriffe durch die Syrische Arabische Republik innerhalb der OVCW f&uuml;r Konflikte. Bei der aktuellen OVCW-Staatenkonferenz lag ein von westlichen Staaten eingebrachter Antrag  &uuml;ber &bdquo;Besitz und Einsatz chemischer Waffen durch die Syrische Arabische Republik&ldquo; vor. Ziel: Syrien als OVCW-Mitgliedsstaat seine &bdquo;Rechte und Privilegien&ldquo; abzuerkennen. <\/p><p><strong>Das &bdquo;syrische Chemiewaffen-Dossier&ldquo;<\/strong><\/p><p>Hintergrund der anhaltenden Konflikte ist die Frage, welche Entscheidungsbefugnisse beim UN-Sicherheitsrat und welche bei der OVCW oder genauer gesagt, beim Technischen Sekretariat der OVCW und dem Generaldirektor liegen. Seit 2014 gibt es die &bdquo;Fact-Finding-Missions&ldquo; (FFM), die von 2015&ndash;2017 mit der UNO in einer gemeinsamen Mission (JIM) die T&auml;ter hinter chemischen Waffenangriffen in Syrien identifizieren sollte. Konflikte &uuml;ber die Herangehensweise der FFM f&uuml;hrten dazu, dass Russland im UN-Sicherheitsrat die Arbeit von JIM auf eine neue Grundlage stellen wollte. Der entsprechende Resolutionsentwurf wurde von den USA und ihren Partnern im UNSR abgelehnt. JIM stellte die Arbeit ein. <\/p><p>2018 wurde &ndash; auf Initiative der USA und Gro&szlig;britanniens &ndash; auf einer OVCW-Sondersitzung das &bdquo;Investigations- und Identifizierungsteam&ldquo; (IIT) gegr&uuml;ndet, auch Attributionsteam genannt, das nun die T&auml;ter hinter angeblichen Angriffen mit chemischen Waffen in Syrien benennen sollte. Sowohl FFM als auch IIT arbeiten jenseits der urspr&uuml;nglich klaren und transparenten OVCW-Struktur und sind dem Technischen Sekretariat der OVCW eingegliedert. Das Technische Sekretariat wiederum kooperiert in Sachen &bdquo;Syrien&ldquo; lediglich mit dem Generaldirektor, andere Bereiche der OVCW sind ausgeschlossen. Russland und andere Staaten lehnten die IIT-Gr&uuml;ndung ab, weil die Bildung eines solchen Gremiums nicht in der Chemiewaffenkonvention vorgesehen ist. <\/p><p>Mittlerweile hat IIT <a href=\"https:\/\/www.opcw.org\/iit\">zwei Berichte<\/a> &uuml;ber angebliche Angriffe mit chemischen Waffen in Syrien &ndash; drei Angriffe in Ltamneh im M&auml;rz 2017 und ein n&auml;chtlicher Angriff in Sarakeb im Februar 2018 &ndash; &bdquo;mit hoher Wahrscheinlichkeit&ldquo; der syrischen Armee zugeordnet. Damit wird Syrien ein wiederholter Versto&szlig; gegen die Chemiewaffenkonvention vorgeworfen.<\/p><p>Nach Ver&ouml;ffentlichung des IIT-Berichts zu Sarakeb am 12. April 2021 &auml;u&szlig;erte sich das Ausw&auml;rtige Amt in Berlin deutlich: &bdquo;F&uuml;r uns steht fest, dass ein so deutlicher Bruch des V&ouml;lkerrechts nicht folgenlos bleiben darf. Die Verantwortlichen m&uuml;ssen zur Rechenschaft gezogen werden&laquo;, forderte ein Sprecher. Nach dem Willen westlicher Staaten, auch Deutschlands, soll Syrien nun auf der 25. Staatenkonferenz bestraft werden. Ein entsprechender Antrag liegt vor.<\/p><p>&bdquo;Die Bundesregierung wird gemeinsam mit weiteren Partnern eine Entscheidung unterst&uuml;tzen, die vorsieht, Syrien in Reaktion auf die im ersten Bericht des &bdquo;Investigation and Identifcation Teams&ldquo; festgestellte Verantwortung Syriens f&uuml;r den Chemiewaffeneinsatz in Ltamenah (M&auml;rz 2017) nach Artikel 12 des Chemiewaffen&uuml;bereinkommens (C&Uuml;W) Rechte und Privilegien zu entziehen&ldquo;, war aus dem Ausw&auml;rtigen Amt auf Anfrage der Autorin zu h&ouml;ren. Syrien sei einer &bdquo;Entscheidung des Exekutivrats der OVCW vom 9. Juli 2020, zu dem Vorgang Stellung zu nehmen und seine Vertragstreue wiederherzustellen, nicht nachgekommen&ldquo;, so das Ausw&auml;rtige Amt weiter.<\/p><p><strong>Schein und Realit&auml;t<\/strong><\/p><p>Syrien allerdings erkennt die IIT-Berichte nicht an, weil sie nicht nach dem von der OVCW vorgegebenen Procedere zustande kamen. Obwohl sie eingeladen worden waren, waren weder in Ltamneh noch in Sarakeb OVCW-Inspektoren vor Ort, um Proben zu sammeln, mit Augenzeugen zu sprechen, um die Gegebenheiten zu begutachten und von allen Seiten Informationen &uuml;ber das Geschehen einzuholen. Das Material, das seitens der FFM und schlie&szlig;lich auch von IIT ausgewertet wurde, stammte von oppositionellen Kr&auml;ften und wurde den OVCW-Inspektoren in einem Nachbarland Syriens &uuml;bergeben, vermutlich in der T&uuml;rkei. Das syrische Au&szlig;enministerium in Damaskus sagte nach dem Ltamneh-Bericht, die Schlu&szlig;folgerungen seien &bdquo;fabriziert (erfunden) worden mit dem Ziel, der syrischen Regierung falsche Vorw&uuml;rfe zu machen&ldquo;. Die Zeugen seien Angeh&ouml;rige der Nusra-Front und der Wei&szlig;helme gewesen, so Damaskus.<\/p><p>Nach dem angeblichen Angriff in Sarakeb\/Idlib hatten Nachrichtenagenturen (Reuters, AP) berichtet, die Angaben &uuml;ber einen Hubschrauberangriff der syrischen Armee seien von den &bdquo;Wei&szlig;helmen&ldquo; verbreitet worden. Danach h&auml;tten &bdquo;drei ihrer Rettungskr&auml;fte und sechs andere Personen &uuml;ber Atembeschwerden&ldquo; geklagt. Die ebenfalls der syrischen Opposition nahestehende &bdquo;Syrisch-Amerikanische Medizinische Gesellschaft&ldquo; (SAMS) habe berichtet, &bdquo;in ihren Krankenh&auml;usern in Idlib 11 Patienten mit &bdquo;Verdacht auf Chlorgasvergiftung&ldquo; behandelt zu haben. <\/p><p>Trotz vieler Zweifel und Unregelm&auml;&szlig;igkeiten &uuml;ber die Angaben und folgende Untersuchungen sind westliche Staaten sich einig, dass Syrien f&uuml;r die Angriffe verantwortlich sein soll. 18 Europ&auml;ische Staaten, darunter auch Deutschland, erkl&auml;rten am 31. M&auml;rz 2021, eine &bdquo;Internationale Partnerschaft gegen Straffreiheit f&uuml;r den Einsatz von chemischen Waffen&ldquo; in Syrien gegr&uuml;ndet zu haben. &bdquo;40 Staaten und die Europ&auml;ische Union (&hellip;) werden nicht ruhen, bis diejenigen, die chemische Waffen eingesetzt haben, f&uuml;r ihre Verbrechen bestraft sind.&ldquo; <\/p><p><strong>Ein Vorschlag wird abgelehnt<\/strong><\/p><p>Die Vorw&uuml;rfe gegen Syrien, chemische Waffen w&auml;hrend des Krieges eingesetzt zu haben, werden sp&auml;testens seit dem angeblichen Angriff mit chemischen Waffen in Douma am 7. April 2018 auch international erheblich angezweifelt. An der Untersuchung in Douma beteiligte OVCW-Inspektoren hatten aufgrund ihrer Untersuchungen einen Chemiewaffenangriff f&uuml;r unwahrscheinlich gehalten. Erstens war keine entsprechende chemische Substanz gefunden worden, die einer Waffe h&auml;tte zugerechnet werden k&ouml;nnen. Zweitens schienen die Beh&auml;lter, die angeblich das Gas transportiert haben und von der syrischen Luftwaffe abgeworfen worden sein sollten, &bdquo;manuell&ldquo; an ihren Fundort verbracht worden zu sein. Diese Angaben fanden sich weder im Zwischen- noch im Abschlussbericht wieder, das gesamte urspr&uuml;ngliche Douma-Team war nach der Vorlage des ersten Zwischenberichts <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=55809\">abgezogen worden<\/a>. <\/p><p>Ehemalige hochrangige UN-Diplomaten wie der erste Generaldirektor der OVCW Jos&eacute; Bustani, Hans von Sponeck und Richard Falk haben sich in der Berlin Gruppe 21 vernetzt und ver&ouml;ffentlichten k&uuml;rzlich eine <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=70734\">&bdquo;Erkl&auml;rung der Besorgnis&ldquo;<\/a>, die von 28 international bekannten Pers&ouml;nlichkeiten, darunter auch ehemaligen OVCW- und UN-Waffeninspektoren, unterzeichnet worden war. Hans von Sponeck &auml;u&szlig;erte sich dar&uuml;ber ausf&uuml;hrlich in einem <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=70996\">Interview f&uuml;r die NachDenkSeiten<\/a>.<\/p><p>F&uuml;r die Berlin Gruppe 21 wandten sich Hans von Sponeck und Professor Richard Falk nun direkt an die 193 teilnehmenden Staaten der 25. Konferenz der Mitgliedsstaaten und machten einen <a href=\"https:\/\/berlingroup21.org\/bg21-proposal\">Vermittlungsvorschlag<\/a>, um Licht in den Nebel um den &bdquo;redaktionell bearbeiteten&ldquo; OVCW-Abschlussbericht zum Geschehen in Douma zu bringen und die Lage innerhalb der OVCW zu entspannen.<\/p><p>Der Wissenschaftliche Beirat der OPCW (SAB) solle ein &bdquo;geeignetes Gremium bereitstellen&ldquo;, in dem  die Angaben der Inspektoren, die in Douma vor Ort ermittelt hatten und zu einem anderen Ergebnis gekommen waren als der offizielle Abschlussbericht, &uuml;berpr&uuml;ft werden sollten. An dem &Uuml;berpr&uuml;fungsprozess sollten &ndash; hinter verschlossenen T&uuml;ren &ndash; die Inspektoren und der SAB beteiligt werden, so der Vorschlag. &bdquo;Objektive und informierte Kommentare, Empfehlungen und Beurteilungen&ldquo; sollten ausgetauscht werden. Schlie&szlig;lich k&ouml;nnten die Ergebnisse dieses Prozesses ver&ouml;ffentlicht werden, um &bdquo;vollst&auml;ndige Transparenz und Rechenschaftspflicht&ldquo; zu erm&ouml;glichen. <\/p><p>&bdquo;Die Bundesregierung wird den Vorschlag der sogenannten Berlin Group 21, die sich nach eigenen Angaben eigens zu diesem Zweck gegr&uuml;ndet hat, nicht unterst&uuml;tzen&ldquo;, antwortete das Ausw&auml;rtige Amt auf eine Anfrage der Autorin. Man schlie&szlig;e sich der Kritik an dem Abschlussbericht Douma nicht an. Man habe  &bdquo;keine Zweifel daran, dass alle Beweise, Zeugnisse sowie Umwelt- und biomedizinischen Proben sorgf&auml;ltig ausgewertet und im Douma-Bericht ber&uuml;cksichtigt&ldquo; worden seien, &bdquo;eine neue Bewertung des Douma-Vorfalls w&auml;re daher &uuml;berfl&uuml;ssig und unn&ouml;tig.&ldquo; Nach Ansicht des Ausw&auml;rtigen Amtes gebe es vielmehr &bdquo;systematische Versuche, die Arbeit der OVCW zu diskreditieren&ldquo;, seit die OVCW begonnen habe, das syrische Chemiewaffenprogramm zu untersuchen.<\/p><p><strong>Die OVCW: Glaubw&uuml;rdig oder Erf&uuml;llungsgehilfe einiger Staaten?<\/strong><\/p><p>Noch w&auml;hrend der Arbeit an diesem Text verbreitete die deutsche Nachrichtenagentur dpa von der OVCW-Staatenkonferenz: &bdquo;Syrien ist wegen des mehrfachen Einsatzes von Giftgas im B&uuml;rgerkrieg von der Chemiewaffenkontrollbeh&ouml;rde OPCW suspendiert worden.&ldquo; Das Land habe sein Stimmrecht verloren, weil es &bdquo;mehrfach gegen die Konvention zum Verbot der Chemiewaffen versto&szlig;en&ldquo; habe.<\/p><p>Eine Gruppe von 46 westlichen Staaten hatte in einem Antrag &bdquo;&Uuml;ber den Besitz und Einsatz von chemischen Waffen durch die Syrische Arabische Republik&ldquo; die Bestrafung Syriens gefordert. Der Botschafter Frankreichs, Luis Vassy, brachte laut dpa die Resolution ein, weil man es &bdquo;dem syrischen Volk schuldig&ldquo; sei. <\/p><p>Von den 193 Mitgliedsstaaten beteiligten sich 136 an der Abstimmung. Davon stimmten 87 f&uuml;r die Resolution und folgten damit dem Antrag der EU- und NATO-Staaten Kanada, USA und Australien. 15 Staaten stimmten gegen die Resolution, 34 enthielten sich.  <\/p><p>Vor der Abstimmung hatte der russische OVCW-Botschafter Alexander Shulgin an die Staatenkonferenz <a href=\"https:\/\/netherlands.mid.ru\/web\/netherlands-en\/-\/statement-by-the-head-of-the-delegation-of-the-russian-federation?inheritRedirect=true&amp;redirect=%2Fweb%2Fnetherlands-en%2Fpermanent-representation-of-russia-to-the-opcw\">appelliert<\/a>, die Erkl&auml;rung abzulehnen. Weil alles, was Russland vorbringe, mittlerweile von bestimmten L&auml;ndern sofort als &bdquo;Desinformationskampagne&ldquo; abgelehnt werde, mit der &bdquo;die OVCW in Misskredit gebracht&ldquo; werden solle, wolle er es einmal anders beschreiben. <\/p><p>Die &bdquo;Grundlagen der OVCW&ldquo; w&uuml;rden von einer &bdquo;Euro-Atlantischen Gemeinschaft&ldquo; untergraben, um deren geopolitische Interessen (im Mittleren Osten und gegen Syrien) durchzusetzen. Westliche Staaten h&auml;tten in den letzten Jahren einen Mechanismus innerhalb der OVCW etabliert, mit dem unerw&uuml;nschte Staaten in Verruf gebracht w&uuml;rden. Das, was im Falle Syriens als &bdquo;Tatsachen&ldquo; durch OVCW-Strukturen &bdquo;legalisiert&ldquo; werde, basiere auf einem Szenario, an dem westlich gesponserte Nichtregierungs- und pseudo-humanit&auml;re Organisationen &bdquo;wie die ber&uuml;hmt-ber&uuml;chtigten Wei&szlig;helme&ldquo; mit Provokationen und gestellten Videos beteiligt gewesen seien. Das so produzierte Geschehen werde dann von westlichen Medien verbreitet, Politiker g&auml;ben Erkl&auml;rungen ab und die OVCW &bdquo;legalisiert&ldquo; diese F&auml;lschungen. Nie habe es in der Geschichte der OVCW und der Chemiewaffenkonvention etwas gegeben wie das Vorgehen gegen Syrien.  <\/p><p>Es gehe um die Zukunft der OVCW, so Shulgin: &bdquo;Entweder wird sie weiter eine international glaubw&uuml;rdige Organisation sein, die sich der Abr&uuml;stung und Nichtverbreitung chemischer Waffen verschrieben hat, oder sie wird zu einer Plattform f&uuml;r Manipulationen und Erf&uuml;llungsgehilfe f&uuml;r die Ambitionen bestimmter Staaten.&ldquo;  <\/p><p>Die Organisation f&uuml;r das Verbot von Chemiewaffen wurde 1997 gegr&uuml;ndet. Die ihr zugrundeliegende Chemiewaffenkonvention wurde bis heute von 193 Staaten unterzeichnet. 98 Prozent der weltweiten Best&auml;nde an chemischen Waffen wurden bisher unter Aufsicht der OVCW vernichtet. 2013 wurde die Organisation mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. <\/p><p>Titelbild: Mike Chappazo\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>87 von 193 Staaten entziehen dem OVCW-Mitglied Syrien seine Rechte und Pflichten.<\/strong> Nur 15 Staaten stellten sich hinter Syrien. Die anderen Staaten enthielten sich oder waren zur Abstimmung nicht erschienen. Heute geht in Den Haag die 25. Staatenkonferenz der Organisation f&uuml;r das Verbot von chemischen Waffen, OVCW, zu Ende. Es handelte sich um den zweiten<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71784\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":71785,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,171,11],"tags":[2020,1409,469,641,1611,2359,259,1553,1556],"class_list":["post-71784","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-militaereinsaetzekriege","category-strategien-der-meinungsmache","tag-biochemische-waffen","tag-gifteinsatz","tag-grossbritannien","tag-irak","tag-kriegsluegen","tag-opcw","tag-russland","tag-syrien","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/shutterstock_1924245251.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/71784","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=71784"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/71784\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":71820,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/71784\/revisions\/71820"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/71785"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=71784"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=71784"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=71784"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}